Archiv der Kategorie: Biertest

Glaabsbräu – Helles

Erst im September 2015 wurde die neue Brauerei im hessischen Seligenstadt offiziell in Betrieb genommen. Herzstück der 800 Quadratmeter großen Halle im Herzen von Seligenstadt ist das neue Sudhaus mit einer Kapazität von 40 Hektolitern. Mit rund 3,2 Millionen Euro hat die Eigentümerfamilie Glaab die bisher größte Investition der mehr als 270-jährigen Firmengeschichte getätigt. Glaabsbräu will weiterhin charaktervolle Biere brauen: in einer jetzt hochmodernen und umweltfreundlichen Brauanlage. Das gilt sowohl für die traditionellen Sorten wie auch die handwerklich gebrauten Craft-Biere. Jetzt steht vor mir das Helle.

Golden glänzend steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Helle von Glaabsbräu duftet malzig nach Biskuitteig, unterstützt durch einige würzige Noten.

Der Antrunk ist spritzig und frisch, dabei auch leicht trocken. Damit macht das Bier auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Das sehr milde Bier bleibt weiter malzig, ohne dabei süß zu sein. Erst im Abgang zeigt sich ein leichtes Bitter, das nur kurz nachklingt.

Doch, wenn jemand milde Biere mag, ist er oder sie mit dem Hellen aus Hessen gut bedient.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner, Caramel Malz), Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh)

Alkoholgehalt:

4,6 % Vol.

Stammwürze:

11,5° Plato

Bittereinheiten:

14 IBU

Brauerei:

Glaabsbräu GmbH & Co. KG
Wallstr. 1
63500 Seligenstadt
www.glaabsbraeu.de

Wolfscraft – Das Helle

Was dabei herauskommt, wenn ein Schweizer einen typischen deutschen Bierstil braut und dabei versucht, ihn zu verbessern, will ich jetzt überprüfen. Auf jeden Fall hat er bei der Auswahl der Zutaten nicht gespart und sowohl Gerstenmalz als auch Hopfen aus kontrolliert biologischem Anbau gewählt. Dass Hopfenextrakt bei den Bieren von Wolfscraft nicht zum Einsatz kommt versteht sich wohl von selbst. Es sind also beste Voraussetzungen gegeben, dass mir dieses Bier gefallen kann.

Hellgelb ist das Bier und macht damit seinem Bierstil alle Ehre. Es enthält viel agile Kohlensäure, die für eine überdurchschnittliche Menge feinporigen Schaum sorgt, der wirklich lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Mandarine und Ananas, begleitet von dem leicht süßen Duft des Malzes. Für ein Helles ist das Fruchtaroma vielleicht nicht typisch, aber dadurch entsteht ein Bier, das zumindest im Aroma charakterstark und unverwechselbar ist.

Der Antrunk ist recht süß, was mit der von Beginn an vorhandenen Fruchtigkeit gut sowie der reichlich vorhandenen gut harmoniert. Bereits der erste Eindruck ist frisch und prickelnd. Schnell gesellt sich eine leichte fruchtige Säure dazu, so dass der Geschmack nach Ananas und Zitrone die Zunge beherrscht. Der Abgang zeigt nur minimale Bitterstoffe und leider klingt er nur sehr kurz nach.

Dieser kurze Nachklang ist aber auch das einzige Manko, das ich bei diesem Hellen feststellen kann. Auch wenn es sich um kein typisches Helles handelt, sondern sich das Bier eher an einem Pale Ale orientiert, bin ich von diesem Erzeugnis wirklich begeistert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Wolfscraft GmbH
85356 Freising
www.wolfscraft.de

La Trappe – Bockbier

La Trappe ist eines von zwei niederländischen Trappistenbieren. Das Bier wird im Trappistenkloster Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven in Berkel-Enschot bei Tilburg gebraut und vertrieben. Die Trappisten brauen hier schon seit 1884 Bier und verdienen damit ihren Lebensunterhalt, wie es die Regel des hl. Benedikt vorsieht.

Das La Trappe Bockbier hat einige Besonderheiten. La Trappe Bock Bier ist ein Bockbier, das einer zweiten Gärung unterzogen wird. La Trappe Bockbier ist nach Angaben der Brauerei das einzige Trappisten-Bockbier in der Welt. Es wird mit natürlichen Zutaten gebraut und durchläuft eine zweite Gärung in der Flasche. Im Jahr 2014 wurde das La Trappe Bockbier zum besten Bockbier der Niederlande gekürt.

Das Bockbier ist dunkel-rubinrot, beinahe ist es schwarz. Im Glas bildet sich sehr viel feinporiger beiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier perfekt gelungen.

Das Bier duftet nach Röstmalz. Ich rieche Kaffee, dunkle Schokolade und auch einen Hauch roter Früchte.

Der Antrunk ist süß und ohne die reichlich vorhandene sehr feinperlige Kohlensäure würde ich hier die Kostprobe abbrechen. Schnell kommen etwas Säure sowie ein leichtes Bitter dazu, was zusammen mit dem leicht schokoladigen Geschmack durchaus einen runden Geschmack erzeugt. Im Abgang kommen zunächst die Kaffeenoten zum Vorschein, die im recht langen Nachklang aber durch den Geschmack von Kakao abgelöst werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Glukosesirup, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Bittereinheiten:

38 IBU

Brauerei:

Bierbrouwerij de Koningshoeven B.V,
Eindhovenseweg 3
5056 RP.Berkel-Enschot
Niederlande
www.latrappetrappist.com

Waldhaus Hell

Wieder einmal steht ein hochdekoriertes Bier vor mir, das Waldhaus Hell aus dem Schwarzwald. In diesem Jahr wurde es bei 1001Degustations in Limas, Frankreich, mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Das ist aber lediglich ein Preis in einer langen Reihe. Seit 2015 heimste das Bier insgesamt 15 Preise ein, unter anderem zweimal Gold beim Meiningers International Craft Beer Award. Dann kann das Bier doch eigentlich nur gut sein, oder?

Hellgolden und glänzend ist das Waldhaus Hell, darüber eine durchschnittliche Menge feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik ist makellos, wenn auch unspektakulär.

Das Aroma ist malzbetont, aber neben den getreidigen Geschmack des Malzes sind deutlich auch würzige und blumige Hopfennoten zu riechen.

Der Antrunk ist leicht süß und spritzig, dabei frisch. Die Frische bleibt auch erhalten, als ein leichtes Bitter dazukommt, so dass das Bier vollmundig und rund wird, dabei aber auch sehr süffig ist. Der Abgang ist nur wenig bitter. Trotzdem klingt er lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Naturhopfendolden

Alkoholgehalt:

4,6 % Vol.

Brauerei:

Privatbrauerei Waldhaus
79809 Waldhaus
www.waldhaus-bier.com

Orval

Das Orval ist ein Trappistenbier, das in der Zisterzienserabtei Notre-Dame d’Orval gebraut wird. Die Herstellung dieses Bieres ist aufwändiger als bei den meisten anderen Bieren.

Ungewöhnlich ist schon einmal das Schroten, das im Nassmahlverfahren geschieht. Dabei wird während des Schrotens auf 65° Celsius erhitztes Wasser zugeführt und die Maische wird direkt in den Läuterbottich gepumpt. Die Erhöhung der Temperatur geschieht durch Zubrühen von heißem Wasser. Die obergärige Hauptgärung dauert vier bis fünf Tage. Bei der anschließenden Nachgärung wird ein Verschnitt aus zehn Hefestämmen verwendet, der vorwiegend aus Brettanomyces besteht. Brettanomyces ist ein Hefestamm, den die meisten Brauer meiden wie der Teufel das Weihwasser. Ausnahmen sind die Produzenten von Sauerbier, beispielsweise von Geuze oder Gose. Bei den weitaus meisten Bierstilen gilt Brettanomyces als Kontamination. Während der Lagerung wird das Bier mit Doldenhopfen gestopft. Nachdem die Hefe per Zentrifuge entfernt wurde wird das Bier erneut mit flüssigem Kandiszucker gespeist und es wird für die Flaschengärung neue Hefe zugegeben. Für die Flaschengärung werden die Flaschen zwei bis drei Wochen bei einer konstanten Temperatur von 15° Celsius gelagert. Bei der Auslieferung beträgt der Alkoholgehalt etwa 6,2 % Vol., durch die Flaschengärung kann er noch um etwa ein Volumenprozent steigen.

Das Orval lässt sich nicht beschreiben. Da die Reifung in der Flasche fortschreitet, ändert sich der der Geschmack grundlegend. In Wikipedia wird die Geschmacksänderung während der Flaschenreifung so beschrieben: „. Während das Bier beim Verlassen der Brauerei frisch und hopfig ist, entwickelt sich bei weiterer Lagerung ein komplexes Aromenprofil. Die durch Brettanomyces gebildeten Phenole und Ester treten nach sechs Monaten hervor.[3] Orval hat, nach der Beschreibung des Bierkritikers Michael Jackson, „[…] ein erdiges, lederig-öliges Aroma, in dem manche Degustatoren Salbei entdecken, und intensiv herben, säuerlichen Geschmack.“ (Michael Jackson: Michael Jackson: Bier International. 2. Aufl., Bern 1999, ISBN 978-3444105401, S. 136.) Von anderen Trappistenbieren unterscheidet es sich insbesondere in seiner Trockenheit.“ Damit Sie den Reifegrad des Bieres einschätzen können, hier noch der Hinweis, dass die Brauerei dem Orval eine Mindesthaltbarkeit von fünf Jahren gibt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Hallertauer, Styrian Goldings, Strisselspalt), Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol. – 7,2 % Vol.

Stammwürze:

14° Plato

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Abbaye d’Orval
Orval Nr. 1
6823 Villers-devant-Orval
Belgien
www.orval.be

Zwönitzer – Rauchbier

Rauchbier ist eigentlich eine Spezialität aus Bamberg, aber jetzt steht ein Rauchbier aus Sachsen vor mir. Der wenig schmuckvolle Name lautet Zwönitzer Rauchbier. Na, dann wollen wir mal testen, ob auch die Brauer im Osten unserer Republik in der Lage sind, ein gutes Rauchbier herzustellen.

Rubinrot und mit lebhafter Kohlensäure präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine mittlere Menge feinporiger Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Im Aroma vermisse ich schon mal den Rauch. Stattdessen rieche ich Karamell, Trockenfrüchte und ich ahne den Duft von Gewürznelken. Dazu ist das Aroma süßlich, was zumindest für fränkische Rauchbiere untypisch wäre. Aber hier haben wir ja ein Bier aus Sachsen.

Der Antrunk ist überraschend frisch und die Kohlensäure stellt sich als sehr feinperlig heraus. Der Körper ist sehr mild, ich schmecke eine leichte Bittere. Nach dem angenehmen Antrunk bin ich jetzt fast etwas enttäuscht. Im Abgang schmecke ich erstmals eine deutliche Rauchnote, die gut mit den vorhandenen Bitterstoffen harmoniert. Der Geschmack bleibt lange erhalten.

Wer dieses Bier mit den Rauchbieren aus der Gegend um Bamberg vergleicht, wird eventuell enttäuscht sein. Dieser Vergleich ist aber auch unfair. Dieses Bier kommt halt aus Sachsen. Die Sachsen sind ein anderes Völkchen als die Franken und haben andere Biere.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Münchner Malz, Rauchmalz, Caramalz), Hopfen (Southern Cross, Tettnanger), Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Zwönitz
08297 Zwönitz/Erzgebirge
http://www.brauerei-zwoenitz.de

BierSelect

Riegele – Noctus 100

Das Bier, das jetzt aus der Braumanufaktur Riegele vor mir steht, wurde erstmals als Geschenk für Katharina die Große am Hof des russischen Zaren gebraut. Die Zahl 100 im Namen steht für 100 Dunkeleinheiten, was bedeutet, dass das Bier tiefschwarz ist. Bei dieser Geschichte darf ich mich wohl auf ein ganz besonderes Bier freuen.

Und tatsächlich, das Bier ist blickdicht schwarz. Selbst als ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert absolut nichts durch. Über dem Bier steht eine durchschnittliche Menge feinporiger brauner Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Die Optik ist schon mal königlich.

Betörend ist auch das Aroma. Düfte nach Bitterschokolade und Kaffee steigen mir in die Nase. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, was aber gut mit der gut dosierten und sehr feinperligen Kohlensäure harmonisiert. Aber erst als sich das Bier auf der Zunge verteilt lässt es seine Muskeln richtig spielen. Es ist wuchtig und schwer, wobei der Geschmack nach Schokolade dominiert. Dazu kommt eine leichte Säure die das Noctus 100 gut abrundet. Insgesamt ist der Geschmack sehr stimmig. Der Abgang ist freundlich bitter und er klingt sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Chocolate, Dark Chocolate, Steffi, Münchner Malz, Amber Malz), Weizenmalz, Haferflocken, geröstete Gerste, Hopfen (First Gold, Golding), Hefe (Irische Ale Hefe)

Alkoholgehalt:

10 % Vol.

Brauerei:

Brauerei S.Riegele
Inh. Riegele KG
Frölichstraße 26
86150 Augsburg
www.riegele.de

Gouden Carolus Christmas

Weihnachtsbiere sind meist dunkle Biere mit einem hohen Alkoholgehalt und intensivem Geschmack. Manchmal frage ich mich aber auch, was diese Biere mit Weihnachten zu tun haben. Meist handelt es sich um etwas kräftigeres Bockbier. Bei diesem Bier ist es anders. Das liegt nicht nur am stimmungsvollen Etikett, sondern ganz besonders am Inhalt der Flasche.

Es handelt sich zunächst einmal um ein typisches belgisches Dark Ale. Und auch als Weihnachtsbier hat das Gouden Carolus Christmas eine lange Tradition, auch wenn diese Tradition 38 Jahre lang unterbrochen war. Aber seit dem Jahr 2002 wird es wieder gebraut. Das Brauen beginnt bereits im August, das Bier wird mehrere Wochen gelagert, bevor es mehrere Monate lang ruht, um zu seinem endgültigen Geschmack zu kommen. Dabei wird ausschließlich belgischer Hopfen verwendet, wodurch das Gouden Carolus Christmas zu einem echt belgischen Produkt wird. Zusätzlich werden noch sechs weihnachtliche Gewürze beigegeben; welche das sind und in welchem Mischungsverhältnis sie verwendet werden, ist Betriebsgeheimnis der Brauerei. Der Onlineshop Bierlinie hat aber nachgeforscht und vermutet, dass es sich um Muskat, Anis, Koriander, Nelken, Ingwer und Orangenschale handelt. Glauben wir es einfach mal und machen wir jetzt endlich das Bier auf.

Schwarz ist das Gouden Carolus Christmas, nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert es rubinrot. Es bildet sich eine sehr große Menge hell-haselnussbrauner Schaum, der auch sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier also schon mal einen hervorragenden Eindruck. Aber bereits beim Einschenken steigt mir der Duft dieser Spezialität in die Nase…

Wirklich fruchtig duftet das Bier, Ich rieche Südfruchte, genauer gesagt Ananas und Mango. Dazu kommen Düfte nach Waldhonig, Rosinen und weihnachtlichen Gewürzen. Sicherlich umfasst das komplexe Aroma noch weitere Duftnoten, aber da ich derzeit einen leichten Schnupfen habe, kann ich keine weiteren Düfte feststellen.

Der Antrunk ist süß. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, leider ist aber nur recht wenig Kohlensäure vorhanden. Schnell breitet sich der weihnachtliche Geschmack im Mund aus. Rosinen, Apfel und Orangenschale kann ich feststellen. Dabei erinnert der Geschmack an einen guten Likör. Süße und Säure halten sich perfekt die Waage. Aber die Gewürze prägen den Geschmack. Das Bier schmeckt – weihnachtlich. Da muss ich mir doch gleich einen Elisenlebkuchen dazuholen. Ja, das passt perfekt zusammen. Der Abgang ist sehr mild und wenig bitter und er bringt noch eine leichte pfefferige Note mit.

Dieses Bier passt nicht nur zu Lebkuchen und anderem weihnachtlichen Gebäck, sondern es dürfte auch gut zum Weihnachtsessen passen, beispielsweise zu einer Gans oder zu Wildgerichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Stammwürze:

22° Plato

Bittereinheiten:

11 IBU

Brauerei:

Brouwerij Het Anker
Guido Gezellelaan 49
2800 Mechelen
Belgien
www.hetanker.be

Veto Schokobär

Nach längerer Zeit habe ich jetzt wieder ein Bier aus Franken vor mir stehen. Von den fränkischen Bieren bin ich bereits verwöhnt. Bekanntlich hat Franken die höchste Brauereidichte Deutschlands und die vielen kleinen Brauereien geben sich wirklich Mühe, individuelle Biere zu kreieren. Aber diesmal erwarte ich etwas ganz Besonderes. Dass dunkle Biere einen Duft nach Schokolade aufweisen ist häufig. Aber wenn ein Bier schon Schokobär heißt und keine Schokolade verbraut wurde (was das Reinheitsgebot verbietet), dann muss es schon etwas sehr Spezielles sein.

Tiefschwarz und blickdicht ist das Bier. Darüber recht viel haselnussbrauner feinporig-cremiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Wow, dieses Bier scheint meine Erwartungen erfüllen zu wollen.

Das Aroma wird durch die Röststoffe des Malzes bestimmt. Deutlich ist der Duft von Schokolade vorhanden, dazu ist er leicht süßlich. Dieses Bier verspricht spannend zu werden.

Der Antrunk ist weniger süß als ich erwartet habe. Dazu kommt eine sehr feinperlige Kohlensäure, wodurch das Bier eine frische Note bekommt. Der Körper ist dann genauso intensiv wie die Farbe. Wie der Name bereits suggeriert hat, schmecke ich Bitterschokolade und Espresso. Ich bin jetzt bereits von diesem Bier begeistert, aber wirklich überraschend ist der Abgang. Die Bitternote kommt stärker durch. Dazu ein leicht angebrannter Geschmack, der aber vermutlich gewollt ist. Anfangs ist der Geschmack sehr intensiv, die Intensität lässt aber schnell nach. Wenn er relativ schwach geworden ist, hält er aber noch lange an.

Genauso überraschend wie das Bier ist auch die Verzehrempfehlung der Brauerei: „Kühlschrank-kalt öffnen und erleben, wie sich mit steigender Temperatur die Espresso-Note in zartbittere Schokolade verwandelt.“ Das habe ich erst nach der Verkostung gelesen, aber wenn ich das Bier das nächste Mal sehe, werde ich mir sicher wieder eine Flasche mitnehmen und testen, ob sich der Geschmack wirklich mit steigender Temperatur signifikant verändert. Diesem Bier traue ich fast alles zu.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Münchner Malz, Wiener Malz, Caramelmalz, Röstmalz), Weizenmalz, Gerstenflocken, Haferflocken, Hopfen (Willamette, Hallertauer Mittelfrüh), Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Stammwürze:

16,9° Plato

Bittereinheiten:

20 IBU

Brauerei:

Hopferei Hertrich
90537 Feucht b. Nürnberg
http://www.hopferei.de

Vedett – Extra Blond

Das Vedett, das jetzt vor mir steht, kommt ganz unaufgeregt daher. Es handelt sich um ein Lager aus der Brouwerij Duvel im flämischen Teil von Belgien. Weder auf den Etiketten der Flasche noch auf der Internetseite der Brauerei finden sich mehr Informationen über das Bier als unbedingt erforderlich. Auch dass das Vedett im Internet als Premium Lager bezeichnet wird, hat keine inhaltliche Bedeutung, da der Begriff Premium weder hier noch in Belgien geschützt ist. Auch das „Extra“ in der Stilbezeichnung sollten wir nicht überbewerten, dieses Wort hat die Brauerei bei allen Bieren dieser Marke eingefügt. Mir fällt lediglich auf der Website auf, dass die Brauerei das Extra Blond einmal als Premium Lager und einmal als Premium Pilsner bewirbt. Wissen die Texter in der Brauerei wirklich nicht, für was für ein Bier Werbung gemacht werden soll? Das macht mich dann schon etwas stutzig. Jetzt ist es aber genug der Theorie und ich will mich dem Bier zuwenden.

In hellem Goldgelb erstrahlt das Bier. Es enthält viel Kohlensäure und bildet leicht überdurchschnittlich viel feinporigen Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist kräftig hopfig. Offensichtlich hat die Brauerei nicht am Bitterhopfen gespart, andere Aromen sind aber leider Mangelware. Der gute Eindruck der Optik schwindet bereits vor dem ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, dabei aber durchaus frisch und spritzig. Schnell kommen einige Bitterstoffe dazu. Trotzdem wirkt das Bier nicht wirklich rund, ist aber doch einigermaßen süffig. Der Abgang ist überraschend mild mit wenig Bitter und er klingt nur kurz nach.

Das Vedett Extra Blond ist ein freundliches Bier, das man sich gut gekühlt hinter die Binde kippen kann, aber ein echter Genuss ist es nicht. Es kommt leider über die Qualität eines Fernsehbieres nicht hinaus.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Saaz-Saaz, Styrian Golding, Hallertau Magnum)

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Brauerei:

Duvel Moortgat Belgium
Breendonkdorp 58
2870 Puurs
Belgien
www.vedett.com