Archiv der Kategorie: Biertest

Haacht – Super 8 Export

Ein Exportbier mit 4,8 Volumenprozent Alkohol klingt eigentlich nicht sonderlich belgisch. Aber genau solche Biere waren bis etwa 1975 bei den Arbeitern in Belgien sehr beliebt, was auch ein Grund für die Brauerei Haacht war, diesen Bierstil wieder aufleben zu lassen. Er wurde in Belgien wieder beliebt und entwickelte sich zum Urvater der Super 8-Marke der Brauerei.

Golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die gemischtporige und trotzdem feste Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten.

Das Bier duftet betont nach Hopfen, wobei ich nur wenige fruchtige Aromen feststellen kann. Vermutlich verwendet Haacht einen Hopfen mit hohem Alphasäurengehalt. Aber auch die Süße des Malzes kommt aus dem Hintergrund noch zum Tragen.

Der Antrunk ist durch eine kräftige Karbonisierung spritzig und kann durch seine angenehme Malzsüße sofort überzeugen. Auf der Zunge gesellt sich eine zur Süße passende Bittere dazu. Der Körper ist aber schlank. In der Kehle dominiert eine nicht allzu kräftige Hopfenbittere mit recht kurzem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Hopfen, Antioxidationsmittel Ascorbinsäure

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Bittereinheiten:

23 IBU

Farbe:

10 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

3 °C

Brauerei:

Brouwerij Haacht
Provinciesteenweg 28
3190 Boortmeerbeek
Belgien
www.haacht.com

Mönchshof – Kellerbier

Die Marke Mönchshof gehört zur Kulmbacher Brauerei AG in Oberfranken, Bayern – einer Region, die wie kaum eine andere für handwerkliche Braukunst steht. Ursprünglich geht der Name auf das ehemalige Mönchshof-Kloster in Kulmbach zurück, wo bereits im Mittelalter Bier gebraut wurde. Die heutige Mönchshof-Brauerei versteht sich als Bewahrerin dieser alten Tradition, kombiniert mit moderner Technik und Qualitätsbewusstsein. Bekannt ist Mönchshof vor allem für seine traditionellen, aber charaktervollen Bierstile, die meist in Bügelverschlussflaschen abgefüllt werden.

Die Marke spielt zudem im Biermuseum Kulmbach (Bayerisches Brauereimuseum) eine zentrale Rolle, das in den historischen Gebäuden des Mönchshof-Areals untergebracht ist. Damit steht Mönchshof nicht nur für Biergenuss, sondern auch für Bierkultur und Geschichte zum Anfassen.

Aus dieser Brauerei steht jetzt das Kellerbier vor mir. Öffne ich also die Flasche mit dem Bügelverschluss und schenke mir das Bier ein. Kupferfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine Schaumkrone, die sich allerdings recht schnell auflöst.

Die Röstaromen dominieren das Aroma, abgerundet durch Düfte nach dunkler Schokolade und Vanille sowie einigen floralen Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine geringe Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge gesellt sich eine leichte Säure dazu, gemeinsam mit dem Geschmack nach Karamell. Das Mundgefühl ist voll und weich; ich würde mir lediglich etwas mehr Bittere wünschen. Die Bittere kommt dann in der Kehle, wenn auch eher zurückhaltend. Dort taucht auch das Schokoladenaroma wieder auf. Obwohl der Abgang wirklich mild ist, klingt der Geschmack doch recht lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Bittereinheiten:

19 IBU

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Kulmbacher Brauerei
Lichtenfelser Straße 9
95326 Kulmbach
www.mönchshof.de

Omer vander Ghinste – Kriek Max

Die belgische Familienbrauerei Brouwerij Omer Vander Ghinste wurde 1892 im Ort Bellegem (nahe Kortrijk, Westflandern) gegründet.  Seit ihrer Gründung wird sie über Generationen von der Familie Vander Ghinste geführt. Im Jahr 2014 wurde die frühere „Bockor Brewery“ offiziell wieder in „Brouwerij Omer Vander Ghinste“ umbenannt, um die familiäre Tradition hervorzuheben.

Brouwerij Omer Vander Ghinste ist heute eine angesehene Brauerei im belgischen Spezialbier-Segment, die sowohl regionale Wurzeln pflegt als auch international agiert. Ihr Erfolg zeigt, wie eine Familienbrauerei Tradition, Innovation und Markenbildung verbinden kann. Die Brauerei investiert weiterhin in neue Bierstile und modernisierte Produktionsanlagen, um auch künftig relevant zu bleiben.

Jetzt steht vor mir das Kriek Max, ein Lambic mit 25 % Kirschsaft. Im Jahr 2011 wurde Kriek Max bei den WBA (World Beer Awards) zum besten Kriek der Welt gewählt.

Die reichliche Gabe des Kirschsaftes sorgt für ein dunkles Kirschrot des Bieres, über dem eine rosafarbene feinporige Schaumkrone prangt, die sehr lange erhalten bleibt. Schon die Optik des Kriek Max ist ein Genuss.

Die Kirschen dominieren mit ihrem Duft auch das Aroma des Bieres, das durch weitere Aromen abgerundet wird, die an Marzipan und Vanille erinnern. Auch die Süße des Malzes kann ich riechen.

Der Antrunk ist fruchtig spritzig, dominiert von süßem Kirschsaft, der sich harmonisch mit einer milden Säure verbindet. Trotz seiner Süße und Vollmundigkeit wirkt das Bier nicht schwer, sondern angenehm erfrischend. In der Kehle wird das Bier trockener und der Geschmack des Kirschsafts klingt einige Zeit nach.

Das Kriek Max von Omer vander Ghinste ist ein unkompliziertes, charmantes Fruchtbier, das zeigt, wie modern belgische Brautradition schmecken kann. Perfekt für alle, die Süße und Frische im Glas suchen.

Alkoholgehalt:

3,5 %

Empfohlene Genusstemperatur:

4° Celsius

Brauerei:

Omer vander Ghinste
Brouwtorenstraat 5
8510 Bellegem
Belgien
www.omervanderGhinste.be

Bruch – Saarbrücker Hell

Gegründet wurde die Brauerei im Jahr 1702 von Johann Daniel Bruch in Saarbrücken. Damit ist sie nach eigenen Angaben die älteste Brauerei im Saarland. Mehrere Insolvenzen führten dazu, dass die Produktion in den letzten Jahren verlagert wurde: Aktuell trägt die Brauerei den Namen “Privatbrauerei Saar GmbH” und ist in Neunkirchen beheimatet. Das Sortiment besteht aus traditionellen Bierstilen wie Pilsener, Zwickel, Landbier und auch das Helle, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

 Golden und glanzfein fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine feste weiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier 1a.

Das Bier duftet nach hellem Malz und Getreide, abgerundet durch einige blumige Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch seine stiltypische Süße aus. Die sehr feinperlige Kohlensäure ist etwas knapp dosiert. Auf der Zunge gesellt sich eine freundliche Bittere dazu, während die Süße etwas nachlässt. Das Mundgefühl ist schlank. In der Kehle wird das Bier trockener, während die Bittere an Stärke zulegt, die sehr lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Privatbrauerei Saar GmbH
Saarbrücker Str. 14
66538 Neunkirchen
www.bruch-bier.de

Leffe – 0.0 Bruin

Leffe ist schon lange keine kleine Brauerei mehr, sondern eine international bekannte Marke mit Wurzeln im mittelalterlichen Klosterbrauen. Wer ein ausgewogenes belgisches Abteibier sucht – mit soliden Malz- und Hefenoten, ohne extremen Hopfenfokus – ist hier gut aufgehoben. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf kleinere Abteibrauereien, wenn man eine weniger industrialisierte Alternative sucht. Leffe verbindet das Narrativ einer jahrhundertealten klösterlichen Tradition mit moderner Großproduktion. Für viele Genießer ist der Name Synonym für belgisches Abteibier mit einem gewissen Massentalent und Eingängigkeit. Es überrascht mich nicht wirklich, dass Leffe jetzt auch begonnen hat, alkoholfreie Biere zu brauen. Ob das in der gleichen Qualität gelingt wie bei den „richtigen“ Biere, will ich jetzt herausfinden.

Tiefbraun und mit einer festen leicht farbstichigen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum bleibt sehr lange stehen. Damit ist an der Optik des Bieres schon mal nichts auszusetzen.

Die Aromen gerösteten Malzes stehen im Mittelpunkt des Duftes des Leffe 0.0. Ich rieche dunkle Schokolade und etwas Rauch, abgerundet durch einen Hauch Lakritz.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge kommen die Geschmacksnoten nach dunkler Schokolade und Karamell in den Vordergrund, begleitet durch einen Hauch Rauch. Die Bittere des Hopfens ist nicht zu schmecken. Trotz dieses Aromenspektrums ist das Mundgefühl weich und angenehm. Für ein alkoholfreies Bier hat das Leffe 0.0 einen überraschend kräftigen Geschmack. In der Kehle kann ich erstmals die Bittere des Hopfens schmecken. Auch wenn die Bittere zurückhaltend bleibt und nicht kräftig wird, klingt sie doch erstaunlich lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Gerste, Zucker, Hopfen, Hopfenextrakt, natürliches

Alkoholgehalt:

< 0,05 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6 – 8° Celsius

Brauerei:

Abbaye Notre-Dame de Leffe
Place de l’Abbaye 1
5500 Dinant
Belgien
www.leffe.com

Urstrom – Das natürliche Bier

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus Schleswig-Holstein vor mir, genauer gesagt aus Dollerup bei Flensburg. Auffällig ist, dass sich die Brauerei vollkommen bedeckt hält, um was für ein Bier es sich handelt. Den angenehm schlicht gehaltenen Etiketten kann ich lediglich entnehmen, dass es sich um ein Craft Bier handelt, das aus biologisch angebauten Zutaten gebraut wurde und dass es ein natürliches Bier ist. Vorder- und Rückenetikett sind mit insgesamt sechs Siegeln vollgepackt, aber um was für einen Bierstil es sich handelt, verrät die Brauerei nicht. Ich habe also ein Überraschungsbier gekauft, ich könnte auch sagen, die Katze im Sack. Ich meine, da sollte die Brauerei noch einmal nacharbeiten. Aber komme ich zum Bier.

Hell goldfarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist nur klein und löst sich schnell auf.

Das Aroma gefällt mir schon besser. Düfte nach Biskuitteig und hellen Steinfrüchten steigen mir in die Nase, abgerundet durch einen leichten Zitrusduft.

Beim Antrunk fallen mir zunächst die zurückhaltende Süße sowie die kräftige Karbonisierung auf. Auf der Zunge gesellt sich schnell noch eine leichte fruchtige Säure zur Süße. Die beiden Aromen sind gut aufeinander abgestimmt. Eine Bittere kann ich lediglich erahnen. Das Mundgefühl ist sehr schlank. Sogar in der Kehle kann ich keine Bittere feststellen, lediglich der Geschmack der Hefe taucht kurz in der Kehle auf.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Bittereinheiten:

26 IBU (laut Angabe bei Untappd)

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Flensburger Spirituosen Manufaktur GmbH
Neukirchener Weg 8a
24989 Dollerup
www.urstrom-bier.de

De Dochter van de Korenaar – Sans Pardon – Pure Oak

De Dochter van de Korenaar ist eine belgische Brauerei mit Sitz in Baarle-Hertog, die 2007 von Ronald und Monique gegründet wurde. Die Brauerei ist bekannt für ihre hochwertigen Spezialbiere in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Stilen, darunter preisgekrönte und holzgereifte Biere. Die Brauerei hat sich einen guten Ruf erarbeitet und ist vor allem für ihre dunklen Biere beliebt.

Fassgereifte Biere werden in der Regel in Fässern gereift, in denen vorher Weine oder Spirituosen gelagert wurden. Bei den Brauern in Baarle-Hertog entstand die Idee, einige Biere aus dem Sortiment in neuen, unbenutzten Eichenfässern reifen zu lassen. Die Erfahrungen der Winzer sind aber auch beim Reifen von Bier eingeflossen. Dinge wie die Art der Eiche, die Art des Sägens, der Röstgrad, die Reifezeit und die Temperatur spielen eine wichtige Rolle bei der endgültigen Geschmacksentwicklung des Endprodukts. Mal sehen, was dabei herausgekommen ist.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine gemischtporige haselnussbraune Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass ich bei einem Bier aus dieser Brauerei auch nichts anderes erwartet habe.

Das Aroma des Sans Pardon ist wirklich betörend: selbstverständlich kommt die Eiche gut zum Tragen, aber auch die anderen Aromen nach Kaffee, Lakritz und Kandis sind sehr ansprechend und machen zusammen mit dem Vanillearoma richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist weniger süß als erwartet und er überzeugt durch eine feinperlige und dabei doch kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge präsentiert sich das Bier sehr geschmacksintensiv, ohne dabei übertrieben wuchtig zu werden. Der Kaffeegeschmack steht im Mittelpunkt, unterstützt durch etwas Lakritz. Dabei ist die Bittere etwas zurückhaltend vertreten. Das Mundgefühl ist schwer und samtig. Für die Ausgewogenheit des Bieres sorgt eine angenehme Süße, während der Geschmack der Eiche dem Bier die Spitzen nimmt. In der Kehle ist das Bier überraschend mild und während der Alkohol im Magen wärmt, klingt der Kaffeegeschmack sehr lange nach.

Die neun Monate Reifung in den neuen Eichenfässern, der daraus resultierende Tannin-Eichengeschmack und die runden Vanillenoten und die Nachgärung in der Flasche ergeben ein sehr schmackhaftes und angenehmes Stout.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, geröstete Gerste, Weizenmalz, Hopfen, Rooibos, Hefe

Alkoholgehalt:

11,0 % Vol.

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Hildesheimer Braumanufaktur – Black Ale

Das Village Rock Söhlde Open Air ist ein kleines, aber feines und vielseitiges Rock-/Metalfestival im niedersächsischen Söhlde (An der Schwimmhalle, Hinterm Knick). Das zweitägige Festival findet in jedem Jahr im Juli statt und bietet verschiedene Musikrichtungen: von Pop-Rock über Hard Rock und Heavy Metal bis zu Metalcore und Post-Hardcore. Und nicht zu vergessen: es gibt auch ein eigenes Bier, das Black Ale, das – wenig überraschend – von der Hildesheimer Braumanufaktur gebraut wird. Die Veranstaltung ist familiär, nicht überproduziert – und mit einem Herz für die Rock-Community. Kommen wir aber zum Bier.

In tiefem Rubinrot strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die elfenbeinfarbene und feinporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. An der Optik dieses Bieres gibt es nichts zu mäkeln.

Dunkle Schokolade, Zitrusfrüchte und etwas Rauch dominieren das Aroma.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge steht der Schokoladengeschmack im Mittelpunkt, begleitet durch eine fruchtige Säure. Eine freundliche Bittere rundet den Geschmack ab, während aus dem Hintergrund noch das Raucharoma zum Vorschein kommt. Die Röstaromen stehen auch in der Kehle im Vordergrund, wobei der Geschmack jetzt eher an Mokka erinnert, weniger an Schokolade. Aber durch den langen Nachkling ist das Bier insgesamt sehr angenehm.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Citra, Callista, El Dorado) Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Lindemans – Tarot d’or

Die Brauerei Lindemans wurde im Jahr 1822 gegründet, als Joos Frans Lindemans die Brauertochter Francisca Josina Vandersmissen heiratete und gemeinsam auf dem Bauernhof „Hof ter Kwade Wegen“ in Vlezenbeek Lambic-Bier herstellten. Ursprünglich war Lindemans eine gemischte Landwirtschaft mit kleiner Brauerei, um die Bauern im Winter zu beschäftigen. Mit der Zeit wurde das Bierbrauen zentraler und die Landwirtschaft zurückgefahren. Heute wird Lindemans von der sechsten Generation der Familie (unter anderen Dirk und Geert Lindemans) geführt.

Der Lambic-Prozess bei Lindemans folgt historischen Methoden: Die Würze wird gekocht, dann in flache Becken („coolships“) ausgekühlt, damit wilde Hefen und Bakterien aus der Umgebung – insbesondere dem Pajottenland rund um Vlezenbeek – spontaner Gärung einleiten. Die Reifung erfolgt in Holzfässern („foudres“) und über längere Zeiträume. Bei einigen Neuheiten verwendet Lindemans heute auch Edelstahlbehälter und Holzchips, um Geschmack und Qualität in immer gleichem Maße liefern zu können.

Jetzt will ich das Lindemans Tarot d’Or verkosten, ein Bier, das mit verschiedenen Früchten vergoren wurde. Dabei kamen sowohl wilde als auch obergärige Hefen zum Einsatz. Es ist inspiriert von der Belle Époque Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese schillernde Zeit war geprägt von einer Faszination für das Mystische und Unbekannte, als diejenigen, die einen Blick in die Zukunft werfen wollten, Hellseher aufsuchten und sich für alles Geheimnisvolle interessierten. 

Golden und glanzfein präsentiert sich das Bier im Glas. Dass die weiße Schaumkrone schnell in sich zusammenfällt, ist bei Fruchtbieren keine Seltenheit.

Das Bier duftet nach tropischen Früchten; ich meine, Mango, Melone und Zitrusfrüchte riechen zu können. Dazu kommt noch ein leichter Geruch, der an Kaugummi erinnert.

Der Antrunk ist süß mit einer reichlichen Karbonisierung. Auf der Zunge gesellt sich eine leichte fruchtige Säure zur Süße und die fruchtigen Aromen treten in den Mittelpunkt. Leider kommt aus dem Hintergrund noch ein leichter chemischer Geschmack zum Tragen, eventuell ist das der Übeltäter, der mich in der Nase an Kaugummi erinnert hat. Der Körper ist schlank. Sowohl die Fruchtigkeit als auch der chemische Geschmack werden in der Kehle noch einmal kräftiger.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

11 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Lindemans
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
www.lindemans.be

Störtebeker – Hanse-Porter alkoholfrei

Ich erinnere mich gerne an meinen Besuch in der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund zurück. Es war eine tolle Führung, die Biere bei der Verkostung haben mir gefallen und beim anschließenden Besuch der Brauereigaststätte haben wir noch richtig gut gegessen.

Die Brauerei bietet nicht nur eine breite Auswahl an alkoholhaltigen Bieren, sondern sie gibt sich auch bei den alkoholfreien Bieren Mühe, die Bierkultur hochzuhalten. So gibt es nicht irgendein Bier, das als alkoholfrei bezeichnet wird, so wie es bei anderen Brauereien leider üblich ist, sondern auch bei den alkoholfreien Bieren wird der Bierstil angegeben und trotz des fehlenden Alkohols auch gut getroffen. Ob das auch für das alkoholfreie Hanse-Porter gilt, will ich jetzt feststellen.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei einen haselnussbraunen Schaum. Anfangs fällt er recht flott in sich zusammen, aber ein Rest bleibt sehr lange erhalten. An der Optik gibt es schon mal nichts auszusetzen.

Das Aroma ist stiltypisch malzbetont nach Kandis und Kaffee. Allerdings kommt aus dem Hintergrund noch eine leichte Säure, die irgendwie nicht so richtig dazu passen will.

Der Antrunk ist süß, was durch die zur Süße passende Karbonisierung abgerundet wird. Aber als sich das Bier auf der Zunge verteilt, ist sie wieder da, die Säure. Die Aromen nach dunkler Schokolade und Kaffee treten in den Hintergrund. Außerdem ist das Mundgefühl für ein Porter ungewöhnlich schlank. In der Kehle ist das Bier mild, die Säure tritt etwas in den Hintergrund und der Geschmack klingt nur kurz nach.

Als Porter kann das Bier mich nicht begeistern; lediglich als Malzbrause geht es in Ordnung. Von der Störtebeker Braumanufaktur hätte ich mir wirklich mehr erwartet. Das alkoholfreie Hanse-Porter ist das erste Bier aus Stralsund, das meine Erwartungen nicht erfüllt. Das können die Hanseaten wirklich besser.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Glukose-Fruktosesirup, Gärungskohlensäure, Hopfen (Perle), Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

12° Celsius

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stoertebeker.com