Die gute Nachricht zuerst: Die traditionsreiche Privatbrauerei Eichbaum aus Mannheim wird vorerst nicht abgewickelt. Die schlechte folgt jedoch direkt im Anschluss – und sie trifft viele Menschen ganz konkret. Trotz Rettungsplan stehen offenbar massive Einschnitte bei der Belegschaft bevor.
Die Lage der Brauereien in Deutschland ist angespannt. Steigende Kosten für Rohstoffe und eine rückläufige Nachfrage setzen die Branche zunehmend unter Druck. Bereits 2025 hatte der Deutsche Brauer-Bund e.V. auf diese Entwicklung hingewiesen. Auch Eichbaum, vielen noch als Hersteller der Kult-Malzlimonade „Karamalz“ bekannt, blieb davon nicht verschont – trotz einer über 345 Jahre langen Unternehmensgeschichte.
Ende 2025 musste die Brauerei Insolvenz anmelden. Der Export schwächelte, gleichzeitig ging auch im Inland der Absatz zurück. Die Folge: ein erheblicher Liquiditätsengpass. Besonders brisant: Kurz zuvor hatte Eichbaum die Marke „Karamalz“ an Veltins verkauft – ein Schritt, der offenbar nicht ausreichte, um die finanzielle Situation nachhaltig zu stabilisieren.
Nun gibt es jedoch eine Perspektive. Zwei Investoren wollen das Unternehmen übernehmen und neu aufstellen. Einer von ihnen ist die Brauerei Park & Bellheimer aus Pirmasens, wie gegenüber dem SWR bestätigt wurde. Die Identität des zweiten, offenbar größeren Finanzinvestors bleibt bislang unter Verschluss.
Die Gläubiger haben dem Fortführungskonzept zugestimmt, wodurch eine komplette Stilllegung zunächst abgewendet werden konnte. Im Zentrum dieses Konzepts steht frisches Kapital sowie die Übernahme wesentlicher Vermögenswerte durch die Investoren. Christoph Glatt, Generalbevollmächtigter im Verfahren, betont: „Jetzt geht es darum, die vereinbarten Maßnahmen strukturiert umzusetzen und die wirtschaftliche Stabilisierung des Unternehmens zu erreichen.“
Doch diese Stabilisierung hat ihren Preis. Ein erheblicher Stellenabbau ist Teil des Plans. Von zuletzt rund 290 Beschäftigten könnten nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) etwa zwei Drittel ihren Arbeitsplatz verlieren. NGG-Landeschef Hakan Ulucay bezeichnet diese Entwicklung als „sehr bitter“, erkennt aber zugleich eine „reelle Chance auf Rettung des Brauereistandorts in Mannheim“.
Die Gewerkschaft will den Prozess begleiten und setzt sich für sozialverträgliche Lösungen sowie die Einrichtung einer Transfergesellschaft ein. Konkrete Maßnahmen sollen in den kommenden Wochen abgestimmt werden. Wie viele Arbeitsplätze am Ende tatsächlich wegfallen, ist bislang offen.
Eichbaum exportiert seine Produkte in über 60 Länder und hatte ursprünglich geplant, sich vom reinen Bierproduzenten hin zu einem breiter aufgestellten Getränkeanbieter zu entwickeln. Dieser Strategiewechsel blieb jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Der Verkauf von „Karamalz“ an Veltins war ein erstes deutliches Signal für die angespannte Lage.
Ob die neuen Investoren der Brauerei langfristig Stabilität verleihen können, wird sich erst noch zeigen. Fest steht jedoch schon jetzt: Die Rettung kommt – aber sie hat ihren Preis.