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Wenn Heimbrauer Pfandautomaten hacken: Norwegens Barcode-Lösung für Bierdosen im kritischen Blick

In Norwegen füllen mehr und mehr Hobbybrauer ihre Biere in Dosen ab. Nun ist der norwegische Heimbrauerverband Norbrygg auf eine Idee gekommen. Sie klingt zunächst sympathisch: Der Verband stellt Barcodes bereit, mit denen von Hobbybrauern selbst befüllte Aluminiumdosen über die normalen Pfandautomaten zurückgegeben werden können. Ziel ist es, dass diese Dosen nicht im Restmüll landen, sondern in das bestehende Recycling-System gelangen. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine pragmatische Lösung für ein wachsendes Problem. Bei näherer Betrachtung wirft die Initiative jedoch einige Fragen auf.

Zunächst zeigt die Maßnahme ein strukturelles Problem moderner Getränkekultur: Die Einwegdose setzt sich auch im Hobbybereich zunehmend durch. Während früher Heimbrauer überwiegend Mehrwegflaschen verwendeten, greifen heute viele zu Dosen – nicht zuletzt, weil sie leichter und lichtundurchlässig sind. Dass nun ein eigener Barcode nötig wird, um diese Verpackung überhaupt halbwegs sinnvoll entsorgen zu können, verdeutlicht, wie stark sich auch das Hobbybrauen in Richtung Einweglogik bewegt.

Das norwegische Pfandsystem gilt international als Vorbild, weil es eine sehr hohe Rücklaufquote erreicht. Genau deshalb wirkt es paradox, dass für Heimbrauer erst ein spezieller Workaround geschaffen werden muss. Offensichtlich war das System nie dafür gedacht, privat befüllte Verpackungen aufzunehmen. Die neuen Barcodes sind daher weniger eine elegante Erweiterung als vielmehr ein nachträglicher Versuch, eine Lücke zu schließen, die durch veränderte Konsum- und Verpackungsgewohnheiten entstanden ist.

Ein weiterer Punkt ist die Frage nach den Anreizen. Für die betreffenden Dosen wird ausdrücklich kein Pfand ausgezahlt. Der Barcode dient nur der Registrierung und dem Recycling. Das bedeutet, dass die Motivation zur Rückgabe ausschließlich aus Umweltbewusstsein bestehen muss (wobei ich mich ehrlich gesagt frage, woher das Umweltbewusstsein auf einmal kommen soll, wenn vorher eine Einwegverpackung gewählt wurde). Während das bei engagierten Heimbrauern durchaus funktionieren kann, widerspricht es der Grundidee des Pfandsystems, das gerade über finanzielle Anreize hohe Rücklaufquoten erzielt. Ohne diesen Anreiz könnte die Rückgabequote deutlich niedriger ausfallen.

Auch organisatorisch ist das Modell nicht völlig unproblematisch. Wenn jeder Heimbrauer denselben Barcode verwenden kann, stellt sich die Frage, wie genau die Rückführung der Materialien tatsächlich erfasst wird. Das System registriert zwar eine Dose, aber nicht deren Herkunft. Für das Recycling selbst spielt das möglicherweise keine große Rolle – für eine saubere Systemintegration hingegen schon.

Hinzu kommt eine grundsätzliche ökologische Debatte: Aluminium ist zwar theoretisch nahezu unbegrenzt recycelbar, seine Herstellung ist jedoch äußerst energieintensiv. Selbst wenn Recycling die Umweltbilanz deutlich verbessert, bleibt die Dose eine Einwegverpackung mit relativ hohem Ressourcenaufwand. Kritiker könnten daher argumentieren, dass eine stärkere Förderung von Mehrwegflaschen im Heimbraubereich langfristig nachhaltiger wäre als die Integration zusätzlicher Einwegströme in bestehende Recyclingstrukturen.

Gleichzeitig sollte man die positiven Aspekte der Initiative nicht völlig übersehen. Wenn Aluminiumdosen ohnehin im Umlauf sind, ist es selbstverständlich sinnvoll, sie möglichst effizient in den Materialkreislauf zurückzuführen. Die Kooperation zwischen Norbrygg, dem Pfandsystembetreiber Infinitum und GS1 Norway zeigt außerdem, dass sich auch vergleichsweise kleine Interessengruppen konstruktiv in nationale Recyclingstrukturen einbringen können.

Die Maßnahme ist daher kein großer Durchbruch, eher ein grundsätzlicher Fehltritt. Wir können sie bestenfalls als einen pragmatischen Kompromiss betrachten: eine technische Lösung für ein Problem, das aus veränderten Verpackungsgewohnheiten entstanden ist. Ob sie langfristig erfolgreich ist, wird davon abhängen, ob Heimbrauer die Barcodes tatsächlich nutzen – und ob die Diskussion über Verpackungen im Hobbybraubereich dadurch nicht erst richtig beginnt.

All About … Norwegian Farmhouse Ale

Norwegian Farmhouse Ale hat in den letzten Jahren großes Interesse geweckt, zum Teil wegen der Kveik-Hefe, aber auch, weil es so schwer zu finden ist, sind viele mit dieser Art von Bier nicht vertraut. In diesem Videovortrag geht Lars darauf ein, woher diese Biere kommen, warum sie so sind, wie sie sind, und welche Arten von norwegischem Farmhouse Ale es gibt. Er besucht auch einige Brauer, um zu sehen, was sie tun und wie sie diese Biere brauen. Da für einige dieser Bierstile die Kveik-Hefe verwendet wird, beschäftigt er sich auch damit, was ihre Besonderheiten sind.

Lars Marius Garshol war früher Software-Ingenieur, hat dies aber aufgegeben, um sich voll und ganz der Erforschung und dem Schreiben über traditionelles Hausbrauen zu widmen. Er hat die letzten zehn Jahre damit verbracht, verschiedene Aspekte des Landhausbrauens in ganz Nordeuropa zu erforschen. Er ist der Autor von Larsblog, einem Blog, in dem er über seine Entdeckungen und Reisen berichtet, sowie von Historische Brautechniken: The Lost Art of Farmhouse Brewing und ein Buch über litauisches Bier. Er lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Rælingen, Norwegen.

Da das Video für die European Beer Consumers Union (EBCU) aufgenommen und von ihr veröffentlicht wurde, ist es in englischer Sprache.

BRLO + Lervig – Rosinenbomber

Wer kennt sie nicht, die berühmten Rosinenbomber, die die Versorgung der westberlinger Bevölkerung sicherstellten, als ab dem 24. Juni 1948 die Sowjetunion den Landweg von der BRD nach Westberlin dichtmachte. Daran erinnert dieser Collab Brew der Brauereien BRLO und Lervig (Stavanger, Norwegen). Mit 12 Volumenprozent Alkohol ist der Rosinenbomber ein echtes Schwergewicht im Angebot von BRLO. Jetzt steht er vor mir. Und er ist auch ein Sieger, nämlich in der Kategorie Imperial Stout beim European Beer Star 2019.

Rabenschwarz präsentiert sich der Rosinenbomber im Glas. Die mittelbraune und gemischtporige Schaumkrone ist recht klein und bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Aromen nach Rosinen, dunkler Schokolade, Vanille, Kaffee und getrockneten Birnen steigen mir in die Nase. Obwohl das Bier satte 12 Volumenprozent Alkohol enthält, hält er sich diskret im Hintergrund und unterstützt von dort die anderen Aromen.

Wie erwartet ist der Antrunk recht süß und ich stelle fest, dass die sehr milde Kohlensäure recht knapp dosiert ist. Auf der Zunge kommen die Röststoffe in den Vordergrund mit dem Geschmack nach dunkler Schokolade, Vanille, Karamell und kondierten Früchten. Das Mundgefühl ist schwer und weich. Erst im Abgang kommt erstmals das Bitter in den Vordergrund und auch der Alkohol ist deutlich zu schmecken. Dabei wirkt das Bier aber ausgewogen und mild. Langsam kommt auch der Geschmack nach Expresso auf.

Der Rosinenbomber ist ein ungewöhnliches Bier, das aus der Masse der Imperial Stouts deutlich hervorsticht. Wenn es ein Bier gibt, das sich dem perfekten Bier annähert, dann habe ich es jetzt vor mir stehen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Röstgerste, Hopfen (Herkules), Hefe, Rosinen

Alkoholgehalt:

12,0 % Vol.

Stammwürze:

27° Plato

Bittereinheiten:

80 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

12° – 14 ° Celsius

Brauerei:

BRLO GmbH
Schöneberger Str. 16
10963 Berlin
www.brlo.de

in Zusammenarbeit mit

Lervig Aktiebryggeri
Vierveien 1
Hillevåg
4016 Stavanger
Norwegen
www.lervig.no

Onkel i Amerika

Kreuzfahrt auf der Hurtigruten gemacht hat. Dort ist die Austmann Bryggeri beheimatet, von der das Session IPA stammt, das jetzt vor mir steht.

Hell bernsteinfarben läuft das Bier ins Glas. Die gemischtporige Schaumkrone ist klein und fällt auch schnell in sich zusammen.

Düfte nach Grapefruit, Orangenschale, gelben Äpfeln und Vanille steigen mir in die Nase. Das Aroma ist ungewöhnlich, aber es gefällt mir auch.

Der Antrunk ist fruchtig und recht süß. Obwohl ich in der Regel kein großer Freund süßer Biere bin, gefällt dieses Bier von Anfang an. Auf der Zunge ist das Onkel i Amerika für ein Session IPA nur wenig bitter und die ungeheure Fruchtigkeit sorgt für eine hervorragende Drinkability. Auch der Abgang ist fruchtig und mild. Der Geschmack klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Brauerei:

Austmann Bryggeri AS
Bynesveien 48
7018 Trondheim