Archiv der Kategorie: Biertest

Friedensreiter Bräu – Helles

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wurden die Friedensverhandlungen an zwei Orten geführt – in Münster und Osnabrück. Um die Verhandlungen koordinieren zu können, wurde eine historische Nachrichtenverbindung eingerichtet. Die 170 Kilometer zwischen den beiden Städten überbrückten die sogenannten „Friedensreiter“, welche die Botschaften und Depeschen zwischen den beiden Städten überbrachten. Die Verhandlungen führten letztendlich zum Westfälischen Friede von 1648. Heute erinnert die Friedensroute, ein 170 km langer Radweg zwischen Münster und Osnabrück, noch an diese Verhandlungen und die in Steinfurt beheimatete Brauerei Nudge hat in Erinnerung an die historischen Friedensverhandlungen die Marke Friedensreiter Bräu aus der Taufe gehoben. Unter dieser Marke produziert die Brauerei drei Biere – das Helle, das Dunkle sowie ein Pale Ale. Wilhelm, der Braumeister, war auf dem Hopfenfest in Essen vor Ort und hat mir sowohl das Helle und das Dunkle mitgebracht; das Pale Ale stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Abfüllung, so dass ich dieses Bier erst zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen kann. Jetzt geht es aber erst einmal um das Helle.

Intensiv goldgelb galoppiert der Friedensreiter ins Glas. Dabei bildet er eine durchschnittlich große und größtenteils feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Die Optik gefällt mir schon mal. Ein Helles wie gemalt.

Der Malzkörper dominiert das Aroma. Es ist leicht süßlich, bringt aber auch einige würzige Noten mit. Damit ist es stiltypisch.

Der Antrunk ist minimal süß. Dabei ist die feinperlige Kohlensäure recht knapp dosiert. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Aber das ist ja Geschmackssache. Auf der Zunge entwickelt sich eine erstaunliche Würzigkeit mit einem leichten Bitter, das auch eine geringe Säure mitbringt. Damit wird der Friedensreiter wunderbar süffig. Obwohl der Abgang wirklich mild ist, klingt er doch lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,5° Plato

Bittereinheiten:

24 IBU

Brauerei:

Nudge GmbH
Altenberger Str. 38
48565 Steinfurt
www.friedensreiterbraeu.de

Żywiec Sesyjne IPA

Żywiec wurde im Jahr 1308 als katholische Pfarrei gegründet. Heute hat die schlesische Stadt etwa 30.000 Einwohner und ist außerhalb von Polen vor Allem wegen der dortigen Stadtbrauerei bekannt, aus der auch das Żywiec Sesyjne IPA stammt, das jetzt vor mir steht.

Golden und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas, darüber recht viel sahniger Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik des Bieres ist durchaus ansprechend.

Das Aroma ist fruchtig. Düfte nach Grapefruit, Zitronenschale und Ananas steigen mir in die Nase.

Der Antrunk hält im Wesentlichen, was das Aroma versprochen hat. Die Aromen spiegeln sich auf der Zunge wider, die Süße ist zurückhaltend. Ich würde mir aber etwas mehr Kohlensäure wünschen, die für zusätzliche Spritzigkeit und Frische sorgen würde. Schnell kommt ein leichtes Bitter dazu. Offensichtlich ist das Żywiec Sesyjne ein IPA für Einsteiger. Das ändert sich auch im Abgang nicht, der sehr mild und wenig bitter ist und nur kurz nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Brauerei:

Cieszyn
ul. Dojazdowa 2
43-400 Śląskie
www.grupazywiec.pl/

Erlbräu – Erlkönig Hell

Das Helle ist ein traditioneller Bierstil aus Bayern. Typisch für ein Helles ist, dass es recht sparsam gehopft ist, weshalb es nur gering bitter ist, so um die 16 bis 22 IBU. Ich stehe diesem Bierstil eher kritisch gegenüber, da das Helle recht langweilig werden kann, wenn die Malze nicht sorgfältig ausgewählt und dosiert wurden. Ein gutes Helles kann mich wirklich begeistern, aber es gibt doch viele Helle, die eher langweilig sind. Beim Erlkönig muss ich aber wohl keine Befürchtungen haben, wurde dieses Bier doch bereits 2014 mit dem Superior Taste Award und ein Jahr später mit dem Craft Beer Award ausgezeichnet. Außerdem ist das Bier mit Naturhopfen gebraut, was mich vermuten lässt, dass die Brauerei sich bei der Ausarbeitung des Rezepts für dieses Bier einige Mühe gegeben haben. Jetzt aber genug der Spekulationen, ich öffne jetzt das Bier.

Goldgelb und glänzend präsentiert sich das Bier, darüber eine leicht überdurchschnittlich voluminöse feinporige Schaumkrone, die nur langsam in sich zusammenfällt. Gut gefällt mir auch die sehr aktive Kohlensäure.

Im Aroma ist das Malz nicht ganz so dominant wie bei vielen anderen Hellen. Auch wenn das Karamell eindeutig im Vordergrund steht, kommen doch auch deutliche würzige Noten zum Vorschein. Jetzt bekomme ich bereits eine Ahnung davon, weshalb das Erlkönig Hell mehrfach ausgezeichnet wurde.

Der Antrunk besticht durch eine angenehme Süße, die durch eine leichte Säure unterstützt wird. Das Ganze ist gut mit der Menge der Kohlensäure ausgewogen, so dass das Bier bei mir einen immer besseren Eindruck hinterlässt. Im Mund ist das Bier intensiv und vollmundig und erste leichte Anklänge von Bitter melden sich. Der Abgang ist ein angenehmes leichtes Bitter, das auf den Körper hervorragend abgestimmt ist.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde an diesem Bier wirklich nichts auszusetzen. Ein echtes Meisterwerk bajuwarischer Braukunst.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Landbrauerei Ludwig Erl
94333 Geiselhöring
www.erl-braeu.de

Obama

Das Etikett dieses American Pale Ale ist schon auffällig. Ein Bier mit dem Namen und Bild des ehemaligen amerikanischen Präsidenten fällt im Regal auf. Da stellt sich mir die Frage, auf was für ein Bier wohl ein Etikett mit Angela Merkel kommen würde. Wobei – für ein Etikett mit Donald Trump würden mir schon einige Billigbiere einfallen. Aber egal – kommen wir zum Obama.

Rotgolden und hefetrüb fließt Obama ins Glas. Dabei entwickelt er eine durchschnittliche Menge feinporigen Schaum, der lange erhalten bleibt.

Auch das Aroma ist sehr angenehm. Düfte nach Grapefruit, Ananas und Waldhonig steigen mir in die Nase.

Der erste Kontakt mit der Zunge ist überraschend süß. Für meinen Geschmack ist die sehr feinperlige Kohlensäure recht knapp dosiert. Schnell kommt ein angenehmes kräftiges Bitter dazu, während sich die Aromen auf der Zunge widerspiegeln. Der Abgang wird durch ein freundliches Bitter mit langem Nachklang dominiert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haferflocken, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol

Brauerei:

Indslev Bryggeri A/S
Store Landevej 13
5580 Nr. Åby
Schweden

Klüvers – Röker

Lange Zeit war das Rauchbier beinahe ausgestorben. Lediglich einige Brauereien in Bamberg hielten die Fahne dieses Traditionsbieres noch hoch. Erst mit dem Aufkommen der Craft Beer-Brauer kamen neue Rauchbiere auf den Markt. So auch das Röker aus Klüvers Delikatessen Manufaktur in Neustadt/Holstein, das jetzt vor mir steht. Die Brauerei beschreibt das Bier wie folgt: „Während des Mälzens wird das Malz abschliessend über Buchenrauch auf der Darre getrocknet. Dadurch nimmt das Malz die Aromen und den Geschmack des rauchenden Buchenholzes auf und verleiht dem Klüvers Röker so seinen interessanten Charakter. Nach unserer Rezeptur verwenden wir 40% dieses Rauch-Malzes.“ Dann wollen wir doch mal sehen, ob die Nordlichter auch das Rauchbier brauen können.

Dunkel-Bernsteinfarben ist es, das Klüvers Röker mit einer schönen Schaumkrone, feinporig und weiß mit einem leichten Stich ins Gelbe, die nur langsam in sich zusammenfällt. Optisch macht das Bier schon mal einen sehr guten Eindruck.

Das Aroma wird durch das Malz dominiert. Das Bier duftet nach Karamell und der Duft nach Rauch ist recht zurückhaltend, nicht so intensiv wie bei den meisten Rauchbieren aus Bamberg. Unterstützt werden die Duftnoten durch das Aroma von Kräutern.

Die Malzsüße ist hervorragend auf die Menge der sehr feinperligen Kohlensäure abgestimmt. Der Körper ist vollmundig und jetzt wird auch der Rauchgeschmack etwas kräftiger als ich vom Duft her erwartet habe. Auch der Abgang ist leicht rauchig mit einem dezenten Bitter. Der Geschmack klingt noch sehr lange nach.

In diesem holsteiner Original treffen die Tradition aus Bamberg und die norddeutsche Braukunst zusammen. Und sie verstehen sich hervorragend.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Buchenrauchgerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Brauerei:

Klüvers Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.kluevers.com

BierSelect

Tuatara – Amarillo

Tuatara ist das maorische Wort für die einzigartige Brückenkopfechse, welche es nur in Neuseeland gibt. Das besondere, ist deren dritten Auge auf dem Kopf. Es ist kein richtiges Auge, wie wir es haben. Mehr so eine Art „Sensor“, um Licht und Schatten zu erkennen. Tuatara ist aber auch der Name der größten Craft Beer-Brauerei in Neuseeland. Und deren Flaschen sehen einmalig aus. Der Flaschenhals hat Schuppen wie eine Echse: Mehr zur Brauerei findet ihr hier. Tuatara ist bekannt für betont hopfige Biere. Dafür verwenden sie Hopfen aus Neuseeland und aus den USA.

Beinahe blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittliche feinporige Schaumkrone, die recht lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet intensiv nach dunkler Schokolade, die durch einen Hauch Espresso unterstützt wird.

Wider Erwarten ist der Antrunk nicht süß, sondern im Gegenteil recht trocken und durch die reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure sogar frisch. Zur Frische kommt schnell der Geschmack nach Schokolade und auch der Espressogeschmack ist überraschend kräftig. Dabei enthält das Bier erstaunlich wenige Bitterstoffe. Der Espressogeschmack wird im Abgang noch stärker und er klingt lange nach.

Eine Anmerkung zum Abschluss: als ich das Bier gekauft habe, war es bereits kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Aromen des Hopfens hatten sich vermutlich bereits weitgehend abgebaut. Dadurch hat sich der Charakter des Bieres verändert. Als ich das Tuatara Amarillo schon einmal getrunken habe, hatte ich deutliche fruchtige Aromen in der Nase. Aber auch durch die längere Lagerung ist das Bier nicht schlechter geworden, nur anders. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass dieses Bier auch überlagert noch begeistern kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (NZ Ale, NZ Medium Crystal, NZ Dark Crystal, Schokoladenmalz), Hopfen (Goldings, Chinook, Motueka, Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

5 % Vol.

Bittereinheiten:

33 IBU

Brauerei:

Tuatara Brewing Co.
7 Sheffield Street
Paraparaumu 5254
Neuseeland
www.tuatarabrewing.co.nz

Ratsherrn – Lager

Nun will ich endlich mal wieder ein Bier aus den Schanzenhöfen in Hamburg verkosten. Von dort kommen ja recht viele Biere und heute steht vor mir die neueste Kreation der Ratsherrn-Brauer, das Lager. Das Wortspiel, dass das Lager aus der Lagerstraße kommt, spare ich mir an dieser Stelle. Eher möchte ich erst noch eine Bemerkung zu den Lagerbieren loswerden. Bei Lager habe ich schon so ziemlich alles erlebt – von einem blassen langweiligen Industriebier ohne echten Geschmack über rote Lager bis hin zu wirklich dunklen Bieren, von kristallklar bis kräftig hefetrüb – alles war dabei. Irgendwie weiß ich vor dem Trinken nicht, ob dieses Bier ein Genuss wird oder nicht. Ich weiß immer nicht, was mich erwartet. Aber bei den Bieren aus dem Schanzenviertel bin ich mir doch recht sicher, dass ich das Bier genießen kann. Gleich werde ich es genau wissen.

Cognacfarben zeigt sich das Bier im Glas. Dazu viel cremiger Schaum, der sich nur langsam auflöst. Was ich merkwürdig finde ist, dass ich keinerlei Kohlensäure sehen kann.

Das Aroma ist durch das Malz geprägt, unterstützt durch einen leichten Duft nach Birnen. Der Antrunk ist recht süß und jetzt stelle ich auch fest, dass das Bier eine sehr feinperlige Kohlensäure enthält, so stark in das Bier eingebunden, dass sie optisch nicht festzustellen war. Leider ist nur sehr wenig Kohlensäure im Bier. Mit mehr Kohlensäure wäre das Bier sicher noch spritziger. Aber dann kommt der Geschmack des Hopfens zu seinem Recht. Der Körper ist wuchtig, voll und rund. Süße, Bitter und Säure sind gut ausgewogen. Der Abgang ist dann angenehm bitter und der Geschmack klingt mittellang nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Bittereinheiten:

22 IBU

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
20357 Hamburg
www.ratsherrn.de

BierSelect

Hoegaarden – Wit Blanche

AB InBev ist für viele Bierliebhaber die Hassfigur. Teilweise kann ich das auch verstehen. Insbesondere wenn dieses Unternehmen eine große Brauerei aufgekauft hat, soll die Qualität der Biere wohl gesunken sein. Ich erinnere mich an einen Fernsehbericht, in dem mehrere ehemalige Betriebsräte von Becks erklärt haben, dass das Hopfenaroma des in Bremen hergestellten Bieres im Gegensatz zu früher heute kaum noch wahrnehmbar sei. Aber das ist nicht immer so bei AB InBev. Beispiele dafür sind Leffe und Hoegaarden, beides belgische Brauereien, die zum Konzern AB InBev gehören und deren Erzeugnisse in fast keinem guten Craft Beer-Laden fehlen. Jetzt steht das Hoegaarden Wit Blanche vor mir, ein Witbier und das Flaggschiff der Brauerei in der gleichnamigen Gemeinde im flämischen Teil von Belgien.

Obwohl die Brauerei Hoegaarden erst im Jahr 1966 gegründet wurde, hat sie bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. 1969 brachte er dann das Hoegaarden Grand Cru auf den Markt. Mit diesem Bier war er so erfolgreich, dass er 1978 die Wasser- und Limonadenfabrik De Kluis dazukaufte und sie zur Brauerei De Kluis umbaute. Die Brauerei brannte 1985 ab und wurde unter dem heute gültigen Brauereinamen neu aufgebaut. An der Finanzierung des Wiederaufbaus beteiligte sich die Brauerei Stella Artois, die sich dafür 45 % der Geschäftsanteile sicherte und 1988 von InBev übernommen wurde. Später übernahm InBev auch die restlichen Anteile der Brauerei vom Firmengründer. So, jetzt ist aber genug der trockenen Theorie, kommen wir endlich zum Bier.

Hell Golden und kräftig hefetrüb steht das Bier im Glas. Die gemischtporige Schaumkrone ist durchschnittlich, sowohl was das Volumen als auch was die Standzeit angeht. Die Optik ist nicht berauschend, aber durchaus ansprechend.

Das Aroma ist fruchtig und die Orangenschalen wie auch der Koriander, die in einem belgischen Witbier mit verbraut werden, stechen mir kräftig in die Nase, unterstützt vom bananigen Duft des Weizens. Dabei ist das Aroma durchaus herb, so dass ich ein eher trockenes Bier erwarte.

Der Antrunk ist überraschend süß, zumindest im Vergleich zum Aroma dieses Biers. Aber bereits auf der Zungenspitze kündigt sich die Fruchtigkeit dieses Bieres an. Auf der Zunge zeigt sich dann die Frische der aromatischen Hopfensorten. Hier spiegelt sich das Aroma aus Zitrusfrüchten und Hopfen am Gaumen wider, aber nicht zu aufdringlich. Im Zusammenspiel mit den Aromen aus Orangenschalen und Koriander hinterlässt das Bier einen einzigartigen Genuss. Der Abgang ist nur leicht bitter; trotzdem klingt er lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Zucker, Koriander, natürliche Orangenschale, Kohlensäure

Alkoholgehalt:

4,9 %

Bittereinheiten:

15 IBU

Brauerei:

Bev Belgium nv/sa
Stoopkenstraat 46
3320 Hoegaarden
Belgien
www.hoegaarden.com

Labieratorium – Schwarze Pumpe

Die Biernation Deutschland hat eine sehr lange Brautradition und zählt nach wie vor zu den großen Biernationen der Welt. Wühlt man in den uralten Aufzeichnungen der Stadt Cottbus, so stößt man u.a. auf die Erkenntnis, dass auch hier bereits im Jahre 1385 Bier gebraut wurde. Doch im Zuge der Industrialisierung und der Tatsache, dass die Großkonzerne den kleinen Brauereien das Leben immer schwerer machten, war irgendwann dann auch in Cottbus Schluss mit dem „Bierbrauen“.

Dies will Biersommelier und Brauer Olaf Wirths mit seinem Team vom LaBieratorium wieder ändern. Ihr Antrieb ist neben der Überzeugung leckeres Bier kreieren, vor allem der Wunsch, in Cottbus endlich wieder Bier zu brauen und diese lange Tradition zurück in diese wunderschöne Stadt zu bringen. Zunächst waren Olaf Wirths und sein Team als Gypsy-Brauer unterwegs und nutzten dabei die freien Kapazitäten anderer, mittelständischer Brauereien, um dort ihre Biere herzustellen. Seit Juli 2017 brauen sie in Cottbus in eigener Brauerei.

Mit dem LaBieratorium haben Sie sich eine Welt geschaffen, in welcher Sie Ihrer Kreativität, Ihrem Wissen zum Genussmittel Bier und Ihrer Liebe zur Arbeit freien Lauf lassen können. Ihr Ansatz ist dabei, dass Sie unter der Berücksichtigung der historischen Wurzeln der Bierherstellung versuchen, teils vergessene Bierstile wieder zum Leben zu erwecken oder zeitgemäß und modern zu interpretieren. Dabei entsteht Bier mit Charakter, Bier mit Ecken und Kanten aber vor allem Bier, welches mit viel Leidenschaft und Herzblut gebraut wurde. Alle Biere vom LaBieratorium werden mit wertvollen Zutaten, handwerklich sowie zuverlässig gebraut und sind dabei stets in gleichbleibender und hoher Qualität wiederzufinden.

Die Schwarze Pumpe trägt ihren Namen zu Recht. Das Bier ist wirklich blickdicht schwarz mit viel hellbraunem cremigem Schaum, der lange erhalten bleibt. Wow, was für eine Optik.

Düfte nach Schokolade und Espresso steigen mir in die Nase, unterstützt durch Noten nach Lakritze und roten Beeren. Ich meine auch, ein leichtes Raucharoma festzustellen. So soll ein Porter sein.

Der Antrunk ist recht süß, er wird aber durch sehr viel sehr feinperlige Kohlensäure angenehm gemacht. Schnell kommt ein ordentliches Bitter dazu und der Geschmack nach Schokolade bildet sich auf der Zunge. Das Mundgefühl ist weich und rund, fast cremig. Im Abgang kommt der Geschmack nach Espresso zum Vorschein und das Bitter lässt nach. Während des langen Nachklangs kommt auch der Geschmack nach Lakritze hervor.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Karamellmalz Rot, Röstmalz), Weizenmalz, Hopfen (ADHA-527, Northern Brewer), Hefe

Alkoholgehalt:

6,6 % Vol.

Stammwürze:

15,9° Plato

Bittereinheiten:

45 IBU

Brauerei:

LaBieratorium GmbH
Finsterwalder Straße 41a
03048 Cottbus
www.labieratorium.de

Schnaitl – Stille Nacht

Ups, jetzt geht bald der Sommer zu Ende und was finde ich in einer hinteren Ecke meines Kühlschranks? Ein österreichisches Weihnachtsbier. Kurz hatte ich überlegt, es bis zur diesjährigen Vorweihnachtszeit stehenzulassen, aber das wäre dann wohl doch zu frech. Daher habe ich das Bier jetzt verkostet.

Die Stille Nacht hat zwei Besonderheiten: Es gibt dieses Weihnachtsbier das gesamte Jahr über, derzeit allerdings nur im Rampenverkauf der Brauerei sowie bei einem Versandhändler. In den Handel kommt es nur in der Vorweihnachtszeit. Selten ist es, dass eine Brauerei für ein Bier eine spezielle Website einrichtet. Hier ist es aber der Fall. Unter www.stillenachtbier.at beschreibt die Brauerei Schnaitl die Stille Nacht und gibt auch an, wo es das Bier gibt.

So beschreibt die Brauerei das Bier: „Mit dem »Stille-Nacht-Festbier« würdigt die Privatbrauerei Schnaitl aus Gundertshausen das berühmteste Weihnachtslied der Welt in ganz besonderer Weise: „Fast jeder singt in der Familie gerne ‚Stille Nacht, heilige Nacht‘. Dass das Lied in unserer Nachbarschaft komponiert wurde, war ein Grund mehr für uns, es mit einer eigenen Bierkomposition zu ehren“, so Brauerei-Chef Matthias Schnaitl IV. Gebraut und abgefüllt zur Weihnachtszeit passt das mahagonifarbene „Stille-Nacht-Festbier“ mit rubinrotem Schein und elfenbeinfarbenem Schaum ideal zu einem entspannenden Ausklang eines Adventtages, als Begleiter zum Weihnachtsessen mit der Familie oder zu weihnachtlichen Bäckereien. Das untergärige Spezialbier mit einer Stammwürze von 14,5° Plato und einem Alkoholgehalt von 6,3 % vol besticht durch seinen karamellmalzigen und toffee- sowie bitterschokoladigen Geschmack und einem vollendet wärmenden zartbitteren Abgang.“ Mal sehen, ob mir das Bier auch so gefällt wie der Brauerei.

Dunkel bernsteinfarben fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittliche Menge hellbrauner cremiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Röststoffe dominieren das Aroma. Düfte nach Karamell und Kaffee steigen mir in die Nase, unterstützt durch den Duft nach Trockenbananen. Die Optik und das Aroma gefallen mir schon mal.

Der Antrunk ist süß mit sehr viel feinperliger Kohlensäure. Auf der Zunge kommen auch die Röststoffe zum Tragen und halten sich mit der Süße die Waage. Ich schmecke Karamell und dunkle Schokolade. Das Bier ist schwer, kräftig und rund. Der Abgang ist mild, der Geschmack nach Schokolade lässt langsam nach, bis nur noch die lange nachklingenden Bitterstoffe bleiben.

Ich weiß zwar, dass die österreichischen Brauereien gute Biere liefern, aber die Stille Nacht hätte ich denen nicht zugetraut. Dieses Bier hat die Qualität eines belgischen Weihnachtsbiers.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Stammwürze:

14,5° Plato

Bittereinheiten:

29 IBU

Brauerei:

Brauerei Schnaitl GmbH & Co. KG
Gundertshausen 9
5142 Eggelsberg
Österreich
www.schnaitl.at