Die Astra St. Pauli Brauerei galt lange als Rückkehr einer Kultmarke an ihren Ursprungsort. 2018 am Nobistor eröffnet, sollte sie das Bier von Astra Bier wieder erlebbar auf den Kiez bringen – als Mischung aus Brauerei, Gastronomie und Markenwelt. Nun steckt das Projekt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Insolvenz in Eigenverwaltung
Wie aus einer Bekanntmachung des Insolvenzgerichts hervorgeht, hat die Brauerei Insolvenz angemeldet. Gleichzeitig wurde eine sogenannte Eigenverwaltung angeordnet. Das bedeutet: Das Unternehmen bleibt handlungsfähig und versucht, sich unter Aufsicht eines Sachwalters selbst zu sanieren. Eingesetzt wurde dafür ein Vertreter der Hamburger Kanzlei Münzel & Böhm.
Für Gäste und Besucher gibt es zunächst keine unmittelbaren Veränderungen. Der Betrieb der Brauerei sowie des angeschlossenen Restaurants läuft vorerst weiter. Eine offizielle Stellungnahme zu den genauen Hintergründen der Insolvenz steht bislang noch aus.
Symbolische Rückkehr auf den Kiez
Die Bedeutung der Brauerei reicht über den reinen Geschäftsbetrieb hinaus. Jahrzehntelang wurde Astra auf St. Pauli in der früheren Bavaria-Brauerei gebraut. Mit der Eröffnung der neuen Brauerei am Nobistor kehrte die Marke symbolisch an ihren Ursprungsort zurück – wenn auch unter veränderten Bedingungen.
Heute gehört die Marke Astra gemeinsam mit Holsten zum dänischen Konzern Carlsberg Group. Dieser betonte jedoch, dass die Astra St. Pauli Brauerei rechtlich eigenständig sei und nie direkt zum Konzern gehört habe. Es habe lediglich eine enge Partnerschaft gegeben, insbesondere bei der Nutzung der Marke. Ziel sei gewesen, Astra auf dem Kiez erlebbar zu machen und neue Produktideen zu entwickeln.
Branche unter Druck
Die Insolvenz fällt in eine Zeit, in der die gesamte Brauwirtschaft in Deutschland unter Druck steht. Laut Einschätzung von Carlsberg haben sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Steigende Energie- und Rohstoffpreise belasten die Produktion, gleichzeitig fehlt es vielerorts an Fachkräften.
Hinzu kommt ein verändertes Konsumverhalten. Weniger Besuche in der Gastronomie und ein insgesamt rückläufiger Bierkonsum treffen besonders kleinere und mittelständische Betriebe. Gerade Projekte wie die Astra St. Pauli Brauerei, die stark auf Gastronomie und Markenerlebnis setzen, sind davon in besonderem Maße betroffen.
Wie es weitergeht
Ob und wie die Brauerei langfristig fortgeführt werden kann, ist derzeit offen. Die Eigenverwaltung bietet zumindest die Chance, den Betrieb zu stabilisieren und neu auszurichten. Für den Moment bleibt die Hoffnung, dass die symbolische Rückkehr von Astra auf den Kiez nicht zu einem kurzen Kapitel wird.