Nun steht ein Winterbier aus Belgien vor mir. Genauer gesagt handelt es sich um das Balthazar, ein Bier aus der „Vintage Recipe Serie“. Obwohl es als Winterbier angeboten wird, trägt es den Namen eines der heiligen drei Könige, also im Grunde einen Namen für ein Weihnachtsbier. Aber gut, halten wir uns nicht mit dem Namen auf und wenden uns direkt der Kreation aus der kleinen Brauerei Alvinne im belgischen Flandern zu.
Dunkles Kupfer – so lässt sich die Farbe dieses Starkbiers am besten beschreiben. Es ist fast schwarz. Die Schaumkrone ist haselnussbraun und bleibt sehr lange erhalten. Die Optik des Balthazar ist schon mal sehr vielversprechend.
Das Bier duftet nach dunkler Schokolade und Lakritz. Zusätzlich sorgen noch würzige Noten für einen angenehmen Touch der an Lebkuchen aus Nürnberg erinnert. Eines ist klar – das Aroma dieses Biers passt zu Weihnachten.
Der Antrunk ist recht süß, was aber durchaus zur reichlich vorhandenen kräftigen Kohlensäure passt. Auf der Zunge dominieren die Röststoffe. Der Geschmack nach Schokolade steht im Vordergrund, unterstützt durch die Aromen von Ingwer und weihnachtlichen Gewürzen. Die 9,0 Volumenprozent Alkohol sind gut eingearbeitet, so dass der Alkohol nicht hervorschmeckt, sondern lediglich die anderen Aromen unterstützt. Das Mundgefühl ist schwer, so wie ich es bei einem Winterbier auch erwarte. In der Kehle teilen sich zunächst ein leichtes freundliches Bitter und der Geschmack des Ingwers die Bühne, wobei sich der Ingwer relativ schnell zurückzieht und der Bitteren den langen Nachklang überlässt.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Challenger, East Kent Goldings), dunkler Kandis, Hefe, Kardamom, Ingwer, Koriander
Alkoholgehalt:
9,0 % Vol.
Farbe:
40 EBC
Bittereinheiten:
28 IBU
Brauerei:
Brouwerij Alvinne
Vaartstraat 4a
8552 Moen
Belgien
www.alvinne.com
Bier ohne Quatsch, aber mit Prinzipien – das ist die Vision von Rico und Matze. Seit dem Jahr 2021 setzen sie ihre Vision um. Was sind die Prinzipien? Sämtliche Rohstoffe stammen aus kontrolliert biologischem Anbau in der Region. Flaschen und Kisten sind Mehrweg und sogar das Papier der Etiketten wurde unter ökologischen Gesichtspunkten hergestellt. Damit unterstützen die beiden etwas, das sie selbst mit „enkeltaugliche Landwirtschaft“ betiteln: Der nachhaltige, pestizidfreie Landbau produziert nicht nur wertvollere Lebensmittel, sondern bewahrt Erde und Umwelt, sodass auch unsere Enkel noch etwas davon haben. Kommen wir aber nun zum Bier.
Alkoholfreie Biere haben es im Starkbierland Belgien schwer. Bis vor einigen Monaten hätte ich sogar gesagt, dass es keine belgischen Biere ohne Alkohol gibt, nur Lightbiere mit weniger als drei Volumenprozent Alkohol, die in unserem Nachbarland häufig noch als „Kinderbier“ verkauft werden. Alkoholfreie Biere habe ich bei meinen Besuchen in Belgien nur als Importbiere gesehen. Aufgrund des sehr aufwändigen Verfahrens den traditionell gebrauten Bieren den Alkohol per Umkehrosmose zu entziehen, war diese Produktkategorie lange den großen Braukonzernen vorbehalten. 2019 hat der Triathlet Stijn Panis seine Vorliebe für Spezialbier mit seiner Leidenschaft für Unternehmertum kombiniert und im limburgischen Genk die Brauerei Force Majeure gegründet, der ersten und einzigen Brauerei Belgiens, die ausschließlich alkoholfreie Biere braut. Er möchte dabei die Nische alkoholfreier Spezialbiere besetzen, die bislang von den Großbrauereien vernachlässigt wurde. Für die Herstellung seiner Biere nutzt er ein weniger aufwändiges Verfahren: statt den traditionell gebrauten Bieren den Alkohol wieder zu entziehen, verwendet Force Majeure Spezialhefen, die nur wenig Alkohol produzieren. Diese Biere sind in der Regel vollmundiger und wesentlich geschmacksintensiver als herkömmlich hergestellte alkoholfreie Biere. Sie schmecken halt mehr wie Bier. Der Alkohol in den Bieren liegt bei weniger als 0,5 Volumenprozent Alkohol, damit die Biere als „alkoholfrei“ verkauft werden dürfen.
Aus Ostwestfalen stammt das Bier, das ich jetzt verkosten möchte. Genauer gesagt aus Hiddenhausen-Sundern, in der Nähe von Herford, das dem Bier auch seinen Namen gab. Gegründet wurde die Brauerei im Jahr 1878. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehörte das Unternehmen zu den großen Privatbrauereien in Deutschland. Im Jahr 2007 erwarb die Warsteiner-Gruppe eine Mehrheitsbeteiligung an der Brauerei.
Ich glaube, es ist das erste Mal, dass ich ein Winter-Grutbier verkoste. Zunächst einmal muss ich feststellen, was das Winterliche an diesem Bier ist. Die sieben Volumenprozent Alkohol können es nicht sein. Die sind für ein Bier aus Belgien recht normal. Aber ein Blick auf die Zutatenliste hilft mir schon weiter. Das gruut Winterspecial ist mit Ahornsirup und Chilis gebraut. Die Süße des Ahornsirups und die Schärfe der Chilis passen schon mal gut zusammen. Wie diese Mischung sich in der Grutbier einpasst werde ich jetzt gleich feststellen.
Vor mir steht jetzt eine Gemeinschaftsproduktion von Kraftpaule in Stuttgart mit Orca Brau in Nürnberg. Guadalupe ist das bedeutendste Marienheiligtum Mexikos und ist auch auf dem Etikett abgebildet. An Mexiko erinnert auch das Rezept dieses Bieres, das mit Salz Limette, Chili und Mais gebraut wurde, also bereits einen Streifzug durch die Küche des mittelamerikanischen Landes bietet. Ob es gut geworden ist? Das will ich gleich herausfinden.
Die Marke Okocim wurde 1845 gegründet, als Jan Evangelista Goetz in Brzesko eine Brauerei gründete. Für die Herstellung seines Bieres verwendete er nur bestes Gerstenmalz, Hopfen sowie hochwertiges Wasser und Hefe, ganz nach dem Prinzip „Das Beste vom Besten“. Heute gehört Okocim zum Carlsberg-Konzern.
Seit vielen Jahren braut Oliver Wesseloh in Hamburg richtig gute Biere, ein großer Teil entspricht dem deutschen „Reinheitsgebot“, teilweise geht er aber auch darüber hinweg und braut besondere Biere mit Zutaten, die nach den deutschen Vorschriften nichts im Bier zu suchen haben, die aber dem Natürlichkeitsgebot der Kreativbrauer entsprechen (das im Grunde noch strenger ist als das Reinheitsgebot). Ein solches Bier steht jetzt vor mir. Altes Land ist mit Rhabarbersaft gebraut.
Im flämischen Baarle Hertog ist die kleine Brauerei De Dochter van de Korenaar beheimatet. Sie ist bekannt dafür, nur ein einziges Ziel zu verfolgen – einfach nur das beste Bier zu brauen. Dabei bleibt die Brauerei nicht auf den eingefahrenen Straßen, sondern sie geht ständig neue Wege, um Grenzen auszuloten und zu überschreiten. Der Erfolg gibt den Brauern recht. Diese Meinung vertrete nicht nur ich, auch bei diversen Bierwettbewerben wird die Brauerei immer wieder ausgezeichnet, so dass kaum ein Jahr vergeht, in dem sie keine neuen Medaillen erhält. Das ist auch der Grund, weshalb ich mich auf diese Verkostung freue. Ich will auch nicht länger warten und öffne jetzt die Flasche.
Die Brauerei befindet sich seit 1867 im Besitz der Familie Keesmann aus Bamberg. Sie liegt im Stadtteil Wunderburg gegenüber der Kirche Maria Hilf. Bekannt ist die Brauerei in erster Linie für ihr Herrenpils. Jetzt steht aber das Helle der Brauerei vor mir. Da das Helle ein Bierstil ist, für den Bayern im Allgemeinen und Franken im Besonderen bekannt ist, gehe ich davon aus, dass dieses Bier ebenfalls etwas Besonderes ist.