Bolten sucht strategischen Investor

Die Privatbrauerei Bolten in Korschenbroich stellt die Weichen für ihre weitere Zukunft neu. Die Eigentümer Michael Hollmann und Paul Bösken-Diebels haben einen M&A-Prozess eingeleitet und suchen nach einem strategischen Partner. Wie weit dessen Engagement reichen könnte, ist bislang offen: Denkbar sind sowohl der Einstieg eines Investors als auch die Übernahme größerer Unternehmensanteile oder ein vollständiger Verkauf der Brauerei. (Mergers & Acquisitions (M&A), dt. etwa „Fusionen und Übernahmen“ ist im Wirtschafts- und Finanzwesen der Anglizismus für Transaktionen im Investmentbanking, welche die Vermittlung von Unternehmensverbindungen, Unternehmensspaltungen oder Umwandlungen durch Banken zum Inhalt haben. Quelle: Wikipedia)

Hinter der Partnersuche steht eine wirtschaftlich angespannte Situation. Nach Angaben von North Data erwirtschaftete Bolten im Geschäftsjahr 2024 einen Jahresfehlbetrag von rund 900.000 Euro. Die Eigenkapitalquote lag zum Jahresende nur noch bei etwa fünf Prozent. Gleichzeitig bestanden Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten in Höhe von 11,2 Millionen Euro sowie weitere 6,9 Millionen Euro gegenüber den Gesellschaftern.

In einer Mitteilung vom 14. August erklärten die Eigentümer, sie wollten das Unternehmen bei „stabiler Entwicklung der Marke Bolten“ gemeinsam mit einem strategischen Partner weiterentwickeln. Die Suche erfolgt vor dem Hintergrund eines Biermarktes, der insbesondere mittelständische Brauereien seit Jahren unter erheblichen wirtschaftlichen Druck setzt.

„Unsere Marke steht heute im Markt gut da. Gerade deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Weichen für die Zukunft zu stellen“, erklärte Geschäftsführer Michael Hollmann. Nach seiner Einschätzung benötigen mittelständische Brauereien zunehmend wirtschaftliche Stärke, um notwendige Investitionen stemmen und mögliche Synergien nutzen zu können. „Mit einem Partner an unserer Seite wollen wir Bolten genau diese Kraft für die Zukunft geben.“

M&A-Berater begleiten die Suche

Für den Auswahlprozess hat Bolten externe M&A-Berater eingeschaltet. Solche Spezialisten begleiten Unternehmen unter anderem bei Beteiligungen, der Aufnahme neuer Investoren und Unternehmensverkäufen. Damit wird deutlich, dass sich die angekündigte strategische Partnerschaft nicht lediglich auf eine Vertriebs- oder Produktionskooperation beschränken dürfte, sondern eine Veränderung der Eigentümerstruktur zumindest zur Diskussion steht.

Welche Variante von den bisherigen Gesellschaftern bevorzugt wird, lässt Bolten bislang offen. Auch zur möglichen Höhe einer Beteiligung, zur künftigen Rolle von Hollmann und Bösken-Diebels sowie zu einem Zeitplan für den Prozess gibt es noch keine Angaben.

Deutscher Biermarkt bleibt unter Druck

Die Suche nach zusätzlicher wirtschaftlicher Stärke fällt in eine für deutsche Brauereien schwierige Zeit. Der Bierabsatz in Deutschland ging 2025 um 6,0 Prozent auf rund 78 Millionen Hektoliter zurück. Damit wurde nicht nur der stärkste Rückgang seit Beginn der entsprechenden Zeitreihe im Jahr 1993 verzeichnet, sondern erstmals auch die Marke von 80 Millionen Hektolitern unterschritten.

Auch im ersten Halbjahr 2026 setzte sich die rückläufige Entwicklung fort. Insgesamt wurden 38,45 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt, 2,2 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich fiel der Rückgang beim steuerpflichtigen Absatz innerhalb Deutschlands aus: Dieser sank um 3,1 Prozent auf 31,22 Millionen Hektoliter.

Für kleinere und mittelständische Brauereien verschärft diese Entwicklung den ohnehin bestehenden Kostendruck. Sinkende Absatzmengen verteilen Fixkosten auf weniger verkaufte Hektoliter, während gleichzeitig Investitionen in Produktion, Logistik, Energieeffizienz und Markenpflege finanziert werden müssen. Kooperationen, Beteiligungen und Übernahmen gewinnen deshalb innerhalb der Branche zunehmend an Bedeutung.

Bolten blickt auf lange Geschichte zurück

Michael Hollmann übernahm die Privatbrauerei Bolten im Jahr 2005. Ende 2006 kam Paul Bösken-Diebels als Mitinhaber hinzu. Die Korschenbroicher Brauerei führt ihre Geschichte bis auf das Jahr 1266 zurück und bezeichnet sich als älteste Altbierbrauerei der Welt.

Ob Bolten künftig weiterhin unter den bisherigen Eigentümern mit einem zusätzlichen Investor geführt wird oder ob die Partnersuche in eine weitreichendere Veränderung der Eigentumsverhältnisse mündet, bleibt vorerst offen. Fest steht lediglich, dass die Brauerei mit dem gestarteten M&A-Prozess aktiv nach einer Lösung sucht, die der Marke und dem Unternehmen langfristig größere wirtschaftliche Stabilität verschaffen soll.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.