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Brugse Bok

Brugse Bok – ein starkes, saisonales belgisches Bockbier, das nach einem Rezept nach deutscher und niederländischer Tradition gebraut wird. Für die Zubereitung verwenden die Brauereien De Halve Maan spezielle Zutaten. Durch die besondere Art der Röstung hat das Bier eine hellere Farbe als das traditionelle Bok, weshalb es manchmal auch als „light“ bezeichnet wird.

Die Geschichte der Familienbrauerei „De Halve Maan“ („Halbmond“) reicht über 160 Jahre zurück. Sechs Generationen der Familie Mace arbeiten seit 1856 in Brügge mit einem einzigen Ziel: die Herstellung von exzellentem, authentischem Bier unter Beachtung der traditionellen Brauverfahren, die das berühmte Brügge sind. Die Brauerei begann ihre Reise mit der Herstellung von Fassbier mit kurzer Haltbarkeit.

In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts begann das Interesse an traditionellem regionalem Bier zu wachsen, ein Trend, den die Brauerei auszunutzen wusste. Zeitgleich mit der Einweihung der Statue des heiligen Arnold in Brügge, dem Schutzpatron der Brauerei, brachte De Halve Maan ein Lightbier auf den Markt. Das neue Bier gefiel dem Bürgermeister der Stadt. Das Bier war etwas kräftiger als andere Sorten und wurde deshalb „Straffe Hendrik“ genannt. Später, im Zusammenhang mit der Schließung der Braustätte „De Halve Maan“, wurde die Marke an die Brauerei Riva in Brügge verkauft, die das Bier von 1988 bis 2002 braute.

In diesen Jahren öffnete Die Chefin die Tür der Brauerei „De Halve Maan“ für die Öffentlichkeit. Bis heute besteht im ersten Gebäude der Brauerei, das noch heute im Besitz der Familie Mace ist, ein historisches Museum, das die von vielen Touristen aus der ganzen Welt besucht wird.

Die Wiederbelebung der Brauerei De Halve Maan erfolgte 2005 nach Umbau und Modernisierung dank der Bemühungen des Juniorchefs – Xavier Vanneste. So steht jetzt der brugse Bok vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Kastanienbraun präsentiert sich das brugse Bok im Glas. Darüber bildet sich recht viel mittelporiger beiger Schaum, der sich durchschnittlich schnell auflöst.

Das Aroma ist malzig und es wird durch die Röstaromen dominiert, unterstütz von einigen Düften nach Trockenfrüchten.

Der Antrunk enthält für ein Bockbier recht wenig Süße. Er ist sehr schlank und offenbart eine sehr feinperlige Kohlensäure, die im Glas nicht zusehen war. Dann fällt der Geschmack in ein Loch. Auf der Zunge macht das Bier einen eher wässrigen Eindruck mit wenig Geschmack. Erst im Abgang zeigt sich ein leichtes Bitter zusammen mit etwas Säure, aber ein Nachklang ist nicht festzustellen.

Dieses Bier hat mich sehr enttäuscht, sowohl als Bockbier als auch als Bier aus der Brauerei De Halve Maan. Aus Brügge bin ich wirklich bessere Biere gewöhnt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Kandiszucker

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten:

23 IBU

Brauerei:

Brouwerij De Halve Maan
Walplein 26
8000 Brügge
Belgien
www.brugsezot.be

Orval

Das Orval ist ein Trappistenbier, das in der Zisterzienserabtei Notre-Dame d’Orval gebraut wird. Die Herstellung dieses Bieres ist aufwändiger als bei den meisten anderen Bieren.

Ungewöhnlich ist schon einmal das Schroten, das im Nassmahlverfahren geschieht. Dabei wird während des Schrotens auf 65° Celsius erhitztes Wasser zugeführt und die Maische wird direkt in den Läuterbottich gepumpt. Die Erhöhung der Temperatur geschieht durch Zubrühen von heißem Wasser. Die obergärige Hauptgärung dauert vier bis fünf Tage. Bei der anschließenden Nachgärung wird ein Verschnitt aus zehn Hefestämmen verwendet, der vorwiegend aus Brettanomyces besteht. Brettanomyces ist ein Hefestamm, den die meisten Brauer meiden wie der Teufel das Weihwasser. Ausnahmen sind die Produzenten von Sauerbier, beispielsweise von Geuze oder Gose. Bei den weitaus meisten Bierstilen gilt Brettanomyces als Kontamination. Während der Lagerung wird das Bier mit Doldenhopfen gestopft. Nachdem die Hefe per Zentrifuge entfernt wurde wird das Bier erneut mit flüssigem Kandiszucker gespeist und es wird für die Flaschengärung neue Hefe zugegeben. Für die Flaschengärung werden die Flaschen zwei bis drei Wochen bei einer konstanten Temperatur von 15° Celsius gelagert. Bei der Auslieferung beträgt der Alkoholgehalt etwa 6,2 % Vol., durch die Flaschengärung kann er noch um etwa ein Volumenprozent steigen.

Das Orval lässt sich nicht beschreiben. Da die Reifung in der Flasche fortschreitet, ändert sich der der Geschmack grundlegend. In Wikipedia wird die Geschmacksänderung während der Flaschenreifung so beschrieben: „. Während das Bier beim Verlassen der Brauerei frisch und hopfig ist, entwickelt sich bei weiterer Lagerung ein komplexes Aromenprofil. Die durch Brettanomyces gebildeten Phenole und Ester treten nach sechs Monaten hervor.[3] Orval hat, nach der Beschreibung des Bierkritikers Michael Jackson, „[…] ein erdiges, lederig-öliges Aroma, in dem manche Degustatoren Salbei entdecken, und intensiv herben, säuerlichen Geschmack.“ (Michael Jackson: Michael Jackson: Bier International. 2. Aufl., Bern 1999, ISBN 978-3444105401, S. 136.) Von anderen Trappistenbieren unterscheidet es sich insbesondere in seiner Trockenheit.“ Damit Sie den Reifegrad des Bieres einschätzen können, hier noch der Hinweis, dass die Brauerei dem Orval eine Mindesthaltbarkeit von fünf Jahren gibt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Hallertauer, Styrian Goldings, Strisselspalt), Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol. – 7,2 % Vol.

Stammwürze:

14° Plato

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Abbaye d’Orval
Orval Nr. 1
6823 Villers-devant-Orval
Belgien
www.orval.be

Brugse Zot

In Deutschland wie in Belgien werden zu besonderen Anlässen spezielle Biere gebraut. Ich denke dabei an die Weihnachtsböcke wie auch an den Maibock, der von immer mehr Brauereien in Deutschland angeboten wird. Weihnachten und der Mai sind ja Anlässe, die uns klar vor Augen stehen. Aber das Bockbier, das jetzt vor mir steht, erinnert an ein Ereignis, das im Mittelalter in Brügge vorgefallen ist.

Die Geschichte des Brugse Zot geht auf die mittelalterliche Legende um Kaiser Maximilian von Österreich zurück. Nach dem Tod seiner Frau Maria von Burgund übernahm Maximilian 1482 die Regentschaft über die Niederlande, zu denen damals auch Brügge gehörte. Die Bürger von Brügge hatten jedoch ihre Schwierigkeiten, sich der strengen Herrschaft ihres neuen Herrschers unterzuordnen. Die Steuern waren hoch und es herrschte ein Klima der Unzufriedenheit und des Aufruhrs.

Als Maximilian im Frühjahr 1488 nach Brügge kam, um eine Revolte zu unterdrücken, kerkerten die Brügger ihren Fürsten ein. Nach der Freilassung rächte sich Maximilian, indem er Feste und Jahrmärkte verbietet. Um ihn zu beruhigen, veranstalteten die Brügger ein großes Fest zu seinen Ehren, bei dem sie eine farbenfrohe Prozession von ausgelassenen Partygästen und Narren an ihm vorbeiziehen ließen. Danach baten sie ihn um die Erlaubnis, neue Messen abzuhalten und ein neues Narrenhaus zu bauen. Die Antwort von Maximilian? Schließen Sie alle Tore von Brügge und Sie haben die Narren!

Seitdem lautet der Spitzname der Einwohner „Brugse Zotten“ (Narren) und wird auch in der Geschichte der Stadt genannt. Mit der Herstellung des Stadtbiers „Brugse Zot“ erinnert die Brauerei De Halve Maan die Einwohner von Brügge mit einem Augenzwinkern an ihre Geschichte.

Heute ist Brugse Zot, neben Straffe Hendrik, das einzige Bier, das in der historischen Innenstadt von Brügge gebraut wird. Als vor einiger Zeit die Brauerei in der Innenstadt zu klein wurde, verlegte die Brauerei die Abfüllung in ein zweites Werk außerhalb von Brügge. Zunächst wurde das Bier in LKW von der Brauerei zur Abfüllung gebracht, was bei den schmalen Straßen der mittelalterlichen Stadt eine deutliche Verkehrsbelastung bedeutete. Daher hat die Brauerei eine Pipeline bauen lassen, durch die das Bier seinen Weg zur Abfüllung findet.

Das Brugse Zot wurde in den vergangenen Jahren insgesamt sieben Mal ausgezeichnet, unter anderem beim World Beer Cup und beim European Beer Star. Jetzt ist es aber an der Zeit, die Flasche zu öffnen und das Bier zu verkosten.

Goldgelb und leicht hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine sehr voluminöse sahnige Schaumkrone, die auch sehr lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier sehr ansprechend.

Das Aroma ist fruchtig. Der Duft von Ananas und Malz steigt mir in die Nase. Das ist wirklich angenehm, allerdings fehlen mir bittere und würzige Noten.

Der Antrunk ist frisch und fruchtig mit einer zurückhaltenden Süße. Auf der Zunge kommt eine leichte Säure dazu. Auch der Abgang ist überraschend frisch und fruchtig, aber fast ohne Bitterstoffe. Das wenige Bitter klingt aber lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Kandiszucker

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Halve Maan
Walplein 26
8000 Brügge
Belgien
www.brugsezot.be

Gordon – Xmas

Jetzt steht das Bier vor mir, das sich rühmt, das originale Weihnachtsbier zu sein. Es handelt sich um das Gordon Xmas. Das Bier stammt von Anthony Martins, einer englisch-belgischen Brauereigruppe, zu der Timmermans, Bourgogne des Flandres und die Waterloo Brewery gehören. Aus welcher Brauerei das Bier genau stammt verrät Martins nicht, sondern auf dem Rückenetikett ist lediglich der Hinweis „Brewed in Benelux“ vermerkt. Aber das ist auch nicht entscheidend, sondern es kommt auf die Qualität des Biers an.

Das Gordon Xmas wurde auf der Grundlage einer stärkeren winterlichen Version des Scotch Ale entwickelt, das im 2. Weltkrieg von der Armee an die britischen Truppen ausgegeben wurde und vor allem in der Wallonie Begeisterung hervorrief. Bereits in den 1930er Jahren wurde das Bier als eines der ersten Weihnachtssude in Belgien verkauft. Aber genug der Theorie, kommen wir zum Bier.

Dunkel rubinrot präsentiert sich das Bier. Es bildet sich sehr viel feinporiger Schaum, weiß mit leichtem Gelbstich, der sich nur langsam auflöst. Dazu sehe ich viel feinperlige Kohlensäure.

Das Aroma wird durch das Malz dominiert. Ich rieche Karamell, Trockenpflaumen, weihnachtliche Gewürze und einen Hauch Schokolade.

Der Antrunk ist süß und kräftig, wobei die Kohlensäure für einen angenehmen ausgeglichenen Geschmack sorgt. So erwarte ich es auch von einem Weihnachtsbier. Der Körper ist fruchtig und bringt den Geschmack von Aprikosen mit. Dazu kommen Noten von Bittermandel und Sherry, die hervorragend mit der Süße des Malzzuckers harmonieren. Der Abgang ist trocken bitter und er klingt lange nach.

Das Bier passt gut zu einem Weihnachtsbraten und soll sich auch gut eignen, um es heiß als Glühbier zu trinken.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Zucker, geröstete Gerste, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,8 % Vol.

Gebraut für:

Anthony Martin
Rue de Cerf 191
1332 Genval
Belgien
www.anthonymartin.be

Hercule – Stout

Die Belgier sind ja bekanntlich stolz auf ihre Comic- und Romanfiguren. So ist es auch kein Wunder, dass die Brasserie des Légendes auch Hercule Poirot ein Bier gewidmet hat, dem von Agatha Christie ersonnenen Privatdetektiv, der von sich selbst sehr eingenommen ist und in England ermittelt. Sein Markenzeichen ist der angeklebte schwarze Schnurrbart, der sicherlich auch bei der Entscheidung Pate gestanden hat, zu Ehren von Hercule Poirot ein Stout zu brauen.

Ein erster Blick auf die Zutatenliste auf dem Rückenetikett zeigt, dass das Hercule ohne Zusätze von Gewürzen oder Zucker gebraut wurde. So gesehen könnte es auch aus Bayern stammen, wo keine Ausnahmen vom Reinheitsgebot zugelassen werden. Aber dann würde das Bier auch sicher nicht Hercule heißen.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine leicht überdurchschnittlich große hellbraune Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Intensive Düfte nach Schokolade, Kaffee und Vanille steigen mir in die Nase. Das Aroma gefällt mir auch wenn es keine Überraschungen bot.

Der Antrunk ist gering süß, was in einem gewissen Gegensatz zu der reichlich dosierten feinperligen Kohlensäure steht. Auf der Zunge ändert sich der Eindruck. Jetzt schmeckt das Bier nach dunkler Schokolade, Espresso und einem Hauch Lakritz. Ungewöhnlich ist der frische Geschmack, der für ein Stout nicht selbstverständlich ist. Säure ist nur in geringem Maß vorhanden; trotzdem ist der Geschmack voll und rund. Im Abgang drängt sich der Geschmack nach Schokolade in den Vordergrund und das Bier wird trockener. Der Geschmack klingt sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

9 % Vol.

Brauerei:

Brasserie des Légendes sprl
Rue du Castel 19
B-7801 Irchonwelz
www.brasseriedeslegendes.be

N’Ice Chouffe

Die Brauerei, ein Tochterunternehmen von Duvel, preist dieses Winter Ale vollmundig an: „Die Gnome des Märchenlandes lieben dieses goldene Bier besonders. LA CHOUFFE, mit seinem leicht hopfigen Geschmack, der Noten von frischem Koriander und fruchtigen Noten kombiniert, ist das Getränk, das ihnen Lebensfreude verleiht. Zumindest ist es das, was diese Kobolde sagen, wenn sie durstig sind. Ihr Geheimnis wurde von Generation zu Generation eifersüchtig gehütet, bis zu dem Tag, an dem sie das Rezept mit den Menschen teilten, um ihre Freundschaft zu besiegeln. Von allen Legenden aus der wunderschönen Region der belgischen Ardennen ist die Geschichte von LA CHOUFFE diejenige, die es am meisten verdient, nacherzählt zu werden.“ Na ja, wenn nur die Hälfte dieses Textes der Wahrheit entspricht, lohnt es sich doch wohl bestimmt, dieses Bier zu verkosten.

Sie kennen die Legende von Ca Chouffe nicht, wollen sie aber gerne kennenlernen? Na gut, hier ist sie: „Sie müssen wissen, dass die kleine Brauerei und das Restaurant im malerischen Dorf Achouffe, im Wallonieteil der belgischen Ardennen, untergebracht sind. Chouffe stammt aus dem wallonischen Dialekt und kann mit Gnom übersetzt werden. Die Verschwörungstheoretiker unter uns würden wohl vermuten, dass der Name der Brauerei und des Bieres ausschließlich aus dem Namen des Dorfes abgeleitet wurde. Obwohl das wahr sein mag, soll die Region die Heimat einer Kolonie von Gnomen gewesen sein, die einst genug Bier gebraut haben, um das ganze belgische Volk das ganze Jahr über betrunken zu halten. Das Bier floss direkt aus einer Quelle in den Wäldern von Cedrogne, in der Nähe des geheimen Treffpunkts der Tempelritter vor den Kreuzzügen. Dieses Gebiet ist auch heute noch als das Tal der Feen bekannt, das, wie die Legende sagt, einst der höchste Punkt Belgiens war. Von diesem Zeitpunkt an floss das Bier bergab ins ganze Land. Schließlich wurde das Gebiet durch die große Pest verwüstet und viele Dörfer in der Region verschwanden völlig. Eine Katastrophe ereignete sich und die Zwerge von Achouffe wurden lebendig begraben. Die große Goblinbrauerei stellte die Bierproduktion ein und die Belgier waren gezwungen, ihr eigenes Bier zu brauen. Die Bierquelle von Cedrogne produziert nur noch Wasser – genau das Wasser, mit dem La Chouffe gebraut wird. 1978 besuchte der einzige überlebende Gnom die Schwager Bauweraerts und Gobron und vermittelte das Rezept für den klassischen goldenen La Chouffe. Gobron, der Braumeister, kündigte 1982 seinen Job und gründete die kleine Brauerei. Als Hommage an A. Chouffe gelobten sie, sein Bild auf jeder Flasche des Bieres, das sie verkaufen, anzubringen. Die Brauereibesichtigung beinhaltet bis heute eine Hommage an den Gnom. Gobron, der Duvel seither verlassen hat, um Lupulus zu gründen, ist bekannt dafür, dass er sich ganz der Überlieferung der Geschichte der Gnome widmet.“

Aber kommen wir zum Bier. Jeden Winter bringt Achouffe eine neue Version von N’Ice Chouffe auf den Markt, ein Winter Ale mit 10 % Vol. Alkohol. Bei diesem Bier müssen wir also wie bei einem guten Wein jeden Jahrgang einzeln betrachten. Diese Biere sind dafür bekannt, dass sie gut altern, so dass sie sich für eine längere Lagerung eignen, während der sie ihre Qualität noch verbessern. Lassen Sie sich dabei nicht von der recht kurz angegebenen Mindesthaltbarkeit irritieren. Nun ist es doch wohl wirklich an der Zeit, mit der Verkostung zu beginnen.

Kastanienbraun präsentiert sich dieses Winter Ale im Glas mit viel hellbraunem und größtenteils feinporigem Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch die Röststoffe dominiert. Düfte dunkler Schokolade und von Vanille steigen mir in die Nase.

Der Antrunk ist leicht süß und bringt einen leichten und angenehmen Karamellgeschmack mit sich. Schnell gesellt sich der Geschmack der dunklen Schokolade dazu, die ich bereits im Aroma festgestellt habe. Auf der Zunge wird sie aber noch durch einen zurückhaltenden Kaffeegeschmack unterstützt, der durch würzige Noten begleitet wird. Dabei enthält das Bier nur wenige Bitterstoffe, die sich auch im Abgang zurückhalten. Dafür wird der Kaffeegeschmack in der Kehle stärker, der auch lange nachklingt.

Ein angenehmes wärmendes Winterbier.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Invertzucker

Alkoholgehalt:

10 % Vol.

Brauerei:

Brasserie d´Achouffe
Achouffe 32
6666 Houffalize
Belgien
www.achouffe.be

Abbaye de Forest Blonde

Im belgischen Silly, genauer gesagt in der Wallonie, ist die gleichnamige Brauerei beheimatet, aus der das Abteibier stammt, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Die Brauerei ist für ihre hochwertigen Biere bekannt und die Bemühungen der Brasserie de Silly auf dem Gebiet der Qualität werden regelmäßig bei internationalen Bierwettbewerben belohnt. 2019 hat die Brasserie de Silly 2 Medaillen bei der Brussels Beer Challenge gewonnen: eine Goldmedaille für das Silly Saison und eine Silbermedaille für das Scotch Pinot Noir Barrel Aged. Die Brussels Beer Challenge ist ein internationaler Botschafter der Bierkultur. 1.650 Biere aus 35 verschiedenen Ländern wurden an drei Tagen von neunzig internationalen Juroren verkostet. Im Jahr 2020 gewann die Brasserie de Silly 7 Auszeichnungen bei der Asia Beer Challenge 2020. Drei Doppel-Goldmedaillen für Enghien d’Hiver, Silly Scotch, Silly Saison. Drei Goldmedaillen für das Triple Swaf, das Pink Killer, das Silly Kriek. Und eine Silbermedaille für das Silly Blanche. Das sind 7 preisgekrönte Biere in unserem Sortiment von 17 Craft-Bieren. Die Asia Beer Challenge ist der wichtigste Bierwettbewerb in Asien.

Goldfarben mit leichtem Rotstich präsentiert sich das Bier im Glas. Die durchschnittlich große feinporige Schaumkrone bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Das Bier duftet nach Brotkruste, gepaart mit einigen blumigen Noten.

Der Antrunk weist eine angenehme leichte Süße auf, die mich an Rosinen erinnert. Die Kohlensäure ist reichlich dosiert und kräftig. Auf der Zunge kommt ein passendes Bitter dazu und auch jetzt rundet eine leichte Blumigkeit den Geschmack ab. Im Abgang wird das Bier trockener und das freundliche Bitter dominiert mit seinem durchschnittlichen Nachklang den Geschmack.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Brasserie de Silly
Rue Ville basse 2 & 8
7830 Silly
Belgien
www.silly-beer.com

Goliath – Winter

Im November 1997 kauften Pierre Delcoigne und Vinciane Wergifosse das aus dem 12. Jahrhundert stammende Schloss von Irchonwelz, um dort ihre Kleinbrauerei weiterzuentwickeln.

Pierre Delcoigne hatte wie seine Frau Vinciane Wergifosse an der Université Catholique de Louvain (U.C.L.) einen Abschluss in Chemie- und Bioindustrietechnik gemacht. Anschließend absolvierte er ein zweijähriges Spezialisierungsprogramm in Brauerei, Mälzerei und Gärung an der Schule der Brasserie de Louvain und schloss es mit Auszeichnung als Braumeister ab.

Für den Bau und die Inbetriebnahme der Brauerei wurden dann zwei Jahre benötigt. Der erste Sud wurde im August 2000 auf den Markt gebracht. Heute besteht die Brasserie Goliath aus einem Brauhaus mit einer Kapazität von 70 hl. Der Gär- und Reiferaum besteht aus 3 Tanks à 40 hl, 3 Tanks à 70 hl und 2 Tanks à 140 hl. Derzeit können etwa 3000 Flaschen pro Stunde abgefüllt werden.

Rotgolden und leicht hefetrüb strahlt mir das Bier im Glas entgegen. Darüber eine leicht überdurchschnittlich voluminöse Krone aus größtenteils feinporigem Schaum, die sich nur langsam auflöst.

Das Aroma ist fruchtig. Ich rieche überreife Bananen, einen Hauch Vanille sowie einige würzige Noten. Damit entspricht der Duft einem ganz typischen belgischen Winterbier.

So wundert es auch nicht, dass der Antrunk recht süß ist, was allerdings durch die reichlich vorhandene Kohlensäure ausgeglichen wird. Schnell übernehmen saure und bittere Geschmacksnoten das Kommando. Jetzt wirkt das Bier eher unausgewogen. Überraschend schlank ist der Abgang, er ist fast neutral. Die Bitternoten des Abgangs entwickeln sich erst im überraschend langen Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7 % Vol.

Brauerei:

Brasserie des Légendes sprl
Rue du castel 19
7801 Irchonwelz
Belgien
www.brasseriedeslegendes.be

Piedboeuf Bruin

So, nun habe ich mal wieder ein Bier von AB InBev vor mir stehen, das Piedboeuf Bruin. Von einem Tafelbier erwarte ich mir wirklich nicht viel und ein Alkoholgehalt von nur 1,1 % weist eher auf einen wässrigen Genuss hin, wenn wir hier von einem Genuss überhaupt sprechen können. Auch der Preis, der sich irgendwo in der Nähe des allerbilligsten Discounter-Biers in Deutschland bewegt, lässt bei mir einige Zweifel an der Genusstauglichkeit dieses Biers aufkommen. Immerhin kommt das Bier in einer Glasflasche daher und nicht in einer Dose oder gar einer PET-Flasche.

Schwarz ist das Bier im Glas. Nur wenn ich es gegen das Licht halte, schimmert schwach ein dunkles Rubinrot durch. Darüber eine durchschnittliche Menge hellbrauner gemischtporiger Schaum, der sehr schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma bringt einige Röststoffe sowie etwas Schokolade mit sich, ansonsten erinnert es weniger an Bier, eher an eine Limonade.

Der Antrunk ist sehr süß und die doch recht feinperlige Kohlensäure ist absolut ohne Kraft, sodass sie den ersten schlechten Eindruck nicht herausreißen kann. Auch der Körper ist süß, wirklich süß. Wer süße Getränke mag, könnte diesem Bier eventuell etwas abgewinnen, ansonsten erwartet den Biertrinker hier nur eine Enttäuschung, die sich auch eins-zu-eins im Abgang fortsetzt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Gerste, Hopfen, Klärungsmittel E150c, Süßstoff E954

Alkoholgehalt:

1,1 % Vol.

Brauerei:

InBev Belgium s.a./n.v.
Bd. Industriel 21 Industrielaan
1070 Brüssel
Belgien
www.inbev.com

Cuvée Li Crochon Brune

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der belgischen Wallonie vor mir, das Cuvée li Crochon. Aber Moment, was ist ein Crochon? Der Reiher, der auf dem vorderen Etikett abgedruckt ist, ist es jedenfalls nicht. Kein Übersetzer kennt dieses Wort. Eine Internetrecherche ergab das Ergebnis: Es handelt sich um eine Werbegemeinschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Gegend um Falaën sowie die dort produzierten Lebensmittel bekannt zu machen und auch den Tourismus in diesem Teil der Wallonie anzukurbeln. Der etwas merkwürdig aussehende Vogel auf dem Etikett der Bierflasche, der einen Reiher darstellen soll, ist das Wappentier dieser Werbegemeinschaft.

Kommen wir nun zum Bier. Braun soll es sein, ich würde die Farbe eher mit Mahagoni beschreiben, fast schwarz. Darüber bilden sich Unmengen hellbrauner sahniger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Diese Optik gefällt mir.

Das Aroma wird durch die Röststoffe dominiert, ich rieche Kaffee, Trockenfrüchte, Waldhonig und florale Noten.

Der Antrunk ist süß; ich stelle Röststoffe und eine feinperlige Kohlensäure fest. Auch der Körper wird durch die Röststoffe bestimmt; der Geschmack nach Kaffee kommt stärker durch als ich es nach dem Aroma erwartet hätte. Dazu kommt eine leichte Säure, zusammen mit dem Geschmack nach Rosinen. Der Abgang enthält den Geschmack roter Beeren und er ist sehr mild. Etwas mehr Bitterstoffe würden dieses Bier sicher noch aufwerten.

Alkoholgehalt:

8,7 % Vol.

Brauerei:

Fosca SPRL
Rue de la Molignée 27
5644 Ermeton
Belgien
www.drinkermeton.be