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Stadshaven Devil’s Fruit im Test: Viel Frucht, aber mehr Bonbon als Bier – Bierzirkus

Stadshaven Devil’s Fruit im Test: Viel Frucht, aber mehr Bonbon als Bier

Das Devil’s Fruit der Stadshaven Brouwerij kombiniert Kirsche, Himbeere und schwarze Johannisbeere. Im Test überzeugt die Frucht, wirkt aber schnell künstlich.

Die Stadshaven Brouwerij ist eine noch recht junge Brauerei aus Rotterdam. Seit 2021 wird in einem mehr als 100 Jahre alten ehemaligen Fruchtlagerhaus im Hafengebiet Merwe-Vierhavens gebraut. Und diese Vergangenheit hat Spuren hinterlassen: Früchte spielen auch heute bei zahlreichen Bieren der Brauerei eine wichtige Rolle. Statt Orangen, Zitronen und anderen Importfrüchten stehen in der großen Halle inzwischen Gärtanks und Brauanlagen – gewissermaßen ein ziemlich konsequenter Wechsel von der Fruchthalle zur Bierproduktion.

Mit einer Jahresproduktion von rund zwei Millionen Litern gehört Stadshaven dabei nicht gerade zu den Zwergen der niederländischen Craftbier-Szene. Das Sortiment reicht von Blond und IPA bis Tripel und experimentelleren Kreationen, wobei immer wieder Früchte ins Spiel kommen. Damit wären wir auch schon beim Devil’s Fruit, bei dem Kirsche, Himbeere und schwarze Johannisbeere für den fruchtigen Auftritt sorgen sollen.

Im Glas präsentiert sich das Devil’s Fruit in einem kräftigen, trüben Rot. Viel Schaum bildet sich nicht, dafür zeigt die weiße Haube einen leichten Rotstich und hält sich überraschend ordentlich.

Dass bei diesem Bier die Früchte im Mittelpunkt stehen, lässt sich bereits beim Einschenken erahnen. Noch bevor ich das Glas zur Nase führe, steigen intensive Fruchtdüfte auf. Mein erster Gedanke geht allerdings unmittelbar in Richtung zugesetzter Fruchtaromen. Nach einigen Augenblicken wird der Eindruck etwas harmonischer. Nun erinnert mich der Duft an einen spätsommerlichen Obstsalat aus heimischen Früchten – süß, reif und ausgesprochen intensiv.

Der Antrunk fällt erwartungsgemäß recht süß aus. Eine angenehm dosierte Kohlensäure sorgt zunächst für etwas Frische und verhindert, dass das Devil’s Fruit sofort zu schwer wirkt. Beim Körper kippt mein Eindruck allerdings wieder. Die Frucht bleibt dominant, wirkt auf mich nun aber zunehmend künstlich. Statt an frisches Obst erinnert mich das Geschmacksbild eher an ein Fruchtbonbon. Das kann durchaus seinen Reiz haben, entfernt sich für meinen Geschmack aber zu weit vom eigentlichen Biercharakter. Eine nennenswerte Bittere, die der Süße und Frucht etwas entgegensetzen könnte, kann ich nicht feststellen. Auch im Abgang kommt kein neuer Akzent hinzu. Das Devil’s Fruit verabschiedet sich ausgesprochen mild. Weder Bittere noch Säure sorgen in der Kehle für einen deutlichen Kontrapunkt, und auch der Nachklang bleibt überschaubar.

Damit hinterlässt das Devil’s Fruit bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Die Idee passt hervorragend zur Stadshaven Brouwerij und ihrer Geschichte im ehemaligen Fruchtlager. Auch optisch und aromatisch macht das Bier zunächst neugierig. Geschmacklich ist mir die Frucht jedoch zu bonbonartig und der Biercharakter zu weit in den Hintergrund gerückt. Etwas mehr Säure oder Bittere hätte der ausgeprägten Süße einen Gegenpol geben und das Bier für mich deutlich spannender machen können.

Wer sehr fruchtige und süße Biere mag, könnte am Devil’s Fruit durchaus Gefallen finden. Wer dagegen trotz Kirsche, Himbeere und schwarzer Johannisbeere noch deutlich erkennen möchte, dass im Glas ein Bier steckt, dürfte sich vermutlich etwas mehr Widerstand gegen die geballte Frucht wünschen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Kirschsaft 7 %, natürliche Aromen (Himbeere, schwarze Johannisbeere), Sucralose (ist nahezu kalorienfreier Süßstoff, etwa 600 mal süßer als Zucker), Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

3,8 % Vol.

Stammwürze:

9,5° Plato

Brauerei:

Stadshaven Brouwerij
Galileistraat 24
3029 AM Rotterdam
Niederlande
www.stadshavenbrouwerij.nl

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