Schlagwort-Archiv: Stout

Hildesheimer Braumanufaktur – Double Sage

Die Hildesheimer Braumanufaktur ist zwar nur eine kleine Brauerei, aber mit dem Alten Wasserwerk steht Jan und Malte ein riesiges Grundstück zur Verfügung. Und auf den Grünflächen wachsen neben herrlich süßen Brombeeren auch viele Kräuter, die die beiden ab und an in Sondersuden mit verbrauen. Jetzt steht vor mir das Double Sage, wie der Name bereits aussagt, ein Bier mit Salbei. So weit, so (fast) normal. Außergewöhnlich ist aber, dass in diesem Fall ein Stout als Basisbier verwendet wurde. So bin ich jetzt gespannt, wie sich der Salbei im Bier macht.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist hellbraun und fällt recht flott in sich zusammen. Aber das war ja zu erwarten.

Komplexe Aromen steigen mir in die Nase. Der Salbei steht im Vordergrund, lässt aber noch ausreichend Raum für Röstaromen, die an Kaffee und dunkle Schokolade erinnern.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und überzeugt durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Am Gaumen spiegeln sich die Aromen wider, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Dass der Salbei mit den Röstaromen so gut harmonisiert, hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Säure kann ich nicht feststellen und auch die Bittere ist nur zurückhaltend vorhanden. Erst in der Kehle kommt sie überraschend kräftig zum Tragen und zusammen mit dem Geschmack des Salbeis klingt der Geschmack sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haferflocken, Hopfen, Salbei, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

De Dochter van de Korenaar – Charbon Smoked Vanilla stout

Manchmal gibt es Biere, die man trinkt. Und manchmal gibt es Biere, die eher so wirken, als hätte jemand einen gemütlichen Winterabend in flüssige Form gebracht. Das Charbon Smoked Vanilla Stout gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Die belgische Brauerei ist bekannt dafür, gerne mit Fassreifungen, kräftigen Malzkörpern und feinen Spielereien zu arbeiten, ohne dabei in reine Süßwarenabteilung abzurutschen. Genau das verspricht auch dieses Stout: Rauch, Röstmalz und Vanille stehen auf dem Etikett – eine Kombination, die schnell nach Grillmarinade oder Weihnachtsbäckerei klingen kann. Ich hoffe, hier passiert etwas mit mehr Eleganz.

Im Glas präsentiert sich das Bier blickdicht schwarz mit einer cremigen, haselnussbraunem Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Hier haben die Brauer zumindest optisch mal wieder ein Meisterstück abgeliefert.

Das Bier duftet nach Kaffee und dunkler Schokolade. Aus dem Hintergrund kommt ein feines Raucharoma, das aber nicht so kräftig ist, dass es an einen Räucherschinken erinnert. Die Vanille hält sich diskret im Hintergrund und ich kann sie erst entdecken, nachdem ich mehrfach an dem Bier gerochen habe. Dabei müsste sich die Vanille eigentlich nicht verstecken – schließlich kommt sie aus Madagaskar und Réunion, also den Anbaugebieten, die für ihre besonders aromatische Vanille bekannt sind.

Der Antrunk zeichnet sich durch seine stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Karbonisierung aus. Trotz der Süße wirkt das Bier aber nie dessertartig, da die verschiedenen Aromen sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Seine Komplexität beweist das Bier aber erst am Gaumen. Zur Süße kommen die Aromen nach dunkler Schokolade und Lakritz. Auch die Raucharomen kommen jetzt stärker zum Tragen als ich es in der Nase erwartet habe. Dazu kommt jetzt auch die Vanille zum Vorschein, wenn auch etwas schüchtern, denn sie kommt nicht recht aus dem Hintergrund hervor, kann aber die Kanten der anderen Aromen glätten. Für ein Stout ist auch die Bittere überraschend kräftig. Das Mundgefühl ist rund und cremig. In der Kehle legt die Bittere noch etwas zu, während das Bier überraschend trocken wird, und zusammen mit dem Lakritzaroma klingt der Geschmack sehr lange nach.

Ich weiß nicht mehr, von wem ich den folgenden Spruch habe, aber er passt auf das Charbon sehr gut: Wenn Guinness ein dunkler Pub-Abend ist, dann ist Charbon der gleiche Abend – nur draußen am Feuer mit einem Stück Käse und jemand erzählt plötzlich interessante Geschichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz (über Eiche geräuchert) Roggenmalz, Hopfen, Vanille, Hefe

Alkoholgehalt:

7 % Vol.

Bittereinheiten:

46 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Brasserie Minne – Ardenne Stout

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Brasserie Minne im wallonischen Somme Leuze vor mir. Bislang haben mir alle Biere dieser Brauerei sehr gut gefallen, so dass ich auch jetzt auf eine angenehme Verkostung hoffe. Öffne ich also die Flasche.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine feinporige haselnussbraune Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Schon optisch macht das Bier klar, dass es ernst meint.

Das Aroma ist eindeutig malzbetont. Ich rieche dunkle Schokolade und Kaffee, frisch geröstetes Malz und Kandis. Dazu kommt noch ein Hauch Lakritz. Wenn das Bier so schmeckt wie es riecht, kann es mich nur begeistern.

Der Antrunk zeichnet sich durcheine stiltypische Süße aus, während die reichlich dosierte feinperlige Kohlensäure für eine angenehme Frische sorgt. Am Gaumen geht die Süße zurück und die Röstaromen kommen in den Vordergrund. Sie bringen eine angenehme Bittere mit, die sehr schön mit den Schokoladen- und Kaffeearomen spielt. Das Mundgefühl ist überraschend schlank, dabei aber weich bis cremig. Wie ich es bei einem Stout erwarte, bleibt der Hopfen diskret im Hintergrund und liefert lediglich eine leichte herbe Note, die dem Bier seine Tiefe verleiht. Erst in der Kehle kommt die Bittere richtig hervor und sorgt für einen recht langen Nachklang

Das Ardenne Stout von der Brasserie Minne ist ein klassisches, handwerklich gebrautes Stout, das weniger auf Wucht als auf Balance setzt. Ideal für ruhige Abende, zu reifen Hartkäsen, Karamellpudding oder einfach pur, wenn man Lust auf ein unaufgeregtes, stiltreues dunkles Bier hat.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Invertzucker, Hopfen (Mosaic, Belgian Golding und Hallertau), Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

60 IBU

Brauerei:

Brasserie Minne
ZA Nord Bailonville 9
5377 Somme Leuze
Belgien
www.brasserieminne.be

De Dochter van de Korenaar – Sans Pardon – Pure Oak

De Dochter van de Korenaar ist eine belgische Brauerei mit Sitz in Baarle-Hertog, die 2007 von Ronald und Monique gegründet wurde. Die Brauerei ist bekannt für ihre hochwertigen Spezialbiere in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Stilen, darunter preisgekrönte und holzgereifte Biere. Die Brauerei hat sich einen guten Ruf erarbeitet und ist vor allem für ihre dunklen Biere beliebt.

Fassgereifte Biere werden in der Regel in Fässern gereift, in denen vorher Weine oder Spirituosen gelagert wurden. Bei den Brauern in Baarle-Hertog entstand die Idee, einige Biere aus dem Sortiment in neuen, unbenutzten Eichenfässern reifen zu lassen. Die Erfahrungen der Winzer sind aber auch beim Reifen von Bier eingeflossen. Dinge wie die Art der Eiche, die Art des Sägens, der Röstgrad, die Reifezeit und die Temperatur spielen eine wichtige Rolle bei der endgültigen Geschmacksentwicklung des Endprodukts. Mal sehen, was dabei herausgekommen ist.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine gemischtporige haselnussbraune Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass ich bei einem Bier aus dieser Brauerei auch nichts anderes erwartet habe.

Das Aroma des Sans Pardon ist wirklich betörend: selbstverständlich kommt die Eiche gut zum Tragen, aber auch die anderen Aromen nach Kaffee, Lakritz und Kandis sind sehr ansprechend und machen zusammen mit dem Vanillearoma richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist weniger süß als erwartet und er überzeugt durch eine feinperlige und dabei doch kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge präsentiert sich das Bier sehr geschmacksintensiv, ohne dabei übertrieben wuchtig zu werden. Der Kaffeegeschmack steht im Mittelpunkt, unterstützt durch etwas Lakritz. Dabei ist die Bittere etwas zurückhaltend vertreten. Das Mundgefühl ist schwer und samtig. Für die Ausgewogenheit des Bieres sorgt eine angenehme Süße, während der Geschmack der Eiche dem Bier die Spitzen nimmt. In der Kehle ist das Bier überraschend mild und während der Alkohol im Magen wärmt, klingt der Kaffeegeschmack sehr lange nach.

Die neun Monate Reifung in den neuen Eichenfässern, der daraus resultierende Tannin-Eichengeschmack und die runden Vanillenoten und die Nachgärung in der Flasche ergeben ein sehr schmackhaftes und angenehmes Stout.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, geröstete Gerste, Weizenmalz, Hopfen, Rooibos, Hefe

Alkoholgehalt:

11,0 % Vol.

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Bierol – Hoiz 2024

Schwoich liegt im Tiroler Unterland, fünf Kilometer südlich von Kufstein, auf einem Hochplateau rechts des Flusses Inn. Dort befindet sich die Brauerei Bierol, von der das Bier stammt, das jetzt vor mir steht. Es handelt sich um ein Imperial Stout, das 16 Monate lang in Rumfässern gereift wurde. Das klingt ganz so, als wäre es ein Bier nach meinem Geschmack. Öffne ich also die Flasche und beginne mit der Verkostung.

Blickdicht schwarz und mit einer haselnussbraunen Schaumkrone, die recht lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas.

Düfte nach dunkler Schokolade, nach Vanille, Kandis, Holz und Espresso steigen mir in die Nase. Diese komplexe Aromenstruktur, die durch die lange Reifung entsteht, macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Wie erwartet ist der Antrunk süß und wird er wird durch eine sehr feinperlige Kohlensäure begleitet. Auf der Zunge spiegeln sich alle Aromen wider, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Dazu kommt eine leichte Säure, die dem Bier trotz seines kräftigen Körpers eine angenehme Leichtigkeit verleiht. Die 10,4 Volumenprozent Alkohol sind sehr gut eingearbeitet und unterstützen die anderen Aromen, ohne selbst zu stark durchzuschmecken. Abgerundet wird der Geschmack durch die Vorbelegung des Fasses mit Rum, wodurch das Bier sowohl von den Karamellnoten des Rums als auch von der Holznote des Fasses profitiert. Der Rum kommt aber erst in der Kehle richtig zum Tragen und jetzt wärmt auch der Alkohol. Eine Bittere ist nur sehr  schwach festzustellen, was auch zum kurzen Nachklang des Biergeschmacks beiträgt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Golden Naked Oats, Double Roasted Crystal, Brown Chocolate, Weizenmalz, Röstgerste, Münchner Malz), Hafer, Gerste, Hopfen (East Kent Golding, Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

10,4 % Vol.

Stammwürze:

22° Plato

Empfohlene Genusstemperatur:

10° – 12° Celsius

Brauerei:

Bierol GmbH
Sonnendorf 27
6334 Schwoich
Österreich
www.bierol.at

Dieses Rum Barrel Aged Imperial Stout reifte 16 Monate lang in sorgfältig ausgewählten Rumfässern auf unserem Hof und entwickelte dabei ein unverwechselbare vielschichtige Aromenstruktur.

Dunkle Schokolade, gerösteter Kaffee und ein Hauch von Vanille treffen auf die warmen, karamelligen Noten des Rums, begleitet von dezenten Holznuancen.

Der kräftige Körper und die harmonische Tiefe verleihen diesem Stout ein besondere Eleganz – ein Bier, das intensive Geschmackserlebnisse für wärmende Momente verspricht.

Alk. 10,4% vol.

Bierol GmbH

Sonnendorf 27

6334 Schwoich

Österreich

De Meester – Retrorik Rouge

Das Retrorik Rouge, das jetzt vor mir steht, verspricht, keine Wünsche offen zu lassen. Es handelt sich um ein Imperial Stout mit 12 Volumenprozent Alkohol, das 12 Monate in Rotweinfässern gereift wurde und, nicht zu vergessen, es wurde mit Sauerkirschen gebraut. Kann da noch etwas schiefgehen? Kaum. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas. Der wenige Schaum, der sich dabei bildet, löst sich sofort auf. Das ist zwar optisch nicht perfekt, aber stiltypisch.

Der Duft dunkler Schokolade steigt mir in die Nase, zusammen mit Aromen von Rotwein, Kirschen, Holz und Vanille. Es ist der helle Wahnsinn.

Der Antrunk ist weniger süß aus ich es erwartet habe und er zeichnet sich durch eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge dominiert anfangs die Schokolade, aber schnell gesellt sich der Geschmack der Sauerkirschen dazu. Kurz erinnert das Bier an Mon Cherie, aber dann kommt aus dem Hintergrund der Geschmack des Rotweinfasses dazu. Stiltypisch ist eine Bittere kaum festzustellen. Das Mundgefühl ist weich und schwer. Auch in der Kehle dominieren die milden und fruchtigen Aromen.

Für mich ist das Retrorik Rouge schon fast zu komplex. Die Aromen von Porter, dem Rotweinfass der Reifung, von Kirsche und Schokolade drohen mich zu überfordern. Aber trotzdem ist dieses Bier absolut faszinierend.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Karamalz, Kirschsaftkonzentrat, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

12 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Meester
Nelcastraat 1D
8860 Lendelede
Belgien
www.brouwerij-demeester.be

100 Watt – 400 Volt

Denn wie war es möglich, dass es in einer Stadt mit einer reichen Brautradition keine Stadtbrauerei mehr gab? Mit der Gründung der 100Watt Brauerei wurde dieser Situation ein Ende gesetzt. Alter Ruhm lebt in neuem Gewand wieder auf! In der ehemaligen Textilfabrik Schellens, nur einen Steinwurf vom Vergnügungsviertel Stratumseind entfernt, wurde eine Brauerei mit einer einzigartigen Gastronomie-Location realisiert. Ein Hauch von der Stadt der Lichter.

Jetzt steht vor mir die endgültige Version des 400 Volts, gereift in Glenfiddich-Fässern. Der weiche Whisky sorgt für eine subtile Vanille und einen Hauch von Alkohol. Daher verspricht die Brauerei ein besonders volles Aroma und ein tiefer Geschmack. Mal sehen, ob sie dieses Versprechen auch halten kann. Ich bin da aber recht zuversichtlich, da das Bier bei den World Beer Awards 2021 die Silbermedaille als zweitbestes Bier der Niederlande erhalten hat.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine recht kleine haselnussbraune Schaumkrone, die aber sehr lange erhalten bleibt. Damit sieht das Bier schon mal sehr verlockend aus.

Aromen nach Kaffee und gerösteten Haselnüssen, nach Lakritz und Vanille steigen mir in die Nase. Anfangs kann ich auch eine leichte fruchtige Säure feststellen, aber dieser Duft verfliegt schnell.

Der Antrunk ist wie erwartet süß und er zeichnet sich durch eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen wider, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Dunkle Schokolade mischt sich mit gerösteten Nüssen und die Vanille kommt auf der Zunge kräftiger zum Vorschein als in der Nase. Dabei bleibt die Süße erhalten und zusammen mit einer leichten Bitteren sorgt sie für ein samtiges Mundgefühl. Abgerundet wird der Eindruck durch die wärmende Wirkung des Alkohols. Der Abgang ist mild, aber mit langem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Cara, Roast), Weizenmalz (Crystal), Hopfen (Sorachi Ace), Bourbonvanille-Extrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Bittereinheiten:

55 IBU

Farbe:

97 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

10° – 12° Celsius

Brauerei:

100 Watt Brewery
Vestdijk 280
5611 CZ Eindhoven
Niederlande
www.100watt.nl

Kraftpaule – Dry Coffee Stout

Das passend zum Bierstil in schwarz gehaltene Etikett zeigt einen Vogel, vermutlich einen Raben, der eine Kaffeebohne im Schnabel hat.Nun steht mal wieder ein Bier der Stuttgarter Brauerei Kraftpaule vor mir. Dieses Mal handelt es sich um ein Dry Coffee Stout, das Kraftpaule zusammen mit der Kaffeerösterei Schwarzmahler aus dem Osten von Stuttgart entwickelt hat.

Nun gefällt mir der Bierstil Coffee Stout schon im Allgemeinen recht gut. Besonders wenn bei der Entwicklung der Biere eine gute Rösterei beteiligt war, die außerdem noch ein gutes Händchen hatte und die richtige Kaffeesorte ausgewählt hat. Kraftpaule und Schwarzmahler sind aber noch einen Schritt weitergegangen. Sie haben nicht einfach beim Kochen der Würze noch etwas gemahlenen Kaffee zugegeben, sondern sie haben einen Cold Brew hergestellt, also quasi eine Mazeration, die sie anschließend mit verbraut haben. Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich ein Bier trinke, das auf diese Weise hergestellt wurde. Also ist es jetzt höchste Zeit, dass ich die Flasche öffne.

Blickdicht schwarz läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine haselnussbraune sahnige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. So muss ein Stout aussehen.

Das Aroma wird durch die Röststoffe des Malzes dominiert, unterstützt durch den intensiven Duft des Kaffees. Abgerundet wird das Aroma durch den Duft nach Vanille und Kandis.

Der Antrunk macht sofort klar, dass das Bier seinem Stil Dry Coffee Stout alle Ehre macht. Die Süße ist zurückhaltend und die Kohlensäure ist angenehm feinperlig. Die leichte Süße bleibt auch auf der Zunge erhalten, dazu kommt der Geschmack des kaltgebrühten Kaffees aus Kolumbien. Säure kann ich nur in minimaler Dosierung feststellen, auch die Bittere ist zurückhaltend. Hier würde ich mir etwas mehr Bittere wünschen. Dieser Wunsch wird mir in der Kehle sofort erfüllt, wo die Bittere etwas kräftiger wird. Sie bleibt aber dezent und klingt trotzdem überraschend lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Kaffee (0,5 %)

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

K.K.R. GmbH
Weisenauer Str. 15
55131 Mainz
www.kuehnkunzrosen.de/

für

Kraftpaule
Neckarstr. 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

Kraftpaule GmbH

Neckarstraße 132, 70190 Stuttgart

De dolle Brouwers – Extra Export Stout

Das Etikett zeigt die Brauerei und ist bis auf die rote Unterschrift des Brauers vollständig in schwarzweiß gehalten. Das Halsetikett zeigt eine rote Fliege, was dem Bier ein etwas feierliches Aussehen verleiht.Drei Jahre lang haben De Dolle Brouwers gebraut, ehe sie Ende 1980 offiziell ihr Geschäft eröffneten. Zu diesem Zeitpunkt erwarben sie eine alte, etwas heruntergekommene Brauerei in Esen, Westflandern. Louis Nevejean, ein ortsansässiger Arzt, hatte diese Brauerei (und spätere Brennerei) im Jahr 1835 gegründet, also etwa vier Jahre nach der Gründung des Staates Belgien. Nach dem Tod des Arztes wurde die Brauerei schließlich im Jahr 1882 an Aloïs Costenoble verkauft. Die Familie Costenoble leitete die Brauerei dann über drei Generationen hinweg und stellte Biere wie Cosmos, Oud Bruin und Coq Pils her. In den 70er Jahren braute Costenoble auch das noch heute existierende Abteibier Steenbrugge, das heute von Palm Breweries hergestellt wird. Enkel Louis beendete die Familientradition im Jahr 1980, als die Dolle Brouwers die Leitung übernahmen. In diesem Jahr, am 11. November, brauten sie ihr erstes erfolgreiches Bier in Esen: Oerbier.

De Dolle Brouwers brauen etwa 40 bis 50 Mal im Jahr und produzieren dabei circa 1.000 hl. Das sind etwa 300.000 Flaschen Oerbier, Arabier, Dulle Teve, Stille Nacht, Boskeun und Special Extra Export Stout. Dies sind die 6 wichtigsten Marken der Brauerei, die derzeit produziert werden. Zusätzlich brauen sie noch etliche Sondersude. Aber jetzt wollen wir und mit dem Special Extra Export Stout befassen.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine voluminöse feinporige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. So muss ein Stout aussehen.

Das Bier duftet nach Mokka und gerösteten Nüssen. Auch eine leichte Säure steigt mir in die Nase.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Außerdem ist er für ein Stout überraschend frisch durch eine feine fruchtige Säure, die an Birnen erinnert. Die 8 Volumenprozent Alkohol sind gut eingearbeitet, so dass sie nur wenig durchschmecken, aber die anderen Aromen perfekt unterstützen. Das Mundgefühl ist seidig weich. Bitter ist nur wenig zu schmecken. Auch der Abgang ist mild mit wenig Bitter, aber der Geschmack nach dunkler Schokolade klingt überraschend lange nach.

Eine Besonderheit dieses Bieres gilt es noch zu erwähnen: Da es sich um ein Exportbier handelt, ist es im Ausland in den USA und online fast leichter zu finden als in Belgien selbst.

Zutaten:

Wasser, Hefe, Gerstenmalz (Pilsener, Röstmalz, Karamellmalz), Nugget-Hopfen.

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

12° – 15° Celsius

Brauerei:

De dolle Brouwers
Roeselarestraat 12B
8600 Esen
Belgien
www.dedollebrouwers.be

VBDCK – Kerel says it all

Die Brauerei Verbeeck wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und sie ist nach wie vor eine inhabergeführte Brauerei. Die Geheimnisse des Erfolgs wurden vom Vater an den Sohn weitergegeben, bis dieser selbst Vater wurde… und so weiter. Die Söhne der Sechziger-Generation hatten jedoch andere Pläne. Im Jahr 1966 wird die Brauerei dichtgemacht, bis im Jahr 2015 eine neue Generation herangewachsen war und die Brauerei neu eröffnete. Die Linie der Familie Verbeeck-Back wurde durch die Familie De Cock verstärkt. Zusammen haben sie den beeindruckenden, beruhigend belgisch klingenden Namen Verbeeck – Back – De Cock gebildet. Kurz VBDCK. Dieser neue Jahrgang von VBDCK, der die Familientradition der belgischen Qualität und des Handwerks fortsetzt, hat die Geschichte fortgesetzt.

Das war allerdings nicht so einfach wie gedacht. Leider waren die ursprünglichen Rezepte der Biere verloren gegangen, wie auch ansonsten von der alten Brauerei nichts mehr übrig war. Aber in einem Keller fand sich noch eine einige Flasche des ursprünglichen Bieres. Diese Flasche wurde einem Labor übergeben, das versuchen sollte, das Bier zu analysieren und die ursprüngliche Hefe zu extrahieren. Auch wenn die Chance nicht allzu groß war, dass das klappte, gelang den Wissenschaftlern das Kunststück doch. Somit enthält die Flasche, die jetzt vor mir steht, ein Bier, wie es bereits im 19. Jahrhundert gebraut wurde. Jetzt ist es aber wirklich an der Zeit, die Flasche zu öffnen.

Blickdicht schwarz mit einer haselnussbraunen feinporigen Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas. Ein Bier wie gemalt.

Das Bier duftet nach Kaffee und gerösteten Nüssen, abgerundet durch einige blumige Noten.

Der Antrunk ist sehr süß. Auffällig ist die sehr feinperlige und dabei doch kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge lässt die Süße etwas nach und die kräftigen Röststoffe kommen in den Vordergrund. Fast schmeckt das Bier etwas verbrannt. Damit ist der Geschmack nicht ganz rund. Trotzdem ist das Bier angenehm zu trinken. Zusammen bilden die Süße, die Röststoffe und ein Hauch fruchtiger Säure einen angenehmen Charakter. Der Abgang ist mild und nur ein leichtes Bitter kitzelt meine Kehle. Der Geschmack nach Kaffee klingt einige Zeit nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Bittereinheiten:

44 IBU

Farbe:

59 EBC

Brauerei:

Verbeeck-Back
Antwerpse Steenweg 12
9140 Tielrode
Belgien
www.vbdck.be