Archiv der Kategorie: Biertest

Potsdamer Stange

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Braumanufaktur in Potsdam vor mir. Die Potsdamer Stange ist ein alter regionaler Bierstil, der zuletzt in den 1970er Jahren gebraut und durch die Braumanufaktur wiederbelebt wurde. Den Namen dieses Bierstils beschreibt die Brauerei auf ihrer Website wie folgt: „Durch den höheren Spundungsdruck bei der Herstellung ist dieses Bier etwas spritziger und es entsteht mehr Schaum. Deshalb verwendet man zum Ausschank hohe Gläser um dem Schaum den nötigen Steigraum zu geben. Diese Stangengläser gaben dem Bier auch den Namen.“

Dass die Brauerei Rohstoffe aus biologischem Anbau verwendet, ist keine Seltenheit mehr. Aber die Brauerei geht noch weiter. Sie veröffentlicht nicht nur den biologischen Anbau, sondern verrät auch ihre Lieferanten. Die gesamte Lieferkette vom Anbau der Rohstoffe über die einzelnen Verarbeitungsstufen wird veröffentlicht. Das nenne ich mal Transparenz. Dafür wird auf dem Rückenetikett der wichtigsten Biere eine bmg-Nummer aufgedruckt. Diese Nummer geben Sie unter www.bio-mit-gesicht.de ein und Sie erfahren, wer den Hopfen und die Gerste angebaut hat, wer die Gerste gemälzt hat, welche Zwischenhändler an der Produktionskette beteiligt waren und die Mannschaft der Brauerei wird mit einem Bild vorgestellt. So detailliert wollen die meisten Konsumenten es vermutlich gar nicht wissen, aber eine so weitgehende Transparenz beweist auf jeden Fall, dass die Brauerei wirklich nichts zu verbergen hat. Aber kommen wir jetzt zum wichtigsten, dem Bier.

Hell bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Wie von der Brauerei beschrieben bildet sich recht viel feinporiger Schaum. Er ist weiß und hält sich wirklich lange Zeit. Optisch hat die Brauerei also keinen Fehler gemacht.

Nach der Optik vermag auch das Aroma zu überzeugen. Ich rieche Gras, reife Bananen, gebrannte Mandel und aus dem Hintergrund noch ein Hauch fruchtiger Noten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Die Süße des Bieres wird während des spritzigen Antrunks durch die reichlich vorhandene Hefe abgemildert, die auch vom ersten Moment an für einen komplexen und intensiven Eindruck sorgt. Schnell kommen die bananigen Noten des Weizenmalz hervor. Zwar ist der Geschmack nach Banane nicht so intensiv wie bei einem Weizenbier, aber ich habe ihn durchaus als stärksten Geschmackseindruck wahrgenommen. Aber auch andere fruchtige Noten kommen zu ihrem Recht. Süße, Säure und bitter sind gut ausgewogen, so dass das Bier einen runden und vollmundigen Eindruck macht. Der Abgang ist leicht bitter und er klingt nur relativ kurz nach.

Die Potsdamer Stange erinnert an ein belgisches Witbier, nur dass die zusätzlichen fruchtigen Noten nicht vorhanden sind, die durch die Kumquats und den Koriander entstehen. Es ist ein Bier, das rundherum zu begeistern weiß. Ich kann es nur empfehlen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Naturdoldenhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Stammwürze:

11,8° Plato

Brauerei:

Braumanufaktur GmbH
Templiner Str. 102
14473 Potsdam
www.braumanufaktur.de

Craftwerk – Dark Season

Jetzt habe ich mal wieder ein Bier von Craftwerk Brewing aus der Bitburger-Gruppe vor mir stehen, das Dark Season, ein Sweet Stout. Nachdem mir kürzlich das Tangerine Dream gut gefallen hat, erwarte ich auch jetzt ein besonderes Bier. Mal sehen, ob das Dark Season meine Erwartungen erfüllt.

Tiefschwarz mit einer durchschnittlichen Menge hellbraunem gemischtporigen Schaum zeigt sich das Bier im Glas. Der sich schnell auflösende Schaum weist darauf hin, dass die Brauerei mit dem Hopfen sehr sparsam umgegangen ist.

So ist auch das Aroma überraschend schwach. Ich rieche Karamell, dunkle Schokolade, etwas Kaffee sowie einen Hauch roter Beeren. Das Aroma ist nicht schlecht, aber erheblich schwächer als ich erwartet hätte.

Der Antrunk ist leicht süßlich und ich bemerke, dass das Bier recht viel feinperlige Kohlensäure enthält. Im Mund kommt dann noch eine leichte Säure dazu, was eine gewisse Fruchtigkeit bewirkt, dazu minimal der Geschmack nach Schokolade. Der Abgang ist neutral und da ich keinerlei Bitterstoffe feststellen kann, empfinde ich ihn als nichtssagend.

Das Dark Season hat mich wirklich enttäuscht. Das kann Craftwerk wirklich besser. Gerade weil dieses Bier Dark Season, also dunkle Jahreszeit, heißt, hätte ich ein Bier mit mehr Intensität und Vollmundigkeit erwartet, das ein warmes Mundgefühl erzeugt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Karamellmalz dunkel, Münchner Malz, Röstmalz), Hopfen (Golding), Hefe

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Stammwürze:

12,7° Plato

Bittereinheiten:

22 IBU

Brauerei:

Bitburger Braugruppe GmbH
54634 Bitburg
www.craftwerk.de

Maisel & Friends – ChocoPorter

Es gibt Biere, von denen ich nur den Namen hören muss, um bei mir Erwartungen zu erwecken. Ich muss zugeben, dass so früh geweckte Erwartungen etwas unfair sind gegenüber den Brauern, denn das beste Bier kann enttäuschen, wenn es nicht den Erwartungen entspricht, die ich als Konsument habe. Ein solches Bier steht jetzt vor mir, das Choco Porter aus dem Hause Maisel & Friends.

Dass ich hier etwas unfair an die Verkostung gegangen bin, sei mir bitte nachgesehen. Es ist bei diesem Namen schon schwierig, sich nicht genau vorzustellen, wie dieses Bier wohl schmecken wird. Es ist bei diesem Bier ja auch schwer, kein Vorurteil zu entwickeln. Von einem Porter erwarte ich eine tiefschwarze Farbe und ein malzbetontes süffiges und leicht süßes Bier mit einem samtigen Mundgefühl. Außerdem erwarte ich, dass dieses Bier vergleichsweise wenige Bitterstoffe aus dem Hopfen enthält. Der Namensbestandteil Choco weckt in mir die Erwartung, dass bei diesem Bier auch besonders kräftig geröstetes Malz verwendet wurde, so dass die Gerste auch leichte Noten dunkler Schokolade entwickelt. Kurz gesagt erwarte ich ein Bier zum Wohlfühlen. Die Messlatte für dieses Bier liegt also ziemlich hoch.

Erstmals habe ich das Choco Porter bereits kennengelernt, bevor mir die Brauerei einige Flaschen zum Verkosten zugeschickt hat. Es war beim Brauerstammtisch am Rande der Internorga in Hamburg. Dort gab es das Choco Porter vom Fass und auch ohne gestaltetes Etikett bin ich direkt auf dieses Bier angesprungen und kann daher bereits jetzt mitteilen, dass es die Maisel & Friends wieder einmal nicht geschafft hat, mich zu enttäuschen. Allerdings habe ich dort den Fehler gemacht, das Choco Porter gleich zuerst zu probieren. Hinterher haben mir die anderen Biere nicht mehr so gemundet wie sie es sicher getan hätten, wenn ich sie vor dem Choco Porter getrunken hätte. Wenn Sie mehrere Biere an einem Abend trinken wollen, wiederholen Sie meinen Fehler nicht und verkosten Sie das Choco Porter ganz am Schluss.

Nun aber genug der Vorrede. Es ist Zeit, das Bier einzuschenken und zu verkosten. Und wie ich es erwartet habe ist das Bier schwarz, wirklich tiefschwarz. Erst als ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert ein leichtes Rubinrot durch. Über dem Bier bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Menge hellbrauner Schaum, der sehr lange erhalten bleibt. Mehr kann ich von der Optik nicht erwarten.

Düfte dunkler Schokolade schmeicheln meiner Nase, unterstützt durch Noten von Kaffee und etwas Toffee. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der erste Eindruck ist eine leichte Süße, deutlich aber nicht so intensiv wie ich es erwartet (oder befürchtet?) habe. Schnell breitet sich der Geschmack von Schokolade und Espresso im Mund aus. Dabei kommt der Espressogeschmack stärker in den Vordergrund als im Aroma. Im Hintergrund stelle ich noch eine ganz leichte Säure fest, gerade so viel, dass im Zusammenspiel mit der Süße des Malzes ein runder Geschmack entsteht. Das Mundgefühl ist cremig und trotz des wirklich intensiven Geschmacks bringt das Bier eine ungeheure Süffigkeit mit sich. Im Abgang schiebt sich die Schokolade wieder mehr in den Mittelpunkt und da der Hopfen nur sparsam verwendet wurde, ist die Bitterkeit sehr zurückhaltend und der Geschmack klingt nicht gar so lange nach. Bei diesem Bier betrachte ich das aber nicht als Nachteil.

Das Choco Porter ist das vierte Sessionbier dieser Brauerei, das sich aber deutlich von den anderen Bieren dieser Produktreihe unterscheidet. Während beim Choco Porter eindeutig mit den Malzen gespielt wurde, sind die anderen Biere hopfenbetont. Ursprünglich sollte es ausschließlich als Fassware für die Gastronomie vertrieben werden. Ich finde es gut, dass sich die Brauerei entschieden hat, es nun auch in Flaschen zu vertreiben. Seit Ende März ist das Bier deutschlandweit im Handel erhältlich.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Stammwürze:

15,2° Plato

Bittereinheiten:

22 IBU

Brauerei:

Brauerei Gebr. Maisel KG
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Harzcraft – Klosterkeller

Nun will ich mich wieder einem Bier aus Niedersachsen zuwenden, dem Klosterkeller aus dem Kloster Wöltingerode. Dort am Nordrand des Westharzes werden einige Biere gebraut und veredelt, die sogar zwischen anderen Craft-Bieren herausstechen. Das Klosterkeller, das jetzt vor mir steht, ist im Cognacfass gereift. Durch die Reifung im Cognac- oder Rumfass erhalten die Biere ein besonderes Aroma, so dass es sich meist lohnt, für diesen Genuss etwas mehr Geld pro Flasche auszugeben. Jetzt will ich feststellen, ob das auch für dieses Bier zutrifft. Immerhin werden die Flaschen exklusiv von Hand abgefüllt und nummeriert, meine Probe ist Flasche 49 von 3562 abgefüllten Flaschen.

Matthias Kliemt, der erste 3-Sterne-Biersommelier trumpft auf dem Etikett jedenfalls ganz schön auf: „Düfte von Tabak, dunklem Honig und Toffee verbreitet das rotbraun leuchtende Bier. Erst wohlig weich und schlank im Antrunk verbreitet sich eine raumgreifende Vollmundigkeit. Das erinnert an Cognac, ohne dabei seine Leichtigkeit zu verlieren. Im Abgang bleibt ein trockenes, warm weiches Mundgefühl mit einer leichten Cremigkeit am Gaumen. Das Holzfass ist deutlich schmeckbar…“ Denny Merres, 1. Brauer, betont ebenfalls auf dem Etikett das Gebirgswasser des Harzes, aus dem dieses Bier gebraut wurde. Bei einer solchen Beschreibung sind meine Erwartungen selbstverständlich ganz weit oben angesiedelt.

In dunklem Mahagoni, fast schwarz, präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine feinporige Krone aus weißem Schaum mit einem leichten Braunstich, die lange erhalten bleibt. Über die Optik lässt sich also schon mal absolut nicht meckern.

Das Aroma ist durch das Malz geprägt. Ich rieche Toffee, etwas Waldhonig und Vanille. Unterstützt werden diese Düfte durch das Aroma einer guten Zigarre. So sehr ich mich auch anstrenge, kann ich nichts vom Cognacfass riechen. Trotzdem ist das Aroma wunderbar komplex und wenn Sie dieses Bier ebenfalls verkosten, werden Sie sicher noch andere Nuancen feststellen. Schließlich reagiert jede Nase etwas anders.

Der Antrunk ist überraschend weich und schlank. Diese Eleganz habe ich aber aufgrund des Aromas auch erwartet. Als sich das Bier im Mund verteilt, kommt auch der Geschmack des Cognacs zum Vorschein, dazu von Holz und von dunkler Schokolade. Bei dieser Vollmundigkeit möchte ich das Bier fast nicht schlucken, sondern den Geschmack möglichst lange im Mund halten. Der Abgang ist mild, die Bitterstoffe des Hopfens sind gut verborgen; in der Kehle wirkt das Bier fast wie ein sehr milder Cognac. Der Geschmack bleibt auch lange erhalten.

Nein, das ist kein Bier, das man sich einfach so hinter die Binde kippt. Hier muss wirklich jeder einzelne Schluck bewusst genossen werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, geröstetes Karamellmalz, Röstmalz), Hopfen (Herkules, Select)

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,3° Plato

Brauerei:

Kloster Wöltingerode Brennen & Brauen GmbH
Wöltingerode 1
38690 Goslar
www.woeltingerode.de

Einbecker – Kellerbier

Wieder steht ein Bier aus Niedersachsen vor mir, das naturtrübe Einbecker Kellerbier. Die Brautradition von Einbeck geht bis ins 14. Jahrhundert zurück, als jeder Bürger das Recht hatte, Bier zu brauen. Damals gab es in der kleinen Stadt im Weserbergland etwa 700 Brauherren. Das führte selbstverständlich zu einer extremen Überproduktion, die von der Stadt aufgekauft wurde, um sie außerhalb der Stadtmauern zu verkaufen. Die Biertransporte gingen bis nach Amsterdam, München und nach Reval, dem heutigen Tallinn, der Hauptstadt von Estland. Von den vielen Brauereien ist nur noch das Einbecker Brauhaus übriggeblieben, das dafür aber zu den bekanntesten Brauereien Deutschlands gehört.

Goldgelb und mit vergleichsweise wenig Hefe zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge weißer feinporiger Schaum, der recht lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Karamell, Vanille und im Hintergrund nach grünen Äpfeln. Das Aroma ist angenehm, aber nicht wirklich umwerfend.

Der Antrunk ist frisch und spritzig. Die leichte Süße wird schnell durch ein freundliches Bitter zusammen mit einer angenehmen Fruchtigkeit ergänzt. Im Abgang lässt das Bitter etwas nach, er ist mild. Trotzdem klingt der Geschmack überraschend lange an.

Gegen dieses Bier lässt sich nichts sagen, es dürfte fast jedem gefallen. Mir fehlt nur etwas der Charakter, eine Eigenschaft, die dieses Bier unverwechselbar macht.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,5 %

Brauerei:

Einbecker Brauhaus AG
Papenstraße 4-7
37574 Einbeck
www.einbecker.de

BierSelect

Straffe Hendrik – Wild 2017

Das Straffe Hendrik Wild ist eine wilde Variante des bekannten Straffe Hendrik Tripel. Dieses traditionelle Bier wird mit Brettanomyces-Hefe vergoren. Sie sorgen für fruchtige Aromen, die mit den reichhaltigen Aromahopfen harmonieren. Die wilden Hefen sorgen für eine längere natürliche Haltbarkeit sowie für eine Reifung des Bieres in der Flasche, die während der nächsten Jahre für eine Weiterentwicklung des Geschmacks sorgen. Bevor das Bier ausgeliefert wird, muss es längere Zeit in der Flasche reifen. Erst nach drei Monaten Flaschenreifung in den Kellern ist die Gärung der wilden Hefen abgeschlossen und das junge Bier kann getrunken werden. Das Bier entwickelt sich ebenso in den nachfolgenden Jahren noch weiter. Die bitteren Hopfenaromen werden weicher, während die wilden Hefen weiterwirken und fruchtige sowie blumige Aromen bilden. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Jahrgänge des Straffe Hendrik Wild voneinander. Dieses Bier wird nur einmal pro Jahr abgefüllt.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier, zusammen mit einer riesigen feinporigen Schaumkrone, schneeweiß und sehr lange haltbar. Die Optik ist perfekt.

Das Aroma wird durch das Malz dominiert, aber auch der Hopfen kommt zu seinem Recht. Düfte nach Karamell, Honig, Trockenfrüchten, Brot und Getreide steigen mir zusammen mit etwas Bergamotte sowie Kräuterduft in die Nase. Ein so komplexes und dabei gut ausgewogenes Aroma ist selten.

Der erste Eindruck beim Antrunk ist die Süße, die aber durch viel feinperlige Kohlensäure ausgeglichen wird. Die Aromen, die ich bereits in der Nase wahrgenommen habe, spiegeln sich jetzt auf der Zunge wider. Zunächst macht das Bier einen frischen und leicht fruchtigen Eindruck. Dann zeigt sich der ordentliche Malzkörper, das Bier ist rund und süffig. Ich schmecke Trockenfrüchte, unterstützt durch den Geschmack des Alkohols, der sich aber nicht in den Vordergrund drängt. Der trockene Abgang ist zunächst wenig bitter und das Herbe des Hopfens entwickelt sich langsam, klingt dann aber sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Kandiszucker

Alkoholgehalt:

9 % Vol.

Stammwürze:

19° Plato

Bittereinheiten:

35 IBU

Brauerei:

Brouwerij De Halve Maan
Walplein 26
8000 Brügge
Belgien
www.straffehendrik.be

Ostergold 2017

Kürzlich war ich in Nürnberg und habe dort die Hausbrauerei Altstadthof besucht. Die kleine Brauerei unterhalb der Burg braut neben einigen Bieren, die ständig im Angebot sind, auch etliche saisonale Bierstile. Dabei stammen sowohl das Malz als auch der Hopfen aus biologischem Anbau. Nun weiß ich nicht, ob sich die bessere Rohware nach den ganzen Verarbeitungsschritten in der Brauerei noch im Bier bemerkbar macht. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Brauereien, die bei den Zutaten nicht nur auf den Preis achten, sorgfältiger mit diesen Zutaten umgehen und sich mehr bemühen, das Beste aus dem Ursprungsmaterial herauszuholen. Aber das ist meine Spekulation. Als ich vor Ostern im Altstadthof war, gab es selbstverständlich das Ostergold aus dem Jahrgang 2017 und genauso selbstverständlich habe ich mir eine Flasche dieses Biers, von dem nur 500 Flaschen abgefüllt wurden, zur Verkostung mitgenommen. Eine Besonderheit dieser Brauerei sei noch erwähnt: sowohl der Hopfen als auch das Malz stammen aus der Region, was auch dem Werbespruch der Brauerei, Original Nürnberger Biergenuss, seinen Wahrheitsgehalt verleiht.

Altgold und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel beiger feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch gibt es an diesem Bier nichts auszusetzen.

Das Aroma ist würzig, fast pfeffrig, was auf die Kalthopfung mit mehreren Hopfensorten zurückzuführen ist. Aus dem Hintergrund kommen auch Düfte von Südfrüchten zum Vorschein. Aber auch der Duft des Malzes kommt zu seinem Recht. Damit ist das komplexe Aroma bereits ein Genuss für sich und bildet ein Gesamtkunstwerk. Wenn der Geschmack da mithält, ist dieses Bier etwas ganz Besonderes.

Der Antrunk ist leicht süß und intensiv. Auch die Menge der Kohlensäure ist für meinen Geschmack perfekt gewählt. Aber erst als sich das Bier im Mund verteilt, kommt die gesamte Geschmacksfülle dieses Bieres richtig zur Geltung. Der Geschmack von Orangenschale gesellt sich zu den würzigen Noten, die bereits im Aroma vorhanden waren. Dabei unterstützt die Orangenschale die würzigen Geschmäcker aber nur, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Überhaupt sind die Süße, Säure und das Bitter in einem wirklich ausgewogenen Verhältnis. Im Abgang kommt das freundliche Bitter stärker hervor; dieser Geschmack klingt noch lange nach.

Wenn Sie einmal nach Nürnberg kommen, sollten Sie auf keinen Fall einen Besuch in der Hausbrauerei Altstadthof versäumen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Naturhopfen (Opal, Spalter), Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürze:

13,3° Plato

Bittereinheiten:

26 IBU

Brauerei:

Hausbrauerei Altstadthof
Bergstr. 19-21
90403 Nürnberg
www.hausbrauerei-altstadthof.de

Tatra Niepasteryzowane

Nun steht ein Bier vor mir, das ich mir von meinem letzten Besuch in Polen mitgebracht habe, das Tatra Niepasteryzowane. Niepasteryzowane bedeutet „nicht pasteurisiert“ und das Bier verspricht einen frischen Geschmack, was ich von einem Lager auch erwarte. Mal sehen, ob das Bier diesem Anspruch auch gerecht werden kann. Gebraut wurde das Bier von Carlsberg Polska. Daher habe ich vor dem Verkosten dieses Bieres so meine Zweifel. Aber geben wir dem Bier doch seine Chance.

Golden und klar präsentiert sich das Bier im Glas. Es bildet sich eine schöne weiße Schaumkrone, die etwas überdurchschnittlich lang erhalten bleibt. Dazu kommt eine durchschnittliche Menge feinperlige Kohlensäure. Optisch macht das Bier also schon mal einen recht guten Eindruck.

Beim Aroma lässt meine Begeisterung bereits etwas nach. Das Bier duftet nach hellem Malz, dazu leicht nach Bitterhopfen. Außerdem ist da noch ein leichter anderer Duft, den ich aber nicht identifizieren kann. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es sich um leichte Anklänge von Aromahopfen handelt oder um einen Fehler. Aber ich bin mutig und nehme den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß und ich stelle fest, dass sich die Kohlensäure bereits teilweise verflüchtigt hat. Jetzt macht das Bier bereits einen enttäuschenden Eindruck. Im Mund ist das Bier dann überraschend rund und ausgeglichen, die Süße mischt sich mit einem leichten Bitter. Trotzdem wirkt das Bier recht flach. Ich wünsche mir noch eine Portion Aromahopfen, der das Bier deutlich aufwerten würde. Der Abgang ist dann extrem mild, keine Bitterstoffe vom Hopfen sind zu schmecken und der Nachklang fehlt auch vollständig.

Nein, auch wenn das Bier nicht pasteurisiert wurde, kommt es über die Qualität eines leicht unterdurchschnittlichen Fernsehbieres nicht hinaus. Insgesamt eine enttäuschende Erfahrung.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Gerste, Hopfenextrakt, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 %

Brauerei:

Browar Okocim
Brzesko
Powiat Brzeski
Polen
www.tatra.pl

Einbecker – Brauherren Alkoholfrei

In der nächsten Woche findet wie jedes Jahr die Industriemesse in Hannover statt, die ich aus beruflichen Gründen besuchen werde. Zeit also, sich mental darauf vorzubereiten. Damit beginne ich heute mit einem Bier aus dem südlichen Niedersachsen, dem Einbecker Brauherren Alkoholfrei. Mir fällt auf, dass das vordere Etikett nicht aussagt, dass es sich um ein Pils handelt; diese Information wird erst auf dem Rückenetikett verraten. Im Jahr 2012 wurde dieses alkoholfreie Bier durch die „Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft e. V.“ als Kulinarischer Botschafter Niedersachsens ausgezeichnet. Von diesem Bier des Brauhauses in Einbeck, dessen Geschichte bis ins Jahr 1371 zurückreicht, kann ich also einiges erwarten.

Bevor ich mich dem Bier zuwende will ich noch einige Worte zur Flasche verlieren. Unterhalb des Halses zeigt die Flasche erhaben den typischen Schriftzug der Brauerei. Das sieht zwar sehr gut aus, ist aber aus ökologischer Sicht ziemlich unsinnig. Etwa die Hälfte des Gewichts einer Bierkiste kommt vom Leergut. Da die Flaschen aufgrund der Beschriftung von anderen Brauereien nicht wieder befüllt werden können, müssen die geleerten Flaschen über teilweise weite Entfernungen wieder nach Einbeck zurücktransportiert werden. Der Energieverbrauch für den Transport des Bieres könnte durch Flaschen, die am Ort des Konsums erneut gefüllt werden, also um ein Drittel verringern. Damit werden die Vorteile des Mehrwegsystems zumindest teilweise ausgehebelt. As empfinde ich als etwas unsinnig. Die Ausführungen beziehen sich nicht nur auf die Flaschen aus Einbeck, sondern auf alle Flaschen, die nur von einer Brauerei verwendet werden können. Aber kommen wir zum Bier.

Bereits beim Öffnen der Flasche steigt mir der Duft des Hopfens in die Nase. Das gefällt mir schon mal. Daher zögere ich auch nicht und schenke mir das Bier ein. Leuchtend hellgelb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine weiße Krone aus feinporigem Schaum, der auch recht lange erhalten bleibt. Zusätzlich sehe ich eine ordentliche Menge Kohlensäure. Optisch macht das Bier also richtig was her.

Das Aroma ist malzig und grasig mit einem Hauch Vanille. So erwarte ich es auch von einem guten Pils. Nehme ich also den ersten Schluck.

Der Antrunk ist spritzig und frisch. Genau richtig an einem warmen Sommertag. Als sich das Bier im Mund verteilt zeigt sich ein kräftiges und angenehmes Bitter, während das Malz ganz weit in den Hintergrund tritt. Dadurch wirkt das Bier nicht so richtig ausgewogen. Das ist aber ein Schwachpunkt, den ich bei vielen alkoholfreien Bieren feststelle. Alkohol ist nun mal ein wichtiger Geschmacksträger. Das kann ich also dem alkoholfreien Einbecker Brauherrenpils nicht vorwerfen. Der Abgang ist dann ebenfalls angenehm bitter und der Geschmack klingt recht lange nach.

Insgesamt ist das Einbecker Brauherren Alkoholfrei ein wirklich gutes alkoholfreies Bier, auch wenn es teilweise das geschmackliche Defizit alkoholfreier Biere mitbringt. Aber mit diesem Defizit kann der Konsument sicher leben.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

< 0,5 %

Brauerei:

Einbecker Brauhaus AG
Papenstr. 4-7
37574 Einbeck
www.einbecker.de

BierSelect

Brooklyn East IPA

Jetzt stellt sich mir die Frage, ob es wirklich erforderlich ist, Bier aus den USA nach Deutschland zu importieren. Zumindest ökologisch ist es ein Wahnsinn. Eine Flasche Bier wiegt etwa 640 Gramm, davon sind etwa 310 Gramm das Gewicht der Flasche. Die Flasche muss dann noch bruchsicher verpackt werden, so dass mehr Verpackung als Inhalt über den Atlantik geschippert werden. Die Brooklyn Brewery gehört zur Carlsberg-Gruppe. Eigentlich könnte die Brauerei daher das Bier auch in Deutschland brauen. Schließlich gehören die Holsten- und Astra-Brauerei, beide in Hamburg, ebenfalls zu diesem Konzern. Aber da die USA die Heimat des Craft Beer sind, wollen wir jetzt mal darüber hinwegsehen und das Brooklyn East IPA als Referenzbier verkosten.

Auf seiner Website beschreibt Carlsberg auch die Geschichte dieses Biers. Die Wurzeln liegen, ich mag es kaum glauben, im Nahen Osten. Dort arbeitete Anfang der 1980er Jahre der Journalist Steve Hindy. Da es in den Ländern, in denen der Islam die vorherrschende Religion ist, nicht einfach ist, an Alkohol zu kommen, brauten die dort tätigen Diplomaten und Journalisten ihr Bier selbst. Zurück in New York setzte Steve Hindy diese Tätigkeit fort und heute ist das Brooklyn East IPA lt. Carlsberg die Nr. 1 der Craft-Biere. Kommen wir nun aber endlich zur Verkostung.

Bernsteinfarben und gefiltert zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Menge feinporiger Schaum mit einem Stich ins Beige, der aber leider vergleichsweise schnell in sich zusammenfällt.

Leichte Röstaromen steigen mir in die Nase, dazu Düfte von Zitrusfrüchten, Pinienkernen und Kräutern. Für ein IPA ist das Aroma dieses Biers vergleichsweise wenig fruchtig. Das ist aber kein Nachteil, dafür ist das Aroma ungewohnt komplex. Bis hierhin bin ich mit dem Bier schon mal wirklich zufrieden.

Bereits der erste Kontakt mit der Zunge zeigt bittere Noten. Die Malzsüße ist kaum zu schmecken. Die sehr feinperlige Kohlensäure sorgt aber für einige Süße und eine gute Trinkbarkeit. Der bittere Geschmack setzt sich auch weiter fort. Bittere Grapefruit ist der vorherrschende Geschmack, allerdings abgemildert durch Noten von Ananas und Litschi. Für ein IPA ist das Bier aber trotz der Bitterkeit erstaunlich mild. Der Abgang ist kräftig aber freundlich bitter und klingt dann lange und trocken aus.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (English Pale Ale), Weizenmalz, Hopfen (East Kent Golding, Cascade, Willamette)

Alkoholgehalt:

6,9 % Vol.

Stammwürze:

15,6° Plato

Bittereinheiten:

47 IBU

Brauerei:

Brooklyn Brewery
79 N 11th Street
Brooklyn
New York
USA
www.brooklynbrewery.com