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Die Internorga 2022 wird auf Ende April – Anfang Mai verschoben

Die Internorga wird in diesem Jahr nicht wie ursprünglich geplant im März, sondern vom 30. April bis 4. Mai 2022 auf dem Hamburger Messegelände stattfinden. Der rasante Verlauf der vierten Corona-Welle mit täglich neu gemeldeten Höchstständen des Infektionsgeschehens, lässt aktuell keine zuverlässige Prognose darüber zu, ob zum ursprünglich geplanten Termin Mitte März mit einer Beruhigung der Lage zu rechnen ist. Es werden stattdessen weitere herausfordernde Wochen in Aussicht gestellt, verbunden mit einem erhöhten Krankenstand in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.

Die Hamburg Messe und Congress hat aus diesen Gründen gemeinsam mit dem INTERNORGA-Beirat die Entscheidung getroffen, die INTERNORGA 2022 auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen. Damit tragen die Messeverantwortlichen dafür Sorge, die Veranstaltung in gewohnter Qualität durchführen und dem Fachpublikum bei größtmöglicher Sicherheit präsentieren zu können

„Wir wissen um die zunehmende Verunsicherung der letzten 14 Tage bei allen Akteuren und nehmen diese Ernst. Doch auch das Bedürfnis der Branche, sich endlich wieder persönlich zu treffen und auszutauschen ist sehr groß. Insofern freuen wir uns, diesen Ausweichtermin anbieten zu können. Unseren Ausstellenden möchten wir mit der Verschiebung der INTERNORGA größtmögliche Planungssicherheit geben und ihnen Kosten ersparen. Und auch unsere Besuchenden sollen Ende April mit einem guten Gefühl durch unsere Messetore gehen“, erklärt Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung, Hamburg Messe und Congress.

Der neue Durchführungszeitraum der INTERNORGA ist von Samstag, 30. April bis Mittwoch 4. Mai 2022 in den Hamburger Messehallen. Das Internationale Foodservice-Forum findet am 29. April im CCH statt.

Alle wichtigen Informationen zur Verschiebung sind auf der INTERNORGA Website zusammengestellt für:

Besuchende: https://www.internorga.com/info/besucher/faq-internorga-2022-besucher

Ausstellende: https://www.internorga.com/info/aussteller/faq-internorga-2022-aussteller

Die INTERNORGA findet für alle Teilnehmenden vom 30. April. bis 4. Mai 2022 unter den dann in Hamburg gültigen Hygieneregeln statt.

Duckstein – Rubin Bock

Nun steht wieder einmal ein Bier vor mir, das nur jahreszeitlich erhältlich ist. Es handelt sich um den Rubin Bock von Ducksteiner in Hamburg. Ducksteiner ist ein Tochterunternehmen von Holsten, das wiederum zu Carlsberg gehört. Um ehrlich zu sein: die deutschen Marken, die zu Carlsberg gehören, können mich nicht so richtig überzeugen. Meiner Meinung nach sind sie eher zum Wirkungstrinken geeignet als zum Genuss oder auch, um nach einem anstrengenden Arbeitstag den Stress abzuschütteln. Andererseits fallen die Standardbiere von Duckstein durchaus etwas aus dem Rahmen und wenn von dort ein Bier kommt, das für einen speziellen Anlass gebraut wurde (in diesem Fall für den Winter), dann kann ich doch einige Qualität erwarten. Dies gilt besonders, weil ich weiß, dass aus Polen einige Biere aus dem Hause Carlsberg stammen, die mich begeistern konnten. Mal sehen, was jetzt auf mich zukommt.

Hell bernsteinfarben und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone hat einen leichten Gelbstich und bleibt sehr lange erhalten. Optisch ist das Bier also schon mal wirklich ansprechend.

Das Bier duftet nach Karamell, dazu kommen leichte Töne nach Rauch, Holz und Whiskey. Das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine stiltypische Süße aus. Leider ist die sehr feinperlige Kohlensäure eher knapp vorhanden. Da würde ich mir etwas mehr wünschen. Auf der Zunge überrascht die Kraft des Rauchgeschmacks, die deutlich stärker ist als ich es in der Nase wahrgenommen habe. Die Süße wird jetzt durch ein gut abgestimmtes Bitter begleitet, abgerundet durch einen Hauch Vanille. Das Mundgefühl ist voll und rund. Im Abgang ist der Rubin Bock leicht bitter mit durchschnittlichem Nachklang.

Mit diesem leider nur saisonal angebotenen Bier beweisen die Brauer aus Hamburg, dass sie Biere brauen können, die aus dem Mainstream herausstechen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Cara hell, Rauchmalz), Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh, Hüll Melon, Tettnanger Aroma, sowie ein nicht näher benannter Aromahopfen)

Alkoholgehalt:

6,8 % Vol.

Bittereinheiten:

24 IBU

Brauerei:

Duckstein GmbH
Jürgen-Töpfer-Str. 50, Haus 18
22763 Hamburg
www.duckstein.de

Ratsherrn – Pilsener

Nach wirklich langer Zeit steht jetzt mal wieder ein Bier aus der Ratsherrn-Brauerei im Hamburger Schanzenviertel vor mir. Was wäre eine Brauerei in Norddeutschland ohne ein Pilsener? Lange Zeit war Norddeutschland ja eine reine Pils-Wüste, ein anderes Bier gab es nur selten. Dabei wurden die Pilsener-Biere immer ähnlicher und auch nicht wirklich besser. Das hat sich in den letzten Jahren zum Glück etwas verbessert und so freue ich mich jetzt darauf, das Pilsener von Ratsherrn zu verkosten.

Hell golden und mit lebhafter ohlensäure präsentiert sich das Bier im Flas. Die schneeweiße Schaumkrone ist nicht allzu groß und bis auf einen kleinen Rest löst sie sich recht schnell auf.

Das Bier duftet angenehm nach Zitrus- und grünen Früchten, abgerundet durch den Duft nach Vanille.

Als ich den ersten Schluck nehme, scheint mich das Bier im allerersten Moment scheint enttäuschen zu wollen. Dies gilt zumindest solange, wie es sich auf der Zungenspitze befindet, so außer einen leichten Süße nichts zu schmecken ist. Erst als sich das Bier auf der Zunge verteilt entsteht ein ausgeglichener Geschmack aus Süße, Bitter und einer leichten fruchtigen Säure. Im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger und es klingt lange nach.

Insgesamt ist das Ratsherrn Pilsener ein gelungenes Bier für jeden Tag.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9% Vol.

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstraße 30a
20357 Hamburg
www.ratsherrn.de

BierSelect

Joybräu – Proteinbier Light 7G

Jetzt steht mal wieder ein Bier von Joybräu in Hamburg vor mir. Wie alle anderen Biere von Joybräu ist auch dieses alkoholfrei. Obwohl alkoholfreie Biere bereits von Haus aus deutlich weniger Kalorien enthalten als Biere mit Alkohol, wird das 7G, das jetzt auf seine Verkostung wartet, noch einmal mit dem Begriff „Light“ beworben. Dann bin ich ja mal gespannt, wie sich dieses Bier so macht.

Weizengelb und gefiltert läuft das Bier ins Glas und lässt dabei eine durchschnittlich große sahnige Schaumkrone erstehen, die lange erhalten bleibt. Das Bier erscheint etwas blass, ansonsten aber wirklich ansehnlich.

Das Bier duftet nach Karamell, unterstützt durch einige blumige Noten des Malzes sowie einem dezenten Duft nach Vanille.

Der Antrunk ist leicht süß und sehr rezent. Auf der Zunge kommt ein passendes Bitter dazu. Das Mundgefühl ist angenehm weich. Im Abgang wird das Bier trockener, das Bitter bleibt und klingt lange nach.

Ein alkoholfreies Bier mit reduziertem Zuckergehalt hat es bei mir schwer. Da poppt bei mir doch gleich mein Vorurteil auf, dass dieses Bier ziemlich wässrig sein könnte. Das Joybräu light kann mich aber geschmacklich überzeugen. Ob die zugesetzten Proteine und Eiweiße etwas bringen kann ich nicht beurteilen; darüber müssen andere entscheiden.

Zutaten:

alkoholfreies Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen), Aminosäurenzubereitung (Wasser, BCAA (L-Leucin, L-Isoleucin, L-Valin), α-L-Alanin, L-Carnitin)

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Brauerei:

JoyBräu GmbH
Doormannsweg 43
20259 Hamburg
www.joybraeu.de

Joybräu – Proteinbier + Zitrone

Wieder einmal steht ein Bier von Joybräu in Hamburg vor mir. Und wieder einmal bin ich etwas zurückhaltend. Bier ist für mich ein Genussmittel, also ein Lebensmittel, das in Maßen getrunken und genossen werden will. Und jetzt steht zum zweiten Mal ein Bier vor mir, das eine Funktion verspricht, nämlich Sportlern zu helfen, die bei ihrem Sport verlorenen Mineralstoffe und Vitamine wieder aufzufüllen. Ob das Joybräu, das in diesem Fall nicht einmal ein Bier ist, sondern ein Alsterwasser, dies leisten kann, müssen andere entscheiden. Ich kann mich nur mit der Qualität des Geschmacks beschäftigen. Beim ersten Bier der Hamburger war der Geschmack überraschend gut. Mal sehen, wie dieses Getränk mir gefällt.

Intensiv goldfarben und gefiltert läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große feste Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Die Optik ist mal wieder richtig gut gelungen.

Das Aroma erinnert eher an Zitronenlimonade, das Bier kommt nur aus dem Hintergrund zum Vorschein. Nun gut, es handelt sich hier um ein Alsterwasser, also eine Mischung von Bier und Zitronenlimonade. Allerdings steht für mich die Limonade zu sehr im Mittelpunkt, zumindest im Aroma. Aber das ist reine Geschmackssache, die durch die eigenen Vorlieben bestimmt wird.

Der Antrunk ist süß, gefallen kann mir aber die feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge gesellen sich die Bitterstoffe des Hopfens zu Süße. Das Mundgefühl ist eher schlank. Im Abgang dominiert dann das Bitter und es klingt lange nach, es wirkt aber recht künstlich.

Mich kann das Proteinbier mit Zitrone nicht überzeugen. Mit einer anderen Zitronenlimonade, die den natürlichen Zitronengeschmack mehr in den Mittelpunkt stellt, würde mir das Produkt sicher besser gefallen. Aber dann könnte es eventuell die Erwartungen der durchschnittlichen Kunden nicht erfüllen.

Zutaten:

Alkoholfreies Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen), Aminosäurenzubereitung (Wasser, BCAA(L-Leucin, L-Isoleucin, L-Valin), a-L-Alanin, L-Carnitin, Erfrischungsgetränk mit natürlichem Zitronenaroma (Wasser, natürliches Zitronenaroma mit anderen natürlichen Aromen)

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Brauerei:

JoyBräu GmbH
Doormannsweg 43
20259 Hamburg
www.joybraeu.de

Kehrwieder – Road Runner

Jetzt habe ich Lust, mal wieder ein alkoholfreies Bier zu genießen. Oliver Wesseloh von der Kehrwieder Kreativbrauerei in Hamburg hat mich eigentlich noch nie enttäuscht, Das Road Runner, das ich jetzt verkosten will, schraubt meine Erwartungen noch höher, hat es doch bei MeinigerÄs International Craft Beer Award die Platinmedaille errungen und wurde alkoholfreies Bier des Jahres 2020. Eigentlich kann da ja nichts mehr schiefgehen.

Nur mal so ganz nebenbei: der Road Runner hat seinen Namen zu Recht, denn er wurde auch mit Kaffeebohnen gebraut. Meines Wissens ist dies das erste alkoholfreie Bier ohne Alkohol mit Kaffee. Und es handelt sich nicht um irgendwelche Kaffeebohnen, sondern um Bohnen, die in Hamburg geröstet wurden. Mein Vorurteil ist daher, dass die Kaffeebohnen noch frisch waren, als sie verarbeitet wurden und daher von ihren vollen Geschmack und ihr volles Aroma hatten.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabewi eine durchschnittlich große mittelbraune Schaumkrone. Sie ist feinporig und bleibt lange erhalten.

Hatte ich schon erwähnt, dass die Kaffeebohnen frisch bei Quijote in Hamburg geröstet wurden? Das gerantiert die absolute Frische. So überrascht es auch nicht, dass das Kaffeearoma den Duft dieses alkoholfreien Stout dominiert. Abgerundet wird der Duft durch einen Hauch Vanille sowie eine leichte Süße.

Die angenehme Süße stelle ich auch auf der Zunge fest, dabei ist das das Bier für ein Stout ungewöhnlich frisch. Auf der Zunge dominieren die Röststoffe, wobei ein minimales fruchtiges Sauer dazu kommt. Das Mundgefühl ist rech voll, für ein alkoholfreies Bier überraschend voll. Bitterstoffe stelle ich nur wenige fest. Erst im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger. Die Röststoffe dominieren auch hier und klingen einige Zeit nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Röstgerste, Kaffeebohnen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

12° – 14° Celsius

Brauerei:

Kehrwieder Kreativbrauerei
Oliver Wesseloh
Sinsdorfer Kirchweg 74-92
21077 Hamburg
www.kehrwieder.beer

Joybräu – Ocean Blue mit Vitamin C + B12 + B9

Ich muss zugeben, dass das Bier, das jetzt vor mir steht, bei mir einen schweren Stand hat. Zum Einen habe ich so meine Vorurteile gegenüber Functional Food, da ich den Eindruck gewonnen habe, dass diese Lebensmittel meist auf die (angebliche) Wirkung ausgerichtet sind, nicht auf Genuss. Und bei alkoholfreiem Bier geht es mir ähnlich – häufig wirken sie eher wässrig, auch wenn sich da in den letzten Jahren viel getan hat und die Geschmacksqualität bei vielen alkoholfreien Bieren deutlich besser geworden ist. Und hier kommt beides zusammen – ein mit Vitaminen angereichertes alkoholfreies Bier. Kann das überhaupt schmecken? Auf der anderen Seite hat dieses Bier beim Meiningers Craft Beer Award 2020 die Goldmedaille errungen. Eventuell muss ich zum Abschluss dieses Tests meine eigenen Vorurteile korrigieren.

Rotblond und gefiltert läuft das Bier ins Glas und erzeugt dabei eine durchschnittlich große Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Die Optik des Joybräu ist schon mal top

Das Aroma ist hopfenbetont und würzig mit blumigen Noten. Der Duft nach Karamell meldet scih aus dem Hintergrund und rundet die Hopfenaromen ab.

Der Antrunk ist recht süß und begeistert mich durch die sehr sanfte feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge entwickelt sich ein kräftiges Bitter, das gut auf die Süße aubgestimmt wird. Das Mundgefühl ist voll und weich. Im Abgang wird das Bier trockener und das Bitter klingt lange nach.

Tatsächlich stimmen meine Vorurteile in diesem Fall nicht. Das Joybräu Ocean Blue ist ein wirklich gutschmeckendes und süffiges alkoholfreies Bier.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen, Vitamin C

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Brauerei:

GoyBräu GmbH
Doormannsweg 43
20259 Hamburg
www.joybraeu.de

Ratsherrn – Wintertiet

Die Puristen werden jetzt sagen, dass das Ratsherrn Wintertiet in diesem Blog nichts verloren hat, weil es sich um kein Bier im Sinne des Biergesetzes aus dem Jahr 1993 oder im Sinne des deutschen Reinheitsgebots ist, das 2016 sein 500jähriges Bestehen feiert. Ganz falsch ist diese Meinung nicht, schließlich enthält das Wintertiet Kandis und Koriander. Das Argument ist aber durchaus zwiespältig, da das Wintertiet in Deutschland auch als Bier verkauft werden dürfte, wenn die Ratsherrn es nicht selbst gebraut hätte, sondern den Brauvorgang ins Ausland, beispielsweise nach Dänemark oder Polen, verlegt und das Bier dann importiert hätte. Da der Brauvorgang in Deutschland geschehen ist, darf das Bier in Deutschland lediglich als „Brauspezialität“ verkauft werden. Würde das Bier exportiert, dürfte es im Ausland wieder als deutsches Bier verkauft werden. Also passt das Wintertiet doch hier hin. Und bereits auf dem Etikett steht, dass es sich um ein „Strong Belgian Dark“ handelt, und in Belgien sind diese Zutaten durchaus üblich. So, das soll als Vorbemerkung ausreichen, kommen wir zum Biertest.

Aber Moment, eine Bemerkung sei mir noch gestattet. Auf dem Etikett ist vermerkt, dass es sich um den zweiten Sud handelt. Eine Neuauflage dieses Getränks kann schon wieder anders schmecken. Dieser Test bezieht sich ausdrücklich nur auf diesen Sud.

Das Bier ist schwarz. Wirklich intensiv schwarz. Nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert schwach etwas Mahagoni durch. Diese Farbe warnt mich schon: der Geschmack dieses Bieres ist sehr intensiv, das ist keinesfalls etwas, das ich mir einfach so „hinter die Binde kippen“ kann. Der haselnussbraune Schaum ist feinporig, beinahe cremig und er bleibt auch zum Teil wirklich lange erhalten.

Das Aroma wird durch die Röstaromen bestimmt. Vordergründig kommt Karamell zur Geltung, das Bier duftet aber auch leicht süßlich mit einem Hauch von Trockenfrüchten. Damit entspricht das Aroma dem Eindruck, den die Optik vermittelt hat. Das macht wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist süß, wirklich süß. Die Süße überdeckt im ersten Moment jeden anderen Geschmack. Da aber Kandis verwendet wurde, kein Raffinadezucker, ist der Geschmack trotzdem recht komplex und nicht unangenehm. Der Körper ist so intensiv wie ich ihn aufgrund der Optik und des Aromas erwartet habe. Bitter und süß halten sich prima die Waage. Dazu ist das Bier leicht fruchtig. Der Koriandersamen ist kaum zu schmecken, da ich aber aus der Zutatenliste weiß, dass er im Bier enthalten ist, kann ich ihn ahnen. Im Abgang ist das Wintertiet sowohl bitter als auch süß. Während die Süße aber recht schnell verschwindet, bleibt der angenehm-bittere Geschmack lange erhalten.

Dieses Bier steht wirklich in der Tradition der belgischen Braukunst. Ich habe vor vielen Jahren durch die belgischen Biere erfahren, dass Bier mehr ist (oder zumindest sein kann) als die übliche Industrie-Massenware. So etwas wie das Ratsherrn Wintertiet wünsche ich mir öfter.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Kandiszucker, Hopfen, Koriandersaat, Hefe

Alkohlgehalt:

9,3 % Vol.

Stammwürze:

21,4° Plato

Bittereinheiten:

28 IBU

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
Schanzenhöfe
20357 Hamburg
http://www.ratsherrn.de

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Ratsherrn – Grand Cuvée

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus den Schanzenhöfen in Hamburg vor mir, das Ratsherrn Grand Cuvée. Nun werden in dieser Brauerei eigentlich nur hervorragende Biere hergestellt, aber das Rückenetikett legt nahe, dass es sich hier um etwas ganz Besonderes handelt. Da ich diese Informationen auch nicht besser formulieren kann, schreibe ich den Text einmal ab: “ ‚Boubon meets Madeira‘ heißt es bei unserer neuesten Barrel Aged Jahrgangsedition. Grundlage ist unser dunkler Doppelbock, der vier Monate in Holzfässern verbracht hat. Die große Kunst ist es, nach dieser Reifezeit das richtige Verhältnis für den Verschnitt zu finden. Unser Braumeister hat lange nach der perfekten Mischung gesucht und heraus kam unser Grand Cuvée 2015. Im Vordergrund steht ganz klar der Bourbon, der aber solide von den Madeira-Aromen flankiert wird. Noten von Vanille, Schokolade und Portwein sorgen für ein wahres Feuerwerk am Gaumen. Jetzt fehlt nur noch der Ohrensessel am Kamin und eine gute Zigarre!“ Die Lagerzeit im Holzfass finden wir beim Bier ja ab und an. Aber die Ratsherrn sind hier noch einen Schritt weiter gegangen. Innerhalb der Lagerzeit wurde das Bier noch von einem Fass in ein anderes umgefüllt. Die Fässer haben unterschiedliche Holzarten bzw. eine andere Vorverwendung. Etwas versteckt steht auf der Website der Brauerei die Information „Holzfassarten: Madeira, Woodford Reserve Bourbon“. So weit, so gut. Jetzt muss das Ergebnis aber wirklich perfekt sein, sonst muss ich leider der Brauerei die Freundschaft kündigen. Schauen wir mal, wie der Test ausfällt.

Tiefschwarz und blickdicht zeigt sich das Bier im Glas. Darüber ist wenig gemischtporiger haselnussbrauner Schaum, der sich aber sehr schnell auflöst. Das ist eigentlich etwas schade, würde der Schaum länger stehen bleiben, wäre die Optik noch deutlich schöner. Aber wichtiger sind ja der Duft und der Geschmack.

Das Aroma wird vor Allem durch die Röstaromen geprägt, durch Kaffeeduft, der durch einen Hauch Whiskyaroma unterstützt wird.

Bei einem derart intensiv gefärbten Bier befürchte ich einen recht süßen Antrunk. Aber nein, hier überrascht mich das Bier mit einem nur mäßig süßen Antrunk. Gleichzeitig merke ich, dass die Kohlensäure in angenehmen Verhältnis zur Süße steht. Doch, dieses Bier gefällt mir. Der Körper wird von der feinen Kaffeenote dominiert. Das Bittere, das stark geröstetem Malz häufig aufweist, hält sich dezent im Hintergrund und passt sich perfekt in das Gesamtbild des Geschmacks ein, das durch einen Hauch Madeira vervollständigt wird (ich gebe es ja zu: ich hätte den Madeira nicht erkannt, sondern für Sherry gehalten). Der Abgang ist mäßig bitter, aber der Geschmack bleibt sehr lange erhalten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Wiener, Karamellmalz, Metanoidin Malz, Röstmalz), Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh, Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

9,2 % Vol.

Stammwürze:

20,8° Plato

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
20357 Hamburg
www.ratsherrn.de

BierSelect

Ratsherrn – Weißbier

Nun steht wieder ein Bier aus den Schanzenhöfen in Hamburg vor mir, das Ratsherrn Weißbier. Auf dem Rückenetikett brüstet sich die Brauerei damit, eine Weißbiertradition aus dem 14. Jahrhundert wieder aufleben zu lassen. Wenn dies stimmt ist die Tradition des Weizenbiers in Hamburg noch satte 200 Jahre älter als die Tradition der Herstellung von Rotbier. Ehrlich gesagt habe ich von Weiß- und Rotbier in Hamburg sonst noch nie etwas gehört und ich konnte auch im Internet keinerlei Quellen finden, die diese Traditionen belegen. Aber es geht hier schließlich um die Qualität des heute gebrauten Bieres, nicht um die erstmalige Herstellung der jeweiligen Brauspezialität.

Mir fällt auf, dass Ratsherrn bei seinem Weißbier auf dem Rückenetikett weder die verwendeten Malz- noch die Hopfensorten angibt. Bei anderen Bieren aus dieser Brauerei werden diese Informationen gegeben. Auch im Internet finde ich keine vollständige Auflistung, sondern lediglich die Angabe, dass sechs Malzsorten und der Aromahopfen Topaz aus Neuseeland verwendet werden. Aber gut, damit geben die Brauer aus dem Schanzenviertel schließlich auch schon mehr Informationen heraus als die meisten Brauer in Bayern. Nun will ich aber mich endlich dem Bier zuwenden.

Bernsteinfarben mit einem Schuss Braun und mit einer minimalen Trübung durch die enthaltene Hefe steht das Bier im Glas. Darüber steht ein weißer feinporiger, fast cremiger, Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Dazu sehe ich eine ganze Menge lebhafter Kohlensäure. Ich muss sagen, zumindest optisch haben die Brauer keinen Fehler gemacht.

Das Aroma ist durch das Weizenmalz geprägt, etwas teigig, leicht süßlich mit einem Hauch nach Bananen und Trockenfrüchten. Dem Duft fehlt höchstens etwas der saure Ton, der vielen Weizenbieren zu Eigen ist. Auch hier kann ich nicht meckern.

Der Antrunk ist kaum süß und schnell breitet sich der Geschmack des Malzes zusammen mit einem leichten Röstgeschmack im Mund aus. Dazu kommt eine ausgewogene Menge an Bitterstoffen. Der Abgang ist auffallend mild und er klingt nicht lange nach.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,8 %

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
20357 Hamburg
http://www.ratsherrn.de

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