Manche Biere verschwinden nach dem letzten Schluck schnell wieder aus dem Gedächtnis. Andere bleiben hängen, weil sie Bekanntes mit einer eigenen Handschrift versehen. Das Perlenzauber Kellerpils gehört für mich zur zweiten Kategorie.
Das Bier entstand im Rahmen des Perlenzauber-Projekts, das seit 2017 Jahr für Jahr eine andere Brauerei dazu einlädt, die namensgebende Perle auf dem Etikett mit einer besonderen Kreation zu „verzaubern“. Für den Jahrgang 2025 zeichnete die Kaiser Brauerei aus Geislingen an der Steige verantwortlich – ein Familienunternehmen mit langer Tradition und bemerkenswerter Entwicklung.
Seit 1881 wird dort gebraut. Nach schwierigen Jahren und einer Insolvenz im Jahr 2015 gelang der Brauerei mit umfangreichen Investitionen die Rückkehr in ruhigeres Fahrwasser. Heute setzt man konsequent auf regionale Rohstoffe und bezieht das gesamte Braugetreide von Landwirten der Schwäbischen Alb und des Schwäbischen Waldes. Auch die Erfolge beim European Beer Star zeigen, dass die Brauerei qualitativ auf einem hohen Niveau arbeitet.
Doch nun zum Bier.
Bereits beim Einschenken macht das Kellerpils einen hervorragenden Eindruck. Goldfarben leuchtet es aus dem Glas, eine leichte Hefetrübung verleiht ihm einen handwerklichen Charakter. Darüber thront eine feste weiße Schaumkrone, die erfreulich lange erhalten bleibt.
In der Nase zeigt sich sofort, dass hier moderne Aromahopfen am Werk sind. Zitrone und Grapefruit springen förmlich aus dem Glas, begleitet von Mandarine und dezenten tropischen Fruchtnoten. Dahinter entdeckt man feine Kräuteranklänge und einen angenehm brotigen Malzcharakter. Für ein Pils wirkt das bereits erstaunlich vielschichtig.
Der Antrunk startet mit einer angenehmen Malzsüße und einer sehr feinperligen Kohlensäure, die dem Bier viel Eleganz verleiht. Auf der Zunge bleibt die Süße zunächst erhalten, bevor die Hopfenaromen zunehmend das Kommando übernehmen. Die Fruchtigkeit wirkt hier sogar noch ausgeprägter als im Duft. Besonders die Zitrusnoten entfalten sich schön und werden von einer an Grapefruit erinnernden Bittere begleitet. Bemerkenswert ist dabei das Mundgefühl. Für ein Pils wirkt das Bier ungewöhnlich voll und rund, ohne an Trinkbarkeit einzubüßen. Die Bittere bleibt stets freundlich und ausgewogen. Sie setzt klare Akzente, ohne jemals aggressiv zu werden. Im Abgang verabschiedet sich das Kellerpils mit einer zurückhaltenden, aber überraschend lang anhaltenden Bittere. Gerade dieser Nachhall sorgt dafür, dass man gerne zum nächsten Schluck greift.
Das Perlenzauber Kellerpils zeigt eindrucksvoll, wie spannend ein moderner Umgang mit dem klassischen Pils-Stil sein kann. Es verbindet die hohe Trinkbarkeit eines traditionellen Pils mit der Fruchtigkeit zeitgemäßer Aromahopfen. Herausgekommen ist ein Bier, das sowohl Pils-Liebhaber als auch Freunde hopfenbetonter Spezialitäten ansprechen dürfte.
Zutaten:
Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Cara Malz), Aromahopfen (Mandarina Bavaria, Chinook, Krush), Hefe
Alkoholgehalt:
4,9 % Vol.
Bittereinheiten:
31 IBU
Stammwürze:
11,5° Plato
Farbe:
8 EBC
Brauerei:
Kaiser Brauerei
Schubartstraße 24
73312 Geislingen
www.kaiser-brauerei.de
