Bierabsatz im Juli wieder rückläufig – deutscher Biermarkt bleibt unter Druck
Nach einem überraschend starken Juni ist der Bierabsatz in Deutschland im Juli wieder gesunken. Insgesamt setzten die Brauereien rund 7,86 Millionen Hektoliter Bier ab. Das waren 1,6 Prozent beziehungsweise rund 126.000 Hektoliter weniger als im Juli des vergangenen Jahres. Besonders im Inland bleibt die Entwicklung schwierig.
Damit erweist sich die positive Entwicklung des Vormonats vorerst als kurze Verschnaufpause. Im Juni hatte die deutsche Brauwirtschaft noch ein Absatzplus von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verbucht. Es war erst der zweite Monat des laufenden Jahres gewesen, der besser als der entsprechende Monat 2025 abgeschnitten hatte. Von einer Trendwende konnte allerdings schon damals kaum gesprochen werden. Die jetzt vorliegenden Juli-Zahlen bestätigen diese Einschätzung.
Inlandsabsatz verliert stärker
Noch etwas deutlicher als der Gesamtabsatz ging das Geschäft auf dem deutschen Markt zurück. Der steuerpflichtige Bierabsatz sank im Juli um 2,1 Prozent. Statt rund 6,45 Millionen Hektolitern im Juli 2025 wurden in diesem Jahr noch etwa 6,32 Millionen Hektoliter versteuert.
Auch Biermischgetränke konnten sich der Entwicklung nicht entziehen. Ihr Absatz verringerte sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,8 Prozent auf knapp 538.000 Hektoliter. Betrachtet man die ersten sieben Monate des Jahres zusammen, fällt das Minus mit 4,5 Prozent noch wesentlich deutlicher aus. Von Januar bis Juli wurden rund 2,62 Millionen Hektoliter Biermischgetränke abgesetzt.
Etwas besser sieht es dagegen beim Export aus. Die deutschen Brauereien führten im Juli insgesamt rund 1,53 Millionen Hektoliter Bier aus, 0,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei entwickelten sich vor allem die Lieferungen in Länder außerhalb der Europäischen Union positiv. Sie stiegen um 5,1 Prozent.
Dieser Gegensatz zwischen Inlandsmarkt und Export zeigt sich nicht erst im Juli. Bereits im ersten Halbjahr hatten die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr zugelegt, während der Absatz innerhalb Deutschlands deutlich zurückging.
Der starke Juni bleibt eine Ausnahme
Der Rückgang im Juli fällt auch deshalb auf, weil der Juni der Branche zumindest vorübergehend Hoffnung gemacht hatte. Damals war der Gesamtabsatz gegenüber Juni 2025 um 5,2 Prozent gestiegen. Rund 400.000 Hektoliter mehr Bier wurden verkauft als im Vorjahresmonat.
Beim Inlandsabsatz hatte das Plus sogar rund 350.000 Hektoliter betragen. Das ungewöhnlich warme Juniwetter dürfte dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. Der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels hatte bereits Ende Juli darauf hingewiesen, dass der Juni zwar einen Lichtblick darstelle, eine Trendwende aber nicht erkennen lasse.
Im Juli spielten die Wetterbedingungen der Branche weniger in die Karten. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes lagen die Temperaturen zwar deutschlandweit über dem langjährigen Mittel. Allerdings war das Wetter im Norden häufig unbeständig, während im Süden teilweise große Hitze herrschte. Beides sind nicht unbedingt ideale Bedingungen für einen gleichmäßig starken Bierabsatz.
Das Wetter allein erklärt die Entwicklung allerdings nicht. Der deutsche Biermarkt befindet sich seit Jahren in einem strukturellen Wandel. Ein einzelner warmer Monat kann deshalb zwar für einen kräftigen Ausschlag nach oben sorgen, den langfristigen Trend aber kaum umkehren.
Nach sieben Monaten fehlen fast eine Million Hektoliter
Entscheidender als der Vergleich einzelner Monate ist deshalb die bisherige Jahresbilanz. Von Januar bis Juli 2026 wurden insgesamt 46,32 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt. Gegenüber den ersten sieben Monaten des Vorjahres entspricht das einem Rückgang um 2,1 Prozent oder rund 981.000 Hektoliter.
Noch deutlicher zeigt sich die Schwäche auf dem deutschen Markt. Der steuerpflichtige Inlandsabsatz liegt nach sieben Monaten bei rund 37,54 Millionen Hektolitern und damit 2,9 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Die Exporte entwickeln sich dagegen in die andere Richtung. Von Januar bis Juli wurden rund 8,72 Millionen Hektoliter ausgeführt. Das entspricht einem Plus von 1,7 Prozent. Die Ausfuhren können die Verluste auf dem wesentlich größeren deutschen Markt damit zwar abmildern, aber nicht ausgleichen.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Hinter dem bundesweiten Minus verbergen sich im Juli allerdings erhebliche regionale Unterschiede. In fünf Regionen konnten die Brauereien ihren steuerpflichtigen Absatz gegenüber dem Vorjahresmonat steigern.
Besonders kräftig fiel das Plus in Thüringen aus, wo 18,1 Prozent mehr Bier abgesetzt wurden. Sachsen-Anhalt erreichte ein Plus von 16,6 Prozent, Berlin und Brandenburg kamen gemeinsam auf 14,3 Prozent. Auch Mecklenburg-Vorpommern lag mit 9,6 Prozent deutlich über dem Vorjahreswert. Bayern schaffte immerhin noch ein Plus von 1,8 Prozent.
Am anderen Ende der Statistik steht Hessen. Dort brach der Absatz gegenüber Juli 2025 um 35,9 Prozent ein. Auch Niedersachsen und Bremen verzeichneten mit minus 14,3 Prozent einen zweistelligen Rückgang, ebenso Schleswig-Holstein und Hamburg mit minus 10,6 Prozent.
Rheinland-Pfalz und das Saarland lagen gemeinsam 8,6 Prozent unter dem Vorjahresmonat, Baden-Württemberg verlor 6,6 Prozent. In Sachsen betrug das Minus 2,5 Prozent, in Nordrhein-Westfalen 1,6 Prozent.
Die regionalen Monatswerte sollten allerdings nicht überinterpretiert werden. Produktionsverlagerungen, unterschiedliche Absatzstrukturen und vergleichsweise geringe Ausgangsmengen können bei einzelnen Ländern zu erheblichen prozentualen Ausschlägen führen.
Alkoholfreies Bier fehlt in der Statistik
Bei der Einordnung der Zahlen gibt es noch einen wichtigen Punkt: Die Biersteuerstatistik bildet nicht den gesamten deutschen Biermarkt ab.
Alkoholfreie Biere mit einem Alkoholgehalt von höchstens 0,5 Volumenprozent werden ebenso wenig erfasst wie Malztrunk. Auch Bierimporte aus Staaten außerhalb der Europäischen Union fehlen in der Statistik. Enthalten sind dagegen die in Deutschland produzierten Biere sowie Importe aus anderen EU-Staaten.
Gerade der Ausschluss alkoholfreier Biere gewinnt zunehmend an Bedeutung. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes erreichen alkoholfreie Biere in Deutschland inzwischen einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent. Einer der wenigen Bereiche, in denen der Biermarkt derzeit deutlich wächst, taucht in den monatlichen Absatzzahlen des Statistischen Bundesamtes damit gar nicht auf.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sich das aktuelle Minus lediglich statistisch erklären ließe. Vielmehr verschieben sich die Gewichte innerhalb des Marktes: Während klassische alkoholhaltige Biere unter einem langfristig sinkenden Konsum leiden, gewinnen alkoholfreie Varianten an Bedeutung.
Keine Trendwende auf dem deutschen Biermarkt
Der Juli bestätigt damit vor allem eines: Die Probleme des deutschen Biermarktes sind nicht mit einem einzelnen guten Sommermonat verschwunden. Der kräftige Zuwachs im Juni konnte den bisherigen Jahresrückstand zwar verringern, aber nicht ausgleichen. Bereits einen Monat später zeigt die Kurve wieder nach unten.
Für die Brauereien ist dabei vor allem die Entwicklung des heimischen Marktes problematisch. Nach sieben Monaten liegt der Inlandsabsatz 2,9 Prozent unter dem Vorjahr, während die Exporte leicht wachsen. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage zunehmend in Richtung alkoholfreier Biere, die von der traditionellen Biersteuerstatistik nicht erfasst werden.
Der starke Juni war damit ein Lichtblick. Die Juli-Zahlen zeigen jedoch, dass daraus bislang keine Trendwende geworden ist.