Archiv der Kategorie: Biobier

Ostergold 2017

Kürzlich war ich in Nürnberg und habe dort die Hausbrauerei Altstadthof besucht. Die kleine Brauerei unterhalb der Burg braut neben einigen Bieren, die ständig im Angebot sind, auch etliche saisonale Bierstile. Dabei stammen sowohl das Malz als auch der Hopfen aus biologischem Anbau. Nun weiß ich nicht, ob sich die bessere Rohware nach den ganzen Verarbeitungsschritten in der Brauerei noch im Bier bemerkbar macht. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Brauereien, die bei den Zutaten nicht nur auf den Preis achten, sorgfältiger mit diesen Zutaten umgehen und sich mehr bemühen, das Beste aus dem Ursprungsmaterial herauszuholen. Aber das ist meine Spekulation. Als ich vor Ostern im Altstadthof war, gab es selbstverständlich das Ostergold aus dem Jahrgang 2017 und genauso selbstverständlich habe ich mir eine Flasche dieses Biers, von dem nur 500 Flaschen abgefüllt wurden, zur Verkostung mitgenommen. Eine Besonderheit dieser Brauerei sei noch erwähnt: sowohl der Hopfen als auch das Malz stammen aus der Region, was auch dem Werbespruch der Brauerei, Original Nürnberger Biergenuss, seinen Wahrheitsgehalt verleiht.

Altgold und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel beiger feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch gibt es an diesem Bier nichts auszusetzen.

Das Aroma ist würzig, fast pfeffrig, was auf die Kalthopfung mit mehreren Hopfensorten zurückzuführen ist. Aus dem Hintergrund kommen auch Düfte von Südfrüchten zum Vorschein. Aber auch der Duft des Malzes kommt zu seinem Recht. Damit ist das komplexe Aroma bereits ein Genuss für sich und bildet ein Gesamtkunstwerk. Wenn der Geschmack da mithält, ist dieses Bier etwas ganz Besonderes.

Der Antrunk ist leicht süß und intensiv. Auch die Menge der Kohlensäure ist für meinen Geschmack perfekt gewählt. Aber erst als sich das Bier im Mund verteilt, kommt die gesamte Geschmacksfülle dieses Bieres richtig zur Geltung. Der Geschmack von Orangenschale gesellt sich zu den würzigen Noten, die bereits im Aroma vorhanden waren. Dabei unterstützt die Orangenschale die würzigen Geschmäcker aber nur, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Überhaupt sind die Süße, Säure und das Bitter in einem wirklich ausgewogenen Verhältnis. Im Abgang kommt das freundliche Bitter stärker hervor; dieser Geschmack klingt noch lange nach.

Wenn Sie einmal nach Nürnberg kommen, sollten Sie auf keinen Fall einen Besuch in der Hausbrauerei Altstadthof versäumen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Naturhopfen (Opal, Spalter), Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürze:

13,3° Plato

Bittereinheiten:

26 IBU

Brauerei:

Hausbrauerei Altstadthof
Bergstr. 19-21
90403 Nürnberg
www.hausbrauerei-altstadthof.de

Liebhart‘s Bio Weizen alkoholfrei

Dem Liebhart’s Bio Weizen alkoholfrei, das jetzt vor mir steht, wird nicht nachträglich der Alkohol entzogen. Es wird auf natürliche Weise gebraut, ohne Alkohol entstehen zu lassen. damit verbleiben auch das volle Aroma und alle wertvollen Bestandteile im Bier und ich erwarte auch einen volleren Geschmack.

Goldgelb strahlt mir das Bier entgegen. Was mich nur verwundert ist die fast nicht vorhandene Hefe. Nur eine sehr leichte Trübung ist zu erkennen, das Bier ist fast kristallklar. Gut gefällt mir dagegen die Schaumkrone, feinporig und reinweiß. Sie bleibt lange Zeit erhalten.

Das Bier duftet nach Malz und Karamell, nach Trockenfrüchten und Bananen. Allerdings ist der Bananenduft bei weitem nicht so ausgeprägt wie bei den meisten Weizenbieren. Das ist aber vermutlich der Tatsache geschuldet, dass es sich hier um ein alkoholfreies Bier handelt.

Der Antrunk zeigt erstaunlich wenig Süße, wirkt durch die gut dosierte Kohlensäure aber frisch. Während sich das Bier auf der Zunge verteilt, stelle ich fest, dass der Geschmack fast ausschließlich durch das Malz bestimmt wird, während sich der Geschmack des Hopfens diskret im Hintergrund hält, so dass er praktisch nicht zum Tragen kommt. Auch im Abgang kann ich kaum Bitterstoffe feststellen.

In meinen Augen hält das Bier nicht, was das Etikett verspricht. Schade. Die anderen Biere von Liebhart’s haben mir eigentlich alle recht gut gefallen.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

10° Plato

Brauerei:

Liebhart’s Privatbrauerei GmbH & Co. KG
Am Geldkamp 6
32758 Detmold
www.residenz-biere.de

Siegelbier 2015 Slyrs

Dass Heidelberg eine schöne Stadt ist, ist eine Binsenweisheit. Nicht umsonst ist es eines der beliebtesten Ziele im Städtetourismus. Weit weniger bekannt ist, dass im historischen Klosterhof in Heidelberg seit dem Jahr 2009 Bier gebraut wird. Dort, wo die Mönche früher ihre Stallungen hatten und wo auch früher bereits Apfelmost, Wein und Spirituosen hergestellt wurden, wird nach einem Umbau nun aus biologisch angebauten Zutaten feinstes Biobier gebraut. Eines dieser Biere habe ich jetzt vor mir stehen, das im Whiskyfass gereifte Siegelbier Slyrs.

Cognacfarben präsentiert sich das Bier im Glas und es bildet sich darüber so gut wie kein Schaum. Außerdem kann ich im Bier keinerlei Kohlensäure sehen, und das, obwohl das Bier keine Hefe enthält, die die Kohlensäure gerne verbirgt.

Das Aroma wird durch Röststoffe geprägt, unterstützt durch den Duft von Trockenpflaumen. Das Malz dominiert das Aroma eindeutig.

Der Antrunk ist recht süß und ich stelle fest, dass das Bier recht wenig Kohlensäure enthält. Bereits jetzt kann ich die Einflüsse des Whiskyfasses feststellen, in dem das Bier gereift ist. Die Süße hält sich auch im Körper, wobei sie durch eine leichte Säure ergänzt wird. Damit wird der Körper wunderbar komplex und fruchtig. Auffällig ist vor allem, dass hier mit dem Malz gespielt wurde und kaum das Bitter des Hopfens festzustellen ist. Bei dem kräftigen Geschmack des Bieres ist es kaum zu glauben, dass das Bier lediglich 6,5 % Alkohol enthält. Auch der Abgang ist nicht bitter und er erinnert eher an einen Whisky.

Zutaten:

Quellwasser, Gerstenmalz, Aromahopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Brauerei zum Klosterhof GmbH
Stiftweg 4
69118 Heidelberg
www.brauerei-zum-klosterhof.de

Stiegl – Gipfelstürmer

Nun steht mal wieder ein Bier von Stiegl im schönen Salzburg vor mir. Es handelt sich um den Gipfelstürmer aus der Hausbier-Reihe der Brauerei. Dabei handelt es sich um ein Dinkel-Weißbier, wobei das Bier mit mehr Dinkelmalz als mit Gerstenmalz gebraut wurde. Für die Gärung wurde eine obergärige Weißbierhefe verwendet.

Wie es zu diesem Bier kam, erklärt der Braumeister Dr. Kiener auf dem Etikett: „Der beste Weg, den Kopf für neue Bierkreationen freizubekommen, ist eine Wanderung in den Hohen Tauern. Diesmal war mein Ziel der Großglockner, das Dach Österreichs, das über allen umliegenden Bergen thront. Ich genoss meinen Aufstieg zum Gipfel. Der Schnee, das Eis und die kalten Felsen sorgten für eine willkommene Erfrischung meines Geistes. Als ich oberhalb der Hohenwartscharte stand, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen: Eingebettet zwischen Eis und Blockwerk wuchs ein tropischer Fruchtbaum. Litt ich an Höhenkrankheit? Lag es am fehlenden Sauerstoff? Keineswegs. Mein nächster Gedanke war kristallklar. Ein erfrischendes Dinkelvollbier mit dem fruchtigen Duft von tropischen Früchten musste her! Ich ließ den Gipfel links liegen und machte mich rasch an den Abstieg, immer noch die cremefarbene Schaumkrone dieser Bierspezialität vor Augen, und konnte es kaum erwarten, meine Idee in die Tat umzusetzen.“ So viel zur Prosa auf dem Etikett, kommen wir zur Verkostung des Bieres.

Leuchtendorange bis kupferfarben und hefetrüb ist der Gipfelstürmer mit einer leicht überdurchschnittlichen Menge weißen Schaums, der durchschnittlich lange erhalten bleibt. Die Optik ist schon mal recht ansprechend.

Auch das Aroma ist sehr angenehm fruchtig. Ich rieche Zitronenschalen, Ananas, Mango und Banane. Damit macht das Bier richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist relativ süß und vollmundig. Dazu kommt eine feinperlige Kohlensäure, die für eine wirkliche Frische sorgt. Schnell breitet sich eine feine Fruchtigkeit im Mund aus, Ananas steht im Vordergrund, aber auch weitere Früchte sind vertreten. Erst im Abgang setzt sich ein freundliches und zartes Bitter durch, das dieses Bier wundervoll abrundet.

Zutaten:

Wasser, Dinkelmalz, Gerstenmalz, Hopfen (Spalter Select, Triskel, Simcoe), Weißbierhefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Brauerei:

Stieglbrauerei zu Salzburg
5020 Salzburg
Österreich
www.stiegl.at

Klosterhof Adventsbock

Ich weiß, der Advent ist bereits längere Zeit vorbei und der nächste Advent lässt auch noch lange auf sich warten, aber der Adventsbock aus der Klosterhofbrauerei in Heidelberg hat mich erst in dieser Woche erreicht. Da ich bei einem Saisonbier wie dem Adventsbock immer etwas ganz Besonderes erwarte, musste ich ihn selbstverständlich sofort verkosten. Das Etikett gibt keine speziellen Informationen her und auch im Internet steht nicht mehr. Trotzdem fällt mir eines auf: das Bier ist in einer Mehrwegflasche mit 0,75 Litern Inhalt abgefüllt. Dagegen ist eigentlich nichts zu sagen, sondern im Gegenteil sind Mehrwegflaschen umweltfreundlich. Dies gilt selbstverständlich nur dann, wenn der Konsument auch die Möglichkeit hat, die Flasche zurückzugeben. Ich würde es daher begrüßen, wenn das Bier, das verschickt wird, in Standardflaschen abgefüllt würde, die überall zurückgegeben werden können. Die Flasche, in der mich der Adventsbock sowie mehrere andere Biere der Brauerei zum Klosterhof erreicht haben, werde ich in Essen leider nicht los. Schade, damit wird aus einer umweltfreundlichen Mehrwegflasche ein Einweggebinde. Aber kommen wir zum Bier.

In einem dunklen Mahagoniton, fast schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Es ist hefetrüb und bildet einen größtenteils cremigen hellbraunen Schaum, er ist fast weiß, der durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch Röststoffe dominiert, ich rieche bittere Schokolade, Gewürznelken und Kräuter. Ich habe durchaus den Eindruck, dass der Auswahl des Malzes und der Hopfensorten viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde und dass das Ergebnis überzeugend ist.

Der Antrunk ist mittelsüß und ich stelle eine sehr feine Kohlensäure fest. Auch im recht intensiven Körper dominiert die Süße, Karamelltöne kommen zum Vorschein und eine minimale Säure. Die Bitterstoffe fehlen mir hier etwas. Diese kommen erst im Abgang zusammen mit deutlichen Kaffeenoten zum Vorschein.

Der Adventsbock der Brauerei zum Klosterhof ist ein Bockbier, das sich durchaus angenehm von der Vielzahl der im Handel erhältlichen Bockbiere abhebt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Stammwürze:

16,5° Plato

Brauerei:

Brauerei zum Klosterhof GmbH
Stiftweg 4
69118 Heidelberg
http://www.brauerei-zum-klosterhof.de

Wolfscraft – Das Helle

Was dabei herauskommt, wenn ein Schweizer einen typischen deutschen Bierstil braut und dabei versucht, ihn zu verbessern, will ich jetzt überprüfen. Auf jeden Fall hat er bei der Auswahl der Zutaten nicht gespart und sowohl Gerstenmalz als auch Hopfen aus kontrolliert biologischem Anbau gewählt. Dass Hopfenextrakt bei den Bieren von Wolfscraft nicht zum Einsatz kommt versteht sich wohl von selbst. Es sind also beste Voraussetzungen gegeben, dass mir dieses Bier gefallen kann.

Hellgelb ist das Bier und macht damit seinem Bierstil alle Ehre. Es enthält viel agile Kohlensäure, die für eine überdurchschnittliche Menge feinporigen Schaum sorgt, der wirklich lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Mandarine und Ananas, begleitet von dem leicht süßen Duft des Malzes. Für ein Helles ist das Fruchtaroma vielleicht nicht typisch, aber dadurch entsteht ein Bier, das zumindest im Aroma charakterstark und unverwechselbar ist.

Der Antrunk ist recht süß, was mit der von Beginn an vorhandenen Fruchtigkeit gut sowie der reichlich vorhandenen gut harmoniert. Bereits der erste Eindruck ist frisch und prickelnd. Schnell gesellt sich eine leichte fruchtige Säure dazu, so dass der Geschmack nach Ananas und Zitrone die Zunge beherrscht. Der Abgang zeigt nur minimale Bitterstoffe und leider klingt er nur sehr kurz nach.

Dieser kurze Nachklang ist aber auch das einzige Manko, das ich bei diesem Hellen feststellen kann. Auch wenn es sich um kein typisches Helles handelt, sondern sich das Bier eher an einem Pale Ale orientiert, bin ich von diesem Erzeugnis wirklich begeistert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Wolfscraft GmbH
85356 Freising
www.wolfscraft.de

Schneider Weisse – TAP4 Meine Festweisse

Wieder einmal steht ein Bier aus Bayerns ältester Weißbierbrauerei vor mir, das TAP 4 mit Namen „Meine Festweiße“. Anders als andere Festbiere wird dieses Weizenbier nicht zu einem speziellen Volksfest gebraut, sondern die Brauerei Schneider schreibt auf ihrer Website, dass das Bier nach altem Festbierrezeptur für feierliche Runden neu aufgelegt wurde.

Eine Besonderheit dieses Bieres ist, dass es das erste Biobier ist, das ich von dieser Brauerei aus Kelheim erhalten habe. Das Malz und der Hopfen sind nicht „bio-light“ EU-Bio, sondern stammen aus durch Naturland zertifiziertem Anbau. Dann will ich mal testen, ob sich das auch in der Qualität des Bieres niederschlägt. Jedenfalls ist das Bier weder filtriert noch pasteurisiert, was ich schon mal als positiv empfinde.

Golden und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Mir fällt auf, dass die Hefe teilweise verklumpt ist, was aber durchaus daran liegen kann, dass die Flasche bereits einige Zeit bei mir gestanden hat. Sonst habe ich diesen Effekt bei den Bieren von Schneider noch nicht erlebt. Davon unabhängig ändert das aber nichts am Geschmack, es fällt lediglich ins Auge. Für ein Weißbier bildet sich vergleichsweise wenig cremiger weißer Schaum, was das Einschenken erleichtert. Dafür bleibt der Schaum wirklich lange erhalten.

Der Antrunk ist frisch mit einer angenehmen Kohlensäure, die für meinen Geschmack auch in der richtigen Menge vorhanden ist. Der Körper ist ausgeglichen mit einem leichten Säureüberschuss, der aber die Fruchtigkeit der Festweisse unterstreicht. Im Abgang ist das Bier mild ohne langen Nachklang.

„Meine Festweisse“ ist ein mildes und angenehmes Weißbier, das sicher auch Menschen gefallen kann, die sonst eher kein Weizenbier trinken. Es lässt sich nichts Schlechtes über dieses Bier sagen, sondern es ist ein wirklich gutes Weißbier, das gefallen will und kann. Mir persönlich fehlt ihm aber etwas Charakter, ein Alleinstellungsmerkmal, wie ich es bei den anderen Bieren von Schneider erlebt habe.

Jetzt frage ich mich, weshalb ich dieses Bier noch nie in einem Bioladen gesehen habe. Die Voraussetzungen erfüllt es auf jeden Fall.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Stammwürze:

13,8 %

Bittereinheiten:

28 IBU

Brauerei:

Weisses Bräuhaus
G. Schneider & Sohn GmbH
93309 Kelheim
www.schneider-weisse.de

Braumanufaktur – Winterbock

Nun habe ich einen Winterbock aus der Braumanufaktur in Potsdam vor mir stehen. Die kleine Brauerei, die 2003 mit der Produktion begann, stellt im Laufe eines Jahres immerhin elf unterschiedliche Biere her, auch wenn einige der Biere nur saisonal gebraut werden. Eines davon ist der Winterbock, der jetzt vor mir steht.

Bevor ich mit dem Bier beginne noch einige kurze Impressionen zur Brauerei. Ehrlich gesagt kannte ich sie vor einer Woche überhaupt noch nicht. Aber dann war ich auf der Grünen Woche in Berlin, wo ich den Stand der Braumanufaktur gesehen habe und ihn selbstverständlich aufsuchen musste. Ich wurde nicht nur sehr freundlich und zuvorkommend empfangen, sondern erhielt auch gleich fünf unterschiedliche Biere zum Verkosten und zum anschließenden Beschreiben hier im Blog. Heute stelle ich das erste Bier vor.

Bernsteinfarben, fast wie Cognac, präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel sahniger Schaum, weiß mit einem leichten Stich ins Ocker, der nur langsam in sich zusammenfällt. Optisch hat die Braumanufaktur schon mal keinen Fehler gemacht.

Das Aroma ist schon mal überzeugend und komplex. Eindeutig dominieren die Röstaromen die Nase, aber dazu kommen Noten von Banale, Karamell, Holunderblüte, eine leichte Whiskynote sowie Mandeln oder Marzipan. Das macht doch ordentlich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist süß und schwer. Jetzt fällt auf, dass das nicht filtrierte Bier recht wenig Kohlensäure enthält. Daher wirkt das Bier im Antrunk, der bereits sehr geschmacksintensiv ist, beinahe wie ein Likör. Schnell kommen aber noch andere Geschmäcker zum Vorschein. Der Whisky, den ich bereits im Aroma bemerkt hatte, kommt wieder durch und verbindet sich hervorragend mit dem Geschmack winterlicher Gewürze und dunkler Trockenfrüchte. Ich meine, Trockenpflaumen zu schmecken. Der Abgang ist dann sehr mild und kaum bitter, klingt aber trotzdem lange nach.

Als Aperitif ist dieses Bier sicher gut geeignet, schmeckt aber auf jeden Fall auch an einem Winterabend nach einem Spaziergang im verschneiten Wald.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol. (Angabe auf dem Etikett, im Internet werden 6,0 % Vol. angegeben)

Stammwürze:

16,5° Plato

Brauerei:

Köhler & Kirchhoff GbR
Templiner Str. 102
14473 Potsdam
www.braumanufaktur.de

Riedenburger – Doldenbock

Nun steht mal wieder ein Bier aus Riedenburg im Altmühltal vor mir, ein Weizenbock namens Doldenbock mit 7,9 % Volumenprozent Alkohol. Das Rückenetikett verspricht viel: Ein Doppelbock, doppelt mit Hopfen gestopft. Dazu noch ein Weizenbock und das Ganze unfiltriert und aus Bioland-Anbau. Irgendwie habe ich den Eindruck, das Team des Riedenburger Brauhauses, das im letzten Jahr sein 150jähriges Jubiläum feierte, wollten mit diesem Bier das deutsche Reinheitsgebot mal so richtig ausreizen. Mal sehen, was dabei rausgekommen ist.

Den Doldenbock dürfen wir auch nicht mit dem Doldensud verwechseln, der aus der gleichen Brauerei stammt. Hier noch kurz die Prosa, mit der die Brauerei uns den Doldenbock auf dem Rückenetikett der Flasche schmackhaft machen will: „Er ist stark. Er ist mächtig. Er ist kraftvoll. Ein Naturbursche. Bevor du diesen Bock herausforderst, sei ehrlich zu dir selbst und frag dich, ob du stark genug bist. Er ist kein einfacher Bock. Er ist doppelbockig. Er ist heimtückisch. Er kommt mit seiner Hopfennote und frisch und leicht daher. Blumige Noten steigen in die Nase. Und dann nimmt er dich auf die Hörner mit seinen potenten 7,9 % Volumen. Bezwing den Bock. Und wenn du ganz stark bist – auch zwei.

Mit diesen Worten hat die Brauerei mich überzeugt, die Flasche zu kaufen. Jetzt ist es aber endlich an der Zeit, sie zu öffnen und den Bock in die Freiheit zu entlassen.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich der Bock im Glas. Darüber bildet sich recht viel feinporiger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt. Gegen die Optik ist jedenfalls nichts zu sagen.

Das Aroma ist fruchtig. Ich rieche Banane, Zitrusfrüchte, Karamell und auch etwas Würziges. Ich kann es nicht genau identifizieren, es könnten aber Düfte von Pfeffer und Nelken dabei sein.

Der Antrunk ist so süß, wie ich es von einem Bockbier erwarte, dabei aber prickelnd und frisch wie ein gutes Weizenbier. Bis hierhin ist das Bier einfach perfekt. Der Körper ist vollmundig mit Geschmäckern nach Melone und überreifen Bananen. Dazu kommt die Süße des Malzes, abgerundet mit Trockenfrüchten. Der Abgang ist nur wenig bitter, da hätte ich mehr erwartet. Aber zumindest klingt er einige Zeit nach.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich dieses Bier bewerten soll. Einerseits ist es gut ausgewogen, aber es hat so viele Geschmacksnuancen, so dass ich den Eindruck habe, dass es irgendwie überladen ist. Aber auf jeden Fall ist es ein spannendes Bier.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,9 % Vol.

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
93339 Riedenburg
www.riedenburger.de

BierSelect

Frastanzer – s‘Bio

Vor mir steht jetzt eine Flasche Biobier aus Vorarlberg. Mich wundert hier, dass Biobier aus Österreich mich meist in Einwegflaschen erreicht. Das ändert zwar nicht die Qualität des Bieres, aber sonderlich ökologisch ist das nicht. Außerdem teilt mir das Etikett noch mit, dass es sich um die Kalea-Edition handelt. Kalea ist der Händler, von dem ich das Bier erhalten habe. Ob das nun einen Unterschied im Bier macht ist mir nicht bekannt; ich gehe aber davon aus, dass es sich lediglich um eine spezielle Abfüllung handelt, die das Unternehmen mit seinem Bier-Adventskalender verschickt hat und dass das Bier identisch ist mit dem in den normalen Gebinden.

Das Bier ist goldgelb und enthält reichlich Kohlensäure. Es bildet eine durchschnittliche Menge weißen gemischtporigen Schaum aus, der sich recht schnell auflöst.

Das Aroma ist durch den Duft von Zitrusfrüchten geprägt und erinnert entfernt an IPAs, auch wenn das Aroma nicht so vielschichtig wie bei einem IPA ist. Auf jeden Fall verrät mir bereits die Nase, dass hier ein guter Aromahopfen verwendet wurde.

Der Antrunk ist leicht süß, eigentlich genau wie ich es aufgrund des Aromas erwartet habe. Im Körper halten sich süße und bittere Noten perfekt die Waage, dazu kommt eine geringe Menge Säure. Es ist also ein wirklich süffiges und angenehmes Bier. Auch der Abgang ist angenehm bitter und der Geschmack bleibt lange in der Kehle erhalten.

Würde es dieses Bier bei uns im Bioladen oder im Getränkemarkt geben, würde ich es sicher häufiger kaufen. Bevor ich es vergesse: das Bier wurde kalt abgefüllt und ist daher nicht pasteurisiert. Ich gehe also davon aus, dass das Bier auch in der Flasche noch reift. Das bedeutet allerdings auch, dass die Haltbarkeit dieses Bieres kürzer ist als bei Industriebieren.

Zutaten:

Eine Zutatenliste fehlt wie bei so vielen Bieren aus Österreich auch hier. Das Etikett sagt lediglich aus, dass Gerstenmalz und Hopfen verwendet wurden, beides aus biologischem Anbau.

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Stammwürze:

11,9° Plato

Brauerei:

Vbg. Brauereigenossenschaft Frastanz reg. Gen.m.b.H.
Bahnhofstr. 22
682 Frastanz
Österreich
http://www.frastanzer.at