Archiv des Autors: Mathias

Brasserie Minne – Ardenne Wood Mon Loup 2023

Es gibt ein Problem mit den Beschreibungen der Brasserie Minne. Ständig gibt es neue Biere und wenn ich die Biere bekomme und verkosten kann, sind sie im Handel kurz danach nicht mehr zu bekommen. So ist es auch mit dem Ardenne Wood Mon Loup aus dem Jahr 2023, das in Bourbon-Fässern gereift wurde. Da mir die Biere bislang aber alle sehr gut gefallen haben, will ich auch dieses Bier hier vorstellen und hoffe, dass Sie meine Kritik verwenden, zu entscheiden, ob Sie die kommenden Biere aus dieser Brauerei kaufen wollen.

Dunkel bernsteinfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas. Die Schaumkrone fällt praktisch sofort in sich zusammen. Das ist aber stiltypisch und nicht zu kritisieren.

Das Bier duftet nach Eiche und Whiskey. Aufgrund der Auswahl der für dieses Bier verwendeten fünf Malze ist das Aroma so intensiv, dass es durchaus an Barley Wine erinnert. Daher kommt auch das Karamellaroma, während das Aroma nach Trockenpflaumen eher vom Hopfen stammt.

Der Antrunk zeichnet sich durch die stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Kohlensäure aus. Die Süße bleibt auch auf der Zunge erhalten, wo sich noch die Fruchtigkeit dazugesellt, die an Trockenfrüchte erinnert und die sich sehr gut mit den Holzaromen verbindet, von denen ich vermute, dass sie von einer Eiche stammen. Der Eindruck nach Wein ist nicht so kräftig wie in der Nase. Die Säure ist nur verhalten zu schmecken und eine Bittere kann ich jetzt fast nicht feststellen. Stattdessen bemerke ich jetzt den Geschmack roter Früchte. Überhaupt ist die Fruchtigkeit das herausstechende Merkmal dieses Bieres. Auch in der Kehle ist die Bittere her zu erahnen und die Früchte stehen weiterhin im Vordergrund und der Geschmack klingt sehr lange nach, während der Alkohol im Magen wärmt. Ganz zum Schluss kommen noch Kräuteraromen zum Tragen, die an Anis erinnern. Jetzt könnte ich fast den Eindruck haben, dass ich kein Bier trinke, sondern einen Likör.

Schade, dass es dieses Bier nicht mehr zu kaufen gibt. Ich hätte mir ansonsten sicher noch einige Flaschen auf Vorrat zugelegt. Kein Wunder, dass dieses Bier Sieger bei den Community Awards 2024 und 2025 geworden ist.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Nelson Sauvin, Citra, Mosaic), Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brasserie Minne
ZA Nord Bailonville 9
5377 Somme Leuze
Belgien
www.brasserieminne.be

Gold Ochsen präsentiert das Jahrgangsbier 2025: Ein Brückenschlag zwischen Pils und Doppelbock

Die Ulmer Traditionsbrauerei Gold Ochsen bricht für ihr Jahrgangsbier 2025 bewusst mit Erwartungen und kombiniert zwei Bierstile, die unterschiedlicher kaum sein könnten: das schlanke, hopfenbetonte Pils und den kräftigen Doppelbock mit seiner malzigen Tiefe. Das Ergebnis trägt den Namen Gold Ochsen Ulmator – und zeigt eindrucksvoll, wie modern interpretierte Braukunst aussehen kann.

Die Brauerei beschreibt das Bier wie folgt: Bereits der Antrunk überrascht mit intensiven Malznuancen, bevor das Bier in ein schlankes, vom Alkohol getragenes Aroma übergeht. Zitrus- und Maracujanoten runden das Bouquet ab und geben dem Bier eine außergewöhnliche Frische. Optisch überzeugt der Ulmator mit einem warmen Bernsteinfarbton und einer cremigen, dichten Schaumkrone, die lange stehen bleibt. Mit 7,5 Prozent Alkohol bewegt sich das Jahrgangsbier auf kräftigem Niveau, ohne an Eleganz einzubüßen.

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Rezeptur liegt klar auf dem Hopfen. Neben klassischen Tettnanger Sorten spielt vor allem die noch junge Züchtung Tango die Hauptrolle. Sie bringt ein vielschichtiges Aromaprofil in das Bier: Maracuja, Orange, Mandarine und ein Hauch Limette. Um diese intensiven Aromen bestmöglich zu bewahren, wurde zum Teil kaltgehopft – eine Technik, bei der die ätherischen Öle nicht verkochen und dadurch besonders voll erhalten bleiben.

Als Ergebnis können die Genießer ein facettenreiches Geschmacksbild aus Zitrus, Grapefruit, Kräuternoten und einer dezent grüngrasigen Frische erwarten. Dadurch eignet sich der Ulmator als vielseitiger Speisenbegleiter – egal ob zu herzhaften Gerichten, leichten Vorspeisen oder sogar süßen Desserts.

Wie jedes Jahr füllt Gold Ochsen sein limitiertes Jahrgangsbier per Hand in edle 0,75-Liter-Flaschen mit Naturkork ab. Die Stückzahl ist auf 1.597 Flaschen begrenzt – eine bewusste Anspielung auf das Gründungsjahr der Brauerei. Für 15,97 Euro ist der Ulmator 2025 ab sofort im Brauereishop, im Ochsen Shop in der Ulmer Innenstadt sowie bundesweit im Online-Shop erhältlich.

Mit dieser besonderen Edition zeigt Gold Ochsen einmal mehr, dass Tradition und Experimentierfreude keine Gegensätze sein müssen. Ich konnte in den letzten Jahren bereits einige der Jahrgangsbiere aus Ulm verkosten und ich muss sagen, diese Biere waren alle etwas Besonderes und waren den relativ hohen Preis wert. Da ich in der Nähe von Einbeck aufgewachsen bin und auch heute recht dicht an der Heimat der Bockbiere wohne, bin ich auf den Ulmator ganz besonders gespannt.

Orca Brau – Wanderlust

Orca Brau ist eine junge Craft-Brauerei aus dem Norden Nürnbergs, gegründet von Felix und Susa im Jahr 2017. Auf ihrer eigenen 10-Hektoliter-Anlage brauen sie eine breite Palette an Bieren – von klassisch-traditionellen Bieren über moderne Pale Ales bis hin zu experimentellen Suden.

Orca Brau steht für Vielfalt, Kreativität und Charakter. Ihr Motto lautet frei übersetzt: „Orcas sind Freigeister.“ So testet die Brauerei regelmäßig neue Hopfen, Malze und Hefen, bleibt dabei aber immer trinkbar und gut ausbalanciert.

Jetzt steht das wanderlust vor mir, ein Pale Ale. So modern das Etikett gestaltet ist, verwundert es mich doch, dass alle Beschriftungen in Kleinschreibung gehalten sind. Ich erinnere mich, dass diese Schreibweise Ende der 1960er Jahre mal modern war und als ich 1971 meine Lehre als Schriftsetzer begonnen habe, galt die reine Kleinschreibung bereits als unmodern und überholt. Ansonsten gefällt mir das Etikett sehr gut und wenn das Bier die gleiche Qualität hat wie das Etikett, bin ich mit dem Bier mehr als zufrieden.

Golden und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Leider fällt die Schaumkrone schnell in sich zusammen, weshalb die Optik etwas enttäuschend ist. Da sollten die Nürnberger Brauer noch einmal nachbessern.

Aber das Aroma gibt sich dann alle Mühe, mich wieder mit dem Bier zu versöhnen. Ich rieche Zitrusfrüchte und Orangenschale, Honig und Ananas, dazu weitere Südfrüchte wie Maracuja und Litschi, abgerundet durch einen Hauch Hefe. Vor allem ist das Aroma wirklich kräftig, was beweist, dass die Brauer mit dem Hopfen nicht gegeizt haben.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge tritt eine freundliche Bittere in den Vordergrund, kräftig, aber ohne aufdringlich zu werden. Aber auch die Fruchtigkeit der verwendeten Hopfensorten und auch die Malzsüße kommen zu ihrem Recht. Das Mundgefühl ist leicht und schlank, so dass das Bier angenehm süffig ist. In der Kehle wird die Bittere kräftiger, wo sie auch lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Mosaic, Citra, Simcoe), Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Orca Brau GmbH
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Österreichs Trinkkultur im Wandel: Zwischen Genussmoment und 0-Prozent-Trend

Wie gehen die Menschen in Österreich heute mit Alkohol um, welche Rolle spielt er im Alltag – und wie verändert sich der Konsum über die Generationen hinweg? Eine aktuelle Umfrage des Online Research Instituts Marketagent unter 1.052 Personen zeigt ein spannendes Bild: Alkohol bleibt Bestandteil vieler sozialer Situationen, gleichzeitig nimmt der bewusste Umgang deutlich zu.

Regelmäßiger Konsum – aber wachsende Zurückhaltung

61 Prozent der Befragten trinken mindestens einmal pro Monat Alkohol. Besonders häufig greifen Millennials zu, von denen 68 Prozent regelmäßig konsumieren. Getrunken wird meist in Gesellschaft: Zwei Drittel geben an, selten allein zu trinken.

Parallel dazu wächst jedoch der Anteil der Menschen, die vollständig verzichten. Rund 19 Prozent trinken überhaupt keinen Alkohol, bei Frauen sogar 24 Prozent. Dieser Wert hat sich innerhalb weniger Jahre nahezu verdoppelt. Die Gründe sind vor allem gesundheitlicher Natur oder schlicht die Abneigung gegen den Geschmack.

Genuss, Kontrolle und der neue Reality-Check

Für viele erfüllt Alkohol eine emotionale Funktion – 54 Prozent verbinden ihn mit einem kleinen Genussmoment. Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Trend zu mehr Selbstkontrolle: 83 Prozent haben in den letzten sechs Monaten mindestens einmal bewusst verzichtet, obwohl andere getrunken haben. Besonders ausgeprägt ist das bei der Generation Z, die hier mit 91 Prozent vorne liegt.

Dennoch kommt es regelmäßig zu übermäßigem Konsum: 62 Prozent haben innerhalb der vergangenen Monate zumindest einmal mehr getrunken als geplant. Und fast die Hälfte der Befragten ärgerte sich im Nachhinein über das eigene Verhalten. Das Spannungsfeld zwischen Genuss und Kontrolle prägt damit die aktuelle Trinkkultur.

Gesellschaftlicher Wandel: Alkohol muss nicht sein

Auch das gesellschaftliche Bild verändert sich. 40 Prozent fänden es positiv, wenn bei Feiern kein Alkohol ausgeschenkt würde. Ein grundsätzliches Verbot empfinden viele zwar als schwierig, doch knapp die Hälfte wäre erstaunlich gelassen. Abstinenz wird überwiegend neutral aufgenommen, wenngleich Generation Z und Millennials häufiger sanften Gruppendruck erleben.

Alkoholfreie Alternativen auf dem Vormarsch

Der Markt für 0-Prozent-Getränke wächst rasant. Zwei Drittel der Befragten haben bereits alkoholfreies Bier oder Virgin-Cocktails probiert, alkoholfreien Wein oder Spirituosen immerhin jede*r Vierte. Besonders offen zeigt sich die Generation Z, die deutlich häufiger alkoholfreie Gin- oder Rum-Alternativen testet.

Jeder Dritte in Österreich wünscht sich inzwischen ein größeres Angebot an alkoholfreien Produkten – bei den unter 30-Jährigen fast jeder Zweite. Der Trend zum bewussten Konsum ist damit fest verankert und wird vor allem von jungen Erwachsenen vorangetrieben.

Die aktuellen Daten zeigen: Österreich befindet sich in einer Phase des Umdenkens. Alkohol bleibt Teil des gesellschaftlichen Miteinanders, wird aber zunehmend hinterfragt. Bewusster Konsum, regelmäßiger Verzicht und die wachsende Beliebtheit alkoholfreier Alternativen prägen eine neue Balance – eine Entwicklung, die auch die Getränkebranche nachhaltig verändern dürfte. Vermutlich lassen sich die Ergebnisse der Studie auch auf Deutschland übertragen.

Aktuelle Entwicklungen in der deutschen Braubranche: Rückgang beim Bierabsatz, alkoholfrei im Aufwind

Die deutsche Brauwirtschaft musste 2024 einen weiteren spürbaren Rückgang hinnehmen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank der steuerpflichtige Bierabsatz zwischen Januar und September um rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders betroffen waren traditionelle Bierstile und der Fassbierabsatz in der Gastronomie. Branchenverbände betonen, dass seit Jahren ein struktureller Konsumrückgang zu beobachten ist, der durch hohe Kosten und veränderte Trinkgewohnheiten verstärkt wird.

Parallel dazu zeigt der Markt für alkoholfreie Biere weiterhin ein deutliches Wachstum. Viele Brauereien investieren in neue Anlagen oder nutzen moderne Gärstopp- und Entalkoholisierungsverfahren, um geschmacklich hochwertigere 0,0-Produkte auf den Markt zu bringen. Laut Marktdaten stieg der Marktanteil alkoholfreier Biere zuletzt auf 7,2 Prozent – ein neuer Rekordwert.

Trotz aller Herausforderungen blickt die Branche vorsichtig optimistisch nach vorn: Premium-Spezialitäten, regionale Marken und kreative Brauprojekte sorgen für Impulse, während alkoholfreie Varianten zunehmend neue Zielgruppen erreichen. Für Bierfans bedeutet das: weniger Menge, aber mehr Vielfalt denn je.

Żywiec – Białe 0.0%

Die Brauerei Żywiec gehört zur Grupa Żywiec, einem der führenden Brauereikonzerne Polens mit Wurzeln zurück bis ins Jahr 1856. Unter dem Dach von Heineken setzt die Gruppe seit einigen Jahren verstärkt zusätzlich auf alkoholfreie Biere und betreibt dafür auch eine eigene Produktionslinie in Żywiec. Das Żywiec Białe 0.0%, das jetzt vor mir steht, habe ich von meiner letzten Reise nach Warschau mitgebracht.

Blassgolden und mit einer leichten Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Die schneeweiße Schaumkrone ist fest und bleibt sehr lange erhalten. Optisch ist mit dem Bier alles in Ordnung.

Das Bier duftet nach nicht vollständig vergorener Würze und Biskuitteig, nach gelben Früchten und Banane. Einige würzige Noten runden das Aroma ab.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße und eine angenehme Spritzigkeit aus. Auf der Zunge tritt der Geschmack der Würze in den Vordergrund, weshalb ich vermute, dass das Bier mit Hilfe einer abgebrochenen Gärung gebraut wurde. Die Fruchtigkeit hält sich sehr im Hintergrund, während die Bittere gut auf die Süße abgestimmt ist. Das Mundgefühl ist weich und schlank. In der Kehle wird die Bittere kräftiger, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Mich überrascht, dass die Fruchtigkeit des Bieres jetzt kräftiger ist.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, natürliches Aroma, Hopfen, Hopfenextrakt, Koriander

Alkoholgehalt:

< 0,05 % Vol.

Brauerei:

Grupa Zywiec S.A.
ul. Browama 88
34-300 Zywiec
Polen
www.grupazywiec.pl

Hoppen un Molt – Weizen

Mitten in Warnemünde, nur einen Steinwurf vom Hafen entfernt, braut Hoppen un Molt seit 2015 charakterstarke Biere, die weit mehr sind als regionale Durstlöscher, sondern ein bewusst gewählter Gegenpol zur industriellen Bierproduktion. Seit 2020 betreibt das Paar ein eigenes Ladengeschäft in der Alexandrinenstraße, das sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Urlauber entwickelt hat. Hier gibt es frisches Bier, Zubehör und in einer angenehmen entspannten Atmosphäre einen direkten Draht zu den Machern.

Hoppen un Molt achtet dabei sehr auf den Umweltschutz. Die Brauerei arbeitet mit Ökostrom, verwendet das Kühlwasser nach der Nutzung noch zum Wässern des Gartens und setzt auf Mehrweg. Da die Brauerei nicht weit vom Strand und vom Hafen entfernt ist und wohl auch viele Gäste sich ein frisch gezapftes Craft-Bier mit an den Strand nehmen wollen, verwendet die Brauerei Pfandbecher, so dass der Plastikmüll in dem Ostseebad minimiert wird. Aber kommen wir zum Weizenbier.

Golden und mit kräftiger Hefetrübung strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber steht eine gemischtporige Schaumkrone, die langsam in sich zusammenfällt.

Das Bier duftet stiltypisch nach Banane und Nelke, abgerundet durch etwas Vanillearoma.

Der Antrunk ist recht trocken und er überzeugt durch eine sehr feinperlige Kohlensäure. Die angenehme Trockenheit des Bieres bleibt auch auf der Zunge erhalten. Allerdings gesellt sich jetzt eine gewisse Säure dazu und ich frage mich, ob die wirklich gewollt ist oder ob es sich hier um einen Bierfehler handelt. In einem Wettbewerb würde ich das Bier für die Säure abwerten. Trotzdem ist das Mundgefühl weich und voll und das Bananenaroma kommt gut zum Tragen. Auch in der Kehle ist die Banane noch zu schmecken, begleitet durch eine für ein Weizenbier kräftige Bittere.

Noch kurz ein Wort zur Säure: ich habe das Bier bereits vor längerer Zeit gekauft und als ich es verkostet habe, war es etwa zwei Wochen vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Es ist also durchaus möglich, dass dieser (vermutliche) Bierfehler bei der Abfüllung noch nicht feststellbar war.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

12 IBU

Farbe:

7 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 10° Celsius

Brauerei:

Brauerei Hoppen un Molt
Inhaber: Henry Gidom
Fritz-Reuter-Str. 24
18119 Warnemünde
www.hoppen-molt.de

Hanssens Artisanaal – Framboos

Hanssens Artisanaal ist in Dworp (Belgien) beheimatet, im Pajottenland nahe Brüssel. Der Familienbetrieb wurde bereits im Jahr 1871 von Bartholomé Hanssens gegründet. Heute leiten Sidy Hanssens (die Urenkelin) und ihr Mann John Matthys den Betrieb in der vierten Generation.

Ursprünglich wurde dort braunes Tischbier gebraut. Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Brauerei ihre Kessel abgeben und stieg in die Kunst des Blenders (Geuze-Stecher) ein.

Hanssens kauft Würze (1–2 Tage alt) von mehreren Lambic-Brauereien und reift sie in offenen Eichenfässern, damit wilde Hefen aus der Umgebung einwandern. Die Reifung dauert mehrere Jahre, anschließend wird ohne ein Standardrezept gemischt – auf diese Weise wird jede Charge einzigartig.

Hanssens ist Mitglied im HORAL („High Council for Artisanal Lambic Beers“), einer Organisation, die auf traditionelle Arbeitsweisen beim Herstellen des Lambic achtet.

In den letzten Jahren wurde die Kelterei modernisiert, u. a. durch eine Klimatisierung des Fasslagers, um Säure-Entwicklung besser zu kontrollieren. Trotzdem gilt: Durch diese Arbeit wird die alte Lambic-Tradition erhalten – mit reinem Handwerk, wilden Hefen und Holzfassreifung. Trotz Modernisierung bleibt die Verbindung zur Vergangenheit und zur Region stark.

Nun ist es aber genug der Vorrede und ich will mit der Verkostung beginnen.

Blassrosa und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum bildet sich nur kurz und verschwindet rasch – stiltypisch für einen Lambic.

In der Nase stehen die Essignoten des Bieres im Vordergrund, während sich das Aroma der Himbeeren überraschend zurückhält. Auch ein wenig Roséwein meine ich zu riechen und aus dem Hintergrund lugt noch etwas holziges hervor.

Eine leichte Süße ist der erste Eindruck, als das Bier auf meine Zunge trifft. Schnell gesellt sich eine kräftige fruchtige Säure dazu und jetzt kommen auch die Himbeeren deutlich kräftiger zum Vorschein als im Aroma. Das Mundgefühl ist leicht. Ich kann mir nicht helfen – aber das Bier erinnert mich eher an einen sehr guten und leichten Obstessig als an ein Bier. Trotzdem lässt es sich sehr gut trinken, besonders weil die Fruchtigkeit der Himbeeren bis in die Kehle hinein erhalten bleibt.

Sauer und fruchtig – da liegt es nahe, das Hanssens Framboos zu einem kräftigen Käse zu trinken oder wahlweise auch mit einem gebratenen Hähnchen.

Das Framboos von Hanssens Artisanaal gehört zu den klassischen, kompromisslos traditionellen Frucht-Lambics. Es wird nicht gebraut, sondern aus verschiedenen Lambics verschnitten und anschließend mit frischen Himbeeren mazeriert – ein Prozess, der ihm seinen intensiven, natürlichen Charakter verleiht.

Zutaten:

40 % frische Himbeeren, Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Hanssens Artisanaal
Vroenenbosstraat 10
1653 Beersel
Belgien
www.hanssens-artisanaal.be

Mönchshof – Zwickl

Wenn Sie schon einmal mit der Bahn durch Kulmbach gefahren sind, ist Ihnen sicher die Kulmbacher Brauerei am Bahnhof aufgefallen. Von dort stammt das Mönchshof Zwickl, das jetzt vor mir steht. Mich verwundert allerdings, dass auf dem Etikett die Brauerei als Manufaktur bezeichnet wird. Unter einer Manufaktur stelle ich mir einen eher kleinen Betrieb vor, in dem halt dem Namen nach viel mit den Händen, also manuell, gearbeitet wird. Zu einer Großbrauerei passt die Bezeichnung meiner Meinung nach nicht. Auf der anderen Seite muss Größe nicht zwingend ein schlechteres Ergebnis bedeuten. Öffne ich also die Flasche und beginne mit der Verkostung.

Orangefarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. So schön die Farbe des Bieres ist, so schnell löst sich der Schaum auf. Schade, da könnte die Brauerei noch einmal nachbessern.

Das Aroma des Bieres ist angenehm. Das Bier duftet nach Karamell, Trockenfrüchten und Lakritz, die durch den Duft der Hefe abgerundet werden.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie die Spritzigkeit der Karbonisierung aus. Das Mundgefühl ist überraschend schwer, dabei aber auch süffig. Der Geschmack nach Karamell tritt in den Vordergrund und überdeckt die anderen Aromen weitgehend. In der Kehle ist das Bier mild mit nur geringen Bitteren und einem kurzen Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Mönchshof BrauSpezialitäten
Kulmbacher Brauerei AG
Lichtenfelser Straße 9
95326 Kulmbach
www.mönchshof.de

EuGH urteilt: „Alkoholfreier Gin“ darf nicht Gin heißen

Alkoholfreie Gin-Alternativen erfreuen sich wachsender Beliebtheit – doch wie sie heißen dürfen, hat nun der Europäische Gerichtshof (EuGH) eindeutig geklärt. Unter der Bezeichnung „alkoholfreier Gin“ dürfen solche Produkte künftig nicht mehr verkauft werden.

Der Grund: Nach EU-Recht ist Gin eindeutig definiert – als Spirituose, die durch das Aromatisieren von Ethylalkohol mit Wacholderbeeren entsteht und mindestens 37,5 % Alkohol enthalten muss. Alkoholfreie Produkte erfüllen diese Anforderungen nicht, weshalb ihre Bezeichnung als „Gin“ laut Gericht irreführend wäre. Das Urteil soll sowohl Verbraucher vor Verwechslungen schützen als auch Hersteller, die echten Gin nach den gesetzlichen Vorgaben produzieren.

Ausgelöst wurde der Rechtsstreit durch eine Klage des Vereins Sozialer Wettbewerb e.V. gegen das Unternehmen PB Vi Goods, das ein Produkt unter dem Namen „Virgin Gin Alkoholfrei“ vertreibt. Laut EuGH verletzt das zwar die Bezeichnungsregeln, schränkt jedoch die unternehmerische Freiheit nicht unzulässig ein: Der Verkauf der alkoholfreien Alternative bleibt erlaubt – nur eben nicht unter dem geschützten Begriff Gin.

Der Verein Sozialer Wettbewerb ist in diesem Bereich bereits mehrfach aktiv geworden. Zuletzt sorgte ein Fall rund um die Münchner Destillerie „The Duke“ für Schlagzeilen. Dort ging es zwar nicht um die Bezeichnung, sondern um fehlendes Einwegpfand bei einer alkoholfreien Alternative – und auch hier bekam der Abmahnverein in zweiter Instanz Recht.

Die Entscheidung des EuGH bringt nun Klarheit: Alkoholfreie Destillate dürfen weiterhin angeboten werden, müssen aber künftig unter einer anderen Bezeichnung vermarktet werden – etwa als „alkoholfreie Spirituose“ oder „Wacholder-Getränk“. Für Produzenten bedeutet das eine Anpassung ihrer Markenstrategie, für Verbraucher mehr Transparenz im Regal.