Italien modernisiert sein Biergesetz: Ende einer Verordnung aus dem Jahr 1970

Italien gönnt seinem Bierrecht eine Frischzellenkur. Nach über fünf Jahrzehnten soll eine Vorschrift aus dem Jahr 1970 endlich in den wohlverdienten Ruhestand geschickt werden. Der italienische Senat hat im Rahmen des sogenannten KMU-Gesetzes eine Änderung verabschiedet, die den Weg für moderne Regeln zur Bierherstellung frei macht.

Konkret bedeutet das: Innerhalb von 180 Tagen nach Veröffentlichung im Amtsblatt muss ein interministerielles Dekret neue analytische Merkmale und aktualisierte Qualitätsanforderungen für verschiedene Biersorten festlegen. Zuständig sind gleich mehrere Ministerien – darunter das Landwirtschaftsministerium, das Wirtschaftsministerium sowie das Gesundheitsministerium. Sobald das Dekret in Kraft tritt, wird das bisherige Präsidialdekret 1498 aus dem Jahr 1970 offiziell ersetzt.

Für viele in der Branche kommt diese Reform längst überfällig. Vor allem kleinere unabhängige Brauereien litten bislang unter einer Regelung, die aus einer Zeit stammt, als Craftbier eher nach Science-Fiction klang als nach Getränkekarte.

Der Verband Unionbirrai, der die Interessen kleiner italienischer Brauereien vertritt, spricht deshalb von einem historischen Schritt. Generaldirektor Vittorio Ferraris betont, dass nun endlich der Weg für eine Gesetzgebung frei sei, die mit der Entwicklung der Produktion, europäischen Standards und der steigenden Qualität italienischer Biere Schritt halten könne.

Auch politisch hatte die Reform einige Stationen zu durchlaufen. Maßgeblich vorangetrieben wurde die Änderung von Senator Luca De Carlo, dem Vorsitzenden der Landwirtschaftskommission im Senat. Nach der Zustimmung in beiden Parlamentskammern ist die Grundlage nun geschaffen.

Ganz erledigt ist die Arbeit damit allerdings noch nicht. In den kommenden sechs Monaten müssen die konkreten technischen Details ausgearbeitet werden. Unionbirrai hat bereits angekündigt, sich aktiv an den Gesprächen zu beteiligen und ihr Fachwissen einzubringen.

Die Branche hofft nun auf Tempo. Denn wenn alles nach Plan läuft, könnte Italien schon bald ein Biergesetz bekommen, das besser zur modernen Braulandschaft passt – und damit zu einem Land, das längst nicht mehr nur für Wein und Espresso bekannt ist, sondern zunehmend auch für spannende Biere.

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