Nach so vielen Craft Beer und regionalen belgischen Bierspezialitäten (die belgischen Brauer mögen den Begriff Craft Beer für ihre Biere nicht, weil sie sagen, dass die meisten Biere in Belgien schon immer handwerklich hergestellt wurden und daher keinen zusätzlichen Gattungsbegriff benötigen. Diese Argumentation ist für mich durchaus überzeugend und ich würde sie auch auf viele Bierregionen in Deutschland gelten lassen) will ich mich jetzt einmal wieder einem deutschen Industriebier zuwenden, dem Franziskaner Kellerbier.
Eigentlich ist diese Brauerei durch ihre Weizenbiere bekannt. Dass jetzt ein untergäriges Kellerbier angeboten wird, verwundert mich etwas, aber zusätzliche Vielfalt im Angebot kann ja nicht schaden. Schließlich plant Franziskaner nun auch, in jedem Jahr ein Jahrgangsbier zu brauen.
Die Website von Franziskaner betont, dass das Bier handwerklich hergestellt wurde und auch, dass neben anderen Inhaltsstoffen auch Ballaststoffe für einen ausgewogenen Genuss sorgen. Von Ballaststoffen im Bier habe ich noch nie etwas gehört. Leider hilft auch die Nährwertdeklaration auf dem Rückenetikett der Flasche nicht weiter; dort stehen auch dort keine Angaben zu den Ballaststoffen, dort werden sie einfach nicht erwähnt.
In hellem Bernstein präsentiert sich das Bier im Glas. Es ist schwach hefetrüb, im Allgemeinen sind die nicht filtrierten Biere deutlich trüber. Es bildet sich viel weißer cremiger Schaum, der recht lange erhalten bleibt.
Das Aroma wird durch Karamelldüfte geprägt, die durch Noten grüner Früchte und Äpfel unterstützt werden. Der Antrunk ist recht süß und zeigt, dass die Kohlensäure sehr schön feinperlig ist. Ich finde es nur schade, dass die Kohlensäure so sparsam vorhanden ist. Erstaunlich wird das Bier, sobald es sich im Mund verteilt. Der Körper ist wuchtig und dabei ist das Verhältnis von Süße, Säure und Bitterstoffen gut ausgeglichen. Der Abgang ist dann überraschend mild. Mit einem aromatischeren Hopfen könnte dieses Bier bei meinen Favoriten dabei sein.
Alkoholgehalt:
5,2 % Vol.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt, Hefe
Brauerei:
Spaten-Franziskaner-Bräu GmbH
80335 München
www.franziskaner-weissbier.de






Cemal Cattaneo ist Schweizer und stellt seit längerer Zeit handgemachte Pasta in Bio-Qualität her. Vor einigen Jahren stellte er fest, dass viele Biere in Deutschland keine Aromen haben und er hatte die Schnapsidee, selbst Bier zu brauen. Seit 2016 sind seine Biere nun unter der Marke Wolfscraft auf dem Markt. Da Cemal sich für den Umweltschutz engagiert, ist es naheliegend, dass Malz und Hopfen aus biologischem Anbau stammen. Als Brauwasser wird Alpenquellwasser verwendet. Im Interview mit Meiningers Craft Magazin hat er erzählt, dass er bislang „nur“ die Biere entwickelt und den Brauprozess an eine Brauerei beauftragt. Für die Zukunft will er nicht ausschließen, eine eigene Brauerei zu errichten, aber darüber ist noch nicht entschieden. Bei der Entwicklung der Biere analysiert er die Eigenschaften traditioneller deutscher Braustile und interpretiert diese Stile neu. Sowohl er als auch die Brauerei machen eine gute Arbeit. Nicht umsonst wurde das Weizenbier von Wolfscraft, das jetzt vor mir steht, bei Meiningers Craft Beer Award in diesem Jahr mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

