Manche Biere wollen besonders kompliziert sein. Viele Hopfensorten, exotische Namen und Aromen, die angeblich an Mango, Grapefruit und tropischen Regenwald erinnern. Das Helle, ein ursprünglich bayrischer Bierstil, der sich in den letzten Jahren über ganz Deutschland verbreitet hat, geht einen anderen Weg. Dieser Bierstil sagt im Grunde: Entspannen Sie sich, ich bin einfach ein verdammt gutes Bier. Das stimmt zwar nicht immer, aber beim Goldie von orca brau erwarte ich doch eine gehobene Qualität. Zumindest hat mich die Brauerei aus Nürnberg bislang nicht enttäuscht.
Gebraut wird mit regionalen Zutaten, darunter sogar historische fränkische Landgerste aus der Rhön, die dem Bier eine leicht kernige Tiefe verleihen soll. Dazu kommen klassische Hopfensorten wie Magnum und Hallertauer Mittelfrüh, die für eine angenehme, grasig-frische Hopfenaromatik sorgen.
Intensiv goldfarben und opalisierend fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine schneeweiße Schaumkrone, die sich aber leider recht flott auflöst.
Das Bier duftet nach hellem Malz und Karamell. Zitrusfrüchte und Gras halten lassen den Aromen des Malzes den Vortritt und vervollständigen das Aroma. Jetzt ärgert es mich etwas, dass ich das Goldie mit einem leichten Schnupfen verkoste, so dass es möglich ist, dass mir manche Nuancen des Aromas entgehen.
Der Antrunk ist angenehm spritzig und mit einer zurückhaltenden Süße. Auf der Zunge gesellt sich eine gut auf die Süße abgestimmte Bittere dazu. Gemeinsam mit etwas Zitrus sorgt sie für ein volles und weiches Mundgefühl. Der Abgang zeichnet sich durch eine freundliche Bittere mit sehr langem Nachklang aus.
Stilistisch bewegt sich das Goldie irgendwo zwischen klassischem Hellen und modern interpretiertem Craftbier. Man könnte auch sagen: ein Bier für Menschen, die traditionelles Lager lieben, aber nichts dagegen haben, wenn es ein kleines bisschen mehr Persönlichkeit mitbringt.
Kurz gesagt: Mata Hari ist kein historisches Buch und auch kein Spionage-Podcast, sondern ein ziemlich charakterstarkes Bier aus der Berliner Kreativbrauerei Orca Brau. Und der Name ist ziemlich passend gewählt – geheimnisvoll, exotisch und ein bisschen unberechenbar.
Was für ein Bier ist Mata Hari? Es gehört zu den ausgefalleneren Suden der Brauerei. Stilistisch bewegt es sich vermutlich im Bereich moderner Sauer- bzw. Fruchtbiere mit deutlicher Aromaspielerei – typisch für die experimentelle Handschrift der Craft-Szene. Ob meine Erwartung erfüllt wird, will ich jetzt prüfen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.
In einem sehr schönen Rotgold und opalisierend fließt das Bier ins Glas. Leider löst sich der Schaum schnell auf, was die Optik doch arg trübt.
Das Bier duftet angenehm nach Karamell und Trockenfrüchten, die an Pflaumen und Feigen erinnern. Mir fällt auf, dass das Aroma für nur 5,2 Volumenprozent Alkohol sehr intensiv ist.
Der Antrunk überrascht mich, da ich bei dem intensiven Aroma eigentlich mehr Süße erwartet hätte. Aber so kommt mir das Bier noch mehr entgegen. Die sehr feinperlige Kohlensäure ist gut dosiert. Am Gaumen steht die Fruchtigkeit im Vordergrund; außerdem stellt sich eine zur Süße passend dosierte Bittere ein. Das Mundgefühl ist samtig. In der Kehle dominiert eine freundliche Bittere und obwohl sie nicht sonderlich kräftig ist, klingt sie lange nach.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Alkoholgehalt:
52 % Vol.
Farbe:
12 EBC
Brauerei:
Orca Brau Am Steinacher Kreuz 24 90427 Nürnberg www.orcabrau.de
Wie in den letzten Jahren auch stehen wir vor einem Dilemma: Wie präsenteren wir die Lage der bayerischen Brauwirtschaft?
Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Brauerbundes e.V.. Bild: Bayerischer Brauerbund
Einerseits wollen wir die Branche gerne als kraftvoll und erfolgreich darstellen – die Menschen neigen dazu, sich lieber an die Seite von Siegertypen zu stellen und sich durch ihr Konsumverhalten als Teil einer Erfolgsstory zu positionieren. Außerdem wollen wir ja, dass die Menschen sich für unser wunderbares Produkt, für das Bayerische Bier, begeistern. Darauf zu hoffen, dass sie es aus Mitleid trinken, weil es der Branche so schlecht geht, ist keine Option.
Andererseits ist es kein Geheimnis, dass Bayerns Brauer aktuell alles andere als auf Rosen gebettet sind. Wenn nach fast 380 Jahren Ende 2026 in der größten Brauerei der Oberpfalz für immer das Feuer unter dem Sudkessel erlischt, sendet das kein Zeichen wirtschaftlicher Prosperität unserer Branche aus – nur ein Beispiel für den traurigen Aderlass, den insbesondere der brauwirtschaftliche Mittelstand auch in Bayern zu beklagen hat.
Lassen Sie es mich so zusammenfassen: Die Brauwirtschaft in Deutschland und mit ihr auch im lange erfolgsverwöhnten Bayern blickt auf ein schwieriges Jahr 2025 zurück, auf Absatzverluste, die selbst die der Corona-Jahre 2020 und 2021 übertreffen.
Der inländische Bierabsatz
Was ist los in Bayern, im Land des Bieres und der Brauereien? Schauen wir uns zunächst die Entwicklung des Inlandsabsatzes an.
Die deutsche Brauwirtschaft hat im vergangenen Jahr einen Inlandsabsatz von gerade noch 64,1 Mio. hl Bier erreicht, gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 5,8 % oder 3,94 Mio. hl alkoholfreies Bier ist hier noch nicht enthalten, da es von der amtlichen Statistik nicht erfasst wird.
Bayern kommt – auch hier ohne alkoholfreies Bier – auf 17,1 Mio. hl Inlandsabsatz, ein Minus gegenüber 2024 von rund 800.000 hl oder 4,5%. Nicht einmal in den Corona-Jahren haben wir Absatzverluste in solcher Größenordnung hinnehmen müssen.
Nachdem allerorten beklagt wird, Deutschland trinke zu viel, sei ein kurzer Blick auf einen längeren Betrachtungszeitraum geworfen:
Deutschland hat seit 1993 35,4 % seines Inlandsabsatzes verloren – mehr als ein Drittel. In Bayern sind es 31,3 %. Das entspricht 7,8 Mio. Hektolitern.
Der Blick auf diese Zahlen provoziert natürlich die Frage nach dem „Warum“.
Es gibt nicht nur eine Ursache für den Rückgang des Inlandsabsatzes. Vielmehr ist es das Zusammenwirken gleich mehrerer Einflussfaktoren, die dafür verantwortlich sind, dass der Inlandsabsatz in Deutschland seit Jahren schrumpft.
Da ist zunächst die demografische Entwicklung.
Die sogenannten Babyboomer erreichen langsam ein Alter, in dem sie etwas verhaltener alkoholhaltige Getränke konsumieren. Diese Gruppe wird von Jahrgang zu Jahrgang noch auf Jahre absehbar größer.
Das heißt: Wir verlieren am oberen Ende der sog. „Alterspyramide“ in großer Zahl Konsumenten, während am unteren Ende deutlich schwächere Jahrgänge in das konsumfähige Alter hineinwachsen.
So ist die Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen heute fast 5 Mio. Personen größer als sie es in 20 Jahren sein wird. Und betrachten wir die Gruppe der 20- bis 60-jährigen, die die relativ konsumfreundlichste Altersgruppe darstellt, dann wissen wir schon heute, dass diese Altersgruppe in den nächsten 20 Jahren um 6,7 Mio. Menschen schrumpfen wird.
Diese Entwicklung ist nicht neu! Und sie hat zwangsläufig negativen Einfluss auf unser inländisches Absatzpotential, ohne dass diese Entwicklung irgendetwas über die Beliebtheit von Bier oder das Verhältnis der Konsumenten zum Alkohol an sich aussagen würde.
Für uns, für die Brauwirtschaft, gilt es aber festzuhalten: Wir haben auf diese Entwicklung keinen Einfluss!
Die Entwicklung des Pro-Kopf-Konsums
Nun kommt ein zweiter Effekt hinzu: Die nachrückende Konsumentengeneration ist nicht nur zahlenmäßig deutlich schwächer als vorhergehende, sie weist auch ein völlig anderes Konsumverhalten auf als ihre Eltern und Großeltern. Dies hat zur Folge, dass wir nicht nur in größerer Zahl Biertrinker- und -trinkerinnen verlieren als nachwachsen, auch der Pro-Kopf-Konsum der Jüngeren ist deutlich geringer als in früheren Generationen.
Statistisch gut erfasst wird diese Entwicklung durch das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit, BIöG, vormals BzgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung).
Der Bier-Pro-Kopf-Konsum betrug 2024 – aktuellere Zahlen liegen leider noch nicht vor – noch 88 Liter. Er ist damit seit der Wiedervereinigung um 54 Liter, seit seinem Höchststand vor 50 Jahren, 1976, sogar um 63 Liter zurückgegangen.
Auffällig ist das sich wandelnde Konsumverhalten junger Erwachsener: Zählten sich noch in den späten 70-er Jahren 85 % der männlichen jungen Erwachsenen zu den regelmäßigen Alkoholkonsumenten, so sind dies heute noch knapp 39 %. Bei den jungen Frauen sind es sogar nur 18 %, vor 50 Jahren waren es noch knapp 54 %. Und „regelmäßig“ im Sinne dieser Erhebung bedeutet Alkoholkonsum einmal wöchentlich oder öfter. Dies heißt im Umkehrschluss: Fast 70 % der jungen Erwachsenen beiderlei Geschlechts konsumieren seltener als einmal wöchentlich unabhängig von der Menge irgendein alkoholhaltiges Getränk!
Bei ihnen breitet sich ein bisweilen irrational anmutender Verzichtskult aus, befeuert von Organisationen, denen der Konsum von Alkohol per se ein Dorn im Auge ist und die auf dem aktuellen Gesundheitstrend mitschwimmen, „geadelt“ durch die WHO oder die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.
Deren gute Reputation verhilft dem von ihnen propagierten Abstinenzideal zu breiter auch medialer Wahrnehmung. Ein alkoholfreies Leben wird idealisiert als Teil weit verbreiteter Suche nach Selbstoptimierung in einer Welt, die dem Einzelnen immer weniger mitgestaltbar erscheint. Also konzentriert er sich auf das, was er noch beeinflussen und optimieren kann: sich selbst.
Im Ergebnis bleibt damit festzuhalten: Eine nachhaltige Trendumkehr beim Konsum alkoholhaltigen Bieres ist in Deutschland realistisch auf Sicht nicht zu erwarten.
Diese Entwicklung des langfristigen Konsumverhaltens wird zudem überlagert und aktuell noch verstärkt durch kurzfristige Trends: allerorten Verunsicherung, Zukunftsangst, mindestens -sorgen. Keine Lage, in der man es überschwänglich krachen lässt. Die unverändert unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse lassen die Menschen das Geld zusammenhalten. Sie üben sich in Konsumzurückhaltung, verzichten auf den Besuch der Gastronomie oder belassen es dort bei einer Halben, greifen im Handel zu preiswerteren Bieren ….
Hier besteht zumindest die Hoffnung, dass die Absatzkurve wieder etwas abflacht, wenn die gesamtwirtschaftliche Lage sich für die Menschen im Land wieder für sie spürbar bessert.
Die Gesamtabsatzentwicklung/der Bierexport
Beide Trends: Die im Inland schrumpfende Bevölkerung und der rückläufige Pro-Kopf-Konsum, sind – wie gesagt – ja keine neuen Entwicklungen.
Wenn Bayern in den letzten Jahren dennoch eine stabile Gesamtabsatzentwicklung zu verzeichnen hatte, war dies erfolgreichem Export geschuldet, der die Absatzrückgänge im Inland lange zu kompensieren vermochte. Doch auch auf den Auslandsmärkten mussten die bayerischen Brauereien im zurückliegenden Jahr Einbußen hinnehmen.
Der Gesamtbierabsatz der deutschen Brauwirtschaft ist im vergangenen Jahr auf 77,7 Mio. hl gesunken, ein Minus von 6 % oder 4,97 Mio. hl.
Bayern ist auch nicht viel besser weggekommen. Die Brauereien im Freistaat verloren 2025 weitere 1,3 Mio. hl Gesamtabsatz, ein Minus von 5,4 % auf noch 22,54 Mio. hl – auch die ohne alkoholfreies Bier.
Der Gesamtabsatz der Brauwirtschaft hat sich in Deutschland insgesamt wie in Bayern also schlechter entwickelt als der Inlandsabsatz – Indiz dafür, dass auch der Export, der die bayerische Brauwirtschaft in den letzten Jahren getragen hat, schwächelt. Bayern haben die Einbußen auf Auslandsmärkten dabei etwas schwerer getroffen als den Rest der deutschen Brauwirtschaft.
Der deutsche Bierexport insgesamt ist im vergangenen Jahr um gut 1 Mio. hl oder 7% zurückgegangen. Die bayerischen Brauer, die 2024 mit 5,87 Mio. hl noch ein Allzeithoch ihres Exportvolumens erreichten, verlieren hiervon knapp 500.000 hl, was 8,4 % ihrer vorjährigen Exporte bedeutet und nur auf Bayern bezogen der Hälfte dessen entspricht, was Deutschland insgesamt auf den Biermärkten der Welt an Absatz eingebüßt hat.
Dabei sind es vor allem die Lieferungen in Drittstaaten, die einbrechen: Während die bayerischen Exporte in andere Länder der EU um nur 59.000 hl oder lediglich 1,7% fallen, gehen die Exporte in Drittstaaten um 436.000 hl oder 18,3 % zurück.
Italien bleibt mit rund 1,5 Mio. hl das mit Abstand bedeutendste Zielland bayerischer Bierexporte, gefolgt von China (ca. 500.000 hl) und Österreich (knappe 400.000 hl).
Dennoch bleibt Bayern in Deutschland führend beim Bierexport: Knapp 4 von 10 aus Deutschland exportierten Bieren stammen aus einem bayerischen Sudkessel.
Die Perspektiven? Die Absätze in andere Länder der EU können sich wieder stabilisieren, wenn auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich wieder festigen. Unsere Erfolge auf dem wich gen US-amerikanischen Markt sind ein Spiegelbild der erratischen Zollpolitik der Trump‘schen Regierung. Man darf hier auf Besserung hoffen – in jeder Hinsicht.
Der für uns bis zum Beginn des Jahrzehnts bedeutende russische Absatzmarkt (nach Italien bis 2021 immerhin zweitwichtigster Exportmarkt für Bayerns Brauer) ist auf absehbare Zeit weitgehend verloren. Gerade einmal rd. 60.000 hl Exportvolumen sind 2025 geblieben.
Wir setzen darauf, auch in Kooperation mit den verantwortlichen Stellen der Bayerischen Staatsregierung (Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium) dem Bierexport aus Bayern neue Impulse geben zu können. Mit unserer geschützten geografischen Angabe „Bayerisches Bier“ haben wir hier beste Voraussetzungen.
Konsequenzen für die Branchenstruktur
Die beschriebene Entwicklung kann nicht ohne Folgen für die Struktur der deutschen und bayerischen Brauwirtschaft bleiben! Wenngleich wir die Zahlen für 2025 erst in rund 2 Wochen bekommen, zeigen die für 2024 vorliegenden doch einen klaren Trend.
Erstmals in der Geschichte des gewerblichen Brauwesens in Bayern ist die Zahl der Braustäten im Freistaat unter 600 gefallen: 598 waren es nach der letzten Erhebung – immer gute 40% aller deutschen Brauereien.
Nachdem die Dichte kleiner und mittlerer Brauereien in Bayern traditionell besonders hoch ist, war der Drang zur Neugründung von Betrieben hier auch weniger stark ausgeprägt als in anderen Bundesländern mit der Folge, dass dort die Zahl der Brauereien in den letzten 30 Jahren zugenommen hat, während sie in Bayern gefallen ist.
Man versteht die Lage der Branche aber nur, wenn man nicht nur auf die Zahl der Braustätten in Deutschland und Bayern schaut, sondern auch deren Struktur betrachtet:
Fast ¾ aller deutschen Brauereien haben eine Jahresproduktion von unter 5.000 hl. Alle zusammen produzieren sie nicht einmal ganz ein Prozent des deutschen Bieres.
Diese Gruppe ist die einzige, die in den letzten Jahren zahlenmäßig überhaupt noch gewachsen ist, während alle anderen einen z. T deutlichen Rückgang der hier ehemals existierenden Betriebsstätten zu beklagen haben.
Doch ungeachtet auch in Bayern schmerzhafter Verluste traditioneller, oft Jahrhunderte alter Braustätten ist Bayern das Bundesland mit dem mit Abstand noch ausgeprägtesten brauwirtschaftlichen Mittelstand. In keinem anderen Bundesland ist der Konzentrationsprozess weniger stark ausgeprägt als in Bayern.
Der Umstand, dass die bayerische Brauwirtschaft in ihrem Kern unverändert mittelständisch strukturiert ist, ist bereits ein Teil der Antwort auf die Frage, wie wir mit dieser Lage umgehen, einer Lage, die ich als ernst, aber eben auch nicht als hoffnungslos beschreiben möchte.
Alkoholfreies Bier
Einer unserer Hoffnungsträger ist sicherlich alkoholfreies Bier. Nun mögen Sie denken: Der Absatz alkoholfreien Bieres zieht doch an, damit können Sie die Verluste beim alkoholhaltigen Bier doch kompensieren.
Richtig ist, dass wir im Segment der alkoholfreien Biere seit Jahren einen anhaltenden Aufschwung verzeichnen.
Alkoholfreies Bier vermochte im zurückliegenden Jahr um 260.000 hl zuzulegen. Dies entspricht einem Zuwachs von 11,5 % auf jetzt gut 2,5 Mio. hl. Damit wurden erstmalig 10 % des in Bayern hergestellten Bieres alkoholfrei produziert.
Noch entfallen hiervon gute 50 % auf alkoholfreies Weißbier, das allerdings im zurückliegenden Jahr kein Wachstum mehr verzeichnen konnte. Die deutlichen Zuwächse kommen vornehmlich vom alkoholfreien untergärigen Bier, das über ein Drittel Volumen gewinnt. Vor allem alkoholfreies Helles verzeichnet deutliches Wachstum. Ein knappes Drittel der gesamten Produktionsmenge alkoholfreier Biere entfällt mittlerweile auf die untergärigen Varianten. Aber auch die alkoholfreien untergärigen („Radler“) und obergärigen („Russ“) Mischgetränke legen zweistellig an Volumen zu.
Wenn wir für das vergangene Jahr also einen Produktionszuwachs von 250.000 hl alkoholfreien Bieres feststellen und sie den Absatzverlusten alkoholhaltigen Bieres (1,3 Mio. hl, s.o.) gegenüberstellen, so wird leicht ersichtlich, dass wir durch die Zugewinne beim alkoholfreien Bier nur etwa ein Fünftel der beim alkoholhaltigen Bier zu beklagende Verluste ausgleichen können.
Dennoch dürfen wir davon ausgehen, dass der Trend zu alkoholfreien Bieren anhalten wird. Innovative Herstellungsverfahren eröffnen heute auch kleineren Brauereien die Möglichkeit, mit geschmacklich anspruchsvollen Produkten an diesem Wachstumssegment teilzuhaben. Und in der Tat nimmt der Kreis derjenigen Brauereien aller Größenklassen beständig zu, die ein eigenes alkoholfreies Bier auf den Markt bringen.
War’s das schon? Perspektiven der heimischen Brauwirtschaft
Wenn wir uns mit einem breiteren Angebot alkoholfreier Biere also nicht quasi am eigenen Schopf aus der Krise ziehen können, welche Perspektiven sehen wir dann?
Ich möchte diese Frage aus zwei Blickwinkeln beleuchten: Einmal vom Markt aus, innerhalb dessen wir uns mit unseren Produkten bewegen, und einmal mit Blick auf die Rahmenbedingungen, die uns umgeben.
Der Biermarkt bietet Chancen für Bayerisches Bier!
Viel zu lange wurden in der irrigen Annahme, der deutsche Biermarkt würde ins Unendliche wachsen, immer neue Kapazitäten geschaffen, die man jetzt auszulasten versucht, indem man das Bier immer billiger anbietet. Zur dargestellten Absatzschwäche gesellt sich so eine eklatante Ertragsschwäche und wir riskieren den herausragenden Ruf, den Bier aus Deutschland – insbesondere Bayern – genießt, weil, was über Jahre so billig angeboten wird, Zweifel am hohen Qualitätsanspruch nährt.
Die Zukunft des deutschen Biermarktes liegt sicherlich nicht im permanenten preislichen Unterbietungswettbewerb!
Wir haben doch andere Möglichkeiten! Bei allen Schwierigkeiten, die die heimische Brauwirtschaft aktuell objektiv hat: Es gibt eine ganze Reihe ermutigender Signale! In der jüngeren Vergangenheit wurden einige vom Aus bedrohte Brauereien gerettet.
Einerseits, weil branchenfremde Investoren bereit waren, Geld in die Unternehmen zu investieren und so ihren Fortbestand zu sichern. Sie setzen auf die Kraft der Marke, aber auch auf das Potential, das der Ruf des „Bayerischen Bieres“ auch außerhalb Bayerns im In- und Ausland genießt.
Die derweil abgeebbte Cra-Bier-Welle hat uns gezeigt, dass die Menschen beim Bierkonsum offen sind für das Besondere, für die Spezialität jenseits des Massengeschmacks der Fernsehbiere. Wer könnte diese Sehnsucht nach dem besonderen Biererlebnis besser stillen als der bayerische brauwirtschaftliche Mittelstand, den es in anderen Teilen Deutschlands und der Welt so eben nicht mehr gibt? Bei den großen Biertrends der zurückliegenden Jahre, erst Weißbier, aktuell Hell, waren die bayerischen Brauer stets die Wegbereiter. Wir besitzen die Glaubwürdigkeit und die Kompetenz für echte Sortenvielfalt.
Der Absender ist unsere Chance. Bier aus Bayern genießt einen herausragenden Ruf, ein Potential, das in meinen Augen längst nicht ausgeschöpft ist.
Und andererseits werden Braustätten gerettet, weil die Menschen vor Ort den Tod „ihrer“ Brauerei nicht widerstandslos hinnehmen wollen und sich engagieren, um sie zu erhalten, allein oder im Verbund als Genossenschaft, als Verein oder kleine Aktiengesellschaft. Solche Rettungen sind mir ein Beleg für die besonders tiefe Verwurzelung unserer tradierten Bierkultur im Land, die eine ihr eigene Widerstandsfähigkeit gegen Krisen begründet.
Diese Entwicklung zeigt mir wiederum, dass Bier auch in Bayern noch etwas Besonderes, ein enorm emotionales Produkt ist, das lokale Identität stiftet. Die drohende Schließung der Brauerei vor Ort bewegt die Menschen. Sie wollen ihren Bräu nicht fallen lassen, sagen JA zum Bier vor Ort, engagieren sich – persönlich und oft auch finanziell -, eine traditionelle Sudstätte zu erhalten – was natürlich die Frage provoziert, warum man mancherorts mit der gelebten Begeisterung für die Brauerei am Ort wartet, bis sie strauchelt …
Das aber wird vermutlich nicht reichen. Auch jenseits des ieres mit und ohne Alkohol gilt es deshalb, Produkt-Alternativen zu identifizieren, für deren Herstellung sich unsere Brauerei-Ausstattung nutzen lässt. Das gilt natürlich für bekannte Erzeugnisse wie Limonaden (Spezi!), für Eistee oder auch Mate-Produkte, die heute schon von Brauereien angeboten werden. Das gilt aber auch für andere Produkte, die ich unter „Liquid Food“ subsummieren möchte und bei deren Entwicklung wir erst am Anfang stehen.
Auf maßgebliches Betreiben des Brauerbundes bekommt die TUM in Weihenstephan eine weitere Brau-Professur. Wir suchen die aktive Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, um die Brauwirtschatt auf ihrer Suche nach neuen Produkten für einen sich rasch wandelnden Getränkemarkt zu unterstützen.
Der Rahmen muss passen!
Maßgeblichen Einfluss auf das Wohl oder Weh der heimischen Brauwirtschaft üben jedoch auch die Rahmenbedingungen aus, innerhalb derer wir uns bewegen.
Sie sind herausfordernd. Die anstehende energetischen Transformation muss die besonderen Bedingungen und Möglichkeiten des Mittelstandes im Blick behalten, sonst werden wir viele mittelständische Betriebe verlieren. Aktuell leisten wir bereits sehr erfolgreich Hilfestellung, gerade diesen Betrieben bei der Einrichtung von Nachhaltigkeitsmanagement-Systemen zu helfen, um die sie auf Sicht schon vor dem Hintergrund einschlägiger Forderungen des Handels nicht herumkommen werden. Wir sind froh, dass der bürokratische Ballast einer aufwändigen Nachhaltigkeitsberichterstattung zunächst hat abgewendet werden können.
Überhaupt darf der Kampf gegen überbordende Bürokratie kein reines Lippenbekenntnis bleiben. Hier müssen den vielen Worten auch Taten folgen.
Wenn die Monopolkommission jüngst (endlich!) den hohen Konzentrationsgrad kritisiert, den der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland erreicht hat, dann wird es höchste Zeit, dass aus dieser reichlich späten Erkenntnis endlich Konsequenzen gezogen werden. Gerade der Mittelstand steht den Forderungen der Großformen des Handels oft machtlos gegenüber.
Das Ergebnis sind Erlöse, die seit Jahren mit der galoppierenden Kostenentwicklung nicht Schritt zu halten vermögen und die gerade dem Mittelstand kaum Luft zum Atmen, geschweige die Möglichkeit lassen, Mittel für notwendige Investionen zurückzulegen.
Die Lage wird dadurch verschlimmert, dass die zuständigen Stellen auch der durch die Monopolkommission zurecht kritisierten vertikalen Integration von Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft durch die großen Handelskonzerne – mit Blick auf die Getränkewirtschaft bislang vor allem Mineralbrunnen – offenbar tatenlos zuschauen. Die Wettbewerbssituation von Herstellern außerhalb des unmittelbaren Einflussbereiches der Handelsriesen wird hierdurch weiter verschlechtert, insbesondere mittelständische Anbieter werden in ihrem Bestand gefährdet.
Vor allem aber stehen wir aktuell als Hersteller eines nun einmal – wenngleich schwach, so doch zweifelsfrei – alkoholhaltigen Produkts im Feuer. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht vor den gesundheitlichen Risiken des selbst moderaten Alkoholgenusses gewarnt, an dem nicht neue (alte) Ideen vorgebracht werden, wie man dem Konsum von Alkohol denn noch wirksam begegnen könnte.
Auch für den Brauerbund ist klar: Die wirksame Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs ist ein Ziel, hinter dem auch die bayerische Brauwirtschaft steht! Darum aber geht es längst nicht mehr. Mittlerweile wird der Konsum an sich bekämpft – auf der Grundlage durchaus kritisch zu hinterfragender Quellen.
Das Regionalbüro Europa der WHO hat im September 2022 einen „Europäischen Aktionsrahmen für Alkohol 2022 – 2025“ verabschiedet. Er sieht als Ziel eine Reduzierung des Pro-Kopf-Verbrauchs von Reinalkohol auf Basis 2010 bis 2025 um 10 % vor.
Bereits bis 2024 ist im Vergleich zu 2010 der Konsum von Reinalkohol des Bundesbürgers im Schnitt um 13,7 % gesunken. Er ist 2025 nochmals zurückgegangen. Deutschland liegt alkoholpolitisch über Plan!
Ja, werden Sie entgegnen, aber man liest doch allerorten, dass jeder Schluck Alkohol schon gefährlich sein soll …
Man beruft sich dabei gerne auf die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE, die schrieb: „Der Konsum alkoholischer Getränke ist ein führender Risikofaktor für vorzeitigen Tod“.
So weit haben das DGE-Papier auch alle gelesen. Im selben Papier aber heißt es wenige Seiten später, dass es „keine statistisch signifikanten Unterschiede im Mortalitätsrisiko“ zwischen Personen, die bis zu 45 g Reinalkohol täglich konsumieren, und lebenslanger Abstinenz gibt!
45 g Reinalkohol täglich – das ist eine Maß!
Das aber lesen sie nirgends, ebenso wenig, wie dass am Anfang der Publikationswelle zwei kanadische Wissenschaftler stehen, die aus dem Dunstkreis von „Movendi International“ kommen, besser bekannt unter ihrem früheren Namen „Guttempler“, deren klares Ziel eine Welt ohne Alkohol ist. Ist hier wirklich wissenschaftliche Objektivität zu erwarten?
Sie sind die Einflüsterer der WHO. Von der schreibt dann die DGE wiederum ab und am Ende stützt auch das bayerische Gesundheitsministerium sich in seinem im Herbst 2025 veröffentlichten Masterplan Prävention Bayern“ auf deren Aussagen.
Wir wollen gar nicht behaupten, der moderate Konsum alkoholischer Getränke sei gesundheitsförderlich. Aber wir wehren uns gegen die Aussage, selbst kleinste Mengen Bier seien bereits gesundheitsschädlich („No safe level“).
Für einen kausalen (!) Zusammenhang zwischen moderatem Alkoholkonsum und möglichen negativen gesundheitlichen Folgen gibt es – einen ansonsten gesunden Lebenswandel immer vorausgesetzt – keinen wissenschaftlichen Beleg, für Panikmache folglich keinen Grund.
Wenn in einem Kommentar zur Alkoholpolitik die Autorin schreibt, sie genieße die Zeit ohne Alkohol, endlich wache sie nicht mehr mit dickem Kopf und Erinnerungslücken auf, dann frage ich mich, wie sie zuvor wohl konsumiert hat! Zwischen schwarz und weiß, Abstinenz und Suff gibt es ein weites Feld, in dem sich die allermeisten Bier- und auch Weintrinker bewegen – ebenso genussvoll wie gefahrlos! Medial aber findet diese Gruppe gar nicht statt.
Die bayerische Brauwirtschaft hat schon bessere Zeiten erlebt. Sie hat mit großartigen Produkten, einer authentischen Geschichte und beeindruckenden Tradition jedoch auch Chancen.
Wir stellen uns also zuversichtlich den beschriebenen Herausforderungen. Wir erwarten von unserem politischen Umfeld jedoch auch, dass es uns nicht ohne Not das Leben schwer macht.
Die bayerische Brauwirtschaft blickt mit deutlicher Ernüchterung auf das Jahr 2025. Im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz in München hat der Bayerische Brauerbund Anfang Februar 2026 aktuelle Zahlen vorgestellt – und die zeichnen ein Bild, das vielen Brauern Sorgen bereitet.
Bundesweit ist der Inlandsbierabsatz 2025 um 5,8 Prozent zurückgegangen. In absoluten Zahlen bedeutet das ein Minus von fast vier Millionen Hektolitern. Am Ende des Jahres standen nur noch 64,1 Millionen Hektoliter auf der Uhr. Auch in Bayern, das sich in den vergangenen Jahren oft widerstandsfähiger gezeigt hatte, sank der Absatz spürbar. Hier ging es um 4,5 Prozent nach unten auf noch 17,1 Millionen Hektoliter. Für viele Brauereien ist das ein Rückgang, wie sie ihn selbst während der Corona-Jahre nicht erlebt haben.
Noch deutlicher fällt das Minus aus, wenn man die Exporte mit einrechnet. Deutschlandweit schrumpfte der Gesamtabsatz um sechs Prozent, was knapp fünf Millionen Hektolitern entspricht. In Bayern lag der Rückgang bei 5,4 Prozent oder rund 1,3 Millionen Hektolitern. Und dabei geht es ausschließlich um alkoholhaltiges Bier.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Der demografische Wandel spielt eine Rolle, ebenso ein verändertes Konsumverhalten. Hinzu kommt eine allgemeine Konsumzurückhaltung, die nicht nur den heimischen Markt betrifft, sondern auch wichtige Exportländer für bayerisches Bier.
Ein Lichtblick bleibt das Segment der alkoholfreien Biere. Rechnet man diese hinzu, kommt Bayern auf einen gesamten Bierausstoß von rund 25 Millionen Hektolitern. Alkoholfreie Biere haben mittlerweile einen Produktionsanteil von zehn Prozent erreicht und sind 2025 noch einmal um 11,5 Prozent gewachsen. Doch auch dieses Plus von rund 260.000 Hektolitern kann die Verluste bei den klassischen Sorten bei weitem nicht ausgleichen.
Besonders hart trifft die aktuelle Lage den Mittelstand. Steigende Betriebskosten, Fachkräftemangel, wachsender Preisdruck durch den Handel und eine immer kompliziertere Bürokratie setzen vielen Betrieben zu. Dazu kommt die anhaltend gedämpfte Kauflaune der Verbraucher – sowohl im Einzelhandel als auch in der Gastronomie. Für zahlreiche Brauereien entsteht so ein wirtschaftlicher Druck, der ihre Existenz ernsthaft gefährdet.
Ein Beispiel dafür ist das angekündigte Aus einer traditionsreichen Oberpfälzer Großbrauerei zum Ende des Jahres 2026. Für Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Brauerbundes, ist das kein Einzelfall, sondern ein Symptom für eine bedenkliche Entwicklung. Mit jeder schließenden Brauerei gehe nicht nur Wirtschaftskraft verloren, sondern auch ein Stück kulturelle Identität.
Schneider fordert deshalb dringend bessere Rahmenbedingungen. Der viel beschworene Bürokratieabbau müsse endlich Realität werden. Auch die energetische Transformation dürfe gerade für kleine und familiengeführte Brauereien nicht zur unlösbaren Aufgabe werden. Zudem kritisiert der Brauerbund die starke Marktmacht großer Handelsketten, die vor allem mittelständische Hersteller unter enormen Preisdruck setzen.
Trotz aller Schwierigkeiten will der Branchenverband nicht in Schwarzmalerei verfallen. Bayerisches Bier stehe weiterhin für Qualität, Handwerk und regionale Verantwortung. Es sei ein Produkt mit klarer Herkunft und hoher Wertschätzung, geschützt durch die EU als geografische Angabe. Für Schneider ist klar: Brauereien liefern mehr als ein Getränk. Sie schaffen Arbeitsplätze, stiften Gemeinschaft und erzählen Geschichten.
Für die Zukunft setzt der Brauerbund auf Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Von der Brauwissenschaft über Rohstofflieferanten bis hin zum Handel sollen gemeinsam Lösungen entwickelt werden. Themen wie energieeffiziente Produktion, Klimaanpassung und neue Produktideen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Neben einem weiter wachsenden Angebot alkoholfreier Getränke sieht der Verband auch Chancen in neuen Bereichen wie sogenannten Liquid-Food-Produkten. Hier stehe die Branche noch am Anfang, sehe aber großes Potenzial. Schneider formuliert es kämpferisch: Aufgabe sei es, das bayerische Brauhandwerk in eine neue Zeit zu führen – mit Augenmaß, Mut und dem Vertrauen darauf, dass die Menschen auch künftig wissen, was ein gutes Bier wert ist.
Im Bürgerlichen Brauhaus Wiesen im idyllischen Hochspessart – dort wo grüne Wälder und sanfte Hügel den Horizont prägen – wird seit 1888 Bier gebraut: regional und handwerklich. Die Brauerei nutzt das weiche Wasser des Aubachs und Malz & Hopfen aus dem fränkischen Umland, um eine ganze Palette klassischer und saisonaler Biere zu brauen.
Einer der Stars im Portfolio ist der Wiesener Frühlingsbock – ein saisonaler Bock, der nach rund 12 Wochen Reifung im kühlen Lagerkeller zur Fastenzeit und im Frühling bereit ist, die Biervielfalt des Jahres zu eröffnen und der jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.
Orangefarben und kristallklar fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine vergleichsweise kleine weiße Schaumkrone, die aber sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier also eine richtig gute Figur.
Düfte nach Karamell, Honig und Trockenpflaumen steigen mir in die Nase, abgerundet durch einige würzige Noten.
Der Antrunk ist stiltypisch süß und spritzig. Die Süße bleibt auch am Gaumen erhalten, dazu kommen die fruchtigen Noten und auch eine deutliche Bittere, die aber noch Platz für die anderen Aromen lässt. Das Mundgefühl ist weich und voll, auch wenn der Alkohol leicht durchschmeckt. Alles in Allem ist der Frühlingsbock aus dem Brauhaus Wiesen ein süffiges Bier. In der Kehle dominiert eine freundliche und nicht zu kräftige Bittere, die sehr lange nachklingt.
Zu diesem Bier kann ich mir einen alten Hartkäse vorstellen, der kräftig genug ist, um neben dem Bier zu bestehen und der gleichzeitig einen charmanten Gegensatz zur Süße dieses Frühlingsbocks bildet.
Mitten im malerischen Allgäu, im kleinen Ort Missen-Wilhams, befindet sich die Schäffler Bräu – eine echte bayerische Familienbrauerei, die seit 1868 in Betrieb ist und heute in der 6. Generation von Sebastian, Nadine und Florian Graßl geführt wird. Was die Schäffler Bräu so sympathisch macht? Hier treffen tiefe Tradition und frische Ideen aufeinander: Alt eingesessene Braukunst wird mit Offenheit für Neues kombiniert – nach dem Motto „Tradition meets Zukunft“.
Die Brauerei ist nicht nur ein Ort der Bierherstellung, sondern auch ein Stück Dorfleben im Allgäu. Mit einem angeschlossenen Brauereigasthof kann man hier nicht nur das eigene Bier genießen, sondern auch gemütlich essen und regionale Gastfreundschaft erleben.
Im Sortiment stehen klassische bayerische Bierstile wie Allgäuer Hell, Zwickl (naturtrüb), Weizen oder saisonale Spezialitäten – und sogar ein frisch gehopftes Grünhopfenbier, bei dem der Hopfen direkt vom Feld in den Sud geht. Jetzt steht aber das Weizenbier vor mir.
Beim Eingießen zeigt sich das Schäffler Bräu Weizen in einem einladenden, bernstein- bis honiggelben Ton, hefetrüb und mit einer festen Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch ist an diesem Bier schon mal nichts auszusetzen.
Das Aroma des Weizenbiers von Schäffler ist stiltypisch: Düfte nach Banane und Nelke steigen mir in die Nase, abgerundet durch den Teigduft der Hefe. Da bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.
Der Antrunk ist frisch und spritzig mit einer verhaltenen Süße. Auf der Zunge treten Frucht und Hefe gemeinsam in den Vordergrund, so dass das Bier mich beinahe an Bananenbrot erinnert. Die Bittere hält sich stiltypisch im Hintergrund, dafür betritt jetzt ein angenehmer Karamellgeschmack die Bühne. Das Mundgefühl ist weich und das Bier ist ungeheuer süffig. In der Kehle wird die Bittere überraschend kräftiger und sie klingt sehr lange nach.
Ich sage es ja nicht gerne, aber das Schäffler Weizen ist eines der besten Weizenbiere, die ich bislang getrunken habe.
Ein Stück bayerischer Biergeschichte bekommt ein neues Kapitel – eines mit Licht und Schatten. Die Marken Weltenburger und Bischofshof wechseln den Besitzer: Die Kelheimer Familienbrauerei Schneider Weisse übernimmt die Markenrechte und sichert damit die Zukunft der Klosterbrauerei Weltenburg. Für den Standort Regensburg bedeutet diese Entscheidung allerdings das Aus.
Wie die beteiligten Unternehmen gemeinsam mitteilten, soll der Übergang zum 1. Januar 2027 wirksam werden. Mit dem Schritt übernimmt Schneider Weisse zwei klangvolle Namen der bayerischen Braukultur – und setzt zugleich ein Zeichen für Konsolidierung in einem Markt, der seit Jahren unter Druck steht.
Gerade Weltenburg hat dabei eine enorme symbolische Strahlkraft. Am berühmten Donaudurchbruch wird nach Angaben der Betreiber bereits seit dem Jahr 1050 Bier gebraut. Die Klosterbrauerei gilt damit als älteste ihrer Art weltweit und gehört zu einem sehr exklusiven Kreis: In ganz Deutschland existieren nur noch etwa zehn Brauereien, die sich tatsächlich als „echte“ Klosterbrauereien bezeichnen dürfen. Diese Tradition soll fortgeführt werden – ein wichtiges Signal für Liebhaber klassischer bayerischer Braukunst.
Deutlich weniger erfreulich fällt die Bilanz für Regensburg aus. Die Brauerei Bischofshof soll zum 31. Dezember 2026 schließen. Etwa 56 Beschäftigte sind davon betroffen. Die Geschäftsführung spricht von einer notwendigen Entscheidung, da ein wirtschaftlich tragfähiger Alleingang nicht mehr möglich gewesen sei. Gleichzeitig wird der Schritt als „bayerische Lösung“ bezeichnet – auch deshalb, weil die Marken innerhalb der Region bleiben.
Für die Mitarbeiter wurden sozialverträgliche Lösungen angekündigt. Gespräche mit dem Betriebsrat sollen ebenso stattfinden wie Bemühungen, Beschäftigte in andere Unternehmen der Getränkebranche zu vermitteln. Ein Teil des Betriebs bleibt erhalten: Sowohl die Klosterbrauerei Weltenburg als auch der Logistikbereich von Bischofshof mit 21 Mitarbeitenden sollen weitergeführt werden.
Eigentümer von Bischofshof ist eine Stiftung des Bistums Regensburg. Über finanzielle Details des Verkaufs wurde Stillschweigen vereinbart. Branchenkreise gehen jedoch davon aus, dass die Produktion der übernommenen Marken künftig gebündelt wird. Perspektivisch soll das Bier in Weltenburg sowie am Stammsitz von Schneider Weisse in Kelheim gebraut werden. Dort sollen in den kommenden Jahren die nötigen technischen und logistischen Voraussetzungen geschaffen werden.
Der Hintergrund dieses Umbruchs reicht weit über die beteiligten Brauereien hinaus. Der deutsche Biermarkt hat in den vergangenen 15 Jahren rund ein Viertel seines Absatzes verloren. Sinkender Konsum, steigende Kosten und veränderte Trinkgewohnheiten setzen vor allem traditionsreiche Betriebe zunehmend unter Druck. Zusammenschlüsse, Markenverkäufe und Standortschließungen sind längst keine Ausnahme mehr.
Der Deal zwischen Schneider Weisse, Weltenburger und Bischofshof zeigt exemplarisch, wie eng Bewahrung und Verlust derzeit beieinanderliegen: Auf der einen Seite wird ein einzigartiges klösterliches Brauerbe gesichert, auf der anderen verschwindet ein traditionsreicher Braustandort aus Regensburg. Ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die bayerische Bierlandschaft im Wandel befindet – leise, aber unumkehrbar.
Die fränkische Brauerei Leikeim steht vor einer der größten Herausforderungen ihrer langen Geschichte. Das Brauhaus Altenkunstadt Andreas Leikeim GmbH & Co. KG hat beim zuständigen Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ziel dieses Schritts ist es nicht, den Betrieb einzustellen, sondern im Gegenteil: die traditionsreiche Familienbrauerei neu aufzustellen und für die Zukunft abzusichern.
Geschäftsführer Andreas Leikeim macht keinen Hehl aus den Gründen für diesen Schritt. In den vergangenen Jahren habe sich die Absatz- und Umsatzentwicklung spürbar verschlechtert, was letztlich zu einem Liquiditätsengpass geführt habe. Der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung sei daher notwendig gewesen, um rechtzeitig gegenzusteuern und Handlungsspielraum für eine Sanierung zu gewinnen.
Die Ursachen liegen dabei weniger in unternehmerischen Fehlentscheidungen als vielmehr in den schwierigen Rahmenbedingungen des deutschen Biermarktes. Sinkender Bierkonsum, stetig steigende Kosten in nahezu allen Bereichen und die wirtschaftlichen Nachwirkungen der Corona-Pandemie haben auch Leikeim stark zugesetzt. Wie viele mittelständische Brauereien spürt das Unternehmen den strukturellen Wandel der Branche besonders deutlich.
Ganz untätig ist man in Altenkunstadt allerdings nicht geblieben. In den vergangenen Jahren hat Leikeim versucht, mit verschiedenen Maßnahmen gegenzuhalten: Der Export wurde ausgebaut, zusätzliche Dienstleistungen für andere Brauereien angeboten, in alkoholfreie Produkte investiert und an vielen Stellen gespart. Doch trotz dieser Anstrengungen ließen sich die langfristigen Belastungen nicht vollständig kompensieren.
Dabei steht Leikeim für weit mehr als reine Produktionszahlen. Seit über 135 Jahren ist die Marke ein fester Bestandteil der fränkischen Bierlandschaft. Als unabhängige Familienbrauerei in fünfter Generation ist das Unternehmen tief in Oberfranken verwurzelt – wirtschaftlich ebenso wie kulturell. Leikeim ist Arbeitgeber, Identifikationspunkt und für viele schlicht ein Stück Heimat im Glas.
Wichtig für Kundinnen und Kunden: Der Betrieb läuft weiter. Rund 100 Mitarbeiter sind derzeit bei Leikeim beschäftigt, Produktion und Auslieferung werden fortgeführt. Die beliebten Bierspezialitäten und Erfrischungsgetränke, bekannt nicht zuletzt durch die markante Bügelverschlussflasche, bleiben weiterhin verfügbar. Auch die Versorgung des Handels ist nach Angaben des Unternehmens gesichert.
Im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens werden nun verschiedene Sanierungsoptionen geprüft. Dazu gehören sowohl interne Restrukturierungsmaßnahmen als auch Gespräche mit potenziellen Investoren. Unterstützt wird die Geschäftsführung dabei von Rechtsanwalt Gunther Neef, der als Generalbevollmächtigter den Sanierungsprozess begleitet. Ziel sei es, das Unternehmen neu auszurichten, auf veränderte Marktbedürfnisse zu reagieren und verloren gegangenes Vertrauen bei Verbrauchern, Geschäftspartnern und Lieferanten zurückzugewinnen.
Die rechtliche Aufsicht im Verfahren übernimmt Rechtsanwalt Jochen Wagner, der als Sachwalter die Interessen der Gläubiger vertritt. Parallel dazu bleibt der Fokus klar auf dem Standort Altenkunstadt: Leikeim soll als wichtiger Arbeitgeber und als unabhängige fränkische Brauerei erhalten bleiben.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieser Weg gelingt. Klar ist schon jetzt: Mit dem Antrag auf Eigenverwaltung setzt Leikeim auf einen kontrollierten Neustart – und auf die Chance, dass eine der bekanntesten Brauereien Oberfrankens auch künftig ein fester Bestandteil der deutschen Bierkultur bleibt.
Die BrauBeviale in Nürnberg gilt längst als unverzichtbarer Treffpunkt für die europäische Brau- und Getränkeindustrie – und das wird sich auch 2026 nicht ändern. Vom 10. bis 12. November öffnet die Messe wieder ihre Tore unter dem Motto „All Beverages. One Future.“ und zeigt, wohin die Reise der Branche geht: neue Produkte, neue Marktchancen und vor allem jede Menge Impulse für eine starke Zukunft.
Ein besonderes Augenmerk liegt diesmal auf alkoholfreiem Bier. Dieses Segment gilt als Wachstumsmarkt und bietet gerade für mittelständische Brauereien die Chance, ihr Portfolio zu erweitern. „Die Optionen für die mittelständische Brauerei- und Getränkewirtschaft Europas zu einem erweiterten Produktportfolio dürfen nicht ungenutzt bleiben“, betont Markus Kosak, Executive Director bei YONTEX. In Nürnberg bekommen Aussteller und Besucher daher die Gelegenheit, die neuesten Entwicklungen rund um alkoholfreie Getränke hautnah zu erleben – von der Rohstoffauswahl über Prozesstechnik bis hin zu Verpackungslösungen.
Denn die BrauBeviale 2026 zeigt nicht nur Bier: Gerade alkoholfreie Erfrischungsgetränke rücken stärker in den Fokus. Nach einer sukzessiven Erweiterung des Angebots für Wein und Spirituosen in den letzten Jahren ist dies der nächste Schritt, um den veränderten Verbrauchergewohnheiten Rechnung zu tragen. Der neue Claim der Messe, „All Beverages. One Future.“, spiegelt genau diese Bandbreite wider: Hier treffen klassische Brautechnik und moderne Getränkelösungen aufeinander.
Eine weitere Neuerung wartet beim Hallenlayout. Auf dem Nürnberger Messegelände stehen die Hallen 6 bis 12 zur Verfügung, was eine optimierte Besucherführung und eine kompakte Präsentation der Aussteller ermöglicht. So können Fachbesucher bequem alle Themenschwerpunkte durchlaufen und gleichzeitig Kontakte knüpfen – ein entscheidender Pluspunkt der BrauBeviale.
Auch das Rahmenprogramm verspricht spannende Impulse. Unter dem Motto „Time for opportunities“ bieten Expertenvorträge, Workshops und Diskussionsrunden praxisnahe Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette der Getränkeherstellung. Die BrauBeviale bleibt damit das Forum für alle, die sich austauschen, vernetzen und innovative Ideen direkt umsetzen wollen.
Stefan Stang, Geschäftsführer des Private Brauereien Bayern e.V., ideeller Träger der BrauBeviale, bringt es auf den Punkt: „Die Brau- und Getränkebranche befindet sich unbestritten im Wandel. Unter dem neuen Claim ‚All Beverages. One Future‘ bietet die BrauBeviale 2026 gezielt Lösungen für die Gesamtheit unserer Branche, um den Herausforderungen der Zukunft zielgerichtet zu begegnen. Wir freuen uns auf drei Tage voller Ideen und Anregungen sowie dem einzigartigen Netzwerkcharakter in Nürnberg.“
Ob etablierte Brauereien, Start-ups im Getränkesegment oder Anbieter von Prozesstechnik – die BrauBeviale 2026 verspricht wieder drei Tage voller Innovation, Austausch und Praxiswissen, die die Branche fit für die Zukunft machen.
Ein Kellerbier ist ursprünglich ein unfiltriertes, naturtrübes Hellbier, das noch im Holz- oder Edelstahltank „kellernd“ reift. Klassisch ist der Stil vor allem in Franken und Bayern verbreitet. Charakteristisch sind eine natürliche Trübung, ein weiches und rundes Mundgefühl, eine leicht malzige Süße im Zusammenspiel mit mild-herbe. Hopfennoten sowie ein eher moderater Alkoholgehalt. An diesen Eigenschaften muss sich auch das Kellerbier von orca brau in Nürnberg messen lassen.
Orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die weiße feinporige Schaumkrone ist eher klein, bleibt aber lange erhalten. Optisch geht das Bier in Ordnung.
Das Bier duftet angenehm nach Karamell und frischem Brot, abgerundet durch rote Früchte wie Erdbeeren und einige florale Noten.
Der Antrunk zeichnet sich durch eine fruchtige Süße sowie eine kräftige Karbonisierung aus. Auf der Zunge bleibt die Fruchtigkeit im Mittelpunkt und jetzt ist das Bier weniger süß als erwartet. Dazu kommt eine zurückhaltende Bittere, die gemeinsam mit den anderen Aromen für ein weiches Mundgefühl sorgt. In der Kehle legt die Bittere zu, bleibt aber moderat. Trotzdem klingt der Geschmack lange nach.
Das Orca Kellerbier lässt sich mit verschiedenen Gerichten kombinieren, beispielsweise mit gegrilltem Fleisch oder Würstchen, mit Würstchen oder Grillgemüse.