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BrewDog verkauft an Tilray: Das Ende der Punk-Illusion – und der Rückzug aus Deutschland

Als BrewDog vor gut zwei Jahrzehnten gegründet wurde, galt die schottische Brauerei als rebellischer Hoffnungsträger der internationalen Craftbier-Szene. Laut, provokant und mit einer gehörigen Portion Marketinggenie präsentierten sich die Gründer James Watt und Martin Dickie als Punkrock-Alternative zur Bierindustrie. Doch nach Jahren voller Expansion, Skandale und finanzieller Probleme ist dieses Kapitel nun endgültig beendet: BrewDog wurde an Tilray Brands verkauft – zu einem Preis, der viele Beobachter überrascht hat.

Der Deal wirkt auf den ersten Blick fast wie ein Ausverkauf. Tilray zahlt rund 44 Millionen US-Dollar für die globale Marke BrewDog, die Brauerei im schottischen Ellon sowie elf Pubs in Großbritannien und Irland. Angesichts der Größe des Unternehmens ist das erstaunlich wenig. BrewDog produzierte zuletzt etwa 670.000 Barrel Bier jährlich, was einem Preis von nur rund 66 Dollar pro Barrel entspricht. In der Craftbierbranche ist das ein extrem niedriger Wert.

Zum Vergleich:
2011 zahlte Anheuser-Busch InBev rund 305 Dollar pro Barrel für Goose Island.
2015 legte Constellation Brands sogar etwa 3.600 Dollar pro Barrel für Ballast Point auf den Tisch.
Selbst Tilray selbst zahlte 2020 noch rund 1.150 Dollar pro Barrel für SweetWater.

Dass BrewDog nun für einen Bruchteil solcher Bewertungen verkauft wurde, zeigt vor allem eines: Der Markt für Craftbier hat sich dramatisch verändert. Die großen Wachstumsfantasien der 2010er-Jahre sind längst verflogen.

Besonders hart trifft der Verkauf die rund 200.000 privaten Investoren, die über BrewDogs Crowdfunding-Programm „Equity for Punks“ insgesamt etwa 100 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt hatten. Für sie bleibt vom Verkauf praktisch nichts übrig. Ihre Anteile wurden durch den Deal vollständig entwertet.

Auch für viele Beschäftigte hat die Übernahme unmittelbare Folgen. Rund 500 Mitarbeiter in Großbritannien verlieren ihren Arbeitsplatz. Besonders bitter: Wie schon bei früheren Krisen erfuhren viele Angestellte davon zunächst aus den Medien und nicht direkt von der Unternehmensführung.

Der Niedergang eines Craftbier-Imperiums

Noch vor wenigen Jahren galt BrewDog als eines der erfolgreichsten Craftbier-Unternehmen der Welt. Die Brauerei betrieb zeitweise rund 90 Bars auf mehreren Kontinenten und verfügte über Produktionsstandorte in Europa, den USA und Australien. Der Unternehmenswert wurde zwischenzeitlich mit mehr als 2,5 Milliarden Dollar angegeben.

Doch hinter der spektakulären Wachstumsstory bröckelte das Fundament zunehmend. Immer wieder geriet das Unternehmen wegen seiner Unternehmenskultur in die Kritik. Ehemalige Mitarbeiter sprachen von einem toxischen Arbeitsumfeld, eine BBC-Dokumentation legte weitere Vorwürfe offen.

Auch BrewDogs Nachhaltigkeitsstrategie geriet ins Wanken. Das groß angekündigte „Lost Forest“-Projekt, mit dem die Brauerei angeblich klimaneutral oder sogar klimapositiv werden wollte, scheiterte weitgehend. Rund die Hälfte der gepflanzten Bäume ging nach einem besonders harten Winter ein. 2022 verlor BrewDog zudem seine B-Corp-Zertifizierung, und später gab das Unternehmen auch sein Versprechen auf, allen Mitarbeitern einen existenzsichernden Lohn zu zahlen.

Mit dem Abgang von Gründer James Watt und später auch Martin Dickie verlor die Marke schließlich auch ihre zentralen Figuren.

Rückzug aus Deutschland

Im Zuge der Neuordnung zieht sich BrewDog außerdem vollständig aus Deutschland zurück. Die Gastronomiebetriebe der Marke werden geschlossen, ebenso die Brauerei in Berlin, die erst vor wenigen Jahren als wichtiger europäischer Produktionsstandort aufgebaut worden war.

Damit endet ein ambitioniertes Kapitel der internationalen Expansion. Deutschland galt lange als strategisch wichtiger Markt für BrewDog, doch offenbar ließ sich das Konzept wirtschaftlich nicht mehr aufrechterhalten.

Für viele Craftbier-Fans ist das ein deutliches Zeichen dafür, wie schwierig das Geschäft in den letzten Jahren geworden ist. Selbst international bekannte Marken mit großen Investitionen haben zunehmend Probleme, ihre Expansion zu finanzieren.

Tilrays Strategie

Für Tilray ist der Kauf dennoch ein typischer Schritt. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren darauf spezialisiert, angeschlagene Craftbrauereien günstig zu übernehmen. Zu den Marken im Portfolio gehören bereits SweetWater, Montauk oder Green Flash.

Tilray-CEO Irwin Simon sieht in BrewDog vor allem eine Plattform für den europäischen Markt. Die große Brauerei in Ellon soll künftig stärker ausgelastet werden, möglicherweise auch durch die Produktion amerikanischer Marken für Europa.

Ob diese Strategie aufgeht, bleibt allerdings offen. Auch Tilrays eigenes Biergeschäft kämpft derzeit mit sinkenden Verkaufszahlen.

Das Ende einer Ära

Der Verkauf von BrewDog ist mehr als nur eine Unternehmensübernahme. Er markiert auch das Ende einer Phase in der Craftbierbranche, in der Wachstum, Expansion und hohe Bewertungen scheinbar selbstverständlich waren.

BrewDog war lange das lauteste Symbol dieser Bewegung – und ist nun vielleicht auch ihr spektakulärstes Warnsignal. Denn eines zeigt die Geschichte sehr deutlich: Expansion kann eine Zeit lang Wachstum vorgaukeln. Sie ersetzt jedoch nicht ein stabiles Geschäftsmodell.

Für Bierfans bleibt am Ende vor allem eine Erkenntnis: Selbst die lautesten Punkrock-Versprechen können irgendwann ziemlich leise enden.

Wenn Heimbrauer Pfandautomaten hacken: Norwegens Barcode-Lösung für Bierdosen im kritischen Blick

In Norwegen füllen mehr und mehr Hobbybrauer ihre Biere in Dosen ab. Nun ist der norwegische Heimbrauerverband Norbrygg auf eine Idee gekommen. Sie klingt zunächst sympathisch: Der Verband stellt Barcodes bereit, mit denen von Hobbybrauern selbst befüllte Aluminiumdosen über die normalen Pfandautomaten zurückgegeben werden können. Ziel ist es, dass diese Dosen nicht im Restmüll landen, sondern in das bestehende Recycling-System gelangen. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine pragmatische Lösung für ein wachsendes Problem. Bei näherer Betrachtung wirft die Initiative jedoch einige Fragen auf.

Zunächst zeigt die Maßnahme ein strukturelles Problem moderner Getränkekultur: Die Einwegdose setzt sich auch im Hobbybereich zunehmend durch. Während früher Heimbrauer überwiegend Mehrwegflaschen verwendeten, greifen heute viele zu Dosen – nicht zuletzt, weil sie leichter und lichtundurchlässig sind. Dass nun ein eigener Barcode nötig wird, um diese Verpackung überhaupt halbwegs sinnvoll entsorgen zu können, verdeutlicht, wie stark sich auch das Hobbybrauen in Richtung Einweglogik bewegt.

Das norwegische Pfandsystem gilt international als Vorbild, weil es eine sehr hohe Rücklaufquote erreicht. Genau deshalb wirkt es paradox, dass für Heimbrauer erst ein spezieller Workaround geschaffen werden muss. Offensichtlich war das System nie dafür gedacht, privat befüllte Verpackungen aufzunehmen. Die neuen Barcodes sind daher weniger eine elegante Erweiterung als vielmehr ein nachträglicher Versuch, eine Lücke zu schließen, die durch veränderte Konsum- und Verpackungsgewohnheiten entstanden ist.

Ein weiterer Punkt ist die Frage nach den Anreizen. Für die betreffenden Dosen wird ausdrücklich kein Pfand ausgezahlt. Der Barcode dient nur der Registrierung und dem Recycling. Das bedeutet, dass die Motivation zur Rückgabe ausschließlich aus Umweltbewusstsein bestehen muss (wobei ich mich ehrlich gesagt frage, woher das Umweltbewusstsein auf einmal kommen soll, wenn vorher eine Einwegverpackung gewählt wurde). Während das bei engagierten Heimbrauern durchaus funktionieren kann, widerspricht es der Grundidee des Pfandsystems, das gerade über finanzielle Anreize hohe Rücklaufquoten erzielt. Ohne diesen Anreiz könnte die Rückgabequote deutlich niedriger ausfallen.

Auch organisatorisch ist das Modell nicht völlig unproblematisch. Wenn jeder Heimbrauer denselben Barcode verwenden kann, stellt sich die Frage, wie genau die Rückführung der Materialien tatsächlich erfasst wird. Das System registriert zwar eine Dose, aber nicht deren Herkunft. Für das Recycling selbst spielt das möglicherweise keine große Rolle – für eine saubere Systemintegration hingegen schon.

Hinzu kommt eine grundsätzliche ökologische Debatte: Aluminium ist zwar theoretisch nahezu unbegrenzt recycelbar, seine Herstellung ist jedoch äußerst energieintensiv. Selbst wenn Recycling die Umweltbilanz deutlich verbessert, bleibt die Dose eine Einwegverpackung mit relativ hohem Ressourcenaufwand. Kritiker könnten daher argumentieren, dass eine stärkere Förderung von Mehrwegflaschen im Heimbraubereich langfristig nachhaltiger wäre als die Integration zusätzlicher Einwegströme in bestehende Recyclingstrukturen.

Gleichzeitig sollte man die positiven Aspekte der Initiative nicht völlig übersehen. Wenn Aluminiumdosen ohnehin im Umlauf sind, ist es selbstverständlich sinnvoll, sie möglichst effizient in den Materialkreislauf zurückzuführen. Die Kooperation zwischen Norbrygg, dem Pfandsystembetreiber Infinitum und GS1 Norway zeigt außerdem, dass sich auch vergleichsweise kleine Interessengruppen konstruktiv in nationale Recyclingstrukturen einbringen können.

Die Maßnahme ist daher kein großer Durchbruch, eher ein grundsätzlicher Fehltritt. Wir können sie bestenfalls als einen pragmatischen Kompromiss betrachten: eine technische Lösung für ein Problem, das aus veränderten Verpackungsgewohnheiten entstanden ist. Ob sie langfristig erfolgreich ist, wird davon abhängen, ob Heimbrauer die Barcodes tatsächlich nutzen – und ob die Diskussion über Verpackungen im Hobbybraubereich dadurch nicht erst richtig beginnt.

Das Siegerbier beim Hobbybrauerwettbewerb von Störtebeker ist ein Alt

Manchmal braucht es keine Revolution. Manchmal reicht ein Altbier.

Und genau hier wird die Geschichte interessant: Die Störtebeker Braumanufaktur – sonst eher für norddeutsche Interpretation klassischer Stile bekannt – bringt plötzlich ein Alt auf den Markt. Also ein Bierstil, der im Rheinland ungefähr so heilig ist wie Karneval, Kölschstangen und Diskussionen darüber, welches Alt das einzig wahre ist. Kurz: Mutig.

Noch mutiger wird es, wenn das Rezept nicht aus Düsseldorf stammt, sondern von einem Hobbybrauer aus Seevetal.

Hinter dem Bier steckt Jan Mordhorst, amtierender Deutscher Meister der Hobbybrauer 2025. Sein Rezept setzte sich gegen rund 200 andere Einsendungen durch. Wer schon einmal versucht hat, ein Altbier zu brauen, weiß: Das ist kein Stil, bei dem man einfach Hopfen reinwirft und hofft, dass Instagram es schon feiern wird. Alt verzeiht nichts. Es verlangt Balance. Malzkörper, Bittere, Drinkability – alles muss sitzen.

Und offenbar saß es.

Das Siegerrezept wurde anschließend nicht nur beklatscht, sondern tatsächlich im großen Maßstab eingebraut. Ein Traum für jeden Hobbybrauer: Vom Einkocher im Keller direkt in die Produktionsanlage. Als Sahnehäubchen bekam Mordhorst auch noch 40 Kisten seines eigenen Bieres geliefert – genug, um entweder sehr viele Freunde zu gewinnen oder endlich ehrlich herauszufinden, wer wirklich einer ist.

Was steckt im Glas?
Ein klassisches Altbier lebt vom Zusammenspiel aus Röst- und Nussnoten, dezenter Fruchtigkeit und einer trockenen Bittere. Genau dort setzt dieses Siegerbier an: nussiger Malzkörper, fein abgestimmte Bittere, hohe Trinkfreude. Also ein Bier, das nicht schreit, sondern überzeugt.

Spannend wird es beim Malz: Neben den klassischen Rohstoffen kommt Tritordeum-Malz von Boortmalt zum Einsatz. Klingt wie ein Pokémon, ist aber eine relativ neue Getreidezüchtung. Sie bringt eine leichte Süße und intensivere Aromen ins Bier – gewissermaßen die feine Nuance, die den Unterschied macht zwischen „gut“ und „noch ein Glas“.

Altbier, aber norddeutsch gedacht
Dass ein Alt nicht zwingend aus Düsseldorf kommen muss, ist für Rheinländer vermutlich eine steile These. Aber genau das macht den Reiz aus. Hier wird kein Stil parodiert oder modernisiert bis er Mango enthält, sondern respektvoll interpretiert. Ein bisschen wie ein guter Cover-Song: Man erkennt das Original sofort – aber es hat eine eigene Handschrift.

Erhältlich ist das Bier aktuell in ausgewählten Märkten in Nordrhein-Westfalen sowie im Online-Shop der Brauerei. Die offizielle Vorstellung findet am 13. März in der Online-Verkostung „Störtebeker LIVE Abenteuerreise“ statt, bei der der Meister persönlich mitprobiert. Was eine angenehme Abwechslung zu sonstigen Preisverleihungen sein dürfte: Hier darf der Gewinner sein Werk trinken.

Die Meisterschaft geht weiter
Die Deutsche Meisterschaft der Hobbybrauer fand 2025 bereits zum neunten Mal statt – ebenfalls im Brauquartier in Stralsund. Auch 2026 wird dort wieder gebraut, bewertet und gezittert: Am 5. September dürfen Hobbybrauer erneut um den Titel kämpfen. Anmeldung ab 13. März – also genug Zeit, um den eigenen Sud noch einmal kritisch anzuschauen und festzustellen, dass man vielleicht doch noch ein zweites Rezept braucht.

Fazit
Dieses Altbier ist weniger eine Sensation als eine schöne Erinnerung: Gute Bierideen kommen nicht nur aus Marketingabteilungen, sondern oft aus Garagen, Kellern und Küchen. Und manchmal schafft es ein Rezept genau von dort bis ins Regal.

Und falls Sie sich fragen, ob man als Hobbybrauer wirklich Profi-Bier brauen kann: Ja.
Man braucht nur Talent, Geduld, 200 Konkurrenten – und anschließend Stauraum für 40 Kisten.

BRLO übernimmt ROY Kombucha

BRLO wächst weiter – und zwar diesmal ohne Alkohol im Glas. Die Berliner Brauerei übernimmt zum 1. Februar 2026 die Marke ROY Kombucha und baut damit ihr Angebot im alkoholfreien Segment gezielt aus. ROY Kombucha bleibt als eigenständige Marke erhalten, wird künftig jedoch vollständig unter dem Dach von BRLO weitergeführt.

Ganz neu ist die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen allerdings nicht. Bereits seit zwei Jahren wird ROY Kombucha in der BRLO-Brauerei in Berlin-Spandau produziert. In dieser Zeit wurden Produktionsabläufe zunehmend aufeinander abgestimmt, Prozesse verzahnt und Strukturen gemeinsam entwickelt. Was als Partnerschaft begann, mündet nun in einer vollständigen Integration – mit dem Ziel, den wachsenden Markt für alkoholfreie und bewusste Getränke gemeinsam noch stärker zu bespielen.

Auch personell bleibt Kontinuität gewahrt: ROY-Gründer Fabio Carlucci bleibt an Bord und übernimmt künftig die Leitung sowie die strategische Weiterentwicklung der Marke innerhalb von BRLO. Und die Zahlen sprechen für sich. Mit einem Hektoliter-Wachstum von rund 50 Prozent im Jahr 2025, etwa 800 Verkaufsstellen in Deutschland und mehr als 20 Exportpartnern hat sich ROY in den vergangenen Jahren zu einer ernstzunehmenden Größe im europäischen Kombucha-Markt entwickelt.

Die Verantwortlichen sehen in der Übernahme vor allem große Chancen. BRLO-Geschäftsführerin Katharina Kurz bringt es auf den Punkt: „Die Synergien in Produktion und Vertrieb liegen auf der Hand. Mit der Integration von ROY erweitern wir nicht nur unser Portfolio, sondern auch unsere Zielgruppe im wachstumsstarken Segment alkoholfreier Getränke – ein Trend, der Bewusstsein und Genuss auf natürliche Weise verbindet.“

Auch auf Seiten von ROY blickt man optimistisch in die Zukunft. Gründer Fabio Carlucci erklärt gegenüber dem Protal about-drinks.com: „Diese Weiterentwicklung eröffnet uns neue Möglichkeiten und Perspektiven. Umso mehr freuen wir uns, mit BRLO einen strategischen Partner an unserer Seite zu haben, der unsere Werte teilt – Qualität, Nachhaltigkeit und Innovationsgeist. Gemeinsam bündeln wir unsere jeweiligen Kompetenzen, um Kombucha in Deutschland und Europa noch stärker und schneller zu etablieren.“

Seit der Gründung Ende 2019 steht ROY Kombucha für handwerklich hergestellten, hochwertigen Kombucha aus Berlin. Das Getränk basiert auf fermentiertem Tee und ausgewählten Bio-Zutaten und wird seit Beginn in eigener Produktion hergestellt. Das Sortiment ist vielfältig und reicht von klassischen Varianten bis zu kreativen Geschmacksrichtungen wie Ginger, Raspberry, Strawberry & Basil oder Cucumber & Mint. Hinzu kommen regelmäßig limitierte Editionen, die für zusätzliche Abwechslung sorgen. Erhältlich sind die Produkte in der 0,33-Liter-Dose, in Mehrwegflaschen sowie als Kombucha-Brewing-Kit für alle, die sich selbst am Fermentieren versuchen möchten.

Für BRLO bedeutet der Zusammenschluss vor allem eines: eine konsequente Erweiterung des eigenen Profils. Neben Bier rücken damit zunehmend alkoholfreie Premiumgetränke in den Fokus – ein Markt, der im Handel, in der Gastronomie und bei Endverbrauchern stetig an Bedeutung gewinnt. Der Trend geht klar zu bewussteren Alternativen, die geschmacklich überzeugen und mehr bieten als klassische Softdrinks.

Mit der Integration von ROY Kombucha stärkt BRLO somit nicht nur sein Portfolio, sondern positioniert sich auch strategisch für eine Zukunft, in der Vielfalt und alkoholfreier Genuss eine immer größere Rolle spielen. Für beide Marken könnte das der Beginn eines neuen, sehr spannenden Kapitels sein.

Alkoholfreie Biere klettern auf 10 Prozent

Alkoholfreie Biere klettern auf 10 Prozent

Alkoholfreie Biere sind die am schnellsten wachsende Sorte auf dem deutschen Biermarkt. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes und Daten des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ haben alkoholfreie Biere und Biermischgetränke im Jahr 2025 beim Umsatz im Handel erstmals die 10-Prozent-Marke überschritten, beim Marktanteil könnte diese Schwelle noch in diesem Jahr erreicht werden. „Die 1.500 Brauereien in Deutschland bieten eine enorme Vielfalt alkoholfreier Marken an, die ebenfalls nach dem Reinheitsgebot gebraut werden. Wegen der steigenden Beliebtheit dieser Biere sind wir mittlerweile zum größten Markt für Alkoholfreies in Europa geworden. Die Menschen suchen nach hochwertigen, geschmackvollen Bieren, die zu jeder Lebenslage passen, und wir freuen uns, ihnen diese Vielfalt bieten zu können“, sagte Christian Weber, Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, in Berlin. Er hob die Innovationskraft der überwiegend mittelständischen und handwerklichen Brauereien in Deutschland hervor, die nicht nur im Bereich alkoholfreier Biere und Erfrischungsgetränke sehr erfolgreich seien, sondern auch mit saisonalen Spezialitäten, regionalen Bierstilen und Craftbieren die Vielfalt bereichern.

Pils und Helles sind die beliebtesten Biere der Deutschen 

In der Beliebtheitsskala der Deutschen hat sich das Alkoholfreie mit aktuell 9,5 Prozent Marktanteil bereits auf Platz 3 vorgearbeitet – unangefochtener Marktführer aber bleibt Pils mit knapp 50% Marktanteil. Auf Platz 2 landet die ebenfalls wachsende Kategorie der Hellbiere (ca. 12%), die bundesweit immer mehr Konsumenten begeistert. Mit ihrem milden, ausgewogenen Geschmack, einer moderaten Bittere und hoher Trinkbarkeit sprechen Hellbiere eine breite Zielgruppe an, vom klassischen Bierliebhaber bis hin zu jüngeren und genussorientierten Konsumenten. Der Deutsche Brauer-Bund sieht in dieser Entwicklung ein starkes Signal für die Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit der deutschen Brauwirtschaft – und für die anhaltende Attraktivität der deutschen Bierkultur insgesamt.

Die mit Abstand meisten Biere werden in Deutschland weiterhin in Mehrwegflaschen verkauft. Der klassische 20er-Mehrwegkasten behält einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Mit einem Mehrweganteil von insgesamt knapp 80 Prozent übertreffen die Brauereien als einzige Branche der Getränkewirtschaft das im Verpackungsgesetz der Bundesregierung festgehaltene umweltpolitische Ziel von 70 Prozent.

Konsumflaute hinterlässt Spuren

Insgesamt war der Biermarkt in Deutschland 2025 rückläufig. Wie das Statistische Bundesamt heute berichtete, ging der Bierabsatz im vergangenen Jahr um 6 Prozent zurück. In den Destatis-Zahlen sind alkoholfreie Biere und Malztrunk nicht enthalten. 82,5 Prozent des Bierabsatzes waren 2025 für den Inlandsverbrauch bestimmt. Als einen der Hauptgründe für den Rückgang des Bierabsatzes in Deutschland wie auch in vielen anderen Ländern Europas nennt der Brauer-Bund das Konsumklima. „Die Brauereien bekommen ähnlich wie Handel und Gaststätten die massive Konsumzurückhaltung der Verbraucher zu spüren“, so DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Die Situation der Gastronomie sei weiterhin besorgniserregend, viele Betriebe hätten sich seit der Pandemie nicht erholt. Auch die große Marktmacht des Handels bleibe für die Braubranche ein Problem.

Vor dem Hintergrund, dass auch 2026 ein sehr forderndes Jahr für die gesamte Getränke- und Lebensmittelwirtschaft sein werde, fordert der Branchenverband entschlossenere Anstrengungen der Politik insbesondere in der Energiepolitik und beim Bürokratieabbau. Auch wenn die Brauwirtschaft sich in den vergangenen Jahren als resilient und krisenfest erwiesen habe und es vielen Unternehmen gelungen sei, neue Märkte und Zielgruppen zu erschließen, stehen die Brauereien auf der Kostenseite weiterhin massiv unter Druck. Energie sei neben den Löhnen der größte Kostentreiber. „Für die Brauwirtschaft ist eine verlässliche, planbare und wettbewerbsfähige Energiepolitik von zentraler Bedeutung“, betonte Eichele. Brauereien seien energieintensive Betriebe. Stark schwankende Preise, unklare Förderbedingungen und langfristig fehlende Planungssicherheit erschwerten Investitionen in Effizienz, Klimaschutz und Innovation erheblich. Die Branche unterstütze grundsätzlich die Klimaziele und investiere seit Jahren massiv in moderne, energiesparende Technologien. Diese Investitionen könnten jedoch nur dann fortgesetzt werden, wenn politische Rahmenbedingungen Verlässlichkeit bieten. Dazu gehören bezahlbare Energiepreise, eine praxisnahe Ausgestaltung von Förderprogrammen sowie ein klarer, langfristiger energiepolitischer Kurs, der industrielle Wertschöpfung in Deutschland sichert.

Diese Pressemitteilung des Deutschen Brauerbunds erschien gestern, vermutlich als Reaktion auf die Mitteilung des Statistischen Bundesamtes, dass der Bierabsatz im Jahr 2025 so stark zurückgegangen ist wie nie zuvor. Ich habe diese Pressemitteilung nicht verändert, sondern so veröffentlicht, wie ich sie vom Brauerbund erhalten habe.

Vom Sudhaus zur Supermesse: Warum 2025 ein starkes Jahr für die Bier- und Getränke­welt war

Beim Wort „Getränkemesse“ denken viele an ein paar Zapfhähne, kleine Probiergläser und Menschen, die fachmännisch an irgendetwas Nussigem, Malzigem oder Hopfigem schnuppern. In Wahrheit sind solche Messen eher die Maschinenräume der Branche. Hier wird nicht nur probiert, hier wird entschieden, wie unser Bier (und alles andere Flüssige) morgen gebraut, abgefüllt und verkauft wird.

2025 hat gezeigt: Die Getränkeindustrie steht nicht still, sie sprintet. Effizienz, neue Produkte, digitale Werkzeuge und globale Vernetzung bestimmen das Tempo – egal ob kleine Stadtbrauerei oder weltweiter Getränkeriese.

München als Epizentrum der Flüssig-Zukunft

Das Herz dieses Innovationsjahres schlug in München auf der drinktec. Über 58.000 Besucher aus 164 Ländern und mehr als 1.100 Aussteller verwandelten die Messe in ein gigantisches Labor für alles, was man trinken kann.

Zwischen Edelstahlkolossen und Hightech-Leitständen ging es um die komplette Reise des Getränks: vom Rohstoff über den Sudkessel und die Gärtanks bis hin zu Logistik, Verpackung und Vermarktung. Auch künstliche Intelligenz war kein Fremdwort mehr, sondern Werkzeugkasten. Absatzprognosen, Produktionsplanung, Wartung von Anlagen – vieles wird smarter, vernetzter und vorausschauender.

Oder einfacher gesagt: Wer morgen noch gutes Bier brauen will, muss heute schon digital denken.

Wenn Tradition auf Touchscreen trifft

Spannend ist, dass diese Technik nicht nur für industrielle Massenproduktion gedacht ist. Die Branche ist extrem vielfältig. Neben globalen Konzernen gibt es unzählige mittelständische und kleine Brauereien. Entsprechend breit ist das Angebot: vom vollautomatischen Großbetrieb bis zur kompakten, intelligent gesteuerten Anlage für die urbane Mikrobrauerei.

Künstliche Intelligenz hilft dabei, Schwankungen auszugleichen: weniger Ausschuss, konstantere Qualität, bessere Planbarkeit. Für Brauer heißt das nicht weniger Handwerk, sondern mehr Kontrolle über das Ergebnis im Glas.

Weltweite Bühnen für flüssige Ideen

2025 war nicht nur in München etwas los. In Chicago feierte die EATS ihre Premiere mit starker Getränketechnik-Beteiligung. Für den nordamerikanischen Markt ein deutliches Zeichen: Getränketechnologie bekommt eine eigene, gewichtige Plattform.

In Mainz traf sich die Weinwelt zum DWV-Kongress – ebenfalls mit Technik-Know-how aus der Getränkebranche. Klingt nach einem Abstecher zum Nachbarn, ist aber hochinteressant für Brauer. Viele Lösungen funktionieren branchenübergreifend, und ein Thema verbindet alle: alkoholfreie und alkoholreduzierte Varianten gewinnen rasant an Bedeutung.

Was beim Wein funktioniert, kann auch beim Bier spannend werden – und umgekehrt.

Indien dreht den Hahn auf

Ein echtes Highlight war die drinktec India in Mumbai. Über 20.000 Fachbesucher zeigten, wie groß der Modernisierungsdrang auf dem indischen Subkontinent ist. Neue Brauereien, neue Abfülllinien, neue Verpackungskonzepte – der Markt wächst und sucht aktiv nach internationalem Know-how.

Für europäische Brau- und Getränketechnik ist das eine riesige Chance. Wo neue Sudhäuser geplant oder alte Anlagen modernisiert werden, sind Erfahrung und ausgereifte Technik gefragt.

Was wir davon im Glas merken

All das klingt nach viel Stahl, Software und Statistik. Aber am Ende geht es um etwas sehr Konkretes: das Bier vor unserer Nase.

Effizientere Prozesse sparen Energie und Rohstoffe. Präzisere Gärführung sorgt für gleichbleibenden Geschmack. Neue Technologien machen stabile alkoholfreie Biere oder ganz neue Stilinterpretationen möglich. Kurz: Die Hightech von der Messe landet früher oder später als Qualität, Vielfalt und manchmal auch als Überraschung in unserem Glas.

Die Zukunft des Bieres wird also nicht nur im Sudkessel entschieden, sondern auch in Messehallen voller Sensoren, Bildschirme und Ideen.

Der Blick nach vorn

Die nächsten Termine stehen schon fest. 2026 geht es nach Shanghai, wieder nach Mumbai und nach Nürnberg zur BrauBeviale. 2027 ruft erneut Chicago.

Für die Branche heißt das: weiter tüfteln, weiter vernetzen, weiter verbessern.

Für uns Bierfans heißt das: Es bleibt spannend. Nicht nur auf Messen – sondern bei jedem Schluck.

EBCU: Verteidigung der Wahlfreiheit der Verbraucher und der Zusammenarbeit in der finnischen Bierkultur

Finnland erwägt derzeit einen Gesetzentwurf, der, wenn er in der jetzigen Form beschlossen würde, zur Folge hätte, dass gemeinsame Sude mehrerer Brauereien deutlich erschwert würden, da die beteiligten Brauereien mit deutlich höheren Steuern belegt würden. Die European Beer Consumers Union (EBCU) hat aktuell die folgende Stellungnahme zu diesem Gesetzentwurf herausgegeben (die Übersetzung aus dem Englischen stammt von mir):

Finnland erwägt derzeit neue Leitlinien zur Verbrauchsteuer, die viele Kollaborationsbiere für kleine Brauereien faktisch unmöglich machen würden. Nach der vorliegenden Entwurfsinterpretation könnte ein Bier, das mehr als den Namen oder das Logo einer Brauerei trägt (wie es bei Kollaborationen üblich ist), als „lizenzierte Produktion“ eingestuft werden. In diesem Fall könnten die beteiligten Brauereien ihre Steuererleichterungen für kleine Brauereien für das gesamte Jahr verlieren. Dies würde nicht nur finnische Brauereien betreffen, sondern auch Importe und internationale Kooperationen – und letztlich die Auswahl für Bierkonsumenten deutlich verringern.

Kollaborationsbiere gehören zu den großen Freuden der modernen Bierkultur. Wenn zwei oder mehr unabhängige Brauereien gemeinsam ein Bier brauen, teilen sie Ideen, Fachwissen und Leidenschaft – oft auch über Landesgrenzen hinweg. Diese Gemeinschaftsbiere machen in der Regel niemanden reich; es handelt sich meist um kleine Sude, die Bierliebhabern etwas Neues und Spannendes bieten und Brauereien helfen, neue Zielgruppen zu erreichen. Das europäische Recht erkennt an, dass kleine Brauereien gelegentlich zusammenarbeiten, und erlaubt den EU-Mitgliedstaaten, unabhängigen kleinen Brauereien Steuererleichterungen zu gewähren. In vielen Ländern hat dies Zusammenarbeit und Innovation gefördert, ohne steuerliche Regeln auszuhöhlen.

Finnlands Entwurf zur Verbrauchsteuer-Leitlinie schlägt den entgegengesetzten Weg ein. Er würde jedes Bier, das mehr als ein Brauereilogo trägt, als „lizenzierte Produktion“ behandeln und allen beteiligten Brauereien die Steuererleichterung für kleine Brauereien für ein ganzes Jahr entziehen. Selbst wenn kein Geld fließt und das Bier in den eigenen Räumlichkeiten einer Brauerei gebraut wird, würde allein das Vorhandensein eines Partnerlogos ausreichen, um diese Sanktion auszulösen. Das käme einem faktischen Verbot von Kollaborationsbieren für Finnlands kleine Brauereien gleich, würde internationale Kooperationen entmutigen und Finnland zu einem Sonderfall in Europa machen.

Als Europäische Bierkonsumenten-Union sind wir der Auffassung, dass Verbraucher Auswahl, Vielfalt und Fairness verdienen. Kollaborationsbiere bereichern die Bierlandschaft, stärken grenzüberschreitende Freundschaften und bringen Konsumenten neue Stile und Geschmacksrichtungen näher. Kleine Brauereien daran zu hindern, solche Biere zu brauen, würde Vielfalt und Innovation für Biertrinker in Finnland und darüber hinaus einschränken. Zudem könnten die Exportchancen finnischer Brauereien leiden, während ausländische Brauereien den finnischen Markt meiden könnten – aus Angst, ihren Status als kleine Brauerei zu verlieren. Am Ende hätten Verbraucher weniger Auswahl in den Regalen.

Wir fordern die finnischen Behörden auf, ihren Leitlinienentwurf zu überdenken. Regelungen zur Steuererleichterung für kleine Brauereien sollten klar zwischen echter Auftragsbrauerei (bei der ein Unternehmen die Marke eines anderen produziert) und kreativen Kollaborationen unterscheiden, die Verbrauchern neue Erlebnisse bieten. Gleichzeitig appellieren wir an die EU-Politik, dafür zu sorgen, dass der Kooperationsgedanke der Richtlinie 92/83/EWG in allen Mitgliedstaaten einheitlich angewendet wird. Bierkonsumenten in Finnland und ganz Europa verdienen politische Rahmenbedingungen, die Vielfalt, Innovation und faire Behandlung unterstützen.