Archiv des Autors: Mathias

Brasserie Minne – Ardenne Stout

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Brasserie Minne im wallonischen Somme Leuze vor mir. Bislang haben mir alle Biere dieser Brauerei sehr gut gefallen, so dass ich auch jetzt auf eine angenehme Verkostung hoffe. Öffne ich also die Flasche.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine feinporige haselnussbraune Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Schon optisch macht das Bier klar, dass es ernst meint.

Das Aroma ist eindeutig malzbetont. Ich rieche dunkle Schokolade und Kaffee, frisch geröstetes Malz und Kandis. Dazu kommt noch ein Hauch Lakritz. Wenn das Bier so schmeckt wie es riecht, kann es mich nur begeistern.

Der Antrunk zeichnet sich durcheine stiltypische Süße aus, während die reichlich dosierte feinperlige Kohlensäure für eine angenehme Frische sorgt. Am Gaumen geht die Süße zurück und die Röstaromen kommen in den Vordergrund. Sie bringen eine angenehme Bittere mit, die sehr schön mit den Schokoladen- und Kaffeearomen spielt. Das Mundgefühl ist überraschend schlank, dabei aber weich bis cremig. Wie ich es bei einem Stout erwarte, bleibt der Hopfen diskret im Hintergrund und liefert lediglich eine leichte herbe Note, die dem Bier seine Tiefe verleiht. Erst in der Kehle kommt die Bittere richtig hervor und sorgt für einen recht langen Nachklang

Das Ardenne Stout von der Brasserie Minne ist ein klassisches, handwerklich gebrautes Stout, das weniger auf Wucht als auf Balance setzt. Ideal für ruhige Abende, zu reifen Hartkäsen, Karamellpudding oder einfach pur, wenn man Lust auf ein unaufgeregtes, stiltreues dunkles Bier hat.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Invertzucker, Hopfen (Mosaic, Belgian Golding und Hallertau), Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

60 IBU

Brauerei:

Brasserie Minne
ZA Nord Bailonville 9
5377 Somme Leuze
Belgien
www.brasserieminne.be

Schneider Weisse übernimmt Weltenburger und Bischofshof – Regensburger Brauerei vor dem Aus

Ein Stück bayerischer Biergeschichte bekommt ein neues Kapitel – eines mit Licht und Schatten. Die Marken Weltenburger und Bischofshof wechseln den Besitzer: Die Kelheimer Familienbrauerei Schneider Weisse übernimmt die Markenrechte und sichert damit die Zukunft der Klosterbrauerei Weltenburg. Für den Standort Regensburg bedeutet diese Entscheidung allerdings das Aus.

Wie die beteiligten Unternehmen gemeinsam mitteilten, soll der Übergang zum 1. Januar 2027 wirksam werden. Mit dem Schritt übernimmt Schneider Weisse zwei klangvolle Namen der bayerischen Braukultur – und setzt zugleich ein Zeichen für Konsolidierung in einem Markt, der seit Jahren unter Druck steht.

Gerade Weltenburg hat dabei eine enorme symbolische Strahlkraft. Am berühmten Donaudurchbruch wird nach Angaben der Betreiber bereits seit dem Jahr 1050 Bier gebraut. Die Klosterbrauerei gilt damit als älteste ihrer Art weltweit und gehört zu einem sehr exklusiven Kreis: In ganz Deutschland existieren nur noch etwa zehn Brauereien, die sich tatsächlich als „echte“ Klosterbrauereien bezeichnen dürfen. Diese Tradition soll fortgeführt werden – ein wichtiges Signal für Liebhaber klassischer bayerischer Braukunst.

Deutlich weniger erfreulich fällt die Bilanz für Regensburg aus. Die Brauerei Bischofshof soll zum 31. Dezember 2026 schließen. Etwa 56 Beschäftigte sind davon betroffen. Die Geschäftsführung spricht von einer notwendigen Entscheidung, da ein wirtschaftlich tragfähiger Alleingang nicht mehr möglich gewesen sei. Gleichzeitig wird der Schritt als „bayerische Lösung“ bezeichnet – auch deshalb, weil die Marken innerhalb der Region bleiben.

Für die Mitarbeiter wurden sozialverträgliche Lösungen angekündigt. Gespräche mit dem Betriebsrat sollen ebenso stattfinden wie Bemühungen, Beschäftigte in andere Unternehmen der Getränkebranche zu vermitteln. Ein Teil des Betriebs bleibt erhalten: Sowohl die Klosterbrauerei Weltenburg als auch der Logistikbereich von Bischofshof mit 21 Mitarbeitenden sollen weitergeführt werden.

Eigentümer von Bischofshof ist eine Stiftung des Bistums Regensburg. Über finanzielle Details des Verkaufs wurde Stillschweigen vereinbart. Branchenkreise gehen jedoch davon aus, dass die Produktion der übernommenen Marken künftig gebündelt wird. Perspektivisch soll das Bier in Weltenburg sowie am Stammsitz von Schneider Weisse in Kelheim gebraut werden. Dort sollen in den kommenden Jahren die nötigen technischen und logistischen Voraussetzungen geschaffen werden.

Der Hintergrund dieses Umbruchs reicht weit über die beteiligten Brauereien hinaus. Der deutsche Biermarkt hat in den vergangenen 15 Jahren rund ein Viertel seines Absatzes verloren. Sinkender Konsum, steigende Kosten und veränderte Trinkgewohnheiten setzen vor allem traditionsreiche Betriebe zunehmend unter Druck. Zusammenschlüsse, Markenverkäufe und Standortschließungen sind längst keine Ausnahme mehr.

Der Deal zwischen Schneider Weisse, Weltenburger und Bischofshof zeigt exemplarisch, wie eng Bewahrung und Verlust derzeit beieinanderliegen: Auf der einen Seite wird ein einzigartiges klösterliches Brauerbe gesichert, auf der anderen verschwindet ein traditionsreicher Braustandort aus Regensburg. Ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die bayerische Bierlandschaft im Wandel befindet – leise, aber unumkehrbar.

Roman – Adriaen Brouwer Oaked Winter Edition

Draußen liegt der Schnee, ich sitze im Warmen und vor mir steht ein Belgian Strong Ale mit 10 Volumenprozent Alkohol, im Eichenfass gereift und als Winter Edition gekennzeichnet. Die Fässer waren vorher mit Sherry und Whisky belegt.

Hinter dem Adriaen Brouwer Oaked steht die Brouwerij Roman, eine der traditionsreichsten Brauereien Belgiens. Sie wurde bereits 1545 in Mater (in der Nähe von Oudenaarde, Belgien) gegründet und gilt als älteste durchgängig familiengeführte Brauerei des Landes. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich Brouwerij Roman vom regionalen Produzenten klassischer Braustile zu einer Brauerei mit einer vielfältigen Palette an Spezialbieren entwickelt. Heute umfasst das Sortiment unter anderem traditionelle belgische Stile wie Tripel, Dubbel und Abteibiere, aber auch moderne Interpretationen und saisonale Spezialitäten wie das Adriaen Brouwer Oaked.

Was will ich mehr? Beginne ich also mit der Verkostung.

Rubinrot und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine beige feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Besser kann das Bier nicht aussehen.

In der Nase sind Aromen nach Holz, Rosinen und Schokolade präsent, unterstützt durch würzige Noten, die an frisch gemahlenen Pfeffer erinnern. Auch die Süße des Malzes kommt mit dem Duft nach Karamell zum Tragen. Die deutliche Alkoholnote stört nicht, sondern unterstützt die anderen Aromen angenehm.

Beim ersten Kontakt des Bieres mit der Zunge dominieren eine angenehme Malzsüße sowie eine sehr feinperlige und trotzdem kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge wird die Süße noch kräftiger und jetzt kann ich auch den Geschmack von Kandis feststellen, der gut mit den an Trockenfrüchte erinnernden Aromen und dem Holzton zusammenpasst. Säure kann ich nicht feststellen, auch die Bittere ist sehr zurückhaltend. Insgesamt entsteht ein samtiges Mundgefühl. Auch wenn die Bittere in der Kehle etwas kräftiger wird, bleibt sie doch zurückhaltend. Der Alkohol wärmt im Magen. Leider klingt der Geschmack nicht allzu lange nach.

Das Bier eignet sich gut als Genuss zum Dessert oder zu kräftigem Käse. Auch allein am Kamin kann ich es mit in der Winterzeit vorstellen.

Das Adriaen Brouwer Oaked Winter Edition ist mehr als nur ein Winterbier – es ist ein komplexer, kraftvoller Ausdruck belgischer Braukunst, der Tradition und kreatives Fass‑Aging vereint. Und hinter ihm steht mit Brouwerij Roman eine Brauerei mit fast fünf Jahrhunderten Geschichte, die bis heute klassische Werte und moderne Bierkultur gleichermaßen hochhält.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Gerste, Karamell Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

 10 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brouwerij Roman
Hauwaart 105
9700 Oudenaarde
Belgien
www.romanshop.be

Brauhaus Leikeim muss Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden

Die fränkische Brauerei Leikeim steht vor einer der größten Herausforderungen ihrer langen Geschichte. Das Brauhaus Altenkunstadt Andreas Leikeim GmbH & Co. KG hat beim zuständigen Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ziel dieses Schritts ist es nicht, den Betrieb einzustellen, sondern im Gegenteil: die traditionsreiche Familienbrauerei neu aufzustellen und für die Zukunft abzusichern.

Geschäftsführer Andreas Leikeim macht keinen Hehl aus den Gründen für diesen Schritt. In den vergangenen Jahren habe sich die Absatz- und Umsatzentwicklung spürbar verschlechtert, was letztlich zu einem Liquiditätsengpass geführt habe. Der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung sei daher notwendig gewesen, um rechtzeitig gegenzusteuern und Handlungsspielraum für eine Sanierung zu gewinnen.

Die Ursachen liegen dabei weniger in unternehmerischen Fehlentscheidungen als vielmehr in den schwierigen Rahmenbedingungen des deutschen Biermarktes. Sinkender Bierkonsum, stetig steigende Kosten in nahezu allen Bereichen und die wirtschaftlichen Nachwirkungen der Corona-Pandemie haben auch Leikeim stark zugesetzt. Wie viele mittelständische Brauereien spürt das Unternehmen den strukturellen Wandel der Branche besonders deutlich.

Ganz untätig ist man in Altenkunstadt allerdings nicht geblieben. In den vergangenen Jahren hat Leikeim versucht, mit verschiedenen Maßnahmen gegenzuhalten: Der Export wurde ausgebaut, zusätzliche Dienstleistungen für andere Brauereien angeboten, in alkoholfreie Produkte investiert und an vielen Stellen gespart. Doch trotz dieser Anstrengungen ließen sich die langfristigen Belastungen nicht vollständig kompensieren.

Dabei steht Leikeim für weit mehr als reine Produktionszahlen. Seit über 135 Jahren ist die Marke ein fester Bestandteil der fränkischen Bierlandschaft. Als unabhängige Familienbrauerei in fünfter Generation ist das Unternehmen tief in Oberfranken verwurzelt – wirtschaftlich ebenso wie kulturell. Leikeim ist Arbeitgeber, Identifikationspunkt und für viele schlicht ein Stück Heimat im Glas.

Wichtig für Kundinnen und Kunden: Der Betrieb läuft weiter. Rund 100 Mitarbeiter sind derzeit bei Leikeim beschäftigt, Produktion und Auslieferung werden fortgeführt. Die beliebten Bierspezialitäten und Erfrischungsgetränke, bekannt nicht zuletzt durch die markante Bügelverschlussflasche, bleiben weiterhin verfügbar. Auch die Versorgung des Handels ist nach Angaben des Unternehmens gesichert.

Im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens werden nun verschiedene Sanierungsoptionen geprüft. Dazu gehören sowohl interne Restrukturierungsmaßnahmen als auch Gespräche mit potenziellen Investoren. Unterstützt wird die Geschäftsführung dabei von Rechtsanwalt Gunther Neef, der als Generalbevollmächtigter den Sanierungsprozess begleitet. Ziel sei es, das Unternehmen neu auszurichten, auf veränderte Marktbedürfnisse zu reagieren und verloren gegangenes Vertrauen bei Verbrauchern, Geschäftspartnern und Lieferanten zurückzugewinnen.

Die rechtliche Aufsicht im Verfahren übernimmt Rechtsanwalt Jochen Wagner, der als Sachwalter die Interessen der Gläubiger vertritt. Parallel dazu bleibt der Fokus klar auf dem Standort Altenkunstadt: Leikeim soll als wichtiger Arbeitgeber und als unabhängige fränkische Brauerei erhalten bleiben.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieser Weg gelingt. Klar ist schon jetzt: Mit dem Antrag auf Eigenverwaltung setzt Leikeim auf einen kontrollierten Neustart – und auf die Chance, dass eine der bekanntesten Brauereien Oberfrankens auch künftig ein fester Bestandteil der deutschen Bierkultur bleibt.

BrauBeviale 2026: Europas Getränkeszene trifft sich in Nürnberg – mit neuem Fokus auf alkoholfreie Getränke

Bild (c) Messe Nürnberg

Die BrauBeviale in Nürnberg gilt längst als unverzichtbarer Treffpunkt für die europäische Brau- und Getränkeindustrie – und das wird sich auch 2026 nicht ändern. Vom 10. bis 12. November öffnet die Messe wieder ihre Tore unter dem Motto „All Beverages. One Future.“ und zeigt, wohin die Reise der Branche geht: neue Produkte, neue Marktchancen und vor allem jede Menge Impulse für eine starke Zukunft.

Ein besonderes Augenmerk liegt diesmal auf alkoholfreiem Bier. Dieses Segment gilt als Wachstumsmarkt und bietet gerade für mittelständische Brauereien die Chance, ihr Portfolio zu erweitern. „Die Optionen für die mittelständische Brauerei- und Getränkewirtschaft Europas zu einem erweiterten Produktportfolio dürfen nicht ungenutzt bleiben“, betont Markus Kosak, Executive Director bei YONTEX. In Nürnberg bekommen Aussteller und Besucher daher die Gelegenheit, die neuesten Entwicklungen rund um alkoholfreie Getränke hautnah zu erleben – von der Rohstoffauswahl über Prozesstechnik bis hin zu Verpackungslösungen.

Denn die BrauBeviale 2026 zeigt nicht nur Bier: Gerade alkoholfreie Erfrischungsgetränke rücken stärker in den Fokus. Nach einer sukzessiven Erweiterung des Angebots für Wein und Spirituosen in den letzten Jahren ist dies der nächste Schritt, um den veränderten Verbrauchergewohnheiten Rechnung zu tragen. Der neue Claim der Messe, „All Beverages. One Future.“, spiegelt genau diese Bandbreite wider: Hier treffen klassische Brautechnik und moderne Getränkelösungen aufeinander.

Eine weitere Neuerung wartet beim Hallenlayout. Auf dem Nürnberger Messegelände stehen die Hallen 6 bis 12 zur Verfügung, was eine optimierte Besucherführung und eine kompakte Präsentation der Aussteller ermöglicht. So können Fachbesucher bequem alle Themenschwerpunkte durchlaufen und gleichzeitig Kontakte knüpfen – ein entscheidender Pluspunkt der BrauBeviale.

Auch das Rahmenprogramm verspricht spannende Impulse. Unter dem Motto „Time for opportunities“ bieten Expertenvorträge, Workshops und Diskussionsrunden praxisnahe Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette der Getränkeherstellung. Die BrauBeviale bleibt damit das Forum für alle, die sich austauschen, vernetzen und innovative Ideen direkt umsetzen wollen.

Stefan Stang, Geschäftsführer des Private Brauereien Bayern e.V., ideeller Träger der BrauBeviale, bringt es auf den Punkt: „Die Brau- und Getränkebranche befindet sich unbestritten im Wandel. Unter dem neuen Claim ‚All Beverages. One Future‘ bietet die BrauBeviale 2026 gezielt Lösungen für die Gesamtheit unserer Branche, um den Herausforderungen der Zukunft zielgerichtet zu begegnen. Wir freuen uns auf drei Tage voller Ideen und Anregungen sowie dem einzigartigen Netzwerkcharakter in Nürnberg.“

Ob etablierte Brauereien, Start-ups im Getränkesegment oder Anbieter von Prozesstechnik – die BrauBeviale 2026 verspricht wieder drei Tage voller Innovation, Austausch und Praxiswissen, die die Branche fit für die Zukunft machen.

Europas Bierbranche unter Druck: Zwischen Absatzrückgang, Regulierung und neuen Chancen

Die weltweite Bierbranche erlebt seit einigen Jahren eine Phase der Ernüchterung. In Nordamerika meldete die Brewers Association zuletzt erneut rückläufige Absatzzahlen und eine sinkende Zahl an Craft-Brauereien in den USA. Auch Kanada verzeichnete 2024 zum zweiten Mal in Folge einen Rückgang: Laut Berechnungen von Jason Foster (On Beer) sank die Zahl der Brauereien um 2,9 Prozent. In Mexiko kommen zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten zusätzlich neue US-Zölle, die die Lage weiter verschärfen.

Besser sieht es auch in Europa nicht aus. Das zeigt ein aktueller Bericht der Brewers of Europe, des europäischen Brauereiverbands mit Sitz in Brüssel. Zwar ist die Zahl der Brauereien mit rund 9.700 Betrieben stabil geblieben, doch die Absatzmengen gehen weiter zurück und liegen inzwischen deutlich unter dem Niveau von 2019, also vor der Pandemie.

Für Julia Leferman, Generalsekretärin der Brewers of Europe, geht es dabei um mehr als wirtschaftliche Kennzahlen. Ihrer Ansicht nach steht ein Teil der europäischen Alltagskultur auf dem Spiel.

„Wir sagen gerne, dass Bier mehr ist als nur ein Produkt“, erklärt Leferman. „Es ist seit Jahrhunderten Teil des europäischen Lebens. Es geht nicht nur darum, die Bierwirtschaft zu schützen, sondern Lebensgrundlagen, Gemeinschaften und die Verbindung zwischen Menschen zu bewahren.“

Rückgänge mit regionalen Unterschieden

Wie der Bericht zeigt, ähneln die Herausforderungen in Europa denen in Nordamerika: schwächelnde Konjunktur, steigende Kosten und ein veränderter Umgang mit Alkohol. Gleichzeitig ist die Situation nicht überall gleich. Während viele Länder Rückgänge melden, gibt es einzelne Ausnahmen wie Italien, wo bestimmte Segmente noch leicht wachsen.

Hinzu kommt eine Besonderheit des europäischen Marktes: mögliche neue Regulierungen auf nationaler und EU-Ebene. Die Brewers of Europe fordern daher „regulatorische Stabilität und Unterstützung“. Wie diese konkret aussehen könnte, bleibt allerdings offen.

Große Brauereien verlieren stärker

In Polen lassen sich die Verschiebungen gut beobachten. Marek Kamiński, Inhaber von Browar Kingpin und Berater der Brauerei Browar Wąsowo nahe Poznań, beschreibt die Lage nüchtern:

„Aus Sicht des Gesamtmarktes geht es nach unten“, sagt Kamiński. „Den Höchststand bei Produktions- und Verkaufszahlen haben wir 2018 erreicht.“

Seitdem sind Produktion und Konsum in Polen um rund 20 Prozent gesunken. Die Verluste verteilen sich jedoch ungleich.

„Man kann klar sagen, dass vor allem die Großen verlieren“, so Kamiński weiter. „Sie verlieren Volumen bei klassischem Lagerbier und bei starkem Lager.“

Während diese traditionellen Kategorien schrumpfen, wächst alkoholfreies Bier weiter und macht inzwischen etwa zehn Prozent des polnischen Marktes aus. Internationale Konzerne wie Heineken, Carlsberg oder Asahi verlieren Marktanteile und schließen teilweise traditionsreiche Standorte. Kleinere Brauereien sind davon bislang weniger stark betroffen.

„Dem Craft-Bier-Segment geht es sichtbar besser“, erklärt Kamiński. „Vor der Pandemie ist es sehr dynamisch gewachsen. Heute hat sich das Wachstum verlangsamt, aber der Markt ist weitgehend stabil.“

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Tschechien. Dort trifft der Rückgang des Pro-Kopf-Konsums vor allem industrielle Brauereien. Die großen Anbieter reagieren mit Exportoffensiven sowie einem stärkeren Fokus auf alkoholfreie Biere, Radler und andere Getränke. Kleinbrauereien halten sich trotz steigender Kosten für Rohstoffe, Energie und Personal bislang vergleichsweise gut.

Auch in Ungarn zeigt sich eine Sättigung an der Spitze des Marktes. Nathan Ford, Export Sales Manager bei Horizont Brewing in Budapest, beobachtet deutliche Verluste bei den größten Produzenten, während kleinere Brauereien stabile oder leicht steigende Zahlen melden.

„Für alle wird es schmerzhaft und finanziell anspruchsvoll, zu überleben“, sagt Ford.

Wirtschaft, Konsumverhalten und Regulierung

Die Probleme der europäischen Brauereien haben mehrere Ursachen. Zum einen erholt sich die Wirtschaft in vielen EU-Ländern nur langsam. Besonders deutlich ist das in Deutschland, dessen Wirtschaft seit Jahren stagniert. Laut einem Bericht der New York Times haben allein dort innerhalb von zwölf Monaten mehr als 50 der rund 1.500 Brauereien geschlossen.

Zum anderen verändert sich das Trinkverhalten. Der Absatz in Kneipen, Cafés und Restaurants ist seit 2018 in vielen Ländern deutlich zurückgegangen, während mehr Bier zu Hause konsumiert wird. Gleichzeitig verschwinden spezialisierte Getränkefachgeschäfte, etwa in Deutschland und Polen. Gerade kleinere Brauereien geraten dadurch unter Druck, da sie oft keine eigenen Vertriebsstrukturen haben.

Eine weitere Herausforderung sind neue gesetzliche Regelungen, häufig vorangetrieben von alkoholkritischen Bewegungen. In Polen wird über ein Gesetz diskutiert, das Alkoholwerbung stark einschränken oder vollständig verbieten könnte – ähnlich wie eine Regelung, die im Sommer in Lettland in Kraft trat.

„Wenn das kommt, können wir nicht einmal mehr unsere sozialen Medien nutzen oder öffentlich über unsere Biere sprechen“, sagt Kamiński.

Andere Regulierungen, etwa zu nachhaltiger Verpackung und Recycling, erscheinen sinnvoll, können aber je nach Umsetzung unterschiedlich wirken. In Polen beantragten kleine Brauereien Ausnahmen von einem neuen Pfandsystem, da sie nur etwa zwei Prozent Marktanteil haben. In Ungarn hatten große Brauereien vor Einführung eines ähnlichen Systems pfandfreie Verpackungen auf Vorrat gekauft und konnten Preise länger stabil halten. Kleine Betriebe mussten die Mehrkosten sofort weitergeben.

Strengere Vorhaben wie Irlands geplante Gesundheitswarnhinweise auf Alkohol – vergleichbar mit Zigarettenpackungen – wurden inzwischen verschoben. Die Einführung ist nun erst für 2028 geplant. Als Begründung nannte die Regierung unter anderem wirtschaftliche Belastungen durch neue US-Zölle und andere Schwierigkeiten der Getränkeindustrie.

Anpassungsfähigkeit als Vorteil

Trotz aller Probleme sieht Sam Fleet vom Brussels Beer Project Chancen für kleinere Brauereien. Diese seien oft flexibler als große Konzerne. BBP brachte zuletzt mit Delta Zero ein alkoholfreies Bier auf den Markt, basierend auf dem erfolgreichen Delta IPA – als Ergänzung zum bisherigen NA-Bier Pico Bello.

„Das macht inzwischen zehn Prozent unseres Umsatzes aus“, sagt Fleet. „In unserer Größenordnung können wir sehr schnell reagieren.“

In Budapest setzt Horizont Brewing ebenfalls auf neue Wege. Neben Bier produziert die Brauerei inzwischen auch botanische Limonaden, Tees und Cold-Brew-Getränke.

„Wir haben gerade eine Reihe alkoholfreier Cold-Brew-Getränke veröffentlicht“, erklärt Ford. „Viele Craft-Brauereien entwickeln sich aktuell zu allgemeinen Getränkeherstellern.“

Bier als Teil europäischer Kultur

Auch Julia Leferman sieht langfristige Chancen. Bier habe im Vergleich zu Wein und Spirituosen einen moderateren Alkoholgehalt, und alkoholfreie Varianten gewinnen weiter an Bedeutung. Zudem verfüge die Branche mit Mehrwegfässern über besonders nachhaltige Verpackungen.

„Unsere Mitglieder haben die umweltfreundlichste Verpackung überhaupt – das Fass“, sagt Leferman. „Es hat eine Lebensdauer von 25 Jahren, kann immer wieder genutzt werden und bietet enorme Vorteile.“

Was die Branche aus ihrer Sicht vor allem brauche, sei weniger finanzielle Unterstützung als flexible, differenzierte Gesetzgebung. Einheitliche Lösungen seien nicht für alle Länder sinnvoll – etwa bei Pfand- oder Recyclingsystemen.

Dabei sollte die Politik nicht vergessen, welche Rolle Bier in Europa spielt. Laut dem Bericht der Brewers of Europe beschäftigt die Branche direkt rund 120.000 Menschen, hinzu kommen zahlreiche Arbeitsplätze in Gastronomie, Landwirtschaft und Logistik.

„Wir sind Teil der europäischen Geschichte“, sagt Leferman. „Genau das verteidigen wir – um zu verhindern, dass ein Sektor stigmatisiert wird, der tief in Europas Landwirtschaft, Kultur und Zukunft verwurzelt ist.“

Störtebeker Brauspezialitäten zum Jahresbeginn mit überarbeitetem Design

Die Brauspezialitäten aus Stralsund starten ins neue Jahr mit einem überarbeiteten Markenauftritt. Bewährte Elemente wie die rote Fahne und die Kraweele bleiben erhalten, gleichzeitig wirkt das Design klarer, moderner und prägnanter. Ziel ist es, die Marke zeitgemäß zu präsentieren und zugleich die Verbindung zu bestehenden Fans zu erhalten.

Nach fast zehn Jahren hat Störtebeker sein Erscheinungsbild angepasst. Der nordische Charakter und die bekannten Markenzeichen wurden nicht ersetzt, sondern in ihrer Wirkung neu kombiniert. So ist das Logo nun als Wort-Bild-Marke vertikal angeordnet, die rote Fahne nimmt eine zentrale Position ein, und die Kraweele auf den Bauchetiketten rückt stärker ins Zentrum. Auch die Sortenlabels auf den Flaschen sind größer gestaltet, während die typischen farbigen Kronkorken die Sortenlogik beibehalten. Insgesamt ergibt sich ein klar strukturiertes und aufgeräumtes Erscheinungsbild.

Die Veränderungen wirken sich auch auf die Sortenkategorien aus: Die fruchtig-herben Ale-Biere wie Atlantik-Ale, New England IPA und Pazifik-Ale präsentieren sich künftig als eigenständige Familie mit roter Fahne am Flaschenhals. Die alkoholfreien Brauspezialitäten sind nun klarer als eigene Kategorie erkennbar, unter anderem durch weiße Kronkorken und Halsetiketten. Die farblich geteilten Labels verbinden dabei die alkoholfreien Sorten mit den entsprechenden alkoholhaltigen Varianten.

Der Relaunch entstand in einem rund einjährigen Prozess, an dem interne und externe Teams beteiligt waren. Jedes Detail wurde überprüft, diskutiert und angepasst. Laut Marketingsprecher Aljoscha Taukel ging es dabei darum, die Stärken der Marke sichtbar zu machen, ohne das Bekannte zu verlieren: klare Haltung, nordische Herkunft und ein charakterstarker Auftritt.

Die ersten Flaschen im neuen Design werden Ende Januar im Handel erhältlich sein. Parallel wird das überarbeitete Markenbild auch in anderen Bereichen umgesetzt, etwa in Anzeigen und auf der Website. Mit dem Relaunch zeigt Störtebeker, dass sich eine etablierte Marke modernisieren kann, ohne ihre Wurzeln aufzugeben.

Krombacher Gruppe erzielt 2025 ein stabiles Ergebnis

Die Krombacher Gruppe blickt auf ein schwieriges Geschäftsjahr 2025 zurück. Die allgemeine Konsumlaune blieb gedämpft, der Handel agierte zurückhaltend und die Gastronomie stand weiterhin unter erheblichem Druck. Vor diesem Hintergrund konnte das Unternehmen sein Ergebnis insgesamt stabil halten. Maßgeblich dazu beigetragen haben die weiterhin solide Entwicklung der Dachmarke Krombacher sowie das wachsende Gewicht alkoholfreier Getränke im Sortiment.

Der Gesamtausstoß der Krombacher Gruppe lag 2025 bei 7,553 Millionen Hektolitern und damit leicht unter dem Vorjahreswert. Die Dachmarke Krombacher entwickelte sich dagegen positiv und kam auf 5,702 Millionen Hektoliter, was einem leichten Zuwachs entspricht. Die alkoholfreien Getränke rund um Schweppes, Orangina und Dr Pepper erreichten zusammen 1,605 Millionen Hektoliter und blieben damit hinter den starken Ergebnissen der Vorjahre zurück. Dennoch machen alkoholfreie Produkte inzwischen rund 40 Prozent des gesamten Portfolios aus – ein deutlicher Hinweis auf die veränderten Konsumgewohnheiten.

Nach Einschätzung des Unternehmens war 2025 vor allem für alkoholhaltige Getränke ein schwieriges Jahr. Die Nachfrage ging weiter zurück, während die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Gastronomie und Handel angespannt blieben. Umso wichtiger erwies sich die breite Aufstellung der Gruppe mit alkoholischen und alkoholfreien Marken.

Im Biermarkt, der weiterhin unter Druck steht, konnte sich Krombacher gegen den Trend behaupten. Die Marke blieb Marktführer in Deutschland und baute ihre Anteile sogar aus. Krombacher Pils zeigte eine stabile Entwicklung, während das alkoholfreie Sortiment erneut für Wachstum sorgte. Produkte wie Krombacher o,0% Pils, NaturRadler o,0%, Spezi und Fassbrause legten teilweise deutlich zu und bestätigten die strategische Ausrichtung der Marke.

Begleitet wurde diese Entwicklung von einem Marken-Relaunch, der 2025 umgesetzt wurde. Mit einer überarbeiteten Optik und einer klareren Positionierung sollte die Marke zeitgemäß weiterentwickelt werden. Für 2026 ist mit Krombacher o,0% Herb bereits eine weitere alkoholfreie Neuheit angekündigt.

Ein gemischtes Bild zeigt sich bei Schweppes. Nach Jahren starken Wachstums fiel 2025 schwächer aus, unter anderem aufgrund der nachlassenden Nachfrage nach klassischen Tonic-Varianten infolge des rückläufigen Gin-Booms. Trotz sinkender Absätze konnte die Marke jedoch Marktanteile gewinnen. Gleichzeitig entwickelten sich die Schweppes Virgin Range sowie die Zero-Produkte sehr positiv, insbesondere im direkten Konsum ohne Alkohol. Für 2026 ist mit Schweppes Virgin Mojito Zero eine weitere alkoholfreie Variante geplant.

Erfreulicher verlief das Jahr für Orangina, das 2025 ein Rekordergebnis erzielte. Auch Dr Pepper setzte seinen Wachstumskurs fort und gehört weiterhin zu den dynamischsten Marken im Portfolio der Gruppe.

Parallel zum Marktgeschehen setzte die Krombacher Gruppe ihre umfangreichen Investitionen fort. Bereits 2024 begonnene Modernisierungen wurden 2025 weitergeführt. Dazu zählen der Umbau zentraler Abfüllanlagen, technische Anpassungen an die zunehmende Sortenvielfalt sowie Investitionen in Logistik und Produktionskapazitäten am Standort Krombach. Insgesamt investierte das Unternehmen dafür über 100 Millionen Euro. Ziel ist es, sowohl das wachsende Segment alkoholfreier Getränke als auch das klassische Biergeschäft langfristig auf hohem Qualitätsniveau abzusichern.

Für 2026 kündigt die Krombacher Gruppe an, diesen Kurs fortzusetzen. Neue Produkte, weitere Modernisierungen und die Pflege der Marken sollen auch im kommenden Jahr im Mittelpunkt stehen. Damit versteht sich das Unternehmen zunehmend als breit aufgestellter Getränkeanbieter, der auf veränderte Konsumgewohnheiten reagiert, ohne seine Wurzeln im Biergeschäft aus dem Blick zu verlieren.

Brasserie de la Senne – Schieve X-MAS

Die Brasserie de la Senne ist eine belgische Kleinbrauerei aus Brüssel (Molenbeek-Saint-Jean), gegründet 2003 von Yvan De Baets und Bernard Leboucq. Sie ist nach dem Fluss Senne benannt und hat sich einen Namen gemacht mit charaktervollen, unfiltrierten Ales, die traditionell gebraut werden und sich durch eine ausgewogene Bitterkeit auszeichnen. Die Biere werden ohne Pasteurisierung und Zusätze hergestellt und zeigen ein klares Profil, oft mit malzigen und hopfigen Noten, statt übertrieben süßlicher oder stark gewürzter Weihnachtsstile. Jetzt steht das Schieve X-MAS vor mir. Dabei handelt es sich um ein saisonal angebotenes Winter Ale bzw. ein Belgian Strong Ale mit 8 Volumenprozent Alkohol. Es ist ein Weihnachts- bzw. Winterbier, das sich von klassischen stark gewürzten Festbieren abhebt, da es ohne zusätzliche Gewürze oder Früchte gebraut wird. Allein das macht mich neugierig. Daher öffne ich jetzt die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Dunkel bernsteinfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine cremige beige Schaumkrone, die sehr lange stabil bleibt.

Das Aroma des Bieres ist angenehm und ausgewogen. Ich rieche Biskuit und Karamell, Banane und einen Hauch Zitrusfrüchte. Trotz seines Festbierstils ist das Bouquet eher dezent und ausgewogen, ohne dominierende Gewürz- oder Zuckeraromen.

Der Antrunk ist recht süß, aber durch die reichliche Karbonisierung durchaus spritzig. Auf der Zunge verhält sich das Bier, wie ich es von einem belgischen Winter- bzw. Weihnachtsbier erwarte: das Mundgefühl ist samtig, dabei wirkt das Bier schwer und enthält nur wenige Bitterstoffe. Der Geschmack ist intensiv und malzbetont, aber auch die Fruchtnuancen nach Bitterorange und Mandarine kommen zum Tragen. Etwas Lakritzgeschmack sorgt für die nötige Komplexität. Auch wenn ich sonst den Geschmack mit verbrauter Gewürze mag, empfinde ich es in diesem Fall als angenehm, dass die Brauer in diesem Fall keine Gewürze verwendet haben. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere legt etwas zu und sie klingt sehr lange nach.

Zu diesem Bier passen winterlich-kräftige Speisen wie Gänsebraten und Wildgerichte, aber auch Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und selbstverständlich Lübecker Marzipan.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, vergorener Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be

Das Geheimnis spannender alkoholfreier Cocktails? Bier – ganz ohne Alkohol

Alkoholfreies Bier hat in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Wo früher dünne, süßliche Kompromisse dominierten, stehen heute aromatische Lager, Pale Ales oder sogar Stouts im Regal, die ihrem alkoholhaltigen Vorbild erstaunlich nahekommen. Doch das neue alkoholfreie Bier kann mehr, als nur pur getrunken zu werden: In Bars und Restaurants entdeckt man es zunehmend als kreative Zutat für alkoholfreie Cocktails.

Denn alkoholfreies Bier bringt etwas mit, das vielen „klassischen“ alkoholfreien Drinks fehlt: Tiefe, Struktur und Charakter. Statt Saft, Sirup und Limonade liefert es Bitterkeit, Hefearomen, Malzsüße, Säure oder Hopfenfrische – je nach Stil. Genau diese Vielfalt macht es für Bartender so interessant.

Während alkoholfreie Cocktails lange Zeit eher wie eine Pflichtübung wirkten, wächst heute der Anspruch, auch Gästen ohne Alkohol komplexe, erwachsene Geschmackserlebnisse zu bieten. Alkoholfreies Bier hilft dabei, diese Lücke zu schließen. Es sorgt nicht nur für Aroma, sondern auch für ein Mundgefühl, das näher an klassischen Cocktails liegt – weniger Limo, mehr Drink.

Ein weiterer Vorteil: Bier ist geschmacklich leichter zu „ersetzen“ als hochprozentige Spirituosen. Während alkoholfreie Alternativen zu Whisky oder Gin oft ein deutlich anderes Profil haben, bleibt alkoholfreies Bier seinem Ursprung erstaunlich treu. In gemixten Drinks wirkt es deshalb harmonischer und weniger künstlich.

Dabei muss alkoholfreies Bier nicht einmal zwingend flüssig ins Glas kommen. Einige Bars arbeiten mit Sirupen aus alkoholfreiem Bier, die durch langsames Entgasen und Einkochen entstehen. Besonders malzbetonte Stile wie Porter oder Stout liefern so intensive Noten von Kaffee, Schokolade oder Karamell – ideal für alkoholfreie Varianten klassischer Drinks wie Old Fashioned oder Manhattan. Hopfenbetonte Biere wiederum bringen Bitterkeit und Frische ins Spiel, ersetzen Alkoholbiss und verlängern den Drink, ohne ihn wässrig wirken zu lassen.

Wichtig ist dabei Fingerspitzengefühl. Alkoholfreies Bier sollte nicht überdeckt werden, sondern mit anderen Zutaten zusammenspielen. Ein vorsichtiger Kontrast funktioniert meist besser als ein aromatisches Feuerwerk. Wird der Biercharakter respektiert, bleibt er präsent und verleiht dem Cocktail seine Identität.

Auch Kohlensäure spielt eine größere Rolle, als man denkt. Feinperlige, gut karbonisierte alkoholfreie Biere bringen Lebendigkeit, Textur und optische Effekte ins Glas – von üppigen Schaumkronen bis hin zu prickelnder Frische. Gerade bei modernen, leichteren Drinkkonzepten ist das ein echter Pluspunkt.

Ganz neu ist die Idee übrigens nicht. Biermischgetränke wie Shandy, Radler oder Michelada zeigen seit Jahrzehnten, wie gut Bier mit anderen Zutaten harmonieren kann. Neu ist eher der Anspruch: weg vom einfachen Durstlöscher, hin zum bewusst gestalteten alkoholfreien Cocktail mit Charakter.

Während alkoholfreie Biercocktails gerade erst breiter wahrgenommen werden, zeichnet sich bereits der nächste Schritt ab: Drinks mit reduziertem Alkoholgehalt. Mischungen aus alkoholfreiem Bier und klassischen Aperitif-Komponenten ergeben überraschend vielschichtige Getränke mit deutlich weniger Alkohol – ideal für lange Abende, bei denen Genuss und Maßhalten zusammenfinden sollen.

Am Ende geht es um Vielfalt und Gleichberechtigung im Glas. Alkoholfreie Gäste wollen keine Notlösung sein, sondern echte Alternativen. Alkoholfreies Bier kann genau das liefern: erwachsene Aromen, Tiefe und Trinkfreude – ganz ohne Promille. Und vielleicht ist es genau diese Selbstverständlichkeit, die alkoholfreien Cocktails in Zukunft ihren festen Platz auf jeder guten Getränkekarte sichern wird.