Archiv der Kategorie: Biertest

Aldersbacher – Kloster-Weisse Dunkel

Heute möchte ich wieder einmal ein Weizenbier verkosten, die Aldersbacher Kloster Weiße Dunkel aus dem niederbayrischen Aldersbach. Die Etiketten verraten nicht viel über das Bier, also kann ich sofort damit beginnen, das Bier einzuschenken.

Dunkelbraun und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Darüber eine ordentliche Schaumkrone, nicht so üppig wie bei anderen Weißbieren, dafür bleibt sie aber lange erhalten. Optisch macht das Bier also schon mal einen guten Eindruck. Es duftet intensiv nach dunklen Malzsorten, nach Karamell und Früchten. Ganz verkehrt kann das Bier also nicht sein.

Bereits beim Antrunk macht sich ein intensiver Malzgeschmack im Mund bereit. Der Körper ist voll und wird durch eine lebhafte Kohlensäure unterstützt. Auch der Abgang ist angenehm. Er ist überraschend malzbetont und lässt nur wenig vom verarbeiteten Naturhopfen durchscheinen. Wir haben hier ein hervorragendes Weißbier für die Liebhaber malzbetonter Weizenbiere.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Stammwürze:

k.A.

Brauerei:

Brauerei Aldersbach
Frhr. v. Aretin GmbH & Co. KG
94501 Aldersbach
www.aldersbacher.de

Lindemans – Framboise

Jetzt will ich einmal ein Lambik von Lindemans verkosten. Dem Test möchte ich aber erst einmal einige Erklärungen voranstellen. Zunächst einmal handelt es sich um ein Lambik, also um ein Bier, das nicht mit Reinzuchthefen gebraut wird, sondern das durch wilde Hefen im Holzfass in Gärung kommt – diese Hefen sollen ausschließlich im Raum Brüssel beheimatet sein. Aber wie sind die Belgier bloß darauf gekommen, ihr Bier mit Früchten zu versetzen? Überliefert ist die Geschichte, dass einmal ein Lambik ziemlich misslungen und sehr sauer war. Da gerade Kirschenzeit war und die Ernte sehr üppig ausfiel kippte der Brauer die überzähligen Kirschen in das Fass mit dem ungenießbaren Lambik. Als er einige Zeit später den Fassinhalt entsorgen wollte, stellte er fest, dass die Kirschen vollständig weg waren – nur die Kerne waren noch übrig. Dafür schmeckte das Lambik jetzt gut. Ob die Geschichte stimmt kann ich nicht sagen, aber sie gefällt mir doch recht gut.

Heute steht aber das Lindemans mit Himbeeren vor mir. Wer erstmals ein Bier von Lindemans öffnet wird sich wundern, dass die Flasche unter dem Kronkorken noch einmal mit einem Naturkorken verschlossen ist. Zusätzlich zum Öffner benötigen wir also noch einen Korkenzieher, um an das Objekt der Begierde zu kommen.

Nachdem wir die Flasche nun aufbekommen haben, schenken wir das Bier ein. Tiefrot ist es im Glas, darüber ein für ein Lambik fester zartrosa Schaum. Intensiv duftet das Bier nach reifen Himbeeren, so stark, dass dadurch alle anderen Düfte beinahe überdeckt werden. Lediglich ein herber Duft ist noch festzustellen.

Nehme ich den ersten Schluck. Die reinste Geschmacksexplosion. Das Lindemans schmeckt genau wie es duftet – intensiver Geschmack nach Himbeeren – wie ein sehr guter Himbeersaft. Da durch die Gärung ein Teil des Zuckers in Alkohol umgewandelt wurde, ist es aber nicht so süß wie ein Saft. Der Geschmack des Malzes und des Hopfens gehen allerdings weitgehen unter. Lediglich im Abgang sind noch leichte Bitternoten festzustellen, die aber gut mit der starken Fruchtigkeit harmonieren.

Das Lindemans Framboise ist sicher kein Bier für jeden Tag, aber an einem schönen Sommertag oder zu einem Dessert ist es eine feine Sache.

Zutaten:

Wasser, 30 % Himbeersaft, Gerstenmalz, Hefe

Alkoholgehalt:

2,5 % Vol.

Brauerei:

Brouerij LindemanS
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
http://www.lindemans.be

Funk Soul Brewers – Black Czech

Wieder einmal steht ein Bier aus Hildesheim vor mir, ein spezieller Sud aus der Hildesheimer Braumanufaktur. Jan und Malte brauen ihre Biere unter zwei Labeln. Einerseits brauen sie ihre „normalen“ Craft-Biere, die sie ausschließlich im Direktverkauf und über verschiedene Händler in der Umgebung von Hildesheim vertreiben. Unter dem Label „Funk Soul Brewers“ stellen sie zusätzlich ausgefallene und besonders spezielle Sude her. Diese Sude sollen auch überregional angeboten und verschickt werden. Derzeit gibt es unter diesem Label zwei Biere, von denen ich das „Black Czech“ finden konnte und das jetzt vor mir steht. Es wurde mit drei tschechischen Hopfen gebraut, womit die Namensgebung schon mal geklärt wäre.

Das Bier trägt seinen Namen zu Recht. Es ist blickdicht schwarz, selbst als ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert kein Licht durch. Darüber bildet sich eine durchschnittliche mittelbraune Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch haben die Brauer schon mal alles richtig gemacht.

Das komplexe Aroma wird durch Düfte nach Kaffee und Kakao dominiert, aber auch fruchtige und würzige Noten sind vorhanden. Das macht doch schon mal Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeigt eine leichte Süße und die obwohl sehr feinperlige Kohlensäure knapp dosiert ist, passt diese Dosierung durchaus. Auf der Zunge lassen die Röststoffe ihre Muskeln spielen, vor allem der Geschmack nach Kaffee. So sehr ich tiefschwarze Biere mag, würde ich mir doch noch etwas Säure und mehr Bitter wünschen. Aber das ist meine persönliche Vorliebe; auch diese Interpretation hat sicher ihre Liebhaber. Im Abgang dominiert der Geschmack nach Espresso, der lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Agnus, Kazbek, Premiant), Hefe

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Jan Pfeiffer & Malte Feldmann GBR
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Dithmarscher – Urtyp

Würden Sie mich jetzt fragen, wie viele unterschiedliche Biere es von der Westküste Schleswig-Holsteins es gibt, würden mir nur das Dithmarscher und das Husumer einfallen – und ich kann gleich vom Start weg sagen, dass mir beide Biere gefallen. Aber eventuell liegt das ja auch daran, dass ich einige Jahre in Schleswig-Holstein gewohnt habe und bei diesen Bieren bei mir einfach Heimatgefühle aufkommen.

Hellgelb mit einem leichten Goldton steht das Bier im Glas. Darüber eine nicht allzu üppige Schaumkrone, diese ist aber feinporig und hält sich lange. Im Duft harmonieren der Hopfen und die Süße des Malzes miteinander. Doch, zumindest optisch hält das Bier, was ich mir von ihm versprochen habe.

Der Antrunk ist angenehm würzig und trotzdem frisch. Wem andere norddeutsche Biere zu herb sind, wird hier angenehm überrascht. Der Körper ist angenehm weich mit einer sehr schönen Süße des Malzes und richtig süffig. Hopfen und Malz spielen hier sehr gut zusammen. Im Abgang dominiert der Hopfen, dabei wird er aber nicht aufdringlich. Alles in Allem ein gelungenes Bier. In Dithmarschen gibt es doch nicht nur Kohl.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Dithmarscher Privatbrauerei
Oesterstr. 18
25709 Marne
http://www.dithmarscher.de/

BierSelect

Vielanker – Pilsener

Wieder einmal werde ich jetzt ein Bier aus dem mecklenburg-vorpommerschen Vielank verkosten, diesmal das Pilsener. Nachdem mir das Schwarzbier aus dieser Brauerei im mecklenburgischen Biosphärenreservat bereits sehr gut gefallen hat, bin ich jetzt wirklich neugierig auf das Pilsener.

Mit einem intensiven Goldgelb steht das Bier im Glas. Mir fällt auf, dass es für ein ungefiltertes Bier relativ wenig Hefe enthält. Dafür bildet das Bier eine feste und feinporige Schaumkrone, die auch längere Zeit erhalten bleibt. Der Duft wird durch die Maische, den Hopfen und etwas Hefe geprägt. Der Antrunk ist für ein norddeutsches Pils typisch: herb, dabei leicht süß und spritzig. Anschließend machen sich feine Bitterstoffe im Mund breit, die durch die Hefe abgemildert und komplettiert werden. Das Bier ist herrlich süffig, halt typisch nordisch. Überraschend ist aber der milde Abgang, auch wenn er anschließend noch lange erhalten bleibt. Für mich gehört dieses Pilsener durchaus zu den besten seiner Art.

Zutaten:

Quellwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Brauhefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Vielanker Brauhaus GmbH & Co. KG
Lindenplatz 1
19303 Vielank
http://www.vielanker-brauhaus.de/

Kloster Scheyern – Klostergold hell

Wieder einmal steht ein Bier aus Bayern vor mir. Die Brauerei rühmt sich einer Tradition seit 1119. Nach fast 900 Jahren sollte das Bier wohl etwas ganz Besonderes sein. Aber Moment, aus welcher Brauerei kommt das Bier eigentlich? Auf dem Etikett steht, dass das Bier nach klösterlichem Rezept und klösterlicher Aufsicht in der Tucher-Brauerei im fränkischen Fürth gebraut worden ist. Auf der Website des Kloster Scheyern steht aber, dass die Biere bereits seit 2006 wieder im Kloster gebraut werden. Da muss ich wohl noch einmal nachfragen.

Goldgelb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber ein Schaum, der gut aussieht, aber recht schnell in sich zusammenfällt. Der Duft wird vom Hopfen dominiert, fast wie bei einem Märzen.

Der Antrunk ist spritzig und bringt das Malz gut zum Ausdruck. Im Mund wird das Bier würziger. Der intensive Geschmack sagt mir durchaus zu. Etwas zu mild ist für mich der Abgang. Mir fehlt da etwas das Bittere und der Geschmack hält auch nicht allzu lange an. Alles in Allem ein angenehmes Bier, dem aber noch etwas mehr Charakter gut zu Gesicht stehen würde.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Scheyern
Schyrenplatz 1
85298 Scheyern
www.klosterbrauerei-scheyern.de

Industriebier

Das Industriebier habe ich bei meiner letzten Reise nach Leipzig im Supermarkt gefunden. Mit dem Etikett sticht es im Regal auch gleich aus der Reihe der anderen Biere hervor. Da musste ich es einfach mitnehmen.

Beim Lesen des Rückenetiketts fiel mir einiges auf. Es wird nicht einmal angegeben, um was für einen Bierstil es sich handelt. Auch die Brauerei ist nicht angegeben, sondern lediglich, dass das Bier für eine Firma SLG-Lebensmittelgroßhandel in Leipzig gebraut wurde. Da dachte ich mir, dass ich im Internet weitere Informationen über das Industriebier finden würde. Da wurde es aber vollkommen verwirrend. Hier hieß es, dass das Bier von einer Firma Indiebrew kommen würde. Weder SLG-Lebensmittelgroßhandel noch Indiebrew haben einen eigenen Internetauftritt. Unter www.industriebier.de findet sich eine kleine Website, die aber weder über das Bier noch über den Hersteller weitere Informationen bietet. Auf www.bier-in-leipzig.de habe ich einen Beitrag gefunden, dessen Autor sich an das Unternehmen gewandt hat, um zu versuchen, nähere Informationen zu erhalten. Da diese Anfrage nicht beantwortet wurde. Da kann ich mir eine weitere Recherche wohl sparen und beginnen, das Bier zu verkosten. Inzwischen ist diese Website seit mehreren Wochen nicht mehr erreichbar.

Intensiv goldfarben und mit einer durchschnittlichen Menge gemischtporigem Schaum zeigt sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone bleibt lange erhalten.

Das Aroma ist malzig mit einigen würzigen Noten, die aber relativ schwach sind, so dass ich sie nicht näher definieren kann.

Der Antrunk ist recht süß und wirkt durch die zurückhaltend dosierte Kohlensäure auch nicht übertrieben frisch. Schnell kommt zur Süße ein angemessenes Bitter dazu. Trotzdem ist der Geschmack nicht richtig rund. Der Abgang ist mild und er klingt nur kurz nach.

Als mittelprächtiges Helles geht das Bier durch, aber auf die Liste des Weltkulturerbes schafft es die deutsche Braukunst mit diesem Bier sicher nicht. Nicht zu Unrecht hat es das Industriebier auf Platz 4 der schlechtesten Biere aus Leipzig geschafft. Dort wird als Foodpairing übrigens Zuckerrübensirup empfohlen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Brauerei:

SLG-Lebensmittelgroßhandel
Hans-Jürgen Lohmann e.K.
Nun schreiben wir den 13. August 2019 und die Website ist seit mittlerweile 24 Tagen nicht mehr erreichbar. Ich vermute mal, dass es das Industriebier nicht mehr gibt. Sollten Sie andere Infos haben, würde ich es zu schätzen wissen, wenn Sie mir diese Informationen über die Seite Kontakt mitteilen würden.

Paderborner – Export

Nun will ich mal wieder eine regionale Bierspezialität testen, das Paderborner Export aus Ostwestfalen.

Schon das Erscheinungsbild der Flasche ist betont schlicht. Kein grafischer Schnickschnack auf dem Etikett, auch keine vollmundigen Versprechungen, wie toll das Bier sein soll. Aber eventuell ist das auch gar nicht erforderlich.

Das Bier ist goldgelb-blass, die Schaumkrone klein, ungleichmäßig und nicht allzu standfest. Der Duft ist einigermaßen würzig.

Der Antrunk ist leicht malzig und würzig. Leider bleibt der erste doch recht positive Eindruck nicht lange erhalten. Der Körper ist eher wässrig, es fehlen einfach die Geschmacksnuancen, die ein wirklich gutes Bier ausmachen.

Der Abgang ist leicht säuerlich und würzig. Er reicht aber nicht aus, um den mittelprächtigen Eindruck herauszureißen. Insgesamt ist dies ein durchschnittliches Bier, das man durchaus trinken kann, wenn man in Ostwestfalen ist.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Paderborner Brauerei
33053 Paderborn
http://www.paderborner-brauerei.de

Einbecker – Mai-Ur-Bock

Nun teste ich wieder einmal ein Bier aus dem Süden Niedersachsens – den Urahnen der saisonalen Biere im Frühjahr, Einbecker Mai-Ur-Bock genannt. Es kommt wie alle Biere aus Einbeck in der unverwechselbaren grünen Flasche. Aber ich will hier keine Modenschau für Bierflaschen veranstalten, sondern es kommt auf deren innere Werte an. Schenken wir uns also ein Glas ein.

Dieses Bier besticht bereits durch sein Aussehen. Der viele feinporige Schaum krönt ein kupferfarbenes klares Bier. Im Duft dominieren das Malz und der Hopfen. Dies spiegelt sich auch im Geschmack wider, der vor allem durch das Malz bestimmt wird, aber auch eine feine Süße enthält, die durch eine zurückhaltende Karamellnote abgerundet wird. Vor allem beeindruckt der sehr intensive Geschmack, der für deutsche Biere nicht unbedingt charakteristisch ist, sondern den ich eher in Belgien erwarten würde. Im sehr langen Abgang kommt immer stärker das Bittere zum Vorschein, was jeden Schluck dieses Bocks im Frühjahr zu einem abwechslungsreichen Vergnügen macht. Leider war dies die letzte Flasche, die mein Getränkemarkt noch vorrätig hatte, aber wenn es noch eines Grundes bedürfen würde, sich auf den nächsten Frühling zu freuen, dann ist es dieses Bier.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Einbecker Brauhaus AG
37574 Einbeck
www.einbecker.de

Franziskaner Weissbier naturtrüb

Nun mal wieder ein Weizenbier aus Bayern. Das Franziskaner Weißbier naturtrüb zeigt einen schönen gleichmäßigen feinporigen Schaum, der lange erhalten bleibt. Das Bier ist sehr schön rotbraun und ist nicht so trüb wie viele andere Hefeweizen. Aber das ist der Optik nicht abträglich. Der Duft ist stark hefebetont und enthält neben dem typischen Weizenduft eine deutliche Note nach Banane.

Der Antrunk ist leicht süßlich und eher nichtssagend. Erst der Körper zeigt den typischen Weizengeschmack. Er ist getreidig, leicht sauer und bei weitem nicht so komplex wie ich es von einem Premiumbier erwartet hätte. Bitternoten sind kaum zu schmecken. Irgendwie ist der Geschmack recht flach. Der Abgang ist leicht herb und säuerlich, er enttäuscht mich.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hefe, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Spaten-Franziskanerbräu GmbH
80335 München
www.franziskaner-weissbier.de