American Pale Ale – das Bier, das alles ins Rollen brachte

Das American Pale Ale ist der Ursprung der modernen Craft-Beer-Bewegung. Es verbindet fruchtige Hopfenaromen mit einer schlanken, ausgewogenen Malzbasis und hoher Trinkbarkeit. Weniger extrem als ein IPA, aber deutlich aromatischer als klassische Lagerbiere – ein Stil mit Haltung, aber ohne Lautstärke. Dieser Bierstil entstand in den 1970er-Jahren in den USA, als kleine Brauereien begannen, sich bewusst von der industriellen Bierlandschaft abzusetzen. Als Geburtsstunde gilt das Jahr 1975, als Fritz Maytag von der Anchor Brewing Company mit dem Liberty Ale ein helles Ale mit amerikanischem Cascade-Hopfen braute.

In den folgenden Jahren griffen weitere Pionierbrauereien wie New Albion Brewing und später Sierra Nevada die Idee auf. Spätestens mit dem Sierra Nevada Pale Ale ab 1980 wurde der Stil populär – und legte den Grundstein für hopfenbetonte Biere amerikanischer Prägung. Ohne das APA hätte es die heutigen IPAs in dieser Form vermutlich nie gegeben.

Die stiltypischen Merkmale

American Pale Ales sind hopfenbetont, aber bewusst ausgewogen. Der Hopfen steht im Vordergrund, ohne die Malzbasis zu überfahren. Ziel ist kein sensorisches Extrem, sondern ein harmonisches, gut trinkbares Bier.

Typisch sind fruchtige Hopfenaromen wie Zitrus, Grapefruit, Steinobst oder florale Noten zusammen mit einer zurückhaltenden, leicht süßlichen Malzbasis mit Brot- oder Karamellanklängen sowie einer moderaten Bitteren mit trockenem, sauberem Abgang. Insgesamt Zeichnet sich das APA durch eine hohe Frische und sehr gute Trinkbarkeit aus.

Charakterprägend sind amerikanische Aromahopfen. Klassisch ist Cascade, doch auch moderne Sorten aus den USA, Australien oder Neuseeland sind üblich. Entscheidend ist nicht die Herkunft, sondern das fruchtige Aromaprofil.

Die Schüttung basiert überwiegend auf Pale Ale Malz. Kleine Mengen Karamell- oder Biscuitmalz

Die Werte des APS nach BJCP

Alkohol: 4,5–6,2 % Vol.

Bittere: 30–50 IBU

Farbe: 12–25 EBC

Stammwürze: 11,7–15,6 °P

Die Übergänge zu verwandten Stilen wie American Amber Ale, English Pale Ale oder American IPA sind fließend. Im Vergleich zum English Pale Ale ist das APA fruchtiger, weniger malzig und weniger esterbetont. Gegenüber dem American IPA ist es moderater in Bittere, Alkohol und Aromaintensität. Im Vergleich zum Session IPA wirkt es runder, ausgewogener und weniger hopfenlastig.

orca brau – C’est La Vie

Die Orca Brau GmbH aus Nürnberg steht für Vielfalt und experimentelle Braukunst. Auf einer kleinen 10-Hektoliter-Anlage entstehen sowohl traditionelle als auch moderne Bierstile – vom Kellerbier über Pale Ale bis zu kreativen Spezialitäten wie das C’est La Vie, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Orca versteht sich als Teil der lebendigen deutschen Craft-Szene, die klassische Bierstile hinterfragt und neue Geschmackserlebnisse sucht. Dabei entstehen bei den Nürnbergern innovative Biere, von denen mich noch keines enttäuscht hat. Mal sehen, ob das beim C’est La Vie auch der Fall ist. Das Bier ist aus einer Zusammenarbeit von Orca Brau mit der Kaffeewerkstatt Kucha entstanden.

Orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. So schön wie die Farbe auch ist, so schnell fällt der Schaum in sich zusammen. Ich vermute, dass das daran liegt, dass das Bier ohne Hopfen gebraut wurde, sondern dass alle Bitterstoffe vom Kaffee stammen.

Düfte nach Karamell und Banane steigen mir in die Nase, aber über allem liegt das Aroma des Kaffees.

Der Antrunk ist recht süß und besticht durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Das Aroma des Kaffees ist bereits auf der Zungenspitze präsent. Auf der Zunge gesellt sich zum Kaffeearoma der Geschmack nach Karamell. Während die Süße erhalten bleibt, fehlt mir die Bittere. Die 7,5 Volumenprozent Alkohol sind sehr gut eingearbeitet, so dass der Alkohol nicht hervorschmeckt, sondern die anderen Aromen unterstützt. Mit der Zeit wird der Geschmack der Vanille kräftiger, so dass das Bier in der Kehle beinahe wie Vanilleeis schmeckt, und obwohl weiterhin die Bittere fehlt, klingt der Geschmack überraschend lange nach.

Der Craftbeer-Shop zieht für das Bier folgendes Fazit: „C’est La Vie ist kein klassisches Alltagsbier: Es eignet sich hervorragend als After-Dinner-Beer, zum gemütlichen Serienabend oder als überraschender Abschluss eines Menüs. Sein cremiger Charakter und die Dessert- Assoziationen machen es zu einem Bier, das man langsam genießt und zu dem man bewusst zurückkehrt.“

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Kaffee und Vanille

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Brasserie de Blaugries

Die Brasserie de Blaugies liegt im kleinen Dorf Blaugies nahe der französischen Grenze in der Provinz Hennegau, also im deutschsprachigen Teil Belgiens. Gegründet wurde sie 1988 von Jean-Pierre und Daniel Blaugies, zwei Cousins, die sich bewusst der traditionellen belgischen Braukunst verschrieben haben. Bis heute ist die Brauerei ein Familienbetrieb geblieben, der nur eine kleine, aber sehr charakterstarke Bierpalette braut.

Typisch für Blaugies sind unfiltrierte Biere mit Flaschengärung, eine ausgeprägte Hefecharakteristik und ein klarer Fokus auf historische Stile wie Saison und Farmhouse Ale. Die Biere gelten als ehrlich, handwerklich und kompromisslos – Eigenschaften, die auch La Moneuse widerspiegeln soll.

Der Name La Moneuse geht auf Antoine Joseph Moneuse zurück, einen berüchtigten Räuber des 18. Jahrhunderts, der in der Region lebte und zur Familiengeschichte der Brauer gehört. Schon der Name macht klar: Hier geht es nicht um gefällige Massenware, sondern um Charakter. Ob das Bier diesem Anspruch auch genügen kann, will ich jetzt feststellen.

Da La Moneuse ist ein Saison. “Saison” bedeutet auf Französisch „Saisonbier“ – ein historischer Bierstil, der in den Bauernhöfen Walloniens entstand. Diese Biere wurden traditionell im Winter gebraut, um sie im Sommer den Feldarbeitern als erfrischende Stärkung zu servieren.

Golden mit einem Stich ins orangefarbene und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die gemischtporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. So muss ein Saison aussehen.

Das Bier duftet nach Biskuit und belgischer Hefe, nach Karamell und gelben Früchten, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine lebendige feinperlige Kohlensäure aus. Eventuell hätte ich das Bier noch etwas länger lagern sollen. Vermutlich wäre es dann noch trockener geworden. Aber jetzt bleibt die Süße auch auf der Zunge erhalten. Das Verhältnis der Bitteren und der fruchtigen Säure ist gut ausgewogen und das Mundgefühl ist angenehm weich. In der Kehle wird das Bier trockener und es dominiert eine freundliche und nicht allzu kräftige Bittere, die aber trotzdem sehr lange nachklingt.

Während ich die Flasche langsam leere, wird auch das Bier etwas wärmer und im gleichen Maße zeigt das La Moneuse mehr Tiefe: Kräuter, leichte Honignoten und eine tolle pfeffrige Würze kommen jetzt zum Vorschein..

Trotz des Alkoholgehalts wirkt das Bier nie schwer oder alkoholisch. Genau hier zeigt sich die große Stärke von La Moneuse: Kraft ohne Schwere.

Zu diesem Bier passen hervorragend alter Käse, kräftig gewürzte Würste, Steak oder Eintöpfe. Das La Moneuse ist ein Bier mit Ecken, Kanten und Geschichte – und genau deshalb so faszinierend.

Alkoholgehalt:

8 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Brasserie de Blaugies
Rue De La Frontière 435
7370 Dour
Belgien
www.brasseriedeblaugies.com

Italiens beste Weihnachtsbiere: Christmas Beers 2025 gekürt

Weihnachtsbiere haben eine ganz besondere Aufgabe: Sie sollen Wärme und Vertrautheit vermitteln, nach Gewürzen und Süßigkeiten duften und den Geist der Feiertage in flüssiger Form einfangen. Genau diesen Anspruch hat auch in diesem Jahr wieder Unionbirrai, der Verband kleiner, unabhängiger Craft-Brauereien Italiens, mit der fünften Ausgabe von Christmas Beers gefeiert – dem Weihnachtswettbewerb im Rahmen von Birra dell’Anno (Bier des Jahres).

Der Sieger: Christmas Crumble aus der Lombardei

Den ersten Platz sicherte sich Christmas Crumble der Lariano Brewery aus Sirone in der Lombardei. Das Bier überzeugte die Jury durch seine Balance, seine aromatische Tiefe und die Fähigkeit, den Weihnachtsgedanken besonders eindrucksvoll ins Glas zu bringen. Komplex, harmonisch und dennoch zugänglich – so präsentierte sich der verdiente Gewinner.

Silber und Bronze: Marche und Apulien auf dem Podium

Die Silbermedaille ging an Guastafeste, eine weihnachtliche Interpretation der Brauerei Fam. Mukkeller aus Porto Sant’Elpidio in den Marken. Den dritten Platz belegte Primatia von Birranova aus Triggianello in Apulien – der scheidende Sieger des Wettbewerbs, der auch in diesem Jahr wieder überzeugen konnte.

Besondere Erwähnungen für Kreativität und Thementreue

Zwei weitere Biere wurden von der Jury mit einer besonderen Erwähnung ausgezeichnet:

  • Caput Mundi vom Birrificio dei Castelli aus Arcevia
  • Santo Stefano vom Birrificio Agricolo Pagus aus Darfo Boario Terme

Beide Biere stachen durch ihre Originalität und ihre konsequente Ausrichtung auf das Weihnachtsthema hervor.

Was italienische Weihnachtsbiere auszeichnet

Laut Simone Monetti, Generalsekretär von Unionbirrai, lassen sich italienische Weihnachtsbiere weniger über einen festen Stil als über gemeinsame Eigenschaften definieren:

„Italienische Weihnachtsbiere erinnern an den Reichtum und Überfluss der Feiertage, mit Anklängen an typische Weihnachtssüßigkeiten. Es handelt sich meist um limitierte Auflagen, oft vollmundig, würzig, bernsteinfarben oder dunkel, mit einem komplexen aromatischen Profil.“

Damit sind sie bewusst außerhalb klassischer Bierstilkategorien angesiedelt und leben von Kreativität, Emotion und Individualität.

Mehr als Bier: Flüssige Weihnachtsgeschichten

Christmas Beers ist für Unionbirrai mehr als ein Wettbewerb. Monetti betont den kulturellen und symbolischen Wert dieser Spezialitäten:

„Mit BdA XMAS Beers wollen wir die Fähigkeit italienischer Craft-Brauer fördern, jedes Bier in eine Geschichte zu verwandeln – in eine Emotion, die man während der Feiertage erlebt. Diese Biere sind nicht nur zum Probieren da: Sie sind Erfahrungen, die verschenkt, geteilt und erinnert werden.“

Die finalen Verkostungen fanden blind und nach den strengen Richtlinien von Unionbirrai statt. Eine Expertenjury bewertete die Biere anhand ihres sensorischen Profils, ihrer Originalität und ihrer Fähigkeit, den Weihnachtsgeist glaubwürdig zu transportieren.

Italiens Weihnachtsbiere zeigen eindrucksvoll, wie vielseitig und emotional Craft Beer sein kann. Ob würzig, malzig, komplex oder verspielt – sie erzählen Geschichten von Festtagen, Gemeinschaft und Genuss. Der Wettbewerb Christmas Beers macht deutlich: Weihnachtsbier ist kein Stil, sondern ein Gefühl.

Riedenburger – Emmerbier Alkoholfrei

Emmer ist kein Modegetreide – es gehört zu den ältesten Getreiden der Menschheit. Schon vor über 10.000 Jahren wurde es in Vorderasien und Europa angebaut und diente als Grundlage für Brot und Bier. Dass dieses Getreide heute wieder in einer alkoholfreien Spezialität auftaucht, ist hoffentlich mehr als nur ein Retro-Trend, sondern ich hoffe, dass es uns ein angenehmes neues Geschmacks- und Geschichtserlebnis ins Glas bringt.

Bernsteinfarben und naturtrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feste Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Optisch habe die Brauer aus dem Altmühltal jedenfalls alles richtig gemacht.

Das Bier duftet nach nicht vollständig vergorener Würze, dazu kommen Karamell- und Kräuteraromen. Nicht wirklich perfekt, aber auch nicht unangenehm.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge gesellt sich eine leichte Bittere zur karamelligen Süße und ich meine sogar ein leichtes Schokoaroma zu schmecken. Das Mundgefühl ist leicht, so dass das Bier sehr erfrischend wirkt. In der Kehle ist es mild mit nur wenig Bittere. Dieses Aroma klingt aber zusammen mit dem Schokoladengeschmack überraschend lange nach.

Zutaten:

Wasser, Emmermalz, Gerstenmalz, Dinkelmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

<0,5 % Vol.

Farbe:

13 EBC

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
Michael Krieger GmbH & Co. KG
Hammerweg 5
93339 Riedenburg
www.riedenburger.de

Warum Rauchbier mehr ist als Lagerfeuer im Glas

Rauchbier polarisiert. Für die einen ist es ein flüssiges Lagerfeuer, für die anderen eine aromatische Zeitreise in die Frühgeschichte des Bierbrauens. Doch kaum jemand weiß, dass der rauchige Geschmack früher nicht als Besonderheit galt – er war schlicht unvermeidbar. Ein Blick auf die Entwicklung des Mälzens zeigt, warum.

Warum Malz überhaupt rauchte

Getreide muss zur Lagerung trocken sein. Beim Mälzen wird es jedoch zunächst befeuchtet, damit die Keimung einsetzt und Enzyme freigesetzt werden. Anschließend muss das Korn wieder stark getrocknet werden – der Wassergehalt sinkt dafür auf unter fünf Prozent. Dieses Trocknen, das sogenannte Darren, war über Jahrhunderte nur mit offenem Feuer möglich. Und Feuer bedeutet Rauch. In Mittel- und Nordeuropa herrschten ungünstige Klimabedingungen, weshalb luftgetrocknetes Malz selten herzustellen war. So kam praktisch jedes Bier bis ins 17. Jahrhundert mit Rauch in Kontakt – ob man wollte oder nicht.

Von Torf bis Holz: Wie Brennstoffe den Geschmack prägen

Rauch ist nicht gleich Rauch. Verschiedene Brennstoffe hinterlassen charakteristische Aromen:

Während Holz für würzige Noten sorgt, die an Schinken oder Lagerfeuer erinnern, erzeugt Torf phenolische, teerig-würzige Aromen (bekannt aus schottischem Whisky).

1635 patentierte der Engländer Nicholas Halse die erste indirekt beheizte Darre. Das Malz kam nicht mehr mit Rauch in Berührung – die heiße Luft wurde vorher gefiltert. Das Ergebnis: helles, sauber schmeckendes Malz mit bis zu 30 Prozent höherer Ausbeute. Es dauerte nicht lange, bis sich die neue Technik durchsetzte. In Deutschland wurde sie um 1800 populär, und das rauchige Malz verschwand rapide aus den Sudkesseln – mit zwei bemerkenswerten Ausnahmen.

Bamberg war die letzte Bastion der Rauchmalz-Tradition

Die Bamberger Brauereien Heller (Schlenkerla) und Spezial hielten an der historischen Produktion fest. Bis heute wird das Malz dort mit Buchen- oder Eichenholzfeuer gedarrt – ein weltweit einzigartiges Relikt.

Dass nicht alle von dieser Tradition begeistert waren, zeigt eine Vorschrift aus dem Jahr 1895, die Rauchdarren nur tagsüber erlaubte und strenge Brandschutzmaßnahmen verlangte.

Nur wenige Mälzereien stellen heute noch echtes Rauchmalz her. Zu den wichtigsten zählen:

  • Weyermann (Bamberg): Buchenrauch-Gerste, Eichenrauch-Weizen
  • Steinbach (Zirndorf): Buchenrauch-Gerstenmalz
  • Castle Malting (Belgien): Buchenrauchmalz, Torfmalz in verschiedenen Intensitäten
  • Briess (USA): Apfelholz-, Kirschholz- und Mesquite-Rauchmalz
  • Diverse schottische Mälzereien: torfgeräuchertes Whiskymalz

Damit lassen sich weltweit Rauchbiere brauen – vom klassischen Märzen bis zu experimentellen Craft-Stilen.

Das Aroma des Rauches – und warum es so unterschiedlich wirkt

Das typische Raucharoma entsteht bei der Pyrolyse von Holzbestandteilen wie Lignin und Cellulose. Dabei entstehen Kohlenwasserstoffe, Phenole, Carbonyle und viele weitere Verbindungen. Die Holzauswahl und Temperatur bestimmen Intensität und Charakter des Aromas.

Torfmalze werden aufgrund ihres Phenolgehalts klassifiziert – Werte von 2 bis 50 ppm sind üblich.

Können Hobbybrauer Rauchmalz selbst herstellen?

Ja – aber mit Vorsicht. Beim Räuchern können gesundheitsschädliche Stoffe entstehen, vor Allem Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Nitrosamine. Beide entstehen vor allem bei hohen Temperaturen oder direktem Flammenkontakt. Sicherer wird die Sache durch:

  • glühende statt brennende Hitzequellen
  • elektrische oder externe Gasheizungen
  • feuchtes Holz bei niedriger Verbrennungstemperatur
  • Edelstahlgewebe als Filter gegen Ruß und Asche

Zum Räuchern eignen sich zahlreiche Holzarten, außer harzreichen Nadelhölzern. Wichtig: Wasser sollte chlorfrei sein, sonst drohen medizinische Chlorphenol-Aromen.

Ist Rauchbier ein Bierstil oder nicht?

Die BJCP-Styleguidelines führen Rauchbier sowohl als eigene Kategorie als auch als Unterkategorie anderer Biere. Rauchmalz kann in vielen Bierstilen eingesetzt werden – vom Porter über Bock bis hin zu historischen Sorten.

Bekannte Rauchbier-Stile sind:

  • Märzen-Rauchbier (klassisch Bamberg)
  • Rauchbock
  • Rauchweizen
  • Smoked Porter
  • Historische Stile wie Grätzer und Lichtenhainer

Das Spektrum reicht von einem feinen Hauch Rauch bis zu intensiven, fast speckigen Aromen wie beim Schlenkerla Märzen.

Rauchbier ist kein Trendbier, sondern eine der ältesten Brautraditionen der Welt. Einst unfreiwilliges Nebenprodukt der Technik, heute ein bewusst eingesetztes Aromaprofil. Ob klassisch fränkisch, torfig wie schottischer Whisky oder fruchtig geräuchert mit Apfel- oder Kirschholz – Rauchbier zeigt, wie vielfältig Bier sein kann, wenn man Feuer und Malz zusammenbringt.

De Achelse Kluis – Superior Blond

Das Achel Superior Blond ist ein starkes, belgisches obergäriges Bier mit einem Alkoholgehalt von etwa 9,5 % Vol.. Es gehört zur Produktpalette der Brouwerij De Achelse Kluis aus Hamont-Achel in Belgien und ist auch bekannt als die „starke Schwester“ der Achel Tripel/Blond-Varianten. Da ich bei einem anderen Bier bereits über die Brauerei geschrieben habe, kann ich jetzt direkt mit der Verkostung beginnen.

Golden und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Der schneeweiße Schaum ist feinporig und bleibt sehr lange erhalten. Wenn das Bier so schmeckt wie es aussieht, bin ich damit vollständig zufrieden.

Das Bier duftet angenehm nach Biskuitteig mit der typischen belgischen Hefe. Abgerundet wird das Aroma durch Zitrusaromen und würzige Noten, die an weißen Pfeffer erinnern.

Der Antrunk ist frisch und spritzig, in einem Maße, das ich bei 9,5 Volumenprozent Alkohol nicht unbedingt erwartet hätte. Das Bier ist kräftig karbonisiert, wobei die Perlage sehr fein ist. So macht das Bier vom ersten Moment an einen edlen und angenehmen Eindruck. Auf der Zunge präsentieren sich Bittere und Süße in einem ausgewogenen Verhältnis, während die Fruchtigkeit den Eindruck abrundet. Das Mundgefühl ist wie erwartet recht schwer und samtig. In der Kehle wird die Bittere etwas kräftiger. Sie wird aber nie überwältigend stark. Dafür klingt sie sehr lange nach.

Das Achel Superior Blond ist ein idealer Begleiter für kräftige Käse. Auch kräftig gewürztes Asia-Essen passt hervorragend: Das Bier zähmt die Gewürze, ohne seinen eigenen Charakter zu verlieren.

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

De Achelse Kluis
de Kluis 1-A
3930 Hamont-Achel
Belgien
www.achelsekluis.be

A Continent of Beer

Haben Sie sich beim Biertrinken schon einmal gefragt, warum ausgerechnet dieses Getränk Europas Geschichte so eng begleitet? In diesem Videobeitrag der European Beer Consumers Union (EBCU) erfahren Sie, weshalb Bier im Mittelalter zum alltäglichen Grundnahrungsmittel wurde – quer durch alle sozialen Schichten. Tauchen Sie ein in die überraschende Vergangenheit des beliebtesten fermentierten Getränks der Welt und entdecken Sie, warum ohne Bier vieles in Europa ganz anders gelaufen wäre.

Nichtsdestotrotz ist die Bierszene in Europa nicht homogen, sondern die in den unterschiedlichen Ländern Europas angebotenen Bierstile unterscheiden sich deutlich. Ich werde in Zukunft in loser Reihenfolge hier auch Videos veröffentlichen, in der die besten Experten der EBCU die Bierstile ihres Landes vorstellen werden.

Das folgende Video ist wie auch die anderen Videos in englischer Sprache.

Der Finnische Bierverband kommentierte den Vorschlag der Regierung an das Parlament für ein Gesetz zur Änderung des Alkoholgesetzes

Die aktuelle Diskussion über die finnische Alkoholpolitik zeigt deutlich, dass das Land vor einem weiteren Schritt in Richtung Liberalisierung steht. Der Finnische Bierverband sieht Finnland gut vorbereitet, seine Regelungen zu modernisieren, denn der Alkoholkonsum im Land ist seit Jahren rückläufig und liegt inzwischen unter dem EU-Durchschnitt. Seit 2007 sinkt der Konsum kontinuierlich, und auch die Anhebungen der erlaubten Verkaufsstärke im Einzelhandel in den Jahren 2018 und 2024 haben den Konsum nicht erhöht. Vielmehr zeigt sich ein klarer Trend weg von starken hin zu milderen alkoholischen Getränken – und hin zu bewussterem, genussorientiertem Trinken.

Anikó Lehtinen, Präsidentin des Finnischen Bierverbands, betont, dass viele der von der Regierung geplanten Gesetzesanpassungen positive Auswirkungen für finnische Bierkonsumenten hätten. Besonders begrüßt wird, dass nationale Händler und Brauereien künftig ihre Biere online verkaufen und im ganzen Land liefern dürfen – vorausgesetzt, die Alterskontrolle ist gewährleistet. Das würde den Wettbewerb fairer gestalten, vor allem gegenüber ausländischen Händlern, die bereits heute deutlich hochprozentigere Produkte nach Finnland liefern dürfen. Der Verband fordert daher gleiche Regeln für alle Anbieter und eine klare gesetzliche Gleichstellung.

Der Bierverband sieht in liberalisierten Binnen-Lieferverkäufen eine große Chance: Kleinere Brauereien könnten neue Einnahmen erzielen, und Bierliebhaber in entlegenen Regionen bekämen Zugang zu einer deutlich breiteren Auswahl heimischer Biere. Die technischen Voraussetzungen für Alterskontrollen seien bereits gegeben, denn Transportunternehmen prüfen die Identität vieler Empfänger ohnehin. Zusätzliche bürokratische Hürden lehnt der Verband ab und plädiert dafür, bestehende Alkoholpässe um die Anforderungen für Fernverkauf und Lieferung zu erweitern.

Kritisch äußert sich der Verband jedoch zu geplanten Verschärfungen im Marketingbereich. Der Gesetzesentwurf sieht vor, Influencer-Marketing für sowohl milde als auch starke alkoholische Getränke in sozialen Medien vollständig zu verbieten. Auch Werbezeiten im Fernsehen und Radio sollen weiter eingeschränkt werden. Der Bierverband hält diese Verschärfungen für unnötig und widersprüchlich, insbesondere da der Alkoholkonsum unter Minderjährigen seit über 15 Jahren sinkt und strenge Regeln bereits existieren. Zudem sei gerade Influencer-Marketing für Bier in Finnland überwiegend geschmacks- und wissensorientiert und richtet sich an erwachsene Zielgruppen.

Besonders problematisch sei die fehlende Definition des Begriffs Influencer. Dadurch könnten im schlimmsten Fall auch Bierexperten, Blogger oder sogar normale Konsumenten betroffen sein, die online über verkostete Biere berichten. Aus Sicht des Verbands würde das nicht nur ehrliche, verantwortungsbewusste Kommunikation unterbinden, sondern auch den nationalen Influencern schaden, während internationale Akteure weiterhin frei über Bier und Alkohol berichten könnten.

Während der Gesetzentwurf den Zugang zu Alkohol in anderen Bereichen liberalisiert – beispielsweise durch Lieferverkauf und grenzüberschreitenden Onlinehandel – würde gleichzeitig die Kommunikation rund um milde alkoholische Getränke stark eingeschränkt. Dies sieht der Verband als widersprüchlich und fordert daher, das geplante Influencer-Verbot aus dem Entwurf zu streichen. Aus seiner Sicht reguliert das bestehende Gesetz das Marketing bereits ausreichend und schützt Minderjährige effektiv.

Insgesamt zeigt die Stellungnahme des Finnischen Bierverbands deutlich, dass das Land vor einer komplexen Neuausrichtung seiner Alkoholpolitik steht. Einerseits soll der Zugang zu Alkohol moderner und kundenfreundlicher gestaltet werden, andererseits drohen Einschränkungen, die nach Ansicht des Verbands nicht in die Zeit passen und sogar kontraproduktiv sein könnten. Die kommenden Monate werden zeigen, wie die finnische Regierung dieses Spannungsfeld auflösen wird – und welche Auswirkungen die Neuerungen auf die finnische Bierlandschaft und die Konsumenten haben.

Giesinger – Münchner Hell

Giesinger Bräu wurde 2006 im Münchner Stadtteil Obergiesing gegründet. Was als kleines Garagenprojekt begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer der etablierten Privatbrauereien Münchens mit eigenem Braustandort, großem Sortiment und moderner Ausstattung.

Ein wichtiger Schritt war der Ausbau der Brauanlage im Norden Münchens, in Milbertshofen (WERK2), inklusive eines über 150 Meter tiefen Brunnens. Das so gewonnene Wasser gilt als klassisches „Münchner Wasser“ — eines der Kriterien, damit eine Brauerei ein offizielles „Münchner Bier“ herstellen darf.

Mit der Produktionserlaubnis für echtes Münchner Wasser und der Erfüllung weiterer Vorgaben (Stammwürze, Alkoholgehalt, Bitterkeit) ist Giesinger seit 2021 eine von nur wenigen Brauereien, die offiziell ein „Original Münchner Hell“ brauen dürfen. Dieses brachte Giesinger im Jahr 2021 auf den Markt, das nach allen traditionellen Kriterien gebraut wird: mit Münchner Wasser aus eigenem Tiefbrunnen, mit einer Stammwürze und Bitterkeit, die in den vorgeschriebenen Bereich fallen.

Goldgelb und kristallklar präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist recht klein, bleibt aber lange erhalten.

Das Bier duftet nach Getreide und hellem Malz, abgerundet durch blumige Noten. Mein erster Eindruck ist: das Münchner Hell ist ein ausgewogenes Bier ohne Ecken und Kanten. Mal sehen, ob sich dieser Eindruck auch der Zunge bestätigt.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße aus. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, dabei aber auch kräftig, ohne die Weichheit und Milde des Mundgefühls zu stören. Die Malzaromen stehen im Mittelpunkt und erinnern an Brotkruste, dazu kommt eine gut auf die Süße abgestimmte Bittere. Abgerundet wird der Geschmack durch einige grasige Noten. Jetzt zeigt sich, wie schlank der Körper und wie süffig das Bier ist. Und ja, auf der Zunge bestätigt sich mein Eindruck: das Bier ist sehr gut ausbalanciert. Auch in der Kehle bleibt die Bittere mild, während sich die blumigen Noten etwas verstärken.

Zu diesem Bier passt gut eine typische bayrische Brotzeit oder auch ein Schnitzel.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Bittereinheiten:

18 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Giesinger Biermanufaktur GmbH
Martin-Luther-Str. 2
81539 München
www.giesinger-braeu.de