Archiv der Kategorie: Biertest

Neumarkter Lammsbräu – Zzzisch Edelpils

Nun will ich mal wieder ein Bier aus Franken verkosten. Diesmal aber kein Weizenbier, sondern ein Pils aus Neumarkt.

Nun ist das Bier bereits im Glas. Leuchtend gelb, klar und mit einer wunderbaren schneeweißen Schaumkrone lacht es mich an. Der Duft wird getragen von den vielfältigen Aromen des Naturhopfens, aber auch eine feine Süße ist festzustellen.

Der Antrunk ist mild und leicht süß. Da sich der Hopfen vornehm zurückhält, ist das Bier nicht allzu herb. Durch eine leichte Säure im Hintergrund ist das Bier sehr schön erfrischend. Der Abgang ist wie erwartet leicht und angenehm bitter und der Geschmack hält sich wirklich lange. Ein Bier wie es sein muss.

Zutaten:

Mineralwasser, Gerstenmalz, Naturdoldenhopfen

Alkoholgehalt:

4,7 % Vol.

Brauerei:

Neumarkter Lammsbräu
Amberger Str. 1
92318 Neumarkt
http://www.lammsbraeu.de

Guiness – Extra Stout

Vor 30 Jahren sah die Bierwelt in Deutschland noch anders aus – es gab Pils und Export. Das war’s. In der einen oder anderen Kneipe und in wenigen Getränkemärkten gab es auch ein Stout – das Guinness. Damals habe ich es gerne getrunken. Nun will ich mal testen, ob mir dieses Bier noch genauso gut schmeckt wie damals.

Aber erst einmal wollen wir uns das Bier ansehen. Im Glas ist es tiefschwarz. Selbst wenn ich das Glas gegen das Licht halte, wird das Bier kaum vom Licht durchdrungen. Das unterscheidet das Guinness schon rein optisch von den deutschen Schwarzbieren, die nicht eigentlich schwarz sind, sondern sehr dunkelrot. Der Schaum ist fest, wenn auch nicht ganz so fein, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Dafür ist er nach wie vor richtig schön standfest. Der Duft ist kräftig mit deutlicher Röstmalznote. Soweit gefällt mir das Guinness also schon mal sehr gut.

Der Antrunk ist recht herb und die leichte vorhandene Süße hält sich dezent im Hintergrund. Der kräftige Geschmack, der vom Malz dominiert wird, enthält auch einige Raucharomen. Dazu der lange Abgang mit einem ausgewogenen Verhältnis von Malz, Rauch und einigen Bitterstoffen.

Alles in Allem ein angenehmes und süffiges Bier, das allerdings nicht an die Vielzahl der Aromen in handwerklich hergestellten Bieren herankommt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Gerste, geröstete Gerste, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,1 % Vol.

Brauerei:

Guinness & Co.
St. Jame’s Gate
Dublin 8
Irland
http://www.guinness.com/

Importeur:

Radeberger Gruppe KG
Darmstädter Landstr. 185
60598 Frankfurt

Weißer Franke

Nun steht mal wieder eine Flasche Weißbier aus Franken vor mir, diesmal aus der Ritter St.Georgen-Brauerei aus dem fränkischen Nennslingen. Dieses Bier fällt bereits im Getränkemarkt durch sein buntes Etikett auf. Am unteren Rand steht noch der lateinische Spruch „fortes fortuna adiuvat“, laut dem Pons Online-Wörterbuch lautet die deutsche Übersetzung „wer wagt gewinnt“. Braucht man Mut, um dieses Bier zu verkosten? Sehen wir mal.

Im Glas sieht das hefetrübe Weizenbier mit seiner hellen Bernsteinfarbe schon mal sehr gut aus. Der Schaum ist weiß, feinporig und bleibt lange stehen. Der Duft ist intensiv nach Weizen, er zeigt aber auch eine feine Säure und einen Hauch Banane. Soweit macht das Bier also schon mal einen sehr guten Eindruck.

Im Antrunk kommt vor allem die Hefe zum Tragen. Der Körper ist voll und bringt den Hopfen in den Vordergrund. Die angenehme Säure kommt zusammen mit den Bitterstoffen erst im Abgang hervor.

An diesem süffigen Weizenbier gibt es nichts auszusetzen. Allerdings erwarte ich von einem Bier aus Franken doch noch etwas mehr Charakter.

Zutaten:

Brauwasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Brauerei:

Ritter St.Georgen-Brauerei
91790 Nennslingen
http://www.ritter-bier.de/

Kozel

Lange ist es her, dass ich hier ein Bier aus Tschechien verkostet habe. Aber nun ist es mal wieder so weit. Tschechien ist zwar die Heimat des Pilseners, aber die meisten großen Brauereien stellen doch ein Bier her, das nun nicht wirklich das Nonplusultra der Braukunst darstellt. Ich weiß, dass es in Tschechien inzwischen auch eine aktive Craft Beer-Szene gibt, aber deren Erzeugnisse sind hier so ganz im Westen der Bundesrepublik nicht erhältlich. Mal sehen, ob ich im Versandhandel fündig werde. Aber jetzt will ich mich erst einmal mit dem Kozel beschäftigen, ein Industriebier, das nicht nur in Tschechien verkauft wird, sondern das ich aus Polen mitgebracht habe.

Wow. Intensiv Golden präsentiert sich das Bier im Glas. Dazu ziemlich viel Kohlensäure, aber trotzdem nur eine unterdurchschnittliche Menge weißer Schaum, gemischtporig und mit nur kurzem Leben. Die Optik ist also wirklich nicht perfekt, aber ich habe bereits etliche Biere erlebt, die optisch einen schlechteren Eindruck machen. Und so intensiv die Farbe ist, kann ich auf ein geschmacksstarkes Bier hoffen.

Das Aroma wird durch intensiven Malzduft geprägt, dazu ein etwas bitterer Duft, vermutlich von Hopfenextrakt. Die Nase lässt schlimmes erwarten und ich hoffe jetzt inständig, dass das Bier im Mund einen besseren Eindruck hinterlässt als in der Nase.

Der Antrunk ist recht süß, aber durch die viele Kohlensäure durchaus angenehm. Würde das Bier weniger Kohlensäure enthalten, wäre es jetzt bereits bei mir durchgefallen. Sobald sich das Bier im Mund ausbreitet, kommen kräftige bittere Noten durch. Trotzdem kann von einer Vollmundigkeit wirklich keine Rede sein, im Gegenteil: trotz der intensiven Farbe, die eigentlich auf einen recht intensiven Malzgeschmack hoffen ließ, wirkt das Bier recht wässrig. Der Abgang ist dann unangenehm bitter und irgendwie werde ich diesen bitteren Geschmack nicht so richtig los.

Wenn ich dieses Bier das nächste Mal sehe erinnere ich mich hoffentlich an diese Pleite und lasse das Bier im Regal stehen.

Alkoholgehalt:

4,6 % Vol.

Brauerei:

Warzone i rozlewane w
Czechach przez Plzenský Prazdroj A.S.
U Prazdroje 7
304 97 Pilzno
Tschechien

Neuzeller Bock

Wieder einmal steht ein Bier aus der Klosterbrauerei Neuzelle vor mir, diesmal der Neuzeller Bock. Aus dieser kleinen Brauerei in der Lausitz kommen ja viele ungewöhnliche Biere, weshalb ich neugierig auf dieses Bockbier bin, vor allem auch, weil das Etikett aussagt, dass dieses Bier stärker schmecke als es die Polizei erlaubt.

Das Bier hat die Farbe dunklen Bernsteins, so dass ich ein wirklich intensiv schmeckendes Bier erwarten kann. Darüber relativ wenig weißer Schaum, der sich allerdings recht schnell auflöst. Das Aroma erinnert neben einem intensiven Malzduft an getrocknete Aprikosen. Da hat die Brauerei wohl einen wirklich guten Hopfen verwendet.

Der Antrunk ist wie erwartet angenehm malzig-süß. Im Anschluss füllt ein intensiver malziger Geschmack den Mund aus, wobei sich süß und bitter sehr schön die Balance halten. So einen ausgeglichenen Geschmack haben nicht viele Bockbiere. Es folgt ein erstaunlich milder Abgang, der aber noch lange anhält.

Den Lausitzern ist hier ein wirklich gutes Bier gelungen, das durchaus in der Oberliga der Bockbiere mitspielt. Selten gibt es ein Bockbier mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

Quilmes

Jetzt habe ich erstmals ein Bier aus Südamerika vor mir stehen, das Quilmes aus Argentinien. Auf dem Etikett preist es sich selbst als „Argentina’s favorites beer“ an. An dieser Aussage wird das Bier sich messen lassen müssen.

Golden ist es, das Quilmes. Es enthält eine durchschnittliche Menge Kohlensäure und bildet eine ebenfalls durchschnittliche Menge weißen Schaum aus. Er ist feinporig, löst sich aber schnell auf.

Das Aroma erinnert mich an ein Fernsehbier. Ich kann keine Hopfenaromen feststellen; vermutlich wurde das Bier mit Hopfenextrakt gebraut. Der Antrunk ist recht süß und die Kohlensäure ist aggressiv. Der erste Eindruck ist also nicht sehr angenehm. Der Körper ist geschmacksintensiv, das Malz dominiert den Geschmack. Das Bier ist halbwegs vollmundig. Der Abgang ist dann mäßig bitter und der Geschmack hält nicht lange vor.

Alles in allem ein zwar trinkbares Bier, einigermaßen süffig, aber wirklich nichts Besonderes. Wenn Sie einen Gast aus Südamerika haben, können Sie ihm damit vermutlich eine Freude machen, weil das Bier aus seiner Heimat kommt. Ansonsten würde ich aber empfehlen, zu einem anderen Bier zu greifen.

Zutaten:

Wasser, Malz, Mais, Hopfen, Antioxidationsmittel E224

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Import:

SUCOs DO BRASIL
Productos Latino GmbH
41460 Neuss
www.sucos.com

St. Marienthaler Klosterbräu Hell

St. Marienthaler Klosterbräu, kurz St. M, ist eine Marke der Brauerei im sächsischen Eibau. Auf dem Rückenetikett des Hellen, das jetzt vor mir steht, formuliert die Brauerei einen hohen Anspruch: „Gebraut nach einer überlieferten Rezeptur aus dem Jahre 1357, entfaltet es eine opulente Herrlichkeit, die ihresgleichen sucht.“ Ein hoher Anspruch, den es zu erfüllen gilt. Inwieweit das Nonnenkloster St. Marienthal in Ostritz in dem Bier involviert ist, ist mir nicht bekannt. Auf den Bildern des Klostermarktes im Internet ist das Bier jedenfalls nicht zu entdecken.

Intensiv golden und mit sehr viel sichtbarer Kohlensäure strahlt mich das Bier aus dem Glas an. Darüber steht eine überdurchschnittliche Krone aus sahnigem Schaum, die sehr lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist malzig, unterstützt durch den Duft getrockneter Feigen.

Der Antrunk ist recht süß, was durch die reichlich vorhandene Kohlensäure aber durchaus angenehm ist. Das Mundgefühl ist vollmundig und rund. Der Geschmack des Malzes ist dominant und drückt jede Fruchtigkeit oder Bitterstoffe in den Hintergrund. Bis hierhin gefällt mir das Helle recht gut. Der Abgang wird aber durch einen undefinierbaren leicht metallischen Fehlgeschmack gestört, der lange nachklingt.

Anfangs war es ein recht ordentliches Helles, aber der Abgang hat den zunächst guten Eindruck zerstört.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Privatbrauerei Eibau i. Sa. GmbH
02739 Eibau
www.eibauer.de

Fuller’s – India Pale Ale

Nun steht mal wieder ein Bier aus Großbritannien vor mir, das Fuller’s India Pale Ale. Die englischen Biere und ganz besonders die aus der Brauerei Fuller haben mit bislang gut gefallen und der Hinweis auf dem Halsetikett der Flasche, dass es sich um ein „award winning ale“ handele, steigert meine Erwartungen selbstverständlich noch weiter. Mal sehen, ob dieses Bier meine Erwartungen erfüllen kann.

Intensiv golden bis bernsteinfarben präsentiert sich das Bier im Glas. Es ist klar und enthält sehr viel Kohlensäure. Trotzdem entwickelt sich beim Einschenken nur eine durchschnittliche Menge cremiger weißer Schaum.

Das Aroma ist fruchtig – ich stelle Düfte von Zitronen, Orangen und Bitterorgangen, unterstützt durch einen deutlichen Duft nach Karamell. Damit unterscheidet sich der Duft dieses IPA von dem vieler anderer IPAs: Das Fuller’s ist nicht gar so intensiv gehopft, daher kommt der Duft des Malzes besser zum Vorschein. Nun bin ich zwar kein Brauer, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es schwieriger ist, ein IPA wie dieses zu entwickeln, bei dem der Aromahopfen nicht alle anderen Geschmacksnuancen überdeckt. Jetzt bin ich mal gespannt, ob sich diese Erwartung auch im Geschmack widerspiegelt.

Der Antrunk ist deutlich weniger süß als ich es erwartet hätte. Das ist aber kein Nachteil. Im Gegenteil – die geringe Süße passt sehr gut zur sanften Kohlensäure dieses Bieres. Der Körper des Bieres wird durch eine frische Säure und deutliche Bitterstoffe bestimmt. Eigentlich müsste mir jetzt die Süße fehlen, denn wirklich ausgewogen ist das Bier nicht. Das müsste mir jetzt eigentlich negativ auffallen – aber verdammt, das Bier schmeckt. Es gefällt mir wirklich. Auch der Abgang weiß zu gefallen. Er ist für ein IPA überraschend mild und dabei angenehm bitter. Dass dieser Geschmack nicht allzu lange erhalten bleibt, wird viele Biertrinker sicher nicht stören.

Dieses IPA ist nicht so wie ich es erwartet hätte, absolut nicht. Wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden, hat der Kandidat einen schweren Stand. Aber dieses Bier ist in der Lage, meinen nicht erfüllten Erwartungen zum Trotz zu gefallen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Brauerei:

Fuller Smith & Turner PLC
Chiswick Lane South
London W4 2QB
England
www.fullers.co.uk

Weltenburger Kloster – Anno 1050

Jetzt steht das Märzen Weltenburger Kloster Anno 1050 vor mir. Die Klosterbrauerei im niederbayrischen Weltenburg wurde im Jahr 1050 gegründet und ist vermutlich die älteste Klosterbrauerei der Welt. Heute wird das Bier nicht mehr im Kloster gebraut, sondern nach dem Originalrezept in der Brauerei Bischofshof in Regensburg.

Das Bier steht bernsteinfarbig im Glas, darüber eine feinporige Schaumkrone mit langer Standzeit. Der Duft enthält eine Fülle von Aromen und wird eindeutig vom Naturhopfen geprägt, unterstützt durch das Aroma von Waldhonig. Soweit macht dieses Märzen eigentlich alles richtig.

Der Antrunk ist wunderbar vollmundig, leicht süß durch den Karamellzucker des Malzs. Dann wird das Bier kräftig, so wie ich es von einem Märzen erwarte. Lediglich der doch einigermaßen bittere Abgang gefällt mir an dieser Bierspezialität nicht so recht, aber das ist wohl auch Geschmackssache. Eventuell würde mich der Abgang auch nicht so stören, wenn das Bier kühler gewesen wäre und ich es zu einem bayrischen Essen genossen hätte.

 Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Bischofshof e.K.
93049 Regensburg

im Auftrag

Klosterbrauerei Weltenburg GmbH
http://www.weltenburger.de

Keizer Karel – Chales Quint Blonde

Kaiser Karl V. (1500-1558) gilt als einer der größten Kaiser aller Zeiten. Sein Reich war schließlich so groß, dass es hieß, dass in dem Reich die Sonne nie unterging. Er war ein leidenschaftlicher Bierliebhaber und zu seinen Ehren hat die Brauerei Haacht aus dem belgischen Boortmeerbeek die drei Biere der Reihe Charles Quint kreiert. Jetzt steht das Blonde dieser Biere vor mir, das bei den World Beer Awards 2014 die Silbermedaille errungen hat.

Goldgelb und kristallklar präsentiert sich das Belgian Strong Ale im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche feinporige Schaumkrone, die auch durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist malzbetont mit einer leichten fruchtigen Note. Düfte nach gelben Früchten, Äpfeln und etwas Vanille steigen mir in die Nase. Jetzt gefällt mir das Bier schon besser.

Der Antrunk ist leicht süß und die reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure sorgt für eine ordentliche Frische. Auf der Zunge entwickelt sich das Bier intensiv und rund. Ein freundliches leichtes Bitter gesellt sich zum Geschmack der Früchte, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Ich würde mir aber noch etwas mehr Säure wünschen, die das Bier noch fruchtiger machen würde. Der Abgang ist leicht bitter und mit langem Nachklang.

Das Keizer Karel Charles Quint passt gut zu Muschelgerichten.

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Haacht Brasserie
Provinciesteenweg 28
3190 Boortmeerbeek
Belgien
www.keizerkarel.be