Kreativbrauer – Kreativsud #7

Einmal im Jahr treffen sich die Macherinnen und Macher aus kleinen, unabhängigen Brauereien, um etwas ganz Besonderes zu schaffen: Den Kreativsud des Verbands deutscher Kreativbrauer.

Hier geht es nicht nur ums Bierbrauen, sondern um eine Zeitreise. Mit viel Leidenschaft werden historische Bierstile neu interpretiert und so nah wie möglich am Puls ihrer Entstehungszeit gebraut. Das Ergebnis? Biere, die überraschen, herausfordern und begeistern – auf jeden Fall aber neugierig machen.

Denn der Kreativsud will nicht jedem gefallen, sondern Geschichten erzählen: Von vergessenen Aromen, alten Rezepturen und der unglaublichen Vielfalt, die Bier schon vor Jahrhunderten hatte. Er zeigt auch, dass die Braukunst weit mehr zu bieten hat als Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – und dass spannende, leckere Biere schon immer mit den unterschiedlichsten Zutaten gebraut wurden. Jetzt steht vor mir der siebte Sud, der auf diese Weise entstanden ist.

Bernsteinfarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Leider löst sich der Schaum sehr schnell auf, sonst würde das Bier optisch eine sehr gute Figur machen.

Das Bier duftet nach Karamell und Waldhonig, abgerundet mit einem Hauch Tabak. Auch die 10 Volumenprozent Alkohol steigen mir in die Nase, allerdings angenehm zurückhaltend.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine mäßige Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Ich hätte mir allerdings etwas mehr Kohlensäure erhofft. Auf der Zunge drängt sich nun der Alkohol in den Mittelpunkt. Für ein Honigbier ist der Kreativsud überraschend trocken. Das Mundgefühl ist weich und voll. Der Alkohol brennt leicht und erzeugt einen beinahe likörartigen Eindruck. Daher überrascht mich auch der sehr milde Geschmack in der Kehle nicht übermäßig.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Honig, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Bräu
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
https://www.orcabrau.de

Gemeinsam mit

Bundesverband der deutschen Kreativbrauer e.V.
Rathgeberstraße 7
97656 Oberelsbach
www.deutschekreativbrauer.de

Alvinne – Cuvée Botte di Barolo

Die Brouwerij Alvinne gehört zu den spannendsten unabhängigen Brauereien Belgiens. Gegründet wurde sie 2004 von Glenn Verhasselt in Ostflandern, 2008 wurde der Firmensitz der Brauerei nach Moen bei Zwevegem verlegt. Alvinne steht für kompromisslose Handwerkskunst, kleine Chargen und eine sehr persönliche Handschrift.

Ein zentrales Element der Brauerei ist die hauseigene Hefe namens „Morpheus“. Diese wird nicht klassisch rein gezüchtet, sondern über Jahre hinweg gepflegt und weiterentwickelt. Sie kann sowohl sauber als auch leicht säuerlich vergären und ist extrem widerstandsfähig. Je nach Bierstil, Temperatur und Reifung entstehen sehr unterschiedliche Aromaprofile – von elegant-fruchtig bis komplex und wild.

Alvinne arbeitet intensiv mit Holz. Große Foeder, Barriques und gebrauchte Weinfässer sind fester Bestandteil der Produktion. Viele Biere reifen monatelang oder sogar jahrelang, teilweise mit Nachgärung und Reifung in der Flasche. Der Fokus liegt nicht auf schnellen Releases, sondern auf Tiefe, Struktur und Reifepotenzial. Genau hier bewegt sich auch das Cuvée Botte di Barolo, das ich jetzt verkosten möchte.

Dunkel kastanienbraun und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Eine Schaumkrone ist nicht vorhanden. Da das Bier nur wenig bis gar keine Kohlensäure enthält, habe ich auch keinen Schaum erwartet.

Das Aroma ist weinartig und sehr komplex. Ich rieche eine fruchtige Säure, die an Kirschen und Pflaumen erinnert. Dazu dunkle Trockenfrüchte, Kandis und Melasse. Später gesellen sich auch Aromen von Kakao und Portwein dazu.

Der Antrunk ist likörartig. Eine fruchtige Säure kommt gemeinsam mit einer gut eingebundenen Süße daher. Dabei wirkt das Bier aber von Anfang an frisch und recht leicht. Auf der Zunge kommen die fruchtigen Noten in den Mittelpunkt und harmonisieren dabei mit den Rotweinnoten des Barolo. Stiltypisch ist nur eine geringe Bittere zu schmecken, während das Malz mit leichten Karamellnoten dem Bier eine angenehme Tiefe verleiht. Mich überrascht etwas die zunehmende Trockenheit des Bieres. In der Kehle erinnert das Bier an einen fruchtigen im Barrique ausgebauten Rotwein und dort kann ich erstmals auch die 12 Volumenprozent Alkohol schmecken.

Das Cuvée Botte di Barolo ist kein Bier für den schnellen Genuss. Es bewegt sich bewusst an der Grenze zwischen Bier und Wein und richtet sich an Genießer, die Fassreifung, Komplexität und Reifepotenzial schätzen. Ideal ist es zu kräftigem Käse, dunkler Schokolade oder einfach solo im großen Glas.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

ca. 12 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brauerei Alvinne
Vaartstraat 4a
8552 Moen
Belgien
www.alvinne.be

Köstritzer – Kirsche

Köstritzer Kirsche ist ein Biermischgetränk der Köstritzer Schwarzbierbrauerei aus Bad Köstritz/Thüringen, die seit 1543 für ihr Schwarzbier bekannt ist – heute ist sie Teil der Bitburger Braugruppe.

Es handelt sich nicht um ein klassisches Bier wie ein Schwarzbier, sondern um einen Mix aus 60 % Köstritzer Schwarzbier und 40 % Süßkirsch-Limonade. Der Kirschanteil kommt aus Saftkonzentraten und Limonade, die dem Mix seinen Fruchtgeschmack verleiht. Der Fruchtsaftanteil beträgt zwar nur 0,5 %, aber damit liegt die Köstritzer Kirsche noch deutlich vor dem Lausitzer Erdbeer-Porter, das zwar intensiv nach Erdbeeren schmeckt, aber überhaupt keine Erdbeerbestandteile enthält. Es ist schon erstaunlich, was die Aromenindustrie so alles auf die Beine stellt. Jetzt reicht es aber mit der Vorrede und ich will mit der Verkostung beginnen.

Dunkel rotbraun präsentiert sich das Bier im Glas, beinahe schwarz. Darüber steht eine feinporige hellrosa Schaumkrone, die sich recht lange hält. Optisch kann ich an diesem Mischgetränk nichts aussetzen.

Das Aroma ist durchaus angenehm. Sowohl das Schwarzbier als auch die Fruchtigkeit der verwendeten Säfte und Limonaden kommen in der Nase zur Geltung. Dazu kommt noch ein süßes Aroma, das mich an Kandis denken lässt.

Der Antrunk ist fruchtig-süß und trumpft mit einer sehr kräftigen Kohlensäure auf. Auf der Zunge stehen eindeutig die Fruchtaromen im Mittelpunkt, während das Bier eher zu ahnen ist. Während die Süße sehr präsent ist ohne aber klebrig zu werden, kann ich keine Bittere feststellen, aber immerhin eine minimale Säure. In der Kehle kommen die Aromen nach Kirsche und Marzipan in den Vordergrund, klingen aber leider nur kurz nach.

Die Köstritzer Kirsche ist eine angenehme Erfrischung für den Sommer, ohne mit seinen 2,8 Volumenprozent Alkohol zu sehr „reinzuhauen“. Aber ich kann mir das Getränk auch im Winter vorstellen und ich glaube, ich werde mal versuchen, mit der Köstritzer Kirsche einen Glühpunsch zu kreieren.

Zutaten:

Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt), Erfrischungsgetränk mit Kirschgeschmack (Wasser, Zucker, Zitronensaft (2 %), Holunderbeersaft (1,5 %), natürliches Aroma)

Alkoholgehalt:

2,8 % Vol.

Brauerei:

Köstritzer Schwarzbierbrauerei
07586 Bad Köstritz
www.koestritzer.de

11 Brauer, eine Frage: Was wird der nächste große Bierstil?

Die Bierwelt lässt sich grob in Ales, Lagerbiere und Hybridstile einteilen – doch dahinter verbirgt sich eine enorme Vielfalt. Während Klassiker wie IPA oder Stout fest etabliert sind, geraten andere Stile zeitweise in Vergessenheit. Doch Trends können sich schnell drehen: Sobald ein Bierstil die Fantasie der Szene beflügelt, findet er seinen Weg zurück an die Zapfhähne.

Was also kommt als Nächstes? Um das herauszufinden, fragte das Portal vinepair.com elf Brauer, welche Bierstile sie in naher Zukunft vorne sehen.

Ein zentrales Motiv zieht sich durch viele Antworten: der Wunsch nach mehr Balance und Trinkbarkeit. Mehrere Brauer prognostizieren eine Rückkehr zu Pale Ales mit 5 bis 6 Prozent Alkohol – unabhängig davon, ob amerikanisch, britisch oder belgisch interpretiert. Weg vom Extrem, hin zu Bieren, die man gerne trinkt statt analysiert.

Auch ein allgemeiner Stimmungswandel zeichnet sich ab. Statt immer stärkerer, süßer oder gehypter Biere rücken ausgewogene Lagerbiere und niedrigalkoholische Ales in den Fokus. Begriffe wie „beer-flavored beers“ stehen dabei für klassische, sauber gebraute Biere ohne Schnickschnack, bei denen Drinkability wieder zählt.

Weitere genannte Trends sind die Rückkehr der Black IPA, wieder mehr echte Bitterkeit im IPA-Segment sowie europäisch inspirierte Lagerbiere mit moderatem Alkoholgehalt und fairen Preisen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten bleibt Bier ein erschwinglicher Genuss.

Auch besonders süffige, alkoholarme Biere gewinnen an Bedeutung – als Alternative zu alkoholfreien Varianten. Genannt werden Session IPAs, Light Lager und sogar Dark Milds. Parallel dazu sehen einige Brauer eine Renaissance traditioneller Stile wie Münchner Helles oder „Table-Strength“-Saisons mit nur 2,5 bis 4 Prozent Alkohol.

Ein weiterer spannender Ansatz ist das „Single-Origin Beer“: Biere, die gezielt regionale Rohstoffe in den Mittelpunkt stellen und Herkunft sowie Handwerk erzählen – ein Trend, der besonders jüngere Konsumenten anspricht.

Statt eines einzelnen neuen Hype-Stils zeichnet sich eine Rückbesinnung ab. Mehr Ausgewogenheit, niedrigere Alkoholwerte, regionale Zutaten und klassische Bieraromen könnten die Biertrends der kommenden Jahre prägen.

Europas Biermarkt in der Krise: Rückgänge, Druck und neue Chancen

Der europäische Biermarkt steht weiterhin unter Druck. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte „European Beer Trends Report 2025“ von The Brewers of Europe deutlich: Produktion, Konsum und Exporte sind bereits das fünfte Jahr in Folge rückläufig. Trotz der tief verwurzelten Bierkultur und jahrhundertelanger Brautradition befindet sich Europas Bierbranche in einer Phase des Umbruchs.

Besonders deutlich wird der Wandel in der Gastronomie. Wurde früher rund ein Drittel des gesamten Bierkonsums in Kneipen, Cafés und Restaurants getrunken, liegt dieser Anteil heute nur noch bei etwa einem Viertel. Zwar wird im Einzelhandel mengenmäßig mehr Bier verkauft, doch die eigentliche Wertschöpfung findet nach wie vor in der Gastronomie statt. Ein geschwächter Außer-Haus-Markt trifft deshalb die gesamte Wertschöpfungskette – von Landwirten über Brauereien bis hin zu Festivals, Tourismus und regionalen Arbeitsplätzen.

Nach Jahren starken Wachstums hat sich zudem die Zahl der Brauereien in der EU stabilisiert. Aktuell gibt es rund 9.700 aktive Betriebe. Das deutet auf eine Verlangsamung der Dynamik hin, die das europäische Brauwesen im vergangenen Jahrzehnt geprägt hat.

Christian Weber, Präsident von The Brewers of Europe, sieht in den aktuellen Zahlen mehr als eine kurzfristige Schwächephase. Das Vertrauen der Verbraucher sei gesunken, gleichzeitig stiegen Kosten und regulatorischer Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Branche bleibe zwar widerstandsfähig und optimistisch, brauche jedoch mehr Stabilität und verlässliche Rahmenbedingungen, um wieder investieren zu können.

Die Bierproduktion in der EU ist seit 2019 von 367 auf 345 Millionen Hektoliter im Jahr 2024 gesunken. Erste Zahlen aus dem Jahr 2025 deuten auf einen weiteren Rückgang hin. Auch die Exporte, lange Zeit ein Ausgleich für schwächere Inlandsmärkte, sind bereits zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen.

Als Ursachen nennt der Bericht unter anderem Inflation, hohe Rohstoff- und Energiekosten, gestörte Lieferketten sowie klimabedingte Belastungen für landwirtschaftliche Rohstoffe. Hinzu kommt ein verändertes Konsumverhalten: Bier wird heute bewusster und seltener im sozialen Umfeld konsumiert – ein Trend, der besonders die Gastronomie trifft.

Trotz aller Herausforderungen zeigt sich die Branche weiterhin innovationsfähig. Alkoholfreie Biere bleiben das am schnellsten wachsende Segment. Innerhalb von fünf Jahren ist ihr Absatz um 25 Prozent gestiegen, inzwischen machen sie rund 7,5 Prozent des gesamten Bierkonsums in der EU aus.

Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, betont die Bedeutung eines ausgewogenen regulatorischen Umfelds. Brauereien engagierten sich in den Bereichen Nachhaltigkeit, verantwortungsvoller Konsum und kulturelles Erbe. Damit sie weiterhin zur wirtschaftlichen und kulturellen Vielfalt Europas beitragen können, brauche es jedoch Unterstützung statt zusätzlicher, unverhältnismäßiger Regulierung.

Der Bericht wurde im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung „Beer Serves Europe“ in Brüssel vorgestellt. Dort kamen Brauer, Partner aus der Lieferkette sowie politische Entscheidungsträger aus den EU-Institutionen und den Mitgliedstaaten zusammen. Die zentrale Botschaft: Europas Bierbranche steht vor großen Herausforderungen – besitzt aber weiterhin das Potenzial, sich neu zu erfinden und langfristig zu behaupten.

Brasserie Bocq – Tete de Mort X-MAS

Tête de Mort – X-MAS braut die Brasserie du Bocq in Purnode aus Namur in der Wallonie als ein klassisches belgisches Winter-/Weihnachtsbier. Es handelt sich um ein kräftiges, obergäriges Bier mit 8,1 % Alkohol, das speziell für die kalte Jahreszeit und festliche Anlässe gebraut wird und jetzt für eine Verkostung vor mir steht.

Das X-MAS präsentiert sich dunkelbraun und gefiltert im Glas mit einer feinporigen, weißen Schaumkrone, die lange erhalten bleibt – ein typisches Erscheinungsbild für saisonale Winterbiere.

In der Nase öffnen sich reichhaltige Aromen, in denen süße Malznoten auf Gewürznuancen wie Koriander und Süßholz (Lakritz) treffen; dazu gesellen sich Noten von dunklem Karamell.

Der Antrunk ist stiltypisch süß mit einer feinperligen aber kräftigen Kohlensäure. Vom ersten Moment an erinnert die Süße an Melasse. Auf der Zunge gesellt sich zur Süße das Aroma von Trockenfrüchten, das an getrocknete Pflaumen erinnert. Das Mundgefühl ist samtig und voll. In der Kehle ist das Bier sehr mild.

Das Bier macht seinem Stil – einem Weihnachtsbier – alle Ehre. Es passt hervorragend zu winterlichen und herzhaften Speisen wie geschmortem Fleisch, Wildgerichten oder kräftigen Käseplatten – ideal für gemütliche Abende im Kreise von Familie und Freunden in der festlichen Jahreszeit.

Alkoholgehalt:

8,1 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brasserie Bocq
Rue de la Brasserie
4530 Purnode
Belgien
www.bocq.be

Orca Brau – Kellerbier

Ein Kellerbier ist ursprünglich ein unfiltriertes, naturtrübes Hellbier, das noch im Holz- oder Edelstahltank „kellernd“ reift. Klassisch ist der Stil vor allem in Franken und Bayern verbreitet. Charakteristisch sind eine natürliche Trübung, ein weiches und rundes Mundgefühl, eine leicht malzige Süße im Zusammenspiel mit mild-herbe. Hopfennoten sowie ein eher moderater Alkoholgehalt. An diesen Eigenschaften muss sich auch das Kellerbier von orca brau in Nürnberg messen lassen.

Orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die weiße feinporige Schaumkrone ist eher klein, bleibt aber lange erhalten. Optisch geht das Bier in Ordnung.

Das Bier duftet angenehm nach Karamell und frischem Brot, abgerundet durch rote Früchte wie Erdbeeren und einige florale Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine fruchtige Süße sowie eine kräftige Karbonisierung aus. Auf der Zunge bleibt die Fruchtigkeit im Mittelpunkt und jetzt ist das Bier weniger süß als erwartet. Dazu kommt eine zurückhaltende Bittere, die gemeinsam mit den anderen Aromen für ein weiches Mundgefühl sorgt. In der Kehle legt die Bittere zu, bleibt aber moderat. Trotzdem klingt der Geschmack lange nach.

Das Orca Kellerbier lässt sich mit verschiedenen Gerichten kombinieren, beispielsweise mit gegrilltem Fleisch oder Würstchen, mit Würstchen oder Grillgemüse.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Saphir), Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Ora Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Europäischer Biermarkt: Produktion, Konsum und Export weiter rückläufig

Der europäische Biermarkt steht weiterhin unter Druck: Laut dem aktuellen „European Beer Trends Report 2025“ von The Brewers of Europe verzeichnen Produktion, Konsum und Export bereits das fünfte Jahr in Folge Rückgänge. Besonders der Verkauf in Kneipen, Cafés und Restaurants, der früher ein Drittel des europäischen Bierkonsums ausmachte, ist inzwischen auf etwa ein Viertel gesunken. Dieser Bereich generiert jedoch den größten Teil der Wertschöpfung der Branche und sichert Hunderttausende von Arbeitsplätzen in kleinen und mittleren Betrieben sowie in der Gastronomie. Ein schwacher Gastronomiesektor wirkt sich daher auf die gesamte Wertschöpfungskette aus – von Landwirten über Bierfestivals bis hin zum Tourismus.

Nach Jahren des stetigen Wachstums hat sich die Zahl der aktiven Brauereien in der EU nun bei rund 9.700 eingependelt. Christian Weber, Präsident von The Brewers of Europe, betont, dass der aktuelle Abschwung mehr als ein vorübergehender Einbruch sei: „Die Verbraucher haben das Vertrauen verloren und geben weniger aus. Die Brauereien sehen sich mit steigenden Kosten, strengeren Vorschriften und zunehmendem Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette konfrontiert.“

Die Bierproduktion in der EU sank von 367 Millionen Hektolitern im Jahr 2019 auf 345 Millionen Hektoliter 2024, und die vorliegenden Zahlen für das Jahr 2025 deuten auf einen weiteren Rückgang hin. Auch die Exporte, einst ein stabilisierender Faktor, sind zum zweiten Mal in Folge gesunken. Hauptursachen sind Inflation, hohe Inputkosten, globale Transportstörungen und klimabedingter Druck auf Rohstoffe. Zudem wirkt sich ein geringes Verbrauchervertrauen auf Produkte aus, die eng mit gesellschaftlichen Anlässen und Gastronomie verbunden sind.

Trotz dieser Herausforderungen setzt der Sektor auf Innovation: Alkoholfreie Biere sind das am schnellsten wachsende Segment und konnten in fünf Jahren um 25 % zulegen, mittlerweile machen sie 7,5 % des Bierkonsums in der EU aus. Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, unterstreicht die Bedeutung eines klaren regulatorischen Rahmens: „Die Brauereien setzen sich für Nachhaltigkeit, Mäßigung und kulturelle Werte ein. Aber jetzt ist es an der Zeit für klare Unterstützung – und nicht für unverhältnismäßige oder kontraproduktive Regulierung.“

Der Bericht wurde kürzlich auf der 12. jährlichen Veranstaltung „Beer Serves Europe“ in Brüssel vorgestellt, an der Brauer, Partner der Lieferkette, politische Entscheidungsträger und Gäste aus EU-Institutionen teilnahmen.

Cardeña – Cardeña Dubbel

Die Abtei San Pedro de Cardeña liegt rund zehn Kilometer südöstlich von Burgos und zählt zu den geschichtsträchtigsten Klosteranlagen Spaniens. Mehrere Quellen datieren ihre Gründung auf das Jahr 534. Sollte diese Annahme zutreffen, wäre San Pedro de Cardeña das älteste Benediktinerkloster des Landes. Schon allein diese Zahl macht deutlich, dass hier nicht nur religiöse, sondern auch kulturelle Geschichte von außergewöhnlicher Tiefe verwurzelt ist.

Die Jahrhunderte gingen jedoch nicht spurlos an dem Kloster vorbei. Besonders tragisch ist der 6. August 1603, an dem rund 200 Mönche bei einem Überfall ermordet wurden. Ihnen zu Ehren wurde noch im selben Jahr ein Altar für die heiligen Märtyrer errichtet. Bis heute wird dieses Ereignisses jährlich gedacht – ein stilles Mahnmal für die Gewalt, die selbst abgeschiedene Orte des Glaubens erreichen kann. Im 19. Jahrhundert traf die Abtei ein weiterer schwerer Einschnitt. 1836 wurde sie im Zuge der Säkularisation aufgegeben und stand über ein Jahrhundert leer. Während des Spanischen Bürgerkriegs erlebte das Kloster ein besonders dunkles Kapitel: Von 1936 bis 1939 wurde die Anlage als Konzentrationslager missbraucht. Erst nach dem Krieg begann langsam ein neuer Abschnitt.

1942 kehrte das monastische Leben zurück. Zisterziensermönche aus Dueñas bezogen das verfallene Kloster und begannen mit der Restaurierung der Gebäude. 1948 wurde San Pedro de Cardeña offiziell zur Abtei erhoben. Seit 2014 gehören die Mönche zudem der Internationalen Trappistenvereinigung an und sind damit Teil jener Gemeinschaft, die weltweit für eine besondere Verbindung aus Handwerk, Spiritualität und Selbstversorgung steht.

Innerhalb der Klostermauern entstehen bis heute verschiedene Produkte: Bier, Wein, Likör und Käse gehören ebenso dazu wie handgefertigte Keramik aus der klostereigenen Töpferwerkstatt. 2014 erschien mit dem Cardeña Tripel das erste spanische Trappistenbier auf dem Markt. Gebraut wird es allerdings nicht im Kloster selbst, sondern bei der Madrider Brauerei Fábrica de Cervezas MarPal. Aus diesem Grund trägt es auch nicht das ATP-Logo der Trappistenbiere. Langfristig ist jedoch geplant, die Bierproduktion direkt in die Abtei zu holen.

Neben dem Tripel gibt es mit dem Cardeña Dubbel ein weiteres Bier nach klassisch belgischem Vorbild. Es handelt sich um ein obergäriges, dunkles Starkbier, das mit Flaschengärung abgefüllt wird. Damit folgt es stilistisch der traditionellen Klosterbierlinie und verbindet historische Braukultur mit der besonderen Geschichte eines Ortes, der über anderthalb Jahrtausende spanischer Vergangenheit in sich trägt. Dieses Dubbel steht jetzt vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Blickdicht schwarz steht das Bier im Glas. Gegen das Licht schimmern rötliche Reflexe durch. Der beigefarbene Schaum baut sich feinporig auf, bleibt stabil und hinterlässt beim Trinken zarte Schlieren am Glas.

In der Nase präsentiert sich das Dubbel vielschichtig, ohne laut zu sein. Noten von dunklem Karamell, Rosinen und getrockneten Pflaumen stehen im Vordergrund. Dazu gesellen sich Anklänge von Karamell, etwas Brotkruste und eine dezente Würze, die an Nelke und einen Hauch Lakritz erinnert. Alkohol ist wahrnehmbar, aber gut eingebunden und eher wärmend als dominant.

Der Antrunk ist weich und vermittelt den Eindruck eines süßen Espresso. Dabei sorgt die sehr feinperlige Kohlensäure für eine angenehme Frische. Schnell entfalten sich Aromen von Karamell, dunklem Toffee und reifer Banane. Auf der Zunge kommen Trockenfrüchte hinzu, begleitet von einer milden, brotigen Malzbasis. Die Bittere hält sich bewusst im Hintergrund und sorgt lediglich für Balance, ohne den malzigen Charakter zu stören. Die Süße bleibt präsent, geht aber nie ins Klebrige über. Eine leichte Würzigkeit der Hefe sorgt für Tiefe und erinnert daran, dass es sich um ein obergäriges Starkbier nach belgischem Vorbild handelt. Der Alkohol trägt die Aromen, ohne hervorzustechen, und verleiht dem Bier eine angenehme Wärme. Der Abgang ist recht mild, aber die Bittere und das Espressoaroma klingen sehr lange nach.

Das Cardeña Dubbel ist kein Bier für Eile. Er passt gut zu ruhigen Abenden, zu kräftigen Käsesorten und Schmorgerichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Lugar San Pedro Cardeña
Castrillo del Val, 09193
Spanien
www.monasteriosanpedrodecardena.com

American Pale Ale – das Bier, das alles ins Rollen brachte

Das American Pale Ale ist der Ursprung der modernen Craft-Beer-Bewegung. Es verbindet fruchtige Hopfenaromen mit einer schlanken, ausgewogenen Malzbasis und hoher Trinkbarkeit. Weniger extrem als ein IPA, aber deutlich aromatischer als klassische Lagerbiere – ein Stil mit Haltung, aber ohne Lautstärke. Dieser Bierstil entstand in den 1970er-Jahren in den USA, als kleine Brauereien begannen, sich bewusst von der industriellen Bierlandschaft abzusetzen. Als Geburtsstunde gilt das Jahr 1975, als Fritz Maytag von der Anchor Brewing Company mit dem Liberty Ale ein helles Ale mit amerikanischem Cascade-Hopfen braute.

In den folgenden Jahren griffen weitere Pionierbrauereien wie New Albion Brewing und später Sierra Nevada die Idee auf. Spätestens mit dem Sierra Nevada Pale Ale ab 1980 wurde der Stil populär – und legte den Grundstein für hopfenbetonte Biere amerikanischer Prägung. Ohne das APA hätte es die heutigen IPAs in dieser Form vermutlich nie gegeben.

Die stiltypischen Merkmale

American Pale Ales sind hopfenbetont, aber bewusst ausgewogen. Der Hopfen steht im Vordergrund, ohne die Malzbasis zu überfahren. Ziel ist kein sensorisches Extrem, sondern ein harmonisches, gut trinkbares Bier.

Typisch sind fruchtige Hopfenaromen wie Zitrus, Grapefruit, Steinobst oder florale Noten zusammen mit einer zurückhaltenden, leicht süßlichen Malzbasis mit Brot- oder Karamellanklängen sowie einer moderaten Bitteren mit trockenem, sauberem Abgang. Insgesamt Zeichnet sich das APA durch eine hohe Frische und sehr gute Trinkbarkeit aus.

Charakterprägend sind amerikanische Aromahopfen. Klassisch ist Cascade, doch auch moderne Sorten aus den USA, Australien oder Neuseeland sind üblich. Entscheidend ist nicht die Herkunft, sondern das fruchtige Aromaprofil.

Die Schüttung basiert überwiegend auf Pale Ale Malz. Kleine Mengen Karamell- oder Biscuitmalz

Die Werte des APS nach BJCP

Alkohol: 4,5–6,2 % Vol.

Bittere: 30–50 IBU

Farbe: 12–25 EBC

Stammwürze: 11,7–15,6 °P

Die Übergänge zu verwandten Stilen wie American Amber Ale, English Pale Ale oder American IPA sind fließend. Im Vergleich zum English Pale Ale ist das APA fruchtiger, weniger malzig und weniger esterbetont. Gegenüber dem American IPA ist es moderater in Bittere, Alkohol und Aromaintensität. Im Vergleich zum Session IPA wirkt es runder, ausgewogener und weniger hopfenlastig.