Brauhaus Wiesen – Frühlingsbock

Im Bürgerlichen Brauhaus Wiesen im idyllischen Hochspessart – dort wo grüne Wälder und sanfte Hügel den Horizont prägen – wird seit 1888 Bier gebraut: regional und handwerklich. Die Brauerei nutzt das weiche Wasser des Aubachs und Malz & Hopfen aus dem fränkischen Umland, um eine ganze Palette klassischer und saisonaler Biere zu brauen.

Einer der Stars im Portfolio ist der Wiesener Frühlingsbock – ein saisonaler Bock, der nach rund 12 Wochen Reifung im kühlen Lagerkeller zur Fastenzeit und im Frühling bereit ist, die Biervielfalt des Jahres zu eröffnen und der jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Orangefarben und kristallklar fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine vergleichsweise kleine weiße Schaumkrone, die aber sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier also eine richtig gute Figur.

Düfte nach Karamell, Honig und Trockenpflaumen steigen mir in die Nase, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und spritzig. Die Süße bleibt auch am Gaumen erhalten, dazu kommen die fruchtigen Noten und auch eine deutliche Bittere, die aber noch Platz für die anderen Aromen lässt. Das Mundgefühl ist weich und voll, auch wenn der Alkohol leicht durchschmeckt. Alles in Allem ist der Frühlingsbock aus dem Brauhaus Wiesen ein süffiges Bier. In der Kehle dominiert eine freundliche und nicht zu kräftige Bittere, die sehr lange nachklingt.

Zu diesem Bier kann ich mir einen alten Hartkäse vorstellen, der kräftig genug ist, um neben dem Bier zu bestehen und der gleichzeitig einen charmanten Gegensatz zur Süße dieses Frühlingsbocks bildet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

17,5° Plato

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brauhaus Wiesen
Hauptstr. 97
63831    Wiesen
www.brauhaus-wiesen.de

Hawidere in Rudolfsheim-Fünfhaus: 25 Jahre Bierkultur und gute Taten

Am 16. März 2001 öffnete das Hawidere in Rudolfsheim-Fünfhaus zum ersten Mal seine Türen – und seitdem hat es sich als wahres Paradies für Bierliebhaber in Wien etabliert. In einem Gasthaus aus den 1920er Jahren, mit alter Lamperie an den Wänden und einem uralten Holzboden, herrscht eine warme, gemütliche Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.

Die Auswahl an 14 Fassbieren legt den Fokus auf österreichische Privatbrauereien, ergänzt durch internationale Spezialitäten und spannende Craft Biere. Das Hawidere ist längst kein Geheimtipp mehr: Zahlreiche Auszeichnungen wie „Wiener Bierlokal des Jahres“, Gold bei der Brussels Beer Challenge, Erfolge bei den World Beer Awards und der Staatsmeistertitel bei der Austrian Beer Challenge dokumentieren die exzellente Bierkompetenz des Hauses.

Drei Biersommeliers stehen den Gästen mit Rat und Tat zur Seite und empfehlen das perfekte Bier zu jeder Speise. Zum 25-jährigen Jubiläum hat das Team ein spezielles Jubiläumsbier kreiert – ein Muss für alle Fans der flüssigen Kunst.

„Ich bedanke mich bei all unseren Gästen, die uns über die Jahre die Treue gehalten haben“, so Inhaber Adalbert Windisch. Gefeiert wird vom 12. bis 14. März mit täglichem Holzfassanstich und Live-Musik bei freiem Eintritt – ein Fest für alle Sinne.

Doch das Hawidere denkt nicht nur ans Genießen: Am 24. Mai findet erneut das „Burger Essen für die Gruft“ statt. Der gesamte Erlös aller an diesem Tag verkauften Burger wird an die Gruft gespendet. Bisher konnte das Hawidere im Rahmen dieser Benefizaktion beeindruckende 55.000 Euro für Hilfsorganisationen sammeln – ein Beweis, dass Genuss und soziales Engagement bestens zusammenpassen.

Ob zum Biergenuss, für gute Musik oder um Gutes zu tun – das Hawidere bleibt ein Fixpunkt in der Wiener Bierlandschaft, der Tradition, Geschmack und Herzblut verbindet.

De Glazen Toren – Jan de Lichte

Witbier ist ein belgischer Weizenbierstil, der traditionell mit Koriandersamen und Orangenschalen gewürzt wird. Es ist hell, naturtrüb, spritzig und lebt weniger von Hopfenbittere als von frischen, würzigen und zitrusartigen Aromen. Und genau hier setzt das Jan de Lichte der belgischen Brauerei De Glazen Toren an – allerdings nicht leise und zurückhaltend, sondern mit ordentlich Charakter.

Golden wie frisches trockenes Weizenstroh und mit einer kräftigen Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine feste schneeweiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

In der Nase stehen frische Zitrusnoten im Mittelpunkt: Banane, Orange, und ein Hauch Zitrone. Abgerundet wird das Aroma durch die Würzigkeit des Korianders. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk überzeugt durch seine stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge zeigt sich, dass Süße, Säure und Bittere gut ausbalanciert sind. Auch jetzt stehen die fruchtigen Aromen im Mittelpunkt, während die würzigen Noten des Korianders und der Orangenzesten erst langsam zum Tragen kommen. Da die sieben Volumenprozent Alkohol gut eingearbeitet sind, ergibt sich ein samtiges Mundgefühl. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere dominiert gemeinsam mit der Fruchtigkeit. Obwohl sie durchaus dezent bleiben, klingen sie sehr lange nach.

Jan de Lichte verbindet die typische Frische eines Witbiers mit der Intensität eines starken belgischen Ales. Ideal zu leichten Fischgerichten, Ziegenkäse oder einfach als Solist an einem warmen Abend, wenn man dem Glas gern etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Brouwerij de Glazen Toren
Glazentorenweg 11
9420 Erpe-Mere
Belgien
www.glazentoren.be

Störtebeker bringt sein Wild Coast-Ale, ein fruchtiges Ale mit leichter Bittere auf den Markt

Auch wenn der Sommer noch fern ist, bringt das Wild Coast-Ale von Störtebeker schon etwas sonnige Frische ins Glas. Das Bier zeichnet sich durch eine kräftige Trübung und fruchtige Aromen aus, die vor allem an Mango und Passionsfrucht erinnern.

Störtebeker teilt mit, dass im Vergleich zu klassischen Ales das Wild Coast-Ale überraschend leicht wirkt. Der Einsatz spezieller Aromahopfensorten sorgt dafür, dass die Bittere nicht zu dominant ist und das Bier einen weichen, cremigen Körper behält. Dadurch eignet es sich gut für Einsteigerinnen in die Welt der hopfenbetonten Ales, aber auch für erfahrene Biertrinkerinnen, die Lust auf etwas Neues haben.

Besonders bemerkenswert ist, dass das Wild Coast-Ale sowohl mit als auch ohne Alkohol erhältlich ist. Beide Varianten teilen denselben fruchtigen Charakter und die leichte Textur, wodurch auch alkoholfreie Bierliebhaber*innen nicht auf das Geschmackserlebnis verzichten müssen.

Mit der Einführung des Wild Coast-Ales ergänzt Störtebeker sein Portfolio um ein frisches, leicht zugängliches Ale neben Klassikern wie Atlantik-Ale, Pazifik-Ale oder dem New England IPA. Die Variante ohne Alkohol reagiert auf die gestiegene Nachfrage nach alkoholfreien Bieren, ohne die Aromenvielfalt einzuschränken.

Auch wenn das Wild Coast Ale derzeit nur im Viererpack im Onlineshop vo Störtebejer erhältlich ist, hoffe ich, dass es auch zeitnah in den Handel kommen wird.

Schäffler – Weizen

Mitten im malerischen Allgäu, im kleinen Ort Missen-Wilhams, befindet sich die Schäffler Bräu – eine echte bayerische Familienbrauerei, die seit 1868 in Betrieb ist und heute in der 6. Generation von Sebastian, Nadine und Florian Graßl geführt wird. Was die Schäffler Bräu so sympathisch macht? Hier treffen tiefe Tradition und frische Ideen aufeinander: Alt eingesessene Braukunst wird mit Offenheit für Neues kombiniert – nach dem Motto „Tradition meets Zukunft“.

Die Brauerei ist nicht nur ein Ort der Bierherstellung, sondern auch ein Stück Dorfleben im Allgäu. Mit einem angeschlossenen Brauereigasthof kann man hier nicht nur das eigene Bier genießen, sondern auch gemütlich essen und regionale Gastfreundschaft erleben.

Im Sortiment stehen klassische bayerische Bierstile wie Allgäuer Hell, Zwickl (naturtrüb), Weizen oder saisonale Spezialitäten – und sogar ein frisch gehopftes Grünhopfenbier, bei dem der Hopfen direkt vom Feld in den Sud geht. Jetzt steht aber das Weizenbier vor mir.

Beim Eingießen zeigt sich das Schäffler Bräu Weizen in einem einladenden, bernstein- bis honiggelben Ton, hefetrüb und mit einer festen Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch ist an diesem Bier schon mal nichts auszusetzen.

Das Aroma des Weizenbiers von Schäffler ist stiltypisch: Düfte nach Banane und Nelke steigen mir in die Nase, abgerundet durch den Teigduft der Hefe. Da bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch und spritzig mit einer verhaltenen Süße. Auf der Zunge treten Frucht und Hefe gemeinsam in den Vordergrund, so dass das Bier mich beinahe an Bananenbrot erinnert. Die Bittere hält sich stiltypisch im Hintergrund, dafür betritt jetzt ein angenehmer Karamellgeschmack die Bühne. Das Mundgefühl ist weich und das Bier ist ungeheuer süffig. In der Kehle wird die Bittere überraschend kräftiger und sie klingt sehr lange nach.

Ich sage es ja nicht gerne, aber das Schäffler Weizen ist eines der besten Weizenbiere, die ich bislang getrunken habe.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Schäffler-Bräu
Hauptstraße 17
87547 Missen
https://schaeffler-braeu.de/

Vom Sudhaus zur Supermesse: Warum 2025 ein starkes Jahr für die Bier- und Getränke­welt war

Beim Wort „Getränkemesse“ denken viele an ein paar Zapfhähne, kleine Probiergläser und Menschen, die fachmännisch an irgendetwas Nussigem, Malzigem oder Hopfigem schnuppern. In Wahrheit sind solche Messen eher die Maschinenräume der Branche. Hier wird nicht nur probiert, hier wird entschieden, wie unser Bier (und alles andere Flüssige) morgen gebraut, abgefüllt und verkauft wird.

2025 hat gezeigt: Die Getränkeindustrie steht nicht still, sie sprintet. Effizienz, neue Produkte, digitale Werkzeuge und globale Vernetzung bestimmen das Tempo – egal ob kleine Stadtbrauerei oder weltweiter Getränkeriese.

München als Epizentrum der Flüssig-Zukunft

Das Herz dieses Innovationsjahres schlug in München auf der drinktec. Über 58.000 Besucher aus 164 Ländern und mehr als 1.100 Aussteller verwandelten die Messe in ein gigantisches Labor für alles, was man trinken kann.

Zwischen Edelstahlkolossen und Hightech-Leitständen ging es um die komplette Reise des Getränks: vom Rohstoff über den Sudkessel und die Gärtanks bis hin zu Logistik, Verpackung und Vermarktung. Auch künstliche Intelligenz war kein Fremdwort mehr, sondern Werkzeugkasten. Absatzprognosen, Produktionsplanung, Wartung von Anlagen – vieles wird smarter, vernetzter und vorausschauender.

Oder einfacher gesagt: Wer morgen noch gutes Bier brauen will, muss heute schon digital denken.

Wenn Tradition auf Touchscreen trifft

Spannend ist, dass diese Technik nicht nur für industrielle Massenproduktion gedacht ist. Die Branche ist extrem vielfältig. Neben globalen Konzernen gibt es unzählige mittelständische und kleine Brauereien. Entsprechend breit ist das Angebot: vom vollautomatischen Großbetrieb bis zur kompakten, intelligent gesteuerten Anlage für die urbane Mikrobrauerei.

Künstliche Intelligenz hilft dabei, Schwankungen auszugleichen: weniger Ausschuss, konstantere Qualität, bessere Planbarkeit. Für Brauer heißt das nicht weniger Handwerk, sondern mehr Kontrolle über das Ergebnis im Glas.

Weltweite Bühnen für flüssige Ideen

2025 war nicht nur in München etwas los. In Chicago feierte die EATS ihre Premiere mit starker Getränketechnik-Beteiligung. Für den nordamerikanischen Markt ein deutliches Zeichen: Getränketechnologie bekommt eine eigene, gewichtige Plattform.

In Mainz traf sich die Weinwelt zum DWV-Kongress – ebenfalls mit Technik-Know-how aus der Getränkebranche. Klingt nach einem Abstecher zum Nachbarn, ist aber hochinteressant für Brauer. Viele Lösungen funktionieren branchenübergreifend, und ein Thema verbindet alle: alkoholfreie und alkoholreduzierte Varianten gewinnen rasant an Bedeutung.

Was beim Wein funktioniert, kann auch beim Bier spannend werden – und umgekehrt.

Indien dreht den Hahn auf

Ein echtes Highlight war die drinktec India in Mumbai. Über 20.000 Fachbesucher zeigten, wie groß der Modernisierungsdrang auf dem indischen Subkontinent ist. Neue Brauereien, neue Abfülllinien, neue Verpackungskonzepte – der Markt wächst und sucht aktiv nach internationalem Know-how.

Für europäische Brau- und Getränketechnik ist das eine riesige Chance. Wo neue Sudhäuser geplant oder alte Anlagen modernisiert werden, sind Erfahrung und ausgereifte Technik gefragt.

Was wir davon im Glas merken

All das klingt nach viel Stahl, Software und Statistik. Aber am Ende geht es um etwas sehr Konkretes: das Bier vor unserer Nase.

Effizientere Prozesse sparen Energie und Rohstoffe. Präzisere Gärführung sorgt für gleichbleibenden Geschmack. Neue Technologien machen stabile alkoholfreie Biere oder ganz neue Stilinterpretationen möglich. Kurz: Die Hightech von der Messe landet früher oder später als Qualität, Vielfalt und manchmal auch als Überraschung in unserem Glas.

Die Zukunft des Bieres wird also nicht nur im Sudkessel entschieden, sondern auch in Messehallen voller Sensoren, Bildschirme und Ideen.

Der Blick nach vorn

Die nächsten Termine stehen schon fest. 2026 geht es nach Shanghai, wieder nach Mumbai und nach Nürnberg zur BrauBeviale. 2027 ruft erneut Chicago.

Für die Branche heißt das: weiter tüfteln, weiter vernetzen, weiter verbessern.

Für uns Bierfans heißt das: Es bleibt spannend. Nicht nur auf Messen – sondern bei jedem Schluck.

Brasserie Minne – Ardenne Stout

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Brasserie Minne im wallonischen Somme Leuze vor mir. Bislang haben mir alle Biere dieser Brauerei sehr gut gefallen, so dass ich auch jetzt auf eine angenehme Verkostung hoffe. Öffne ich also die Flasche.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine feinporige haselnussbraune Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Schon optisch macht das Bier klar, dass es ernst meint.

Das Aroma ist eindeutig malzbetont. Ich rieche dunkle Schokolade und Kaffee, frisch geröstetes Malz und Kandis. Dazu kommt noch ein Hauch Lakritz. Wenn das Bier so schmeckt wie es riecht, kann es mich nur begeistern.

Der Antrunk zeichnet sich durcheine stiltypische Süße aus, während die reichlich dosierte feinperlige Kohlensäure für eine angenehme Frische sorgt. Am Gaumen geht die Süße zurück und die Röstaromen kommen in den Vordergrund. Sie bringen eine angenehme Bittere mit, die sehr schön mit den Schokoladen- und Kaffeearomen spielt. Das Mundgefühl ist überraschend schlank, dabei aber weich bis cremig. Wie ich es bei einem Stout erwarte, bleibt der Hopfen diskret im Hintergrund und liefert lediglich eine leichte herbe Note, die dem Bier seine Tiefe verleiht. Erst in der Kehle kommt die Bittere richtig hervor und sorgt für einen recht langen Nachklang

Das Ardenne Stout von der Brasserie Minne ist ein klassisches, handwerklich gebrautes Stout, das weniger auf Wucht als auf Balance setzt. Ideal für ruhige Abende, zu reifen Hartkäsen, Karamellpudding oder einfach pur, wenn man Lust auf ein unaufgeregtes, stiltreues dunkles Bier hat.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Invertzucker, Hopfen (Mosaic, Belgian Golding und Hallertau), Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

60 IBU

Brauerei:

Brasserie Minne
ZA Nord Bailonville 9
5377 Somme Leuze
Belgien
www.brasserieminne.be

Schneider Weisse übernimmt Weltenburger und Bischofshof – Regensburger Brauerei vor dem Aus

Ein Stück bayerischer Biergeschichte bekommt ein neues Kapitel – eines mit Licht und Schatten. Die Marken Weltenburger und Bischofshof wechseln den Besitzer: Die Kelheimer Familienbrauerei Schneider Weisse übernimmt die Markenrechte und sichert damit die Zukunft der Klosterbrauerei Weltenburg. Für den Standort Regensburg bedeutet diese Entscheidung allerdings das Aus.

Wie die beteiligten Unternehmen gemeinsam mitteilten, soll der Übergang zum 1. Januar 2027 wirksam werden. Mit dem Schritt übernimmt Schneider Weisse zwei klangvolle Namen der bayerischen Braukultur – und setzt zugleich ein Zeichen für Konsolidierung in einem Markt, der seit Jahren unter Druck steht.

Gerade Weltenburg hat dabei eine enorme symbolische Strahlkraft. Am berühmten Donaudurchbruch wird nach Angaben der Betreiber bereits seit dem Jahr 1050 Bier gebraut. Die Klosterbrauerei gilt damit als älteste ihrer Art weltweit und gehört zu einem sehr exklusiven Kreis: In ganz Deutschland existieren nur noch etwa zehn Brauereien, die sich tatsächlich als „echte“ Klosterbrauereien bezeichnen dürfen. Diese Tradition soll fortgeführt werden – ein wichtiges Signal für Liebhaber klassischer bayerischer Braukunst.

Deutlich weniger erfreulich fällt die Bilanz für Regensburg aus. Die Brauerei Bischofshof soll zum 31. Dezember 2026 schließen. Etwa 56 Beschäftigte sind davon betroffen. Die Geschäftsführung spricht von einer notwendigen Entscheidung, da ein wirtschaftlich tragfähiger Alleingang nicht mehr möglich gewesen sei. Gleichzeitig wird der Schritt als „bayerische Lösung“ bezeichnet – auch deshalb, weil die Marken innerhalb der Region bleiben.

Für die Mitarbeiter wurden sozialverträgliche Lösungen angekündigt. Gespräche mit dem Betriebsrat sollen ebenso stattfinden wie Bemühungen, Beschäftigte in andere Unternehmen der Getränkebranche zu vermitteln. Ein Teil des Betriebs bleibt erhalten: Sowohl die Klosterbrauerei Weltenburg als auch der Logistikbereich von Bischofshof mit 21 Mitarbeitenden sollen weitergeführt werden.

Eigentümer von Bischofshof ist eine Stiftung des Bistums Regensburg. Über finanzielle Details des Verkaufs wurde Stillschweigen vereinbart. Branchenkreise gehen jedoch davon aus, dass die Produktion der übernommenen Marken künftig gebündelt wird. Perspektivisch soll das Bier in Weltenburg sowie am Stammsitz von Schneider Weisse in Kelheim gebraut werden. Dort sollen in den kommenden Jahren die nötigen technischen und logistischen Voraussetzungen geschaffen werden.

Der Hintergrund dieses Umbruchs reicht weit über die beteiligten Brauereien hinaus. Der deutsche Biermarkt hat in den vergangenen 15 Jahren rund ein Viertel seines Absatzes verloren. Sinkender Konsum, steigende Kosten und veränderte Trinkgewohnheiten setzen vor allem traditionsreiche Betriebe zunehmend unter Druck. Zusammenschlüsse, Markenverkäufe und Standortschließungen sind längst keine Ausnahme mehr.

Der Deal zwischen Schneider Weisse, Weltenburger und Bischofshof zeigt exemplarisch, wie eng Bewahrung und Verlust derzeit beieinanderliegen: Auf der einen Seite wird ein einzigartiges klösterliches Brauerbe gesichert, auf der anderen verschwindet ein traditionsreicher Braustandort aus Regensburg. Ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die bayerische Bierlandschaft im Wandel befindet – leise, aber unumkehrbar.

Roman – Adriaen Brouwer Oaked Winter Edition

Draußen liegt der Schnee, ich sitze im Warmen und vor mir steht ein Belgian Strong Ale mit 10 Volumenprozent Alkohol, im Eichenfass gereift und als Winter Edition gekennzeichnet. Die Fässer waren vorher mit Sherry und Whisky belegt.

Hinter dem Adriaen Brouwer Oaked steht die Brouwerij Roman, eine der traditionsreichsten Brauereien Belgiens. Sie wurde bereits 1545 in Mater (in der Nähe von Oudenaarde, Belgien) gegründet und gilt als älteste durchgängig familiengeführte Brauerei des Landes. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich Brouwerij Roman vom regionalen Produzenten klassischer Braustile zu einer Brauerei mit einer vielfältigen Palette an Spezialbieren entwickelt. Heute umfasst das Sortiment unter anderem traditionelle belgische Stile wie Tripel, Dubbel und Abteibiere, aber auch moderne Interpretationen und saisonale Spezialitäten wie das Adriaen Brouwer Oaked.

Was will ich mehr? Beginne ich also mit der Verkostung.

Rubinrot und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine beige feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Besser kann das Bier nicht aussehen.

In der Nase sind Aromen nach Holz, Rosinen und Schokolade präsent, unterstützt durch würzige Noten, die an frisch gemahlenen Pfeffer erinnern. Auch die Süße des Malzes kommt mit dem Duft nach Karamell zum Tragen. Die deutliche Alkoholnote stört nicht, sondern unterstützt die anderen Aromen angenehm.

Beim ersten Kontakt des Bieres mit der Zunge dominieren eine angenehme Malzsüße sowie eine sehr feinperlige und trotzdem kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge wird die Süße noch kräftiger und jetzt kann ich auch den Geschmack von Kandis feststellen, der gut mit den an Trockenfrüchte erinnernden Aromen und dem Holzton zusammenpasst. Säure kann ich nicht feststellen, auch die Bittere ist sehr zurückhaltend. Insgesamt entsteht ein samtiges Mundgefühl. Auch wenn die Bittere in der Kehle etwas kräftiger wird, bleibt sie doch zurückhaltend. Der Alkohol wärmt im Magen. Leider klingt der Geschmack nicht allzu lange nach.

Das Bier eignet sich gut als Genuss zum Dessert oder zu kräftigem Käse. Auch allein am Kamin kann ich es mit in der Winterzeit vorstellen.

Das Adriaen Brouwer Oaked Winter Edition ist mehr als nur ein Winterbier – es ist ein komplexer, kraftvoller Ausdruck belgischer Braukunst, der Tradition und kreatives Fass‑Aging vereint. Und hinter ihm steht mit Brouwerij Roman eine Brauerei mit fast fünf Jahrhunderten Geschichte, die bis heute klassische Werte und moderne Bierkultur gleichermaßen hochhält.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Gerste, Karamell Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

 10 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brouwerij Roman
Hauwaart 105
9700 Oudenaarde
Belgien
www.romanshop.be

Brauhaus Leikeim muss Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden

Die fränkische Brauerei Leikeim steht vor einer der größten Herausforderungen ihrer langen Geschichte. Das Brauhaus Altenkunstadt Andreas Leikeim GmbH & Co. KG hat beim zuständigen Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ziel dieses Schritts ist es nicht, den Betrieb einzustellen, sondern im Gegenteil: die traditionsreiche Familienbrauerei neu aufzustellen und für die Zukunft abzusichern.

Geschäftsführer Andreas Leikeim macht keinen Hehl aus den Gründen für diesen Schritt. In den vergangenen Jahren habe sich die Absatz- und Umsatzentwicklung spürbar verschlechtert, was letztlich zu einem Liquiditätsengpass geführt habe. Der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung sei daher notwendig gewesen, um rechtzeitig gegenzusteuern und Handlungsspielraum für eine Sanierung zu gewinnen.

Die Ursachen liegen dabei weniger in unternehmerischen Fehlentscheidungen als vielmehr in den schwierigen Rahmenbedingungen des deutschen Biermarktes. Sinkender Bierkonsum, stetig steigende Kosten in nahezu allen Bereichen und die wirtschaftlichen Nachwirkungen der Corona-Pandemie haben auch Leikeim stark zugesetzt. Wie viele mittelständische Brauereien spürt das Unternehmen den strukturellen Wandel der Branche besonders deutlich.

Ganz untätig ist man in Altenkunstadt allerdings nicht geblieben. In den vergangenen Jahren hat Leikeim versucht, mit verschiedenen Maßnahmen gegenzuhalten: Der Export wurde ausgebaut, zusätzliche Dienstleistungen für andere Brauereien angeboten, in alkoholfreie Produkte investiert und an vielen Stellen gespart. Doch trotz dieser Anstrengungen ließen sich die langfristigen Belastungen nicht vollständig kompensieren.

Dabei steht Leikeim für weit mehr als reine Produktionszahlen. Seit über 135 Jahren ist die Marke ein fester Bestandteil der fränkischen Bierlandschaft. Als unabhängige Familienbrauerei in fünfter Generation ist das Unternehmen tief in Oberfranken verwurzelt – wirtschaftlich ebenso wie kulturell. Leikeim ist Arbeitgeber, Identifikationspunkt und für viele schlicht ein Stück Heimat im Glas.

Wichtig für Kundinnen und Kunden: Der Betrieb läuft weiter. Rund 100 Mitarbeiter sind derzeit bei Leikeim beschäftigt, Produktion und Auslieferung werden fortgeführt. Die beliebten Bierspezialitäten und Erfrischungsgetränke, bekannt nicht zuletzt durch die markante Bügelverschlussflasche, bleiben weiterhin verfügbar. Auch die Versorgung des Handels ist nach Angaben des Unternehmens gesichert.

Im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens werden nun verschiedene Sanierungsoptionen geprüft. Dazu gehören sowohl interne Restrukturierungsmaßnahmen als auch Gespräche mit potenziellen Investoren. Unterstützt wird die Geschäftsführung dabei von Rechtsanwalt Gunther Neef, der als Generalbevollmächtigter den Sanierungsprozess begleitet. Ziel sei es, das Unternehmen neu auszurichten, auf veränderte Marktbedürfnisse zu reagieren und verloren gegangenes Vertrauen bei Verbrauchern, Geschäftspartnern und Lieferanten zurückzugewinnen.

Die rechtliche Aufsicht im Verfahren übernimmt Rechtsanwalt Jochen Wagner, der als Sachwalter die Interessen der Gläubiger vertritt. Parallel dazu bleibt der Fokus klar auf dem Standort Altenkunstadt: Leikeim soll als wichtiger Arbeitgeber und als unabhängige fränkische Brauerei erhalten bleiben.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieser Weg gelingt. Klar ist schon jetzt: Mit dem Antrag auf Eigenverwaltung setzt Leikeim auf einen kontrollierten Neustart – und auf die Chance, dass eine der bekanntesten Brauereien Oberfrankens auch künftig ein fester Bestandteil der deutschen Bierkultur bleibt.