Archiv der Kategorie: Craft Beer

Nittenauer – Lola Porter

Porter gilt als der erste im großen Maßstab gebraute Bierstil der Welt. Ende des 18. Jahrhunderts stieg das Porter im industriellen England zum Getränk für die schwerarbeitende Bevölkerung auf. Das Bier wurde sogar nach den Männern benannt: den Schauermännern, die im Londoner Hafen die Schiffe „löschten“, sprich entleerten. Deren Durst war dermaßen groß, dass die Brauerei Barclay Perkins & Co. Mitte des 19. Jahrhunderts so viel Porter braute, dass sie zur größten Brauerei der Welt aufstieg. Aber auch ohne schwere körperliche Arbeit schmeckt das Porter und in letzter Zeit kommen immer mehr Starkbierstile in einer alkoholfreien Variante auf den Markt. So auch das  Lola Porter aus Nittenau, das ich jetzt verkosten werde.

Schwarz wie die Nacht und blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas. Die feste haselnussbraune Schaumkrone ist sehr stabil, so dass sie lange erhalten bleibt. Ein Bier wie gemalt, dem man nicht ansieht, dass es keinen Alkohol enthält.

Das Bier duftet nach Espresso und Kandis, abgerundet durch Rosinen, dunkle Schokolade und etwas Rauch. Das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und er überzeugt mich durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge ist der Kaffee im Mittelpunkt. Für ein Porter ist das Mundgefühl recht schlank, was aber für ein alkoholfreies Porter nicht verwundert. Der Alkohol fehlt mir nicht. Aber ich würde mir doch etwas mehr Bittere wünschen, denn mit dem Hopfen waren die Brauer etwas geizig. Erst in der Kehle kommt die Bittere mehr zum Tragen, was dann doch meine Begeisterung für das Bier steigert. Der Geschmack der Röstaromen klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Kafeebohnen, Hopfen, Hefe

Alkoholfehalt:

0,38 % Vol.

Stammwürze:

8,25° Plato

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Brauhaus Nittenau
Wulkersdorferstr. 4
93149 Nittenau
www.nittenauer-bier.de

BierSelect

Verstraete – Papegaei

Im Jahr 2009 eröffnete der leidenschaftlichen Hobbybrauer Adam Verstraete aus Roeselare die Brouwerij Verstraete. Seit 2013 hat sein eigenes Markenzeichen „Papegaei“ und er braut sein Bier auf den Anlagen der Brouwerij DECA in Woesten. Obwohl er nun bereits ein Dutzend Jahre mit seinem Bier am Markt ist, beschränkt er sich bis heute auf diese eine Sorte, ein blondes Strong Ale mit 8 % Volumenprozent Alkohol, das eine zweite Gärung in der Flasche durchgemacht hat, ungefiltert und unpasteurisiert. Die Hopfung geschieht mit Doldenhopfen.

Bevor ich die Flasche öffne, möchte ich noch ein Wort über den Brauer verlieren. Adam Verstraete engagiert sich in einem EU‑geförderten Projekt zur Förderung lokal angebauter Gerste in der Westhoek‑Region. Gemeinsam mit Landwirt Olivier Mehuys wird Gerste auf rund 8 ha Fläche angebaut, verarbeitet und schließlich in der eigenen Brauproduktion eingesetzt. Ziel ist eine regionale Wertschöpfungskette – vom Feld bis ins Glas – und langfristig eine eigene Mälzerei in der Region aufzubauen

Golden und mit leichter Hefetrübung fließt das Bier ins Glas und erzeugt dabei eine sahnige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Zitrusfrüchten und Grapefruit, nach grünen Äpfeln und Karamell. Außerdem steigt mir der typische Duft obergäriger belgischer Hefe in die Nase.

Der Antrunk ist durch die reichlich enthaltene Kohlensäure angenehm spritzig und recht süß. Die Süße wird dann auf der Zunge durch die kräftige und dabei freundliche Bittere beinahe überlagert. Die Hefe schmeckt angenehm durch, dafür wundere ich mich etwas, dass die Fruchtigkeit leicht in den Hintergrund tritt. Dabei ist das Mundgefühl voll und weich, so dass ich ein schön süffiges Bier vor mir habe. In der Kehle wird die Bittere kurz etwas kräftiger, ansonsten ist der Nachtrunk mild.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brouwerij Verstraete
Grote Dijk 13
Diksmuide 8600
Belgien
www.papegaei.be

Rieder – India Pale Ale

Die Brauerei Ried e.Gen. ist eine genossenschaftlich organisierte Traditionsbrauerei mit Sitz in Ried im Innkreis (Oberösterreich). Die offizielle Gründung der Brauerei geschah 1536, auch wenn es Hinweise gibt, dass in Ried bereits 100 Jahre früher mit dem Brauen begonnen wurde. Seit 1908 wird die Brauerei von regionalen Wirten als Genossenschaft geführt. Die Brauerei arbeitet nach dem Leitsatz: „Reinheitsgebot ist Philosophie“ – sie verwendet traditionell nur Wasser, Gerstenmalz und Hopfen, ohne Zusatzstoffe. Die Brauerei wurde mehrfach bei renommierten Wettbewerben wie dem European Beer Star, den DLG-Preisen oder dem Craft Beer Award ausgezeichnet – unter anderem für Märzen, Weißbier-Sorten, UrEcht, Honig Bier und das India Pale Ale, das ich jetzt verkosten werde.

Kupferfarben und gefiltert fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine größtenteils feinporige Schaukrone, die sehr lange erhalten bleibt. An der Optik dieses Bieres gibt es nichts zu mäkeln.

Im Mittelpunkt des Duftes stehen fruchtige Aromen. Ich rieche Maracuja, Zwetschge, Ananas und Melone, abgerundet durch einen angenehmen Karamellduft.

Der Antrunk überrascht mit einer für ein IPA kräftigen Malzsüße und seiner sehr feinperligen Kohlensäure. Auf der Zunge gesellt sich eine freundliche Bittere dazu, die sich aber so weit zurückhält, dass die fruchtigen Aromen dominant bleiben. Das Mundgefühl ist weich, fast samtig. In der Kehle legt die Bittere noch einmal zu und sie klingt sehr lange nach.

Das Rieder India Pale Ale ist ein gelungenes Beispiel für ein europäisches IPA, das Fruchtigkeit, Malz und Bitterkeit ausgewogen verbindet. Mit seiner naturtrüben, bernsteinfarbigen Optik und fruchtigen Aromatik – kombiniert mit moderater Intensität – bietet es ein zugängliches und doch charakterstarkes IP-Erlebnis aus Österreich.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

15,3° Plato

Bittereinheiten:

59 IBU

Farbe:

20 EBC

Brauerei:

Brauerei Ried . Gen.
Brauhausgasse 24
4910 Ried im Innkreis
www.rieder-bier.at

De Ranke – XXX Bitter

Das Unternehmen De Renke wurde in den 1930er Jahren gegründet. Ursprünglich füllte das Unternehmen Getränke für andere Firmen ab, speziell Bier und Limonaden. Erst 1994 begann De Ranke mit dem Brauen von Bier. In den ersten 11 Jahren wurden die Brauanlagen von Deca in Woesten genutzt bis 2005 in eine eigene Brauerei in Dottignies, Hennegau, investiert wurde. Das Besondere an den Bieren von De Ranke ist, dass das Unternehmen ausschließlich Doldenhopfen verwendet. Das XXX Bitter, das ich jetzt verkosten möchte, ist eine Variante des XX Bitter, dem 50% mehr Hopfen hinzugefügt wurde. Das Bier wird nur saisonal von Dezember bis Juli verkauft.

Strohblond und hefetrüb strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die feste Schaumkrone ist sehr stabil. Damit stimmt an der Optik dieses Bieres wirklich alles.

Düfte nach frischer Brotkrume steigen mir in die Nase, begleitet von der Ahnung einer kräftigen Bitteren. Abgerundet wird das Aroma durch einen leichten Duft, der an überreife Äpfel erinnert.

Der Antrunk besticht mit einer leichten Süße und der reichhaltigen Karbonisierung. Auf der Zunge gesellt sich eine kräftige Bittere dazu. Das Mundgefühl ist voll und schwer und es vermittelt den Eindruck von einem höheren Alkoholgehalt als den tatsächlichen 6 Volumenprozent. Insgesamt ist das Bier trotzdem ausgewogen und recht einfach zu trinken. In der Kehle wird die Bittere noch kräftiger und klingt dann sehr lange nach.

Das XX Bitter ist ein Bier, das langsam genossen werden will. Die einzige Voraussetzung ist, dass der Konsument die Bittere mag.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Brewers Gold, Hallertau Mittelfrüh), Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

6 % Vol.

Bittereinheiten:

70 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Brouwerij De Ranke
Rue Du Petit Tourcoing 1a
7711 Dottignies
Belgien
www.deranke.be

Stadsbrouwerij 013 – Blonde Boei Tripel

Die Stadsbrouwerij aus Tilburg stellt sich auf ihrer Website mit solcher Begeisterung vor, dass ich es nicht besser formulieren kann. Aus diesem Grund habe ich die Vorstellung übersetzt und lasse die Brauerei hier selbst zu Wort kommen:

„Willkommen in der Welt der Stadsbrouwerij 013, in der sich Tilburger Stolz und Handwerkskunst in einem Glas vereinen. Wir brauen Biere, die Sie in das Gefühl der Vergangenheit versetzen, kombiniert mit den modernen Aromen von heute. In einer Zeit, in der Bierspezialitäten äußerst beliebt sind, setzen wir bewusst auf Authentizität und Einfachheit. Unser Ziel? Lassen Sie sich das Besondere im Gewöhnlichen entdecken!

Unsere Biere werden mit Leidenschaft und Präzision gebraut, inspiriert von traditionellen Bierstilen, aber immer mit einem einzigartigen Tilburger Touch. Wir halten die Balance zwischen Wiedererkennbarkeit und Innovation. Egal, ob Sie ein robustes Stout, ein belgisches IPA oder ein süffiges Tripel mögen, unsere Bierspezialitäten erzählen alle ihre eigene Geschichte – eine Geschichte, die tief in der reichen Geschichte und Kultur Tilburgs verwurzelt ist.

Jedes Bier, das wir brauen, ist eine Ode an unsere Stadt – an ihre belebten Straßen, ihre charaktervollen Einwohner und ihre einzigartige Geschichte. Sind Sie schon durstig geworden? Bei uns entdecken Sie nicht nur das Bier, sondern auch die Geschichte dahinter. Stadsbrouwerij 013: Tilburger Biere mit Geschichte!“

Dem möchte ich an dieser Stelle nichts hinzufügen und fahre direkt mit der Verkostung des Blonde Boei Tripel fort.

Golden und opalisierend fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine sahnige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Brotkrume und reife Äpfel bilden das Aroma dieses Tripel, abgerundet durch einige fruchtige und würzige Noten. Das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch mit einer leichten Süße und einer kräftigen und reichhaltigen Karbonisierung.

Auf der Zunge gesellt sich eine leichte Bittere zur Süße. Die beiden Aromen sind gut aufeinander abgestimmt. Jetzt kann ich auch den Geschmack von Koriander wahrnehmen, zusammen mit dem typischen Geschmack von Orangenschale. Das Mundgefühl ist recht schwer. In der Kehle ist das Bier anfangs mild; anschließend baut sich eine freundliche Bittere auf, die lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Hopfen, Kräuter, Hefe

Alkoholgehalt‍:

8,5 % Vol.

Stammwürze:

18° Plato

Bittereinheiten:     

33 IBU

Empfohlene Genusstemperatur‍:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

Stadsbrouwerij 013 B.B.
Piushaven 1
5017AN
Tilburg
Niederlande
www.stadsbrouwerij013.nl

Hildesheimer Braumanufaktur – Rosemary Red

Wenn man wie ich über Bier bloggt und auch Sondersude nicht auslässt, muss man aufpassen, dass man die Sondersude zeitnah beschreibt. Versäumt man dies, erscheint die Rezension des Bieres erst, wenn der Sud ausverkauft ist und niemals wiederkommt. Genau dies ist mir beim Rosemary Red passiert. Das Bier aus der Hildesheimer Biermanufaktur war schon lange nicht mehr im Handel, als ich es in einer Ecke meines Kühlschrankes wiederfand. Peinlich, aber so ist es nun mal. Ich will es trotzdem gerne beschreiben.

Orangefarben mit einem Rotstich und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die sahnige Schaumkrone bleibt lange erhalten, so dass das Bier optisch einen wirklich ansprechenden Eindruck macht.

Das Aroma lässt sich ganz einfach beschreiben: Der Rosmarin steht im Vordergrund, während Hopfen- und Malzaromen entweder überdeckt werden oder den Rosmarin unterstützen. Somit erinnert das Aroma an Medizin, beispielsweise an Hustensaft, aber die Kräuter- und Würznoten des Rosmarins sorgen doch für einen angenehmen Eindruck und machen Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus, die aber leider sehr knapp dosiert ist. Auch auf der Zunge drängt sich die Würze des Rosmarins in den Vordergrund; dabei gesellt sich eine freundliche Bittere dazu. Das Bier erinnert weiterhin an Hustensaft. Das Mundgefühl ist angenehm weich. In der Kehle legt die Bittere noch einmal kräftig zu und sie klingt extrem lange nach.

Das Rosemary Red ist kein Bier für den Stammtisch, passt aber gut zu kräftigen und deftigen Speisen mit Wild oder Lamm. Ich hoffe, dass Jan und Malte von der Hildesheimer Braumanufaktur dieses Bier noch einmal nachbrauen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Rosmarin, Hefe

Alkoholgehalt:

6,1 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de  

Kuehn Kunz Rosen – Gutenberg Bock Edition 2023 Rotwein

Die Mainzer Brauerei Kuehn Kunz Rosen wurde 2014 von Max Wägner und Wendelin Quadt gegründet. Inspiriert vom kühnen Hofnarren Kunz von der Rosen, setzen sie auf kreative, mutige Biere jenseits gängiger Konventionen. Seit 2017 betreiben sie ein eigenes Sudhaus im historischen Alten Rohrlager in Mainz – mit einem 15 hl Sudhaus und einem Schankraum mit bis zu 11 Bieren vom Fass. Jetzt steht vor mir der Gutenberg Bock, ein helles Bockbier, das neun Monate lang in Merlot- und Dornfelder-Fässern gereift und unfiltriert und nicht pasteurisiert in Flaschen abgefüllt wurde. Dieses Bier ist die vierte Sonderedition des Gutenberg Bocks. Es wurden davon nur 1384 Flaschen abgefüllt und von Hand nummeriert. Die Flasche, die jetzt vor mir steht, ist die Nummer 1169.

Bernsteinfarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die elfenbeinfarbene Schaumkrone ist eher klein, bleibt aber lange erhalten. An der Optik gibt es also nichts auszusetzen.

Das Bier duftet nach dunkler Schokolade, Rotwein und Holz – vermutlich Eiche – abgerundet durch die Düfte nach Karamell und einem Hauch Kandis. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine kräftige Malzsüße sowie eine ansprechende Spritzigkeit durch die passende Karbonisierung aus. Mir fällt auf, dass dieses Bier süßer ist als übliche Bockbiere, ohne dass diese Süße unangenehm wird. Vermutlich hätte sie sich auch noch abgebaut, wenn ich dem Bier noch ein oder zwei Jahre mehr zum Reifen gegeben hätte. Aber wie heißt es nicht so schön: Hinterher hat man es meist vorher gewusst. Auf der Zunge tritt der Geschmack des Weines überraschend kräftig in den Mittelpunkt und er bringt auch eine leichte Säure mit, die dem Bier eine sehr schöne Tiefe verleiht. Die Bittere ist stiltypisch zurückhaltend. Das Mundgefühl ist schwer und weich. In der Kehle nimmt die Säure kurz zu und das Bier wird überraschend fruchtig.

Der Gutenberg Bock ist ein komplexes und angenehmes Degustationsbier, das trotz seiner geschmacklichen Tiefe keinen Konsumenten überfordert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener, Karamellmalz), Hopfen (Magnum, Spalter), Hefe

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Stammwürze:

19,1° Plato

Bittereinheiten:

15 IBU

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

K.K.R. GmbH
Weisenauer Straße 15
55131 Mainz
www.kuehnkunzrosen.de

De Bie – Kriekedebie

Der Name dieses Bieres – Kriekedebie – ist Programm. Er besteht aus den Teilen Krieken (niederländisch für Kirschen) und dem Namen der Brauerei (De Bie). Zunächst hatte ich erwartet, dass dieses Bier ein Kriek wäre, also ein mit wilden Hefen vergorenes Sauerbier mit Kirschen. Auf der Website der Brauerei wird allerdings ausgeführt, dass es sich um ein obergäriges Bier handelt, also um ein Ale mit Kirschen. Und hier stutze ich zum zweiten Mal: in der Zutatenliste auf dem Etikett sind keine Kirschen erwähnt, lediglich auf der Website der Brauerei steht, dass das Kriekedebie mit Kirschextrakt gebraut wurde. Das würde mich jetzt eher kritisch stimmen, wäre das Kriekedebie nicht im Jahr 2021 beim London Award mit der Goldmedaille ausgezeichnet worden. Unabhängig davon, wie Sie das Bier nun betrachten, wird die Verkostung auf jeden Fall spannend.

In einem schönen Rubinrot und kristallklar präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine gemischtporige rosa Schaumkrone. Optisch geht das Bier schon mal in Ordnung.

Das Bier duftet nach Sauerkirsche und Marzipan, fast wie eine Torte.

Der Antrunk ist dann auch ziemlich süß, dabei aber auch frisch. Auf der Zunge ist die Kirsche nicht so dominant wie in der Nase. Die Süße aber bleibt. Bittere kann ich nur wenig schmecken. Dadurch wirkt das Bier beinahe etwas wässerig und mit fällt spontan ein Fruchtbonbon ein. Erst in der Kehle wird die Bittere etwas präsenter, aber nur ganz kurz, um anschließend sehr schnell zu verschwinden.

Wollen Sie wissen, wie die Brauerei das Bier beschreibt? Hier die deutsche Übersetzung: „Kriekebie verbreitet einen Hauch von Romantik, der nach süßen, fruchtigen Kirschbonbons duftet. Mit ihrem fuchsiafarbenen Kleid und ihrem hellrosa Kopf huscht sie an deinen Lippen vorbei. Sobald Sie sich verführen lassen, wird ihr süßer, fruchtiger und ausgewogener Geschmack in Sie eindringen. Genießen Sie ihren leicht trockenen Nachgeschmack und verlieben Sie sich in ihn!“ Also, kein übertriebener Widerspruch zu meiner Verkostung.

Zutaten:

Lt. Etikett: Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe, auf der Website der Brauerei wird noch Kirschextrakt erwähnt

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Bie
Vijvestraat 47
B-8720 Wakken (Dentergem)
Belgien
www.brouwerijdebie.be

Maisel & Friends – Artbeer #7

Das Arbeiten bei der Brauerei Maisel muss ja richtig Spaß machen. Bei so vielen Sondersuden, wie sie mich aus Bayreuth erreichen, entsteht bei mir der Eindruck, dass jeder ab und an seiner Phantasie freuen Lauf lassen und ein Bier nach seinen (oder ihren) Vorstellungen brauen kann. Und ganz ehrlich – meist ist das Ergebnis auch wirklich gut.

Nun hat mich mal wieder ein Bier erreicht, das Artbeer #7, ein Hazy IPA, dessen Etikett von der kolumbianischen Künstlerin Ledania gestaltet wurde. Das farbenfrohe Etikett bringt die Vielfalt der Kulturen auf die Flasche, ein echter Hingucker. Mal sehen, ob das Bier diesem Etikett gerecht werden kann.

Golden und mit kräftiger Hefetrübung fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine schneeweiße Schaukrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier schon mal erstklassig.

Düfte nach Zitrusschalen und Biskuitteig steigen mir in die Nase. Dabei kann ich bereits ahnen, dass das Bier recht trocken sein wird und eine deutliche Bitternote hat.

Ungeheuer frisch mit einer sehr feinperligen Kohlensäure ist der Antrunk. Wie erwartet entwickelt sich auf der Zunge eine kräftige fruchtige Bittere, wobei die Bittere überwiegt und die Fruchtigkeit nicht so stark durchkommt wie ich es erwartet hatte. Die leichte Säure, die diese Eindrücke begleitet, wirkt erfrischend. Das Mundgefühl ist angenehm cremig. In der Kehle dominiert die freundliche Bittere mit einem sehr langen Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Mandarina Bavaria, Callista, Citra), Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

13,5° Plato

Farbe:

10 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

Brauerei Gebr. Maisel KG
Hindenburgstraße 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Liefmans – Goudenband 2021

Die Brauerei Liefmans wurde im Jahr 1679 in der ostflämischen Stadt Oudenaarde gegründet wo sie bis heute beheimatet ist. Liefmans musste 2007 Insolvenz anmelden und wurde 2008 von Duvel-Moortgat übernommen. Die Brauerei trägt das Label „Belgian Family Brewers“.

Das wohl bekannteste Produkt der Brauerei Liefmans ist das Goudenband, einem „Old Brown“ Sauerbier, das nach wie vor nach traditioneller Rezeptur gebraut wird. Im Anschluss wird junges Bier mit mindestens 12 Monate altem verschnitten, um den Gärprozess wieder anzuregen. Im Schnitt wurde das Goudenband ca. 12 Monate gelagert. Die 75 cl Flaschen werden noch heute manuell mit Papier eingewickelt.

Ostflämische Oud Bruin Biere werden nicht in Holzfässern gereift, sondern in Edelstahltanks. Deswegen kommt es nicht mit den wilden Hefen aus den Holzfässern in Kontakt. Lediglich die Milchsäurebakterien führen zur Säuerung des Biers. Dadurch sind Oud Bruin Biere etwas milder in der Säure.

Intensiv dunkel bordeauxrot präsentiert sich das Bier im Glas. Wie bei Sauerbieren üblich ist der Schaum keiner Erwähnung wert.

Fruchtige Säure steht im Mittelpunkt des Aromas. Ich rieche Kirsche, Birne, Apfel und Rhabarber, begleitet von einem angenehmen Karamellduft und abgerundet durch eine Balsamiconote.

Durch die sehr feinperlige Kohlensäure ist das Bier angenehm spritzig. Die Karamellsüße kommt auf der Zunge stärker zum Tragen als in der Nase. Im Mittelpunkt steht aber das Kirscharoma. Insgesamt ist das Bier sehr ausgewogen und daher angenehm zu trinken. In der Kehle kommt erstmals auch eine leichte Bittere zum Vorschein, die an geröstete Haselnüsse erinnert.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

8 IBU

Brauerei:

Liefmans Brouwerij
Aalststraat 200
9700 Oudenaarde
Belgien
www.liefmans.com