|

Broeder Jacob Double Port – Wenn belgisches Bier auf portugiesischen Portwein trifft

Manche Brauereien experimentieren mit Whisky-, Rum- oder Weinfässern. Die belgische Brauerei Broeder Jacob ging einen anderen Weg und schuf mit dem Double Port nach eigenen Angaben das erste belgische Bier, dem echter Portwein zugesetzt wurde. Verwendet wird ein fünf Jahre in Eichenfässern gereifter Tawny Port aus dem Weingut Portal d’Azenha im portugiesischen Douro-Tal.

Die Geschichte des Portweins reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Im 17. Jahrhundert suchten englische Weinhändler während der Handelskonflikte mit Frankreich nach Alternativen und fanden sie im Douro-Tal. Um den Wein für die lange Seereise nach England haltbar zu machen, wurde die Gärung durch die Zugabe von Weindestillat gestoppt. Dadurch blieb ein Teil des natürlichen Traubenzuckers erhalten und der charakteristische süße, alkoholreiche Portwein entstand. Tawny Port reift anschließend mehrere Jahre in kleinen Eichenfässern und entwickelt dabei seine typischen Aromen von Nüssen, Mandeln, Trockenfrüchten, Karamell und Holz – Eigenschaften, die auch das Broeder Jacob Double Port prägen sollen.

Bereits beim Einschenken macht das Bier einen eleganten Eindruck. Es präsentiert sich in einem dunklen Kupferton und ist glanzfein filtriert. Die reichliche, feinporige, hellbraune Schaumkrone fällt zwar zunächst etwas schneller zusammen, hinterlässt aber einen stabilen Schaumrand, der lange erhalten bleibt.

In der Nase zeigt sich sofort, dass hier mehr als ein klassisches belgisches Starkbier im Glas steckt. Ein angenehmes Liköraroma verbindet sich mit dunkler Schokolade, Karamell und reifen Pflaumen. Dazu gesellen sich überraschend frische grasige Noten, die dem Bouquet zusätzliche Spannung verleihen.

Der Antrunk beginnt mit einer angenehmen Malzsüße und einer sehr feinperligen Kohlensäure. Trotz seiner neun Prozent Alkohol wirkt das Bier dabei nicht übermäßig schwer oder wuchtig. Im weiteren Verlauf spiegeln sich die Eindrücke aus der Nase nahezu vollständig wider. Karamell, dunkle Schokolade und Pflaumen bilden das geschmackliche Zentrum. Hinzu kommt eine dezente fruchtige Säure, die dem Bier zusätzliche Lebendigkeit verleiht. Das Mundgefühl ist ausgesprochen weich und rund. Lediglich der Alkohol macht sich durch ein leichtes Prickeln auf der Zunge bemerkbar. Eine nennenswerte Bittere ist dagegen kaum wahrnehmbar, sodass die süßen und fruchtigen Komponenten klar dominieren. Der Abgang fällt überraschend mild aus. Erst im langen Nachhall gewinnt die Fruchtigkeit nochmals an Intensität und begleitet den letzten Schluck angenehm lange.

Das Broeder Jacob Double Port ist kein Bier für den schnellen Durst, sondern ein Genussbier, das sich Zeit nehmen möchte. Die Kombination aus belgischem Starkbier und fünf Jahre gereiftem Tawny Port wirkt stimmig und verleiht dem Bier eine ganz eigene Handschrift. Wer kräftige, malzbetonte Biere mit weinähnlicher Aromatik schätzt, dürfte hier auf eine spannende Entdeckung stoßen.

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Bittereinheiten:

2 IBU

Farbe:

25 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10 ° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Broeder Jacob
Hasseltsesteenweg 617
3700 Tongeren
Belgien
www.broederjacob.be

Ähnliche Beiträge

  • |

    Brasserie de l‘Abbaye des Rocs – La Montagnarde 1979 Ambrée

    Südlich von Mons liegt in der Provinz Hennegau das Dorf Montignies-sur-Roc. Die offizielle Tourismusseite www.visitwallonia.be nennt es eines der schönsten Dörfer der Wallonie. Die dortigen Einwohner werden Montagnards genannt, so dass es mir logisch erscheint, dass das dort gebraute Bier La Montagnarde heißt. Ich habe vier dieser Biere bei mir im Kühlschrank stehen und heute…

  • Bink Bloesem

    Bink Bloesem heißt das Honigbier aus Sint-Truiden in Belgien, das jetzt vor mir steht, auf Deutsch „blütenrosa“. Die Besonderheit dieses Bieres ist, dass es mit Honig und Birnensirup gebraut wird. Erstmals wurde es im Jahr 2000 aus Anlass des 50. Blütenfestes hergestellt. Es wird nur saisonal gebraut und steht nur von April bis Oktober jeden…

  • Chiemseer – Hell

    Eventuell kennen Sie das Chiemseer Helle ja aus dem Urlaub. In Rosenheim befindet sich das relativ junge Chiemseer Brauhaus, aus dem dieses Bier stammt. Leuchtend hellgelb ist das Bier und es bringt neben einer durchschnittlichen Schaumkrone eine Menge Kohlensäure mit sich. Im Duft dominiert das Malz, der Hopfen hält sich diskret im Hintergrund. Einem Norddeutschen…

  • Tatra Niepasteryzowane

    Nun steht ein Bier vor mir, das ich mir von meinem letzten Besuch in Polen mitgebracht habe, das Tatra Niepasteryzowane. Niepasteryzowane bedeutet „nicht pasteurisiert“ und das Bier verspricht einen frischen Geschmack, was ich von einem Lager auch erwarte. Mal sehen, ob das Bier diesem Anspruch auch gerecht werden kann. Gebraut wurde das Bier von Carlsberg…

  • |

    Inne Beczki – Black Sands

    Dieses Bier werden Sie niemals selbst trinken. Weshalb, verrät die Brauerei: „Black IPA DDH, 14°Blg Pop Up ist unsere experimentelle Serie. Wir brauen jedes Bier dieser Serie nur einmal. Dunkel in der Farbe, geröstet, mit leichten Kaffeenoten und der doppelten Menge an amerikanischem Hopfen! Siehe Black Sands – ein doppelt zitrusartiges schwarzes IPA!“ Lohnt es…

  • |

    3 Schténg

    Der Name 3 Schténg stammt aus dem limburgischen Dialekt Platdiets und bedeutet übersetzt „Drei Steine“. Er bezieht sich auf die drei Grenzmarkierungssteine am Dreiländereck von Vaalserberg an der niederländisch-belgisch-deutschen Grenze, einer Touristenattraktion in der Gemeinde Gemmenich. Auf dem Dreiländereck wurde ein Aussichtsturm mit Restaurant errichtet, der DrieLaenderpunkt Aussichtsturm oder Baudewijntoren. In diesem Turm wird das…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.