Archiv der Kategorie: Biertest

Nostradamus

Weshalb die Brauerei, die in einem Vorort von Dinant beheimatet ist, ihr Bier nach dem Anfang des 16. Jahrhunderts verstorbenen Arzt und Hellseher benannt hat, ist mir nicht bekannt. Aber die Brasserie Caracole ist ja für ihre phantasievollen Biernamen und selbstverständlich auch für ihre guten Biere bekannt. Ich hoffe nur, dass sie mich auch dieses Mal nicht enttäuscht. Aber das ist ein kalkulierbares Risiko, hat Nostradamus doch im Jahr 2002 in seiner Kategorie einen weltweiten Bierwettbewerb gewonnen.

Schwarz mit einem Mahagonistich ist es, das Nostradamus. Es bildet viel cremigen Schaum mit einem leichten Gelbstich, der lange Zeit erhalten bleibt. So gefällt mir das Bier, zumindest optisch gibt es nichts auszusetzen.

Nostradamus duftet intensiv nach Karamell, getrockneten Feigen, Bananen und Kirschen. So ein komplexes Aroma ist nicht selbstverständlich. Der Antrunk ist süß und durch die sehr reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure trotzdem frisch. Auf der Zunge bilden sich dann Expressonoten, die durch den verhaltenen Geschmack von Gewürzen ergänzt werden. Eine leichte Säure rundet den Geschmack ab. Der Abgang wird durch ein freundliches Bitter mit mittellangem Nachklang geprägt.

Ich muss sagen, dass die Brasserie Caracole hier wieder einmal eine herausragende Bierspezialität kreiert hat. Ich freue mich, dass ich die Biere dieser kleinen Brauerei gekauft habe. Dabei war ich im Laden zunächst kritisch und habe überlegt, ob ich die Biere überhaupt kaufen soll. Ich fand die phantasievollen Etiketten ziemlich kitschig und zweifelte, ob dazu ein gutes Bier passt. Aber doch, es funktioniert.

Alkoholgehalt:

9 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Caracole
Côte Marie-Thérèse 86
5500 Falmignoul
www.caracole.be

Schüttinger – Hell

Becks ist sicher das bekannteste Bier aus Bremen, aber diese Stadt hat noch mehr zu bieten. Jeder, der schon einmal als Tourist nach Bremen gekommen ist, kennt sicher die Böttcherstraße und hat dort bestimmt auch das Brauereigasthaus Schüttinger gesehen. Dort können Sie neben den dort gebrauten Bieren auch aus der regional geprägten Speisekarte wählen. Und falls Sie ein Stück Bremen mit nach Hause nehmen wollen: die Biere gibt es auch in Flaschen abgefüllt zum Mitnehmen. Eines der beiden Biere aus dieser Wirtshausbrauerei steht jetzt vor mir.

Goldgelb und hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber eine mittlere Menge gemischtporiger Schaum, der durchschnittlich lange stehen bleibt. Also macht das Bier rein optisch schon mal einen guten Eindruck. Dazu kommt noch eine große Menge Kohlensäure, die ein tolles Bier verspricht.

Das Aroma ist durch Malz und Hefe geprägt, unterstützt durch die Düfte von hellem kandiertem Honig und von Heu. Auch hier gibt es nichts zu meckern.

Der Antrunk ist recht süß, aber noch nicht so stark, dass es unangenehm wäre. Außerdem zeigt hier die Kohlensäure, dass sie nicht nur in ausreichender Menge vorhanden, sondern auch recht lebhaft ist.

Der Körper ist einfach rund. Im intensiven Geschmack verbindet sich die Süße des Malzes mit einer leichten Säure und die Hefe nimmt dem Geschmack die Spitzen. So stelle ich mir ein Bier aus einer Gasthausbrauerei vor. Der Abgang ist sehr mild, wobei aber ein leichter bitterer Anklang lange erhalten bleibt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Aromahopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Schüttinger Gasthausbrauerei
28195 Bremen
http://www.schuettinger.de

Trappistes Rochefort 6

Dieses Trappistenbier kommt aus der Kleinstadt Rochefort, die in der Wallonie etwa 20 km von Dinant entfernt liegt. Die Mönche in der dortigen Abtei Notre-Dame de Saint-Rémy brauen drei Biere, das Rochefort 6, das Rochefort 8 und das Rochefort 10. Insgesamt werden jährlich etwa 18.000 Hektoliter gebraut, die weltweit verkauft werden. Jetzt steht das Rochefort 6 vor mir. Es ist das leichteste der drei Trappistenbiere aus dieser Abtei. Wenn Sie alle drei Biere nacheinander verkosten möchten, sollten Sie mit diesem Bier beginnen.

Dunkelrot und leicht hefetrüb ist das Bier im Glas. Dazu kommen viel Kohlensäure sowie sehr fein feinporiger weißer Schaum mit einem leichten Gelbstich, der lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier perfekt.

Das Bier duftet intensiv nach Malz, reifen Bananen und Trockenfrüchten. Trotz einiger herber Noten ist das Aroma frisch.

Der Antrunk ist überraschend leicht und spritzig. Schnell bildet sich auf der Zunge ein kräftiges Bitter mit Noten von Schokolade und Kaffee. Das wird durch eine ausgewogene Säure abgerundet. Der Abgang ist freundlich bitter und der Geschmack klingt lange nach.

Ich weiß ja, dass viele Deutsche etwas Angst vor kräftigen und dunklen Bieren haben. Das Trappistes Rochefort 6 kann für diese Menschen durchaus als Einstieg in die Welt der Starkbiere dienen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Rohgetreide, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Brauerei:

Abbaye N.-De Saint-Remy
5580 Rochefort
Belgien
www.trappistes-rochefort.com

Hell-Bräu – Dult-Märzen

Eigentlich ist die oberbayerische Kreisstadt Altötting ja eher durch ihre Gnadenkapelle als Wallfahrtsort bekannt, weniger als Brauereistandort. Andererseits ist es ja auch wenig überraschend, wenn eine bekannte Gemeinde in Bayern auch eine Brauerei beherbergt.

Das Bier kommt in einer traditionellen Bügelflasche. Auf dem Etikett ist Altötting abgebildet, zusammen mit einem Dorffest, das in Bayern Dult genannt wird. Damit wäre auch schon der Name des Bieres erklärt. Nun will ich es aber testen.

In hellem Goldgelb mit wenig sichtbarer Kohlensäure präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich recht wenig weißer gemischtporiger Schaum, der sich auch schnell auflöst.

Das Aroma ist malzig und süßlich. Der Hopfen hält sich diskret im Hintergrund. Eventuell kann ich einen leichten grasigen Duft feststellen, der ist aber so diskret, dass ich mir nicht sicher bin. Auch wenn beim Dult-Märzen kein Hopfenextrakt verbraut wurde, hat die Brauerei beim Hopfen wohl etwas zu sehr gespart.

Dementsprechend süß ist auch der Antrunk. Immerhin stelle ich jetzt fest, dass das Bier doch mehr Kohlensäure enthält als ich gesehen habe. Dadurch erhält das Bier eine angenehme Frische. Auch wenn die Brauerei am Hopfen gespart hat, ist der Körper voll, intensiv und vollmundig. Trotzdem fehlen mir die Bitterstoffe. Dabei wird doch gerade beim Märzen traditionell eher etwas mehr Hopfen verwendet. Jetzt fällt mir auch auf, dass in der Zutatenliste der Hopfen noch vor dem Malz steht, eine Besonderheit, die ich nicht erwartet hätte. Da die Zutaten absteigend in der Reihenfolge der Menge angegeben werden, müsste der Hopfen eigentlich die zentrale geschmackgebende Zutat sein. Wie zu erwarten ist auch der Abgang sehr mild, er klingt aber einige Zeit nach.

Trotz aller Kritik, die ich an diesem Bier habe, ist es süffig und wirklich nicht schlecht. Für Liebhaber sehr milder Biere ist es sicher genau richtig. Insbesondere gefällt mir, dass die immerhin 5,8 % Alkohol kaum durchschmecken, was nicht selbstverständlich ist.

Zutaten:

Wasser, Hopfen, Gerstenmalz

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Stammwürze:

13,5° Plato

Brauerei:

Hell-Bräu
Herrenmühlstr. 15
84503 Altötting
www.hellbraeu.de

Lupulus Hopera

Die Brauerei „Les 3 Fourquets“ wurde 2004 gegründet, ursprünglich, um das benachbarte Bistro mit Malzgetränken in Fässern zu versorgen, entschied sich aber drei Jahre später, ein neues Bier in Champagnerflaschen, aber auch in Fässern zu kreieren.

Die Brauer wollten ein Bier entwerfen, das mit Respekt vor der belgischen Biertradition gebraut wurde, allerdings mit einzigartigen und neuen Duft- und Geschmacksnuancen in modernen Anlagen. Das außergewöhnliche Umfeld, in dem die Brauerei ihre Aktivitäten entfaltete, konnte diese „Gerstenformer“ nur inspirieren. Die Brauerei befindet sich in der Einfriedung eines prächtigen Bauernhauses aus dem 18. Jahrhundert, das Teil des Erbes der belgischen Ardennen ist und in einer grünen Umgebung liegt, die von einem Strom aus reinem und frischem Wasser umgeben ist.

Zu einer Zeit, als selbst unsere Vorfahren noch keine gesehen hatten, bewohnten die Wölfe die ruhigen und rauen Gebiete dieser wunderschönen Ardennen. Man sagt, dass diese Rudel aus Slowenien stammten, wo die besten Hopfen der Welt angebaut werden. Ob das stimmt oder nicht dürfte wohl niemals festgestellt werden. Aber auf jeden Fall gaben sie dem Bier seinen Namen: Lupulus.

Mittlerweile gibt es acht Biere mit dem Namen Lupulus und jetzt steht das Lupulus Hopera vor mir. Der Stil dieses Bieres wird von den Brauern Hoppy Pale Ale genannt. Daher erwarte ich hier ein Bier mit deutlichen Hopfennoten, das aber nicht so intensiv gehopft ist wie ein India Pale Ale. Mal sehen, ob das Bier seiner Beschreibung entspricht.

Sehr schön golden und leicht hefetrüb ist das Lupulus Hopera mit einer durchschnittlich voluminösen Krone aus feinporigem Schaum, der aber leider bis auf einen kleinen Rest recht flott in sich zusammenfällt.

Ja, das Bier ist gut gehopft und das nicht nur von der Menge des Hopfens aus betrachtet, sondern auch von der Auswahl der Hopfensorten her. Ich rieche Grapefruit, Ananas und Vanille. Das Aroma ist schon mal vielversprechend.

Der Antrunk überrascht, denn er ist recht trocken. Da passt es dann auch, dass das Lupulus Hopera recht wenig Kohlensäure enthält. Bei aller Trockenheit ist das Bier von Anfang an fruchtig. Der Geschmack von Zitrusfrüchten sowie ein kräftiges und dabei freundliches Bitter stehen im Vordergrund. Das Bier ist vollmundig, süffig und rund, dabei aber auch frisch. Der Abgang ist erstaunlich mild und er klingt durchschnittlich lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Brasserie Les 3 Fourquets
Courtil 50
6671 Gouvy
Belgien
www.lupulus.be

Maisel – Edelhopfen

Die fränkische Brauerei Maisel ist ja eher für seine Weizenbiere bekannt. Jetzt steht aber ein Pils aus der Bayreuther Brauerei vor mir. Das ist nichts besonderes, denn auf ein Pils kann kaum eine Brauerei verzichten. Aber dieses Bier ist schon etwas anders, denn es handelt sich um ein kalorienreduziertes Pils, das aber trotzdem vom Alkoholgehalt her im Durchschnitt liegt. Diesen Effekt erreicht Maisel, indem das Bier höher vergoren wird als normal. Dadurch wird mehr Alkohol gebildet, der aber anschließend teilweise wieder entzogen wird. Dadurch enthält das Bier nach Angaben der Brauerei 75 % weniger Kohlenhydrate als das „normale“ Pils von Maisel und kommt auf lediglich 30 Kilokalorien pro 100 ml. Dafür enthält das Bier nicht so viel Malzzucker wie ein normales Pils und ist daher trockener. Wie sich das auf den Geschmack auswirkt will ich jetzt testen.

Strohgelb und kristallklar präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist nicht allzu groß, bleibt aber durchschnittlich lange erhalten.

Das Bier duftet nach Karamell, Biskuit und leicht nach Zitrone. Bis hierhin gefällt mir das Bier schon mal.

Der Antrunk ist spritzig und frisch, dabei wie erwartet recht trocken. Auf der Zunge ist das Bier sehr schlank und wirkt fast wie ein alkoholfreies Bier. Die Bitterstoffe sind nur sehr knapp dosiert. Erst im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger, bleibt aber eher diskret. Trotzdem klingt der Geschmack lange nach.

Das Bier würde als alkoholfreies Pils eine gute Figur machen, aber bei fast fünf Prozent Alkohol hätte ich mehr Geschmack erwartet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenauszüge

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

9,5° Plato

Brauerei:

Gebr. Maisel KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.edelhopfen.de

Adriaen Brouwer – Winter Wood 2018

Die Brauerei Roman, aus der das Adriaen Brouwer stammt, ist die nach eigenen Angaben älteste noch arbeitende Brauerei im Familienbesitz in Belgien. Die Geschichte der Brauerei beginnt im Jahr 1545 mit einem Mann namens Joos Roman. Er besaß ein Gasthaus namens „De Clocke“ in Mater, heute ein Ortsteil von Oudenaarde. Dieses Gasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit lag an der deutsch-französischen Handelsroute. Roman neben dem Gasthaus noch einen Bauernhof, eine Mühle, eine Mälzerei und selbstverständlich eine Brauerei. Damals war das Bierbrauen nur eine von vielen Aktivitäten, die hier stattfanden. Mit der Zeit, als die nächsten Generationen das Ruder übernahmen, wurde Bier zur Haupttätigkeit der Familie. So ist es bis zum heutigen Tag geblieben.

Seit einigen Jahren braut das Unternehmen zum Jahreswechsel ein limitiertes Neujahrsbier. Für die Ausgabe 2018 ließen sich die Brauer von der Gemütlichkeit und Wärme eines Holzfeuers inspirieren und haben Eiche aus Whiskyfässern verwendet, um dem Bier ein dezentes Aroma nach Eiche zu verleihen. So beschreibt die Brauerei jedenfalls das Winterbier, das jetzt vor mir steht.

Im Glas präsentiert sich das Bier in dunklem Rubinrot. Darüber bildet sich eine recht voluminöse beige Schaumkrone, die aber leider relativ schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist rauchig und malzsüß. Dazu kommen Düfte nach Sultaninen und Trockenfrüchten, Holz und Whisky. Das verspricht schon mal ein gutes belgisches Winterbier.

So ist auch der Antrunk süß, was gut mit der sehr feinperligen Kohlensäure zusammenpasst. Hier spiegeln sich die Sultaninen des Aromas wider. Zu der fruchtigen Süße kommen schnell eine leichte Säure sowie ein ebenfalls leichtes Bitter dazu. Jetzt frage ich mich aber doch, wo in diesem wärmenden Bier der Rauch aus dem Aroma geblieben ist. Der Abgang ist mild. In der Kehle klingt er nicht lange nach, aber auf der Zunge bleibt die Fruchtigkeit einige Zeit erhalten und jetzt kommt auch der Rauchgeschmack wie auch das Holz zum Vorschein.

Leicht gekühlt ist dieses Bier in guter Begleiter zu Hartkäse und weihnachtlichen Gerichten.

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Brauerei:

Brewery Roman
Hauwaart 105
9700 Oudenaarde
Belgien
www.roman.be

Paulaner – Oktoberfest Bier

Das Oktoberfest in München gilt als das größte Bierfest der Welt. Eine Besonderheit des Oktoberfestes ist, dass nur sechs Brauereien aus München auf der Wiesn ausschenken dürfen. Neben Augustiner, Hacker Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu und Spaten gehört auch Paulaner zu diesem illustren Kreis. Auch wenn das diesjährige Oktoberfest schon einige Zeit vergangen ist, steht jetzt das Oktoberfest Bier von Paulaner vor mir.

Hellgold strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber bildet sich leicht überdurchschnittlich viel feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch das Malz dominiert, unterstützt durch einige würzige Noten des Hopfens. Damit ist das Aroma nicht sonderlich komplex, aber durchaus angenehm. Dazu trägt auch bei, dass dieses Bier ohne Hopfenextrakt gebraut wird.

Beim ersten Kontakt mit der Zunge zeigt sich eine leichte Süße, die durch recht wenig sehr feinperlige Kohlensäure begleitet wird. Das Bier erzeugt ein volles Mundgefühl. Dabei kommt ein leichtes Bitter zum Vorschein. Im Abgang wird das Bitter etwas stärker, es klingt aber nur kurz nach.

Das Paulaner Oktoberfest Bier lässt sich gut trinken. Es ist wirklich nicht schlecht, aber auch kein großer Genuss. Es ist eher für das Trinken großer Mengen geeignet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Paulaner Brauerei Gruppe GmbH & Co. KGaA
Ohlmüllerstr. 42
81541 München
www.paulaner.de

St. Bernardus – Prior 8

Nun steht mal wieder ein Abteibier vor mir, das St. Pernardus Prior 8. Im Gegensatz zu den Trappistenbieren müssen die Abteibiere nicht innerhalb des Klosters gebraut werden, sondern die Klöster vergeben das Brauen als Auftrag an eine Brauerei, wobei die Rezeptur des Bieres im Eigentum des Klosters verbleibt. Die Brauerei darf dieses Bier also nur im Auftrag des Klosters brauen, nicht auf eigene Rechnung.

Das St. Bernardus hat aber auch seine eigene Geschichte. Es stammt aus dem Kloster St. Sixtur in Vleteren. Dort entschieden sich die Mönche kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, die kommerzielle Produktion ihres Trappistenbieres Westvleteren einzustellen und es nur noch für den persönlichen Bedarf sowie für einige wenige Gaststätten in der unmittelbaren Umgebung zu brauen. Ein Käseproduzent namens Deconinck erwarb damals von den Mönchen die Lizenz, das Bier 30 Jahre lang nach Originalrezeptur weiterhin zu brauen und zu vertreiben. Neben seiner Käserei ließ Deconinck eine Brauerei errichten, er warb einen Braumeister aus Westvleteren ab und begann die Produktion des Bieres unter dem Namen Sixtus. Später übergab Herr Deconinck die Brauerei seinem Schwiegersohn Claus, der Anfang der 1960er Jahre mit dem Kloster eine Verlängerung der Lizenz bis 1992 aushandelte. Sie konnte nicht weiter verlängert werden, da sich in der Zwischenzeit die Trappistenklöster in Belgien geeinigt hatten, dass die Bezeichnung Trappistenbier nur noch für Biere zuzulassen, die innerhalb des jeweiligen Klosters gebraut wurden. Daraufhin wurden das Bier aus der Brauerei Deconinck wie auch die Brauerei selbst 199 in St. Bernardus umbenannt. Aber kommen wir zum Bier.

Oder doch erst einmal zum Namen des Biers. Haben Sie sich gefragt, was die „8“ im Namen soll? Sie benennt den Alkoholgehalt. Das St. Bernardus Prior 8 enthält 8 % Vol. Alkohol.

In ganz rotem Rot mit einem Einschlag ins Bernsteinfarbene präsentiert sich das Bier im Glas. Oder sollte es dunkles Bernstein mit einem starken Rotstich sein? Egal. Auf jeden Fall handelt es sich um eine Farbe, die auf ein wirklich gutes Bier hoffen lässt. Über dem Bier bildet sich sehr viel hellbrauner feinporiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt.

Das komplexe Aroma hält schon mal, was die Optik verspricht. Ich stelle Röststoffe fest, dazu Kaffee, Banane und getrocknete Kirschen. Jetzt bekomme ich aber wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist wenig süß und ich stelle die sehr feinperlige Kohlensäure fest. Der Körper wird durch Bitter- und Sauernoten bestimmt und auch jetzt hält sich die Süße diskret im Hintergrund. Mir erscheint der Geschmack jetzt nicht wirklich ausgewogen. Der Abgang ist dann angenehm bitter mit der kräftigen Kaffeenote, die ich bereits im Aroma festgestellt habe. Der Geschmack bleibt lange erhalten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Brauerei:

Br. St. Bernard N.V.
Trappistenweg 23
8978 Watou
Belgien
www.sintbernardus.be

Brau-Manufactur Allgäu – Hopfen Royal

Die beiden von Bier begeisterten Schwestern Stephanie und Kathrin Meyer haben das Hopfen Royal in der hauseigenen Spezialitäten-Brauerei gebraut, in der Brau-Manufactur Allgäu. Dafür verwenden sie ausschließlich regionale Rohstoffe.

Die kräftige dunkle Bernsteinfarbe spricht mich sofort an. Dazu die leichte Hefetrübe. Die reichlich vorhandene Kohlensäure sorgt für eine sehr schöne leicht elfenbeinfarbene gemischtporige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Die Optik ist wirklich königlich.

Das intensive Aroma ist malzbetont und dabei doch fruchtig. Düfte nach Mango, Orange, Grapefruit und Waldhonig steigen mir in die Nase.

Der Antrunk enthält für ein Bockbier überraschend wenig Süße, aber er ist vom ersten Moment an angenehm und fruchtig. Der Geschmack von Pfirsich und Litschi verbindet sich mit dem von Grapefruit. Die Fruchtigkeit wird durch die ausgeprägten Malzaromen unterstützt. Dieser Bock wirkt dabei nicht schwer, sondern frisch und spritzig. Auch der Abgang wird durch die Fruchtigkeit geprägt. Die Bitterstoffe halten sich stiltypisch diskret im Hintergrund. Der Geschmack klingt mittellang nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh, Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

6,9 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Brauerei:

Brau-Manufactur Allgäu
Hauptstr. 25
87484 Nesselwang
www.brau-manufactur-allgaeu.de