Eine Brauerei macht Allgäuer Stolz

Eigentlich hat die Familie Stolz dieses Jahr schon genug Grund, zu feiern: Die Brauerei der Isnyer Familie wird 100 Jahre alt. Im Frühjahr gewann das Unternehmen dann auch noch überraschend den „German Brand Award“ – einen der wichtigsten Markenpreise Deutschlands. Das Bier „Allgäuer Stolz Hell“ ist „Produktmarke des Jahres“ und legte laut Jury eine „exzellente Markenkampagne“ an den Tag.

Als die Urkunde per Post kam, hielt die Familie das erst mal für einen Irrtum. Wir haben bei der Agentur angerufen und gesagt: „Wir haben da was für Euch, das ist bei uns gelandet“, erzählt Junior-Chefin Tanja Stolz und muss dabei immer noch lachen. Die Mitarbeiter der Agentur klärten sie freundlich auf: Der Preis zeichne die gemeinsame Überarbeitung, die Neugestaltung und die öffentliche Darstellung der Biersorte aus. „Das sind Entscheidungen, die treffen am Ende die Unternehmer“, sagt Christian Rast, der das Bier aus Isny mit den Ideen aus seiner Agentur vor Produkten der Firmen Bahlsen und Coca-Cola platzierte.

So war das am Anfang freilich nicht gedacht: Vor zwei Jahren wollten die Brauer Hans und Johannes Stolz einfach ein neues Bier entwickeln. Mild und süffig sollte es sein und genug Zeit zum Reifen haben. Als beim Probezapfen endlich ein Ergebnis ins Glas floss, das allen schmeckte, waren sie stolz. Und so tauften sie es auch: Allgäuer Stolz. „Wir wollten vor allem unserer Heimat mit dem Namen ein bisschen was zurückgeben“, erklärt Johannes den Gedanken.

Die Brauer füllten das neue Bier in dickbauchige Flaschen ab und ließen dafür noch ein Etikett entwickeln. Ein Freund gestaltete den Flaschenaufkleber, Christian Rasts Agentur Kodiak sollte nur noch Flyer und Plakate dazu drucken. Bei der Besprechung fragte der Grafiker, ob er „was ausprobieren“ dürfe, erzählen die Brauer. Zum nächsten Treffen brachte der junge Mann zehn neue Etiketten mit. Man schaute sich die Sache an. „Wir waren schon kurz überfordert mit den Ideen“, erzählt Johannes Stolz. Aber eine handgemachte Zeichnung mit Bergen, einem Fass und einem Mann mit Bierkrug und Fallschirm drauf gefiel der Familie, den Mitarbeitern und einem ausgesuchten Kreis von Freunden sofort. Eine ganze Werbekampagne startete.

Heute, 36 Monate nach dem ersten verkauften „Allgäuer Stolz“ mit den handgemalten Etiketten ist klar: Das neue Bier läuft. „Wir waren dazwischen sogar einmal kurz ausverkauft“, erzählt Brauer Johannes Stolz. „Den Leuten schmeckt’s offenbar.“ Und den Designern deutschlandweit gefällt’s: Denn die 100 Jahre alte Familienbrauerei aus Isny im Allgäu ist jetzt im sogenannten „Style Book“ vertreten. Ein 400 Seiten starkes Buch, das Designern in Agenturen als Inspiration dient. „Hier wird geschaut, wie man Produkte im Moment emotional auflädt und zum Schwingen bringt“, sagt Rast.

Familie Stolz ist von dem überragenden Erfolg immer noch ein bisschen überrascht. Der erfahrene Mann von der Agentur hat vorher schon gewusst, dass „Allgäuer Stolz“ gut funktioniert. Die Familie, die Brauerei, die Geschichte, das Produkt: „Die Kampagne war prädestiniert für einen Preis.“ Auch wenn er es schon geahnt hatte, stolz ist er jetzt natürlich trotzdem. Genau wie die Brauerfamilie aus Isny.

Bevor ich es vergesse: Das 100-jährige Jubiläum feiert die Familie Stolz mit einem Fest. Am 12. und 13. Oktober lädt die Brauerei ins große Festzelt ein. Vier Kapellen sorgen am Samstagabend für Stimmung und bodenständige Unterhaltung. In der Bar gibt’s interessante Kreationen von originellen Biercocktails. Am Sonntag ist um 9.30 Uhr großer Festgottesdienst. Danach lädt die Familie zum Frühschoppen und zum Tag der offenen Brauerei ein. Gäste können die Herstellung verfolgen und Allgäuer Stolz-Biere verkosten. Der Brauereigasthof Engel serviert an beiden Tagen Krustenbraten und am Nachmittag Kaffee und Kuchen.

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