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Alvinne – Cuvée Botte di Barolo

Die Brouwerij Alvinne gehört zu den spannendsten unabhängigen Brauereien Belgiens. Gegründet wurde sie 2004 von Glenn Verhasselt in Ostflandern, 2008 wurde der Firmensitz der Brauerei nach Moen bei Zwevegem verlegt. Alvinne steht für kompromisslose Handwerkskunst, kleine Chargen und eine sehr persönliche Handschrift.

Ein zentrales Element der Brauerei ist die hauseigene Hefe namens „Morpheus“. Diese wird nicht klassisch rein gezüchtet, sondern über Jahre hinweg gepflegt und weiterentwickelt. Sie kann sowohl sauber als auch leicht säuerlich vergären und ist extrem widerstandsfähig. Je nach Bierstil, Temperatur und Reifung entstehen sehr unterschiedliche Aromaprofile – von elegant-fruchtig bis komplex und wild.

Alvinne arbeitet intensiv mit Holz. Große Foeder, Barriques und gebrauchte Weinfässer sind fester Bestandteil der Produktion. Viele Biere reifen monatelang oder sogar jahrelang, teilweise mit Nachgärung und Reifung in der Flasche. Der Fokus liegt nicht auf schnellen Releases, sondern auf Tiefe, Struktur und Reifepotenzial. Genau hier bewegt sich auch das Cuvée Botte di Barolo, das ich jetzt verkosten möchte.

Dunkel kastanienbraun und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Eine Schaumkrone ist nicht vorhanden. Da das Bier nur wenig bis gar keine Kohlensäure enthält, habe ich auch keinen Schaum erwartet.

Das Aroma ist weinartig und sehr komplex. Ich rieche eine fruchtige Säure, die an Kirschen und Pflaumen erinnert. Dazu dunkle Trockenfrüchte, Kandis und Melasse. Später gesellen sich auch Aromen von Kakao und Portwein dazu.

Der Antrunk ist likörartig. Eine fruchtige Säure kommt gemeinsam mit einer gut eingebundenen Süße daher. Dabei wirkt das Bier aber von Anfang an frisch und recht leicht. Auf der Zunge kommen die fruchtigen Noten in den Mittelpunkt und harmonisieren dabei mit den Rotweinnoten des Barolo. Stiltypisch ist nur eine geringe Bittere zu schmecken, während das Malz mit leichten Karamellnoten dem Bier eine angenehme Tiefe verleiht. Mich überrascht etwas die zunehmende Trockenheit des Bieres. In der Kehle erinnert das Bier an einen fruchtigen im Barrique ausgebauten Rotwein und dort kann ich erstmals auch die 12 Volumenprozent Alkohol schmecken.

Das Cuvée Botte di Barolo ist kein Bier für den schnellen Genuss. Es bewegt sich bewusst an der Grenze zwischen Bier und Wein und richtet sich an Genießer, die Fassreifung, Komplexität und Reifepotenzial schätzen. Ideal ist es zu kräftigem Käse, dunkler Schokolade oder einfach solo im großen Glas.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

ca. 12 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brauerei Alvinne
Vaartstraat 4a
8552 Moen
Belgien
www.alvinne.be

De Achelse Kluis – Superior Blond

Das Achel Superior Blond ist ein starkes, belgisches obergäriges Bier mit einem Alkoholgehalt von etwa 9,5 % Vol.. Es gehört zur Produktpalette der Brouwerij De Achelse Kluis aus Hamont-Achel in Belgien und ist auch bekannt als die „starke Schwester“ der Achel Tripel/Blond-Varianten. Da ich bei einem anderen Bier bereits über die Brauerei geschrieben habe, kann ich jetzt direkt mit der Verkostung beginnen.

Golden und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Der schneeweiße Schaum ist feinporig und bleibt sehr lange erhalten. Wenn das Bier so schmeckt wie es aussieht, bin ich damit vollständig zufrieden.

Das Bier duftet angenehm nach Biskuitteig mit der typischen belgischen Hefe. Abgerundet wird das Aroma durch Zitrusaromen und würzige Noten, die an weißen Pfeffer erinnern.

Der Antrunk ist frisch und spritzig, in einem Maße, das ich bei 9,5 Volumenprozent Alkohol nicht unbedingt erwartet hätte. Das Bier ist kräftig karbonisiert, wobei die Perlage sehr fein ist. So macht das Bier vom ersten Moment an einen edlen und angenehmen Eindruck. Auf der Zunge präsentieren sich Bittere und Süße in einem ausgewogenen Verhältnis, während die Fruchtigkeit den Eindruck abrundet. Das Mundgefühl ist wie erwartet recht schwer und samtig. In der Kehle wird die Bittere etwas kräftiger. Sie wird aber nie überwältigend stark. Dafür klingt sie sehr lange nach.

Das Achel Superior Blond ist ein idealer Begleiter für kräftige Käse. Auch kräftig gewürztes Asia-Essen passt hervorragend: Das Bier zähmt die Gewürze, ohne seinen eigenen Charakter zu verlieren.

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

De Achelse Kluis
de Kluis 1-A
3930 Hamont-Achel
Belgien
www.achelsekluis.be

De Achelse Kluis – Superior Dark

Die Achelse Kluis, im belgischen Ort Hamont-Achel in der Region Limburg gelegen, war lange Zeit eine der bekannten Klosterbrauereien Belgiens. Ursprünglich stammt die Gemeinschaft aus dem 17. Jahrhundert: 1686 wurde aus einer kleinen Kapelle ein Kloster.

Der Braubeginn im eigentlichen Sinne liegt im 19. Jahrhundert: Ab 1850 wurde erstmals – unter Mönchen – Bier produziert. Später entwickelte sich die Abtei zur offiziellen Klosterbrauerei mit regelmäßiger Produktion. Nach einem langen Stillstand während des 20. Jahrhunderts — insbesondere durch den Ersten Weltkrieg und die Demontage der Brauanlage 1917 — wurde der Betrieb erst 1998 wieder aufgenommen. Unterstützt wurde der Neustart durch erfahrene Mönche anderer berühmter Abteien wie Westmalle Abbey oder Rochefort Abbey. Mit der Wiederaufnahme ab 1998 gehörte Achel zu den offiziell anerkannten Trappisten-Brauereien und trug das Siegel Authentic Trappist Product (ATP).

Das machte die Biere zu Teil der exklusiven Gruppe der Trappistenbiere, die weltweit einen besonderen Stellenwert genießen. Doch 2021 kam der Einschnitt: Die letzten Mönche verließen das Kloster – damit war die Voraussetzung für das Trappistensiegel nicht mehr gegeben.  In der Folge verkaufte man 2023 die Abtei an einen privaten Unternehmer, wodurch Achel offiziell keine Trappistenbrauerei mehr ist.

Trotzdem soll die Produktion unter Beibehaltung der Rezepte weitergehen. Der neue Besitzer plant, die Produktionsmenge von zuletzt etwa 5.000 Hektolitern pro Jahr zunächst auf 12.000 und mittelfristig sogar auf 40.000 Hektoliter auszubauen.

Vor dem Statusverlust gehörten zur Produktpalette Biere mit verschiedenen Alkoholstärken, klassifiziert meist nach „Blond“ und „Bruin“ sowie stärkeren „Extras“. Typische Bierlinien waren z. B. „Achel Blond 8°“, „Achel Bruin 8°“ und die „Extra“-Versionen mit rund 9,5 % Alkohol. Der Braustil blieb auch unter dem neuen Eigentümer grundsätzlich klassisch belgisch: obergärig, mit kräftiger Malzbasis und – je nach Variante – dunklem Charakter oder goldener Farbe. Auch nach dem Wegfall des Trappistensiegels wird betont, dass an den Rezepturen und dem generellen Braustandard festgehalten wird. Jetzt ist es aber genug der Vorrede, öffne ich die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Im Glas präsentiert sich das Superior Dark in einem tiefen Dunkelbraun, das an Mahagoni erinnert. Die cremige, haselnussbraune Schaumkrone hält sich sehr lange.

In der Nase entfaltet sich ein komplexer Duft nach Karamell, braunem Zucker, Kakao und Trockenfrüchten wie Rosinen und Datteln. Dazu kommen feine Anklänge von Kakao, dunklem Holz und die typisch belgischen Hefewürzen, die dem Bier zusätzliche Tiefe verleihen. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine sehr feinperlige und trotzdem kräftige Kohlensäure aus, die dem Bier eine angenehme Spritzigkeit verleiht. Dazu kommt eine präsente und doch nicht dominante Malzsüße. Auf der Zunge zeigt sich die ganze Spannung zwischen dunklem Malz, fruchtigen Noten und einem Hauch dunkler Schokolade. Trotz seines kräftigen Alkoholgehalts wirkt das Superior Dark erstaunlich ausgewogen; die alkoholische Wärme ist spürbar, aber elegant eingebunden. Das Mundgefühl ist recht schwer und samtig-weich. In der Kehle dominieren bittere und süße Noten, nicht allzu intensiv und trotzdem langem Nachklang.

Kulinarisch ist das Achel Superior Dark ein vielseitiger Begleiter. Geschmorte Fleischgerichte wie Rinderbraten, Lammhaxe oder Wildragout harmonieren hervorragend mit der malzigen Tiefe. Auch kräftige Käsesorten wie alter Gouda oder Blauschimmelkäse passen wunderbar. Wer es süß mag, findet in Schokoladendesserts, Lebkuchen oder Fruchtkuchen ideale Partner für die warmen Aromen des Bieres.

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Bittereinheiten:

18 IBU

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

De Achelse Kluis
de Kluis 1-A
3930 Hamont-Achel
Belgien
www.achelsekluis.be

Hanssens Artisanaal – Framboos

Hanssens Artisanaal ist in Dworp (Belgien) beheimatet, im Pajottenland nahe Brüssel. Der Familienbetrieb wurde bereits im Jahr 1871 von Bartholomé Hanssens gegründet. Heute leiten Sidy Hanssens (die Urenkelin) und ihr Mann John Matthys den Betrieb in der vierten Generation.

Ursprünglich wurde dort braunes Tischbier gebraut. Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Brauerei ihre Kessel abgeben und stieg in die Kunst des Blenders (Geuze-Stecher) ein.

Hanssens kauft Würze (1–2 Tage alt) von mehreren Lambic-Brauereien und reift sie in offenen Eichenfässern, damit wilde Hefen aus der Umgebung einwandern. Die Reifung dauert mehrere Jahre, anschließend wird ohne ein Standardrezept gemischt – auf diese Weise wird jede Charge einzigartig.

Hanssens ist Mitglied im HORAL („High Council for Artisanal Lambic Beers“), einer Organisation, die auf traditionelle Arbeitsweisen beim Herstellen des Lambic achtet.

In den letzten Jahren wurde die Kelterei modernisiert, u. a. durch eine Klimatisierung des Fasslagers, um Säure-Entwicklung besser zu kontrollieren. Trotzdem gilt: Durch diese Arbeit wird die alte Lambic-Tradition erhalten – mit reinem Handwerk, wilden Hefen und Holzfassreifung. Trotz Modernisierung bleibt die Verbindung zur Vergangenheit und zur Region stark.

Nun ist es aber genug der Vorrede und ich will mit der Verkostung beginnen.

Blassrosa und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum bildet sich nur kurz und verschwindet rasch – stiltypisch für einen Lambic.

In der Nase stehen die Essignoten des Bieres im Vordergrund, während sich das Aroma der Himbeeren überraschend zurückhält. Auch ein wenig Roséwein meine ich zu riechen und aus dem Hintergrund lugt noch etwas holziges hervor.

Eine leichte Süße ist der erste Eindruck, als das Bier auf meine Zunge trifft. Schnell gesellt sich eine kräftige fruchtige Säure dazu und jetzt kommen auch die Himbeeren deutlich kräftiger zum Vorschein als im Aroma. Das Mundgefühl ist leicht. Ich kann mir nicht helfen – aber das Bier erinnert mich eher an einen sehr guten und leichten Obstessig als an ein Bier. Trotzdem lässt es sich sehr gut trinken, besonders weil die Fruchtigkeit der Himbeeren bis in die Kehle hinein erhalten bleibt.

Sauer und fruchtig – da liegt es nahe, das Hanssens Framboos zu einem kräftigen Käse zu trinken oder wahlweise auch mit einem gebratenen Hähnchen.

Das Framboos von Hanssens Artisanaal gehört zu den klassischen, kompromisslos traditionellen Frucht-Lambics. Es wird nicht gebraut, sondern aus verschiedenen Lambics verschnitten und anschließend mit frischen Himbeeren mazeriert – ein Prozess, der ihm seinen intensiven, natürlichen Charakter verleiht.

Zutaten:

40 % frische Himbeeren, Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Hanssens Artisanaal
Vroenenbosstraat 10
1653 Beersel
Belgien
www.hanssens-artisanaal.be

All About … Gueuze

Die Boon-Brauerei ist das Lebenswerk von Frank Boon – oft wird er als der „Retter der Geuze“ bezeichnet. Ende der 1970er Jahre übernahm er eine Geuze-Blenderei, die vom Aussterben bedroht war, und machte es sich zur Aufgabe, die lokale Geuze-Tradition wiederzubeleben. Mit großem Respekt vor traditionellem Handwerk wuchs die Brauerei im Laufe der Jahre zu dem, was sie heute ist: ein international anerkanntes Symbol für authentische Lambic- und Geuze-Biere.

Parallel dazu wuchs Boons einzigartiges Wissen: Er eignete sich umfassende Expertise im Brauen von Lambics, im Blenden von Geuzes sowie in der Pflege der großen Eichenfässer, den sogenannten Foeders, an. Dieses Wissen wird inzwischen an die nächste Generation weitergegeben: Die Söhne Jos und Karel Boon sind nun die Träger von Franks Leidenschaft und sichern die Tradition in guten Händen.

Frank Boon ist ein belgischer Braumeister, der maßgeblich dazu beigetragen hat, die Tradition der Lambic- und Geuze-Biere zu bewahren und international bekannt zu machen. Anfang der 1970er Jahre, als das Lambic-Brauen zu schrumpfen drohte, kaufte er eine der wenigen noch existierenden Lambic-Brauereien in Lembeek, einem Dorf nahe Brüssel, und restaurierte sie. Mit der Gründung der Brouwerij Boon modernisierte er die Produktion, ohne die traditionellen Methoden aus den Augen zu verlieren: spontane Gärung, Lagerung in Eichenfässern und das kunstvolle Blenden der Biere.

Dank seines Engagements konnte nicht nur die Zukunft der authentischen Geuze gesichert werden, sondern sie erlangte auch internationale Anerkennung. Frank Boon gilt heute als Pionier und Hüter der Lambic-Brauerei und inspiriert eine neue Generation von Brauern – sowohl in Belgien als auch weltweit.

Das Video ist in englischer Sprache.

Haacht – Super 8 Export

Ein Exportbier mit 4,8 Volumenprozent Alkohol klingt eigentlich nicht sonderlich belgisch. Aber genau solche Biere waren bis etwa 1975 bei den Arbeitern in Belgien sehr beliebt, was auch ein Grund für die Brauerei Haacht war, diesen Bierstil wieder aufleben zu lassen. Er wurde in Belgien wieder beliebt und entwickelte sich zum Urvater der Super 8-Marke der Brauerei.

Golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die gemischtporige und trotzdem feste Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten.

Das Bier duftet betont nach Hopfen, wobei ich nur wenige fruchtige Aromen feststellen kann. Vermutlich verwendet Haacht einen Hopfen mit hohem Alphasäurengehalt. Aber auch die Süße des Malzes kommt aus dem Hintergrund noch zum Tragen.

Der Antrunk ist durch eine kräftige Karbonisierung spritzig und kann durch seine angenehme Malzsüße sofort überzeugen. Auf der Zunge gesellt sich eine zur Süße passende Bittere dazu. Der Körper ist aber schlank. In der Kehle dominiert eine nicht allzu kräftige Hopfenbittere mit recht kurzem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Hopfen, Antioxidationsmittel Ascorbinsäure

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Bittereinheiten:

23 IBU

Farbe:

10 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

3 °C

Brauerei:

Brouwerij Haacht
Provinciesteenweg 28
3190 Boortmeerbeek
Belgien
www.haacht.com

Omer vander Ghinste – Kriek Max

Die belgische Familienbrauerei Brouwerij Omer Vander Ghinste wurde 1892 im Ort Bellegem (nahe Kortrijk, Westflandern) gegründet.  Seit ihrer Gründung wird sie über Generationen von der Familie Vander Ghinste geführt. Im Jahr 2014 wurde die frühere „Bockor Brewery“ offiziell wieder in „Brouwerij Omer Vander Ghinste“ umbenannt, um die familiäre Tradition hervorzuheben.

Brouwerij Omer Vander Ghinste ist heute eine angesehene Brauerei im belgischen Spezialbier-Segment, die sowohl regionale Wurzeln pflegt als auch international agiert. Ihr Erfolg zeigt, wie eine Familienbrauerei Tradition, Innovation und Markenbildung verbinden kann. Die Brauerei investiert weiterhin in neue Bierstile und modernisierte Produktionsanlagen, um auch künftig relevant zu bleiben.

Jetzt steht vor mir das Kriek Max, ein Lambic mit 25 % Kirschsaft. Im Jahr 2011 wurde Kriek Max bei den WBA (World Beer Awards) zum besten Kriek der Welt gewählt.

Die reichliche Gabe des Kirschsaftes sorgt für ein dunkles Kirschrot des Bieres, über dem eine rosafarbene feinporige Schaumkrone prangt, die sehr lange erhalten bleibt. Schon die Optik des Kriek Max ist ein Genuss.

Die Kirschen dominieren mit ihrem Duft auch das Aroma des Bieres, das durch weitere Aromen abgerundet wird, die an Marzipan und Vanille erinnern. Auch die Süße des Malzes kann ich riechen.

Der Antrunk ist fruchtig spritzig, dominiert von süßem Kirschsaft, der sich harmonisch mit einer milden Säure verbindet. Trotz seiner Süße und Vollmundigkeit wirkt das Bier nicht schwer, sondern angenehm erfrischend. In der Kehle wird das Bier trockener und der Geschmack des Kirschsafts klingt einige Zeit nach.

Das Kriek Max von Omer vander Ghinste ist ein unkompliziertes, charmantes Fruchtbier, das zeigt, wie modern belgische Brautradition schmecken kann. Perfekt für alle, die Süße und Frische im Glas suchen.

Alkoholgehalt:

3,5 %

Empfohlene Genusstemperatur:

4° Celsius

Brauerei:

Omer vander Ghinste
Brouwtorenstraat 5
8510 Bellegem
Belgien
www.omervanderGhinste.be

De Dochter van de Korenaar – Sans Pardon – Pure Oak

De Dochter van de Korenaar ist eine belgische Brauerei mit Sitz in Baarle-Hertog, die 2007 von Ronald und Monique gegründet wurde. Die Brauerei ist bekannt für ihre hochwertigen Spezialbiere in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Stilen, darunter preisgekrönte und holzgereifte Biere. Die Brauerei hat sich einen guten Ruf erarbeitet und ist vor allem für ihre dunklen Biere beliebt.

Fassgereifte Biere werden in der Regel in Fässern gereift, in denen vorher Weine oder Spirituosen gelagert wurden. Bei den Brauern in Baarle-Hertog entstand die Idee, einige Biere aus dem Sortiment in neuen, unbenutzten Eichenfässern reifen zu lassen. Die Erfahrungen der Winzer sind aber auch beim Reifen von Bier eingeflossen. Dinge wie die Art der Eiche, die Art des Sägens, der Röstgrad, die Reifezeit und die Temperatur spielen eine wichtige Rolle bei der endgültigen Geschmacksentwicklung des Endprodukts. Mal sehen, was dabei herausgekommen ist.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine gemischtporige haselnussbraune Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass ich bei einem Bier aus dieser Brauerei auch nichts anderes erwartet habe.

Das Aroma des Sans Pardon ist wirklich betörend: selbstverständlich kommt die Eiche gut zum Tragen, aber auch die anderen Aromen nach Kaffee, Lakritz und Kandis sind sehr ansprechend und machen zusammen mit dem Vanillearoma richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist weniger süß als erwartet und er überzeugt durch eine feinperlige und dabei doch kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge präsentiert sich das Bier sehr geschmacksintensiv, ohne dabei übertrieben wuchtig zu werden. Der Kaffeegeschmack steht im Mittelpunkt, unterstützt durch etwas Lakritz. Dabei ist die Bittere etwas zurückhaltend vertreten. Das Mundgefühl ist schwer und samtig. Für die Ausgewogenheit des Bieres sorgt eine angenehme Süße, während der Geschmack der Eiche dem Bier die Spitzen nimmt. In der Kehle ist das Bier überraschend mild und während der Alkohol im Magen wärmt, klingt der Kaffeegeschmack sehr lange nach.

Die neun Monate Reifung in den neuen Eichenfässern, der daraus resultierende Tannin-Eichengeschmack und die runden Vanillenoten und die Nachgärung in der Flasche ergeben ein sehr schmackhaftes und angenehmes Stout.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, geröstete Gerste, Weizenmalz, Hopfen, Rooibos, Hefe

Alkoholgehalt:

11,0 % Vol.

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Lindemans – Tarot d’or

Die Brauerei Lindemans wurde im Jahr 1822 gegründet, als Joos Frans Lindemans die Brauertochter Francisca Josina Vandersmissen heiratete und gemeinsam auf dem Bauernhof „Hof ter Kwade Wegen“ in Vlezenbeek Lambic-Bier herstellten. Ursprünglich war Lindemans eine gemischte Landwirtschaft mit kleiner Brauerei, um die Bauern im Winter zu beschäftigen. Mit der Zeit wurde das Bierbrauen zentraler und die Landwirtschaft zurückgefahren. Heute wird Lindemans von der sechsten Generation der Familie (unter anderen Dirk und Geert Lindemans) geführt.

Der Lambic-Prozess bei Lindemans folgt historischen Methoden: Die Würze wird gekocht, dann in flache Becken („coolships“) ausgekühlt, damit wilde Hefen und Bakterien aus der Umgebung – insbesondere dem Pajottenland rund um Vlezenbeek – spontaner Gärung einleiten. Die Reifung erfolgt in Holzfässern („foudres“) und über längere Zeiträume. Bei einigen Neuheiten verwendet Lindemans heute auch Edelstahlbehälter und Holzchips, um Geschmack und Qualität in immer gleichem Maße liefern zu können.

Jetzt will ich das Lindemans Tarot d’Or verkosten, ein Bier, das mit verschiedenen Früchten vergoren wurde. Dabei kamen sowohl wilde als auch obergärige Hefen zum Einsatz. Es ist inspiriert von der Belle Époque Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese schillernde Zeit war geprägt von einer Faszination für das Mystische und Unbekannte, als diejenigen, die einen Blick in die Zukunft werfen wollten, Hellseher aufsuchten und sich für alles Geheimnisvolle interessierten. 

Golden und glanzfein präsentiert sich das Bier im Glas. Dass die weiße Schaumkrone schnell in sich zusammenfällt, ist bei Fruchtbieren keine Seltenheit.

Das Bier duftet nach tropischen Früchten; ich meine, Mango, Melone und Zitrusfrüchte riechen zu können. Dazu kommt noch ein leichter Geruch, der an Kaugummi erinnert.

Der Antrunk ist süß mit einer reichlichen Karbonisierung. Auf der Zunge gesellt sich eine leichte fruchtige Säure zur Süße und die fruchtigen Aromen treten in den Mittelpunkt. Leider kommt aus dem Hintergrund noch ein leichter chemischer Geschmack zum Tragen, eventuell ist das der Übeltäter, der mich in der Nase an Kaugummi erinnert hat. Der Körper ist schlank. Sowohl die Fruchtigkeit als auch der chemische Geschmack werden in der Kehle noch einmal kräftiger.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

11 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Lindemans
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
www.lindemans.be

Lindemans – Kriek Brut 2024

Dass von der Brauerei Liefmans im flämischen Oudenaarde sehr gute Krieks und andere Frucht-Sauerbiere kommen, weiß ich bereits und habe auch schon eine ganze Reihe dieser Biere beschrieben. Aber wie macht sich ein Jahrgangsbier aus dieser Brauerei, das zwei Jahre gereift wurde? Das will ich jetzt anhand des Jahrgangs 2024 feststellen.

In tiefem Rubinrot präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige hellrosa Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Besser kann ein Kriek nicht aussehen.

Der Duft der reifen Sauerkirschen steigt mir in die Nase, dazu Marzipan Vanille, abgerundet durch einen Hauch Kandis aus dem Hintergrund.

Der Antrunk begeistert durch die intensive Fruchtigkeit, was aber nicht wirklich verwundert, denn in jedem Hektoliter Bier werden bis zu 13 Kilogramm Kirschen verbraut. Wohlgemerkt – es handelt sich um ganze Kirschen, nicht um Saft oder Konzentrat. Zum Geschmack der Kirschen passen gut die verhaltene Süße sowie die reichliche Karbonisierung. Während der gesamten Zeit bleiben die Kirschen im Vordergrund, ohne aber aufdringlich zu wirken. Auf der Zunge wird das Bier auch trockener, was für ein frisches und schlankes Mundgefühl sorgt. Trotz der Marzipannoten kann ich eine Bittere lediglich erahnen. Auch in der Kehle ist das Bier trocken und fruchtig, fast ohne Bittere und mit durchschnittlich langem Nachkling.

Das Liefmans Kriek Brut aus dem Jahr 2014 kann wirklich begeistern. Dies gilt nicht nur für Liebhaber klassischer Fruchtbiere, sondern das Bier ist auch ein stilvoller Begleiter zu dunkler Schokolade, wobei sowohl das Bier als auch die Schokolade ihren Genusswert steigern können. Aber auch zu Wild und einigen Desserts kann ich mir das Bier gut vorstellen.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Brouerij LindemanS
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
http://www.lindemans.be