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Schneider Weisse übernimmt Weltenburger und Bischofshof – Regensburger Brauerei vor dem Aus

Ein Stück bayerischer Biergeschichte bekommt ein neues Kapitel – eines mit Licht und Schatten. Die Marken Weltenburger und Bischofshof wechseln den Besitzer: Die Kelheimer Familienbrauerei Schneider Weisse übernimmt die Markenrechte und sichert damit die Zukunft der Klosterbrauerei Weltenburg. Für den Standort Regensburg bedeutet diese Entscheidung allerdings das Aus.

Wie die beteiligten Unternehmen gemeinsam mitteilten, soll der Übergang zum 1. Januar 2027 wirksam werden. Mit dem Schritt übernimmt Schneider Weisse zwei klangvolle Namen der bayerischen Braukultur – und setzt zugleich ein Zeichen für Konsolidierung in einem Markt, der seit Jahren unter Druck steht.

Gerade Weltenburg hat dabei eine enorme symbolische Strahlkraft. Am berühmten Donaudurchbruch wird nach Angaben der Betreiber bereits seit dem Jahr 1050 Bier gebraut. Die Klosterbrauerei gilt damit als älteste ihrer Art weltweit und gehört zu einem sehr exklusiven Kreis: In ganz Deutschland existieren nur noch etwa zehn Brauereien, die sich tatsächlich als „echte“ Klosterbrauereien bezeichnen dürfen. Diese Tradition soll fortgeführt werden – ein wichtiges Signal für Liebhaber klassischer bayerischer Braukunst.

Deutlich weniger erfreulich fällt die Bilanz für Regensburg aus. Die Brauerei Bischofshof soll zum 31. Dezember 2026 schließen. Etwa 56 Beschäftigte sind davon betroffen. Die Geschäftsführung spricht von einer notwendigen Entscheidung, da ein wirtschaftlich tragfähiger Alleingang nicht mehr möglich gewesen sei. Gleichzeitig wird der Schritt als „bayerische Lösung“ bezeichnet – auch deshalb, weil die Marken innerhalb der Region bleiben.

Für die Mitarbeiter wurden sozialverträgliche Lösungen angekündigt. Gespräche mit dem Betriebsrat sollen ebenso stattfinden wie Bemühungen, Beschäftigte in andere Unternehmen der Getränkebranche zu vermitteln. Ein Teil des Betriebs bleibt erhalten: Sowohl die Klosterbrauerei Weltenburg als auch der Logistikbereich von Bischofshof mit 21 Mitarbeitenden sollen weitergeführt werden.

Eigentümer von Bischofshof ist eine Stiftung des Bistums Regensburg. Über finanzielle Details des Verkaufs wurde Stillschweigen vereinbart. Branchenkreise gehen jedoch davon aus, dass die Produktion der übernommenen Marken künftig gebündelt wird. Perspektivisch soll das Bier in Weltenburg sowie am Stammsitz von Schneider Weisse in Kelheim gebraut werden. Dort sollen in den kommenden Jahren die nötigen technischen und logistischen Voraussetzungen geschaffen werden.

Der Hintergrund dieses Umbruchs reicht weit über die beteiligten Brauereien hinaus. Der deutsche Biermarkt hat in den vergangenen 15 Jahren rund ein Viertel seines Absatzes verloren. Sinkender Konsum, steigende Kosten und veränderte Trinkgewohnheiten setzen vor allem traditionsreiche Betriebe zunehmend unter Druck. Zusammenschlüsse, Markenverkäufe und Standortschließungen sind längst keine Ausnahme mehr.

Der Deal zwischen Schneider Weisse, Weltenburger und Bischofshof zeigt exemplarisch, wie eng Bewahrung und Verlust derzeit beieinanderliegen: Auf der einen Seite wird ein einzigartiges klösterliches Brauerbe gesichert, auf der anderen verschwindet ein traditionsreicher Braustandort aus Regensburg. Ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die bayerische Bierlandschaft im Wandel befindet – leise, aber unumkehrbar.

Brauhaus Leikeim muss Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden

Die fränkische Brauerei Leikeim steht vor einer der größten Herausforderungen ihrer langen Geschichte. Das Brauhaus Altenkunstadt Andreas Leikeim GmbH & Co. KG hat beim zuständigen Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ziel dieses Schritts ist es nicht, den Betrieb einzustellen, sondern im Gegenteil: die traditionsreiche Familienbrauerei neu aufzustellen und für die Zukunft abzusichern.

Geschäftsführer Andreas Leikeim macht keinen Hehl aus den Gründen für diesen Schritt. In den vergangenen Jahren habe sich die Absatz- und Umsatzentwicklung spürbar verschlechtert, was letztlich zu einem Liquiditätsengpass geführt habe. Der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung sei daher notwendig gewesen, um rechtzeitig gegenzusteuern und Handlungsspielraum für eine Sanierung zu gewinnen.

Die Ursachen liegen dabei weniger in unternehmerischen Fehlentscheidungen als vielmehr in den schwierigen Rahmenbedingungen des deutschen Biermarktes. Sinkender Bierkonsum, stetig steigende Kosten in nahezu allen Bereichen und die wirtschaftlichen Nachwirkungen der Corona-Pandemie haben auch Leikeim stark zugesetzt. Wie viele mittelständische Brauereien spürt das Unternehmen den strukturellen Wandel der Branche besonders deutlich.

Ganz untätig ist man in Altenkunstadt allerdings nicht geblieben. In den vergangenen Jahren hat Leikeim versucht, mit verschiedenen Maßnahmen gegenzuhalten: Der Export wurde ausgebaut, zusätzliche Dienstleistungen für andere Brauereien angeboten, in alkoholfreie Produkte investiert und an vielen Stellen gespart. Doch trotz dieser Anstrengungen ließen sich die langfristigen Belastungen nicht vollständig kompensieren.

Dabei steht Leikeim für weit mehr als reine Produktionszahlen. Seit über 135 Jahren ist die Marke ein fester Bestandteil der fränkischen Bierlandschaft. Als unabhängige Familienbrauerei in fünfter Generation ist das Unternehmen tief in Oberfranken verwurzelt – wirtschaftlich ebenso wie kulturell. Leikeim ist Arbeitgeber, Identifikationspunkt und für viele schlicht ein Stück Heimat im Glas.

Wichtig für Kundinnen und Kunden: Der Betrieb läuft weiter. Rund 100 Mitarbeiter sind derzeit bei Leikeim beschäftigt, Produktion und Auslieferung werden fortgeführt. Die beliebten Bierspezialitäten und Erfrischungsgetränke, bekannt nicht zuletzt durch die markante Bügelverschlussflasche, bleiben weiterhin verfügbar. Auch die Versorgung des Handels ist nach Angaben des Unternehmens gesichert.

Im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens werden nun verschiedene Sanierungsoptionen geprüft. Dazu gehören sowohl interne Restrukturierungsmaßnahmen als auch Gespräche mit potenziellen Investoren. Unterstützt wird die Geschäftsführung dabei von Rechtsanwalt Gunther Neef, der als Generalbevollmächtigter den Sanierungsprozess begleitet. Ziel sei es, das Unternehmen neu auszurichten, auf veränderte Marktbedürfnisse zu reagieren und verloren gegangenes Vertrauen bei Verbrauchern, Geschäftspartnern und Lieferanten zurückzugewinnen.

Die rechtliche Aufsicht im Verfahren übernimmt Rechtsanwalt Jochen Wagner, der als Sachwalter die Interessen der Gläubiger vertritt. Parallel dazu bleibt der Fokus klar auf dem Standort Altenkunstadt: Leikeim soll als wichtiger Arbeitgeber und als unabhängige fränkische Brauerei erhalten bleiben.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieser Weg gelingt. Klar ist schon jetzt: Mit dem Antrag auf Eigenverwaltung setzt Leikeim auf einen kontrollierten Neustart – und auf die Chance, dass eine der bekanntesten Brauereien Oberfrankens auch künftig ein fester Bestandteil der deutschen Bierkultur bleibt.

BrauBeviale 2026: Europas Getränkeszene trifft sich in Nürnberg – mit neuem Fokus auf alkoholfreie Getränke

Bild (c) Messe Nürnberg

Die BrauBeviale in Nürnberg gilt längst als unverzichtbarer Treffpunkt für die europäische Brau- und Getränkeindustrie – und das wird sich auch 2026 nicht ändern. Vom 10. bis 12. November öffnet die Messe wieder ihre Tore unter dem Motto „All Beverages. One Future.“ und zeigt, wohin die Reise der Branche geht: neue Produkte, neue Marktchancen und vor allem jede Menge Impulse für eine starke Zukunft.

Ein besonderes Augenmerk liegt diesmal auf alkoholfreiem Bier. Dieses Segment gilt als Wachstumsmarkt und bietet gerade für mittelständische Brauereien die Chance, ihr Portfolio zu erweitern. „Die Optionen für die mittelständische Brauerei- und Getränkewirtschaft Europas zu einem erweiterten Produktportfolio dürfen nicht ungenutzt bleiben“, betont Markus Kosak, Executive Director bei YONTEX. In Nürnberg bekommen Aussteller und Besucher daher die Gelegenheit, die neuesten Entwicklungen rund um alkoholfreie Getränke hautnah zu erleben – von der Rohstoffauswahl über Prozesstechnik bis hin zu Verpackungslösungen.

Denn die BrauBeviale 2026 zeigt nicht nur Bier: Gerade alkoholfreie Erfrischungsgetränke rücken stärker in den Fokus. Nach einer sukzessiven Erweiterung des Angebots für Wein und Spirituosen in den letzten Jahren ist dies der nächste Schritt, um den veränderten Verbrauchergewohnheiten Rechnung zu tragen. Der neue Claim der Messe, „All Beverages. One Future.“, spiegelt genau diese Bandbreite wider: Hier treffen klassische Brautechnik und moderne Getränkelösungen aufeinander.

Eine weitere Neuerung wartet beim Hallenlayout. Auf dem Nürnberger Messegelände stehen die Hallen 6 bis 12 zur Verfügung, was eine optimierte Besucherführung und eine kompakte Präsentation der Aussteller ermöglicht. So können Fachbesucher bequem alle Themenschwerpunkte durchlaufen und gleichzeitig Kontakte knüpfen – ein entscheidender Pluspunkt der BrauBeviale.

Auch das Rahmenprogramm verspricht spannende Impulse. Unter dem Motto „Time for opportunities“ bieten Expertenvorträge, Workshops und Diskussionsrunden praxisnahe Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette der Getränkeherstellung. Die BrauBeviale bleibt damit das Forum für alle, die sich austauschen, vernetzen und innovative Ideen direkt umsetzen wollen.

Stefan Stang, Geschäftsführer des Private Brauereien Bayern e.V., ideeller Träger der BrauBeviale, bringt es auf den Punkt: „Die Brau- und Getränkebranche befindet sich unbestritten im Wandel. Unter dem neuen Claim ‚All Beverages. One Future‘ bietet die BrauBeviale 2026 gezielt Lösungen für die Gesamtheit unserer Branche, um den Herausforderungen der Zukunft zielgerichtet zu begegnen. Wir freuen uns auf drei Tage voller Ideen und Anregungen sowie dem einzigartigen Netzwerkcharakter in Nürnberg.“

Ob etablierte Brauereien, Start-ups im Getränkesegment oder Anbieter von Prozesstechnik – die BrauBeviale 2026 verspricht wieder drei Tage voller Innovation, Austausch und Praxiswissen, die die Branche fit für die Zukunft machen.

Störtebeker Brauspezialitäten zum Jahresbeginn mit überarbeitetem Design

Die Brauspezialitäten aus Stralsund starten ins neue Jahr mit einem überarbeiteten Markenauftritt. Bewährte Elemente wie die rote Fahne und die Kraweele bleiben erhalten, gleichzeitig wirkt das Design klarer, moderner und prägnanter. Ziel ist es, die Marke zeitgemäß zu präsentieren und zugleich die Verbindung zu bestehenden Fans zu erhalten.

Nach fast zehn Jahren hat Störtebeker sein Erscheinungsbild angepasst. Der nordische Charakter und die bekannten Markenzeichen wurden nicht ersetzt, sondern in ihrer Wirkung neu kombiniert. So ist das Logo nun als Wort-Bild-Marke vertikal angeordnet, die rote Fahne nimmt eine zentrale Position ein, und die Kraweele auf den Bauchetiketten rückt stärker ins Zentrum. Auch die Sortenlabels auf den Flaschen sind größer gestaltet, während die typischen farbigen Kronkorken die Sortenlogik beibehalten. Insgesamt ergibt sich ein klar strukturiertes und aufgeräumtes Erscheinungsbild.

Die Veränderungen wirken sich auch auf die Sortenkategorien aus: Die fruchtig-herben Ale-Biere wie Atlantik-Ale, New England IPA und Pazifik-Ale präsentieren sich künftig als eigenständige Familie mit roter Fahne am Flaschenhals. Die alkoholfreien Brauspezialitäten sind nun klarer als eigene Kategorie erkennbar, unter anderem durch weiße Kronkorken und Halsetiketten. Die farblich geteilten Labels verbinden dabei die alkoholfreien Sorten mit den entsprechenden alkoholhaltigen Varianten.

Der Relaunch entstand in einem rund einjährigen Prozess, an dem interne und externe Teams beteiligt waren. Jedes Detail wurde überprüft, diskutiert und angepasst. Laut Marketingsprecher Aljoscha Taukel ging es dabei darum, die Stärken der Marke sichtbar zu machen, ohne das Bekannte zu verlieren: klare Haltung, nordische Herkunft und ein charakterstarker Auftritt.

Die ersten Flaschen im neuen Design werden Ende Januar im Handel erhältlich sein. Parallel wird das überarbeitete Markenbild auch in anderen Bereichen umgesetzt, etwa in Anzeigen und auf der Website. Mit dem Relaunch zeigt Störtebeker, dass sich eine etablierte Marke modernisieren kann, ohne ihre Wurzeln aufzugeben.

Verteidigung der Wahlfreiheit der Verbraucher und der Zusammenarbeit in Finnlands Bierkultur

Stellungnahme der European Beer Consumers Union (EBCU) zur geplanten Änderung der Biersteuer in Finnland (Übersetzung von mir):

Finnland erwägt derzeit neue Leitlinien zur Verbrauchsteuer, die viele Collaboration Brews für kleine Brauereien faktisch unmöglich machen würden. Nach der vorliegenden Entwurfsinterpretation könnte ein Bier, das mehr als die Namen oder Logos von mehr als einer Brauerei trägt (wie es bei Kollaborationen üblich ist), als „Produktion unter Lizenz“ eingestuft werden. In diesem Fall könnten die beteiligten Brauereien ihre Steuererleichterungen für kleine Brauereien für das gesamte Jahr verlieren. Dies würde nicht nur finnische Brauereien betreffen, sondern auch Importe und internationale Kooperationen – und letztlich die Auswahl für Bierkonsumenten deutlich verringern.

Kollaborationsbiere gehören zu den Besonderheiten der modernen Bierkultur. Wenn zwei oder mehr unabhängige Brauereien gemeinsam ein Bier brauen, teilen sie Ideen, Fachwissen und Leidenschaft – oft auch über Landesgrenzen hinweg. Diese Gemeinschaftsbiere machen in der Regel niemanden reich; es handelt sich meist um kleine Sude, die Bierliebhabern etwas Neues und Spannendes bieten und Brauereien helfen, neue Zielgruppen zu erreichen. Das europäische Recht erkennt an, dass kleine Brauereien gelegentlich zusammenarbeiten, und erlaubt den EU-Mitgliedstaaten, unabhängigen kleinen Brauereien Steuererleichterungen zu gewähren. In vielen Ländern hat dies Zusammenarbeit und Innovation gefördert, ohne steuerliche Regeln auszuhöhlen.

Finnlands Entwurf zur Verbrauchsteuer-Leitlinie schlägt den entgegengesetzten Weg ein. Er würde jedes Bier, das mehr als ein Brauereilogo trägt, als „lizenzierte Produktion“ behandeln und allen beteiligten Brauereien die Steuererleichterung für kleine Brauereien für ein ganzes Jahr entziehen. Selbst wenn kein Geld fließt und das Bier in den eigenen Räumlichkeiten einer Brauerei gebraut wird, würde allein das Vorhandensein eines Partnerlogos ausreichen, um diese Sanktion auszulösen. Das käme einem faktischen Verbot von Kollaborationsbieren für Finnlands kleine Brauereien gleich, würde internationale Kooperationen entmutigen und Finnland zu einem Sonderfall in Europa machen.

Als Europäische Bierkonsumenten-Vereinigung sind wir der Auffassung, dass Verbraucher Auswahl, Vielfalt und Fairness verdienen. Kollaborationsbiere bereichern die Bierlandschaft, stärken grenzüberschreitende Freundschaften und bringen Konsumenten neue Stile und Geschmacksrichtungen näher. Kleine Brauereien daran zu hindern, solche Biere zu brauen, würde Vielfalt und Innovation für Biertrinker in Finnland und darüber hinaus einschränken. Zudem könnten die Exportchancen finnischer Brauereien leiden, während ausländische Brauereien den finnischen Markt meiden könnten – aus Angst, ihren Status als kleine Brauerei zu verlieren. Am Ende hätten Verbraucher weniger Auswahl in den Regalen.

Wir fordern die finnischen Behörden auf, ihren Leitlinienentwurf zu überdenken. Regelungen zur Steuererleichterung für kleine Brauereien sollten klar zwischen echter Auftragsbrauerei (bei der ein Unternehmen die Marke eines anderen produziert) und kreativer Zusammenarbeit unterscheiden, die Verbrauchern neue Erlebnisse bieten. Gleichzeitig appellieren wir an die EU-Politik, dafür zu sorgen, dass der Kooperationsgedanke der Richtlinie 92/83/EWG in allen Mitgliedstaaten einheitlich angewendet wird. Bierkonsumenten in Finnland und ganz Europa verdienen politische Rahmenbedingungen, die Vielfalt, Innovation und faire Behandlung unterstützen.

11 Brauer, eine Frage: Was wird der nächste große Bierstil?

Die Bierwelt lässt sich grob in Ales, Lagerbiere und Hybridstile einteilen – doch dahinter verbirgt sich eine enorme Vielfalt. Während Klassiker wie IPA oder Stout fest etabliert sind, geraten andere Stile zeitweise in Vergessenheit. Doch Trends können sich schnell drehen: Sobald ein Bierstil die Fantasie der Szene beflügelt, findet er seinen Weg zurück an die Zapfhähne.

Was also kommt als Nächstes? Um das herauszufinden, fragte das Portal vinepair.com elf Brauer, welche Bierstile sie in naher Zukunft vorne sehen.

Ein zentrales Motiv zieht sich durch viele Antworten: der Wunsch nach mehr Balance und Trinkbarkeit. Mehrere Brauer prognostizieren eine Rückkehr zu Pale Ales mit 5 bis 6 Prozent Alkohol – unabhängig davon, ob amerikanisch, britisch oder belgisch interpretiert. Weg vom Extrem, hin zu Bieren, die man gerne trinkt statt analysiert.

Auch ein allgemeiner Stimmungswandel zeichnet sich ab. Statt immer stärkerer, süßer oder gehypter Biere rücken ausgewogene Lagerbiere und niedrigalkoholische Ales in den Fokus. Begriffe wie „beer-flavored beers“ stehen dabei für klassische, sauber gebraute Biere ohne Schnickschnack, bei denen Drinkability wieder zählt.

Weitere genannte Trends sind die Rückkehr der Black IPA, wieder mehr echte Bitterkeit im IPA-Segment sowie europäisch inspirierte Lagerbiere mit moderatem Alkoholgehalt und fairen Preisen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten bleibt Bier ein erschwinglicher Genuss.

Auch besonders süffige, alkoholarme Biere gewinnen an Bedeutung – als Alternative zu alkoholfreien Varianten. Genannt werden Session IPAs, Light Lager und sogar Dark Milds. Parallel dazu sehen einige Brauer eine Renaissance traditioneller Stile wie Münchner Helles oder „Table-Strength“-Saisons mit nur 2,5 bis 4 Prozent Alkohol.

Ein weiterer spannender Ansatz ist das „Single-Origin Beer“: Biere, die gezielt regionale Rohstoffe in den Mittelpunkt stellen und Herkunft sowie Handwerk erzählen – ein Trend, der besonders jüngere Konsumenten anspricht.

Statt eines einzelnen neuen Hype-Stils zeichnet sich eine Rückbesinnung ab. Mehr Ausgewogenheit, niedrigere Alkoholwerte, regionale Zutaten und klassische Bieraromen könnten die Biertrends der kommenden Jahre prägen.

Europas Biermarkt in der Krise: Rückgänge, Druck und neue Chancen

Der europäische Biermarkt steht weiterhin unter Druck. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte „European Beer Trends Report 2025“ von The Brewers of Europe deutlich: Produktion, Konsum und Exporte sind bereits das fünfte Jahr in Folge rückläufig. Trotz der tief verwurzelten Bierkultur und jahrhundertelanger Brautradition befindet sich Europas Bierbranche in einer Phase des Umbruchs.

Besonders deutlich wird der Wandel in der Gastronomie. Wurde früher rund ein Drittel des gesamten Bierkonsums in Kneipen, Cafés und Restaurants getrunken, liegt dieser Anteil heute nur noch bei etwa einem Viertel. Zwar wird im Einzelhandel mengenmäßig mehr Bier verkauft, doch die eigentliche Wertschöpfung findet nach wie vor in der Gastronomie statt. Ein geschwächter Außer-Haus-Markt trifft deshalb die gesamte Wertschöpfungskette – von Landwirten über Brauereien bis hin zu Festivals, Tourismus und regionalen Arbeitsplätzen.

Nach Jahren starken Wachstums hat sich zudem die Zahl der Brauereien in der EU stabilisiert. Aktuell gibt es rund 9.700 aktive Betriebe. Das deutet auf eine Verlangsamung der Dynamik hin, die das europäische Brauwesen im vergangenen Jahrzehnt geprägt hat.

Christian Weber, Präsident von The Brewers of Europe, sieht in den aktuellen Zahlen mehr als eine kurzfristige Schwächephase. Das Vertrauen der Verbraucher sei gesunken, gleichzeitig stiegen Kosten und regulatorischer Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Branche bleibe zwar widerstandsfähig und optimistisch, brauche jedoch mehr Stabilität und verlässliche Rahmenbedingungen, um wieder investieren zu können.

Die Bierproduktion in der EU ist seit 2019 von 367 auf 345 Millionen Hektoliter im Jahr 2024 gesunken. Erste Zahlen aus dem Jahr 2025 deuten auf einen weiteren Rückgang hin. Auch die Exporte, lange Zeit ein Ausgleich für schwächere Inlandsmärkte, sind bereits zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen.

Als Ursachen nennt der Bericht unter anderem Inflation, hohe Rohstoff- und Energiekosten, gestörte Lieferketten sowie klimabedingte Belastungen für landwirtschaftliche Rohstoffe. Hinzu kommt ein verändertes Konsumverhalten: Bier wird heute bewusster und seltener im sozialen Umfeld konsumiert – ein Trend, der besonders die Gastronomie trifft.

Trotz aller Herausforderungen zeigt sich die Branche weiterhin innovationsfähig. Alkoholfreie Biere bleiben das am schnellsten wachsende Segment. Innerhalb von fünf Jahren ist ihr Absatz um 25 Prozent gestiegen, inzwischen machen sie rund 7,5 Prozent des gesamten Bierkonsums in der EU aus.

Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, betont die Bedeutung eines ausgewogenen regulatorischen Umfelds. Brauereien engagierten sich in den Bereichen Nachhaltigkeit, verantwortungsvoller Konsum und kulturelles Erbe. Damit sie weiterhin zur wirtschaftlichen und kulturellen Vielfalt Europas beitragen können, brauche es jedoch Unterstützung statt zusätzlicher, unverhältnismäßiger Regulierung.

Der Bericht wurde im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung „Beer Serves Europe“ in Brüssel vorgestellt. Dort kamen Brauer, Partner aus der Lieferkette sowie politische Entscheidungsträger aus den EU-Institutionen und den Mitgliedstaaten zusammen. Die zentrale Botschaft: Europas Bierbranche steht vor großen Herausforderungen – besitzt aber weiterhin das Potenzial, sich neu zu erfinden und langfristig zu behaupten.

Europäischer Biermarkt: Produktion, Konsum und Export weiter rückläufig

Der europäische Biermarkt steht weiterhin unter Druck: Laut dem aktuellen „European Beer Trends Report 2025“ von The Brewers of Europe verzeichnen Produktion, Konsum und Export bereits das fünfte Jahr in Folge Rückgänge. Besonders der Verkauf in Kneipen, Cafés und Restaurants, der früher ein Drittel des europäischen Bierkonsums ausmachte, ist inzwischen auf etwa ein Viertel gesunken. Dieser Bereich generiert jedoch den größten Teil der Wertschöpfung der Branche und sichert Hunderttausende von Arbeitsplätzen in kleinen und mittleren Betrieben sowie in der Gastronomie. Ein schwacher Gastronomiesektor wirkt sich daher auf die gesamte Wertschöpfungskette aus – von Landwirten über Bierfestivals bis hin zum Tourismus.

Nach Jahren des stetigen Wachstums hat sich die Zahl der aktiven Brauereien in der EU nun bei rund 9.700 eingependelt. Christian Weber, Präsident von The Brewers of Europe, betont, dass der aktuelle Abschwung mehr als ein vorübergehender Einbruch sei: „Die Verbraucher haben das Vertrauen verloren und geben weniger aus. Die Brauereien sehen sich mit steigenden Kosten, strengeren Vorschriften und zunehmendem Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette konfrontiert.“

Die Bierproduktion in der EU sank von 367 Millionen Hektolitern im Jahr 2019 auf 345 Millionen Hektoliter 2024, und die vorliegenden Zahlen für das Jahr 2025 deuten auf einen weiteren Rückgang hin. Auch die Exporte, einst ein stabilisierender Faktor, sind zum zweiten Mal in Folge gesunken. Hauptursachen sind Inflation, hohe Inputkosten, globale Transportstörungen und klimabedingter Druck auf Rohstoffe. Zudem wirkt sich ein geringes Verbrauchervertrauen auf Produkte aus, die eng mit gesellschaftlichen Anlässen und Gastronomie verbunden sind.

Trotz dieser Herausforderungen setzt der Sektor auf Innovation: Alkoholfreie Biere sind das am schnellsten wachsende Segment und konnten in fünf Jahren um 25 % zulegen, mittlerweile machen sie 7,5 % des Bierkonsums in der EU aus. Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, unterstreicht die Bedeutung eines klaren regulatorischen Rahmens: „Die Brauereien setzen sich für Nachhaltigkeit, Mäßigung und kulturelle Werte ein. Aber jetzt ist es an der Zeit für klare Unterstützung – und nicht für unverhältnismäßige oder kontraproduktive Regulierung.“

Der Bericht wurde kürzlich auf der 12. jährlichen Veranstaltung „Beer Serves Europe“ in Brüssel vorgestellt, an der Brauer, Partner der Lieferkette, politische Entscheidungsträger und Gäste aus EU-Institutionen teilnahmen.

Italiens beste Weihnachtsbiere: Christmas Beers 2025 gekürt

Weihnachtsbiere haben eine ganz besondere Aufgabe: Sie sollen Wärme und Vertrautheit vermitteln, nach Gewürzen und Süßigkeiten duften und den Geist der Feiertage in flüssiger Form einfangen. Genau diesen Anspruch hat auch in diesem Jahr wieder Unionbirrai, der Verband kleiner, unabhängiger Craft-Brauereien Italiens, mit der fünften Ausgabe von Christmas Beers gefeiert – dem Weihnachtswettbewerb im Rahmen von Birra dell’Anno (Bier des Jahres).

Der Sieger: Christmas Crumble aus der Lombardei

Den ersten Platz sicherte sich Christmas Crumble der Lariano Brewery aus Sirone in der Lombardei. Das Bier überzeugte die Jury durch seine Balance, seine aromatische Tiefe und die Fähigkeit, den Weihnachtsgedanken besonders eindrucksvoll ins Glas zu bringen. Komplex, harmonisch und dennoch zugänglich – so präsentierte sich der verdiente Gewinner.

Silber und Bronze: Marche und Apulien auf dem Podium

Die Silbermedaille ging an Guastafeste, eine weihnachtliche Interpretation der Brauerei Fam. Mukkeller aus Porto Sant’Elpidio in den Marken. Den dritten Platz belegte Primatia von Birranova aus Triggianello in Apulien – der scheidende Sieger des Wettbewerbs, der auch in diesem Jahr wieder überzeugen konnte.

Besondere Erwähnungen für Kreativität und Thementreue

Zwei weitere Biere wurden von der Jury mit einer besonderen Erwähnung ausgezeichnet:

  • Caput Mundi vom Birrificio dei Castelli aus Arcevia
  • Santo Stefano vom Birrificio Agricolo Pagus aus Darfo Boario Terme

Beide Biere stachen durch ihre Originalität und ihre konsequente Ausrichtung auf das Weihnachtsthema hervor.

Was italienische Weihnachtsbiere auszeichnet

Laut Simone Monetti, Generalsekretär von Unionbirrai, lassen sich italienische Weihnachtsbiere weniger über einen festen Stil als über gemeinsame Eigenschaften definieren:

„Italienische Weihnachtsbiere erinnern an den Reichtum und Überfluss der Feiertage, mit Anklängen an typische Weihnachtssüßigkeiten. Es handelt sich meist um limitierte Auflagen, oft vollmundig, würzig, bernsteinfarben oder dunkel, mit einem komplexen aromatischen Profil.“

Damit sind sie bewusst außerhalb klassischer Bierstilkategorien angesiedelt und leben von Kreativität, Emotion und Individualität.

Mehr als Bier: Flüssige Weihnachtsgeschichten

Christmas Beers ist für Unionbirrai mehr als ein Wettbewerb. Monetti betont den kulturellen und symbolischen Wert dieser Spezialitäten:

„Mit BdA XMAS Beers wollen wir die Fähigkeit italienischer Craft-Brauer fördern, jedes Bier in eine Geschichte zu verwandeln – in eine Emotion, die man während der Feiertage erlebt. Diese Biere sind nicht nur zum Probieren da: Sie sind Erfahrungen, die verschenkt, geteilt und erinnert werden.“

Die finalen Verkostungen fanden blind und nach den strengen Richtlinien von Unionbirrai statt. Eine Expertenjury bewertete die Biere anhand ihres sensorischen Profils, ihrer Originalität und ihrer Fähigkeit, den Weihnachtsgeist glaubwürdig zu transportieren.

Italiens Weihnachtsbiere zeigen eindrucksvoll, wie vielseitig und emotional Craft Beer sein kann. Ob würzig, malzig, komplex oder verspielt – sie erzählen Geschichten von Festtagen, Gemeinschaft und Genuss. Der Wettbewerb Christmas Beers macht deutlich: Weihnachtsbier ist kein Stil, sondern ein Gefühl.

Der Finnische Bierverband kommentierte den Vorschlag der Regierung an das Parlament für ein Gesetz zur Änderung des Alkoholgesetzes

Die aktuelle Diskussion über die finnische Alkoholpolitik zeigt deutlich, dass das Land vor einem weiteren Schritt in Richtung Liberalisierung steht. Der Finnische Bierverband sieht Finnland gut vorbereitet, seine Regelungen zu modernisieren, denn der Alkoholkonsum im Land ist seit Jahren rückläufig und liegt inzwischen unter dem EU-Durchschnitt. Seit 2007 sinkt der Konsum kontinuierlich, und auch die Anhebungen der erlaubten Verkaufsstärke im Einzelhandel in den Jahren 2018 und 2024 haben den Konsum nicht erhöht. Vielmehr zeigt sich ein klarer Trend weg von starken hin zu milderen alkoholischen Getränken – und hin zu bewussterem, genussorientiertem Trinken.

Anikó Lehtinen, Präsidentin des Finnischen Bierverbands, betont, dass viele der von der Regierung geplanten Gesetzesanpassungen positive Auswirkungen für finnische Bierkonsumenten hätten. Besonders begrüßt wird, dass nationale Händler und Brauereien künftig ihre Biere online verkaufen und im ganzen Land liefern dürfen – vorausgesetzt, die Alterskontrolle ist gewährleistet. Das würde den Wettbewerb fairer gestalten, vor allem gegenüber ausländischen Händlern, die bereits heute deutlich hochprozentigere Produkte nach Finnland liefern dürfen. Der Verband fordert daher gleiche Regeln für alle Anbieter und eine klare gesetzliche Gleichstellung.

Der Bierverband sieht in liberalisierten Binnen-Lieferverkäufen eine große Chance: Kleinere Brauereien könnten neue Einnahmen erzielen, und Bierliebhaber in entlegenen Regionen bekämen Zugang zu einer deutlich breiteren Auswahl heimischer Biere. Die technischen Voraussetzungen für Alterskontrollen seien bereits gegeben, denn Transportunternehmen prüfen die Identität vieler Empfänger ohnehin. Zusätzliche bürokratische Hürden lehnt der Verband ab und plädiert dafür, bestehende Alkoholpässe um die Anforderungen für Fernverkauf und Lieferung zu erweitern.

Kritisch äußert sich der Verband jedoch zu geplanten Verschärfungen im Marketingbereich. Der Gesetzesentwurf sieht vor, Influencer-Marketing für sowohl milde als auch starke alkoholische Getränke in sozialen Medien vollständig zu verbieten. Auch Werbezeiten im Fernsehen und Radio sollen weiter eingeschränkt werden. Der Bierverband hält diese Verschärfungen für unnötig und widersprüchlich, insbesondere da der Alkoholkonsum unter Minderjährigen seit über 15 Jahren sinkt und strenge Regeln bereits existieren. Zudem sei gerade Influencer-Marketing für Bier in Finnland überwiegend geschmacks- und wissensorientiert und richtet sich an erwachsene Zielgruppen.

Besonders problematisch sei die fehlende Definition des Begriffs Influencer. Dadurch könnten im schlimmsten Fall auch Bierexperten, Blogger oder sogar normale Konsumenten betroffen sein, die online über verkostete Biere berichten. Aus Sicht des Verbands würde das nicht nur ehrliche, verantwortungsbewusste Kommunikation unterbinden, sondern auch den nationalen Influencern schaden, während internationale Akteure weiterhin frei über Bier und Alkohol berichten könnten.

Während der Gesetzentwurf den Zugang zu Alkohol in anderen Bereichen liberalisiert – beispielsweise durch Lieferverkauf und grenzüberschreitenden Onlinehandel – würde gleichzeitig die Kommunikation rund um milde alkoholische Getränke stark eingeschränkt. Dies sieht der Verband als widersprüchlich und fordert daher, das geplante Influencer-Verbot aus dem Entwurf zu streichen. Aus seiner Sicht reguliert das bestehende Gesetz das Marketing bereits ausreichend und schützt Minderjährige effektiv.

Insgesamt zeigt die Stellungnahme des Finnischen Bierverbands deutlich, dass das Land vor einer komplexen Neuausrichtung seiner Alkoholpolitik steht. Einerseits soll der Zugang zu Alkohol moderner und kundenfreundlicher gestaltet werden, andererseits drohen Einschränkungen, die nach Ansicht des Verbands nicht in die Zeit passen und sogar kontraproduktiv sein könnten. Die kommenden Monate werden zeigen, wie die finnische Regierung dieses Spannungsfeld auflösen wird – und welche Auswirkungen die Neuerungen auf die finnische Bierlandschaft und die Konsumenten haben.