Archiv der Kategorie: Biertest

Brauerei Simon – Schwarze Kuni

Die fränkische Stadt Lauf hat eine ganz besondere Patronin: Die Kaiserin und spätere Heilige Kunigunde ist die Urmutter Laufs. Über die Gründung der Stadt in der Nürnberger Metropolregion gibt es folgende Legende: Die Kaiserin Kunigunde reiste mit ihrem Gefolge nach Regensburg. An einer Furt machte die Kolonne halt, sodass die durstige Kaiserin etwas Wasser aus der Pegnitz schöpfen konnte. Dabei fiel ihr wertvoller Kopfschmuck in den Fluss. Vergeblich suchte man das Gewässer ab, doch niemand konnte die Krone der Kaiserin finden. Die Gemahlin Heinrichs des II. versprach den Bau einer Kapelle, sollte ihr Schmuckstück gefunden werden, doch ihr Versprechen wurde nicht eingelöst: Schatzsucher und Glücksritter von nah und fern taten ihr Bestes, um das kaiserliche Diadem zu finden. Sie befreiten die Pegnitz von sämtlichem Unrat, Schmutz und Sand, wurden dabei aber nicht fündig. Die Pegnitz allerdings gewann durch die müßige Arbeit der Schatzsucher: Bereinigt konnte das Wasser wieder ungestört durch das Flussbett fließen und bot den perfekten Platz für Mühlen. Rasch entstand eine Siedlung rund um die Furt und Lauf war geboren.

Die Brauerei Simon aus Lauf hat der Heiligen Kunigunde ein Bier gewidmet: Die Schwarze Kuni ist ein dunkler Weizenbock mit kräftigen 7,0% Alkoholgehalt und feinwürziger Aromatik. Trinken wir also auf die Heilige Kunigunde und ihr verlorenes Diadem.

Nahezu blickdicht schwarz präsentiert sich die schwarze Kuni im Glas. Darüber steht eine haselnussbraune feste Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht Kuni damit schon mal einen sehr guten Eindruck.

Das Bier durfte nach einer sehr reifen Banane und nach dunkler Schokolade abgerundet ist das sehr angenehme Aroma durch den Duft von Kandis. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße aus; dabei ist er spritzig durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge kommt die Fruchtigkeit in den Vordergrund. Der Geschmack nach dunkler Schokolade ist überraschend zurückhaltend mit leichter mit einer leichten bitteren. Das Mundgefühl ist weich und voll und der Alkohol ist gut eingearbeitet in der Kehle wird die Schokolade etwas kräftiger und der Abgang ist stiltypisch mild.

Die schwarze Kuni ist ein vielschichtiges Bier, auch wenn nach meinem Geschmack die Röstaromen und der Weizenbock nicht wirklich zusammenpassen. Ich kann verstehen, das heißt Bier vielen Menschen schmeckt, aber es ist trifft nicht meinen Geschmack.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Röstmalzbier, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Simon GmbH
Heroldstrasse 12
91207 Lauf a. d. Pegnitz
www.brauerei-simon.de

Ammerndorfer Bock

Der Bau des heute noch existierenden Brauereigebäudes wurde bereits im Jahr 1730 begonnen. Seit 1855 befindet sich die Brauerei im Besitz der Familie Dorn und wird heute von deren Nachkommen geleitet. Seit 1990 führt Helmut Murmann die Familientradition erfolgreich fort. Mit den Töchtern Christine und Claudia ist nun die 10. Generation an Bord und verkörpert die Zukunft der kleinen privaten Traditionsbrauerei. Die Schwestern sind die ersten weiblichen Braumeisterinnen in der langen Familiengeschichte.

Mahagonifarben präsentiert sich der Ammerndorfer Bock im Glas. Die elfenbeinfarbene feinporige Schaumkrone ist sehr stabil. Optisch macht das Bier also alles richtig.

Das Bier duftet malzbetont nach dunkler Schokolade und Karamell, abgerundet durch einige grasige Noten des Hopfens. Die 6,25 Volumenprozent Alkohol sind gut ins Aroma eingearbeitet.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine stiltypische Süße sowie eine sanfte Kohlensäure aus. Eine leichte Bittere gesellt sich zur Süße und verbindet sich mit den Aromaölen des Hopfens zu einem weichen und vollen Mundgefühl. In der Kehle wird die Bittere etwas kräftiger, ohne aber dort die Süße zu überdecken. Sowohl die Bittere als auch die Süße klingen sehr lange nach.

Der Ammerndorfer Bock ist gut ausbalanciert und ungeheuer süffig. Er passt sowohl zu Wildgerichten als auch zu manchem Dessert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Stammwürze:

17,8° Plato

Farbe:

28 EBC

Brauerei:

Ammerndorfer Bier
Marktplatz 1-2
90614 Ammerndorf
www.ammerndorfer-bier.de

Brauerei Hauf – Weihnachts-Bier

Das Weihnachts-Bier der Brauerei Hauf aus dem als Touristenhotspot bekannten Dinkelsbühl, dessen Altstadt vom Focus einmal zur schönsten Altstadt Deutschlands gekürt wurde, ist eigentlich nur von Oktober bis Dezember erhältlich und als Mindesthaltbarkeitsdatum wird der Mai des folgenden Jahres angegeben. Ich habe kürzlich eine Flasche aus dem letzten Jahr gefunden, meine aber, dass ein gefiltertes Bier mit 5,4 Volumenprozent Alkohol auch länger haltbar sein müsste. Die Annahme will ich jetzt überprüfen.

Golden und gefiltert strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die feinporige Schaumkrone bleibt lange erhalten. Optisch macht das Bier schon mal eine gute Figur.

Das Bier duftet angenehm nach Brotkruste, angenehm abgerundet durch würzige und grasige Noten. So lasse ich mir ein Märzen gefallen.

Der Antrunk ist recht süß und er zeichnet sich durch eine sehr feinperlige Karbonisierung aus. Die Süße bleibt auch auf der Zunge erhalten, wo sie durch die würzigen Noten des Hopfens abgerundet wird. Der Körper ist schlank und das Bier ist alles in allem recht süffig. Der Abgang ist überraschend mild mit sehr kurzem Nachklang.

Das Weihnachts-Bier aus Dinkelsbühl ist sehr gut zu trinken, kann mich aber trotzdem nicht so richtig begeistern. Das könnte aber eventuell auch den Grund haben, dass sich einige Hopfenaromen im Laufe des Jahres verflüchtigt haben. Eventuell sollte ich das Bier in diesem Jahr noch einmal testen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Brauerei Hauf GmbH & Co. KG
Heiningerstr. 28
91550 Dinkelsbühl
www.hauf-bier.de

100 Watt – 400 Volt

Denn wie war es möglich, dass es in einer Stadt mit einer reichen Brautradition keine Stadtbrauerei mehr gab? Mit der Gründung der 100Watt Brauerei wurde dieser Situation ein Ende gesetzt. Alter Ruhm lebt in neuem Gewand wieder auf! In der ehemaligen Textilfabrik Schellens, nur einen Steinwurf vom Vergnügungsviertel Stratumseind entfernt, wurde eine Brauerei mit einer einzigartigen Gastronomie-Location realisiert. Ein Hauch von der Stadt der Lichter.

Jetzt steht vor mir die endgültige Version des 400 Volts, gereift in Glenfiddich-Fässern. Der weiche Whisky sorgt für eine subtile Vanille und einen Hauch von Alkohol. Daher verspricht die Brauerei ein besonders volles Aroma und ein tiefer Geschmack. Mal sehen, ob sie dieses Versprechen auch halten kann. Ich bin da aber recht zuversichtlich, da das Bier bei den World Beer Awards 2021 die Silbermedaille als zweitbestes Bier der Niederlande erhalten hat.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine recht kleine haselnussbraune Schaumkrone, die aber sehr lange erhalten bleibt. Damit sieht das Bier schon mal sehr verlockend aus.

Aromen nach Kaffee und gerösteten Haselnüssen, nach Lakritz und Vanille steigen mir in die Nase. Anfangs kann ich auch eine leichte fruchtige Säure feststellen, aber dieser Duft verfliegt schnell.

Der Antrunk ist wie erwartet süß und er zeichnet sich durch eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen wider, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Dunkle Schokolade mischt sich mit gerösteten Nüssen und die Vanille kommt auf der Zunge kräftiger zum Vorschein als in der Nase. Dabei bleibt die Süße erhalten und zusammen mit einer leichten Bitteren sorgt sie für ein samtiges Mundgefühl. Abgerundet wird der Eindruck durch die wärmende Wirkung des Alkohols. Der Abgang ist mild, aber mit langem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Cara, Roast), Weizenmalz (Crystal), Hopfen (Sorachi Ace), Bourbonvanille-Extrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Bittereinheiten:

55 IBU

Farbe:

97 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

10° – 12° Celsius

Brauerei:

100 Watt Brewery
Vestdijk 280
5611 CZ Eindhoven
Niederlande
www.100watt.nl

Stralsunder – Prost! Bio Pils

Stralsunder ist eine Marke von Störtebeker, der bekannten Brauerei aus Stralsund. Nach dem Übersee Pils gibt es mit dem Stralsunder Prost! Bio Pils jetzt ein zweites Pilsbier der Hanseaten mit Zutaten aus biologischem Anbau. Der Sinn dieser doppelten Biere erschließt sich mir nicht. Bislang habe ich die Marke Stralsunder nur in Stralsund gesehen und eigentlich als Billigmarke der Störtebeker Brauerei betrachtet, die vermutlich nur aus Gründen der Tradition weitergeführt wurde. Immerhin gab es diese Marke bereits in der DDR. Offensichtlich habe ich mich da geirrt. Aber egal, mal sehen, wie sich das Bier so macht.

Golden und kristallklar präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige und schneeweiße Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Optisch gibt es an diesem Bier schon mal nichts auszusetzen.

Das Bier duftet nach Brotkrume und die Hopfennoten sind eher zu erahnen. Im Grunde erscheint mir der Duft des Bio Pils eher wie ein Helles.

Der Antrunk ist recht süß, was für ein Pils eher untypisch ist. Die Kohlensäure ist feinperlig, aber trotzdem kräftig. Auch auf der Zunge ist das Bier sehr malzbetont. Es zeichnet sich durch einen intensiven Brotgeschmack mit einer Karamellnote aus. Mir fehlt wirklich die Bittere des Hopfens. Aber das Mundgefühl ist samtig und weich. Erst in der Kehle kann ich eine deutliche Bittere schmecken, die dann aber lange nachklingt.

Auch wenn ich vom Bio Pils als Pilsener etwas enttäuscht bin – als Helles würde es mir durchaus gefallen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stoertebeker.com

Brouwerij Boelens – Waase Kriek

Das Kirschbier, das jetzt vor mir steht, stammt aus dem ostflandrischen Belsele. Die Geschichte von Belsele lässt sich bis ins neunte Jahrhundert zurückverfolgen und bis ins Jahr 1977 war Belsele eine selbstständige Gemeinde. Heute ist sie ein Ortsteil von Sint-Niklaas.

Im Gegensatz zu anderen Krieks wurde beim Brauen dieses Bieres weder Zucker noch ein Süßungsmittel verwendet. Jede Süße in diesem Bier stammt vom Malz und/oder vom Kirschsaft. Nun will ich aber die Flasche öffnen und das Waase Kriek verkosten.

Rotbraun und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Der feinporige Schaum weist ein sehr schönes Rosa auf und bleibt sehr lange erhalten. Das ist für ein Fruchtbier keine Selbstverständlichkeit und sorgt dafür, dass es an der Optik des Waase Kriek nichts zu mäkeln gibt.

Das Bier duftet nicht so intensiv nach Kirschen wie andere Krieks. Das ist aber kein Nachteil, denn der angenehme Duft des wild vergorenen Biers sowie der leichte Mandelduft der Kirschkerne entschädigen mich für den etwas zurückhaltenden Kirschduft.

Wie erwartet ist der Antrunk recht süß und er zeichnet sich durch die sehr feinperlige Kohlensäure aus, die vielen mit wilden Hefen vergorenen Bieren zu eigen ist. Auf der Zunge entwickelt sich eine überraschend kräftige fruchtige Säure. Trotzdem ist das Bier süffig und das Mundgefühl weich. Allerdings würde ich mir etwas Bittere wünschen. Im Abgang wird das Bier trockener und ein leichter Marzipangeschmack kommt auf. Leider klingt er nur kurz nach.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

14° Plato

Brauerei:

Brouwerij Boelens Bvba
Kerkstraat 7
9111 Belsele
Belgien
www.brouwerijboelens.be

Spaten – Alkoholfrei

Bereits für das Jahr 1397 weist das Steuerbuch der Stadt München in er Neuhausergasse 4 einen Eintrag für einen Brauer auf. Dies ist die Geburtsstunde der Brauerei, die wir heute als Spaten Brauerei kennen. Und auch wenn sich die bayrischen Brauer lange geweigert haben, alkoholfreies Bier herzustellen, ist dieser Trend inzwischen auch im Freistaat angekommen. Das gilt auch für die Spaten Brauerei, deren alkoholfreies Bier jetzt vor mir steht.

Golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Optisch macht das Bier schon mal eine sehr gute Figur, was besonders für alkoholfreie Biere nicht selbstverständlich ist.

Das Aroma erinnert intensiv an Getreide, begleitet durch einige blumige Noten. Ich vermute jetzt mal, dass das Bier durch eine abgebrochene Gärung entstanden ist.

Wie erwartet weist der Antrunk eine recht hohe Malzsüße auf. Durch die reichlich dosierte Kohlensäure ist das Bier aber angenehm spritzig.

Auf der Zunge gesellt sich zur Süße die Bittere des Hopfens. Auch wenn das Verhältnis von Süße und Bitterkeit nach meinem Geschmack nicht wirklich ausbalanciert ist, ist das Mundgefühl angenehm weich.

Im Abgang wird die Bittere kräftiger und sie klingt sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt, Gärungskohlensäure

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Spaten-Franziskaner-Bräu
Marsstraße 46-48
80335 München
www.spatenbraeu.de

Stiftung Warentest hat Craft Beer getestet

Ab und an testet die Stiftung Warentest auch Biere. Aktuell ist ein Test, in dem Craft-Biere unter die Lupe genommen wurden. Im Rahmen dieses Tests wurden jeweils sechs Pale Ales und India Pale Ales sowohl einem sensorischen Test unterzogen als auch im Labor untersucht. Zu diesem Test gibt es eine Pressemitteilung, herausgegeben von der Stiftung Warentest, die ich hier übernehme und anschließend mit einigen wenigen Worten kommentieren möchte. Hier erst einmal die Pressemitteilung:

„Als Craft-Bier gelten hierzulande aromaintensive Biere von experimentierfreudigen Brauern. Aber kann es auch qualitativ überzeugen? Stiftung Warentest untersuchte zwölf Craft-Biere der Sorten India Pale Ale und Pale Ale. Das erfreuliche Ergebnis: acht Biere zeugen von hoher Braukunst und sind gut, fünf schmecken hervorragend.

Craft-Biere sind oft regionale Produkte. Für den Test wählte das Testteam daher exemplarisch 12 Biere aus, die bundesweit stationär oder im Onlinehandel erhältlich sind. Jeweils sechs Biere der typischen Sorten India Pale Ale (kurz IPA) und Pale Ale von Brauereien aus möglichst vielen verschiedenen Bundesländern.

„Für Craft-Bier-Fans ist der Geschmack ein wichtiges Kriterium. Deshalb bestimmt die sensorische Bewertung auch zu 50 Prozent das Gesamturteil“ erklärt Testleiter Dr. Thomas Koppmann. „Damit sich die Aromen optimal entfalten, sind die Biere für die anonyme Verkostung auf 10 bis 12 Grad Celsius temperiert.“ Zehn auf Bier-Sensorik geschulte Prüfpersonen beurteilten zunächst Aussehen und Geruch, anschließend Geschmack und Nachgeschmack. „Der geschmackliche Gesamteindruck sollte harmonisch sein, das Süß-Säure-Verhältnis ausgewogen. Bitternoten sollten nicht nachhängen. Schweflige, käsige und muffige Noten gelten als Fehler“ sagt Lebensmittelchemiker Koppmann.

Im Test fielen nur zwei Biere mit sensorischen Fehlern auf: Das Crew Republic IPA schmeckte unausgewogen harzig und sehr leicht gealtert. Beim Dolden Sud der bayrischen Brauerei Riedenburger Brauhaus bemängelten die Prüfpersonen einen leicht schwefelig-fauligen Geruch sowie Geschmack nach Erbsen aus der Dose.

Eine glatte 1,0 im sensorischen Urteil erreichte das Überseehopfen IPA der Rügener-Inselbrauerei. Mit rund 9 Euro pro Liter ist es allerdings das teuerste Bier im Test. Aber auch günstigere Biere können geschmacklich punkten. Welche Braukunst-Kreationen für Genussmomente sorgen, beantwortet der Craft-Bier-Test in der September-Ausgabe der Zeitschrift test und unter www.test.de/craft-beer.“

Soweit die Pressemitteilung. Ich habe auch noch auf der Website der Stiftung Warentest nachgesehen, wobei mir einige Dinge aufgefallen sind. Zunächst einmal verwendet die Stiftung Warentest die Begriffe „Pale Ale“ und „IPA“ auf der einen Seite synonym mit dem Begriff „Craft Beer“. Auch wenn Pale Ale und IPA für viele Menschen den Einstieg in die Welt der Craft Biere darstellen, ist nicht jedes Pale Ale ein Craft Beer und nicht jedes Craft Beer ist ein Pale Ale oder IPA.

Sollte ich dabei etwas zu pingelig erscheinen tut es mir leid. Schlimmer ist meiner Meinung nach aber die Auswahl der Biere. Da wird das Überseehopfen aus Rambin für gut neun Euro pro Liter mit dem Lidl-Dosenbier für knapp 1,80 Euro pro Liter verglichen. Schon der Preis zeigt hier deutlich, dass es sich um zwei Produkte handelt, die nicht miteinander vergleichbar sind. Auf der einen Seite ein Genussbier und auf der anderen Seite ein Billigbier vom Discounter. Niemand würde auf die Idee kommen, einen Smart im Test mit einem Porsche zu vergleichen.

Als wirklich ärgerlich empfinde ich aber die Einordnung des Crew Republic IPA, die im Test der Stiftung durchgefallen ist, da die Tester ein harziges Aroma festgestellt haben. Ja, was haben die denn erwartet? Crew Republic teilt mit, dass für dieses Bier die Hopfensorten Herkules, Citra, Cascade und Simcoe verwendet wurden. Mit dieser Information ist es einfach, festzustellen, welche Erwartungen an dieses Bier gestellt werden können. Laut Hopfen der Welt, einem der großen Hopfenhändler hat Herkules die Haupteigenschaften würzig und harzig. Simcoe weist das Hauptaroma Kiefer auf, also ebenfalls ein harziges Aroma. Wie ein hopfenbetontes Bier durchfallen kann, nur weil es die Aromen des Hopfens enthält, hat sich mir bislang noch nicht erschlossen. Niemand muss die harzigen Aromen mögen, aber sie machen kein schlechtes Bier aus.

St. Peter’s – India Pale Ale

Die St. Peter’s Brewery, von der das India Pale Ale stammt, das jetzt vor mir auf seine Verkostung wartet, befindet sich in St. Peter South Elmham, einem malerischen Dorf in Suffolk, England. Die Brauerei wurde 1996 von John Murphy gegründet und hat sich seither einen Namen für ihre qualitativ hochwertigen und traditionellen Biere gemacht. Die Brauerei nutzt ein historisches Gebäude aus dem 13. Jahrhundert, was dem Bier eine besondere Aura und Authentizität verleiht.

Das India Pale Ale hat seine Wurzeln der Überlieferung nach im 18. Jahrhundert, als britische Brauer begannen, stärker hopfenbetonte Biere zu brauen, die die lange Seereise nach Indien überstehen konnten. Der höhere Alkoholgehalt und die verstärkte Hopfung trugen zur Haltbarkeit des Bieres bei und gaben ihm seinen charakteristischen bitteren Geschmack. Eigentlich sollte das Bier in Indien wieder auf die normale Stärke verdünnt werden, aber die englischen Soldaten in Indien probierten das Bier in der Form, in der es bei ihnen eingetroffen war. Es schmeckte ihnen so gut, dass sie auf das Verdünnen verzichteten und das Bier weiterhin konzentriert tranken. Das IPA war geboren. Aber genug mit den alten Geschichten, jetzt ist es an der Zeit, dass ich die Flasche öffne, das Glas fülle und mit der Verkostung beginne.

Dunkel orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine sahnige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist für ein IPA nicht sonderlich intensiv. Angenehme Karamelltöne steigen mir in die Nase, gepaart mit einigen Zitrusdüften sowie florale Noten. Abgerundet wird das Aroma durch einen Hauch Harz.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße aus. Die sehr feinperlige Kohlensäure ist leider sehr knapp dosiert. Die Malzsüße bleibt auch auf der Zunge erhalten und es gesellt sich ein Karamellgeschmack dazu. Anschließend kommt auch der Hopfen zum Tragen, allerdings mehr die Aromen der Hopfenöle als die Bittere. Die Bittere kommt erst in der Kehle richtig zum Tragen, dann aber mit Macht. Trotzdem überfordert das Bier den Konsumenten nicht, aber der Geschmack klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5% Vol.

Farbe:

12 EBC

 Brauerei:

St. Peter’s Brewery Co. Ltd
St. Peter’s Hall
St. Peter South Elmham
Bungay
Suffolk NR35 1NQ
Großbritannien
www.stpetersbrewery.co.uk

Maisel & Friends – Sour Power

Sie haben es wieder getan – in jedem Jahr kreieren die Auszubildenden des Abschlussjahrgangs der Brauerei Maisel ein eigenes Bier, das sie von Anfang bis Ende selbst planen. Das reicht von der Entscheidung, welcher Bierstil es sein soll über das Brauen selbst bis hin zum Design der Etiketten und dem Marketing. Lediglich der Genuss des Bieres bleibt den geneigten Konsumenten überlassen. In diesem Jahr haben sich die Auszubildenden für ein Hazy Sauer IPA entschieden, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Im Glas macht das Bier seinem Stil alle Ehre. Selten habe ich ein Bier erlebt, das dermaßen viel Hefe enthielt und dadurch absolut blickdicht ist. Die feinporige Schaumkrone ist nicht allzu voluminös, bleibt aber lange erhalten. Schon die Optik lässt mich auf ein besonderes Bier hoffen.

Ein ganzer Obstsalat steigt mir in die Nase. Ich rieche Düfte nach Ananas, Zitrus, Kokos uns Stachelbeeren. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Beim ersten Kontakt mit meiner Zungenspitze überrascht mich eine angenehme Malzsüße, gepaart mit einer erfrischenden Spritzigkeit. Als sich das Bier auf der Zunge verteilt, kommt die Säure in den Vordergrund und wird absolut dominant. Jetzt schmeckt das Bier fast wie Zitronensaft, frisch und mit einem recht schlanken Mundgefühl, aber außer der Säure ist nicht mehr viel zu schmecken. Außerdem fehlt mir die Bittere, die ich von einem IPA einfach erwarte. Erst in der Kehle kommt eine leichte Bittere zum Vorschein, auch die Fruchtaromen kommen jetzt wieder zum Tragen.

Als IPA hätte ich das Sour Power schon aufgrund der geringen Bitteren nicht erkannt, aber es handelt sich um ein sehr schönes Sommerbier, das den Durst löscht und mit seiner Säure erfrischt. Leider handelt es sich bei diesem Bier um einen Sondersud, für den wie immer gilt: wenn weg, dann weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Comet, Kazbek, Galaxy), Hefe

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Stammwürze:

14,3° Plato

Brauerei:

Brauerei Gebrüder Maisel KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com