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Leikeim – Steinbier

Steinbier gehört zu den seltenen Bierspezialitäten. Es wird mit obergäriger Hefe gebraut. Dabei handelt es sich vermutlich um die älteste Braumethode. Da es keine Metallgefäße gab, war das indirekte Kochen die einzige Möglichkeit, große Wassermengen zu kochen. Dafür wurde ein Loch in der Erde ausgehoben, mit Steinen ausgekleidet und mit Holz aufgefüllt. Das Holz wurde entzündet und es wurden Steine daraufgelegt, die sich durch das Feuer auf bis zu 1000° C erhitzten. Die heißen Steine wurden mit Zangen in die Bierwürze gegeben und diese dadurch zum Kochen gebracht. Durch die Hitze öffneten sich in der Oberfläche der Steine Poren, in denen der Malzzucker karamellisierte. Auf diese Weise erhält das Steinbier seinen karamellartigen und leicht rauchigen Geschmack. Heute wird Steinbier in Franken, Baden-Württemberg und Salzburg gebraut. Heute steht vor mir das Steinbier von Leikeim in Altenkunstadt in Franken. Mal sehen, wie es sich so macht.

Die Brauerei verspricht schon mal viel. Die für das Bier verwendete Gerste wurde in Franken angebaut und auch regional gemalzt. Die Aroma-Hopfen stammen aus Spalt und der Hallertau. Das Wasser kommt aus dem betriebseigenen Brunnen und die Hefe wird in der eigenen Reinzuchtanlage gezüchtet. Wir können uns also auf ein Bier freuen, das einzigartig ist.

Schon optisch macht das Bier einen hervorragenden Eindruck. Bernsteinfarben mit einer großen weißen cremigen Schaumkrone präsentiert es sich im Glas. Der Schaum bleibt auch lange erhalten.

Das Aroma wird durch Karamell dominiert; das Bier dürfte also recht süß sein. Die Hopfennoten bleiben diskret im Hintergrund und sind kaum festzustellen. Aber gut, die Karamellisierung ist ja ein Merkmal des Steinbiers.

Wie erwartet ist der Antrunk recht süß, was zusammen mit der sehr feinperligen Kohlensäure aber durchaus angenehm ist. Überhaupt bleibt das Karamell die wichtigste Geschmacksnote. Auf der Zunge kommt noch eine leichte Fruchtigkeit dazu. Erst im Abgang kommt erstmals ein leichtes angenehmes Bitter zum Vorschein, das aber nur kurz nachklingt.

Das Leikeim Steinbier ist ein sehr angenehmes Bier für alle, die sehr milde Biere mögen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Brauhaus Leikeim
Gewerbegebiet 4
96264 Altenkunstadt
www.leikeim.de

Potsdamer Stange

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Braumanufaktur in Potsdam vor mir. Die Potsdamer Stange ist ein alter regionaler Bierstil, der zuletzt in den 1970er Jahren gebraut und durch die Braumanufaktur wiederbelebt wurde. Den Namen dieses Bierstils beschreibt die Brauerei auf ihrer Website wie folgt: „Durch den höheren Spundungsdruck bei der Herstellung ist dieses Bier etwas spritziger und es entsteht mehr Schaum. Deshalb verwendet man zum Ausschank hohe Gläser um dem Schaum den nötigen Steigraum zu geben. Diese Stangengläser gaben dem Bier auch den Namen.“

Dass die Brauerei Rohstoffe aus biologischem Anbau verwendet, ist keine Seltenheit mehr. Aber die Brauerei geht noch weiter. Sie veröffentlicht nicht nur den biologischen Anbau, sondern verrät auch ihre Lieferanten. Die gesamte Lieferkette vom Anbau der Rohstoffe über die einzelnen Verarbeitungsstufen wird veröffentlicht. Das nenne ich mal Transparenz. Dafür wird auf dem Rückenetikett der wichtigsten Biere eine bmg-Nummer aufgedruckt. Diese Nummer geben Sie unter www.bio-mit-gesicht.de ein und Sie erfahren, wer den Hopfen und die Gerste angebaut hat, wer die Gerste gemälzt hat, welche Zwischenhändler an der Produktionskette beteiligt waren und die Mannschaft der Brauerei wird mit einem Bild vorgestellt. So detailliert wollen die meisten Konsumenten es vermutlich gar nicht wissen, aber eine so weitgehende Transparenz beweist auf jeden Fall, dass die Brauerei wirklich nichts zu verbergen hat. Aber kommen wir jetzt zum wichtigsten, dem Bier.

Hell bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Wie von der Brauerei beschrieben bildet sich recht viel feinporiger Schaum. Er ist weiß und hält sich wirklich lange Zeit. Optisch hat die Brauerei also keinen Fehler gemacht.

Nach der Optik vermag auch das Aroma zu überzeugen. Ich rieche Gras, reife Bananen, gebrannte Mandel und aus dem Hintergrund noch ein Hauch fruchtiger Noten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Die Süße des Bieres wird während des spritzigen Antrunks durch die reichlich vorhandene Hefe abgemildert, die auch vom ersten Moment an für einen komplexen und intensiven Eindruck sorgt. Schnell kommen die bananigen Noten des Weizenmalz hervor. Zwar ist der Geschmack nach Banane nicht so intensiv wie bei einem Weizenbier, aber ich habe ihn durchaus als stärksten Geschmackseindruck wahrgenommen. Aber auch andere fruchtige Noten kommen zu ihrem Recht. Süße, Säure und bitter sind gut ausgewogen, so dass das Bier einen runden und vollmundigen Eindruck macht. Der Abgang ist leicht bitter und er klingt nur relativ kurz nach.

Die Potsdamer Stange erinnert an ein belgisches Witbier, nur dass die zusätzlichen fruchtigen Noten nicht vorhanden sind, die durch die Kumquats und den Koriander entstehen. Es ist ein Bier, das rundherum zu begeistern weiß. Ich kann es nur empfehlen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Naturdoldenhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Stammwürze:

11,8° Plato

Brauerei:

Braumanufaktur GmbH
Templiner Str. 102
14473 Potsdam
www.braumanufaktur.de

Borbecker Helles Dampfbier

Bevor ich das Borbecker Helle Dampfbier öffne, will ich erst einmal klären, was es denn mit dem Begriff Dampfbier auf sich hat. Wikipedia schreibt dazu: „Dampfbier zählt zu den obergärigen Biersorten. Es wird bei höheren Umgebungstemperaturen bei 18 bis 20 °C vergoren. Der Name wird auf den stark schäumenden Gärvorgang zurückgeführt, bei dem die Schaumbläschen schnell platzen und eine dampfartige Zone sich über dem Gärschaum entwickelt.“ Die Brauerei schreibt dagegen: Borbecker Helles Dampfbier ist eine fast vergessene Spezialität aus der guten alten Zeit, die jetzt wieder fröhliche „Urständ“ feiert. Untergärig gebraut nach einem sorgsam gehüteten Rezept der Stern-Brauerei Essen, findet dieses spritzige Qualitätsbier immer mehr Freunde unter den traditionellen Bierkennern und -genießern.“ Auch die Dampfbierbrauerei in Oberstdorf braut mit untergäriger Hefe. Entweder scheint es auf ober- oder untergärige Hefe also nicht anzukommen, oder der Autor des Artikels in Wikipedia hat sich geirrt. Da müssen wir uns aber nicht lange aufhalten, denn schließlich kommt es auf das Ergebnis an. Beginne ich also mit der Verkostung.

Brillant hellgelb und mit recht viel Kohlensäure präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Krone aus feinporigem Schaum, der recht langsam in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist sanft nach Toffee. Das Malz dominiert, lässt aber noch Raum für den Hopfen, der leichte grasige Noten beisteuert. Dabei kann ich aber keine Düfte von Aromahopfen feststellen; ich nehme daher an, dass das Dampfbier mit ganz oder überwiegend mit Bitterhopfen gehopft wurde.

Der Antrunk ist mäßig süß und frisch. Das gefällt mir schon mal. Erst als sich das Bier auf der Zunge verteilt, kommt ein leichtes Bitter zum Zuge. Dazu gesellt sich eine Spur Säure, so dass das Bier insgesamt einen angenehm süffigen Eindruck macht. Für meinen Geschmack ist es nicht ganz ausgewogen, hat aber trotzdem Charakter. Jetzt meine ich auch, leichte fruchtige Noten festzustellen. Der Abgang ist mäßig bitter, aber recht kurz.

Das ist ein Bier, das eigentlich jeden Export-Konsumenten begeistern sollte. Ich könnte es mir gut zu fleischlastigen Speisen vorstellen, beispielsweise zu einem Jägerschnitzel.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,5 %

Brauerei:

Privatbrauerei Jacob Stauder
Stauderstr. 88
45356 Essen
www.stauder.de

www.dampfe.de

LaBieratorium – Ordinary Bitter

Bitter ist ein obergäriger, englischer Bierstil mit einem Alkoholgehalt zwischen 3 % und 7 % Vol. sowie einer goldenen bis rötlichen Farbe.

Das Bitter hat in der Regel wenig Kohlensäure und ein moderates Hopfenaroma. In England werden „Bitter“ und „Pale Ale“ synonym verwendet. Dies ist historisch begründet, da im 19. Jahrhundert die beliebten Pale Ales mit ihrem bitteren, hopfenaromatischen Charakter auch als „Bitters“ bezeichnet wurden. In den USA beispielsweise wäre diese Gleichsetzung der Begriffe irreführend, da Pale Ales dort in der Regel sehr stark gehopft sind und ein anderes Geschmacksprofil aufweisen. (Quelle: craftbeer-revolution)

Bernsteinfarben und mit einer ordentlichen Portion Hefe strahlt mir das Bier entgegen. Die Schaumkrone ist durchschnittlich voluminös und sie bleibt auch durchschnittlich lange erhalten.

Das Bier duftet frisch und fruchtig. Düfte nach Toffee, Limone, Gras sowie einige würzige Noten. Das lässt ein wirklich leckeres Bier erwarten.

Der Antrunk ist recht süß, durch die gut dosierte feinperlige Kohlensäure aber frisch. Auf der Zunge entwickelt sich der Geschmack nach Toffee, zusammen mit einer angenehmen Fruchtigkeit und etwas Bitter. Die Bitterstoffe verstärken sich im Abgang, wo sie lange nachklingen.

Das Ordinary Bitter ist ein sehr ansprechendes Bier für den Sommer, das deutlich an ein Pale Ale erinnert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Caramalz Hell, Wiener Malz), Weizenmalz, Hopfen (Perle, Mandarina Bavaria), Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

12,3° Plato

Bittereinheiten:

35 IBU

Brauerei:

LaBieratorium GmbH
Finsterwalderstr. 41 a
03048 Cottbus
www.labieratorium.de

Gruthaus – Münsterländer Hanf

Bereits seit dem Jahr 2016 braut Philipp Overberg in der belgischen Brauerei Anders sein Münsterländer Hanf. Der Hanf stammt aus dem Münsterland und wird von Ursula Tenhumberg in Warendorf angebaut. Wenn Sie genauere Informationen über den Hanfanbau haben wollen, finden Sie sie auf der Website der Erzeugerin.

Honigfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist unterdurchschnittlich groß, gemischtporig und fällt schnell in sich zusammen. Die Optik kann mich nicht wirklich ansprechen.

Düfte nach Karamell, Honig und Wiesenkräutern steigen mir in die Nase unterstützt durch eine leichte Fruchtigkeit. Langsam wird mir das Bier sympathisch.

Der erste Eindruck beim Antrunk ist, dass das Bier recht süß und durch die reichlich vorhandene Kohlensäure durchaus erfrischend ist. Der Hanf ist deutlich zu schmecken. Auf der Zunge kommt noch ein ordentliches Bitter dazu und mischt sich mit dem Geschmack des Hanfes. Jetzt kommt auch die leichte Fruchtigkeit zum Tragen, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Zusammenfassend ist das Bier nicht ganz rund, aber trotzdem vollmundig und süffig. Im Abgang wird das Bier etwas trockener, die Fruchtigkeit bleibt bei wenigen Bitterstoffen, die nur kurz nachklingen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hafer, Zucker, Hefe, Hanfblüten, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Brauerei:

Gruthaus-Brauerei
Krummer Timpen 61
48143 Münster
www.gruthaus.de

Hirter – Das Hanfbier

Hanf wird traditionell schon lange in der Bierherstellung verwendet, wenn ich mehreren Quellen glauben darf, sogar länger als der Hopfen. Angeblich soll der Hanf bereits Teil des Grut gewesen sein, jeder Kräutermischung, die vor Einführung des Hopfens dem Bier Geschmack und Haltbarkeit verlieh. So ist es auch kein Wunder, dass die Brauerei Hirt aus dem österreichischen Micheldorf sich des Hanfs angenommen und damit ein Bier gebraut hat.

Golden und klar fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große feste Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist malzbetont und erinnert an Biskuitteig. Abgerundet wird der Duft durch kräuterige Noten, die vermutlich dem Hanf zuzuordnen sind. Genau kann ich das aber nicht sagen.

Der Antrunk ist recht süß, dabei aber durchaus spritzig. Die Süße bleibt auf der Zunge bestehen und es gesellt sich noch der Geschmack nach Kräutern dazu, gepaart mit einem diskreten Bitter. Alles zusammen macht ein ungewöhnliches aber wirklich schönes rundes Bier. Lediglich der Abgang ist mir zu schlank. Da würde ich mir mehr Fülle wünschen.

Die Brauerei empfiehlt das Hirter Hanfbier zu mittelkräftig gewürzten Hauptgängen, Gemüsegerichten und cremigen Suppen, beispielsweise mit Kürbis oder Petersilie.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, natürliches Hanf-Aroma

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,6° Plato

Brauerei:

Privatbrauerei Hirt
Hirt 1
9322 Micheldorf
Österreich
www.hirterbier.at

Brauhaus Gusswerk – Brotbier

Bier und Brot gehören in vielerlei Hinsicht zusammen:

  • Kulinarisch: eine bayrische Brotzeit ohne ein ordentliches Helles ist ja nun doch eine recht dröge Angelegenheit.
  • Im Volksmund: Wer kennt nicht Aussprüche wie „Bier ist flüssiges Brot“ oder ähnliches?
  • In der Welt der Mythologie und Märchen: vermutlich kennt jeder Rumpelstilzchen und den Spruch „Heute back‘ ich, morgen brau‘ ich…“

Da auch die wichtigsten Zutaten identisch sind – Getreide, Wasser, Hefe – scheint es nur logisch, aus zu viel gebackenem Brot ein Bier zu brauen. Diesen Weg sind in der letzten Zeit einige Brauereien gegangen und jetzt habe ich erstmals ein aus altem Brot gebrautes Bier vor mir stehen. Ich danke Sandra Trautmann, Assistentin der Geschäftsführung beim Brauhaus Gusswerk, für die Zusendung des Biers.

Auffällig ist bereits das Etikett. Der Schriftzug Brotbier ist von der Rückseite geprägt, so dass er nicht nur edel glänzt, sondern auch leicht hervorsteht. Ein so aufwändiges Design habe ich bislang bei noch keinem Bier erlebt.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist feinporig, durchschnittlich voluminös und bleibt lange erhalten.

Das Bier duftet nach Karamell und Brotkruste, unterstützt durch einige blumige Noten des Hopfens. Später kommt noch eine leichte saure Nuance dazu. Vermutlich wurde das Brot im Bier mit Sauerteig gebacken. Abgerundet wird der Duft durch einen Hauch Hefe.

Der Antrunk ist leicht süß und die sehr feinperlige Kohlensäure verleiht dem Bier eine angenehme Eleganz. Das Mundgefühl ist vollmundig und cremig, fast dickflüssig. Passend dazu ist der Geschmack sehr komplex. Das Malz steht im Vordergrund und bringt seine Noten nach Toast und Brotrinde ein. Dazu noch einige fruchtige Noten, die im Hintergrund bleiben und sich nicht aufdrängen. Ich meine, Birne und Aprikose zu schmecken. Dazu kommt die leichte Salznote, die das Brot mit sich bringt. Das alles passt gut zur feinen Rezenz. Der Abgang ist sehr gering bitter, aber er klingt trotzdem lange nach, wobei die Fruchtigkeit noch etwas stärker zum Vorschein kommt.

Auf jeden Fall ist das Brotbier ungewöhnlich, sowohl vom Geschmack her als auch von der Verwendung überzähliger Brote. Zu einer Speiseempfehlung zu diesem Bier kann ich mich nicht so richtig durchringen. Was passt dazu? Eventuell ein nicht zu süßes Dessert? Oder sollte da Brotbier einfach solo getrunken werden? Entscheiden Sie es selbst.

Erhältlich ist das Bier in Österreich bei Interspar. Die Interspar Backstube liefert auch das Brot für diese Brauspezialität.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Backwaren (16 %, enthalten Roggen, Weizen, Soja, Sesam), Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Stammwürze:

12,8° Plato

Brauerei

Gusswerk GmbH
Römerstraße 3
5322 Hof bei Salzburg
Österreich
www.brauhaus-gusswerk.at

Septem – Holy Day

Der lateinische Begriff Septem steht für die Zahl Sieben. Die griechischen Brauer von Septem Bier fanden Gefallen an diesem Terminus und widmeten ihm ihre Arbeit. Für jeden Tag der Woche ein anderes Bier – so lautete der Plan, den die Freunde Sofocles Panagiotou und Georgios Panagiotou 2009 in die Tat umsetzten. Die griechische Craft Beer Manufaktur Septem Bier hat Publikumslieblinge wie Friday’s Pale Ale, 8th Day IPA, Saturday’s Porter und Sunday’s Honey Golden Ale im Angebot. Biere, die nach klassischen Braustilen hergestellt werden und mit ihrer schlichten Eleganz und der ausgefallenen Idee hinter den Namen punkten. Gebraut wird auf der Insel Euböa, die sonst eher für ihre geschichtsträchtige Vergangenheit bekannt ist. Ebenso wie das Urlaubsparadies haben auch Septems Produkte der Insel etwas herrlich Unkonventionelles.

Der Hopfen ist für Bier, was die Traube für den Wein ist. Frei nach dieser Philosophie kreieren die Männer von Septem Bier ihre Biere ganz wie ein Winzer seinen Wein komponiert. Sorgfältig werden Hopfensorten aus Griechenland und der ganzen Welt begutachtet und nur der Hopfen, der perfekt ins Konzept passt, wird letztendlich für das Bier verwendet. Um das volle Hopfenaroma während des Brauprozesses zu erhalten, wird das Bier nicht pasteurisiert. Panagiotou ist der Meinung, dass Bier nicht nur ein erfrischendes Getränk für den sommerlichen Besuch auf dem Keller ist, sondern Wein in Raffinesse und Vielschichtigkeit um nichts nachsteht. Ein köstliches Menü, begleitet von verschiedenen, auf das Essen abgestimmten Bieren von Septem? Ja, bitte!

Die Septem Bier Erfolgsgeschichte

Sofocles Panagiotou, Mitgründer von Septem Bier und Begründer des Leitmottos, ist Chemiker und Önologe und befasste sich zeitlebens mit der Erforschung und Perfektionierung von Wein. Als passionierter Biertrinker kam er 2009 auf die Idee, die Prinzipien seiner Arbeit auf das Bierbrauen umzumünzen – Ein Plan, der ihm großen Erfolg beschert und bereits zahlreiche Awards und Preise einbrachte. Im Gegensatz zu vielen Craft Beer Brauern, die als Homebrewer in der eigenen Küche starten, zog Sofocles Panagiotou sein Business gleich richtig auf. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner und Freund Georgios Panagiotou nahm er jeden Schritt der Unternehmensgründung und am Ende hatten sie ihre eigene, professionelle Brauerei. Aus dieser Brauerei stammt das Septem Holy Day, ein Weihnachtsbier, das jetzt vor mir steht.

Blickdicht schwarz läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet es eine durchschnittlich große mittelbraune und feinporige Schaumkrone, die aber relativ schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist – ungewöhnlich. Sehr viele weihnachtlich-würzige Düfte stehen im Vordergrund, unterlegt mit einigen süßen Noten, die an Rübensirup erinnern, abgerundet durch einen Hauch Bitterschokolade. Dazu kommen noch zurückhaltende Noten nach gerösteten Haselnüssen und Mandeln. Ja, das ist wirklich ein weihnachtliches Bier.

Wie zu erwarten war ist das Antrunk ziemlich süß und obwohl die extrem sanfte und feinperlige Kohlensäure zurückhaltend dosiert ist, passt irgendwie alles zusammen. Auf der Zunge bleibt die Süße erhalten und paart sich auf tolle Weise mit den würzigen Aromen, so dass der Eindruck nach Lebkuchen erhalten bleibt. Eine leichte Säure macht das Bier rund. Der Abgang zeichnet sich zunächst durch eine Mischung des Geschmacks von Bittermandeln und dunkler Schokolade aus, bevor in der Kehle der Geschmack nach Marzipan mit langem Nachklang die Führung übernimmt.

Dieses Bier passt perfekt zu Weihnachten und zu den Speisen, die besonders zu dieser Zeit gegessen werden, also zu Wild, zu Sauerbraten, zu winterlichen Desserts und selbstverständlich zu Weihnachtsgebäck.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe, Mahlab, Kardamom, Ingwer

Alkoholgehalt:

6,4 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

11° Celsius

Brauerei:

Septem Microbrewery
Orologio of Avlonari
34009 Municipality of Kymi-Aliveri
Griechenland
www.septem.gr

Berliner Bier Fabrik – Ahorn Walnuss Stout

Jetzt steht das Ahorn Walnuss Stout aus der Bierfabrik in Berlin-Marzahn vor mir. Mit diesem Bier hat Sebastian Mergel, der Inhaber der Brauerei, bereits vor dem Brauen eine wahre Odyssee durch die Bürokratie der Hauptstadt hinter sich gebracht. Die Vorgänge hat er in einem Beitrag für den Reinheitsgebot-Blog der FAZ dokumentiert. Dort hat er auch beschrieben, wie unterschiedlich die Behandlung der Anträge auf das Brauen eines besonderen Bieres ist. Nicht nur, dass die verschiedenen Bundesländer die Anträge unterschiedlich behandeln, sondern auch innerhalb eines Landes ist keine einheitliche Linie zu erkennen.

Richtig skurril sind aber die Kommentare, die einige Nutzer hinterlassen haben. So schreibt beispielsweise ein Leser, der sich „Feinkostnutzer“ nennt: „Es ist vollkommen richtig dass man solche Mischungen nicht einfach Bier nennen darf. Ich will als Verbraucher sicher sein dass es sich um Bier handelt und nicht um „bierhaltige Plörre“.“ Da war offensichtlich jemand nicht in der Lage, zu begreifen, was er oder sie da schreibt. Der Duden beschreibt die Bedeutung von Plörre wie folgt: „dünnes, wässriges, gehaltloses, fades Getränk, besonders dünner Kaffee“. Ein Stout ist aber niemals dünn, wässrig, gehaltlos und fade, handelt es sich doch dabei um einen besonders gehaltvollen Bierstil. Niemand ist gezwungen, ein solches Bier zu trinken und dann noch zu mögen. Aber wenn jemand meint, unbedingt einen Kommentar schreiben zu müssen, könnte er oder sie sich durchaus an die Realität halten. Wäre Sebastian nur etwa 100 Kilometer nach Osten gefahren, wäre er in Polen gewesen. Dort hätte er sich in einer Brauerei einmieten können, sein Bier dort brauen und nach Deutschland importieren. Schon hätte er das Ahorn Walnuss Stout problemlos in Deutschland als Bier verkaufen dürfen, ganz ohne Sondergenehmigung. Rechtlich nicht korrekt, aber gefühlt eingängig, ist eher die Einschätzung, dass Sebastian die Bearbeitungsgebühr von 250 Euro als Strafe dafür bezahlt hat, dass er die Wertschöpfung in Deutschland durchgeführt hat. Na ja, kommen wir zum Bier.

Absolut blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine wunderschöne mittelbraune und sahnige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Ein Stout wie gemalt.

Düfte nach Ahorn, Bitterschokolade und gerösteten Walnüssen steigen mir in die Nase, unterstützt durch die Röstnoten des Malzes, die an Espresso erinnern. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist weniger süß als ich es erwartet hätte. Stattdessen breitet sich im Mund ein angenehmer Geschmack nach dunkler Schokolade aus, unterstützt durch den Geschmack der Nüsse sowie den holzigen Noten des Ahornsirups. Die Haferflocken sorgen für ein volles samtiges Mundgefühl. Langsam kommt durch das Malz noch der Geschmack nach Mokka dazu. Im Abgang wird die Süße etwas stärker und auch die Nüsse kommen in den Vordergrund. Der Geschmack klingt noch sehr lange nach.

An diesem Bier gefällt mir besonders, dass der Zucker aus dem Ahornsirup weitgehend vergoren wurde und das Bier damit eher leicht herb ist. Dadurch empfiehlt es sich als hervorragender Begleiter zu einem süßen Dessert oder auch einfach zu Schokolade und Keksen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haferflocken, Ahornsirup, Walnüsse, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

BBF Berliner Bier Fabrik GmbH
Zur Alten Börse 74
12681 Berlin
www.berlinerbierfabrik.com

Leider ist die Berliner Bier Fabrik nicht mehr am Markt vertreten. Es gibt derzeit ein kräftiges Überangebot an Craft Beer, das vermutlich daran Schuld ist. An den Bieren der Brauerei kann es jedenfalls nicht liegen, die waren hervorragend.

Labieratorium – Wintertraum

Der Winter ist jetzt ja wirklich vorbei, aber trotzdem beschreibe ich jetzt noch den Wintertraum des Labieratoriums. Erstmals hatte ich dieses Bier im letzten Jahr auf der BrauBeviale in Nürnberg getrunken und es war für mich das Highlight dieser Messe. Wieder zu Hause habe ich lange gebraucht, dieses Bier kaufen zu können, um es zu beschreiben. Und dann – Ende letzten Jahres kam die Insolvenz der Cottbuser Brauerei. Da dachte ich, es lohnt sich nicht, dieses tolle Bier zu beschreiben. Inzwischen ist Olaf Wirths aber wieder als Gypsy-Brauer unterwegs. Damit ist er wieder dort angekommen, wo er ursprünglich begonnen hatte und erfolgreich war. Derzeit bietet die Brauerei drei Biere an, ein Porter, ein IPA und ein Helles. Vielleicht erfreut um Olaf ja Ende diesen Jahres wieder mit einem Wintertraum. Daher habe ich mich jetzt entschlossen, den Wintertraum doch noch zu beschreiben.

Olaf hat den Wintertraum so beschrieben: „Oh, du Grausige! Was viele idyllisch finden, kannst du gar nicht ausstehen, kitschige Beleuchtung. Rentierformationen und absoluter Ohrwurmterror. Überall duftet es nach Glühwein. Jetzt ein Bier unter Freunden… doch was ist das? Zimt, Nelke, Kardamom – oh, du Fröhliche! Scharfe Noten von Ingwer – Halleluja! Feiner Hauch schwarzen Pfeffers – himmlischer Schall! Dieser Wintertraum beeindruckt dich mit seinen Gewürzen – alle Jahre wieder…“

In kräftiger Bernsteinfarbe und mit viel Hefe präsentiert sich das Bier im Glas. Beim Einschenken bildet sich eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

Bereits während das Bier ins Glas fließt steigen mir die Aromen der winterlichen Gewürze in die Nase. Prompt wünsche ich mir ein Essen mit Rotkohl dazu, was aber jetzt nicht möglich ist. Aber im Moment ist das leider nicht möglich. Aber im Einzelnen: ich rieche den Duft von Nelken, Zimt und Ingwer, unterlegt durch einen Hauch Pfeffer sowie eine leichte Fruchtigkeit nach Zitrusfrüchten. Die Gewürze passen sich gut dem Duft des Malzes an. Die Düfte von schwarzem Pfeffer und Kardamom halten sich diskret im Hintergrund.

Der Antrunk ist durch das Malz geprägt. Die leichte karamellige Süße passt gut zum dominierenden Geschmack der Gewürze. Die Kohlensäure ist etwas zurückhaltend dosiert. Alles passt zusammen und führt zu einem recht vollen Mundgefühl. Die Nelken stehen im Vordergrund, aber auch Ingwer, Zimt und Pfeffer kommen zu ihrem Recht. Auch im Abgang ist die Würzigkeit dominant, unterstützt von der Malzsüße und einem leichten Bitter. Die Geschmäcker vor allem von Nelke und Ingwer klingen lange nach.

Der Wintertraum trägt seinen Namen zu Recht. Dieses Bier passt sich perfekt einem festlichen Weihnachtsessen an. Ich hoffe, dass Olaf Erfolg mit seinem Neustart des Labieratoriums hat und dass diese Rezension kein Abgesang wird. Sollte es eine Neuauflage des Wintertraums geben, werde ich das Bier sicher auch einmal heiß trinken. Ich kann mir gut vorstellen, dass es sich auch hervorragend als Glühbier eignet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Saazer), Hefe, Zimt, Ingwer, Kardamom, Nelke, Schwarzer Pfeffer

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Brauerei:

LaBieratorium GmbH
Karl-Liebknecht-Straße 102
03046 Cottbus
www.labieratorium.de