Ratsherrn Matrosenschluck Oat White IPA im Test: Fruchtiger Gruß von der Waterkant
Was passiert, wenn ein helles Weizenbier auf ein IPA trifft und anschließend noch eine Portion Hafer mit an Bord nehmen darf? Bei Ratsherrn heißt das Ergebnis Oat White IPA. Die Hamburger Brauerei verbindet damit norddeutsche Brautradition mit einer ordentlichen Portion Fernweh – zumindest der Geschichte nach sollen die fruchtigen Aromen an Hamburger Matrosen erinnern, die sich während langer Seereisen nach tropischen Gefilden sehnten.
Für das obergärige Bier kombiniert Ratsherrn drei Malzsorten: Pilsener Malz und helles Weizenmalz werden durch Hafermalz ergänzt. Letzteres soll vor allem für ein weicheres Mundgefühl sorgen. Auf der Hopfenseite treten Ariana, Saphir und Citra an. Das Bier wird kaltgehopft und kommt unfiltriert in die Flasche.
Damit ist die Marschrichtung klar: Ein klassisches Weizenbier sollte man hier ebenso wenig erwarten wie ein kompromisslos bitteres IPA.
Im Glas präsentiert sich der Matrosenschluck in einem sehr hellen Goldton und mit deutlicher Hefetrübung. Darüber bildet sich eine weiße, fast sahnige Schaumkrone, die ausgesprochen lange erhalten bleibt. Die Optik erinnert damit durchaus an ein Witbier und macht einen sehr einladenden Eindruck.
Auch aromatisch beginnt das Bier vielversprechend. Zitrusfrüchte und Orange stehen zunächst im Vordergrund, begleitet von Ananas und einer leichten Karamellnote. Das ergibt ein frisches, angenehm fruchtiges Bouquet. Schade ist lediglich, dass dieser Eindruck nicht lange anhält. Die Aromen verlieren relativ schnell an Intensität. Hier hätte der das Oat White IPA ruhig etwas ausdauernder sein dürfen.
Beim ersten Schluck zeigt sich dann eine der Stärken des Bieres. Der Antrunk ist ausgesprochen weich und cremig, gleichzeitig aber erfrischend trocken. Die Malzsüße hält sich zurück und verhindert damit, dass das Bier trotz des Hafers schwer oder sättigend wirkt. Eine kräftige Karbonisierung bringt zusätzlich Frische ins Glas. Dadurch entsteht ein interessanter Gegensatz: Auf der einen Seite steht die durch den Hafer unterstützte Cremigkeit, auf der anderen eine lebhafte Kohlensäure, die das Bier leicht und spritzig erscheinen lässt. Im weiteren Verlauf dreht das Oat White IPA geschmacklich auf. Nun treten die Früchte wesentlich deutlicher hervor als zuvor im Aroma. Orange und Mandarine treffen auf Mango, Honigmelone und Aprikose. Damit bekommt das Bier tatsächlich etwas von jener tropischen Anmutung, die Ratsherrn mit seiner Seefahrergeschichte verspricht. Allerdings wird daraus kein süßer Fruchtcocktail. Harzige, an Pinien erinnernde Hopfennoten setzen einen wirkungsvollen Gegenpol und halten die Fruchtigkeit in Schach. Die Bittere bleibt vergleichsweise zurückhaltend. Sie ist jederzeit wahrnehmbar, drängt sich jedoch nicht in den Vordergrund. Auch die Säure spielt nur eine kleine Nebenrolle. Trotz Hafer und Weizen bleibt das Mundgefühl überraschend schlank.
Gerade diese Balance macht das Bier angenehm zugänglich. Wer bei der Bezeichnung IPA eine massive Hopfenbittere erwartet, dürfte allerdings überrascht sein. Der Matrosenschluck setzt wesentlich stärker auf Fruchtigkeit und Trinkfluss als auf einen möglichst kräftigen Bitterkick. Zum Abgang hin wird das Bier noch etwas trockener. Die tropischen und zitrusartigen Fruchtnoten bleiben dagegen erhalten und klingen einige Zeit nach. Die Bittere begleitet das Finale weiterhin, ohne die Kontrolle zu übernehmen.
Damit endet dieses Bier genauso unkompliziert, wie es begonnen hat. Die Kombination aus Weizen und Hafer liefert einen weichen Unterbau, während Ariana, Saphir und Citra für genügend Fruchtigkeit und etwas harzige Würze sorgen.
Das Ratsherrn Oat White IPA ist kein Bier, das mit extremer Bittere oder einem überwältigenden Hopfenaroma beeindrucken möchte. Seine Stärke liegt vielmehr in der Verbindung aus Cremigkeit, Frische und tropischer Fruchtigkeit. Lediglich das schnell nachlassende Aroma in der Nase verhindert einen noch stärkeren Auftritt. Geschmacklich präsentiert sich das Bier dagegen ausgewogen und ausgesprochen angenehm zu trinken. Besonders die harzigen Piniennoten sorgen dafür, dass die vielen Fruchtaromen nicht ins Süßliche abrutschen.
Kulinarisch passt der Matrosenschluck gut zu zartem Lamm oder paniertem Fisch mit einer hellen Sauce. Noch naheliegender erscheint allerdings eine andere Kombination: eine lange Sommernacht, ein Platz im Freien und möglichst wenig Termindruck am nächsten Morgen.
Für ein wenig Fernweh muss man schließlich nicht unbedingt auf See fahren.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Hopfen (Ariana, Saphir, Citra), Orangenschale, Hefe
Alkoholgehalt:
6,5 %
Stammwürze:
13,4° Plato
Bittereinheiten:
50 IBU
Farbe:
10 EBC
Empfohlene Genusstemperatur:
8° – 10° Celsius
Brauerei:
Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstraße 30a
20357 Hamburg
www.hatsherrn.de
