Nächste Traditionsbrauerei in der Krise: Aktienbrauerei Kaufbeuren startet Restrukturierung

Die schwierige Lage der deutschen Brauwirtschaft fordert ein weiteres traditionsreiches Unternehmen heraus. Nur wenige Tage nach dem Insolvenzantrag der Schussenrieder Brauerei wurde bekannt, dass auch die Aktienbrauerei Kaufbeuren ein Restrukturierungsverfahren eingeleitet hat.

Das zuständige Gericht in Aalen hat dem Antrag auf Eigenverwaltung zugestimmt. Damit soll die Brauerei die Möglichkeit erhalten, sich wirtschaftlich neu aufzustellen und ihre Zukunft langfristig zu sichern.

Über 700 Jahre Braugeschichte

Die Wurzeln der Aktienbrauerei Kaufbeuren reichen bis ins Jahr 1308 zurück. Damit gehört sie zu den ältesten Brauereien Deutschlands. Trotz dieser langen Tradition kämpft das Unternehmen bereits seit längerer Zeit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Seit 2013 gehört die Brauerei zum britischen Getränkeunternehmen Rokit Drinks. Nun soll das eingeleitete Restrukturierungsverfahren helfen, die finanzielle Situation zu stabilisieren und den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen.

Produktion läuft weiter

Für Kunden, Handelspartner und Beschäftigte gibt es zunächst eine wichtige Nachricht: Der Braubetrieb in Kaufbeuren wird ohne Einschränkungen fortgeführt. Nach Angaben des Unternehmens steht der Standort nicht zur Diskussion. Die Bierproduktion soll unverändert weiterlaufen.

Veränderungen gibt es allerdings in der Unternehmensführung. Verwaltung und Geschäftsführung werden künftig nach Ellwangen verlagert. Die operative Leitung übernimmt die Unternehmensberatung Z management consulting (ZMC), die auf Krisenmanagement, Restrukturierungen und Unternehmenssanierungen spezialisiert ist.

Als Sanierungsgeschäftsführer wird Volker Zimmerer künftig strategische und administrative Entscheidungen verantworten.

Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben

In der Brauerei sind derzeit 84 Mitarbeiter beschäftigt. Nach Angaben der Verantwortlichen ist es das Ziel, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern und den Betrieb langfristig fortzuführen.

Ob dies gelingt, wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, die wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Monate zu bewältigen.

Deutsche Brauereien unter Druck

Der Fall Kaufbeuren steht nicht allein. Die deutsche Brauwirtschaft befindet sich seit Jahren in einem schwierigen Umfeld. Sinkender Bierkonsum, steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie ein intensiver Wettbewerb setzen insbesondere mittelständische und regionale Brauereien unter Druck.

Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes haben in den vergangenen sechs Jahren bereits 137 Brauereibetriebe ihren Betrieb eingestellt.

Zuletzt sorgte die Insolvenz der Schussenrieder Brauerei für Schlagzeilen. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren mehrere Braustandorte geschlossen, darunter die Herforder-Brauerei in Hiddenhausen und der Oettinger-Standort in Braunschweig. Auch Deutschlands erste Universitätsbrauerei musste Insolvenz anmelden.

Ein weiteres Warnsignal für die Branche

Die Entwicklung in Kaufbeuren zeigt erneut, wie schwierig die Situation vieler Traditionsbrauereien geworden ist. Selbst Unternehmen mit jahrhundertealter Geschichte sind heute nicht mehr automatisch vor wirtschaftlichen Problemen geschützt. Für die Aktienbrauerei Kaufbeuren beginnt nun eine entscheidende Phase. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Restrukturierung gelingt und ob eine der ältesten Brauereien Deutschlands ihre lange Geschichte fortsetzen kann.

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