Schlagwort-Archiv: Ale

Schnaitl – Stille Nacht

Ups, jetzt geht bald der Sommer zu Ende und was finde ich in einer hinteren Ecke meines Kühlschranks? Ein österreichisches Weihnachtsbier. Kurz hatte ich überlegt, es bis zur diesjährigen Vorweihnachtszeit stehenzulassen, aber das wäre dann wohl doch zu frech. Daher habe ich das Bier jetzt verkostet.

Die Stille Nacht hat zwei Besonderheiten: Es gibt dieses Weihnachtsbier das gesamte Jahr über, derzeit allerdings nur im Rampenverkauf der Brauerei sowie bei einem Versandhändler. In den Handel kommt es nur in der Vorweihnachtszeit. Selten ist es, dass eine Brauerei für ein Bier eine spezielle Website einrichtet. Hier ist es aber der Fall. Unter www.stillenachtbier.at beschreibt die Brauerei Schnaitl die Stille Nacht und gibt auch an, wo es das Bier gibt.

So beschreibt die Brauerei das Bier: „Mit dem »Stille-Nacht-Festbier« würdigt die Privatbrauerei Schnaitl aus Gundertshausen das berühmteste Weihnachtslied der Welt in ganz besonderer Weise: „Fast jeder singt in der Familie gerne ‚Stille Nacht, heilige Nacht‘. Dass das Lied in unserer Nachbarschaft komponiert wurde, war ein Grund mehr für uns, es mit einer eigenen Bierkomposition zu ehren“, so Brauerei-Chef Matthias Schnaitl IV. Gebraut und abgefüllt zur Weihnachtszeit passt das mahagonifarbene „Stille-Nacht-Festbier“ mit rubinrotem Schein und elfenbeinfarbenem Schaum ideal zu einem entspannenden Ausklang eines Adventtages, als Begleiter zum Weihnachtsessen mit der Familie oder zu weihnachtlichen Bäckereien. Das untergärige Spezialbier mit einer Stammwürze von 14,5° Plato und einem Alkoholgehalt von 6,3 % vol besticht durch seinen karamellmalzigen und toffee- sowie bitterschokoladigen Geschmack und einem vollendet wärmenden zartbitteren Abgang.“ Mal sehen, ob mir das Bier auch so gefällt wie der Brauerei.

Dunkel bernsteinfarben fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittliche Menge hellbrauner cremiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Röststoffe dominieren das Aroma. Düfte nach Karamell und Kaffee steigen mir in die Nase, unterstützt durch den Duft nach Trockenbananen. Die Optik und das Aroma gefallen mir schon mal.

Der Antrunk ist süß mit sehr viel feinperliger Kohlensäure. Auf der Zunge kommen auch die Röststoffe zum Tragen und halten sich mit der Süße die Waage. Ich schmecke Karamell und dunkle Schokolade. Das Bier ist schwer, kräftig und rund. Der Abgang ist mild, der Geschmack nach Schokolade lässt langsam nach, bis nur noch die lange nachklingenden Bitterstoffe bleiben.

Ich weiß zwar, dass die österreichischen Brauereien gute Biere liefern, aber die Stille Nacht hätte ich denen nicht zugetraut. Dieses Bier hat die Qualität eines belgischen Weihnachtsbiers.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Stammwürze:

14,5° Plato

Bittereinheiten:

29 IBU

Brauerei:

Brauerei Schnaitl GmbH & Co. KG
Gundertshausen 9
5142 Eggelsberg
Österreich
www.schnaitl.at

Forestinne – Gothika

Normalerweise lasse ich mich ja nicht über die Gestaltung der Etiketten der Biere aus, da mir der Inhalt der Flaschen wichtiger ist als das Aussehen. Aber bei der Forestinne-Reihe der Brasserie Caracole mache ich mal eine Ausnahme. Das Erkennungszeichen ist ein süßer Waldelf mit neckischem Augenaufschlag, der auf jedem dieser Biere in einer anderen Situation gezeigt wird. Ob diese Darstellung Ihnen gefallen oder nicht müssen Sie selbst entscheiden. Aber eines müssen Sie doch sicher zugeben: der Wiedererkennungswert ist enorm.

Das Bier ist – wie ich es bei dem Namen erwartet habe – schwarz und beinahe blickdicht. Nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, scheint etwas rubinrot durch. Darüber eine durchschnittliche Menge haselnussbrauner cremiger Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist erstaunlich komplex – ein ganzer Strauß an Karamellaromen steht im Vordergrund. Dazu kommen Rotwein und Pflaumen. Später gesellen sich noch Düfte von Toffee, Vanille und Cognac dazu.

Der Antrunk ist erstaunlich trocken, zumindest aber weniger süß als ich es erwartet habe. Die reichlich vorhandene Kohlensäure sorgt aber für eine gewisse Frische. Der Körper, der nicht so intensiv schmeckt wie es die Farbe des Bieres erwarten ließ, gesellt der verhaltenen Süße dieses Bieres noch Noten dunkler Schokolade hinzu, die angenehme Bitterstoffe mit sich bringen. Die Schokoladengeschmäcker und die Bitterstoffe prägen auch den Abgang, der aber nur kurz nachklingt.

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Caracole
5500 Falmignoul (Dinant)
Belgien
www.forestinne.be

Fagnes – Scotch

Nun steht nach langer Zeit mal wieder ein Bier als Belgien vor mir. Das Fagnes Scotch stammt aus einer kleinen handwerklichen Brauerei in der Wallonie und es handelt sich um einen limitierten Sud. Biere mit Naturkorken sind in den meisten Fällen besondere Biere, die mit besonderer Sorgfalt hergestellt werden, weshalb ich mir von diesem Bier auch einiges verspreche. Mal sehen, ob es meinen Erwartungen entsprechen wird.

In einem dunklen Rotbraun präsentiert sich das Bier im Glas. Dazu kommt reichlich lebhafte Kohlensäure, die für eine durchschnittliche Menge hellbraunen Schaum sorgt, der recht lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist sehr intensiv. Bereits beim Einschenken verteilt es sich in der Umgebung, so dass ich eigentlich nicht mit der Nase ans Glas gehen muss, um den deutlich malzbetonten Duft nach Whisky wahrzunehmen. Vom ersten Moment an duftet das Bier schon sehr edel. Bald kommen auch andere Düfte dazu, ich rieche Trockenfrüchte, es könnten Feigen sein, sowie dunkle Schokolade. Schon dieses komplexe Aroma ist ein Grund, dieses Bier zu kaufen. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das Bier im Geschmack nicht abfällt.

Der Antrunk ist schon mal nicht so süß wie ich es erwartet habe. Dafür ist er aber sehr intensiv, beinahe likörartig. Durch die reichlich vorhandene Kohlensäure wirkt das Bier aber trotz des intensiven Geschmacks nicht schwer, sondern wirklich spritzig. Auch der Körper ist sehr komplex und er macht einen fast wuchtigen Eindruck. Jetzt kommt auch die Süße zum Vorschein, die ich eigentlich bereits im Antrunk erwartet hätte. Dazu kommt eine Mischung aus Bitter- und Röstaromen, die sich durch einen Hauch an Schokolade mit der Süße perfekt ausgewogen verbinden. Der Abgang ist überraschend mild, fast wie ein sehr sanfter Whisky.

Das Bier ist extrem lecker, aber es ist nichts für den ganzen Abend. Dafür ist es einfach zu intensiv. Es eignet sich hervorragend als Aperitif, beispielsweise vor einem Wildgulasch. Ich habe dazu frisches Popcorn geknabbert, das mit Salz und geräuchertem Paprikapulver gut gewürzt war.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Gewürze, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Brauerei:

Brasserie des Fagnes
Route de Nismes 26
5660 Mariembourg
Belgien
www.fagnes.com

Leffe – Blonde

Nun will ich wieder einmal ein belgisches Bier verkosten, das Leffe Blonde. Es ist eines der bekanntesten belgischen Biere und ich bin schon mal gespannt, wie es sich so macht.

In einem intensiven Goldgelb zeigt sich das kristallklare Bier im Glas. Darüber viel weißer feinporiger Schaum, der auch lange stehen bleibt. Dazu eine lebhafte Kohlensäure, so dass das Bier optisch durchaus perfekt ist. Das Aroma ist durch das Malz bestimmt, unterstützt durch den Duft nach Gräsern.

Auf der Zunge präsentiert sich das Bier zunächst recht süß, bevor sich unangenehm stark die Bitterstoffe des Hopfens melden. Dagegen ist der Abgang überraschend geschmacklos. Ich glaube, dieses Bier braucht die Welt nicht wirklich.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Zucker, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

6,6 % Vol.

Brauerei:

InBev Belgium
B.P. 200
1070 Brüssel
Belgien

für

Br. Abbaye de Leffe
Place de’l Abbaye 1
5500 Dinant
Belgien
www.abbaye-de-leffe.be

 

Insel-Brauerei – Insel Kreide

Jetzt verkoste ich ein Bier aus der Rügener Insel-Brauerei, das Insel Kreide. Verkauft wird das Bier als „Seltenes Bier“. Als Bierstil wird eine Eigenkreation angegeben, als internationale Bierkategorie Champagner Ale.

Eine Eigenkreation? Da muss ich doch erst einmal auf der Website der Brauerei nachsehen, ob ich da weitere Informationen erhalte. Und tatsächlich wird auf der Website Braumeister Markus Bererich, der auch Geschäftsführer der Brauerei ist, zitiert: „Das erste Kreide Bier der Welt haben wir aus Kreide und Champagner Hefe gebraut.“ Kreide im Bier? Das macht doch mich schon mal neugierig. Und bei den Zutaten steht noch an letzter Stelle Gewürz, eine Zutat, die auf der Flasche nicht vermerkt ist. Das ist ein Grund, einmal bei der Brauerei nachzufragen, woher diese Differenz kommt. Und tatsächlich antwortete mir Markus. Ich zitiere hier mal aus seiner Mail: „es war zum Start rechtlich nicht ganz klar ob die Kreide als Gewürz deklariert werden muss. Muss sie nicht da sie geogen im Wasser vorkommt. Es muss daher nicht als Gewürz deklariert werden.“ Das wäre also schon mal geklärt.

Da die Flasche vollständig in Papier eingepackt ist, bleibt viel Platz für die Beschreibung des Biers. Auch wenn sich die Bewertung des Biers hier auf Stichworte beschränkt, geht die Brauerei hier in die Vollen. Das Bier wird als erfrischend, trocken und subtil prickelnd beschrieben, als Genussanlass wird Festlich und Empfang angegeben und als Speiseempfehlung Empfangs-Snacks. Schon wieder wundere ich mich. Unter Empfangs-Snacks stelle ich mir Fingerfood oder Löffelfood vor. Und das kann so ziemlich alles sein. Ist den Brauern auf Rügen nichts eingefallen, wozu dieses Bier passt oder passt es zu allen Speisen? Mal sehen, ob ich diese Frage bei der Verkostung beantworten kann. Jetzt ist es aber wirklich an der Zeit, das Bier zu testen.

In hellem Gelb und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas, darüber recht viel grobporiger Schaum, der sich schnell auflöst.

Das Aroma ist säuerlich mit Tönen von grünen Äpfeln und Zitrusfrüchten. Auch dass in diesem Bier Weizenmalz verbraut ist, kommt deutlich durch. Wüsste ich nicht aus der Zutatenliste, dass mehr Gerstenmalz als Weizenmalz enthalten ist, würde ich das Bier vom Aroma her für ein leicht saures Weizenbier halten. An einem warmen Sommertag ist das ja nicht verkehrt.

Der Antrunk ist trocken. Ich kann kaum Süße schmecken. Das ist doch mal etwas anderes als die vielen Biere, bei denen die Süße ziemlich dominant ist. Dazu kommt die feine Kohlensäure, die die Champagnerhefe produziert hat. Auch der Körper ist eher säuerlich mit Noten von Äpfeln und Quitten. Es folgt ein trockener Abgang. Bis hierhin schmeckt das Bier nicht schlecht, aber es kann mich auch noch nicht richtig überzeugen; irgendwie wirkt es nicht so richtig ausgewogen.

An dieser Stelle muss ich ausführen, dass ich Biere in der Regel zimmerwarm teste, da sich bei etwas höherer Temperatur die Aromen und Geschmäcker besser entwickeln. Allerdings ist es derzeit sehr warm, so dass ich vermute, dass die recht hohe Temperatur den Genuss beeinträchtigen könnte. Bei diesem Bier wird eine Trinktemperatur von 10°C empfohlen. Ich habe also die Flasche wieder verschlossen und für einen Tag in die Tür meines Kühlschranks gestellt, so sie auf etwa 8°C heruntergekühlt wird. Einen Tag später wiederhole ich den Test mit dem kühlen Bier.

Das Aroma scheint jetzt etwas schwächer zu sein, aber das hatte ich auch erwartet. Die Säure ist jetzt auf der Zunge nicht mehr so dominant, dafür kommen die Weinnoten mehr zum Vorschein, die ich von der Champagnerhefe erwartet habe. Irgendwie erscheint mir das Bier jetzt auch komplexer und deutlich ausgewogener. Der Abgang ist weiterhin trocken.

Dieses Bier muss gekühlt getrunken werden. Ich hätte nicht geglaubt, dass die Temperatur einen so großen Einfluss auf den Geschmack des Bieres haben kann. Durch das Kühlen wurde bei der Insel Kreide aus einem nicht wirklich ausgewogenen Bier ein echter Genuss. Jetzt verstehe ich auch, weshalb als Speiseempfehlung Empfangs-Snacks angegeben sind. Dieses Bier kann als Aperitif jeden Sekt nicht nur ersetzen, es übertrifft den Genuss des Sekts in fast allen Fällen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmal, Weizenmalz, Traubenzucker (vollständig vergoren in Flaschenreifung), Naturhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstr. 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de

PoppoLou

Auf dieses Bier bin ich wirklich gespannt. Als Bierstil wird „Belgian North Sea Beer“ angegeben. Und tatsächlich, in der Zutatenliste wird auch Brausalz angegeben. Da mir Brausalz nicht bekannt war, habe ich erst einmal im Internet danach gesucht. Ein Händler beschreibt die Verwendung einer Brausalzlösung wie folgt: „Lösung von natürlich-reinem Kalziumchlorid (E509) enthält 33% Kalziumchlorid. Das Brausalz wird in die Maische gegeben. Die Chloride geben dem Bier einen weicheren, volleren und süßeren Geschmack. Das Kalzium fördert die Ausflockung der Eiweiße und trägt zur Geschmacksstabilisierung bei.“ Nachdem das jetzt geklärt ist, kann ich ja die Flasche öffnen und mir das Bier einschenken.

In hellem Gelb und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine wahninnig große weiße und feinporige Schaumkrone, die auch recht lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet frisch und fruchtig. Ich rieche Zitrone, Ananas, Vanille und eine kräftige Menge Hefe. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck, auch wenn ich etwas unsicher bin, ob sich die Fruchtigkeit mit dem enthaltenen Salz verträgt.

Der Antrunk ist angenehm trocken, dabei wunderbar fruchtig und mit gut dosierter Kohlensäure. Auf der Zunge erscheint der reinste Obstsalat. Ich schmecke Ananas, und Maracuja, dazu Vanille. Süße und Säure sind gut ausgewogen und Bitter kann ich nicht schmecken. Genauso ist der Abgang frisch, fruchtig und kaum bitter. Jetzt schmecke ich erstmals einen Hauch Salz, aber so dezent, dass ich ihn vermutlich nicht bemerkt hätte, wenn ich nicht bewusst nach dem Geschmack des Salzes gesucht hätte. Leider klingt der Abgang nicht nach.

Das Poppolou ist perfekt für die Liebhaber milder und fruchtiger Biere, aber auch an einem Sommerabend am Strand… Das Bier ist die perfekte Begleitung zu gegrilltem Fisch, Algensalat und allem anderen, das aus dem Meer kommt

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Zucker, Brausalz

Alkoholgehalt:

6,0 %

Brauerei:

Brouwerij Anders!
Stadsbeemd 1025
3545 Halen
Belgien
www.bieranders.be

elbPaul – Brown Ale

Bevor wir zu diesem Bier aus dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg kommen, will ich erst einmal Dirk Paul, dem Brauer, die Möglichkeit, geben, sich vorzustellen. Auf seiner Website klingt das so: „ICH, DIRK, erhielt meine Brau- und Mälzerausbildung bei Neumarkter Lammsbräu in der Oberpfalz. Während der daran anschließenden Meisterschule, die ich als Brau- und Malzmeister abschloss, war ich in der Hausbrauerei Altstadthof in Nürnberg als Brauer tätig. In dieser Zeit habe ich erkannt, dass mir das Experimentieren mit kleineren Mengen immer gut gelang und ich wusste: Das Schaffen neuer Biersorten und Geschmacksrichtungen und ebenso das Brennen von Schnäpsen, das ist mein Weg. In dieser Zeit fehlte mir Hamburg mit seiner Elbe. So kehrte ich unmittelbar nach Ablegen der Meisterprüfung nach Hamburg zurück und war in Gröninger’s Privatbrauerei als Brauer tätig, bis ich meinen Traum wahr und mich selbstständig machte. Ich wollte endlich meine Ideen verwirklichen und mich ausleben! Aus Verbundenheit mit Hamburg und seiner Elbe habe ich mein erstes Bier, ein Pils, elbPaul genannt. Inzwischen sind weitere Biere entstanden, Weizen und das saisonale Doppelbock, die ebenso wie mein Pils in Restaurants und Kneipen aber auch im lokalen Handel sowie im Webshop erhältlich sind. Derzeit experimentiere ich an weiteren Saisonbieren. Dabei bleibe ich aber bei meinen Werten: Meine Biere sind handwerklich hergestellte Biere in kleinen Mengen. Alle meine Biere erstelle ich nach eigenen Rezepten.“ Dann wollen wir doch mal nachsehen, was in diesem Fall dabei herausgekommen ist.

Brown Ale scheint mir doch untertrieben zu sein. Tatsächlich ist das Brown Ale praktisch blickdicht schwarz mit einer durchschnittlichen Menge beigem Schaum, der uns sehr lange erhalten bleibt. Wow.

Neben Röststoffen mit dem Duft nach Kaffee steigen mir einige fruchtige Noten in die Nase. Nicht schlecht. Da bekomme ich glatt Lust auf den ersten Schluck.

Der erste Kontakt mit der Zunge zeichnet sich durch eine leichte Süße aus, die im Dialog mit reichlich vorhandener sehr feinperliger Kohlensäure auftritt. Schnell kommt ein angenehmes Bitter dazu und auch die Röststoffe melden sich mit einem leichten Kaffeegeschmack zu Wort. Das alles wird durch eine diskrete Fruchtigkeit begleitet, die aber im Hintergrund bleibt und die anderen Geschmackskomponenten so unterstützt. Der Abgang ist leicht bitter und klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Magnum, Fuggles), Hefe

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Stammwürze:

13,5° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Brauerei:

Pauls Spezialitätenbrauerei & Destille GmbH
Jaffestr. 8
22861 Hamburg
www.elbpaul.de

Delirium Tremens

Das Delirium Tremens ist schon aufgrund seines Namens vermutlich das bekannteste Bier als Belgien. Typisch für das Delirium Tremens ist die Flasche in Steingutoptik. Allerdings handelt es sich um normales Braunglas, das lediglich bedruckt ist.

Beim Einschenken des Bieres fällt zunächst der feinporige Schaum über dem goldgelben Ale Pale aus dem Haus Brasserie Léon Hughe auf, der auch recht lange stehen bleibt. Der Duft ist deutlich von Hopfen geprägt, weist aber auch eine Fülle weiterer Aromen auf. Am Geschmack scheiden sich die Geister. Während das Bier bereits zu den besten Bieren der Welt gewählt wurde, habe ich bereits andere Stimmen gehört, die das Delirium als durchschnittlich oder sogar als nicht gut einschätzten. OK, das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Auf jeden Fall ist es mit der kräftigen Hopfennote ein typisch belgisches Bier, dessen Geschmack lange auf der Zunge bleibt

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Huyghe Brewery
Brusselse stw 282
9090 Melle
http://www.delirium.be

Gaffel – Sonnenhopfen

Viele Konsumenten meinen, dass die Brauereien in Köln nur Kölsch brauen können. Zwar macht das Kölsch den Großteil des in Köln gebrauten Bieres aus, aber die Brauerei Gaffel versucht sich seit einigen Jahren auch an einem Pale Ale, das nur im Sommer verkauft wird, dem Gaffel Sonnenhopfen. Von diesem Bier verspreche ich mir einiges. Es wurde nicht nur von der DLG mit der Goldmedaille ausgezeichnet, sondern auch der österreichische Bierpapst Conrad Seidl hat es einmal zum Bier der Woche gekürt.

Auf ihrer Website veröffentlicht die Brauerei recht umfangreiche Informationen über den Sonnenhopfen, besonders über den Hopfen Citra aus dem amerikanischen Yakima Valley, dem zweitgrößten Hopfenanbaugebiet der Welt, sowie über die obergärige Hefe aus eigener Zucht. Lediglich auf das Malz wird nicht näher eingegangen. Aber genug der Theorie, jetzt ist es an der Zeit, die Flasche zu öffnen.

Leuchtend golden und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Es bildet sich eine leicht überdurchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die recht lange erhalten bleibt. Dazu kommt noch eine reichlich dosierte und sehr aktive Kohlensäure. Optisch macht das Bier jedenfalls schon mal einen guten Eindruck.

Düfte nach Ananas, Zitrus, Mango und Zitronenschale steigen mir in die Nase, begleitet durch ein leichtes Biskuitaroma. Das Aroma ist so komplex, dass sicherlich jede Nase noch weitere Aromen feststellen wird. Kurz gesagt habe ich hier einen flüssigen Obstsalat vor mir. Das macht doch schon mal Lust auf den ersten Schluck.

Fruchtig und mit leichter Süße meldet sich das Bier auf der Zunge und vermittelt vom ersten Moment an einen schlanken und frischen Eindruck. Schnell gesellt sich ein gut abgestimmtes Bitter zur Fruchtigkeit, so dass das Bier rund, vollmundig und süffig ist. Der Abgang ist nur leicht bitter, während auch in der Kehle die Fruchtigkeit dominiert. Der Nachklang ist durchschnittlich lang.

Der Sonnenhopfen ist ein perfektes Sommerbier, das am Besten im Biergarten genossen werden möchte. Dazu ein leichtes Sommergericht mit Geflügel oder Fisch und eine nette Begleitung – schöner kann ein Sommertag nicht ausklingen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Citra), Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol. (diese Angabe stammt vom Etikett der Flasche, auf der Website ist von 4,7 % Vol. die Rede)

Bittereinheiten:

10 IBU

Brauerei:

Privatbrauerei Gaffel
Ursulaplatz 1
50668 Köln
www.sonnenhopfen.de

Warsteiner – Weihnacht

Jetzt teste ich einmal das (lt. Rückenetikett) Feierabendbier des Weihnachtsmanns. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass auch Warsteiner ein Saisonbier auf den Markt bringt. Bislang kannte ich die Privatbrauerei aus Warstein im Sauerland eigentlich nur von ihrem Pils, das durchaus gut schmeckt, aber als einziges Bier einer Brauerei im Getränkemarkt doch etwas eintönig ist. Aber wenn das Pils schon gut ist, kann ich auch beim Weihnachtsbier einige Vorschusslorbeeren voraussetzen.

Zumindest optisch macht das Bier einen richtig guten Eindruck: Bernsteinfarben mit einem schönen elfenbeinfarbenen Schaum. Leider fällt er relativ schnell zusammen. Der Duft enthält Hopfen und eine deutliche Schokoladennote. Nun ist es an der Zeit, einmal zu probieren, wie sich das Bier auf der Zunge macht.

Im Antrunk ist von der Schokoladennote des Dufts nichts mehr festzustellen. Auf der Zunge kommt eher eine Note Karamell an. Dazu die leichte Süße des Gerstenmalz, die sich aber angemessen im Hintergrund hält. Wenn sich das Bier im Mund erwärmt, kommt auch der Geschmack des Hopfens zum Vorschein, der dann im Abgang stärker wird und auch nach dem Schlucken lang anhält.

Ganz ehrlich gesagt hat mir das Bier erst ab dem zweiten Schluck wirklich geschmeckt. Aber von da an wird es mit jedem Schluck besser. Nichts für die gesamte Adventszeit, aber ab und an mal ist es das Bier wirklich wert, getrunken zu werden.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Brauerei:

Warsteiner Brauerei
Haus Craner KG
59564 Warstein
www.warsteiner.de