Faro Boon – süß-saures Wechselspiel zwischen Riesling und Cidre
Lambic gehört zu den ungewöhnlichsten Bierstilen Belgiens. Statt das Bier gezielt mit einer ausgewählten Hefekultur zu vergären, überlassen die Brauer einen Teil der Arbeit den in der Umgebung vorhandenen Mikroorganismen. Das Ergebnis dieser spontanen Gärung ist häufig trocken, komplex und deutlich säuerlich. Beim Faro wird dieser ursprüngliche Lambic-Charakter durch die Zugabe von Zucker abgemildert.
Faro war insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Alltagsbier in Belgien. Es enthielt vergleichsweise wenig Alkohol, war leicht zu trinken und schmeckte durch den zugesetzten Zucker deutlich milder als ein klassisches Lambic. Heute ist dieser Bierstil außerhalb Belgiens eher selten anzutreffen und steht meist im Schatten von Gueuze und Fruchtlambic.
Das Faro Boon entsteht aus einer Mischung von Lambic und Meerts, einer leichteren Variante des Lambic-Bieres. Hinzu kommt eine kleine Menge älteren, bis zu drei Jahre gereiften Lambics. Da die Brauerei dabei kräftigere und ältere Grundbiere verwendet als bei vielen herkömmlichen Vertretern des Stils, bezeichnet sie das Bier selbst als eine Art „Doppel-Faro“. Der Alkoholgehalt liegt bei 5 Prozent. Hergestellt wird das Bier von der Brouwerij Boon im belgischen Lembeek. Frank Boon gründete die Brauerei 1975 und spezialisierte sich auf Biere aus spontaner Gärung. Die Würze kommt dabei in offenen Kühlschiffen mit den natürlichen Hefen und Mikroorganismen der Umgebung in Kontakt. Anschließend reifen die Biere teilweise über mehrere Jahre in großen Holzfässern. Bis heute ist Boon eine unabhängige und familiengeführte Brauerei.
Nun stellt sich allerdings die entscheidende Frage: Kann das Faro Boon die manchmal etwas herausfordernde Welt der spontan vergorenen Biere tatsächlich zugänglicher machen?
Bernsteinfarben und kristallklar fließt das Bier ins Glas. Der helle Schaum bildet sich zunächst ordentlich aus, fällt aber stiltypisch recht schnell in sich zusammen. Zurück bleibt ein beinahe cognacfarbener Anblick, in dem feine Kohlensäurebläschen langsam emporsteigen.
Im Aroma halten sich Malzsüße und fruchtige Säure überraschend gut die Waage. Das Bier erinnert an Weißwein, überreife Äpfel und einen Hauch Apfelessig. Hinzu kommen karamellige Noten und eine dezente Wildheit, die erkennen lässt, dass hier ein spontan vergorenes Bier im Glas steht. Die Aromen wirken dabei nicht aggressiv oder übermäßig streng.
Im Antrunk überrascht zunächst die deutliche Süße. Sie ist kräftiger ausgeprägt, als ich es von einem Lambic-basierten Bier erwartet hätte, wirkt aber nicht klebrig. Die sehr feinperlige Kohlensäure sorgt dafür, dass das Faro trotz seiner Süße lebendig und erfrischend bleibt. Auf der Zunge entwickelt sich ein weiches und beinahe samtiges Mundgefühl. Geschmacklich erinnert das Bier an eine Mischung aus Riesling und Cidre. Süßer Apfel, Traube und Karamell wechseln sich mit säuerlichen Noten von Stachelbeere, Johannisbeere und leicht vergorenem Obst ab. Dabei bewegt sich das Bier immer wieder zwischen Süße und Säure, ohne dass eine der beiden Seiten dauerhaft die Oberhand gewinnt. Eine nennenswerte Hopfenbittere ist nicht vorhanden. Sie würde vermutlich auch kaum in dieses Geschmacksbild passen. Stattdessen lebt das Faro Boon vollständig von seinem fruchtigen Wechselspiel, der dezenten Weinsäure und der überraschend ausgeprägten Süße. Der Abgang fällt mild aus. Zurück bleiben Eindrücke von Cidre, Weißwein, Karamell und leicht vergorenen Früchten. Der Nachklang ist nicht besonders lang, rundet das Bier aber angenehm ab.
Das Faro Boon ist für ein spontan vergorenes Bier ungewöhnlich süß. Gerade deshalb eignet es sich gut für Konsumenten, die sich erstmals mit Lambic und verwandten Stilen beschäftigen möchten. Die typische Säure ist vorhanden, wird durch die Süße jedoch deutlich abgefedert. Dadurch wirkt das Bier weniger fordernd als eine trockene Gueuze, ohne seinen eigenständigen Charakter vollständig zu verlieren. Liebhaber sehr trockener und ausgeprägt säuerlicher Lambics könnten die Süße als zu dominant empfinden. Wer jedoch fruchtige Biere, Cidre oder feinherbe Weißweine mag, dürfte am Faro Boon Gefallen finden. Für mich ist es ein gut zugänglicher und angenehm zu trinkender Vertreter eines heute eher seltenen belgischen Bierstils.
Alkoholgehalt:
5,0 % Vol.
Farbe:
16 EBC
Brauerei:
Brjouwerij Boon
Fonteinenstraat 65b
1502 Lembeek
Belgien
www.boon.be
