Hamburger Craft-Brauerei Landgang meldet Insolvenz an

Die Zeiten für Brauereien in Deutschland sind alles andere als einfach. Steigende Energie- und Rohstoffpreise, ein rückläufiger Bierkonsum und wirtschaftlicher Druck setzen der Branche zunehmend zu. Nun hat es auch eine bekannte Craft-Brauerei im Norden getroffen: Die Hamburger Brauerei Landgang hat Insolvenz angemeldet. Trotz dieser Entwicklung zeigt sich das Team jedoch erstaunlich optimistisch.

Der deutsche Biermarkt befindet sich seit Jahren im Wandel. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist der Absatz von Bier deutlich zurückgegangen. Im vergangenen Jahr lag er rund 19 Prozent unter dem Niveau von 2015 – ein historischer Rückgang, der viele Brauereien in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringt.

Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass immer mehr Betriebe ums Überleben kämpfen. Dennoch ist die Situation bei Landgang etwas anders gelagert. Die Brauerei hat zwar ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt, kämpft jedoch nicht mit fehlender Nachfrage.

Bier-Sommelier und Marketingchef „Mitti“ betont, dass die Stimmung im Unternehmen trotz der Situation positiv sei. Der Betrieb laufe ganz normal weiter. Veranstaltungen wie Pubquiz-Abende, Bingo-Events, Brauereiführungen oder Braukurse fänden weiterhin statt. Auch der Ausschank in der Brauerei sei uneingeschränkt geöffnet. Die Botschaft des Teams ist klar: Hopfen und Malz sind noch lange nicht verloren.

Die Landgang Brauerei gehört zu den bekanntesten Vertretern der norddeutschen Craft-Bier-Szene. Gegründet wurde sie 2015, damals noch unter dem Namen Hopper Bräu. Seitdem hat sich der Betrieb stetig weiterentwickelt und gilt heute als drittgrößte Brauerei Hamburgs.

Die Produktionshalle im Stadtteil Bahrenfeld ist für viele Bierfans ein beliebter Treffpunkt geworden. In der Brauereibar werden von Mittwoch bis Samstag verschiedene frisch gebraute Biere direkt vom Fass ausgeschenkt. Das Sortiment reicht von klassischen Stilen wie einem Nordsee Pils bis hin zu experimentellen Sorten wie Hazy IPAs oder fruchtigen Sauerbieren. Dazu werden Pizza und Flammkuchen serviert, was die Brauerei zu einem beliebten Ausflugsziel für Bierliebhaber macht.

Dass Landgang nun selbst in die Insolvenz geraten ist, hat eine gewisse Ironie. Erst im Sommer 2025 hatte das Unternehmen die angeschlagene Kieler Craft-Brauerei Lille übernommen und damit rund 30 Arbeitsplätze gesichert. Die Hamburger galten damals als Retter der norddeutschen Craft-Bier-Szene. Nun müssen sie selbst um ihre wirtschaftliche Zukunft kämpfen.

Der Grund dafür liegt jedoch nicht in mangelndem Interesse der Kunden. Laut Unternehmensangaben bleibt die Nachfrage nach den Bieren stabil. Vielmehr machen steigende Energiepreise und höhere Kosten für Rohstoffe der Brauerei zu schaffen.

Eigentlich müssten die Bierpreise deutlich erhöht werden, um diese Kosten auszugleichen. Doch genau das möchte das Unternehmen vermeiden. Viele Verbraucher hätten derzeit selbst weniger Geld zur Verfügung. Eine starke Preiserhöhung würde daher vermutlich auch die treue Kundschaft belasten.

Mit diesem Problem steht Landgang nicht allein da. Viele kleinere Craft-Brauereien leiden derzeit unter denselben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Anders als große Brauereikonzerne verfügen sie jedoch selten über ausreichende finanzielle Reserven, um solche Kostensteigerungen langfristig abzufedern.

Das Amtsgericht Hamburg hat inzwischen ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet und den Rechtsanwalt Kévin Paul-Hervé Tanguy als Insolvenzverwalter eingesetzt. Seine Aufgabe wird es sein, das Unternehmen wirtschaftlich neu aufzustellen und eine langfristige Perspektive zu entwickeln.

Der laufende Betrieb soll währenddessen unverändert weitergehen. Ausschank, Veranstaltungen und Produktion laufen weiterhin wie gewohnt. Gleichzeitig sucht das Unternehmen nach Investoren, die helfen könnten, die Brauerei dauerhaft zu stabilisieren.

Beim Landgang-Team ist man überzeugt, dass sich dieser Weg lohnt. Die Brauerei feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen und beschäftigt rund 60 Mitarbeitende, viele davon in Teilzeit. Für sie steht fest: Das Projekt soll weitergehen.

Die Botschaft aus Hamburg-Bahrenfeld ist daher trotz Insolvenz erstaunlich optimistisch. Landgang sieht die aktuelle Situation nicht als Ende, sondern als Chance für einen Neustart. Oder wie Marketingchef „Mitti“ es formuliert: Die Brauerei gibt es seit zehn Jahren – und sie soll auch in zehn Jahren noch Bier brauen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.