100 Jahre Westmalle Dubbel: Wie ein Trappistenbier zum Vorbild eines Bierstils wurde

Ein dunkles, rötlich-braunes Bier, sieben Prozent Alkohol und eine Geschichte, die weit über die Grenzen einer belgischen Abtei hinausreicht: Westmalle Dubbel feiert 2026 seinen 100. Geburtstag. Die Trappistenbrauerei begeht das Jubiläum mit Sonderflaschen, einem eigens gestalteten Glas, einem besonderen Käse und speziellen Aktionen in der Gastronomie. Auch die seltene Gelegenheit, die Brauerei selbst zu besichtigen, steht in diesem Jahr im Zeichen des Jubiläums.

Die Geschichte hinter dem Geburtstagskind reicht allerdings wesentlich weiter zurück als bis 1926. Sie beginnt mit französischen Mönchen, die vor der Revolution aus ihrer Heimat flohen, und führt von einem einfachen Bier für den eigenen Mittagstisch zu einer Brauerei, deren Dubbel und Tripel zu Vorbildern ganzer Bierstile wurden.

Von Frankreich nach Westmalle

Die Ursprünge der Abtei liegen am Ende des 18. Jahrhunderts. 1794 ließen sich Mönche aus dem französischen Kloster La Trappe in der Nähe von Westmalle nieder. Sie waren infolge der Französischen Revolution aus Frankreich geflohen und gründeten dort das Kloster, aus dem später die Abtei Unserer Lieben Frau vom Heiligen Herzen von Westmalle hervorging.

Die Gemeinschaft gehört zum Orden der Zisterzienser der Strengen Observanz, dessen Mitglieder heute meist als Trappisten bezeichnet werden. Ihr klösterliches Leben folgt der Regel des heiligen Benedikt und verbindet Gebet mit körperlicher Arbeit. Die wirtschaftlichen Tätigkeiten des Klosters dienen deshalb zunächst dem Unterhalt der Gemeinschaft und nicht der Gewinnmaximierung.

1836 wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Im selben Jahr begann auch die Geschichte der Brauerei. Pater Bonaventura Hermans und Bruder Alberic Kemps richteten eine kleine Braustätte ein. Am 10. Dezember 1836 konnten die Mönche erstmals ihr eigenes Bier trinken. Es war dunkel, süß und vergleichsweise alkoholarm und wurde zunächst ausschließlich für den Eigenbedarf hergestellt.

Aus dem Klosterbier wird ein Handelsprodukt

Dass Westmalle einmal zu den international bekanntesten Trappistenbrauereien gehören würde war zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen. Fast zwei Jahrzehnte lang blieb das Bier der klösterlichen Gemeinschaft vorbehalten.

Erst ab 1856 wurde gelegentlich Bier am Tor der Abtei verkauft. Die Nachfrage war offenbar groß genug, um die Brauerei anschließend auszubauen. Aus den Rechnungsbüchern jener Zeit geht außerdem hervor, dass inzwischen zwei verschiedene Biere existierten: ein leichtes Bier für den eigenen Verbrauch und ein stärkeres braunes Bier.

Der entscheidende Schritt vom klösterlichen Eigenbedarf zum regulären Vertrieb folgte wesentlich später. 1921 beschlossen die Mönche, ihr Bier auch über Bierhändler verkaufen zu lassen. Damit erreichte Westmalle zunehmend ein Publikum außerhalb der unmittelbaren Umgebung der Abtei.

1926 entsteht das Westmalle Dubbel

Das dunkle Bier wurde nach dem Ersten Weltkrieg weiterentwickelt. In den 1920er-Jahren tauchte dafür die Bezeichnung „Dubbel Bruin“ auf. 1926 veränderten die Mönche schließlich die Rezeptur ihres bisherigen braunen Trappistenbiers.

Dabei erhöhten sie die Menge der verwendeten Zutaten. Nach Darstellung der Brauerei bezieht sich der Name „Dubbel“ auf die gegenüber dem ursprünglichen leichten Trappistenbier verdoppelte Menge der Zutaten beziehungsweise des Malzes. Aus dieser Rezeptur entwickelte sich das Westmalle Dubbel, dessen hundertjähriges Jubiläum die Brauerei nun feiert.

Heute besitzt das Dubbel sieben Volumenprozent Alkohol. Es ist obergärig und erhält durch eine zweite Gärung in der Flasche seine endgültige Ausprägung. Westmalle beschreibt das rötlich-braune Bier mit Aromen von Karamell, Malz und fruchtigen Estern sowie einem langen, trockenen Abgang.

Seine Bedeutung geht allerdings über das einzelne Bier hinaus. Westmalle Dubbel entwickelte sich zu einem der maßgeblichen Vorbilder für jene dunklen, kräftigen belgischen Biere, die heute international unter der Stilbezeichnung Dubbel zusammengefasst werden.

Damit ist etwas Bemerkenswertes passiert: Aus der Bezeichnung eines bestimmten Trappistenbiers wurde im Laufe der Zeit ein international gebräuchlicher Begriff zur Beschreibung eines Bierstils.

Acht Jahre später folgt das Tripel

Westmalle beließ es nicht beim Dubbel. Anfang der 1930er-Jahre investierte die Abtei in eine neue Brauerei mit neuer Brauhalle, Gärkammer und Werkstatt.

Zur Inbetriebnahme der neuen Anlagen wurde 1934 ein weiteres Bier gebraut. Dieses Mal entschieden sich die Mönche für ein starkes, helles Bier: das Westmalle Tripel. Auch dieses Bier sollte weit über Westmalle hinaus stilprägend werden.

Heute ist das Tripel international vermutlich sogar bekannter als sein dunkler Vorgänger. Historisch steht das Dubbel jedoch am Anfang dieser Entwicklung. Erst acht Jahre nach der Rezeptur von 1926 folgte das Bier, das den Begriff „Tripel“ weltweit bekannt machen sollte.

Damit hat Westmalle gleich zwei Bezeichnungen entscheidend geprägt, die heute selbstverständlich zum Vokabular der internationalen Bierwelt gehören.

Vier Biere und rund 120.000 Hektoliter im Jahr

Aus der kleinen Klosterbrauerei des Jahres 1836 ist inzwischen ein professioneller Betrieb geworden, dessen Organisation dennoch an die Regeln des Trappistenlebens gebunden bleibt.

Aktuell leben 17 Mönche in der Abtei. Daneben beschäftigt Westmalle 75 weltliche Mitarbeiter, 53 davon in der Brauerei. Gebraut werden vier Biere: Extra, Dubbel, Tripel und Duo. Die gesamte Jahresproduktion liegt bei rund 120.000 Hektolitern.

Eine möglichst große Produktionsmenge ist dabei ausdrücklich nicht das Ziel. Die Einnahmen aus Bier und Käse dienen zunächst dem Unterhalt der Gemeinschaft, der Erhaltung der Abtei, den Löhnen der Beschäftigten und notwendigen Investitionen. Überschüsse werden zur Unterstützung anderer Klöster und für wohltätige Zwecke verwendet.

Das Dubbel trägt außerdem das Siegel „Authentic Trappist Product“. Trappistenbier bezeichnet damit nicht einfach einen Bierstil. Das Siegel ist an bestimmte Voraussetzungen hinsichtlich Herstellung und Verbindung mit einem Trappistenkloster geknüpft.

Sonderetikett und Kronkorken zum 100. Geburtstag

Ein hundertjähriges Bier lässt Westmalle nicht ohne Feierlichkeiten verstreichen. Die Brauerei hat für das Jubiläum mehrere Aktionen vorbereitet, von denen einige bereits angelaufen sind und andere erst im Herbst folgen.

Seit Mitte August werden die 0,33-Liter-Flaschen des Westmalle Dubbel vorübergehend mit einem besonderen Jubiläumsetikett ausgeliefert. Dazu gehört ein passender Kronkorken, der ebenfalls auf das hundertjährige Bestehen hinweist.

Auch das bekannte Westmalle-Glas erhält eine Jubiläumsausführung. Es trägt eine spezielle Gestaltung zum 100. Geburtstag und bekommt einen feinen silbernen Rand. Damit greift die Brauerei ein historisches Detail auf: Vor einigen Jahrzehnten wurden Westmalle-Gläser gelegentlich bereits auf diese Weise verziert.

Große Jubiläumsflaschen folgen im Herbst

Sammler dürften vor allem auf die für den Herbst angekündigten Sonderflaschen warten. Westmalle will das Dubbel in limitierten 0,75-Liter-Flaschen sowie Drei-Liter-Jeroboams anbieten.

Beide erhalten eine spezielle Emaille-Verzierung zum hundertjährigen Jubiläum. Dass die entsprechenden Varianten tatsächlich vorbereitet sind, lässt sich inzwischen auch in den technischen Unterlagen der Brauerei nachvollziehen: Dort werden gesonderte Versionen „Dubbel 75 cl – 100 jaar“ und „Dubbel 3 l – 100 jaar“ geführt.

Ein genaues Verkaufsdatum oder die Größe der jeweiligen Auflage hat Westmalle bislang nicht veröffentlicht.

Zum Dubbel gibt es eigens hergestellten Bierkäse

Eine besonders passende Verbindung zweier klösterlicher Produkte hat sich Westmalle für die Gastronomie ausgedacht.

Von Ende September bis Ende Oktober soll in ausgewählten Gaststätten, die Westmalle Dubbel vom Fass anbieten, beim Kauf eines Dubbel für einen begrenzten Zeitraum eine Portion Westmalle-Käse gereicht werden.

Dabei handelt es sich nicht um den regulären Käse der Abtei. Für das Jubiläum wurde einmalig eine begrenzte Menge eines besonderen Käses hergestellt. Während der Produktion wurde Westmalle Dubbel hinzugegeben. Anschließend durfte der Käse – passend zum hundertsten Geburtstag – mindestens 100 Tage reifen.

Welche Gaststätten an der Aktion teilnehmen, hat die Brauerei bislang nicht in einer vollständigen öffentlich zugänglichen Liste bekanntgegeben.

Tage der offenen Brauerei stehen im Zeichen des Dubbel

Auch die diesjährigen Tage der offenen Brauerei werden mit dem Jubiläum verbunden. Das ist insofern bemerkenswert, als die Produktionsanlagen von Westmalle normalerweise nicht regulär für touristische Brauereiführungen geöffnet sind.

Am Freitag, 25. September, und Samstag, 26. September 2026 öffnet die Brauerei jeweils von 8.30 bis 15 Uhr ihre Türen. Anders als bei einer klassischen Brauereiführung erkunden die Besucher die Produktionsanlagen auf eigene Faust. Der etwa anderthalbstündige Rundgang führt unter anderem durch das Sudhaus und vermittelt Informationen über die Geschichte der Abtei und die Herstellung der Trappistenbiere. Die Informationstafeln entlang der Strecke sind auf Niederländisch verfasst; am Eingang stehen jedoch Begleitpläne mit denselben Informationen auf Niederländisch, Französisch und Englisch zur Verfügung. Einen Guide oder Audioguide gibt es nicht.

In diesem Jahr soll während des Rundgangs ausdrücklich auch das 100-jährige Bestehen des Dubbel gewürdigt werden. Im Anschluss gehört eine Verkostung zum Programm. Darüber hinaus erhalten die Besucher nach Angaben der Brauerei ein besonderes Geschenk zum Jubiläum. Was genau sich dahinter verbirgt, verrät Westmalle bislang nicht.

Die Tickets kosten 12,50 Euro und werden ausschließlich online verkauft. Der Vorverkauf startete bereits am 25. Juni.

Ein Jubiläum mit bierhistorischer Bedeutung

Die zahlreichen Sonderaktionen sind ein schöner Anlass zum Feiern. Interessanter als Jubiläumsetikett, Silberrand oder Drei-Liter-Flasche ist jedoch die Geschichte, an die Westmalle damit erinnert.

Als die Mönche 1926 ihr dunkles Bier kräftiger einbrauten, konnten sie kaum ahnen, dass dessen Name hundert Jahre später von Brauereien rund um den Globus verwendet werden würde. Das Westmalle Dubbel wurde nicht einfach zu einem erfolgreichen Trappistenbier, sondern zu einem Orientierungspunkt für einen ganzen Bierstil.

Und die Entwicklung wiederholte sich wenige Jahre später mit dem Tripel.

So erzählt das hundertjährige Jubiläum des Westmalle Dubbel zugleich einen kleinen Teil der Geschichte belgischer Bierkultur: Aus einem einfachen Klosterbier zur Selbstversorgung entstand über Jahrzehnte eine Brautradition, deren Einfluss heute weit über die Mauern der Abtei hinausreicht.

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2 Kommentare

  1. Hallo Mathias, Du hast mir den Link zu Deinem Blog unter einem Check-in bei Untapped geschickt. Ich war die letzten Tage noch unterwegs, habe aber bereits einige Deiner Artikel gelesen. Echt toll, was Du hier in den letzten Jahren an Artikeln, Informationen und Anekdoten rund um das Thema Bier angesammelt hast. Mir scheint, dass Du diesen Blog „nebenbei“ aus Liebe zum Thema Bier machst. Großen Respekt dafür. Mich würde interessieren, wie Du an die vielen Insider-Informationen aus der Bierwelt kommst? Auf jeden Fall freue ich mich darauf in der nächsten Zeit die vielen Artikel aus Deinem Archiv zu lesen. Diesen Artikel zum Wesrmalle Dubbel habe ich für meinen Kommentar ausgesucht, da ich es vorgestern noch in Belgien getrunken habe. Wirklich ein schönes Bier, und das nächste werde ich nochmals mehr genießen, da ich nun die Geschichte dazu kenne. Vielen Dank und Prost 🙂🍻

    1. Hallo Dennis,
      och, das kommt einfach so zusammen. Ich bin Sektionsleiter für Niedersachsen und Bremen in der German Beer Consumer Union, Delegierter bei der European Beer Consumer Union, für die Beschreibung belgischer Biere bin ich als Brand Ambassador für die Wallonie und die Region Brüssel ausgezeichnet worden und letztendlich bin ich durch meine Tätigkeit als Juror bei verschiedenen internationalen Bierwettbewerben so leidlich vernetzt. Da kommen die Infos ziemlich von allein. Aber schön, dass dir mein Blog gefällt. Ich hoffe nur, dass ich bald die Optik wieder in den Griff bekomme, die ich mir beim Umbau des Blogs in ein Portal zerschossen habe.

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