Archiv des Autors: Mathias

Brasserie Bocq – Tete de Mort X-MAS

Tête de Mort – X-MAS braut die Brasserie du Bocq in Purnode aus Namur in der Wallonie als ein klassisches belgisches Winter-/Weihnachtsbier. Es handelt sich um ein kräftiges, obergäriges Bier mit 8,1 % Alkohol, das speziell für die kalte Jahreszeit und festliche Anlässe gebraut wird und jetzt für eine Verkostung vor mir steht.

Das X-MAS präsentiert sich dunkelbraun und gefiltert im Glas mit einer feinporigen, weißen Schaumkrone, die lange erhalten bleibt – ein typisches Erscheinungsbild für saisonale Winterbiere.

In der Nase öffnen sich reichhaltige Aromen, in denen süße Malznoten auf Gewürznuancen wie Koriander und Süßholz (Lakritz) treffen; dazu gesellen sich Noten von dunklem Karamell.

Der Antrunk ist stiltypisch süß mit einer feinperligen aber kräftigen Kohlensäure. Vom ersten Moment an erinnert die Süße an Melasse. Auf der Zunge gesellt sich zur Süße das Aroma von Trockenfrüchten, das an getrocknete Pflaumen erinnert. Das Mundgefühl ist samtig und voll. In der Kehle ist das Bier sehr mild.

Das Bier macht seinem Stil – einem Weihnachtsbier – alle Ehre. Es passt hervorragend zu winterlichen und herzhaften Speisen wie geschmortem Fleisch, Wildgerichten oder kräftigen Käseplatten – ideal für gemütliche Abende im Kreise von Familie und Freunden in der festlichen Jahreszeit.

Alkoholgehalt:

8,1 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brasserie Bocq
Rue de la Brasserie
4530 Purnode
Belgien
www.bocq.be

Orca Brau – Kellerbier

Ein Kellerbier ist ursprünglich ein unfiltriertes, naturtrübes Hellbier, das noch im Holz- oder Edelstahltank „kellernd“ reift. Klassisch ist der Stil vor allem in Franken und Bayern verbreitet. Charakteristisch sind eine natürliche Trübung, ein weiches und rundes Mundgefühl, eine leicht malzige Süße im Zusammenspiel mit mild-herbe. Hopfennoten sowie ein eher moderater Alkoholgehalt. An diesen Eigenschaften muss sich auch das Kellerbier von orca brau in Nürnberg messen lassen.

Orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die weiße feinporige Schaumkrone ist eher klein, bleibt aber lange erhalten. Optisch geht das Bier in Ordnung.

Das Bier duftet angenehm nach Karamell und frischem Brot, abgerundet durch rote Früchte wie Erdbeeren und einige florale Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine fruchtige Süße sowie eine kräftige Karbonisierung aus. Auf der Zunge bleibt die Fruchtigkeit im Mittelpunkt und jetzt ist das Bier weniger süß als erwartet. Dazu kommt eine zurückhaltende Bittere, die gemeinsam mit den anderen Aromen für ein weiches Mundgefühl sorgt. In der Kehle legt die Bittere zu, bleibt aber moderat. Trotzdem klingt der Geschmack lange nach.

Das Orca Kellerbier lässt sich mit verschiedenen Gerichten kombinieren, beispielsweise mit gegrilltem Fleisch oder Würstchen, mit Würstchen oder Grillgemüse.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Saphir), Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Europäischer Biermarkt: Produktion, Konsum und Export weiter rückläufig

Der europäische Biermarkt steht weiterhin unter Druck: Laut dem aktuellen „European Beer Trends Report 2025“ von The Brewers of Europe verzeichnen Produktion, Konsum und Export bereits das fünfte Jahr in Folge Rückgänge. Besonders der Verkauf in Kneipen, Cafés und Restaurants, der früher ein Drittel des europäischen Bierkonsums ausmachte, ist inzwischen auf etwa ein Viertel gesunken. Dieser Bereich generiert jedoch den größten Teil der Wertschöpfung der Branche und sichert Hunderttausende von Arbeitsplätzen in kleinen und mittleren Betrieben sowie in der Gastronomie. Ein schwacher Gastronomiesektor wirkt sich daher auf die gesamte Wertschöpfungskette aus – von Landwirten über Bierfestivals bis hin zum Tourismus.

Nach Jahren des stetigen Wachstums hat sich die Zahl der aktiven Brauereien in der EU nun bei rund 9.700 eingependelt. Christian Weber, Präsident von The Brewers of Europe, betont, dass der aktuelle Abschwung mehr als ein vorübergehender Einbruch sei: „Die Verbraucher haben das Vertrauen verloren und geben weniger aus. Die Brauereien sehen sich mit steigenden Kosten, strengeren Vorschriften und zunehmendem Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette konfrontiert.“

Die Bierproduktion in der EU sank von 367 Millionen Hektolitern im Jahr 2019 auf 345 Millionen Hektoliter 2024, und die vorliegenden Zahlen für das Jahr 2025 deuten auf einen weiteren Rückgang hin. Auch die Exporte, einst ein stabilisierender Faktor, sind zum zweiten Mal in Folge gesunken. Hauptursachen sind Inflation, hohe Inputkosten, globale Transportstörungen und klimabedingter Druck auf Rohstoffe. Zudem wirkt sich ein geringes Verbrauchervertrauen auf Produkte aus, die eng mit gesellschaftlichen Anlässen und Gastronomie verbunden sind.

Trotz dieser Herausforderungen setzt der Sektor auf Innovation: Alkoholfreie Biere sind das am schnellsten wachsende Segment und konnten in fünf Jahren um 25 % zulegen, mittlerweile machen sie 7,5 % des Bierkonsums in der EU aus. Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, unterstreicht die Bedeutung eines klaren regulatorischen Rahmens: „Die Brauereien setzen sich für Nachhaltigkeit, Mäßigung und kulturelle Werte ein. Aber jetzt ist es an der Zeit für klare Unterstützung – und nicht für unverhältnismäßige oder kontraproduktive Regulierung.“

Der Bericht wurde kürzlich auf der 12. jährlichen Veranstaltung „Beer Serves Europe“ in Brüssel vorgestellt, an der Brauer, Partner der Lieferkette, politische Entscheidungsträger und Gäste aus EU-Institutionen teilnahmen.

Cardeña – Cardeña Dubbel

Die Abtei San Pedro de Cardeña liegt rund zehn Kilometer südöstlich von Burgos und zählt zu den geschichtsträchtigsten Klosteranlagen Spaniens. Mehrere Quellen datieren ihre Gründung auf das Jahr 534. Sollte diese Annahme zutreffen, wäre San Pedro de Cardeña das älteste Benediktinerkloster des Landes. Schon allein diese Zahl macht deutlich, dass hier nicht nur religiöse, sondern auch kulturelle Geschichte von außergewöhnlicher Tiefe verwurzelt ist.

Die Jahrhunderte gingen jedoch nicht spurlos an dem Kloster vorbei. Besonders tragisch ist der 6. August 1603, an dem rund 200 Mönche bei einem Überfall ermordet wurden. Ihnen zu Ehren wurde noch im selben Jahr ein Altar für die heiligen Märtyrer errichtet. Bis heute wird dieses Ereignisses jährlich gedacht – ein stilles Mahnmal für die Gewalt, die selbst abgeschiedene Orte des Glaubens erreichen kann. Im 19. Jahrhundert traf die Abtei ein weiterer schwerer Einschnitt. 1836 wurde sie im Zuge der Säkularisation aufgegeben und stand über ein Jahrhundert leer. Während des Spanischen Bürgerkriegs erlebte das Kloster ein besonders dunkles Kapitel: Von 1936 bis 1939 wurde die Anlage als Konzentrationslager missbraucht. Erst nach dem Krieg begann langsam ein neuer Abschnitt.

1942 kehrte das monastische Leben zurück. Zisterziensermönche aus Dueñas bezogen das verfallene Kloster und begannen mit der Restaurierung der Gebäude. 1948 wurde San Pedro de Cardeña offiziell zur Abtei erhoben. Seit 2014 gehören die Mönche zudem der Internationalen Trappistenvereinigung an und sind damit Teil jener Gemeinschaft, die weltweit für eine besondere Verbindung aus Handwerk, Spiritualität und Selbstversorgung steht.

Innerhalb der Klostermauern entstehen bis heute verschiedene Produkte: Bier, Wein, Likör und Käse gehören ebenso dazu wie handgefertigte Keramik aus der klostereigenen Töpferwerkstatt. 2014 erschien mit dem Cardeña Tripel das erste spanische Trappistenbier auf dem Markt. Gebraut wird es allerdings nicht im Kloster selbst, sondern bei der Madrider Brauerei Fábrica de Cervezas MarPal. Aus diesem Grund trägt es auch nicht das ATP-Logo der Trappistenbiere. Langfristig ist jedoch geplant, die Bierproduktion direkt in die Abtei zu holen.

Neben dem Tripel gibt es mit dem Cardeña Dubbel ein weiteres Bier nach klassisch belgischem Vorbild. Es handelt sich um ein obergäriges, dunkles Starkbier, das mit Flaschengärung abgefüllt wird. Damit folgt es stilistisch der traditionellen Klosterbierlinie und verbindet historische Braukultur mit der besonderen Geschichte eines Ortes, der über anderthalb Jahrtausende spanischer Vergangenheit in sich trägt. Dieses Dubbel steht jetzt vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Blickdicht schwarz steht das Bier im Glas. Gegen das Licht schimmern rötliche Reflexe durch. Der beigefarbene Schaum baut sich feinporig auf, bleibt stabil und hinterlässt beim Trinken zarte Schlieren am Glas.

In der Nase präsentiert sich das Dubbel vielschichtig, ohne laut zu sein. Noten von dunklem Karamell, Rosinen und getrockneten Pflaumen stehen im Vordergrund. Dazu gesellen sich Anklänge von Karamell, etwas Brotkruste und eine dezente Würze, die an Nelke und einen Hauch Lakritz erinnert. Alkohol ist wahrnehmbar, aber gut eingebunden und eher wärmend als dominant.

Der Antrunk ist weich und vermittelt den Eindruck eines süßen Espresso. Dabei sorgt die sehr feinperlige Kohlensäure für eine angenehme Frische. Schnell entfalten sich Aromen von Karamell, dunklem Toffee und reifer Banane. Auf der Zunge kommen Trockenfrüchte hinzu, begleitet von einer milden, brotigen Malzbasis. Die Bittere hält sich bewusst im Hintergrund und sorgt lediglich für Balance, ohne den malzigen Charakter zu stören. Die Süße bleibt präsent, geht aber nie ins Klebrige über. Eine leichte Würzigkeit der Hefe sorgt für Tiefe und erinnert daran, dass es sich um ein obergäriges Starkbier nach belgischem Vorbild handelt. Der Alkohol trägt die Aromen, ohne hervorzustechen, und verleiht dem Bier eine angenehme Wärme. Der Abgang ist recht mild, aber die Bittere und das Espressoaroma klingen sehr lange nach.

Das Cardeña Dubbel ist kein Bier für Eile. Er passt gut zu ruhigen Abenden, zu kräftigen Käsesorten und Schmorgerichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Lugar San Pedro Cardeña
Castrillo del Val, 09193
Spanien
www.monasteriosanpedrodecardena.com

American Pale Ale – das Bier, das alles ins Rollen brachte

Das American Pale Ale ist der Ursprung der modernen Craft-Beer-Bewegung. Es verbindet fruchtige Hopfenaromen mit einer schlanken, ausgewogenen Malzbasis und hoher Trinkbarkeit. Weniger extrem als ein IPA, aber deutlich aromatischer als klassische Lagerbiere – ein Stil mit Haltung, aber ohne Lautstärke. Dieser Bierstil entstand in den 1970er-Jahren in den USA, als kleine Brauereien begannen, sich bewusst von der industriellen Bierlandschaft abzusetzen. Als Geburtsstunde gilt das Jahr 1975, als Fritz Maytag von der Anchor Brewing Company mit dem Liberty Ale ein helles Ale mit amerikanischem Cascade-Hopfen braute.

In den folgenden Jahren griffen weitere Pionierbrauereien wie New Albion Brewing und später Sierra Nevada die Idee auf. Spätestens mit dem Sierra Nevada Pale Ale ab 1980 wurde der Stil populär – und legte den Grundstein für hopfenbetonte Biere amerikanischer Prägung. Ohne das APA hätte es die heutigen IPAs in dieser Form vermutlich nie gegeben.

Die stiltypischen Merkmale

American Pale Ales sind hopfenbetont, aber bewusst ausgewogen. Der Hopfen steht im Vordergrund, ohne die Malzbasis zu überfahren. Ziel ist kein sensorisches Extrem, sondern ein harmonisches, gut trinkbares Bier.

Typisch sind fruchtige Hopfenaromen wie Zitrus, Grapefruit, Steinobst oder florale Noten zusammen mit einer zurückhaltenden, leicht süßlichen Malzbasis mit Brot- oder Karamellanklängen sowie einer moderaten Bitteren mit trockenem, sauberem Abgang. Insgesamt Zeichnet sich das APA durch eine hohe Frische und sehr gute Trinkbarkeit aus.

Charakterprägend sind amerikanische Aromahopfen. Klassisch ist Cascade, doch auch moderne Sorten aus den USA, Australien oder Neuseeland sind üblich. Entscheidend ist nicht die Herkunft, sondern das fruchtige Aromaprofil.

Die Schüttung basiert überwiegend auf Pale Ale Malz. Kleine Mengen Karamell- oder Biscuitmalz

Die Werte des APS nach BJCP

Alkohol: 4,5–6,2 % Vol.

Bittere: 30–50 IBU

Farbe: 12–25 EBC

Stammwürze: 11,7–15,6 °P

Die Übergänge zu verwandten Stilen wie American Amber Ale, English Pale Ale oder American IPA sind fließend. Im Vergleich zum English Pale Ale ist das APA fruchtiger, weniger malzig und weniger esterbetont. Gegenüber dem American IPA ist es moderater in Bittere, Alkohol und Aromaintensität. Im Vergleich zum Session IPA wirkt es runder, ausgewogener und weniger hopfenlastig.

orca brau – C’est La Vie

Die Orca Brau GmbH aus Nürnberg steht für Vielfalt und experimentelle Braukunst. Auf einer kleinen 10-Hektoliter-Anlage entstehen sowohl traditionelle als auch moderne Bierstile – vom Kellerbier über Pale Ale bis zu kreativen Spezialitäten wie das C’est La Vie, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Orca versteht sich als Teil der lebendigen deutschen Craft-Szene, die klassische Bierstile hinterfragt und neue Geschmackserlebnisse sucht. Dabei entstehen bei den Nürnbergern innovative Biere, von denen mich noch keines enttäuscht hat. Mal sehen, ob das beim C’est La Vie auch der Fall ist. Das Bier ist aus einer Zusammenarbeit von Orca Brau mit der Kaffeewerkstatt Kucha entstanden.

Orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. So schön wie die Farbe auch ist, so schnell fällt der Schaum in sich zusammen. Ich vermute, dass das daran liegt, dass das Bier ohne Hopfen gebraut wurde, sondern dass alle Bitterstoffe vom Kaffee stammen.

Düfte nach Karamell und Banane steigen mir in die Nase, aber über allem liegt das Aroma des Kaffees.

Der Antrunk ist recht süß und besticht durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Das Aroma des Kaffees ist bereits auf der Zungenspitze präsent. Auf der Zunge gesellt sich zum Kaffeearoma der Geschmack nach Karamell. Während die Süße erhalten bleibt, fehlt mir die Bittere. Die 7,5 Volumenprozent Alkohol sind sehr gut eingearbeitet, so dass der Alkohol nicht hervorschmeckt, sondern die anderen Aromen unterstützt. Mit der Zeit wird der Geschmack der Vanille kräftiger, so dass das Bier in der Kehle beinahe wie Vanilleeis schmeckt, und obwohl weiterhin die Bittere fehlt, klingt der Geschmack überraschend lange nach.

Der Craftbeer-Shop zieht für das Bier folgendes Fazit: „C’est La Vie ist kein klassisches Alltagsbier: Es eignet sich hervorragend als After-Dinner-Beer, zum gemütlichen Serienabend oder als überraschender Abschluss eines Menüs. Sein cremiger Charakter und die Dessert- Assoziationen machen es zu einem Bier, das man langsam genießt und zu dem man bewusst zurückkehrt.“

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Kaffee und Vanille

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Brasserie de Blaugries

Die Brasserie de Blaugies liegt im kleinen Dorf Blaugies nahe der französischen Grenze in der Provinz Hennegau, also im deutschsprachigen Teil Belgiens. Gegründet wurde sie 1988 von Jean-Pierre und Daniel Blaugies, zwei Cousins, die sich bewusst der traditionellen belgischen Braukunst verschrieben haben. Bis heute ist die Brauerei ein Familienbetrieb geblieben, der nur eine kleine, aber sehr charakterstarke Bierpalette braut.

Typisch für Blaugies sind unfiltrierte Biere mit Flaschengärung, eine ausgeprägte Hefecharakteristik und ein klarer Fokus auf historische Stile wie Saison und Farmhouse Ale. Die Biere gelten als ehrlich, handwerklich und kompromisslos – Eigenschaften, die auch La Moneuse widerspiegeln soll.

Der Name La Moneuse geht auf Antoine Joseph Moneuse zurück, einen berüchtigten Räuber des 18. Jahrhunderts, der in der Region lebte und zur Familiengeschichte der Brauer gehört. Schon der Name macht klar: Hier geht es nicht um gefällige Massenware, sondern um Charakter. Ob das Bier diesem Anspruch auch genügen kann, will ich jetzt feststellen.

Da La Moneuse ist ein Saison. “Saison” bedeutet auf Französisch „Saisonbier“ – ein historischer Bierstil, der in den Bauernhöfen Walloniens entstand. Diese Biere wurden traditionell im Winter gebraut, um sie im Sommer den Feldarbeitern als erfrischende Stärkung zu servieren.

Golden mit einem Stich ins orangefarbene und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die gemischtporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. So muss ein Saison aussehen.

Das Bier duftet nach Biskuit und belgischer Hefe, nach Karamell und gelben Früchten, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine lebendige feinperlige Kohlensäure aus. Eventuell hätte ich das Bier noch etwas länger lagern sollen. Vermutlich wäre es dann noch trockener geworden. Aber jetzt bleibt die Süße auch auf der Zunge erhalten. Das Verhältnis der Bitteren und der fruchtigen Säure ist gut ausgewogen und das Mundgefühl ist angenehm weich. In der Kehle wird das Bier trockener und es dominiert eine freundliche und nicht allzu kräftige Bittere, die aber trotzdem sehr lange nachklingt.

Während ich die Flasche langsam leere, wird auch das Bier etwas wärmer und im gleichen Maße zeigt das La Moneuse mehr Tiefe: Kräuter, leichte Honignoten und eine tolle pfeffrige Würze kommen jetzt zum Vorschein..

Trotz des Alkoholgehalts wirkt das Bier nie schwer oder alkoholisch. Genau hier zeigt sich die große Stärke von La Moneuse: Kraft ohne Schwere.

Zu diesem Bier passen hervorragend alter Käse, kräftig gewürzte Würste, Steak oder Eintöpfe. Das La Moneuse ist ein Bier mit Ecken, Kanten und Geschichte – und genau deshalb so faszinierend.

Alkoholgehalt:

8 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Brasserie de Blaugies
Rue De La Frontière 435
7370 Dour
Belgien
www.brasseriedeblaugies.com

Italiens beste Weihnachtsbiere: Christmas Beers 2025 gekürt

Weihnachtsbiere haben eine ganz besondere Aufgabe: Sie sollen Wärme und Vertrautheit vermitteln, nach Gewürzen und Süßigkeiten duften und den Geist der Feiertage in flüssiger Form einfangen. Genau diesen Anspruch hat auch in diesem Jahr wieder Unionbirrai, der Verband kleiner, unabhängiger Craft-Brauereien Italiens, mit der fünften Ausgabe von Christmas Beers gefeiert – dem Weihnachtswettbewerb im Rahmen von Birra dell’Anno (Bier des Jahres).

Der Sieger: Christmas Crumble aus der Lombardei

Den ersten Platz sicherte sich Christmas Crumble der Lariano Brewery aus Sirone in der Lombardei. Das Bier überzeugte die Jury durch seine Balance, seine aromatische Tiefe und die Fähigkeit, den Weihnachtsgedanken besonders eindrucksvoll ins Glas zu bringen. Komplex, harmonisch und dennoch zugänglich – so präsentierte sich der verdiente Gewinner.

Silber und Bronze: Marche und Apulien auf dem Podium

Die Silbermedaille ging an Guastafeste, eine weihnachtliche Interpretation der Brauerei Fam. Mukkeller aus Porto Sant’Elpidio in den Marken. Den dritten Platz belegte Primatia von Birranova aus Triggianello in Apulien – der scheidende Sieger des Wettbewerbs, der auch in diesem Jahr wieder überzeugen konnte.

Besondere Erwähnungen für Kreativität und Thementreue

Zwei weitere Biere wurden von der Jury mit einer besonderen Erwähnung ausgezeichnet:

  • Caput Mundi vom Birrificio dei Castelli aus Arcevia
  • Santo Stefano vom Birrificio Agricolo Pagus aus Darfo Boario Terme

Beide Biere stachen durch ihre Originalität und ihre konsequente Ausrichtung auf das Weihnachtsthema hervor.

Was italienische Weihnachtsbiere auszeichnet

Laut Simone Monetti, Generalsekretär von Unionbirrai, lassen sich italienische Weihnachtsbiere weniger über einen festen Stil als über gemeinsame Eigenschaften definieren:

„Italienische Weihnachtsbiere erinnern an den Reichtum und Überfluss der Feiertage, mit Anklängen an typische Weihnachtssüßigkeiten. Es handelt sich meist um limitierte Auflagen, oft vollmundig, würzig, bernsteinfarben oder dunkel, mit einem komplexen aromatischen Profil.“

Damit sind sie bewusst außerhalb klassischer Bierstilkategorien angesiedelt und leben von Kreativität, Emotion und Individualität.

Mehr als Bier: Flüssige Weihnachtsgeschichten

Christmas Beers ist für Unionbirrai mehr als ein Wettbewerb. Monetti betont den kulturellen und symbolischen Wert dieser Spezialitäten:

„Mit BdA XMAS Beers wollen wir die Fähigkeit italienischer Craft-Brauer fördern, jedes Bier in eine Geschichte zu verwandeln – in eine Emotion, die man während der Feiertage erlebt. Diese Biere sind nicht nur zum Probieren da: Sie sind Erfahrungen, die verschenkt, geteilt und erinnert werden.“

Die finalen Verkostungen fanden blind und nach den strengen Richtlinien von Unionbirrai statt. Eine Expertenjury bewertete die Biere anhand ihres sensorischen Profils, ihrer Originalität und ihrer Fähigkeit, den Weihnachtsgeist glaubwürdig zu transportieren.

Italiens Weihnachtsbiere zeigen eindrucksvoll, wie vielseitig und emotional Craft Beer sein kann. Ob würzig, malzig, komplex oder verspielt – sie erzählen Geschichten von Festtagen, Gemeinschaft und Genuss. Der Wettbewerb Christmas Beers macht deutlich: Weihnachtsbier ist kein Stil, sondern ein Gefühl.

Riedenburger – Emmerbier Alkoholfrei

Emmer ist kein Modegetreide – es gehört zu den ältesten Getreiden der Menschheit. Schon vor über 10.000 Jahren wurde es in Vorderasien und Europa angebaut und diente als Grundlage für Brot und Bier. Dass dieses Getreide heute wieder in einer alkoholfreien Spezialität auftaucht, ist hoffentlich mehr als nur ein Retro-Trend, sondern ich hoffe, dass es uns ein angenehmes neues Geschmacks- und Geschichtserlebnis ins Glas bringt.

Bernsteinfarben und naturtrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feste Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Optisch habe die Brauer aus dem Altmühltal jedenfalls alles richtig gemacht.

Das Bier duftet nach nicht vollständig vergorener Würze, dazu kommen Karamell- und Kräuteraromen. Nicht wirklich perfekt, aber auch nicht unangenehm.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge gesellt sich eine leichte Bittere zur karamelligen Süße und ich meine sogar ein leichtes Schokoaroma zu schmecken. Das Mundgefühl ist leicht, so dass das Bier sehr erfrischend wirkt. In der Kehle ist es mild mit nur wenig Bittere. Dieses Aroma klingt aber zusammen mit dem Schokoladengeschmack überraschend lange nach.

Zutaten:

Wasser, Emmermalz, Gerstenmalz, Dinkelmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

<0,5 % Vol.

Farbe:

13 EBC

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
Michael Krieger GmbH & Co. KG
Hammerweg 5
93339 Riedenburg
www.riedenburger.de

Warum Rauchbier mehr ist als Lagerfeuer im Glas

Rauchbier polarisiert. Für die einen ist es ein flüssiges Lagerfeuer, für die anderen eine aromatische Zeitreise in die Frühgeschichte des Bierbrauens. Doch kaum jemand weiß, dass der rauchige Geschmack früher nicht als Besonderheit galt – er war schlicht unvermeidbar. Ein Blick auf die Entwicklung des Mälzens zeigt, warum.

Warum Malz überhaupt rauchte

Getreide muss zur Lagerung trocken sein. Beim Mälzen wird es jedoch zunächst befeuchtet, damit die Keimung einsetzt und Enzyme freigesetzt werden. Anschließend muss das Korn wieder stark getrocknet werden – der Wassergehalt sinkt dafür auf unter fünf Prozent. Dieses Trocknen, das sogenannte Darren, war über Jahrhunderte nur mit offenem Feuer möglich. Und Feuer bedeutet Rauch. In Mittel- und Nordeuropa herrschten ungünstige Klimabedingungen, weshalb luftgetrocknetes Malz selten herzustellen war. So kam praktisch jedes Bier bis ins 17. Jahrhundert mit Rauch in Kontakt – ob man wollte oder nicht.

Von Torf bis Holz: Wie Brennstoffe den Geschmack prägen

Rauch ist nicht gleich Rauch. Verschiedene Brennstoffe hinterlassen charakteristische Aromen:

Während Holz für würzige Noten sorgt, die an Schinken oder Lagerfeuer erinnern, erzeugt Torf phenolische, teerig-würzige Aromen (bekannt aus schottischem Whisky).

1635 patentierte der Engländer Nicholas Halse die erste indirekt beheizte Darre. Das Malz kam nicht mehr mit Rauch in Berührung – die heiße Luft wurde vorher gefiltert. Das Ergebnis: helles, sauber schmeckendes Malz mit bis zu 30 Prozent höherer Ausbeute. Es dauerte nicht lange, bis sich die neue Technik durchsetzte. In Deutschland wurde sie um 1800 populär, und das rauchige Malz verschwand rapide aus den Sudkesseln – mit zwei bemerkenswerten Ausnahmen.

Bamberg war die letzte Bastion der Rauchmalz-Tradition

Die Bamberger Brauereien Heller (Schlenkerla) und Spezial hielten an der historischen Produktion fest. Bis heute wird das Malz dort mit Buchen- oder Eichenholzfeuer gedarrt – ein weltweit einzigartiges Relikt.

Dass nicht alle von dieser Tradition begeistert waren, zeigt eine Vorschrift aus dem Jahr 1895, die Rauchdarren nur tagsüber erlaubte und strenge Brandschutzmaßnahmen verlangte.

Nur wenige Mälzereien stellen heute noch echtes Rauchmalz her. Zu den wichtigsten zählen:

  • Weyermann (Bamberg): Buchenrauch-Gerste, Eichenrauch-Weizen
  • Steinbach (Zirndorf): Buchenrauch-Gerstenmalz
  • Castle Malting (Belgien): Buchenrauchmalz, Torfmalz in verschiedenen Intensitäten
  • Briess (USA): Apfelholz-, Kirschholz- und Mesquite-Rauchmalz
  • Diverse schottische Mälzereien: torfgeräuchertes Whiskymalz

Damit lassen sich weltweit Rauchbiere brauen – vom klassischen Märzen bis zu experimentellen Craft-Stilen.

Das Aroma des Rauches – und warum es so unterschiedlich wirkt

Das typische Raucharoma entsteht bei der Pyrolyse von Holzbestandteilen wie Lignin und Cellulose. Dabei entstehen Kohlenwasserstoffe, Phenole, Carbonyle und viele weitere Verbindungen. Die Holzauswahl und Temperatur bestimmen Intensität und Charakter des Aromas.

Torfmalze werden aufgrund ihres Phenolgehalts klassifiziert – Werte von 2 bis 50 ppm sind üblich.

Können Hobbybrauer Rauchmalz selbst herstellen?

Ja – aber mit Vorsicht. Beim Räuchern können gesundheitsschädliche Stoffe entstehen, vor Allem Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Nitrosamine. Beide entstehen vor allem bei hohen Temperaturen oder direktem Flammenkontakt. Sicherer wird die Sache durch:

  • glühende statt brennende Hitzequellen
  • elektrische oder externe Gasheizungen
  • feuchtes Holz bei niedriger Verbrennungstemperatur
  • Edelstahlgewebe als Filter gegen Ruß und Asche

Zum Räuchern eignen sich zahlreiche Holzarten, außer harzreichen Nadelhölzern. Wichtig: Wasser sollte chlorfrei sein, sonst drohen medizinische Chlorphenol-Aromen.

Ist Rauchbier ein Bierstil oder nicht?

Die BJCP-Styleguidelines führen Rauchbier sowohl als eigene Kategorie als auch als Unterkategorie anderer Biere. Rauchmalz kann in vielen Bierstilen eingesetzt werden – vom Porter über Bock bis hin zu historischen Sorten.

Bekannte Rauchbier-Stile sind:

  • Märzen-Rauchbier (klassisch Bamberg)
  • Rauchbock
  • Rauchweizen
  • Smoked Porter
  • Historische Stile wie Grätzer und Lichtenhainer

Das Spektrum reicht von einem feinen Hauch Rauch bis zu intensiven, fast speckigen Aromen wie beim Schlenkerla Märzen.

Rauchbier ist kein Trendbier, sondern eine der ältesten Brautraditionen der Welt. Einst unfreiwilliges Nebenprodukt der Technik, heute ein bewusst eingesetztes Aromaprofil. Ob klassisch fränkisch, torfig wie schottischer Whisky oder fruchtig geräuchert mit Apfel- oder Kirschholz – Rauchbier zeigt, wie vielfältig Bier sein kann, wenn man Feuer und Malz zusammenbringt.