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England: Craft Beer-Brauer fordern ein Siegel für Craft Beer

Craft-Bier-Hersteller sollten nicht der Entscheidungsmacht globaler Produzenten wie Heineken, Carlsberg oder Guiness unterliegen. Das fordert die Gesellschaft der unabhängigen Brauereien Großbritanniens (SIBA) http://siba.co.uk. Hintergrund sind jüngste Übernahmen von Craft-Bierbrauereien durch international agierende Konzerne. Blue Point, Blue Moon und London Fields sind nur einige der vielen Kleinunternehmen, die nun zu Anheuser-Busch InBev, MillerCoors oder Carlsberg gehören.

Craft-Bier soll Handwerk bleiben

„Konsumenten verdienen es zu wissen, ob sie ein echtes, handwerklich gebrautes Bier kaufen“, sagt SIBA-Vorstandsvorsitzender Mike Benner. Genau aus diesem Grund plant die Gesellschaft, die „echten“ Craft-Biere von anderen abzugrenzen – und zwar durch Einführung eines Gütesiegels, das die Unabhängigkeit und britische Herkunft Verbrauchern gegenüber garantiert. Eines der Kriterien dafür betrifft die Biermenge. Jede Brauerei, die über 200.000 Hektoliter im Jahr produziert, passt demnach nicht mehr in den Craft-Bier-Rahmen.

„Wenn eine Firma aufgekauft wird, verliert sie die Unabhängigkeit und dadurch auch die Kontrolle über das eigene Schicksal. Der neue Besitzer wird Entscheidungen auf der Basis von Wirtschaft und Unternehmenswert treffen, was wiederum den Ethos, die Qualität und den Geschmack des Bieres beeinflusst“, sagt Justin Hawke, Betreiber der Moor Beer Company http://moorbeer.co.uk in Bristol.

Soll das Bier aus dem Computer kommen?

Wenn Sie diesen Blog lesen, gehören Sie sicher wie ich zu den Menschen, die gerne ein Ihnen unbekanntes Bier kaufen, es genießen und sich über die Kreation der Brauer freuen oder sich darüber ärgern. Regionale Biere und Craft Beer sind nunmal kein Einheitsgebräu, sondern es handelt sich um individuelle Biere, in die die Brauer ihre Persönlichkeit gelegt haben. Diese Biere können und wollen nicht jedem gefallen, damit gehören Sie aber zu einer (zum Glück wachsenden) Minderheit, die immer wieder neugierig ist auf neue Geschmackserlebnisse. Wenn Sie jetzt die Möglichkeit hätten, Ihr eigenes Bier zu kreieren, würde das wahrscheinlich nicht beim ersten Versuch der große Erfolg werden, aber das Experiment vermutlich würde zu einem ungewöhnlichen Ergebnis führen.

Nein, genau das bekommen Sie nicht. Aber in London haben sich zwei Unternehmer vorgenommen, etwas Ähnliches anzubieten. Sie haben ein von menschlichen Braumeistern vier Biere kreieren lassen und stellen ihren Kunden über den Facebook Manager viele Fragen zu diesem Bier. Die Kommentare werden ausgewertet und fließen in den nächsten Sud ein.

Dieses Verfahren nennen die beiden Automated Brewing Intelligence, kurz ABI. Es wurde von Rob McInerney entwickelt, einem Experten für Maschinenlernen. Dabei arbeitet er mit dem Marketingmenschen Hew Leith zusammen, mit dem er IntelligentX Brewing Co. gegründet hat. Beworben wird das Ergebnis als „das erste Bier der Welt, das mit Künstlicher Intelligenz gebraut wird“.

Rob McInerney erläutert: „Künstliche Intelligenz hilft bei Entscheidungen, und beim Bierbrauen gibt es eine Menge Entscheidungen zu treffen“. Das richtige Malz muss ausgewählt werden, in vielen Fällen mehrere Malze, für den Hopfen gilt das gleiche. Da die britischen Brauer sich nicht an das deutsche Reinheitsgebot halten müssen, stehen zusätzlich Entscheidungen über weitere Zutaten an. Auch der Brauprozess selbst ist nicht durch komplizierte Handlungen geprägt, sondern durch Entscheidungen, wann der einzelne Arbeitsschritt abgeschlossen ist.

Die beiden Unternehmer haben mit ihrem Bier noch großes vor: Hew Leith sagt, dass es eines der Ziele von IntelligentX sei, mit dem Bier irgendwann einen Preis zu gewinnen. Das mag wohl klappen, ich habe aber meine Zweifel, ob es ein Preis für ein exzellentes Bier sein wird. Ich vermute eher, dass es sich um einen Preis für den kreativen Einsatz künstlicher Intelligenz handeln wird.

Aber vielleicht bin ich ja zu pessimistisch, was die Qualität des Biers betrifft. Ich habe gerade eine Mail nach London geschickt und nachgefragt, ob es möglich ist, dass mir die angebotenen Biere zugeschickt werden, damit ich sie verkosten kann. Sollten die Biere zu mir kommen, werde ich an dieser Stelle darüber berichten.

Mit Material von heise.de.

12. – 14. August 2016: London Craft Beer Festival

OK, London liegt nicht unbedingt um die Ecke, aber das vierte London Craft Beer Festival ist ein Event der Superlative. Mehr als 30 der weltbesten Brauereien stellen über 250 Biere vor. Hier trifft sich die Avangarde der Craft Beer-Szene. Da gibt es viel zu probieren. Dazu Street Food aus regionalen Grundstoffen der Saison und ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm – 11 Gruppen und DJs werden dafür sorgen, dass auch in den Pausen zwischen den Verkostungen keine Langeweile aufkommt. Aber im Mittelpunkt steht selbstverständlich das Bier. Da gibt es wirklich was zu entdecken. Die Liste der Brauereien liest sich wirklich wie das Who-is-Who der Craft Beer-Szene:

  • Canediguerra, Italien
  • Bermondsey, London
  • Ebeltoft Gaardbryggeri, Dänemark
  • Lervig Aktiebryggeri, Norwegen
  • Howling Hops, London
  • Alpha State, Großbritannien
  • Siren Craft Brew, Großbritannien
  • Partizan Brewing, Großbritannien
  • Redemption, Großbritannien
  • Moor Beer Co., Großbritannien
  • Stone & Wood, Australien
  • Gipsy Hill Brewing Company, Großbritannien
  • Pressure Drop, Großbritannien
  • Thornbridge Brewery, Großbritannien
  • Wild Beer Co., Großbritannien
  • AEgir Bryggeri, Norwegen
  • To Øl, Dänemark
  • Anspach & Hobday, Großbritannien
  • Sierra Nevada, USA
  • Tilmans Biere, Deutschland
  • Wiper and True, Großbritannien
  • Sori Brewing, Estland
  • Magic Rock, Großbritannien
  • The Kernel Brewery, Großbritannien
  • Brewdog, Großbritannien
  • Beavertown, Großbritannien
  • Fuller’s, Großbritannien
  • Omnipollo, Schweden
  • Brew by Numbers, Großbritannien
  • Cloudwater, Großbritannien
  • Buxton Brewery, Großbritannien
  • Weird Beard, Großbritannien

Sie kennen die Brauereien nicht und wollen etwas mehr Informationen haben? Das ist kein Problem. Auf der Website des London Craft Beer Festivals finden Sie eine Kurzvorstellung aller vertretenen Brauereien und auch eine Begründung weshalb die Brauereien eingeladen wurden. Wechseln Sie auf der Site einfach auf die Seite Beer. Dort sind die Logos aller Brauereien aufgelistet. Durch einen Klick auf das Logo einer Brauerei öffnen Sie eine Seite, auf der Sie die Angaben zur jeweiligen Brauerei finden.

Es passiert mir selten, dass ich wirklich bedaure, zu einer Veranstaltung nicht fahren zu können. Beim London Craft Beer Festival ist das anders, aber aus irgendeinem Grund habe ich von diesem Event zu spät erfahren. Mal sehen, ob ich es zur 5. Auflage dieser Veranstaltung schaffe. Eines sollte aber klar sein. Ein so umfangreiches und aufwändiges Programm gibt es nicht zum Nulltarif. Die Tickets können im Internet bestellt werden und kosten zwischen 33,50 und 38,50 Pfund.

Englische Brauerei braut abfallfreies Bier

Bekanntlich werden viele Lebensmittel nicht verzehrt, sondern vernichtet. Grund ist teilweise, dass ein Gemüse oder Obst nicht einwandfrei aussieht, teilweise naht das Ende der Mindesthaltbarkeit. Die Lebensmittel sind zwar absolut in Ordnung und könnten problemlos gegessen werden, trotzdem landen sie tonnenweise in den Abfallcontainern der Supermärkte.

Die englische Craft Bier-Brauerei Northern Monk Brew hat jetzt einen Versuch gestartet. In Kooperation mit dem Projekt Real Junk Food, das in seinen weltweit 150 Cafés Lebensmittel verarbeitet, die ansonsten vernichtet worden wären, hat die Brauerei das nach eigenen Angaben erste Zero Waste-Bier gebraut. Dafür wurden 60 kg alten Croissants und Brioche-Brötchen sowie 60 kg Ausschuss-Birnen aus britischen Supermärkten verarbeitet. Die 2013 gegründete Brauerei will damit ein Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung setzen. Nach Angaben des Brauereigründers Russell Bisset wurden alle 1.800 Flaschen innerhalb von eineinhalb Wochen verkauft. Auch nach dem Brauen viel kein Abfall an, sondern alle Reste wurden an Bauernhöfe und eine Wurmfarm weitergegeben.

Gegenüber dem Onlinemagazin cafe-future.net erklärte Bisset: „Wir produzieren so viele Lebensmittel, die wir dann wegwerfen. Das ist ein globales Problem. Wir möchten einen Beitrag zu seiner Lösung leisten.“ In Zukunft plant er weitere saisonale Aktionsbiere, zum Beispiel aus Erdbeeren, die beim Tennisturnier in Wimbledon übrigbleiben. „Vorstellbar ist ein Erdbeer-Sahne-Bier! Die Möglichkeiten sind unendlich!“

Ich finde nur schade, dass ich von diesem Projekt erst erfahren habe, nachdem die gesamte Produktion verkauft war. Ich hätte mir gerne einige Flaschen aus England kommen lassen.

Ich finde, das ist ein tolles Projekt, das Nachahmer finden sollte. Leider steht dem in Deutschland das Reinheitsgebot entgegen. Ich habe bereits einmal für einen anderen Umgang mit dem Reinheitsgebot plädiert. Der Umgang mit dem Reinheitsgebot ist in vielen Fällen nicht logisch. Als Beispiel will ich hier nur einmal das Pumpernickel-Porter der münsteraner Brauerei Gruthaus nehmen. Dieses Bier muss als Brauspezialität vermarktet werden und darf nicht Bier genannt werden. Weshalb? Es ist Pumpernickel verbraut worden. Wenn wir uns aber einmal den Herstellungsprozess von Pumpernickel ansehen, stellen wir fest, dass darin in erster Linie Roggen, Sauerteig (besteht aus Wasser, Hefe und Roggen) und Wasser verbacken werden. Jeder dieser Rohstoffe entspricht dem Reinheitsgebot für Bier. Es ist lediglich ein weiterer Verarbeitungsschritt eingeschoben worden. Beim Hopfen ist ein weiterer Verarbeitungsschritt aber erlaubt, das Extrahieren der Bitterstoffe, also die Herstellung von Hopfenextrakt. Dabei wird der Hopfen stärker verändert als es der Bäcker bei der Produktion von Pumpernickel macht. Nein, darin kann ich keine Logik erkennen und ich finde es schade, dass aus diesem Grund ein Projekt wie das hier vorgestellte in Deutschland derzeit nicht möglich ist.

ST. Astell – Big Job

Nun habe ich mal wieder ein IPA aus England vor mir stehen. Genauer Gesagt ein Cornish Double IPA. Das Rückenetikett trägt dick auf und schraubt meine Erwartungen in ungeahnte Höhen: „If a job’s worth doing, it’s worth overdoing!“ steht da. Muss die Übertreibung wirklich sein? Egal – ich erfahre zusätzlich, dass es sich u ein großes Bier handelt, knochentrocken. Na, da bin ich ja mal gespannt. Gieße ich mir also das Bier ein.

Intensiv goldgelb und klar präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber relativ wenig feinporiger Schaum, der sich aber leider recht schnell auflöst. Dazu sehe ich vergleichsweise wenig Kohlensäure.

Das Aroma ist betörend – Ananas, Zitronenschale, dazu etwas Würziges im Hintergrund, das ich aber nicht genauer identifizieren kann. Alles in Allem macht das Bier bis hierher einen recht guten Eindruck. Lediglich der fehlende Schaum irritiert mich etwas. Der Antrunk ist wie erwartet wenig süß. Jetzt merke ich auch, dass das Bier zwar wie gesehen relativ wenig Kohlensäure enthält, dass diese aber feinperlig und sehr intensiv ist. Intensiv ist auch der Körper, sehr bitter, aber trotzdem angenehm bitter. Jetzt verstehe ich auch, was die Brauerei mit „knochentrocken“ meint. Der Abgang ist dann überraschend mild. Ich hätte ihn mir wirklich kräftiger vorgestellt. Der Geschmack bleibt auch nur durchschnittlich lange in der Kehle.

Das Bier hat mich wirklich überrascht. Der erste Schluck überzeugte mich noch nicht so richtig. Ich merkte zwar sofort, dass es sich um ein wirklich ordentliches IPA handelt, aber anfangs konnte es mich nicht so ganz überzeugen. Aber irgendwie wurde das Bier mit jedem Schluck besser und wusste ich immer besser bei mir einzuschmeicheln. Hätte ich noch ein gutes thailändisches Essen zu diesem Bier gehabt, wäre es perfekt gewesen (oder zumindest fast perfekt).

Zutaten:

Quellwasser, Malz (Maris Otter, PaleAleMalz, Lagermalz), Weizenmehl, Hopfen (Nugget, Centennial, Citra, Cascade)

Alkoholgehalt:

7,2 % Vol.

Brauerei:

ST Astell Brewery Co. Ltd.
63 Trevarthian Road
St Austell
Cornwall
PL25 4BY
Großbritannien