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Lemke und Schneeeule beleben Berliner Weisse neu: Drei Biere mit gemeinsamer Geschichte

Die Berliner Weisse gehört zu den traditionsreichsten Bierstilen Deutschlands – und gleichzeitig zu denen, die zeitweise beinahe aus ihrer Heimat verschwunden wären. Nun schreiben zwei Namen, die eng mit ihrer mit der Berliner Weissen verbunden sind, gemeinsam ein neues Kapitel: Die Berliner Brauerei Lemke und Ulrike Genz von Schneeeule haben drei Berliner Weisse entwickelt, die am 28. August im Rahmen der Berlin Beer Week erstmals ausgeschenkt werden.

Dabei ist die eigentliche Nachricht nicht allein, dass drei neue Biere auf den Markt kommen. Bemerkenswerter ist, wer sie gemeinsam gebraut hat – und welche Geschichte dahintersteht.

Ein Bierstil, der beinahe aus Berlin verschwand

Berliner Weisse ist ein leichtes, spritziges und deutlich säuerliches Weizenbier mit niedrigem Alkoholgehalt. Ihre große Zeit erlebte sie im 19. Jahrhundert, als zahlreiche Berliner Brauereien den Stil produzierten. Später ging seine Bedeutung jedoch stark zurück. Was einst zum selbstverständlichen Inventar der Berliner Bierkultur gehörte, wurde zunehmend zur Spezialität.

Die Säure der traditionellen Berliner Weisse entsteht nicht einfach durch die Zugabe von Säuerungsmitteln. Entscheidend sind verschiedene Mikroorganismen. Neben Brauhefen spielen Milchsäurebakterien und bei historischen Interpretationen auch Brettanomyces eine wichtige Rolle. Gerade Brettanomyces kann während der Reifung zusätzliche komplexe Aromen entwickeln.

Bekannt ist die Berliner Weisse heute vielen Menschen vor allem in Kombination mit Waldmeister- oder Himbeersirup. Dabei kann die ursprüngliche, natürlich saure Variante problemlos für sich stehen. Genau diese Seite des Bierstils haben sowohl Lemke als auch Schneeeule in den vergangenen Jahren wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Lemke führt beispielsweise mit der „Budike“ eine nach traditioneller Brauart hergestellte Berliner Weisse im Sortiment.

Die gemeinsame Geschichte begann vor mehr als zehn Jahren

Die Verbindung zwischen Ulrike Genz und Lemke reicht weit zurück. Um 2014 beschäftigte sich Genz während ihres Studiums bei Lemke intensiv mit den Grundlagen der historischen Berliner Weisse. Angestoßen worden war die Forschung von Brauereigründer Oli Lemke im Fachbereich Brau- und Getränketechnologie der Technischen Universität Berlin. Die Zusammenarbeit mit der Universität besteht nach Angaben der Brauerei bis heute.

Aus Genz‘ Beschäftigung mit dem historischen Bierstil entwickelte sich später Schneeeule. Die 2016 gegründete Brauerei widmete sich konsequent der Wiederbelebung traditioneller Berliner Weisse und machte sich damit weit über Berlin hinaus einen Namen. Parallel arbeitete auch Lemke an dem Stil. Bereits 2015 brachte die Brauerei nach zahlreichen Testsuden mit der „Budike“ ihre eigene Interpretation nach historischer Rezeptur heraus.

Damit gingen Genz und Lemke über Jahre getrennte Wege, verfolgten aber im Grunde dasselbe Ziel: Berliner Weisse wieder als eigenständigen Bierstil wahrnehmbar zu machen und nicht lediglich als Grundlage für ein Getränk mit rotem oder grünem Sirup.

Nachdem bei Schneeeule 2025 ein Kapitel endete, wurde der frühere gemeinsame Faden wieder aufgenommen. Nun mündet diese Zusammenarbeit erstmals in drei gemeinsamen Bieren.

Von pur bis Brombeerblatt: drei Gesichter der Berliner Weisse

Den Ausgangspunkt bildet „Dit Dufte“. Mit 3,0 Prozent Alkohol und ohne weitere geschmacksgebende Zutaten kommt diese Variante dem historischen Grundgedanken des Bierstils am nächsten.

„Dit Schicke“ besitzt ebenfalls 3,0 Prozent Alkohol, wird aber mit Lavendel verfeinert. Die Blüten sollen die Säure um eine zusätzliche florale Aromatik ergänzen.

Am experimentierfreudigsten präsentiert sich „Dit Wilde“. Die 3,5 Prozent starke Berliner Weisse erhält Brombeersaft und wird zusätzlich mit fermentierten Brombeerblättern gereift. Diese sollen neben der Fruchtigkeit herbere Aromen beisteuern, die an schwarzen Tee erinnern können.

Allen drei Bieren gemeinsam ist die traditionelle mikrobiologische Grundlage: Zum Einsatz kommen Brettanomyces-Hefe und Milchsäurekulturen. Damit knüpft das Trio an jene komplexe Fermentation an, die den historischen Charakter der Berliner Weisse wesentlich prägt.

Premiere bei der Berlin Beer Week

Ihre Premiere feiern „Dit Dufte“, „Dit Schicke“ und „Dit Wilde“ am Freitag, 28. August, zum Auftakt der Berlin Beer Week. Zunächst werden sie vom Fass in verschiedenen Berliner Bars sowie bei Veranstaltungen der Beer Week ausgeschenkt.

Ab dem 4. September sollen die drei Berliner Weissen außerdem in limitierten 0,33-Liter-Flaschen erhältlich sein. Verkauft werden sie in den Lemke-Standorten und über den Onlineshop der Brauerei – jeweils nur solange der Vorrat reicht.

Mehr als drei neue Biere

Gerade der historische Hintergrund macht die Zusammenarbeit bemerkenswert. Hier trifft nicht einfach eine etablierte Berliner Brauerei auf eine bekannte Sauerbierspezialistin. Vielmehr schließt sich ein Kreis, der vor mehr als einem Jahrzehnt mit der Erforschung eines beinahe verschwundenen Berliner Bierstils begann.

Gleichzeitig zeigen die drei Biere, wie sich Tradition weiterentwickeln lässt. „Dit Dufte“ orientiert sich am puristischen Ausgangspunkt, während Lavendel und Brombeere zeigen sollen, welches aromatische Spektrum auf Grundlage einer Berliner Weisse möglich ist. Dabei bleibt die traditionelle Fermentation mit Milchsäurekulturen und Brettanomyces das verbindende Element.

Für die Berliner Weisse könnte die Kooperation deshalb wichtiger sein als die drei limitierten Biere selbst. Sie bringt zwei Akteure wieder zusammen, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass dieser historische Stil in seiner Heimat überhaupt wieder ernst genommen wird. Und sie zeigt, dass die Berliner Weisse nicht nur ein Stück Braugeschichte ist, sondern weiterhin Raum für neue Ideen bietet.

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