Schlagwort-Archiv: Wallonie

Voisin Saison

Nun steht ein Bier aus der Brasserie des Légendes vor mir, das ein typischer Vertreter belgischer Braukunst ist. Ein Farmhouse Ale oder Saison. Dieser Bierstil wurde in früheren Zeiten von den Bauern gebraut, die es später an ihre Erntehelfer ausschenkten. Nach Angaben der Brauerei soll das Originalrezept, nach dem auch heute noch gebraut sind, aus dem Jahr 1184 stammen. Diese Aussage würde ich aber eher in das

Dunkel bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die sahnige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt lange erhalten. Optisch ist das Bier schon mal sehr ansprechend.

Die Aromen des Malzes und der Hefe verbinden sich zu einem angenehmen Biskuitduft, der durch einige blumige Noten unterstützt wird.

Der Antrunk ist frisch und spritzig. Auf der Zunge ist das Bier recht trocken und die Aromen verbinden sich mit einem freundlichen Bitter zu einem vollmundigen und ausgewogenen Genuss. Im Abgang wird das Bitter kurz kräftiger, flaut dann aber schnell ab und klingt abschließend noch lange nach.

Zutaten:

Waser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Brasserie des Légendes
Rue de Castel 19
7801 Irchowelz
Belgien
www.brasseriedeslegendes.be

La Botteresse Miel

Die Brauerei La Botteresse ist eine belgische handwerkliche Mikrobrauerei, die in dem Dorf Sur-Les-Bois (Gemeinde Saint-Georges) in der wallonischen Provinz Lüttich ansässig ist.

Die Brauerei ist bekannt dafür, dass sie natürliche Biere mit intensivem Geschmack herstellt, die unter den Marken La Botteresses und Sur-les-Bois- vertrieben werden. Die Biere werden in den meisten großen und mittelgroßen Supermärkten der Provinz Lüttich angeboten und sind auch in einigen Restaurants erhältlich.

Eine Zutatenliste ist auf der Flasche nicht vorhanden, es werden lediglich die Allergene aufgelistet. Auch auf der Website der Brauerei steht nicht viel über das Bier, lediglich, dass für dieses Bier zwölf Kräuter und regional erzeugter Honig verwendet wurden. Dann will ich mich mal an die Verkostung machen.

Dunkel bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die durchschnittlich voluminöse Schaumkrone ist größtenteils feinporig, fällt aber überraschend schnell in sich zusammen.

Das Aroma ist nicht so komplex wie ich es aufgrund der vielen Kräuter erwartet habe. Düfte nach Toffee und Waldhonig steigen mir in die Nase, begleitet vom Duft des Alkohols.

Der Antrunk ist für ein Honigbier überraschend trocken, so dass auch die knapp dosierte Kohlensäure durchaus ausreichend ist. Als sich das Bier auf der Zunge verteilt kommt eine angenehme Säure dazu, die mich etwas an Apfelessig erinnert. Dabei halten sich Süße und Säure in etwa die Waage. Auch der Abgang ist trocken mit einer leichten Säure. Bitterstoffe kann ich nicht schmecken und der Geschmack klingt nur sehr kurz nach.

Bei der angenehmen und deutlich zu schmeckenden Säure vermute ich fast, dass beim Brauvorgang auch Brettanomyces zum Einsatz gekommen sind.

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Brauerei:

Brasserie La Botteresse SCRL
Rue Fond Méan 6
4470 St. Georges
Belgien
www.labotteresse.be

St. Feuillien – Saison

St. Feuillien Saison ist das, was die Belgier ein Bier des Terroirs nennen, ein traditionelles Bauernhofbier mit dem ganzen reichen Geschmack des fruchtbaren Landes Südbelgiens. Saison, ein warmes, goldblondes Bier, ist ein obergäriger Klassiker. Saisonbiere wurden ursprünglich für die Feldarbeiter gebraut, die mit dem trockenen Schluck erfrischt wurden. Dank der zweiten Gärung in der Flasche hat Saison einen unverwechselbaren Geschmack voller reicher Nuancen und einer leichten Würze.

Hell bernsteinfarben und leicht hefetrüb ergießt sich das Bier ins Glas und bildet dabei sehr viel festen Schaum, der auch sehr lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Karamell und Südfrüchten, besonders nach Ananas, dazu kommen noch einige Kräuternoten und der typische Duft belgischer Bierhefe.

Der Antrunk ist frisch, wofür die reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure sorgt. Auf der Zunge entfalten sich die Geschmäcker nach Malz und Südfrüchten, eine leichte Säure und der Geschmack nach Süßholz sorgen für ein volles Mundgefühl und eine ordentliche Süffigkeit. Der Geschmack des Malzes steht aber eindeutig im Vordergrund, genau wie zunächst auch im Abgang, der mild mit einer leichten Fruchtigkeit beginnt, bevor ein leichtes Bitter zum Vorschein kommt, das überraschend lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfenpellets, Gewürze (Lakritz), Invertzucker, Hefe, Milchsäure, Calciumchlorid, Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure (E300)

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten:

26 IBU

Brauerei:

Brasserie St-Feuillien SA
Rue d’Houdeng 20
7070 Le Rœulx
Belgien
www.st-feuillien.com

Belle-Vue Kriek

Das Kriek Classique aus der belgischen Brauerei Belle Vue, die zum Konzern AB InBev gehört, ist einem klassischen Kriek nachempfunden. Es wurde mit wilden Hefen gebraut, aber nicht mit Früchten, sondern mit Fruchtsaftkonzentrat, auch Aromen finden bei AB InBev Verwendung.

Bordeauxrot strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber steht eine durchschnittlich große rosafarbene und feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Optisch haben die Belgier schon mal alles richtig gemacht.

Das Bier duftet intensiv nach Kirschen, unterlegt durch einen Hauch Karamell.

Der Antrunk ist fruchtig und überraschend trocken. Die reichlich dosierte Kohlensäure verleiht dem Bier eine angenehme Frische. Auch auf der Zunge bleibt die Frucht im Vordergrund. Das Bier wird etwas süßer und ist dabei vollmundig mit einem samtigen Mundgefühl. Die Fruchtigkeit bleibt auch im Abgang dominant und sie klingt durchschnittlich lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, konzentrierter Kirschsaft (2,8 %), Zucker, Kirschen (0,2 %), Aromen, Hopfen, Kräuter (Koriander, Orangenschale)

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Brauerei:

InBev Belgium SPRL/BVBA
Boulevard Industriel 21
1070 Brüssel
Belgien
www.tapintoyourbeer.com

16. 10. 2019: La Trappe Oak Aged Quadrupel Tasting in Maisels Brauwelt

Trappisten Brauereien sind weltbekannt für ihre Bierspezialitäten. Ein Trappistenbier muss innerhalb der Klostermauern und unter der Aufsicht der Trappistenmönche gebraut werden. Mit der Bierproduktion dürfen außerdem keine Gewinne erzielt werden, sondern der Erlös dient lediglich dem Decken der Kosten für das Leben im Kloster, zusätzliche Einnahmen gehen an wohltätige Zwecke.

Nur wer die Bedingungen erfüllt, darf das sechseckige Logo „Authentic Trappist“ verwenden. Neben diesen Grundprinzipen bietet Bier immer Platz für Innovation. Steigen Sie bei diesem Tasting in die Welt von La Trappe ein, einem Trappistenkloster aus den Niederlanden, das im 19. Jahrhundert mit dem Brauen begann. La Trappe’s Quadrupel und dessen fassgereifte Versionen sind ein gutes Beispiel für Innovation in einer Trappistenbrauerei.

Bei diesem speziellen Tasting werden neben dem Klassiker und Medaillengewinner dem Quadrupel noch 6 streng limitierte fassgereifte Versionen des La Trappe Quadrupel verkostet.

Roy von La Trappe führt durch das Tasting und beantwortet jede Frage rund um das Thema Trappisten und La Trappe. Sichern Sie sich rechtzeitig Ihr Ticket und reservieren Sie einen Platz für diesen exklusiven Abend.

Verkostungsliste:

  • La Trappe Quadrupel (Platin Gewinner beim Meininger International Craft Beer Award 2019)
  • La Trappe Quadrupel Oak Aged 27: Spätburgunder, Eiche (Medium & High Toast)
  • La Trappe Quadrupel Oak Aged 29: Bourbon, Eiche (High Toast), Akazie
  • La Trappe Quadrupel Oak Aged 30: Cachaça, Eiche (Medium Toast)
  • La Trappe Quadrupel Oak Aged 31: Malbec (Rotwein), Eiche (Medium & High Toast)
  • La Trappe Quadrupel Oak Aged 32: Gaillac (Weisswein) , Eiche (Medium & High Toast), Akazie (Medium Toast)
  • La Trappe Quadrupel Oak Aged 34: Malbec (Rotwein), Eiche (Medium & High Toast), Akazie (Medium Toast)

Die Teilnahme kostet je Teilnehmer 39,90 Euro, Beginn ist um 20:00 Uhr und das Event wird etwa zwei Stunden dauern.

25. 8. – 26, 8. 2018: BXLBeerFest Brüssel

Die Organisatoren dieses Bierfestivals haben sich viel vorgenommen: sie wollen Brüssel an die Spitze der Liste der besten Bierstädte der Welt bringen. Das BXLBeerFest hat viel internationales Flair. Damit passt dieses Bierfestival zu Brüssel. Bierliebhaber aus der ganzen Welt sind herzlich eingeladen, eine große Auswahl an Bieren aus Brüssel und dem restlichen Belgien sowie aus der ganzen Welt zu entdecken. 60 Brauereien aus 10 Ländern sind vor Ort. Sie kommen aus Belgien, den USA, Kanada, Italien, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Polen und der Schweiz. Bier kennt keine Grenzen!

Gute, ehrliche Biere

Die Veranstalter haben nur unabhängige Brauereien ausgewählt, die ausschließlich hochwertige handwerkliche Biere herstellen. Das Beste ist, dass sie alle befreundet sind. Auf dem BXLBeerFest ist kein Platz für Industriebiere. Gutes, ehrliches Bier, direkt vom Brauer zum Verbraucher.

Gesellig, entspannt, eine Umgebung zum Genießen und Schmecken von Bier…. Die Veranstalter wollen einen neuen Standard schaffen, denn gutes, ehrliches Bier verdient Ihre volle Aufmerksamkeit. Von uns professionell geliefert und von Ihnen in entspannter Atmosphäre verkostet. So läuft das in Brüssel!

Bier. Aber nicht nur das. Bier UND gutes Essen: es passt zusammen wie Malz und Hopfen. Kulinarisch, gastronomisch, authentisch…. Auf dem BXLBeerFest erhält das Bier die kulinarische Anerkennung, die es verdient.

Nun zum Wermutstropfen: Das Festival kostet Eintritt. Aber keine Angst, das Tagesticket gibt es bereits ab 5 Euro im Vorverkauf (an der Tageskasse kostet das Ticket 10 Euro), für beide Tage sind es 9 Euro (15 Euro).

Am Freitagabend findet noch eine Party statt, Im Eintrittspreis von 120 Euro ist das Essen enthalten sowie von jeder Brauerei, die an der Party teilnimmt, jeweils ein Bier. Da das bedeutet, dass im Eintritt etwa 50 – 60 Biere enthalten sind. Da werden vermutlich die meisten Besucher vorher bereits schwächeln.

10. 8. – 12. 8. 2018: Grande Choufferie

Die Big Choufferie ist ohne Zweifel die Lieblingsveranstaltung aller CHOUFFE-Elfen. Für ein Wochenende feiert die Brauerei mit Begeisterung die Geburt von LA CHOUFFE, dem Lieblingsgetränk der Brauer.

Was wird geboten? Neben der Verkostung der Biere von Chouffe gibt es Schrankkletterwettbewerbe (was immer das auch sein mag), Hüpfburgen und Gesichtschminken für Kinder. Für das leibliche Wohl werden Snacks angeboten.

Zahlreiche kostenlose Konzerte sorgen an diesem Wochenende für Unterhaltung: Diexieland Streetband, Humphreys, Muddy States, Jan Van de Ven, HOT FOR 90’s und MISTER COVER.

7. 8. – 9. 8. 2018: Belgian Beer Weekend Brüssel

Brüssel ist immer eine Reise wert, aber am nächsten Wochenende noch mehr. Dann findet auf dem historischen Grande Place im Herzen der belgischen Hauptstadt das Belgian Beer Weekend statt. 47 Brauer aus unserem Nachbarland haben sich angemeldet, um in historischer Kulisse ihre Biere vorzustellen. Am Freitag um 18:00 Uhr geht es los; dann werden die Stände für die Öffentlichkeit bis um 21:45 Uhr geöffnet. Bezahlt wird an einem zentralen Stand, an dem es Voucher gibt, die für alle Brauer gültig sind. Dieser Stand schließt bereits um 20:00 Uhr. Es ist also erforderlich, dass Sie bereits um acht Uhr wissen, wie viele Biere Sie noch verkosten wollen. Am Samstag ist von 11:00 Uhr bis 21:45 Uhr geöffnet, Voucher gibt es bis 19:00 Uhr und Sonntag sind die Öffnungszeiten von 11:00 Uhr bis 19:45. Voucher gibt es bis 18:00 Uhr.

Und hier noch die Brauereien, die dort ihre Produkte vorstellen:

  • Brasserie de l’ABBAYE DES ROCS
  • Brasserie de l’ABBAYE DU VAL DIEU
  • AB INBEV
  • Brouwerijen ALKEN MAES
  • Ferme de BERTINCHAMPS
  • Brouwerij BOON
  • Brasserie CARACOLE
  • Brasserie CAULIER
  • Brouwerij CORNELISSEN
  • Brouwerij DE BRABANDERE
  • Kasteelbrouwerij DE DOOL
  • Brouwerij DE HALVE MAAN
  • Brouwerij DE RYCK
  • Brasserie DES LÉGENDES
  • Brouwerij DILEWYNS
  • Brasserie DU BOCQ
  • Brasserie DUBUISSON & FRERES
  • Brasserie DUPONT
  • Brouwerij DUVEL MOORTGAT
  • Brouwerij HAACHT
  • Brouwerij HET ANKER
  • Brouwerij HUYGHE
  • Brasserie JOHN MARTIN
  • Brasserie LEFEBVRE
  • LEROY Breweries
  • Brouwerij LINDEMANS
  • Brouwerij MALHEUR
  • Brouwerij MARTENS
  • Brasserie MINNE
  • Brouwerij OMER VANDER GHINSTE
  • Brouwerijen PALM, DE HOORN & RODENBACH
  • Brouwerij ROMAN
  • Brasserie SAINT-FEUILLIEN
  • Brasserie de la SENNE
  • Brasserie de SILLY
  • Brouwerij SINT-BERNARDUS
  • Brouwerij VAN DEN BOSSCHE
  • Brouwerij VAN HONSEBROUCK
  • Brouwerij VAN STEENBERGE
  • Brouwerij VERHAEGHE
  • Brouwerij WILDEREN
  • ABBAYE NOTRE DAME SAINT-REMY
  • Brouwerij – ABDIJ DER TRAPPISTEN VAN WESTMALLE
  • Brasserie BIERES DE CHIMAY
  • Sint Benedictusabdij – Brouwerij van ‚DE ACHELSE KLUIS‘
  • Brasserie d’ORVAL
  • Brouwerij SINT-SIXTUS

Brasserie et Musée Bruxellois de la Geuze

Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich Brüssel als die Bierhauptstadt der Welt bezeichne. Und wenn ich schon einmal in Brüssel bin, gehört der Besuch mindestens eines der dortigen Brauereimuseen für mich zum Pflichtprogramm. Da die Geuze eine Spezialität ist, die angeblich nur in der Umgebung von Brüssel herzustellen ist, habe ich mich für die Brasserie et Musée Bruxellois de la Gueuze der Brauerei Cantillon entschieden.

Um es gleich von vornherein klarzustellen: Der Stadtteil Anderlecht, in dem die Brauerei beheimatet ist, gehört nicht zu den bevorzugten Wohngegenden in Brüssel. An der Kasse weist die Brauerei auch vorsorglich darauf hin, dass die Besucher nichts sichtbar im Auto liegen lassen sollen. Aber ganz ehrlich: zu einer Brauereibesichtigung ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln sicher empfehlenswert.

Nachdem ich die rue Gheude 56 gefunden hatte (mein Navi hatte mich erst einmal kreuz und quer durch den Stadtteil geleitet, bevor ich ganz in der Nähe der Metrostation mein Ziel erreichte), empfand ich die Außenfront von Cantillon als – wie formuliere ich es jetzt positiv – sehr traditionell. Außerdem verunsicherte mich das Schild an der Tür, das lediglich auf die Brauerei hinwies und das Museum nicht erwähnte. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, das Tor zu öffnen und einzutreten. Und da wusste ich, hier bin ich richtig. Ein Blick nach links zeigte mir den Probiertresen, den Sie im ersten Bild sehen. Rechts beklebte ein Angestellter Flaschen mit Etiketten, alles von Hand. Geradeaus blickte ich auf den Tresen mit der Kasse für den Eintritt und dem Verkauf der dort hergestellten Geuze sowie einiger Souvenirs. Zur Auswahl standen T-Shirts und Käse. Bevor ich mich in diesem Text der Brauerei und der Geuze widme, ist dieser Käse noch einige Worte wert. Im Allgemeinen wird Bierkäse mehrfach mit Bier abgewaschen, wodurch der Käse etwas vom Biergeschmack annimmt, allerdings doch sehr dezent. Bei der Herstellung dieses Käses, der in der Brauerei Dupont hergestellt wird, wird die Geuze direkt der Milch hinzugefügt (auf 550 Liter Milch kommen 10 Liter Bier). Dadurch ist der Biergeschmack deutlich ausgeprägter als bei klassischem Bierkäse. Auch wenn Sie kein Freund von Sauerbier sein sollten, lohnt schon dieser Käse den Besuch bei Cantillon. Aber kommen wir jetzt endlich zur Brauerei. Zunächst zahlte ich die sieben Euro Eintritt, für die es auch zum Abschluss der Führung zwei Biere zur Verkostung gab. Die Führung wird auch in Englisch durchgeführt, was mir sehr entgegenkam, da ich weder der französischen noch der niederländischen Sprache mächtig bin. Zunächst gab es an der Abfüllanlage, die glücklicherweise gerade stillstand, eine Einführung und den Besuchern wurde erklärt, was Lambik und was Geuze ist. Gegenüber der Anlage stapelten sich die gefüllten Flaschen, die Sie auf dem zweiten Foto sehen (nein, das sind nicht alle Flaschen, die in der Brauerei lagern. Das Lager erstreckt sich über die Wände in mehreren Räumen, überall dort, wo noch etwas Platz ist). Aber hier eine Kurzfassung der Einführung.

Cantillon ist mehr als 100 Jahre alt und befindet sich nach wie vor im Familienbesitz, ganz ohne eine Beteiligung der großen Brauereikonzerne. Und nicht nur das Unternehmen hat ein stattliches Alter erreicht, sondern auch die Maschinen, die in der Brauerei einsetzt, stammen aus dem 19. Jahrhundert. Ein Besuch in der Brasserie Cantillon ist also eine echte Reise in die Vergangenheit.

Eine Besonderheit dieser Brauerei ist nicht nur, dass mit wilden Hefen gebraut wird, sondern in dem Raum, in dem die anfangs sterile Bierwürze mit den Hefen infiziert wird, hat sich im Laufe der Zeit eine einmalige Kolonie an Mikroorganismen gebildet. Forscher der Katholischen Universität Leuven haben in einem einzigen Lambik neben 100 unterschiedlichen Hefestämmen auch 27 Essigsäure-Bakterienstämme sowie 38 Milchsäure-Bakterienstämme identifiziert. Da ist es kein Wunder, dass die Brauer diesen Raum wie ein Heiligtum behandeln und dass das Bier aus dieser Brüsseler Brauerei einmalig ist.

Die Gärung erfolgt in Holzfässern. Dabei kommt es den Brauern weniger auf Geschmacks- oder Aromastoffe an, sondern das Holz ist in erster Linie erforderlich, damit durch das ein Gasaustausch stattfinden kann, der in den weniger pflegeintensiven Edelstahlfässern nicht möglich ist. Anfangs verläuft die Gärung recht stürmisch, bevor nach drei bis vier Wochen eine langsame Gärung einsetzt, für die die Brauerei satte drei Jahre ansetzt. Aufgrund dieser langen Zeit und einiger spezieller Hefen, die auch nicht gärfähige Zucker verarbeiten können, enthält das Lambik am Ende der Gärung nur sehr wenig Restzucker. Als ich die Brauerei besucht habe, hatten die Brauer die Hefen des aktuellen Suds untersucht und zwei Hefestämme festgestellt, die erwarten lassen, dass das Bier am Ende lediglich 0,2 % Zucker enthalten wird.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, weshalb die Biere aus Belgien, die mit einem Naturkorken verschlossen wurden, zusätzlich einen Kronkorken mitbringen? Auch dieses Rätsel konnte ich bei meinem Besuch lösen. Der Kronkorken sorgt dafür, dass der Naturkorken nicht aus der Flasche gedrückt wird, wenn das Bier ungekühlt gelagert wird, sich im Sommer erwärmt und dabei ausdehnt. Der Kronkorken ersetzt dabei den bei Sekt und Champagner üblichen Drahtverschluss. Und da wir gerade beim Thema Naturkorken sind, hier noch ein Hinweis zur Lagerung: Bekanntlich sollten Bierflaschen bekanntlich stehend gelagert werden. Das ist bei Flaschen mit Naturkorken als Verschluss anders. Bei stehender Lagerung käme der Kork nicht mit dem Bier in Berührung kommen, daher austrocknen und etwas schrumpfen. Luft könnte in die Flasche gelangen und das Bier könnte verderben.

Biertasting bei Hendrick

Craft Beer-Kneipen zu beschreiben verkneife ich mir eher. Und ein Biertasting? Irgendwo in Deutschland findet jeden Tag mindestens eines statt und wenn ich im Voraus davon erfahre, dann weise ich in diesem Blog auch auf dieses Event hin. Aber das Biertasting, das ich heute in Brüssel erlebt habe, ist nach meinem Wissen einmalig und hat daher auch eine Beschreibung verdient.

Eine Lage direkt am Grande Place garantiert schon fast einen Erfolg. Und genau in dieser Lage, in Sichtweite des Rathauses, liegt das Hendrick. Es wird vermutlich keinen Touristen geben, der während seines Aufenthalts nicht mindestens einmal diesen Platz besucht. Aber auch die Einwohner der belgischen Hauptstadt schlagen keinen Bogen um diesen zentralen Platz, insbesondere nicht während der zahlreichen Feste.

Das Hendrick könnte man fast übersehen. Wie in Belgien üblich ist die Straßenfront sehr schmal und dafür geht der Gastraum sehr weit in das Gebäude hinein. Was von außen klein und schnuckelig aussieht, erweist sich von innen als recht geräumig. So auch hier.

Aber das ist noch nicht die Besonderheit. In dieser „Kneipe“ gibt es 44 ständig wechselnde Biere vom Fass. Dafür gibt es hier aber keinen Tresen. Die 44 Zapfhähne sind an der rechten Seite des Gastraums aufgereiht und die Gäste bedienen sich dort selbst. Aber der Reihe nach.

Sobald der interessierte Konsument die Lokalität betritt, heißt es erst einmal warten, denn ohne Einweisung gibt es hier keinen Zutritt. Dabei ist es eigentlich ganz einfach – wenn man weiß, wie es geht. Auf der rechten Seite des Lokals sind insgesamt 44 Zapfhähne zur Selbstbedienung aufgereiht, jeweils nach zwei Hähnen kommt ein kleiner Touchscreen, auf dem angezeigt wird, welche beiden Biere an diesen Hähnen gezapft werden können. Tippt der Gast auf eines der Biere, erhält er noch weitere Infos über das jeweilige Bier, die Brauerei und die Gegend, in der die Brauerei beheimatet ist. Mittels einer Guthabenkarte, die der Gast erwerben muss und auf der sich ein Guthaben von 10 Euro befindet, kann der Gast sich seine Kostprobe zapfen und sie anschließend genießen. Die gezapfte Menge bleibt dem Gast überlassen, aber ich würde empfehlen, immer nur wirklich eine kleine Menge zu zapfen, da das Guthaben ansonsten sehr schnell aufgebraucht ist. Ich habe mit der Karte immerhin 11 Biere verkostet.

Lohnt sich ein Besuch? Für Anfänger beim Thema „belgisches Bier“ ist der Besuch auf jeden Fall empfehlenswert, denn selten bekommt der geneigte Gast eine so große Bierauswahl geboten. Hier kann jeder sein Lieblingsbier suchen und weiß anschließend beim Besuch in einem anderen Lokal, welches Bier er bestellen sollte. Auch für die Vorbereitung eines Biereinkaufs im Supermarkt ist Hendricks sehr gut geeignet. Nichts ist schließlich ärgerlicher als dort das falsche Bier zu bestellen, nur um anschließend festzustellen, dass es ein Fehlkauf war. Um mal ein Bierchen trinken zu gehen ist Hendricks allerdings nicht geeignet. Nicht nur würde mich persönlich dabei die Selbstbedienung stören, sondern wenn wir uns nur einmal den Literpreis ansehen, wirkt ein Besuch auf dem Oktoberfest in München fast wie ein Schnäppchen.