Archiv der Kategorie: Biertest

De Dochter van de Korenaar – Charbon Smoked Vanilla stout

Manchmal gibt es Biere, die man trinkt. Und manchmal gibt es Biere, die eher so wirken, als hätte jemand einen gemütlichen Winterabend in flüssige Form gebracht. Das Charbon Smoked Vanilla Stout gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Die belgische Brauerei ist bekannt dafür, gerne mit Fassreifungen, kräftigen Malzkörpern und feinen Spielereien zu arbeiten, ohne dabei in reine Süßwarenabteilung abzurutschen. Genau das verspricht auch dieses Stout: Rauch, Röstmalz und Vanille stehen auf dem Etikett – eine Kombination, die schnell nach Grillmarinade oder Weihnachtsbäckerei klingen kann. Ich hoffe, hier passiert etwas mit mehr Eleganz.

Im Glas präsentiert sich das Bier blickdicht schwarz mit einer cremigen, haselnussbraunem Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Hier haben die Brauer zumindest optisch mal wieder ein Meisterstück abgeliefert.

Das Bier duftet nach Kaffee und dunkler Schokolade. Aus dem Hintergrund kommt ein feines Raucharoma, das aber nicht so kräftig ist, dass es an einen Räucherschinken erinnert. Die Vanille hält sich diskret im Hintergrund und ich kann sie erst entdecken, nachdem ich mehrfach an dem Bier gerochen habe. Dabei müsste sich die Vanille eigentlich nicht verstecken – schließlich kommt sie aus Madagaskar und Réunion, also den Anbaugebieten, die für ihre besonders aromatische Vanille bekannt sind.

Der Antrunk zeichnet sich durch seine stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Karbonisierung aus. Trotz der Süße wirkt das Bier aber nie dessertartig, da die verschiedenen Aromen sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Seine Komplexität beweist das Bier aber erst am Gaumen. Zur Süße kommen die Aromen nach dunkler Schokolade und Lakritz. Auch die Raucharomen kommen jetzt stärker zum Tragen als ich es in der Nase erwartet habe. Dazu kommt jetzt auch die Vanille zum Vorschein, wenn auch etwas schüchtern, denn sie kommt nicht recht aus dem Hintergrund hervor, kann aber die Kanten der anderen Aromen glätten. Für ein Stout ist auch die Bittere überraschend kräftig. Das Mundgefühl ist rund und cremig. In der Kehle legt die Bittere noch etwas zu, während das Bier überraschend trocken wird, und zusammen mit dem Lakritzaroma klingt der Geschmack sehr lange nach.

Ich weiß nicht mehr, von wem ich den folgenden Spruch habe, aber er passt auf das Charbon sehr gut: Wenn Guinness ein dunkler Pub-Abend ist, dann ist Charbon der gleiche Abend – nur draußen am Feuer mit einem Stück Käse und jemand erzählt plötzlich interessante Geschichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz (über Eiche geräuchert) Roggenmalz, Hopfen, Vanille, Hefe

Alkoholgehalt:

7 % Vol.

Bittereinheiten:

46 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Orca Brau – Mata Hari

Kurz gesagt: Mata Hari ist kein historisches Buch und auch kein Spionage-Podcast, sondern ein ziemlich charakterstarkes Bier aus der Berliner Kreativbrauerei Orca Brau. Und der Name ist ziemlich passend gewählt – geheimnisvoll, exotisch und ein bisschen unberechenbar.

Was für ein Bier ist Mata Hari? Es gehört zu den ausgefalleneren Suden der Brauerei. Stilistisch bewegt es sich vermutlich im Bereich moderner Sauer- bzw. Fruchtbiere mit deutlicher Aromaspielerei – typisch für die experimentelle Handschrift der Craft-Szene. Ob meine Erwartung erfüllt wird, will ich jetzt prüfen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

In einem sehr schönen Rotgold und opalisierend fließt das Bier ins Glas. Leider löst sich der Schaum schnell auf, was die Optik doch arg trübt.

Das Bier duftet angenehm nach Karamell und Trockenfrüchten, die an Pflaumen und Feigen erinnern. Mir fällt auf, dass das Aroma für nur 5,2 Volumenprozent Alkohol sehr intensiv ist.

Der Antrunk überrascht mich, da ich bei dem intensiven Aroma eigentlich mehr Süße erwartet hätte. Aber so kommt mir das Bier noch mehr entgegen. Die sehr feinperlige Kohlensäure ist gut dosiert. Am Gaumen steht die Fruchtigkeit im Vordergrund; außerdem stellt sich eine zur Süße passend dosierte Bittere ein. Das Mundgefühl ist samtig. In der Kehle dominiert eine freundliche Bittere und obwohl sie nicht sonderlich kräftig ist, klingt sie lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

52 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Brasserie Fantôme – Fantôme Saison

Die Brasserie Fantôme ist eine kleine, kultige belgische Brauerei aus dem Ort Soy (Gemeinde Érezée) in der französischsprachigen Wallonie, die seit 1988 insbesondere für ihre Saisons und Farmhouse‑Ales bekannt ist. Sie wurde von Braumeister Dany Prignon gegründet und hat sich im Laufe der Jahre einen Ruf für ungewöhnliche, oft sehr charaktervolle Biere erarbeitet.

Fantôme‑Saisons gehören zu jenen Bieren, die sowohl in Belgien als auch international bei Bierliebhabern hohe Beachtung finden, auch wenn sie in der Heimat vergleichsweise selten ausgeschenkt werden. Die Brauerei produziert ihre Biere meist in relativ kleinen Mengen, oft in 750‑Milliliter‑Flaschen mit Korkverschluss, und viele Varianten erscheinen als Einzelsude oder saisonale Spezialitäten, wobei Dany Prignon häufig mit Kräutern, Gewürzen oder ungewöhnlichen Zutaten experimentiert.

Als ich die Flasche öffnen will, erlebe ich meine erste Überraschung: unter dem Kronkorken ist die Flasche auch noch mit einem Naturkorken verschlossen. Um an das Bier heranzukommen, sind daher sowohl ein Flaschenöffner als auch ein Korkenzieher erforderlich. Aber das ist ein lösbares Problem.

Orangefarben und mit kräftiger Hefetrübung fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine weiße Schaumkrone, die anfangs recht flott in sich zusammenfällt, aber ein Rest bleibt sehr lange erhalten.

Das Aroma ist so komplex, dass mir sofort klar wird, dass die Brauer bei der Komposition der Zutaten wohl lange getüftelt haben. Ich rieche Orange und Grapefruit, Ananas und Pfirsich, Biskuitteig und hellen Honig, abgerundet wurde einige würzige Noten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine erstaunliche Süße aus, die ich so nicht erwartet habe. Gleichzeitig sorgt die feinperlige und lebendige Kohlensäure für eine ansprechende Spritzigkeit und Frische. Am Gaumen wird das Bier dann trockener und die Fruchtigkeit steht im Mittelpunkt. Sie ist aber gut mit der Bittere abgestimmt. Der Körper ist vergleichsweise schlank. Ich schätze komplexe und kreative Biere, die aber nicht krampfhaft originell sein wollen. Daher liebe ich dieses Bier. In der Kehle wird die Bittere noch einmal kräftiger und dieser Geschmack klingt sehr lange nach.

Das Fantôme Saison macht seiner Herkunft, der Wallonie, alle Ehre.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brasserie Fantôme
Rue Préal 8
6997 Erezée
Belgien
www.fantome.be

Brauhaus Wiesen – Frühlingsbock

Im Bürgerlichen Brauhaus Wiesen im idyllischen Hochspessart – dort wo grüne Wälder und sanfte Hügel den Horizont prägen – wird seit 1888 Bier gebraut: regional und handwerklich. Die Brauerei nutzt das weiche Wasser des Aubachs und Malz & Hopfen aus dem fränkischen Umland, um eine ganze Palette klassischer und saisonaler Biere zu brauen.

Einer der Stars im Portfolio ist der Wiesener Frühlingsbock – ein saisonaler Bock, der nach rund 12 Wochen Reifung im kühlen Lagerkeller zur Fastenzeit und im Frühling bereit ist, die Biervielfalt des Jahres zu eröffnen und der jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Orangefarben und kristallklar fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine vergleichsweise kleine weiße Schaumkrone, die aber sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier also eine richtig gute Figur.

Düfte nach Karamell, Honig und Trockenpflaumen steigen mir in die Nase, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und spritzig. Die Süße bleibt auch am Gaumen erhalten, dazu kommen die fruchtigen Noten und auch eine deutliche Bittere, die aber noch Platz für die anderen Aromen lässt. Das Mundgefühl ist weich und voll, auch wenn der Alkohol leicht durchschmeckt. Alles in Allem ist der Frühlingsbock aus dem Brauhaus Wiesen ein süffiges Bier. In der Kehle dominiert eine freundliche und nicht zu kräftige Bittere, die sehr lange nachklingt.

Zu diesem Bier kann ich mir einen alten Hartkäse vorstellen, der kräftig genug ist, um neben dem Bier zu bestehen und der gleichzeitig einen charmanten Gegensatz zur Süße dieses Frühlingsbocks bildet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

17,5° Plato

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brauhaus Wiesen
Hauptstr. 97
63831    Wiesen
www.brauhaus-wiesen.de

De Glazen Toren – Jan de Lichte

Witbier ist ein belgischer Weizenbierstil, der traditionell mit Koriandersamen und Orangenschalen gewürzt wird. Es ist hell, naturtrüb, spritzig und lebt weniger von Hopfenbittere als von frischen, würzigen und zitrusartigen Aromen. Und genau hier setzt das Jan de Lichte der belgischen Brauerei De Glazen Toren an – allerdings nicht leise und zurückhaltend, sondern mit ordentlich Charakter.

Golden wie frisches trockenes Weizenstroh und mit einer kräftigen Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine feste schneeweiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

In der Nase stehen frische Zitrusnoten im Mittelpunkt: Banane, Orange, und ein Hauch Zitrone. Abgerundet wird das Aroma durch die Würzigkeit des Korianders. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk überzeugt durch seine stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge zeigt sich, dass Süße, Säure und Bittere gut ausbalanciert sind. Auch jetzt stehen die fruchtigen Aromen im Mittelpunkt, während die würzigen Noten des Korianders und der Orangenzesten erst langsam zum Tragen kommen. Da die sieben Volumenprozent Alkohol gut eingearbeitet sind, ergibt sich ein samtiges Mundgefühl. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere dominiert gemeinsam mit der Fruchtigkeit. Obwohl sie durchaus dezent bleiben, klingen sie sehr lange nach.

Jan de Lichte verbindet die typische Frische eines Witbiers mit der Intensität eines starken belgischen Ales. Ideal zu leichten Fischgerichten, Ziegenkäse oder einfach als Solist an einem warmen Abend, wenn man dem Glas gern etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Brouwerij de Glazen Toren
Glazentorenweg 11
9420 Erpe-Mere
Belgien
www.glazentoren.be

Schäffler – Weizen

Mitten im malerischen Allgäu, im kleinen Ort Missen-Wilhams, befindet sich die Schäffler Bräu – eine echte bayerische Familienbrauerei, die seit 1868 in Betrieb ist und heute in der 6. Generation von Sebastian, Nadine und Florian Graßl geführt wird. Was die Schäffler Bräu so sympathisch macht? Hier treffen tiefe Tradition und frische Ideen aufeinander: Alt eingesessene Braukunst wird mit Offenheit für Neues kombiniert – nach dem Motto „Tradition meets Zukunft“.

Die Brauerei ist nicht nur ein Ort der Bierherstellung, sondern auch ein Stück Dorfleben im Allgäu. Mit einem angeschlossenen Brauereigasthof kann man hier nicht nur das eigene Bier genießen, sondern auch gemütlich essen und regionale Gastfreundschaft erleben.

Im Sortiment stehen klassische bayerische Bierstile wie Allgäuer Hell, Zwickl (naturtrüb), Weizen oder saisonale Spezialitäten – und sogar ein frisch gehopftes Grünhopfenbier, bei dem der Hopfen direkt vom Feld in den Sud geht. Jetzt steht aber das Weizenbier vor mir.

Beim Eingießen zeigt sich das Schäffler Bräu Weizen in einem einladenden, bernstein- bis honiggelben Ton, hefetrüb und mit einer festen Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch ist an diesem Bier schon mal nichts auszusetzen.

Das Aroma des Weizenbiers von Schäffler ist stiltypisch: Düfte nach Banane und Nelke steigen mir in die Nase, abgerundet durch den Teigduft der Hefe. Da bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch und spritzig mit einer verhaltenen Süße. Auf der Zunge treten Frucht und Hefe gemeinsam in den Vordergrund, so dass das Bier mich beinahe an Bananenbrot erinnert. Die Bittere hält sich stiltypisch im Hintergrund, dafür betritt jetzt ein angenehmer Karamellgeschmack die Bühne. Das Mundgefühl ist weich und das Bier ist ungeheuer süffig. In der Kehle wird die Bittere überraschend kräftiger und sie klingt sehr lange nach.

Ich sage es ja nicht gerne, aber das Schäffler Weizen ist eines der besten Weizenbiere, die ich bislang getrunken habe.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Schäffler-Bräu
Hauptstraße 17
87547 Missen
https://schaeffler-braeu.de/

Brasserie Minne – Ardenne Stout

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Brasserie Minne im wallonischen Somme Leuze vor mir. Bislang haben mir alle Biere dieser Brauerei sehr gut gefallen, so dass ich auch jetzt auf eine angenehme Verkostung hoffe. Öffne ich also die Flasche.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine feinporige haselnussbraune Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Schon optisch macht das Bier klar, dass es ernst meint.

Das Aroma ist eindeutig malzbetont. Ich rieche dunkle Schokolade und Kaffee, frisch geröstetes Malz und Kandis. Dazu kommt noch ein Hauch Lakritz. Wenn das Bier so schmeckt wie es riecht, kann es mich nur begeistern.

Der Antrunk zeichnet sich durcheine stiltypische Süße aus, während die reichlich dosierte feinperlige Kohlensäure für eine angenehme Frische sorgt. Am Gaumen geht die Süße zurück und die Röstaromen kommen in den Vordergrund. Sie bringen eine angenehme Bittere mit, die sehr schön mit den Schokoladen- und Kaffeearomen spielt. Das Mundgefühl ist überraschend schlank, dabei aber weich bis cremig. Wie ich es bei einem Stout erwarte, bleibt der Hopfen diskret im Hintergrund und liefert lediglich eine leichte herbe Note, die dem Bier seine Tiefe verleiht. Erst in der Kehle kommt die Bittere richtig hervor und sorgt für einen recht langen Nachklang

Das Ardenne Stout von der Brasserie Minne ist ein klassisches, handwerklich gebrautes Stout, das weniger auf Wucht als auf Balance setzt. Ideal für ruhige Abende, zu reifen Hartkäsen, Karamellpudding oder einfach pur, wenn man Lust auf ein unaufgeregtes, stiltreues dunkles Bier hat.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Invertzucker, Hopfen (Mosaic, Belgian Golding und Hallertau), Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

60 IBU

Brauerei:

Brasserie Minne
ZA Nord Bailonville 9
5377 Somme Leuze
Belgien
www.brasserieminne.be

Roman – Adriaen Brouwer Oaked Winter Edition

Draußen liegt der Schnee, ich sitze im Warmen und vor mir steht ein Belgian Strong Ale mit 10 Volumenprozent Alkohol, im Eichenfass gereift und als Winter Edition gekennzeichnet. Die Fässer waren vorher mit Sherry und Whisky belegt.

Hinter dem Adriaen Brouwer Oaked steht die Brouwerij Roman, eine der traditionsreichsten Brauereien Belgiens. Sie wurde bereits 1545 in Mater (in der Nähe von Oudenaarde, Belgien) gegründet und gilt als älteste durchgängig familiengeführte Brauerei des Landes. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich Brouwerij Roman vom regionalen Produzenten klassischer Braustile zu einer Brauerei mit einer vielfältigen Palette an Spezialbieren entwickelt. Heute umfasst das Sortiment unter anderem traditionelle belgische Stile wie Tripel, Dubbel und Abteibiere, aber auch moderne Interpretationen und saisonale Spezialitäten wie das Adriaen Brouwer Oaked.

Was will ich mehr? Beginne ich also mit der Verkostung.

Rubinrot und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine beige feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Besser kann das Bier nicht aussehen.

In der Nase sind Aromen nach Holz, Rosinen und Schokolade präsent, unterstützt durch würzige Noten, die an frisch gemahlenen Pfeffer erinnern. Auch die Süße des Malzes kommt mit dem Duft nach Karamell zum Tragen. Die deutliche Alkoholnote stört nicht, sondern unterstützt die anderen Aromen angenehm.

Beim ersten Kontakt des Bieres mit der Zunge dominieren eine angenehme Malzsüße sowie eine sehr feinperlige und trotzdem kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge wird die Süße noch kräftiger und jetzt kann ich auch den Geschmack von Kandis feststellen, der gut mit den an Trockenfrüchte erinnernden Aromen und dem Holzton zusammenpasst. Säure kann ich nicht feststellen, auch die Bittere ist sehr zurückhaltend. Insgesamt entsteht ein samtiges Mundgefühl. Auch wenn die Bittere in der Kehle etwas kräftiger wird, bleibt sie doch zurückhaltend. Der Alkohol wärmt im Magen. Leider klingt der Geschmack nicht allzu lange nach.

Das Bier eignet sich gut als Genuss zum Dessert oder zu kräftigem Käse. Auch allein am Kamin kann ich es mit in der Winterzeit vorstellen.

Das Adriaen Brouwer Oaked Winter Edition ist mehr als nur ein Winterbier – es ist ein komplexer, kraftvoller Ausdruck belgischer Braukunst, der Tradition und kreatives Fass‑Aging vereint. Und hinter ihm steht mit Brouwerij Roman eine Brauerei mit fast fünf Jahrhunderten Geschichte, die bis heute klassische Werte und moderne Bierkultur gleichermaßen hochhält.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Gerste, Karamell Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

 10 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brouwerij Roman
Hauwaart 105
9700 Oudenaarde
Belgien
www.romanshop.be

Brasserie de la Senne – Schieve X-MAS

Die Brasserie de la Senne ist eine belgische Kleinbrauerei aus Brüssel (Molenbeek-Saint-Jean), gegründet 2003 von Yvan De Baets und Bernard Leboucq. Sie ist nach dem Fluss Senne benannt und hat sich einen Namen gemacht mit charaktervollen, unfiltrierten Ales, die traditionell gebraut werden und sich durch eine ausgewogene Bitterkeit auszeichnen. Die Biere werden ohne Pasteurisierung und Zusätze hergestellt und zeigen ein klares Profil, oft mit malzigen und hopfigen Noten, statt übertrieben süßlicher oder stark gewürzter Weihnachtsstile. Jetzt steht das Schieve X-MAS vor mir. Dabei handelt es sich um ein saisonal angebotenes Winter Ale bzw. ein Belgian Strong Ale mit 8 Volumenprozent Alkohol. Es ist ein Weihnachts- bzw. Winterbier, das sich von klassischen stark gewürzten Festbieren abhebt, da es ohne zusätzliche Gewürze oder Früchte gebraut wird. Allein das macht mich neugierig. Daher öffne ich jetzt die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Dunkel bernsteinfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine cremige beige Schaumkrone, die sehr lange stabil bleibt.

Das Aroma des Bieres ist angenehm und ausgewogen. Ich rieche Biskuit und Karamell, Banane und einen Hauch Zitrusfrüchte. Trotz seines Festbierstils ist das Bouquet eher dezent und ausgewogen, ohne dominierende Gewürz- oder Zuckeraromen.

Der Antrunk ist recht süß, aber durch die reichliche Karbonisierung durchaus spritzig. Auf der Zunge verhält sich das Bier, wie ich es von einem belgischen Winter- bzw. Weihnachtsbier erwarte: das Mundgefühl ist samtig, dabei wirkt das Bier schwer und enthält nur wenige Bitterstoffe. Der Geschmack ist intensiv und malzbetont, aber auch die Fruchtnuancen nach Bitterorange und Mandarine kommen zum Tragen. Etwas Lakritzgeschmack sorgt für die nötige Komplexität. Auch wenn ich sonst den Geschmack mit verbrauter Gewürze mag, empfinde ich es in diesem Fall als angenehm, dass die Brauer in diesem Fall keine Gewürze verwendet haben. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere legt etwas zu und sie klingt sehr lange nach.

Zu diesem Bier passen winterlich-kräftige Speisen wie Gänsebraten und Wildgerichte, aber auch Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und selbstverständlich Lübecker Marzipan.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, vergorener Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be

Hoppen un Molt – Pale Ale

Hoppen un Molt ist eine kleine, unabhängige Brauerei, die im Rostocker Ortsteil Warnemünde beheimatet ist, und die sich klar der handwerklichen Braukultur verschrieben hat. Der Name ist plattdeutsch und steht ganz bewusst für das, worum es der Brauerei geht: Hopfen und Malz, ohne Schnickschnack, dafür mit viel Charakter. Die Biere sind meist unfiltriert, nicht pasteurisiert und klar am Stil orientiert, ohne dabei beliebig zu wirken. Jetzt will ich das Pale Ale der Warnemünder Brauer verkosten.

Hell Golden und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine voluminöse feinporige Schaumkrone aus, die sich lange hält. Optisch ist das Bier 1A.

In der Nase stehen stiltypisch die frischen Hopfenaromen im Vordergrund. Zitrusnoten wie Grapefruit und Limette steigen mir in die Nase, abgerundet durch den Duft der Hefe, so dass beinahe der Duft nach Biskuitteig entsteht. Aber auch der Malzkörper kommt aus dem Hintergrund zur Geltung.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine mäßige Süße sowie eine reichliche und kräftige Karbonisierung aus. Auf der Zunge zeigt sich eine überraschend kräftige und dabei freundliche Bittere, die aber der Fruchtigkeit die Pole Position überlässt. Bei aller Intensität bleibt das Mundgefühl schlank. In der Kehle wird das Bier trockener und sowohl Bittere als auch Fruchtigkeit klingen lange nach.

Das Pale Ale von Hoppen un Molt ist ein stilsicheres, ehrliches Pale Ale mit norddeutschem Charakter. Es eignet sich sowohl als Einstieg in hopfenbetonte Biere als auch als verlässlicher Begleiter für alle, die ausgewogene Craftbiere schätzen – pur, zum Grillen oder zu unkomplizierten Speisen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,5° P

Bittereinheiten: 

27 IBU

Farbe:

6 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 10° Celsius

Brauerei:

Hoppen un Molt
Alexandrinenstraße 49
18119 Rostock-Warnemünde
https://hoppen-molt.de/