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De Leite – Paljas Winter Whisky Infused

Hinter dem Paljas-Bier steht die belgische Brauerei Brouwerij De Leite aus Oostkamp in der Nähe von Brügge. Sie gehört zu jener Generation moderner belgischer Brauer, die Tradition nicht als Museum verstehen, sondern als Werkzeugkasten. Gebraut wird mit natürlichen Zutaten und Flaschengärung, gleichzeitig erlaubt man sich aber kreative Spielräume. Genau daraus entsteht die Paljas-Reihe, deren Name übersetzt so viel wie Narr oder Spaßmacher bedeutet. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: ernsthaft handwerklich gebraut, aber bitte ohne bierernste Attitüde. Klassische belgische Stile werden hier nicht kopiert, sondern freundlich angestupst. Und genau aus dieser Reihe stammt auch das Paljas Winter. Ein mit Whisky veredeltes Winter Ale mit 7,5 Volumenprozent Alkohol, das jetzt vor mir steht.

Rotbraun und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist etwas dürftig und so fällt sie auch schnell in sich zusammen.

Das Bier duftet malzbetont mit röstigen Noten und Karamell, etwas Karamell, nach Trockenfrüchten und Whisky. Ein so komplexes Aroma macht bei mir selbstverständlich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß und er überzeugt durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge kommt der Geschmack nach Rosinen und Whisky in den Vordergrund, wobei der Whisky weniger für Rauch als für wohlige Wärme sorgt – eher Ohrensessel als Lagerfeuer. Die Bittere ist sehr zurückhaltend. Mir fällt auf, dass das Bier für 7,5 Volumenprozent Alkohol einen recht schlanken Körper hat. In der Kehle wird der Geschmack des Whiskys kräftiger, so dass er die anderen Aromen überdeckt. Dafür klingt der Geschmack sehr lange nach und jetzt macht sich auch der Alkohol wärmend bemerkbar.

Ich finde dieses Bier gerade aus diesem Grund interessant: Es ist kein typisches Gewürzbier und auch kein süßes Dessert-Stout. Statt Weihnachtsgewürzen stehen Malz, belgische Gäraromen und Wärme im Mittelpunkt. Das Ergebnis ist ein Winterbier, das nicht nach Jahrmarkt schmeckt, sondern nach ruhigem Abend. Weniger Glühwein-Stimmung, mehr Kaminzimmer.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Whisky

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Bittereinheiten:

35 IBU

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brouwerij de Leite
De Leiteweg 32a
8020 Oostkamp
Belgien
www.deleite.be

Circus – Winter Ale

Wer eine Brauerei „Circus Brouwerij“ nennt, verpflichtet sich natürlich zu einem gewissen Unterhaltungsprogramm. Hinter dem Namen stecken tatsächlich zwei ehemalige Zirkusartisten aus Belgien, die irgendwann beschlossen haben, dass Applaus zwar schön ist, aber ein volles Glas deutlich nachhaltiger wirkt. Also gründeten sie eine Brauerei – und machen seitdem Biere mit mehr Charakteren als eine Kleinkunstbühne an einem Freitagabend.

Die Etiketten lesen sich entsprechend wie ein Programmheft, und jedes Bier bekommt seine eigene Rolle. Beim Winter Ale betritt ein Lebkuchenmännchen die Manege. Sie wissen also schon vor dem ersten Schluck: Hier wird nicht nur gebraut, hier wird inszeniert.

Im Glas zeigt sich das Circus Winter Ale mahagonifarben mit üppiger elfenbeinfarbener Schaumkrone und einladend.

In der Nase treten sofort Lebkuchengewürze auf den Plan – Weihnachten ohne Einkaufsstress. Dazu kommen Aromen nach Nelken, Karamell, Vanille, Zimt, und etwas Banane, dazu aus dem Hintergrund noch ein Hauch Melasse.

Der Antrunk ist weich und vollmundig. Er zeichnet sich durch seine angenehme Malzsüße sowie die sehr feinperlige Kohlensäure aus. Das Circus Winter Ale ist kein Hauruck-Winterbier. Am Gaumen dominieren die Röstaromen, unterstützt durch die Gewürze, die eindeutig denen des Spekulatius aus den Niederlanden entsprechen. Die Bittere ist stil- und herkunftstypisch gering und das Mundgefühl ist weich. Auch in der Kehle ist das Bier mild, die 10 Volumenprozent Alkohol wärmen im Magen und in der Kehle klingt der Geschmack überraschend lange nach.

Das ist kein Durstlöscher, sondern ein Begleiter. Eines dieser Biere, bei denen man automatisch langsamer trinkt und plötzlich anfängt, über das Leben nachzudenken – oder zumindest darüber, ob noch Plätzchen da sind. Und das Schönste: Das Circus Winter Ale ist flüssiger Advent, ganz ohne Last Christmas im Radio.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker, Hefe, Gewürze, Frühstückskuchen

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

28 EBC

Brauerei:

Circus Brouwerij
Transfostraat 28
8550 Zwevegen
Belgien
https://www.circusbrouwerij.be

De Dochter van de Korenaar – Charbon Smoked Vanilla stout

Manchmal gibt es Biere, die man trinkt. Und manchmal gibt es Biere, die eher so wirken, als hätte jemand einen gemütlichen Winterabend in flüssige Form gebracht. Das Charbon Smoked Vanilla Stout gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Die belgische Brauerei ist bekannt dafür, gerne mit Fassreifungen, kräftigen Malzkörpern und feinen Spielereien zu arbeiten, ohne dabei in reine Süßwarenabteilung abzurutschen. Genau das verspricht auch dieses Stout: Rauch, Röstmalz und Vanille stehen auf dem Etikett – eine Kombination, die schnell nach Grillmarinade oder Weihnachtsbäckerei klingen kann. Ich hoffe, hier passiert etwas mit mehr Eleganz.

Im Glas präsentiert sich das Bier blickdicht schwarz mit einer cremigen, haselnussbraunem Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Hier haben die Brauer zumindest optisch mal wieder ein Meisterstück abgeliefert.

Das Bier duftet nach Kaffee und dunkler Schokolade. Aus dem Hintergrund kommt ein feines Raucharoma, das aber nicht so kräftig ist, dass es an einen Räucherschinken erinnert. Die Vanille hält sich diskret im Hintergrund und ich kann sie erst entdecken, nachdem ich mehrfach an dem Bier gerochen habe. Dabei müsste sich die Vanille eigentlich nicht verstecken – schließlich kommt sie aus Madagaskar und Réunion, also den Anbaugebieten, die für ihre besonders aromatische Vanille bekannt sind.

Der Antrunk zeichnet sich durch seine stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Karbonisierung aus. Trotz der Süße wirkt das Bier aber nie dessertartig, da die verschiedenen Aromen sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Seine Komplexität beweist das Bier aber erst am Gaumen. Zur Süße kommen die Aromen nach dunkler Schokolade und Lakritz. Auch die Raucharomen kommen jetzt stärker zum Tragen als ich es in der Nase erwartet habe. Dazu kommt jetzt auch die Vanille zum Vorschein, wenn auch etwas schüchtern, denn sie kommt nicht recht aus dem Hintergrund hervor, kann aber die Kanten der anderen Aromen glätten. Für ein Stout ist auch die Bittere überraschend kräftig. Das Mundgefühl ist rund und cremig. In der Kehle legt die Bittere noch etwas zu, während das Bier überraschend trocken wird, und zusammen mit dem Lakritzaroma klingt der Geschmack sehr lange nach.

Ich weiß nicht mehr, von wem ich den folgenden Spruch habe, aber er passt auf das Charbon sehr gut: Wenn Guinness ein dunkler Pub-Abend ist, dann ist Charbon der gleiche Abend – nur draußen am Feuer mit einem Stück Käse und jemand erzählt plötzlich interessante Geschichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz (über Eiche geräuchert) Roggenmalz, Hopfen, Vanille, Hefe

Alkoholgehalt:

7 % Vol.

Bittereinheiten:

46 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Brasserie Fantôme – Fantôme Saison

Die Brasserie Fantôme ist eine kleine, kultige belgische Brauerei aus dem Ort Soy (Gemeinde Érezée) in der französischsprachigen Wallonie, die seit 1988 insbesondere für ihre Saisons und Farmhouse‑Ales bekannt ist. Sie wurde von Braumeister Dany Prignon gegründet und hat sich im Laufe der Jahre einen Ruf für ungewöhnliche, oft sehr charaktervolle Biere erarbeitet.

Fantôme‑Saisons gehören zu jenen Bieren, die sowohl in Belgien als auch international bei Bierliebhabern hohe Beachtung finden, auch wenn sie in der Heimat vergleichsweise selten ausgeschenkt werden. Die Brauerei produziert ihre Biere meist in relativ kleinen Mengen, oft in 750‑Milliliter‑Flaschen mit Korkverschluss, und viele Varianten erscheinen als Einzelsude oder saisonale Spezialitäten, wobei Dany Prignon häufig mit Kräutern, Gewürzen oder ungewöhnlichen Zutaten experimentiert.

Als ich die Flasche öffnen will, erlebe ich meine erste Überraschung: unter dem Kronkorken ist die Flasche auch noch mit einem Naturkorken verschlossen. Um an das Bier heranzukommen, sind daher sowohl ein Flaschenöffner als auch ein Korkenzieher erforderlich. Aber das ist ein lösbares Problem.

Orangefarben und mit kräftiger Hefetrübung fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine weiße Schaumkrone, die anfangs recht flott in sich zusammenfällt, aber ein Rest bleibt sehr lange erhalten.

Das Aroma ist so komplex, dass mir sofort klar wird, dass die Brauer bei der Komposition der Zutaten wohl lange getüftelt haben. Ich rieche Orange und Grapefruit, Ananas und Pfirsich, Biskuitteig und hellen Honig, abgerundet wurde einige würzige Noten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine erstaunliche Süße aus, die ich so nicht erwartet habe. Gleichzeitig sorgt die feinperlige und lebendige Kohlensäure für eine ansprechende Spritzigkeit und Frische. Am Gaumen wird das Bier dann trockener und die Fruchtigkeit steht im Mittelpunkt. Sie ist aber gut mit der Bittere abgestimmt. Der Körper ist vergleichsweise schlank. Ich schätze komplexe und kreative Biere, die aber nicht krampfhaft originell sein wollen. Daher liebe ich dieses Bier. In der Kehle wird die Bittere noch einmal kräftiger und dieser Geschmack klingt sehr lange nach.

Das Fantôme Saison macht seiner Herkunft, der Wallonie, alle Ehre.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brasserie Fantôme
Rue Préal 8
6997 Erezée
Belgien
www.fantome.be

De Glazen Toren – Jan de Lichte

Witbier ist ein belgischer Weizenbierstil, der traditionell mit Koriandersamen und Orangenschalen gewürzt wird. Es ist hell, naturtrüb, spritzig und lebt weniger von Hopfenbittere als von frischen, würzigen und zitrusartigen Aromen. Und genau hier setzt das Jan de Lichte der belgischen Brauerei De Glazen Toren an – allerdings nicht leise und zurückhaltend, sondern mit ordentlich Charakter.

Golden wie frisches trockenes Weizenstroh und mit einer kräftigen Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine feste schneeweiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

In der Nase stehen frische Zitrusnoten im Mittelpunkt: Banane, Orange, und ein Hauch Zitrone. Abgerundet wird das Aroma durch die Würzigkeit des Korianders. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk überzeugt durch seine stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge zeigt sich, dass Süße, Säure und Bittere gut ausbalanciert sind. Auch jetzt stehen die fruchtigen Aromen im Mittelpunkt, während die würzigen Noten des Korianders und der Orangenzesten erst langsam zum Tragen kommen. Da die sieben Volumenprozent Alkohol gut eingearbeitet sind, ergibt sich ein samtiges Mundgefühl. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere dominiert gemeinsam mit der Fruchtigkeit. Obwohl sie durchaus dezent bleiben, klingen sie sehr lange nach.

Jan de Lichte verbindet die typische Frische eines Witbiers mit der Intensität eines starken belgischen Ales. Ideal zu leichten Fischgerichten, Ziegenkäse oder einfach als Solist an einem warmen Abend, wenn man dem Glas gern etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Brouwerij de Glazen Toren
Glazentorenweg 11
9420 Erpe-Mere
Belgien
www.glazentoren.be

Brasserie Minne – Ardenne Stout

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Brasserie Minne im wallonischen Somme Leuze vor mir. Bislang haben mir alle Biere dieser Brauerei sehr gut gefallen, so dass ich auch jetzt auf eine angenehme Verkostung hoffe. Öffne ich also die Flasche.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine feinporige haselnussbraune Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Schon optisch macht das Bier klar, dass es ernst meint.

Das Aroma ist eindeutig malzbetont. Ich rieche dunkle Schokolade und Kaffee, frisch geröstetes Malz und Kandis. Dazu kommt noch ein Hauch Lakritz. Wenn das Bier so schmeckt wie es riecht, kann es mich nur begeistern.

Der Antrunk zeichnet sich durcheine stiltypische Süße aus, während die reichlich dosierte feinperlige Kohlensäure für eine angenehme Frische sorgt. Am Gaumen geht die Süße zurück und die Röstaromen kommen in den Vordergrund. Sie bringen eine angenehme Bittere mit, die sehr schön mit den Schokoladen- und Kaffeearomen spielt. Das Mundgefühl ist überraschend schlank, dabei aber weich bis cremig. Wie ich es bei einem Stout erwarte, bleibt der Hopfen diskret im Hintergrund und liefert lediglich eine leichte herbe Note, die dem Bier seine Tiefe verleiht. Erst in der Kehle kommt die Bittere richtig hervor und sorgt für einen recht langen Nachklang

Das Ardenne Stout von der Brasserie Minne ist ein klassisches, handwerklich gebrautes Stout, das weniger auf Wucht als auf Balance setzt. Ideal für ruhige Abende, zu reifen Hartkäsen, Karamellpudding oder einfach pur, wenn man Lust auf ein unaufgeregtes, stiltreues dunkles Bier hat.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Invertzucker, Hopfen (Mosaic, Belgian Golding und Hallertau), Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

60 IBU

Brauerei:

Brasserie Minne
ZA Nord Bailonville 9
5377 Somme Leuze
Belgien
www.brasserieminne.be

Roman – Adriaen Brouwer Oaked Winter Edition

Draußen liegt der Schnee, ich sitze im Warmen und vor mir steht ein Belgian Strong Ale mit 10 Volumenprozent Alkohol, im Eichenfass gereift und als Winter Edition gekennzeichnet. Die Fässer waren vorher mit Sherry und Whisky belegt.

Hinter dem Adriaen Brouwer Oaked steht die Brouwerij Roman, eine der traditionsreichsten Brauereien Belgiens. Sie wurde bereits 1545 in Mater (in der Nähe von Oudenaarde, Belgien) gegründet und gilt als älteste durchgängig familiengeführte Brauerei des Landes. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich Brouwerij Roman vom regionalen Produzenten klassischer Braustile zu einer Brauerei mit einer vielfältigen Palette an Spezialbieren entwickelt. Heute umfasst das Sortiment unter anderem traditionelle belgische Stile wie Tripel, Dubbel und Abteibiere, aber auch moderne Interpretationen und saisonale Spezialitäten wie das Adriaen Brouwer Oaked.

Was will ich mehr? Beginne ich also mit der Verkostung.

Rubinrot und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine beige feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Besser kann das Bier nicht aussehen.

In der Nase sind Aromen nach Holz, Rosinen und Schokolade präsent, unterstützt durch würzige Noten, die an frisch gemahlenen Pfeffer erinnern. Auch die Süße des Malzes kommt mit dem Duft nach Karamell zum Tragen. Die deutliche Alkoholnote stört nicht, sondern unterstützt die anderen Aromen angenehm.

Beim ersten Kontakt des Bieres mit der Zunge dominieren eine angenehme Malzsüße sowie eine sehr feinperlige und trotzdem kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge wird die Süße noch kräftiger und jetzt kann ich auch den Geschmack von Kandis feststellen, der gut mit den an Trockenfrüchte erinnernden Aromen und dem Holzton zusammenpasst. Säure kann ich nicht feststellen, auch die Bittere ist sehr zurückhaltend. Insgesamt entsteht ein samtiges Mundgefühl. Auch wenn die Bittere in der Kehle etwas kräftiger wird, bleibt sie doch zurückhaltend. Der Alkohol wärmt im Magen. Leider klingt der Geschmack nicht allzu lange nach.

Das Bier eignet sich gut als Genuss zum Dessert oder zu kräftigem Käse. Auch allein am Kamin kann ich es mit in der Winterzeit vorstellen.

Das Adriaen Brouwer Oaked Winter Edition ist mehr als nur ein Winterbier – es ist ein komplexer, kraftvoller Ausdruck belgischer Braukunst, der Tradition und kreatives Fass‑Aging vereint. Und hinter ihm steht mit Brouwerij Roman eine Brauerei mit fast fünf Jahrhunderten Geschichte, die bis heute klassische Werte und moderne Bierkultur gleichermaßen hochhält.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Gerste, Karamell Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

 10 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brouwerij Roman
Hauwaart 105
9700 Oudenaarde
Belgien
www.romanshop.be

Brasserie de la Senne – Schieve X-MAS

Die Brasserie de la Senne ist eine belgische Kleinbrauerei aus Brüssel (Molenbeek-Saint-Jean), gegründet 2003 von Yvan De Baets und Bernard Leboucq. Sie ist nach dem Fluss Senne benannt und hat sich einen Namen gemacht mit charaktervollen, unfiltrierten Ales, die traditionell gebraut werden und sich durch eine ausgewogene Bitterkeit auszeichnen. Die Biere werden ohne Pasteurisierung und Zusätze hergestellt und zeigen ein klares Profil, oft mit malzigen und hopfigen Noten, statt übertrieben süßlicher oder stark gewürzter Weihnachtsstile. Jetzt steht das Schieve X-MAS vor mir. Dabei handelt es sich um ein saisonal angebotenes Winter Ale bzw. ein Belgian Strong Ale mit 8 Volumenprozent Alkohol. Es ist ein Weihnachts- bzw. Winterbier, das sich von klassischen stark gewürzten Festbieren abhebt, da es ohne zusätzliche Gewürze oder Früchte gebraut wird. Allein das macht mich neugierig. Daher öffne ich jetzt die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Dunkel bernsteinfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine cremige beige Schaumkrone, die sehr lange stabil bleibt.

Das Aroma des Bieres ist angenehm und ausgewogen. Ich rieche Biskuit und Karamell, Banane und einen Hauch Zitrusfrüchte. Trotz seines Festbierstils ist das Bouquet eher dezent und ausgewogen, ohne dominierende Gewürz- oder Zuckeraromen.

Der Antrunk ist recht süß, aber durch die reichliche Karbonisierung durchaus spritzig. Auf der Zunge verhält sich das Bier, wie ich es von einem belgischen Winter- bzw. Weihnachtsbier erwarte: das Mundgefühl ist samtig, dabei wirkt das Bier schwer und enthält nur wenige Bitterstoffe. Der Geschmack ist intensiv und malzbetont, aber auch die Fruchtnuancen nach Bitterorange und Mandarine kommen zum Tragen. Etwas Lakritzgeschmack sorgt für die nötige Komplexität. Auch wenn ich sonst den Geschmack mit verbrauter Gewürze mag, empfinde ich es in diesem Fall als angenehm, dass die Brauer in diesem Fall keine Gewürze verwendet haben. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere legt etwas zu und sie klingt sehr lange nach.

Zu diesem Bier passen winterlich-kräftige Speisen wie Gänsebraten und Wildgerichte, aber auch Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und selbstverständlich Lübecker Marzipan.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, vergorener Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be

Brasserie des Trévires – Brune d’un Noël en Gaume

Die Brasserie des Trévires ist eine relativ junge, unabhängige belgische Handwerksbrauerei mit Sitz in der Gaume-Region (Lamorteau/Rouvroy, nahe der luxemburgischen Grenze). Sie wurde 2018 von einer Gruppe leidenschaftlicher Brauer gegründet, die Tradition, Kreativität und regionalen Charakter miteinander verbinden wollen. Der Name der Brauerei bezieht sich auf die keltische Volksgruppe der Trévires, die einst in der Gegend ansässig war – ein lokales Erbe, das die Identität und Verbundenheit mit der Region betont.

Die Brauerei stellt ein breites Sortiment verschiedenster Biere her, das mehrfach bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet wurde und traditionelle Stile neu interpretiert. Neben klassischen Sorten gehören auch experimentelle Brauvarianten und saisonale Spezialitäten zur Palette. Besucher können die Brauerei besichtigen, an Verkostungen teilnehmen und im eigenen Shop oder angeschlossenen Restaurant Biere und lokale Küche genießen.

Brune d’Un Noël en Gaume ist Weihnachts-/Winterbier und steht jetzt zur Verkostung vor mir. Die belgischen Weihnachtsbiere zeichnen sich typischerweise durch reichhaltige, komplexe Aromen aus, so dass ich mich auf eine angenehme Verkostung freue.

In einem sehr dunklen braun präsentiert sich das Bier im Glas. Die haselnussbraune Schaumkrone ist feinporig, fällt aber trotzdem recht schnell in sich zusammen.

In der Nase wirkt das Bier sofort weihnachtlich, ohne aufdringlich zu sein. Aromen von Karamell, dunklem Brot und Toffee stehen im Vordergrund. Dazu kommen Trockenfrüchte wie Rosinen und Pflaumen sowie eine dezente Würzigkeit, die an Nelken, Zimt, Lakritz und einen Hauch Muskat erinnert. Der Alkohol ist wahrnehmbar, aber gut eingebunden.

Der Antrunk ist weich und malzbetont. Eine angenehme Süße eröffnet gemeinsam mit der sehr feinperligen Kohlensäure das Geschmackserlebnis, getragen von Noten nach Karamellmalz, braunem Zucker und dunklem Honig. Auf der Zunge entwickeln sich erneut Trockenfrüchte und eine feine, zurückhaltende Würze. Die Kohlensäure unterstützt das volle, runde Mundgefühl. Eine spürbare Bittere fehlt weitgehend, stattdessen sorgt eine leichte Röstigkeit für Balance. Der Alkohol ist weiterhin gut eingebunden und unterstützt die anderen Aromen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. In der Kehle zeigt sich das Bier warm und leicht alkoholisch, mit Noten von Karamell, getrockneten Früchten und einem Hauch Kakao. Die Süße klingt langsam aus, ohne klebrig zu wirken, und hinterlässt einen angenehm wärmenden Eindruck.

Das Brune d’Un Noël en Gaume ist ideal für ruhige Abende, gut passend zu kräftigem Käse, Desserts mit Nüssen oder einfach solo als winterlicher Genuss.

Das Brune d’Un Noël en Gaume umfasst die kreative Bandbreite der Brasserie des Trévires: ein Bier, das lokale Braukunst mit saisonaler Stimmung verbindet und sowohl Biertradition als auch Genuss in den Fokus stellt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Rohzucker, Hopfen, Kakaobohnen, Hefe, Zimt, Rum, Vanille

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Farbe:

35 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

Brasserie des Trévires
Zone artisanale de Lamorteau Nr. 2
6767 ROUVROY (Lamorteau)
Belgien
www.trevires.be

Alvinne – Cuvée Botte di Barolo

Die Brouwerij Alvinne gehört zu den spannendsten unabhängigen Brauereien Belgiens. Gegründet wurde sie 2004 von Glenn Verhasselt in Ostflandern, 2008 wurde der Firmensitz der Brauerei nach Moen bei Zwevegem verlegt. Alvinne steht für kompromisslose Handwerkskunst, kleine Chargen und eine sehr persönliche Handschrift.

Ein zentrales Element der Brauerei ist die hauseigene Hefe namens „Morpheus“. Diese wird nicht klassisch rein gezüchtet, sondern über Jahre hinweg gepflegt und weiterentwickelt. Sie kann sowohl sauber als auch leicht säuerlich vergären und ist extrem widerstandsfähig. Je nach Bierstil, Temperatur und Reifung entstehen sehr unterschiedliche Aromaprofile – von elegant-fruchtig bis komplex und wild.

Alvinne arbeitet intensiv mit Holz. Große Foeder, Barriques und gebrauchte Weinfässer sind fester Bestandteil der Produktion. Viele Biere reifen monatelang oder sogar jahrelang, teilweise mit Nachgärung und Reifung in der Flasche. Der Fokus liegt nicht auf schnellen Releases, sondern auf Tiefe, Struktur und Reifepotenzial. Genau hier bewegt sich auch das Cuvée Botte di Barolo, das ich jetzt verkosten möchte.

Dunkel kastanienbraun und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Eine Schaumkrone ist nicht vorhanden. Da das Bier nur wenig bis gar keine Kohlensäure enthält, habe ich auch keinen Schaum erwartet.

Das Aroma ist weinartig und sehr komplex. Ich rieche eine fruchtige Säure, die an Kirschen und Pflaumen erinnert. Dazu dunkle Trockenfrüchte, Kandis und Melasse. Später gesellen sich auch Aromen von Kakao und Portwein dazu.

Der Antrunk ist likörartig. Eine fruchtige Säure kommt gemeinsam mit einer gut eingebundenen Süße daher. Dabei wirkt das Bier aber von Anfang an frisch und recht leicht. Auf der Zunge kommen die fruchtigen Noten in den Mittelpunkt und harmonisieren dabei mit den Rotweinnoten des Barolo. Stiltypisch ist nur eine geringe Bittere zu schmecken, während das Malz mit leichten Karamellnoten dem Bier eine angenehme Tiefe verleiht. Mich überrascht etwas die zunehmende Trockenheit des Bieres. In der Kehle erinnert das Bier an einen fruchtigen im Barrique ausgebauten Rotwein und dort kann ich erstmals auch die 12 Volumenprozent Alkohol schmecken.

Das Cuvée Botte di Barolo ist kein Bier für den schnellen Genuss. Es bewegt sich bewusst an der Grenze zwischen Bier und Wein und richtet sich an Genießer, die Fassreifung, Komplexität und Reifepotenzial schätzen. Ideal ist es zu kräftigem Käse, dunkler Schokolade oder einfach solo im großen Glas.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

ca. 12 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brauerei Alvinne
Vaartstraat 4a
8552 Moen
Belgien
www.alvinne.be