Schlagwort-Archiv: Spezialbiere

Kempisch Vuur Jeneverbier

Mitte der 1980er Jahre begann der Hobbybrauer Guy Pirlot aus Nizza, zu Hause in einem 50-Liter-Kessel sein eigenes Bier zu brauen. Da die Kommentare sehr positiv ausfielen, gründete er 1998 eine offizielle neue Brauerei. Der heimische Braukessel reichte nicht mehr aus, also begann er in der Paeleman-Mikrobrauerei in Wetteren zu brauen. Im Jahr 2001 verlegte er die Produktion in die Brauerei De Proefbrouwerij in Lochristi, wo Kempisch Vuur bis zur Inbetriebnahme der eigenen Brauerei gebraut wurde. Im September 2011 erhielt er die Genehmigung zur Gründung einer eigenen Brauerei und eine eigene Brauanlage wurde in Zandhoven in Betrieb genommen. Mitte 2012 braute die Brauerei Pirlot bereits 2000 Liter Bier pro Woche.

Bevor ich die Flasche öffne, muss ich noch eine Besonderheit des Kempisch Vuur Jeneverbiers erwähnen. Dem Bier wurde kein Genever zugegeben und es wurde auch nicht in einem Geneverfass gereift. Nein, das Bier wurde mit Wacholderbeeren gebraut, die dem Bier das Aroma und den Geschmack von Gin verleihen sollen.

Intensiv hell goldfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas. Die gemischtporige Schaumkrone ist recht klein, bleibt aber lange erhalten, so dass an der Optik nichts auszusetzen ist.

Sofort steigt mir der würzige Duft der Wacholderbeeren in die Nase, dazu kommt ein Hauch Zitrus, der das Aroma perfekt abrundet.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine geringe Süße aus, die aber schnell durch die Würzigkeit des Wacholders überdeckt wird. Jetzt erinnert das Kempisch Vuur eher an einen Gin als an ein Bier. Vor allem kommt der Hopfen nicht zum Tragen, da der Wacholder alles überdeckt. Trotzdem ist das Mundgefühl voll und rund. Auch im Abgang steht der Wacholder im Vordergrund und er klingt sehr lange nach.

Das Kempisch Vuur Jeneverbier kann ich mir als Aperitif vorstellen, auch als Begleitung zu Schmorgerichten mit Wild. Und noch etwas hat sich die Brauerei einfallen lassen: Sie empfiehlt, das Bier zusammen mit dem „Bierjenever“ zu trinken. Dieser Genever wurde an Ort und Stelle destilliert und mit Hopfen versetzt, um eine vollständige Geschmackspalette aus Bier und Genever zu erhalten. Ein besonderes Erlebnis: Wacholder im Bier und Hopfen im Genever.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Wacholderbeeren, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Pirlot
Heistraat 3
2240 Zandhoven
Belgien
www.brouwerijpirlot.be

Apostelbräu – Weizen mit Dinkel

Wieder einmal steht ein Bier von Apostelbräu im fränkischen Hauzenberg vor mir, das mit historischen Getreiden gebraut wurde. Auch wenn der Dinkel, mit dem der Weizen für dieses Bier gemischt wurde, in den letzten Jahrzehnten einen regelrechten Boom erlebt hat, ist es doch ein Getreide, das es schon länger gibt als Weizen und Gerste. Aber ich will mich jetzt nicht lange mit der Vorrede aufhalten; ich öffne jetzt die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Bernsteinfarben und mit leichter Hefetrübung fließt das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine durchschnittlich große grobporige Schaumkrone, die bis auf einen Rest schnell in sich zusammenfällt. Der Rest bleibt dann aber überraschend lange erhalten.

Das Aroma gefällt mir dann schon deutlich besser. Das Aroma unterschiedlicher Zitrusfrüchte mischt sich mit dem Duft reifer Bananen und aus dem Hintergrund rundet die Hefe das Aroma ab.

Der Antrunk ist mäßig süß und er verwöhnt meinen Gaumen mit einer feinperligen und sanften Kohlensäure. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen wider, zusammen mit dem Geschmack des Getreides und der Hefe. Insgesamt erzeugt das süffige Bier ein volles und rundes Mundgefühl. Der Abgang ist mild mit einem kurzen fruchtigen Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Dinkelmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Brauerei:

Apostelbräu
Eben 11 – 13
94051 Hauzenberg
www.apostelbraeu.de

Insel-Brauerei – Quadriga

Viele der Biere aus der Inselbrauerei wurden bei diversen Bierwettbewerben ausgezeichnet. Auch das Quadriga, ein Biére Brut, das jetzt vor mir steht, bildet da keine Ausnahme. Es wurde beim World Beer Award als World’s Best Speciality Beer 2018 und im gleichen Jahr als World’s Best Bière Brut Style Winner 2018 ausgezeichnet, außerdem ein Jahr später bei Meiningers International Craft Beer Award mit der Goldmedaille. Dann kann hier wohl nichts schiefgehen und ich kann es kaum erwarten, die Flasche zu öffnen und das Bier einzuschenken.

Weizengelb und mit kräftiger Hefetrübung strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die Schaumkrone ist relativ klein und sie fällt auch flott in sich zusammen.

Das Aroma ist trocken und fruchtig. Es erinnert eindeutig an Wein und auch der Alkohol kommt bereits in der Nase zum Tragen.

Der Antrunk ist trocken und er zeichnet sich durch eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge dominieren eine fruchtige Säure gemeinsam mit einem freundlichen Bitter. Durch seine Spritzigkeit erunnert das Bier an einen trockenen Sekt. Das Mundgefühl ist weich. Auf jeden Fall ist das Quadriga so elegant wie kaum ein anderes Bier. Im Abgang erinnert das Bier mit seinem leichten Bitter und dem weinartigen Geschmack an Wier, jenes Hybridprodukt der Brauerei Ganter in Freiburg, das die Brücke zwischen Wein und Bier schließt.

Das Quadriga ist ein tolles Bier, das den Begrüßungssekt bei Empfängen eindeutig ersetzen kann.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Traubenzucker, Naturhopfen, Hefe

Alkoholgehalt;

10,5 Vol.-%

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstraße 2 c
18573 Rambin auf Rügen
www.insel-brauerei.de

Apostelbräu – 5 Korn

So, jetzt steht wieder einmal ein Bier von Apostelbräu in Hauzenberg vor mir. Dieses Mal ist es das 5 Korn. Diese Bezeichnung kennen wir vermutlich alle vom Bäcker, aber als Bier habe ich die Mischung von Gerste, Weizen, Dinkel, Roggen und Emmer noch nicht erlebt. Was ich erwarte? Die Brauerei teilt mit, dass sie das Bier wie ein Helles gehopft hat; dieses Bier dürfte also mild und malzbetont sein. Allerdings wird das 5 Korn im Gegensatz zum Hellen mit obergäriger Hefe vergoren.

Golden und mit leichter Hefetrübung läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine relativ kleine feinporige Schaumkrone, die durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Ein malzbetontes Aroma steigt mir in die Nase. Ich rieche Karamell, Rosinen, Walnüsse und Honig.

Der Antrunk ist recht süß und er zeichnet sich durch eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge bleibt die Süße erhalten und die Aromen spiegeln sich. Bitter kann ich nicht feststellen. Daher wirkt das Bier eher lasch, erzeugt aber trotzdem ein volles Mundgefühl. Auch der Abgang ist mild. Erstmals kann ich ein leichtes Bitter feststellen, das dann aber überraschend lange nachklingt.

Zutaten:

Gersten-, Weizen-, Dinkel-, Roggen- und Emmermalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5%

Brauerei:

Apostelbräu
Eben 11 – 13
94051 Hauzenberg
www.apostelbraeu.de

Apostelbräu – Einkorn-Gourmet-Bier

Manche Brauereien suchen sich eine Nische, in der ihr wirtschaftliches Überleben gesichert ist. So auch die Brauerei Apostelbräu aus dem niederbayrischen Landkreis Passau. Dort haben sich die Brauer darauf eingeschworen, Biere aus alten Getreidearten zu brauen, die ansonsten vermutlich dem Vergessen zum Opfer fallen würden. Jetzt steht vor mir das Einkorn. Dieses Getreide stammt ursprünglich vom wilden Weizen ab (Quelle: Wikipedia)

Bernsteinfarben und nur leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die sahnige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und elfenbeinfarben. Sie bleibt sehr lange erhalten.

Das Bier duftet nach Karamel und Pumpernickel, nach getrockneten Birnen und einem Hauch Honig. Das ist doch schon mal vielversprechend.

Der Antrunk ist mäßig süß und die feinperlige sanfte Kohlensäure ist leider nur sehr wenig vorhanden. Auf der Zunge dominieren die Geschmacksnoten nach Brotrinde und eine leichte fruchtige Säure gesellt sich dazu. Bitter kann ich nicht feststellen, aber das Mundgefühl ist angenehm weich. Der Abgang ist mild mit einer leichten Fruchtigkeit und kurzem Nachklang.

Mein Lieblingsbier wird das Einkorn mit Sicherheit nicht, aber ich kann durchaus nachvollziehen, dass es seine Fans hat. Immerhin hebt es sich wohltuend von der Masse der Biere ab.

Zutaten:

Wasser, Einkornmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Apostelbräu
Eben 11-13
94051 Hauzenberg
www.apostelbraeu.de

Apostelbräu – Roggen

Die Brauerei Apostelbräu ist im niederbayrischen Hauzenberg beheimatet, das im Landkreis Passau liegt. Bekannt wurde die Brauerei im Wesentlichen durch zwei Dinge: dort wird Bier aus anderen Getreiden als Gerste und Weizen gebraut und das Landratsamt hat der Brauerei untersagt, auf den Flaschenetiketten den alten bayrischen Wunsch „Wohl bekomm’s“ abzudrucken. Dieser Aufdruck wäre eine gesundheitsbezogene Aussage. Meiner Meinung nach handelt es sich hier aber wohl eher um einen bürokratischen Ausrutscher des Landratsamts. Aber jetzt wollen wir uns mit dem Bier beschäftigen, das die Brauerei von anderen unterscheidet. Jetzt steht als erstes Bier dieser Brauerei das Roggen vor mir.

Dunkel rotbraun und leicht hefetrüb fließt das Bier ins Glas. Die durchschnittlich große elfenbeinfarbene Schaumkrone ist fest und bleibt lange erhalten. Damit ist das Bier optisch jedenfalls sehr ansprechend.

Das Bier duftet nachKaramell und Pumpernickel, dazu leichte Zitrusnoten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße aus. Dabei macht das Bier einen wirklich frischen Eindruck, auch wenn die sehr feinperlige Kohlensäure recht knapp dosiert ist. Auf der Zunge erinnert das Bier an ein gutes Sauerteigbrot. Bitterstoffe kann ich kaum schmecken. Das Mundgefühl ich angenehm weich. Der Abgang ist mild. Auch jetzt kann ich nur wenig Bitter feststellen, aber eine leichte Fruchtigkeit verleiht dem Bier eine ungewohnte Leichtigkeit. Trotz der wenigen Bitterstoffe klingt der Geschmack lange nach.

Zutaten:

Wasser, Roggenmalz, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen (Bavaria Mandarin, Tettnanger)

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Brauerei:

Apostelbräu
Eben 11-13
94051 Hauzenberg
www.apostelbraeu.de

Bertinchamps – Hiver

Die Familie Humblet war auf der Suche nach einem Standort für den Bau einer neuen Brauerei, um die Tradition und die lange Liste der von ihrem Vater Benoit Humblet gebrauten Biere fortzusetzen.

Im Jahr 2011 entdeckten sie den Bauernhof von Bertinchamps, nicht weit von Gembloux in der Wallonie entfernt. Der Hof war sehr alt und auch ziemlich verfallen. Aber er verfügte über erstaunlichen Charakter und lag in einer Umgebung, die den Vorstellungen der Familie entsprach. Es war Zeit für eine Verjüngungskur und das Renovierungsprojekt begann sofort. Nach fast 2 Jahren harter Arbeit wurde schließlich im März 2013 die Brauanlage in den alten Scheunen installiert. Hochmoderne Gärtanks mit einem Fassungsvermögen von 6.000 hl, ein erstaunlicher Kontrast zwischen moderner Technologie und dem mehr als 7 Jahrhunderte alten Bauernhof. Dort werden inzwischen acht unterschiedliche Biere gebraut. Dazu gehört auch das Hiver, das nur im Winter erhältlich ist und das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Bernsteinfarben, hefetrüb und mit einer leicht überdurchschnittlichen Schaumkrone strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Da der Schaum sehr lange erhalten bleibt, ist an der Optik schon mal nichts auszusetzen.

Das Aroma ist würzig. Die Gewürze, die beim Brauen verwendet wurden, stehen eindeutig im Vordergrund. Ich kann sie nicht im Einzelnen identifizieren, aber eine gewisse Tendenz zu den Kräutern der Provence ist nicht zu übersehen. Dazu kommt die Malzsüße mit einem Karamellduft, so dass das Bier einerseits an einen Kräuterbonbon erinnert, was aber diesmal nicht abwertend gemeint ist, sondern wirklich Lust macht auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, aber die Kräuter geben dem Bier eine sehr angenehme Würzigkeit. Die Süße bleibt auch auf der Zunge erhalten und die Kräuter kommennoch weiter in den Vordergrund. Bitterstoffe kann ich kaum feststellen. Obwohl das Bier mit seinen acht Volumenprozent für ein Weihnachts- oder Winterbier nicht übertrieben kräftig und der Alkohol sehr gut in den Geschmack eingearbeitet ist, erinnert es mich doch an einen Likör. Das Mundgefühl ist weich und voll. Im Abgang wird das Bier trockener, das Bitter wird etwas kräftiger. In der Kehle stehen zunächst besonders die Kräuter im Vordergrund, aber das Bitter klingt länger nach.

Dieses Bier eignet sich hervorragend zu Wildgerichten, aber auch zur Weihnachtsgans.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Gewürze

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Stammwürze:

18° Plato

Farbe:

20 – IBU 30

Brauerei:

Brasserie de Bertinchamps
4, Rue de Bertinchamps
5030 Gembloux
Belgien
www.bertinchamps.be

Joybräu – Proteinbier Light 7G

Jetzt steht mal wieder ein Bier von Joybräu in Hamburg vor mir. Wie alle anderen Biere von Joybräu ist auch dieses alkoholfrei. Obwohl alkoholfreie Biere bereits von Haus aus deutlich weniger Kalorien enthalten als Biere mit Alkohol, wird das 7G, das jetzt auf seine Verkostung wartet, noch einmal mit dem Begriff „Light“ beworben. Dann bin ich ja mal gespannt, wie sich dieses Bier so macht.

Weizengelb und gefiltert läuft das Bier ins Glas und lässt dabei eine durchschnittlich große sahnige Schaumkrone erstehen, die lange erhalten bleibt. Das Bier erscheint etwas blass, ansonsten aber wirklich ansehnlich.

Das Bier duftet nach Karamell, unterstützt durch einige blumige Noten des Malzes sowie einem dezenten Duft nach Vanille.

Der Antrunk ist leicht süß und sehr rezent. Auf der Zunge kommt ein passendes Bitter dazu. Das Mundgefühl ist angenehm weich. Im Abgang wird das Bier trockener, das Bitter bleibt und klingt lange nach.

Ein alkoholfreies Bier mit reduziertem Zuckergehalt hat es bei mir schwer. Da poppt bei mir doch gleich mein Vorurteil auf, dass dieses Bier ziemlich wässrig sein könnte. Das Joybräu light kann mich aber geschmacklich überzeugen. Ob die zugesetzten Proteine und Eiweiße etwas bringen kann ich nicht beurteilen; darüber müssen andere entscheiden.

Zutaten:

alkoholfreies Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen), Aminosäurenzubereitung (Wasser, BCAA (L-Leucin, L-Isoleucin, L-Valin), α-L-Alanin, L-Carnitin)

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Brauerei:

JoyBräu GmbH
Doormannsweg 43
20259 Hamburg
www.joybraeu.de

Hertl – Vater & Sohn

Hinter dieser Bierkreation steckt eine sehr persönliche Geschichte. David Hertl, Kopf und Herz hinter der Braumanufaktur Hertl, kommt aus einer Winzer-Familie. Sein Vater Bernd Hertl ist mit Leib und Seele Winzer und wünschte sich, dass sein Sohn das Handwerk ebenfalls erlernte. Schon früh wurde der Junge an die Trauben herangeführt, doch so recht wollte keine Begeisterung für die Önologie aufkommen. Man ließ nichts unversucht, doch Sturkopf David konnte nicht überzeugt werden. Um ihn trotzdem zur Fortführung eines Familiengewerbes zu bewegen, schickte man den Jungen mit seinem Großvater mit. Doch auch Elektriker wollte David nicht werden. Beim Besuch einer Brauerei allerdings entdeckte David sein großes Interesse für das Brauhandwerk. Die Familie atmete erleichtert auf, David hatte seine Passion gefunden!

Und weil man bei den Hertls nicht nachtragend ist, hat Bernd das Winzerhandwerk kurzfristig an den Nagel gehängt und unterstützt David seit Tag 1 tatkräftig in Frankens kleinster Brauerei. Diese Familiensaga hätte ein böses Ende nehmen können, doch die Hertls haben das Beste draus gemacht und feiern ihre Leidenschaft nun mit einer gemeinsamen Kreation. Vater & Sohn ist ein Bier, das Brauhandwerk und Winzerei miteinander verbindet: Ein junges Stout wird mit einem jungen Domina-Wein vergoren.

Bereits beim Öffnen der Flasche kommt mir der Inhalt entgegen. Es ist so viel Druck auf der Flasche, dass die Hälfte des Biers heraussprudelt. Schade. Eigentlich wollte ich es ja trinken. Und das Aroma ist wirklich verführerisch. Es erinnert mich an einen guten französischen Rotwein, der sein Aroma mit dem der Hefe vermischt. Auch die Farbe erinnert an einen Bordeaux, der aber durch die Hefe eingetrübt ist.

Der Antrunk ist recht süß und wie ich nach dem Sprudeln des Biers aus der Flasche vermutet hatte, enthält es reichlich Kohlensäure. Auf der Zunge macht das Bier den gleichen Eindruck wie in der Nase. Rotwein und Hefe sind die Geschmackseindrücke, eigentlich ähnlich wie bei einem roten Federweißen. Nur kommen jetzt die Weinnoten noch mehr zum Vorschein. Das Mundgefühl ist weich und rund. Der Rotweingeschmack dominiert auch den Abgang, wobei noch die Bitterstoffe des Hopfens zum Tragen kommen, die einige Zeit nachklingen.

Zutaten:

Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe), Wein (Wasser, Trauben, Hefe)

Alkoholgehalt:

9 % Vol.

Brauerei:

Braumanufaktur Hertl
Thüngfeld 61
96132 Schlüsselfeld
www.braumanufaktur-hertl.de

 

Kiesby – Waldbier Eiche

Bereits seit dem Jahr 2011 braut die Naturbrauerei Kiesbye in Zusammenarbeit mit den österreichischen Bundesforsten in jedem Jahr ein besonderes Bier, in dem er eine Zutat aus dem Wald verwendet. Bislang hat er die folgenden Biere gebraut:

  • Jahrgang 2019; Elsbeere
  • Jahrgang 2018: Holzbirne
  • Jahrgang 2017: Wilde Kirsche
  • Jahrgang 2016: Wacholder
  • Jahrgang 2015: Fichtenharz
  • Jahrgang 2014: Schwarzkiefer
  • Jahrgang 2013: Lärche
  • Jahrgang 2012: Zirbe
  • Jahrgang 2011: Tanne

2020 war dann die Eiche dran. Vermutlich hat noch nie ein Bier eine so lange Planungs- und Vorbereitungszeit erfordert. Bereits 2015 wurde die 200 Jahre alte Traubeneiche für dieses Bier im Revier Kierling im Wienerwald ausgewählt und gefällt. Die geschnittenen Bretter trockneten dann bis ins Jahr 2019, in dem sie nach Niederösterreich gebracht und von Innungsmeister Schrimpl zu 60 Dauben verarbeitet wurden. Die Dauben wurden nach Deutschland zum Fassbauer Eder gebracht, der sie zu einem Barrique-Fass zusammensetzte, das dann nach den Vorgaben der Brauerei getoastet wurde. Anschließend wurde das Waldbier in das Fass gefüllt, wo es mehrere Monate reifte und die Holznoten aus dem Fass extrahierte.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist nicht allzu voluminös und sie fällt auch schnell in sich zusammen.

Das Aroma gefällt mir da schon deutlich besser. Das Aroma nach Trockenfrüchten wie Rosinen und Feigen paart sich mit dem von dunklem Honig, Aprikosen und Rum. Auch dass das Bier drei Monate im Holzfass gereift wurde, schlägt sich im Duft nieder.

Der Antrunk ist frisch und durch die reichlich vorhandene Kohlensäure auch wunderbar spritzig. Das Mundgefühl ist voll und schwer, es erinnert fast an Wein. Dabei ist der Geschmack mild, eine leichte fruchtige Säure harmoniert mit der gut abgestimmten Restsüße des Malzes. Die Aromen, die ich bereits in der Nase festgestellt habe, spiegeln sich auf der Zunge wider. Dazu kommen noch einige blumige Nuancen. Bitter kann ich nicht feststellen. Im Abgang kommt das Holz zum Tragen und obwohl ich auch jetzt kein Bitter schmecke, klingt der Geschmack lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Eichenholz, Hefe

Alkoholgehalt:

6,2% Vol.

Brauerei:

Kiesbye Naturbrauerei
Axel Kiesbye GmbH
Dorfplatz 1
5162 Obertrum
Österreich
www.kiesbye.at