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néau – Hazy IPA

In einer alten Werkstatt im belgischen Eupen entstand 2018 ein spannendes Brauprojekt: die Brauerei Néau. Gründer Maurice Collard verwandelte die ehemalige Werkstatt in der Schulstraße 11 in eine kleine, aber feine Mikrobrauerei, die inzwischen weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist. Der Name „Néau“ stammt übrigens von der alten französischen Bezeichnung für Eupen – ein bewusstes Bekenntnis zur Heimat und ihrer Geschichte.

Anfangs wurden nur kleine Mengen auf einer 70-Liter-Anlage gebraut, heute entstehen in mehreren Kesseln bis zu 150 Liter pro Brautag. Trotz des Wachstums bleibt Collard seinem handwerklichen Ansatz treu: Jede Charge wird sorgfältig geplant, gebraut und verkostet. Neben den Hauptsorten entstehen immer wieder experimentelle Biere, die neue Aromen, Hopfensorten oder Gewürze ins Spiel bringen.

Die Brauerei Néau steht für kreatives, bodenständiges Brauhandwerk – mit starkem regionalem Bezug und einem offenen Blick für Innovation. Besonders beliebt sind die regelmäßigen Verkostungen und Braukurse, bei denen Besucher den Brauprozess hautnah erleben können. Auch saisonale Spezialitäten wie ein weihnachtlich gewürztes Bier in Zusammenarbeit mit einer örtlichen Metzgerei gehören zum Repertoire.

Mit Leidenschaft, Experimentierfreude und regionalem Stolz zeigt die Brauerei Néau, wie facettenreich belgisches Bierhandwerk im Kleinen sein kann – authentisch, kreativ und voller Charakter. Wie sich das im Bier niederschlägt, will ich jetzt anhand des Hazy IPA feststellen.

Orangefarben mit einem kräftigen Stich ins Rote präsentiert sich das Bier im Glas. Auffällig sind die kräftige Hefetrübung und die sehr voluminöse fest und schneeweiße Schaumkrone, die nur langsam in sich zusammenfällt.

Das Bier duftet nach Biskuitteig und Grapefruit, abgerundet durch den Duft nach Ananas und Vanille.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine mäßige Süße sowie eine sehr kräftige Karbonisierung aus. Auf der Zunge erscheint die Fruchtigkeit weniger kräftig als von mir erwartet. Dafür tritt eine knackige Bittere auf den Plan, wirklich nicht unangenehm und nicht so stark, dass der Malzkörper überdeckt wird. Das Mundgefühl ist angenehm leicht. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das Bier etwas oxidiert ist. In der Kehle steht die Bittere im Vordergrund, wo sie aber nicht so lange nachklingt wie von mir erwartet.

Zutaten:

Eine Deklaration der Zutaten im Bier ist in Belgien nicht vorgeschrieben und die Brauerei hat auch darauf verzichtet. Sie erwähnt lediglich auf dem Etikett, dass die Hopfensorten Talus, Amarillo, Citra und HBC682 verwendet wurden.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Neau
Schulstraße 11
4700 Eupen
Belgien
www.brauerei-neau.com

All About … Gueuze

Die Boon-Brauerei ist das Lebenswerk von Frank Boon – oft wird er als der „Retter der Geuze“ bezeichnet. Ende der 1970er Jahre übernahm er eine Geuze-Blenderei, die vom Aussterben bedroht war, und machte es sich zur Aufgabe, die lokale Geuze-Tradition wiederzubeleben. Mit großem Respekt vor traditionellem Handwerk wuchs die Brauerei im Laufe der Jahre zu dem, was sie heute ist: ein international anerkanntes Symbol für authentische Lambic- und Geuze-Biere.

Parallel dazu wuchs Boons einzigartiges Wissen: Er eignete sich umfassende Expertise im Brauen von Lambics, im Blenden von Geuzes sowie in der Pflege der großen Eichenfässer, den sogenannten Foeders, an. Dieses Wissen wird inzwischen an die nächste Generation weitergegeben: Die Söhne Jos und Karel Boon sind nun die Träger von Franks Leidenschaft und sichern die Tradition in guten Händen.

Frank Boon ist ein belgischer Braumeister, der maßgeblich dazu beigetragen hat, die Tradition der Lambic- und Geuze-Biere zu bewahren und international bekannt zu machen. Anfang der 1970er Jahre, als das Lambic-Brauen zu schrumpfen drohte, kaufte er eine der wenigen noch existierenden Lambic-Brauereien in Lembeek, einem Dorf nahe Brüssel, und restaurierte sie. Mit der Gründung der Brouwerij Boon modernisierte er die Produktion, ohne die traditionellen Methoden aus den Augen zu verlieren: spontane Gärung, Lagerung in Eichenfässern und das kunstvolle Blenden der Biere.

Dank seines Engagements konnte nicht nur die Zukunft der authentischen Geuze gesichert werden, sondern sie erlangte auch internationale Anerkennung. Frank Boon gilt heute als Pionier und Hüter der Lambic-Brauerei und inspiriert eine neue Generation von Brauern – sowohl in Belgien als auch weltweit.

Das Video ist in englischer Sprache.

Brasserie Minne – Super Triple au Rhum

Belgien ist ein Land der großen Biergeschichten – und eine der spannendsten schreibt die Brasserie Minne. Gegründet wurde sie 2008 unter dem Namen Brasserie de Bastogne, mitten im Herzen der Ardennen. Mit ihren charmanten „Troufettes“-Bieren gewann sie schnell die Herzen der lokalen Bierfreunde. Doch der große Durchbruch kam mit dem Super Sanglier, einem kaltgehopften Blonde, das mit seiner Frische und Aromatik für Aufsehen sorgte – weit über die Grenzen der Region hinaus.

Als die Brauerei in Bastogne aus allen Nähten platzte, zog sie 2019 in ein modernes Industriegebiet rund 50 Kilometer nördlich – nach Baillonville, strategisch günstig gelegen und mit einer deutlich besseren Infrastruktur. Mit dem Umzug kam auch ein neuer Name: Brasserie Minne, benannt nach Mitinhaber und Braumeister Philippe Minne, dessen Name inzwischen für kreative Braukunst aus den Ardennen steht.

Ein Markenzeichen der Brauerei sind ihre Etiketten: kunstvoll gestaltete Tiere aus den belgischen Ardennen, allen voran Wildschwein („Sanglier“) und Wolf („Loup“), die mittlerweile zum visuellen Erkennungszeichen geworden sind. Doch nicht nur optisch, auch geschmacklich hat Minne ihren ganz eigenen Stil entwickelt. Besonders beliebt ist die „Wood“-Serie – Biere, die in Holzfässern reifen und so komplexe, tiefe Aromen entwickeln.

Ein Beispiel für Minnes Innovationsfreude ist das Ardenne Triple, ein modern interpretierter belgischer Klassiker. Die Variante Super Triple au Rhum erhält durch die Zugabe von Rhum agricole – einem aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellten Rum von den französischen Antillen – eine exotische, warme Tiefe. Und genau dieses Bier steht jetzt vor mir.

Hell orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die schneeweiße Schaumkrone ist fest und bleibt lange erhalten. Die Optik dieses Bieres ist schon mal traumhaft.

Das Bier duftet nach frisch gebackenem Brot mit Pfeffer und Rum. Der Alkohol ist deutlich zu riechen, aber in dieser Kombination passt er und stört nicht. Ansonsten ist das Aroma dieses Bieres genau so, wie ich es von einem typischen belgischen Triple erwarte.

Der Antrunk ist recht süß und mit der sehr feinperligen Kohlensäure vermittelt das Bier vom ersten Moment an ein weiches, volles und dabei schweres Mundgefühl. Der Geschmack des Rums kommt jetzt stärker zum Tragen als in der Nase. Bittere kann ich auf der Zunge nicht feststellen. Dafür ist das Bier mit seinem 9,5 Volumenprozent Alkohol gefährlich süffig. Erst in der Kehle kommt eine leichte Bittere zum Tragen, die aber auch jetzt mild mit kurzem Nachklang ist. Die Stärke der Bitteren ist sehr gut auf den Geschmack des Rums abgestimmt.

Mit ihrer Mischung aus regionaler Verwurzelung, handwerklicher Leidenschaft und Experimentierfreude hat sich die Brasserie Minne längst als feste Größe in der belgischen Brauszene etabliert – und sie zeigt auch mit diesem Bier eindrucksvoll, dass Tradition und Innovation im Bierglas wunderbar zusammenfinden können.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Chinook, Simcoe, Waï-iti), Zucker, Hefe, Rum

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brasserie Minne
ZA Nord Bailonville 9
5377 Somme Leuze
Belgien
www.brasserieminne.be

Haacht – Super 8 Export

Ein Exportbier mit 4,8 Volumenprozent Alkohol klingt eigentlich nicht sonderlich belgisch. Aber genau solche Biere waren bis etwa 1975 bei den Arbeitern in Belgien sehr beliebt, was auch ein Grund für die Brauerei Haacht war, diesen Bierstil wieder aufleben zu lassen. Er wurde in Belgien wieder beliebt und entwickelte sich zum Urvater der Super 8-Marke der Brauerei.

Golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die gemischtporige und trotzdem feste Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten.

Das Bier duftet betont nach Hopfen, wobei ich nur wenige fruchtige Aromen feststellen kann. Vermutlich verwendet Haacht einen Hopfen mit hohem Alphasäurengehalt. Aber auch die Süße des Malzes kommt aus dem Hintergrund noch zum Tragen.

Der Antrunk ist durch eine kräftige Karbonisierung spritzig und kann durch seine angenehme Malzsüße sofort überzeugen. Auf der Zunge gesellt sich eine zur Süße passende Bittere dazu. Der Körper ist aber schlank. In der Kehle dominiert eine nicht allzu kräftige Hopfenbittere mit recht kurzem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Hopfen, Antioxidationsmittel Ascorbinsäure

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Bittereinheiten:

23 IBU

Farbe:

10 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

3 °C

Brauerei:

Brouwerij Haacht
Provinciesteenweg 28
3190 Boortmeerbeek
Belgien
www.haacht.com

Omer vander Ghinste – Kriek Max

Die belgische Familienbrauerei Brouwerij Omer Vander Ghinste wurde 1892 im Ort Bellegem (nahe Kortrijk, Westflandern) gegründet.  Seit ihrer Gründung wird sie über Generationen von der Familie Vander Ghinste geführt. Im Jahr 2014 wurde die frühere „Bockor Brewery“ offiziell wieder in „Brouwerij Omer Vander Ghinste“ umbenannt, um die familiäre Tradition hervorzuheben.

Brouwerij Omer Vander Ghinste ist heute eine angesehene Brauerei im belgischen Spezialbier-Segment, die sowohl regionale Wurzeln pflegt als auch international agiert. Ihr Erfolg zeigt, wie eine Familienbrauerei Tradition, Innovation und Markenbildung verbinden kann. Die Brauerei investiert weiterhin in neue Bierstile und modernisierte Produktionsanlagen, um auch künftig relevant zu bleiben.

Jetzt steht vor mir das Kriek Max, ein Lambic mit 25 % Kirschsaft. Im Jahr 2011 wurde Kriek Max bei den WBA (World Beer Awards) zum besten Kriek der Welt gewählt.

Die reichliche Gabe des Kirschsaftes sorgt für ein dunkles Kirschrot des Bieres, über dem eine rosafarbene feinporige Schaumkrone prangt, die sehr lange erhalten bleibt. Schon die Optik des Kriek Max ist ein Genuss.

Die Kirschen dominieren mit ihrem Duft auch das Aroma des Bieres, das durch weitere Aromen abgerundet wird, die an Marzipan und Vanille erinnern. Auch die Süße des Malzes kann ich riechen.

Der Antrunk ist fruchtig spritzig, dominiert von süßem Kirschsaft, der sich harmonisch mit einer milden Säure verbindet. Trotz seiner Süße und Vollmundigkeit wirkt das Bier nicht schwer, sondern angenehm erfrischend. In der Kehle wird das Bier trockener und der Geschmack des Kirschsafts klingt einige Zeit nach.

Das Kriek Max von Omer vander Ghinste ist ein unkompliziertes, charmantes Fruchtbier, das zeigt, wie modern belgische Brautradition schmecken kann. Perfekt für alle, die Süße und Frische im Glas suchen.

Alkoholgehalt:

3,5 %

Empfohlene Genusstemperatur:

4° Celsius

Brauerei:

Omer vander Ghinste
Brouwtorenstraat 5
8510 Bellegem
Belgien
www.omervanderGhinste.be

Leffe – 0.0 Bruin

Leffe ist schon lange keine kleine Brauerei mehr, sondern eine international bekannte Marke mit Wurzeln im mittelalterlichen Klosterbrauen. Wer ein ausgewogenes belgisches Abteibier sucht – mit soliden Malz- und Hefenoten, ohne extremen Hopfenfokus – ist hier gut aufgehoben. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf kleinere Abteibrauereien, wenn man eine weniger industrialisierte Alternative sucht. Leffe verbindet das Narrativ einer jahrhundertealten klösterlichen Tradition mit moderner Großproduktion. Für viele Genießer ist der Name Synonym für belgisches Abteibier mit einem gewissen Massentalent und Eingängigkeit. Es überrascht mich nicht wirklich, dass Leffe jetzt auch begonnen hat, alkoholfreie Biere zu brauen. Ob das in der gleichen Qualität gelingt wie bei den „richtigen“ Biere, will ich jetzt herausfinden.

Tiefbraun und mit einer festen leicht farbstichigen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum bleibt sehr lange stehen. Damit ist an der Optik des Bieres schon mal nichts auszusetzen.

Die Aromen gerösteten Malzes stehen im Mittelpunkt des Duftes des Leffe 0.0. Ich rieche dunkle Schokolade und etwas Rauch, abgerundet durch einen Hauch Lakritz.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge kommen die Geschmacksnoten nach dunkler Schokolade und Karamell in den Vordergrund, begleitet durch einen Hauch Rauch. Die Bittere des Hopfens ist nicht zu schmecken. Trotz dieses Aromenspektrums ist das Mundgefühl weich und angenehm. Für ein alkoholfreies Bier hat das Leffe 0.0 einen überraschend kräftigen Geschmack. In der Kehle kann ich erstmals die Bittere des Hopfens schmecken. Auch wenn die Bittere zurückhaltend bleibt und nicht kräftig wird, klingt sie doch erstaunlich lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Gerste, Zucker, Hopfen, Hopfenextrakt, natürliches

Alkoholgehalt:

< 0,05 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6 – 8° Celsius

Brauerei:

Abbaye Notre-Dame de Leffe
Place de l’Abbaye 1
5500 Dinant
Belgien
www.leffe.com

De Dochter van de Korenaar – Sans Pardon – Pure Oak

De Dochter van de Korenaar ist eine belgische Brauerei mit Sitz in Baarle-Hertog, die 2007 von Ronald und Monique gegründet wurde. Die Brauerei ist bekannt für ihre hochwertigen Spezialbiere in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Stilen, darunter preisgekrönte und holzgereifte Biere. Die Brauerei hat sich einen guten Ruf erarbeitet und ist vor allem für ihre dunklen Biere beliebt.

Fassgereifte Biere werden in der Regel in Fässern gereift, in denen vorher Weine oder Spirituosen gelagert wurden. Bei den Brauern in Baarle-Hertog entstand die Idee, einige Biere aus dem Sortiment in neuen, unbenutzten Eichenfässern reifen zu lassen. Die Erfahrungen der Winzer sind aber auch beim Reifen von Bier eingeflossen. Dinge wie die Art der Eiche, die Art des Sägens, der Röstgrad, die Reifezeit und die Temperatur spielen eine wichtige Rolle bei der endgültigen Geschmacksentwicklung des Endprodukts. Mal sehen, was dabei herausgekommen ist.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine gemischtporige haselnussbraune Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass ich bei einem Bier aus dieser Brauerei auch nichts anderes erwartet habe.

Das Aroma des Sans Pardon ist wirklich betörend: selbstverständlich kommt die Eiche gut zum Tragen, aber auch die anderen Aromen nach Kaffee, Lakritz und Kandis sind sehr ansprechend und machen zusammen mit dem Vanillearoma richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist weniger süß als erwartet und er überzeugt durch eine feinperlige und dabei doch kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge präsentiert sich das Bier sehr geschmacksintensiv, ohne dabei übertrieben wuchtig zu werden. Der Kaffeegeschmack steht im Mittelpunkt, unterstützt durch etwas Lakritz. Dabei ist die Bittere etwas zurückhaltend vertreten. Das Mundgefühl ist schwer und samtig. Für die Ausgewogenheit des Bieres sorgt eine angenehme Süße, während der Geschmack der Eiche dem Bier die Spitzen nimmt. In der Kehle ist das Bier überraschend mild und während der Alkohol im Magen wärmt, klingt der Kaffeegeschmack sehr lange nach.

Die neun Monate Reifung in den neuen Eichenfässern, der daraus resultierende Tannin-Eichengeschmack und die runden Vanillenoten und die Nachgärung in der Flasche ergeben ein sehr schmackhaftes und angenehmes Stout.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, geröstete Gerste, Weizenmalz, Hopfen, Rooibos, Hefe

Alkoholgehalt:

11,0 % Vol.

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Lindemans – Tarot d’or

Die Brauerei Lindemans wurde im Jahr 1822 gegründet, als Joos Frans Lindemans die Brauertochter Francisca Josina Vandersmissen heiratete und gemeinsam auf dem Bauernhof „Hof ter Kwade Wegen“ in Vlezenbeek Lambic-Bier herstellten. Ursprünglich war Lindemans eine gemischte Landwirtschaft mit kleiner Brauerei, um die Bauern im Winter zu beschäftigen. Mit der Zeit wurde das Bierbrauen zentraler und die Landwirtschaft zurückgefahren. Heute wird Lindemans von der sechsten Generation der Familie (unter anderen Dirk und Geert Lindemans) geführt.

Der Lambic-Prozess bei Lindemans folgt historischen Methoden: Die Würze wird gekocht, dann in flache Becken („coolships“) ausgekühlt, damit wilde Hefen und Bakterien aus der Umgebung – insbesondere dem Pajottenland rund um Vlezenbeek – spontaner Gärung einleiten. Die Reifung erfolgt in Holzfässern („foudres“) und über längere Zeiträume. Bei einigen Neuheiten verwendet Lindemans heute auch Edelstahlbehälter und Holzchips, um Geschmack und Qualität in immer gleichem Maße liefern zu können.

Jetzt will ich das Lindemans Tarot d’Or verkosten, ein Bier, das mit verschiedenen Früchten vergoren wurde. Dabei kamen sowohl wilde als auch obergärige Hefen zum Einsatz. Es ist inspiriert von der Belle Époque Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese schillernde Zeit war geprägt von einer Faszination für das Mystische und Unbekannte, als diejenigen, die einen Blick in die Zukunft werfen wollten, Hellseher aufsuchten und sich für alles Geheimnisvolle interessierten. 

Golden und glanzfein präsentiert sich das Bier im Glas. Dass die weiße Schaumkrone schnell in sich zusammenfällt, ist bei Fruchtbieren keine Seltenheit.

Das Bier duftet nach tropischen Früchten; ich meine, Mango, Melone und Zitrusfrüchte riechen zu können. Dazu kommt noch ein leichter Geruch, der an Kaugummi erinnert.

Der Antrunk ist süß mit einer reichlichen Karbonisierung. Auf der Zunge gesellt sich eine leichte fruchtige Säure zur Süße und die fruchtigen Aromen treten in den Mittelpunkt. Leider kommt aus dem Hintergrund noch ein leichter chemischer Geschmack zum Tragen, eventuell ist das der Übeltäter, der mich in der Nase an Kaugummi erinnert hat. Der Körper ist schlank. Sowohl die Fruchtigkeit als auch der chemische Geschmack werden in der Kehle noch einmal kräftiger.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

11 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Lindemans
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
www.lindemans.be

Lindemans – Kriek Brut 2024

Dass von der Brauerei Liefmans im flämischen Oudenaarde sehr gute Krieks und andere Frucht-Sauerbiere kommen, weiß ich bereits und habe auch schon eine ganze Reihe dieser Biere beschrieben. Aber wie macht sich ein Jahrgangsbier aus dieser Brauerei, das zwei Jahre gereift wurde? Das will ich jetzt anhand des Jahrgangs 2024 feststellen.

In tiefem Rubinrot präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige hellrosa Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Besser kann ein Kriek nicht aussehen.

Der Duft der reifen Sauerkirschen steigt mir in die Nase, dazu Marzipan Vanille, abgerundet durch einen Hauch Kandis aus dem Hintergrund.

Der Antrunk begeistert durch die intensive Fruchtigkeit, was aber nicht wirklich verwundert, denn in jedem Hektoliter Bier werden bis zu 13 Kilogramm Kirschen verbraut. Wohlgemerkt – es handelt sich um ganze Kirschen, nicht um Saft oder Konzentrat. Zum Geschmack der Kirschen passen gut die verhaltene Süße sowie die reichliche Karbonisierung. Während der gesamten Zeit bleiben die Kirschen im Vordergrund, ohne aber aufdringlich zu wirken. Auf der Zunge wird das Bier auch trockener, was für ein frisches und schlankes Mundgefühl sorgt. Trotz der Marzipannoten kann ich eine Bittere lediglich erahnen. Auch in der Kehle ist das Bier trocken und fruchtig, fast ohne Bittere und mit durchschnittlich langem Nachkling.

Das Liefmans Kriek Brut aus dem Jahr 2014 kann wirklich begeistern. Dies gilt nicht nur für Liebhaber klassischer Fruchtbiere, sondern das Bier ist auch ein stilvoller Begleiter zu dunkler Schokolade, wobei sowohl das Bier als auch die Schokolade ihren Genusswert steigern können. Aber auch zu Wild und einigen Desserts kann ich mir das Bier gut vorstellen.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Brouerij LindemanS
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
http://www.lindemans.be

Bier ist Trumpf – Het Nest setzt auf „Less, Low & Local“

In der belgischen Bierlandschaft ist die Brauerei Het Nest längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Statt ständig neue Sorten auf den Markt zu werfen, verfolgt das Team um Sales & Marketing Director Michaël Cordie eine klare Strategie, die auf drei starken Säulen ruht: Less, Low & Local.

„Weniger, aber besser“ lautet das Motto. Het Nest konzentriert sich darauf, weniger Biere zu brauen, dafür aber mit mehr Qualität, Charakter und Wiedererkennungswert. Denn, so Cordie: „Jeden zweiten Monat ein neues, exotisches Bier zu präsentieren, ist etwas für Hobbybrauer – nicht für eine professionelle Brauerei.“

Die zweite Säule steht für „Low“ – also Biere mit geringerem Alkoholgehalt. Immer mehr Menschen wollen bewusst genießen, ohne auf Geschmack zu verzichten. Mit neuen, leichten und alkoholfreien Varianten reagiert Het Nest auf diesen Trend. Ein Highlight: Schuppenboer Zero, das erste alkoholfreie Bier der Brauerei. Braumeister Gust Hermans fand nach langer Tüftelei die perfekte Balance zwischen vollem Geschmack und feiner Leichtigkeit.

Auch das neue Kempa Lager steht für den frischen Kurs: ein klassisches, regionales Lagerbier für die Kempen, gebraut mit lokalem Malz aus Arendonk. Damit stärkt Het Nest nicht nur seine regionale Identität, sondern auch die Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben, Gastronomen und Initiativen.

Passend zur Neuausrichtung bekam die Marke Schuppenboer ein neues Gesicht: moderner, stilvoller, mit einem markanten Pik-Buben als Symbol. Das neue Design stammt von der Kempener Agentur Culd und unterstreicht, dass Bier hier nicht nur Handwerk, sondern Leidenschaft ist.

Mit „Less, Low & Local“ zeigt Het Nest, dass nachhaltige Innovation nicht im Widerspruch zu Tradition steht – sondern ihr neues Kapitel sein kann.

Kurz gesagt: Weniger Sorten, mehr Qualität, bewusster Genuss und eine tiefe Verwurzelung in der Heimat – so bleibt bei Het Nest eines ganz klar: Bier ist Trumpf.