Archiv der Kategorie: Biertest

Zombräu – Hopfenzupfer

Und wieder einmal steht ein Bier aus der niederbayerischen Brauerei Zombräu vor mir. Der Hopfenzupfer stammt aus der Reihe Mirskofener Mutation. Unter diesem Namen vertreiben die beiden Brauer saisonale und experimentelle Biere, die nur einmal gebraut werden. Wenn sie weg sind, sind sie weg und dieses spezielle Bier wird nie wieder in dieser Form gebraut. Eine Besonderheit dieses Festbieres sei aber auch nicht verschwiegen: es wurde mit frischem Doldenhopfen aus dem eigenen Anbau der Brauer gebaut und mit ebenfalls frischem Hopfen aus der Hallertau kaltgehopft.

Intensiv golden mit minimaler Hefetrübung und viel Kohlensäure präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge größtenteils feinporiger Schaum.

Im Duft mischen sich Karamellaromen mit fruchtigen Noten nach Limone und einem Hauch würziger Düfte. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist mäßig süß, dabei auch frisch und fruchtig. Die Fruchtigkeit nach Zitrus bleibt auch dominant, als ein leichtes freundliches Bitter dazukommt. Das Bier macht auf der Zunge einen ausgewogenen, runden und süffigen Eindruck. Der Abgang ist mild bitter mit einem langen Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

14° Plato

Brauerei:

Zombräu
Obere Sendlbachstr. 19
84051 Mirskofen
www.zombräu.de

Schneider – Marie’s Rendevous

Ist das schon Tradition? Seit 2012 braut die Brauerei Schneider Weisse in jedem Jahr einen Weizenbock mit deutlich mehr Stammwürze und Alkohol als üblich. Diese besonderen Kreationen werden einmal gebraut und wenn sie verkauft sind, gibt es sie nicht mehr. Und es handelt sich nicht nur um ein besonderes Bier, sondern es hat auch besondere Namen, die irgendwie romantisch sind und direkt neugierig auf den jeweiligen Sud machen. Da gab es bereits Mein Nelson Sauvin, Meine Sommer Weisse, Mein Aventinus Barrique, Meine Porter Weisse, Mathilda Soleil und in diesem Jahr Marie’s Rendevous. Die Herkunft dieses Namens beschreibt die Brauerei auf ihrer Website wie folgt: „Gewidmet der Ahnherrin Anna-Maria Schneider, deren Liebe zu Georg I. Schneider letztendlich der Beginn von sechs Generationen Weissbierleidenschaft war. ‚Der limitierte Sondersud zum Fest beweist, was innerhalb des Reinheitsgebotes mit Herzblut und Können an Fülle und Komplexität mit regionalen Rohstoffen möglich ist‘, so der überzeugte Genussbrauer und Verfechter der Reinheitsgebotes Georg VI. Schneider.“

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich relativ wenig feinporiger Schaum, der sich aber auch recht schnell auflöst.

Dafür das Aroma. Ich muss gar nicht mit der Nase zum Glas gehen, um es festzustellen. Bereits während das Glas noch auf dem Tisch steht, rieche ich die fruchtigen Düfte. Sie sind so komplex, dass es mir gar nicht möglich ist, alle Aromen zu identifizieren. Ananas, Orangenschale, Mango… das alles und noch viel mehr vereint sich in diesem Bouquet. Jetzt bin ich mir schon sicher, dass ich ein ganz besonderes Bier vor mir stehen habe. Jetzt bin ich neugierig auf den ersten Schluck, habe aber auch die Befürchtung, dass das Bier mit seinen vielen Fruchtaromen mir zu süß sein könnte.

Diese Sorge erwies sich aber als unbegründet. Nur eine leichte Süße kommt auf der Zungenspitze an. Dafür bemerke ich jetzt die ungewöhnlich feinperlige Kohlensäure, die diesem Bier eine unwahrscheinliche Frische verleiht. Der Körper besticht zunächst durch eine ungeheure Fruchtigkeit, wobei zunächst die sauren Noten dominieren, die aber schnell durch einen Hauch Honig ergänzt werden. Ich möchte nicht wissen, wie viele Versuche erforderlich waren, um zu so einem perfekten Ergebnis zu kommen.

An dieser Stelle habe ich überlegt, ob ich aus diesem Bier nicht ein Gelee kochen sollte, in das ich Erdbeeren einlege. Das wäre sicher eine gute Idee gewesen, aber da ich nur eine Flasche von Marie’s Rendezvous habe, habe ich dann doch von diesem Versuch Abstand genommen.

Nach diesem opulenten Körper hätte ich eigentlich auch einen kräftigen Abgang erwartet. Als dieser dann zwar fruchtig, aber doch überraschend mild ausfiel, war ich im ersten Moment etwas enttäuscht, bis ich dann merkte, dass dieser milde Geschmack überraschend lange erhalten blieb, eine halbe Stunde war es sicher.

Und dieses Bier hielt noch eine Überraschung für mich bereit. Ich habe die Flasche nicht an einem Tag ausgetrunken, sondern sie wieder verschlossen und erst etwa 48 Stunden später wieder geöffnet. Zeit ist das Bier selbstverständlich mit Sauerstoff in Berührung gekommen und wie ein guter Rotwein erst durch das Lüften beim Dekantieren sein vollständiges Aroma entfaltet, so hat auch dieses Bier reagiert und wurde noch fruchtiger.

Welche Speisen passen zu diesem Bier? Die Brauerei empfiehlt auf ihrer Website Schmorbraten, helle Mousse mit frischen Früchten oder duftende Apfelkücherl mit Vanilleeis. Ich habe das Bier aber als dermaßen nuancenreich und komplex empfunden, dass dieser Reichtum der Eindrücke nach meiner Meinung nicht durch ein Essen gestört werden sollte. Na gut, einige Erdbeeren oder Himbeeren passen dann schon.

Ich habe in meinem Leben schon viele Biere verkostet und war eigentlich der Meinung, dass mich so schnell nichts mehr überraschen kann. Dieses Bier hat mich eines Besseren belehrt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Tradition und Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

10 % Vol.

Stammwürze:

24 %

Bittereinheiten:

27 IBU

Brauerei:

Schneider Weisse
G. Schneider & Sohn GmbH
93309 Kelheim
www.schneider-weisse.de

Kozel Černý

Kozel ist eine Brauerei aus Plzno in Tschechien, hat aber auch eine Braustätte in Poznan in Polen, von wo das Bier stammt, das jetzt vor mir steht. Ich habe mir das Bier von meiner letzten Reise nach Polen mitgebracht. Allerdings scheint sich das Bier auch in Polen nicht allzu gut zu verkaufen; bei meinem Kauf war das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits fast erreicht. Aber das muss ja nicht heißen, dass das Bier nicht schmeckt. Lassen Sie sich aber nicht durch den auf dem Etikett abgebildeten Steinbock ins Bockshorn jagen – das Kozel ist keinesfalls ein Bockbier.

Immerhin haben Sie ein literarisch wertvolles Bier vor sich stehen. Wenn Sie schon einmal in Prag waren, einen Reiseführer über Prag gelesen haben oder zumindest im Fernsehen den braven Soldaten Schweijk gesehen haben, dann könnte Ihnen Kozel bekannt sein. Jaroslav Hasek, der Verfasser des Romans, hat in seinem Werk diesem Bier ein Denkmal gesetzt. Schwejk verabredete sich „nach dem Krieg um sechs“ im U kalicha (Zum Kelch). Auf die Frage „Schwejk, Schwejk, was für Bier ham Sie beim ‚Kelch‘?“ antwortete er: „Velkopopovicky Kozel.“ Und tatsächlich wird dieses Bier auch heute noch im U kalicha ausgeschenkt.

Das Bier heißt nicht umsonst Černý, also Schwarz. Es ist wirklich schwarz, fast blickdicht. Nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert ein leichtes Rubinrot durch. Über dem Bier bildet sich eine sahnige elfenbeinfarbene Schaumkrone, die durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch das Malz geprägt. Ich rieche Röststoffe, Kaffee und etwas Toffee. Einige Kräuter steuern ebenfalls ihren Duft bei. Der Duft ist schon mal nicht schlecht.

Der Antrunk ist recht süß und da die sehr feinperlige Kohlensäure leider nur sparsam verwendet wurde, macht das Bier keinen allzu frischen Eindruck. Auf der Zunge entwickelt sich der Geschmack dunkler Schokolade, dabei wenig Bitter und Säure ist nicht zu schmecken. Im Abgang klingt der Geschmack von Espresso lange nach, was für mich der angenehmste Geschmackseindruck dieses Bieres ist.

Es ist schon ungewohnt, ein so dunkles Bier zu trinken, das nur 3,8 Volumenprozent Alkohol enthält. Meist sind die dunklen Biere ja eher gehaltvoller. Daher weist das Kozel Černý auch die gleichen Defizite auf wie die meisten alkoholfreien Biere. Es wirkt auf mich irgendwie unausgewogen und schlaff.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker

Alkoholgehalt:

3,8 % Vol.

Stammwürze:

9,9° Plato

Brauerei:

Kompania Piwowarska SA
ul. Szwajcarska 11
61-285 Poznan
Polen

Vulkan IPA

Genau genommen beginnt die Geschichte der Vulkan Brauerei in Mendig bereits vor etwa 13.000 Jahren. Damals brach der Laacher-See-Vulkan aus, Bei diesem Ausbruch entstanden die Bimslagerstätten im Neuwieder Becken. Bis in das 19. Jahrhundert diente der Abbau des Bimssteins überwiegend der Mühlsteingewinnung. Seit dieser Zeit wurden die Basaltgewölbe von den bis zu 28 in Mendig ansässigen Brauereien als Kühl- und Lagerhallen genutzt. Das einzige noch betriebsfähige Kühllager befindet sich hier unterhalb der Vulkan Brauerei. Noch heute nutzt die Brauerei diesen Felsenkeller für die Lagerung ganz besonderer Edelbiere in original Bourbon-Holzfässern aus den USA.

Leuchtend kupferfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittlich voluminöse feinporige Schaumkrone mit einem Stich ins elfenbeinfarbene, die lange erhalten bleibt. Die Optik ist schon mal sehr ansprechend.

Für ein IPA duftet das Bier überraschend stark nach Karamell. Dieser Duft versucht, die fruchtigen Aromen in den Hintergrund zu drängen, was ihm aber nicht wirklich gelingt. Auch wenn die Zitrusnoten etwas zurückhaltend sind, können sie sich gut durchsetzen.

Der Antrunk ist halbtrocken, so dass die geringe Dosierung der Kohlensäure mir nicht sauer aufstößt. Auf der Zunge zeigt sich der Malzkörper erstaunlich selbstbewusst und das kräftige Bitter ist mit dem Malz hervorragend austariert. Dazu kommt eine angenehme Fruchtigkeit, die den Geschmack nach Zitrusfrüchten sowie Stachelbeeren beisteuert. Der Abgang besticht durch ein ordentliches Bitter mit ellenlangem Nachklang. Dieses IPA bleibt sicher im Gedächtnis.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Caramelmalz Hell, Pilsner Malz, Pale Ale, Münchner), Hopfen (Galaxy, Delta, Calypso (Citra), Topaz), Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Stammwürze:

17° Plato

Brauerei:

Vulkan Brauerei GmbH & Co. KG.
Laacher-See-Straße 2
56743 Mendig
www.vulkan-brauerei.de

Lindemans – Kriek

Jetzt steht mal wieder eines der Fruchtbiere aus dem Hause Lindemans vor mir. Wie bei den anderen Bieren aus dieser Brauerei handelt es sich auch hier nicht um ein Mischgetränk, sondern der Kirschsaft wurde bereits während des Brauprozesses zugegeben, so dass ein ganz besonderer Geschmack entsteht. Auch das Kriek ist ein Lambic, also ein Bier, das mit wilden Hefen gebraut wurde, ein Vorgang, der nur in der Umgebung von Brüssel funktionieren soll.

Tiefrot steht das Bier im Glas. Darüber ein rosa Schaum, der sich allerdings recht schnell auflöst. Na ja, ich hatte auch nichts anderes erwartet. Das ist bei allen Fruchtbieren aus dem Hause LindemanS so. Dazu der intensive Duft nach Schwarzkirschen, der Duft des Hopfens ist eher zu erahnen. Wer wie ich die Fruchtbiere mag, kann den ersten Schluck kaum erwarten. Fangen wir also an.

Der Antrunk ist süß und der Geschmack der Kirschen füllt sofort den gesamten Mund aus. Dazu die leichte Herbe des Hopfens, die hervorragend zur Säure der Kirschen passt. Der Kirschgeschmack ist fast zu intensiv, aber durchaus lecker. Lediglich im Abgang ist das Kriek etwas schwach.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe, 25% Kirschsaft, Fructose, Süßstoff, Aromen

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij LindemanS
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
http://www.lindemans.be

Bolten – Helles

Bereits seit dem Jahr 1266 wird in der Brauerei Bolten in Korschenbroich Bier gebraut. Gab es früher von dieser Brauerei ausschließlich Altbier, nach eigenen Angaben handelt es sich um die älteste Altbierbrauerei der Welt, werden dort inzwischen acht unterschiedliche Biere gebraut. Heute steht das Helle vor mir.

Goldgelb ist es und es bildet eine große Schaumkrone, weiß und feinporig. Der Schaum bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Das Bier duftet nach Malz und damit so, wie ich es von einem Hellen erwarte. Ich würde mir nur noch etwas Aromahopfen wünschen, der dem Aroma etwas Volumen verleihen würde. Da dieses Bier ohne Hopfen gebraut wurde, in der Zutatenliste steht nur Hopfenextrakt, erscheint der Duft recht flach.

Der Antrunk ist spritzig-frisch, intensiv und würzig. So hatte ich es auch von einem Hellen erwartet. Aber dann kommt ein Hopfenbitter dazu. Das ist durchaus gut, aber bei einem Hellen erwarte ich ein mildes Bier, häufig leicht süß. Durch das Bitter ist das Bier nach meinem Geschmack nicht stiltypisch. Aber wie gesagt, das Bier ist nicht schlecht. Gegenteil, es ist vollmundig und süffig. Der Abgang ist dann mild bis freundlich bitter, er klingt aber nur kurz nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Privatbrauerei Bolten
41352 Korschenbroich
www.bolten-brauerei.de

Benediktiner Weissbier naturtrüb

Das Benediktiner Weißbier wird von der Licher Privatbrauerei für die Ettaler Klosterbrauerei hergestellt. Die Licher Privatbrauerei gehört ihrerseits zur Bitburger-Gruppe. Dort wird das Benediktiner Weißbier unter Aufsicht der Mönche nach dem Originalrezept und mit der klostereigenen Hefe gebraut. Dieses Vorgehen kenne ich von Klosterbieren aus Belgien und dort wird mit diesem Vorgehen wirklich gutes Bier gebraut. Meine Erwartungen an dieses Bier sind also hoch und über diese Messlatte muss dieses Bier kommen.

Bernsteinfarben und leicht hefetrüb ist dieses Bier. Dazu kommt eine sehr aktive Kohlensäure. Wie bei Weizenbieren üblich bildet sich eine schöne große Schaumkrone, cremig und weiß. Sie bleibt auch lange erhalten.

Das Aroma ist betörend. Ich rieche Banane, Ananas, Zitrone sowie einige blumige Noten. So stelle ich mir ein ordentliches Weizenbier vor.

Der Antrunk ist recht süß und die Bananennoten bringen gleich eine angenehme Fruchtigkeit mit. Durch die viele Kohlensäure ist der Antrunk aber frisch und spritzig. Er Körper ist ausgewogen, voll, rund und würzig. Leider hält sich die Kohlensäure nicht sehr lange, so dass das Bier recht schnell absteht. Da sollten sich die Brauereien noch einmal etwas einfallen lassen. Der Abgang ist leicht Bitter und klingt mittellang nach.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Licher Privatbrauerei Ihring-Melchior GmbH
In den Hardtberggärten
35423 Lich
www.licher.de

für

Benediktiner Weissbräu GmbH
82488 Ettal
www.benediktiner-weissbier.de

Maisel & Friends – Black IPA

Wieder einmal hat die Brauerei Maisel and Friends einen neuen Sondersud herausgebracht und hat mir eine Flasche zum Verkosten zugeschickt. Ich lasse mich normalerweise ja nicht über die Gestaltung der Etiketten aus, aber diesmal muss ich da eine Ausnahme machen. Das Rot-Schwarz und der Totenkopf des Piraten erinnern mich sofort an die Pirates of the Caribbean. Ob das Bier auch so märchenhaft ist? Das Rückenetikett verspricht zumindest schon mal eine Geschmacks-Achterbahn. Na, dann will ich mich mal überraschen lassen.

Die Brauerei beschreibt das Black IPA als dunkelbraun, fast schwarz. Ich würde es als schwarz beschreiben. Nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert etwas Rotbraun durch. Egal, zusammen mit einer guten Menge cremigen hellbraunen Schaums, der lange erhalten bleibt, sieht das Bier wirklich gut aus.

Die Nase nimmt intensive Noten von Grapefruit wahr, wenn auch nicht so hervorstechend wie bei den meisten IPAs. Auch Aromen von Ananas, anderen Südfrüchten und roten Beeren steigen mir in die Nase, unterstützt von einem Hauch dunkler Schokolade und Vanille. Auch wenn dieses Bier kräftig gehopft ist, schafft es das Malz, im Duft durchzudringen und das Aroma abzurunden.

Auf der Zungenspitze schmecke ich zunächst die intensive Malzsüße sowie einige Röststoffe und bemerke die sehr feinperlige Kohlensäure. Und dann wird es fruchtig. Ich schmecke Grapefruit und Limonen, was zusammen mit dem kräftigen Malz ein cremiges und dabei frisches Mundgefühl ergibt. Der Abgang ist durch ein kräftiges freundliches Bitter geprägt, das aber schnell nachlässt. Ein leiser Rest klingt aber lange nach.

Ja, das ist eine geschmackliche Achterbahnfahrt. Wir fahren von süß über fruchtig zu bitter und jeder Geschmack ist wirklich intensiv, ohne dabei zu dominant zu werden. Jetzt frage ich mich nur noch, zu welchem Essen das Black IPA passt. Mir fällt da eigentlich nur ein kräftig gewürztes, aber nicht scharfes, indisches Curry ein. Damit wäre der Genuss perfekt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Herkules, Topaz, Callista, Vic Secret), Hefe

Alkoholgehalt:

7,9 % Vol.

Stammwürze:

17,3° Plato

Bittereinheiten:

58 IBU

Brauerei:

Gebr. Maisel KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Dobber IPA

Großbritannien ist bekanntlich die Heimat der IPAs und daher musste ich ein britisches IPA selbstverständlich gleich mitnehmen. Falls Sie sich wundern, dass ich bei diesem Bier keine Zutatenliste veröffentliche: ich habe sie nicht vergessen. Das Bier habe ich in Amsterdam gekauft und offensichtlich ist es weder in den Niederlanden noch auf der Insel erforderlich, die Zutaten eines Biers auf der Liste aufzulisten. Da auch auf der Website der Brauerei keine Angaben zu den Zutaten gemacht werden, kann ich lediglich schreiben, dass in dem Bier sowohl Weizen als auch Gerste enthalten sind. Aber kommen wir zum Bier.

Rotgolden und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber eine durchschnittliche Menge cremiger Schaum der durchschnittlich lange erhalten bleibt. Dazu sehe ich eine lebhafte Kohlensäure.

Das Aroma ist bestechend. Bereits während ich das Bier einschenke nehme ich intensive Zitrusnoten wahr. Beim näheren Riechen kommen noch Noten nach Orange, Zitronenschale, Karamell und Marzipan dazu. Da bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch und enthält nur wenig Süße. Der Körper ist zunächst fruchtig. Diese Fruchtigkeit wird schnell durch einen intensiven Bittergeschmack abgelöst. Der Abgang dagegen ist überraschend mild. Dadurch wirkt das Bier etwas unausgeglichen, es ist aber trotzdem ausnehmend gut.

Alkoholgehalt:

5,9 % Vol.

Brauerei:

Marble Brewery
41 Williamson Street
Manchester, M4 4JS
Großbritannien
www.marblebeers.com

Gänstaller Bräu XL4

Um es gleich vorweg zu sagen: dies ist der ungewöhnlichste Artikel, den ich bislang für diesen Blog geschrieben habe. Das Bier ist ungewöhnlich. Es handelt sich um ein geräuchertes IPA. IPAs gibt es in rauen Mengen und auch Rauchbiere sind mir nicht unbekannt. Die Kombination dieser beiden Spezialitäten ist mir aber bislang noch nicht untergekommen. Ungewöhnlich ist auch der Ort, aus dem das Bier stammt. Hallerndorf liegt in Oberfranken zwischen Erlangen und Bamberg. Das ist noch normal. Auch dass das Örtchen Ende 2014 lt. Wikipedia nur gut 4.000 Einwohner hatte ist eigentlich keiner Erwähnung wert. Dass es in diesem kleinen Ort sechs Brauereien gibt, ist schon erstaunlich. Jeweils 666 Einwohner sollen also eine Brauerei ernähren. Offensichtlich funktioniert es aber, zumindest indem die Brauereien über die Grenzen ihrer Stadt hinaus verkaufen. So kam es auch zu dem ungewöhnlichen Umweg, den dieses Bier auf dem Weg zu mir machte. Ich habe sie in Amsterdam beim Bierkoning gefunden. Diese Bierhandlung ist genauso ungewöhnlich wie dieses Bier. Zentral gelegen ist der Laden nur fünf Fußwegminuten vom Dam entfernt, ein kleiner Laden, der schnell übersehen werden kann. Aber in dem Laden befindet sich das Paradies für jeden Biergenießer: ständig sind mehr als 1.500 Biere im Angebot. Wenn Sie also einmal in Amsterdam sind, vergessen Sie nicht, diesen Laden in der Paleisstraat aufzusuchen. So, nun ist es aber an der Zeit, dass wir uns dem Bier zuwenden.

Goldgelb und hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine unterdurchschnittliche Menge größtenteils feinporiger Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt. Dazu enthält das Bier richtig viel Kohlensäure.

Das Aroma wird durch den Rauch dominiert, der die Aromen nach Zitrusfrüchten und Karamell in den Hintergrund verweist. Soweit in diesem Bier noch andere Aromen enthalten sein sollten, werden sie durch den Rauch überdeckt und meine Nase konnte sie nicht feststellen.

Der Antrunk wird durch den Rauchgeschmack dominiert und es zeigt sich, dass die Kohlensäure sehr feinperlig ist. Dadurch erhält das Bier doch noch eine gewisse Frische. Auch der Körper präsentiert sich hauptsächlich mit dem Geschmack des Rauches, so dass die sauren Noten des Hopfens kaum durchkommen. Hier wundere ich mich, dass ich die 76 Bittereinheiten kaum schmecke. Diese kommen eigentlich erst im Abgang so richtig zur Geltung, in dem sie sogar den starken Rauchgeschmack verdrängen. Der Geschmack bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Dies ist ein Bier, das man mögen muss. Mein Geschmack ist es ehrlich gesagt nicht. Für mich passt der starke Rauchgeschmack nicht zu den eher zarten Zitrus- und Fruchtaromen des Hopfens. Aber das ist Geschmackssache. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, mit diesem Bier eine Zwiebelsoße oder etwas Ähnliches zu kochen. Dort passen die starken Raucharomen und die durchaus vorhandenen Fruchtaromen geben der Soße noch einige Frische.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

18,8° Plato

Bittereinheiten:

76 IBU

Brauerei:

Gänstaller Bräu
Schnaid 10
91352 Hallerndorf
www.gaenstaller.de